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ein gemeinsamer Probentag
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intensive Arbeit in Kleingruppen
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optische Erinnerungsstütze für einen Szenenablauf
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Einführung in das Probenbuch, das jedes Kind geschenkt bekommen hat
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letzte Seite des Probenbuchs mit Bildern aus bisherigem Arbeitsprozess
"Ein Märchen vom Fluss". Moderne Oper nach einer Erzählung von J. W. von Goethe.
Schule:
Kurt-Tucholsky-Grundschule
Rathenower Straße 18
10559 Berlin

Tel: 030 3974429310

http://www.kurt-tucholsky-grundschule.de


Grundschule / Offener Ganztag

 
Kooperationspartner:
JugendKammerOrchester Berlin e.V.
musikalisch | unabhängig | engagiert | selbstorganisiert

Grolmanstraße 45, D – 10623 Berlin
Telefon + 49 (0) 30 883 16 60
www.jugendkammerorchester-berlin.de

Künstlerischer Leiter: Till Schwabenbauer

Das JugendKammerOrchester Berlin wurde 2007 unter der Leitung von Till Schwabenbauer gegründet und vereint musikbegeisterte Jugendliche im Alter zwischen 15 und 25 Jahren. Das Orchester wird ausschließlich von Jugendlichen geleitet und von Paten und Förderern unterstützt. Seine Motivation zieht es nicht nur aus seiner Spielfreude und seinem Anliegen, auf professionellem Niveau gemeinsam zu musizieren, sondern auch aus seinem Wunsch, junge Menschen musikalisch zu verbinden und zu begeistern.

 
Beteiligte Schüler:
48
SchülerInnen der Klassenstufe 4 als auch 6, im Rahmen einer für dieses Projekt initiierten Opern AG.
 
Beteiligte Lehrkräfte:
2 Lehrkräfte-> Deutsch und Musik
 
Stundenvolumen:
Wöchentlich à 1 Stunde von August 2012- Juni 2013, so wie weitere intensive Probentage à 4 Stunden alle zwei Monate, zu denen auch explizit die Eltern zu einem Workshop eingeladen werden.
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
"Ein Märchen vom Fluss" ist ein zeitgenössisches Opernprojekt, das durch einen künstlerischen Prozess von fast einem Jahr über 120 Berliner Jugendliche unterschiedlicher ethnischer und sozialer Herkunft im Alter von 8-25 Jahren zusammenbringt. Von der ersten Konzeptidee über die Organisation bis zum letzten Paukenschlag wird die Oper und die sie begleitenden Workshops allein von Jugendlichen umgesetzt und feiert im Juni 2013 ihre Uraufführung im ATZE-Musiktheater (Wedding).

Die Oper basiert auf Goethes Erzählung „Märchen“ aus den „Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten“. In dem Märchen sowie der Oper verschwimmen bei wundersamen Begebenheiten mit fabelhaften Wesen Reales und Irreales in einer mystischen, lyrischen und vieldeutigen Märchenhandlung. Die Komponistin hat die abstrakten Bilder Goethes und die goldene Stimmung des Märchens in eine moderne Oper umgesetzt. Dieses Opernmärchen soll die Zuschauer in Staunen versetzen und sie in eine Welt von Riesen, Lilien, Gold, und Flüssen verzaubern.

Das Projekt hat zum Ziel, junge Leute an moderne klassische Musik heranzuführen und sich mit dieser kreativ auseinanderzusetzen. Das Jugendkammerorchester als Organisator ist dazu auf zweierlei Art und Weise geeignet: Zum einen bietet es Jugendlichen Raum, an diesem Projekt mitzuarbeiten und durch ein aktives Einbringen Erfahrungen mit moderner klassischer Musik zu sammeln und ein Verständnis für sie zu entwickeln. Zum anderen macht es die Oper als Projekt von Jugendlichen für Jugendliche möglich, schnell Interesse bei jungen Menschen zu wecken, Erlebnis- und Kommunikationsräume zu schaffen. Es ist unser Anliegen, Impulse zu geben, Türen zu öffnen, und diese Begegnungen so unmittelbar und individuell wie möglich zu gestalten. Vor allem die Arbeit mit den Kindern weckt und fördert hierbei kreative, soziale, kulturelle und emotionale Fähigkeiten durch den spielerischen Umgang mit Musik und stellt dabei die unmittelbare Begegnung mit Musik ins Zentrum.

Grundlage und wichtigstes Element hierbei sind die wöchentlichen Proben mit dem Kinderchor, bei denen sich die Kinder spielerisch mit dem Märchen und seiner Musik auseinandersetzten. Ideen und Impulse der Kinder fließen direkt in die Entwicklung vom Bühnenbild, Kostüme und Choreographien. Aber auch ein eigens für diese Oper konzipierter Workshop, welcher parallel zu den Proben an zwei weiteren Schulen im Einzugsgebiet des Aufführungsort über ein halbes Jahr stattfindet, bereitet darüber hinaus weitere Jugendliche auf den Opernbesuch vor. Auch ungewohnte „Vorabkonzerte“, wie zum Beispiel ein Flashmob auf dem Wochenmarkt oder einer musikalischen Märchenlesung in der Schillerbibliothek in Wedding, sollen einem Publikum vor Ort Anreize schaffen, sich auf die Musik der Oper einzulassen. Für einen multimedialen Zugang zur Oper entstand des Weiteren ein Scherenschnittfilm, der – anknüpfend an die Gewohnheiten Jugendlicher – wie eine Art Trailer Neugierde wecken soll (Vgl. http://www.youtube.com