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Die Musiker haben ihre Instrumente vorbereitet und sind konzentriert.
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Geräusche aus der Schule mit dem digitalen Aufnahmegerät aufnehmen
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Diskussion der Partitur. Jede Karte steht für ein Geräusch.
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geräusch[mu'si:k] nach grafischen Noten - inklusive kulturelle Bildung
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Abschlusskonzert vor Publikum. Improvisation nach Zeichnungen.
Geräusche aus dem Klassenzimmer
Schule:
Picasso-Grundschule
Gounodstraße 71, 13088 Berlin
Fon: (030) 96 06 66-0
Fax: (030) 96 06 66-21
http://www.picasso-grundschule.de/

Grundschule / Offener Ganztag
 
Kooperationspartner:
geräusch[mu'si:k] -
Daniela Fromberg, Meisterschülerin Klangkunst/Plastik, M.A. Kunst im Kontext
Stefan Roigk, Meisterschüler Klangkunst/Plastik
www.geräuschmusik.de
 
Beteiligte Schüler:
74
zwei SAPH-Gruppe (Jahrgang 1-3)
eine 1. Klasse
 
Beteiligte Lehrkräfte:
3 Klassenlehrerinnen, 3 Erzieherinnen, 1 Sonderpädagogin, 1 Schulhelfer/Sozialpädagoge
 
Stundenvolumen:
In jeder der drei Gruppe 16 Wochenstunden als Projektwoche (4 Tage á 4 Stunden) und zusätzlich gemeinsam 4 Stunden für die Generalprobe und das Abschlusskonzert.
Insgesamt 52 Stunden.
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
„Geräusche aus dem Klassenzimmer“ stellt das Hören als komplexe Wahrnehmung und den Klang als musikalische, emotionale Ausdrucksform in den Mittelpunkt. Drei altersgemischte inklusive Lerngruppen der Picasso-Grundschule erkundeten in 16-stündigen Projektwochen ihre akustische Umwelt, komponierten mithilfe grafischer Notation aus Alltagsgeräuschen eine gemeinsame Partitur und führten als Abschlusskonzert ihre eigenen drei-minütigen Improvisationen auf. Als Inspirationen dienten "Weekend", das weltweit erste experimentelle Radio-Hörspiel des Berliner Filmemachers Walter Ruttmann von 1930, sowie akusmatische Musik und Musique concrète Stücke von den 50er-Jahren bis heute.

geräusch[mu'si:k] ist eine fantastische Sprache ohne Worte ... wie ein Spiel mit Klängen statt Bauklötzen.

Experimentelle Musik, Geräusche und ungehörte Klänge sind unsere ständigen Begleiter. Von den polyfonen Rhythmen der Popmusik über das Klingeln unseres Telefons, vom Filmton des Geräuschemachers bis zur Klangkulisse der Großstadt bilden sie den akustischen Hintergrund unseres Alltags.

"Geräusche aus dem Klassenzimmer" bot den Kindern durch den unmittelbaren Umgang mit Alltagsgeräuschen und die Erkundung unserer akustischen Umwelt einen unbefangenen Zugang zu experimenteller Musik, zu Aufführungen und zeichnerischen Kompositionstechniken. Die Musik mit Geräuschen ist gerade für Kinder eine sehr spielerische und spontan zugängliche Kunstgattung, die mit ihrer mittlerweile hundertjährigen Geschichte eine facettenreiche Vielfalt hervorgebracht hat. Wir hatten für unser Projekt das wichtige Hörspiel "Weekend" ausgewählt, weil es gerade für Kinder aus Berlin natürlich auch viel mit ihrer heutigen Stadt zu tun hat.

Die Kinder merkten schnell, dass zu den "Geräuschen aus dem Klassenzimmer" alles geHören kann - es ging um ihre eigene Welt, in der sie sich auskennen. Sie suchten in der Schule nach besonders klingenden Orten und brachten von zu Hause Alltagsgegenstände als "Geräuschgeber" mit. Die ortsspezifischen Geräusche mischten sich dabei mit Tönen, die die Kindern selbst erzeugten. Mit Hilfe unterschiedlicher Mikrophone wurde auch den leisen Geräuschen nachgespürt.

Sie lernten sich gegenseitig zu dirigieren, ihre Geräusche selbstständig aufzunehmen und sie mit Hilfe von Zeichnungen und Grafiken in eine zeitliche Abfolge zu bringen. Gerade das selbstbestimmte und aktive Komponieren schult das abstrakte Vorstellungsvermögen, schafft ein Gefühl für zeitliche Abläufe und bietet die Möglichkeit, sich selbst als Schöpfer zu erkennen. Mit natürlicher Spielfreude eroberte sich die Gruppe gemeinsam unbekanntes Terrain und leistete ganz nebenbei Unerhörtes, denn nicht nur die eigenen Geräusche erklangen, sondern auch die der Nachbarn!

 
Projektauslöser/Idee:
"Geräusche aus dem Klassenzimmer" ist von geräusch[mu'si:k], den beiden Bildenden Künstler Daniela Fromberg und Stefan Roigk, entwickelt worden. Sie sind Meisterschüler der Klangkunstklasse von Prof. Ulrich Eller und arbeiten interdisziplinär im Bereich Klanginstallation, Skulptur, Grafik und Fotografie. Seit 2009 haben sie pädagogische Vermittlungsprojekte zu experimenteller Musik mit Alltagsgeräuschen, Hören als komplexer Wahrnehmung und Komponieren mit zeichnerischen Notationstechniken realisiert.

Ihr Ziel ist es, die Freude am Geräusch und am Hören zu fördern, den Klang als ästhetisches Ausdrucksmittel zu etablieren, eigenes Komponieren anzustoßen und an zeitgenössische Musik heranzuführen. "Geräusche aus dem Klassenzimmer" ist das erste Projekt, bei dem sie mit einer ganzen Grundschulklasse zu einem Thema gearbeitet und eine gemeinsame Komposition aus eigenen Tonaufnahmen erstellt haben.

Die Komposition "Weekend" von Walter Ruttmann, für die er die Geräusche eines Wochenendes im Berlin von 1930 aufgenommen und collagiert hat, hat bei uns die Frage angeregt, wie junge Berliner von heute wohl "ihre" Stadtwelt (oder ihre Schulwelt) wahrnehmen.

Die Kollegen der Picasso-Grundschule kannten die beiden Künstler schon von der Projektwoche der Schule, bei der sie als Projektleiter mit einer altersgemischten Gruppe eine Live-Komposition entwickelt und aufgeführt hatten. Es bestand sofort großes Interesse daran, gemeinsam die Idee weiterzuentwickeln, mit inklusiven Lerngruppen zum Thema "Geräusche meiner Schulwelt" zu arbeiten und ganz nebenbei Medienkompetenz zu erwerben. Schnell standen die drei Klassenlehrerinnen fest, die mitmachen wollten.

 
Projektentwicklung:
Da "Geräusche aus dem Klassenzimmer" die Schulwelt der Kinder zum Thema hatte, fanden alle Abschnitte des Projektes in der Schule statt. Die Einführung in die experimentelle Musik, die Aufnahme-Expeditionen auf dem Schulgelände, das Zeichnen der grafischen Notationen und die Diskussion der gemeinsamen Partitur. Auch der Auftritt der drei Lerngruppen mit ihren Improvisations-Stücken fand auf der schuleigenen Theaterbühne mit Licht- und Tontechnik statt.

1. Tag
Was kann ich für Geräusche machen? Wie kann ich sie machen … etwa mit dem Mund oder mit dem Klettverschluss meiner Turnschuhe? Woran erinnern sie mich? Wie kann man so ein Geräusch überhaupt nennen?

Jedem Kind fiel ein Geräusch ein, das es besonders gut kann. Später haben sie den Klassenraum und die Ranzen nach Geräuschgebern durchsucht und fanden fauchende Trinkflaschen und klickernde Rechenschieber. Und das war auch schon unser Repertoire für die ersten Konzerte. Im Laufe der Tage haben die Kinder verschiedene Formen der Improvisation kennengelernt, z.B. mit einem Dirigentenkind, das mit dynamischen Handzeichen anzeigt, wer mit wem und wie lange dran ist. Die Musiker konnten frei entscheiden, was für ein Geräusch sie spielen - sie improvisierten. Eine Variante des Dirigentenkonzertes war das zusätzliche Anzeigen der Lautstärke, indem der Dirigent mit seinen zwei Händen nicht nur auf zwei Musiker, sondern zusätzlich nach oben oder unten zeigte. Die Kinder konnten Zeichen für Pausen oder ein Crescendo der ganzen Gruppe verabreden, aber wichtiger als Regeln waren für das Zusammenspiel die Konzentration und der Blickkontakt. Und nicht zu vergessen der kräftige Applaus des Publikums.

Den ersten großen Wendepunkt stellte die Frage dar, ob dass denn überhaupt Musik sei … ganz ohne Liedtext oder altbekannte Instrumente? Wer hatte so etwas schon einmal gehört oder gemacht? Klar, Musik mit klatschen, schnalzen und stampfen kannten alle. Wir erzählten, dass vor nahezu hundert Jahren begonnen wurde, echte Geräusche in Kompositionen einzufügen und dass hier in ihrem Stadtteil Pankow MusikerInnen leben, die solche Musik bis heute machen. Wir hörten das Stück plåtmås von Hanna Hartman und die Kinder erkannten viele Geräusche wieder: eine Möwe, den Biss in einen Apfel … aber was hat da so laut wie eine riesige Metalltür gedonnert? Ah, eine Klavierraste. Was ist das denn?

Beim Hören der Komposition "Weekend" zeichneten und beschrieben die Kinder in ihre geräusch[mu'si:k]-Hefte die erlauschten Töne “ihrer" Stadt Berlin, die natürlich vor über 80 Jahren für Walter Ruttmann noch ganz anders klang. "Weekend" gilt als eines der weltweit ersten experimentellen Hörspiele der Radiokunst und ist eine 11-minütige Collage aus Tonaufnahmen eines Wochenendes im Berlin des Jahres 1930, die mit ihrem erzählerischen Klangbild die Ereignisse so gut erkennbar abbildet, dass die Kinder viel entdecken können. Die geräusch[mu'si:k]-Arbeitshefte sind für uns ein wichtiger Projektbaustein, da die Kinder darin individuell notieren und zeichnen können, was sie wahrnehmen. Dadurch können wir die Gruppe auf besondere Entdeckungen einzelner Kinder aufmerksam machen, die sonst vielleicht unbemerkt bleiben würden. Die Kontemplation des Zeichnens und Schreibens beim Musik hören zeigt den Kinder außerdem, dass sie eine eigene grafische Notenschrift entwickeln können, wie wir sie auch beim gemeinsamen Erarbeiten der Partitur benutzen.

2. Tag - Geräusche aus dem Klassenraum, vom Schulhof und von zu Hause mit dem digitalen Aufnahmegerät aufnehmen

Als Hausaufgabe sollten die Kinder jeden Tag Geräuschgeber von zu Hause mitbringen. Am zweiten Morgen waren alle aufgeregt; die einen weil sie ein tolles Geräusch dabei hatten - die anderen, weil sie nicht ans Mitbringen gedacht hatten. Mit ein wenig Nachdenken fand aber doch noch jeder etwas zum Vorführen. Wir erklärten als erstes das digitale Aufnahmegerät und die Kinder machen ein paar Probeaufnahmen. Nun begann auch schon der komplexe Vorgang des "Klänge Sammelns", bei dem sich alle genauestens an die Regeln halten mussten, damit einerseits die Aufnahme gut wurde ( was in einem Raum mit 30 Personen gar nicht so einfach war) und andererseits die Aufnahmen wiedergefunden werden konnten ( denn es waren am Ende der Woche über 200).

Die Klasse ging in drei Kleingruppen mit je einem digitalen Aufnahmegerät auf eine Expedition über das Außengelände der Schule. Jeder durfte einen Ort auswählen und bestimmen, ob er allein oder die ganze Gruppe zu hören sein sollte. Bei schwierigen Aufnahmen wurden Varianten verglichen, wie z.B. Ballprellen, dass auf den "Tonmeister" zukommt oder von ihm weggeht.

Die Kinder bekamen Blanko-Bierdeckel, auf die sie mit kräftigen Filzstiften eine Zeichnung für jedes ihrer Geräusche machten. Da die Hauptsache war, dass jeder wußte, für welches Geräusch die eigenen Zeichen stehen, konnten die Zeichnungen sehr individuell sein, von abstrakt bis gegenständlich war alles richtig.

3. Tag - Mehr Geräusche sammeln
Die Kinder nahmen Geräusche im Schulgebäude auf, wie die Toilettenspülung, laufen auf der Treppe, ratschen an der Heizung. Die Anzahl der gezeichneten Karten belief sich mittlerweile auf über hundert.

Eine weiter Konzertform wurde eingeführt. Der Dirigent legte die Karten seiner Gruppe strahlenförmig so vor sich aus, dass die Karten als Linie auf das jeweilige Kind zeigten. Mit Hilfe der Karten konnte der Dirigent jetzt die verschiedenen Geräusche eines Kindes genauer bestimmen. Er konnte auf ein Zeichen zeigen und zusätzlich die Lautstärke anzeigen oder aber zwei Musiker gleichzeitig anleiten.

4. Tag - Gemeinsam die Komposition erarbeiten
Wir stellten uns unsere Komposition als einen Zeitstrahl vor, auf dem wir voranschreiten und allen aufgenommenen Geräuschen begegnen. Sie erklingen einzeln oder gleichzeitig für eine bestimmte Dauer und sind dann wieder vorbei. Damit es sich alle noch besser vorstellen konnten, sahen wir einen Film der Komposition "Artikulation" von György Ligeti an, für die Rainer Wehinger eine grafische Partitur gestaltet hatte. Im Film sieht man einen langen Stab, der sich auf der Zeitachse vorwärts bewegt.
Die Kinder legten nacheinander ihre gezeichneten Bierdeckel auf einer sechs Meter langen Zeitachse quer durch das Klassenzimmer aus. Unser Dirigent bewegte einen langen Zeigestock genauso über ungefähr140 Karten und zeigte den Musikern ihren Einsatz.
Das Auslegen der Partitur war ein langer, manchmal zäher Prozess, denn die eine wußte schon ganz genau, an welcher Stelle ihr Geräusch ganz alleine ertönen sollte, während der andere noch etwas unentschlossen abwarten wollte. Und es passierte, dass alle unbedingt das letzte Geräusch machen wollen. Wie klingt das dann? Davor war eine dramatische Pause nötig, für die es ein eigenes Zeichen gab. Wir sprachen über Fülle oder Stille und Solos. Bei einem Testlauf wurden noch letzte Verbesserungen diskutiert und dann schnell alles abfotografiert.

Damit die Geräusche vom Schulgelände in der Komposition vorkommen können, mussten die Aufnahmen am Computer geschnitten werden. Im Schnittprogramm Pro Tools konnten die Kinder die Parallele zu ihrer Kartenpartitur deutlich sehen, denn es gab ebenfalls eine Zeitachse und einen Zeiger. Ihre Aufnahmen tauchten als kleine, verschiebbare Regionen mit einer bestimmte Länge und Pausen auf. Der abschließende Schnitt, das Mischen und Ausspielen erfolgte durch die Künstler.

5. Tag - Generalproben und gemeinsame Aufführung
Direkt im Anschluss an die drei Projektwochen sind die Lerngruppen mit ihren geprobten Improvisationen aufgetreten. Bei der Aufführung waren alle sehr aufgeregt, denn das eine oder andere Instrument musste dringend repariert oder ersetzt werden, weil es nicht mehr gleich klang. Die Dirigenten mussten dabei alle Änderungen im Blick behalten und die Partitur-Karten sorgfältig auslegen.

Jede der drei Klassen trat in drei Gruppen auf die jeweils eine drei-minütige Improvisation spielten, was durch die Umbauphasen für die teils empfindlichen Instrumente und die vielen Partiturkarten zu einer zweistündigen Veranstaltung wurde.

Als Dokumentation des Projektes erhielt jedes Kind später eine DVD mit den Partituren und den geschnittenen Hörstücken, den Videoaufnahmen vom Auftritt und Fotos vom Projekt.

 
Besonderheiten:
geräusch[mu'si:k] ist eine fantastische Sprache ohne Worte ... wie ein Spiel mit Klängen statt Bauklötzen.

Experimentelle Musik, Geräusche und ungehörte Klänge sind unsere ständigen Begleiter. Von den polyfonen Rhythmen der Popmusik über das Klingeln unseres Telefons, vom Filmton des Geräuschemachers bis zur Klangkulisse der Großstadt bilden sie den akustischen Hintergrund unseres Alltags.

"Geräusche aus dem Klassenzimmer" bietet den Kindern durch den unmittelbaren Umgang mit Alltagsgeräuschen und die Erkundung unserer akustischen Umwelt einen unbefangenen Zugang zu experimenteller Musik, zu Aufführungen und zeichnerischen Kompositionstechniken. Die Musik mit Geräuschen ist gerade für Kinder eine sehr spielerische und spontan zugängliche Kunstgattung, die mit ihrer mittlerweile hundertjährigen Geschichte eine facettenreiche Vielfalt hervorgebracht hat. Wir haben für unser Projekt das wichtige Hörspiel "Weekend" ausgewählt, weil es gerade für Kinder aus Berlin natürlich auch viel mit ihrer heutigen Stadt zu tun hat.

Unser Ansatz besteht darin, das aufmerksame Hören zu fördern und die Wertschätzung von nicht-rhythmischen Materialklängen zu entwickeln, um so zur ästhetischen Geschmacksbildung beizutragen. Wir öffnen die Ohren für die Umwelt als unerschöpfliche Quelle von Geräuschgebern und Klangphänomenen. Hierbei stehen wir in Tradition der Musiklehre Mauricio Kagels und der aktuellen Improvisationsmusik, in der sämtliche Gegenstände des Alltags ihren Weg auf die Bühne gefunden haben.

geräusch[mu’si:k] bietet die Möglichkeit des Musizierens ohne herkömmliche Instrumente und fördert den Forscher- und Spieltrieb. Unsere Geräuschgeber sind Alltagsgegenstände wie raschelnde Papiertüten, schnalzende Gummibänder oder schwirrende Lineale, die so einfach und zugänglich sind, dass überall alleine weitergemacht werden kann: mit den Murmeln aus der Hosentasche, dem Rauschen der Toilettenspülung, dem Reißverschluss der Federtasche oder den eigenen Mundgeräuschen. Spontane Konzerte auf der heimischen Raufaser-Tapete und mit den Klettverschlüssen der Turnschuhe sind also nicht auszuschließen!

Wir sensibilisieren die Kinder auf vielfältige und altersgerechte Weise für das Geräusch: selbstständig Klänge entdecken, Geräusche raten, benennen und beschreiben, Improvisation, zeitgenössische Musik hören und zu ihr zeichnen, akustische Experimente zu Schall und Resonanz sowie Aufnahmeexpeditionen. Sie lernen sich gegenseitig zu dirigieren, ihre Geräusche selbstständig aufzunehmen und sie mit Hilfe von Zeichnungen und Grafiken in eine zeitliche Abfolge zu bringen. Gerade das selbstbestimmte und aktive Komponieren schult das abstrakte Vorstellungsvermögen, schafft ein Gefühl für zeitliche Abläufe und bietet die Möglichkeit sich selbst als Schöpfer zu erkennen. Mit natürlicher Spielfreude erobert sich die Gruppe gemeinsam unbekanntes Terrain und leistet ganz nebenbei Unerhörtes, denn nicht nur die eigenen Geräusche erklingen, sondern auch die der Nachbarn!

 
Probleme und Lösungen:
Unter den Originalaufnahmen aus dem Jahre 1930 in "Weekend" von Walter Ruttmann sind Dinge, die die Kinder heutzutage kaum noch kennen, wie beispielsweise eine mechanische Schreibmaschine oder die manuelle Telefonvermittlung. Diese rätselhaften Geräusche und Gesprächsfetzen hielten die Kinder in ihren geräusch[mu'si:k]-Heften fest, so dass wir sie später gemeinsam besprechen konnten. Besonders die Beschreibung der Telefonvermittlung mit "dem Fräulein vom Amt" wurde ein ungewöhnlich anschaulicher Exkurs in die Technikgeschichte der Kommunikation, denn die Kinder hatten schon im Vorfeld mit der Lehrerin Dosentelefone gebaut.
 
Anekdotisches:
Überraschend kam ein Junge (nach einer Krankheit) am Tag des Abschlusskonzertes wieder zur Schule, er hat aber die ganze Projektwoche verpasst: "Wir brauchen noch einen Dirigenten. Traust du dir zu, eine Gruppe zu dirigieren?" Ja, er traute sich … zufällig trug er den Namen eines wegweisenden Komponisten des vergangenen Jahrhunderts. In nur zwei Proben instruierten ihn seine Klassenkameraden so genau, dass alles klappte.

Für das zweite Konzert suchten wir im Klassenraum nach Geräuschen. Rosa* forderte uns alle, weil ihre Füllhalterkappe so leise und zart ploppte und Hannes*, der erst kein einziges Geräusch finden konnte, schwenkte konzentriert den knarzenden Flügel der Tafel hin und her, wenn die Dirigentin Vicky* auf ihn zeigte.

Einem Jungen fiel es sehr schwer beim Musizieren nicht zu sprechen oder den anderen Anweisungen zu geben. Mit sich selbst war er auch oft nicht zufrieden und schimpfte lauthals. Als er beim Auftritt mit seinem Instrument wirklich technische Probleme hatte, schaffte er es an sich zu halten und es leise zu reparieren. Eine enorme Entwicklung.

Bei der größten Konzertgruppe blieb beim Auftritt für ganze drei Minuten die Sanduhr stehen. So etwas passiert eigentlich nicht … außer es ist wichtig.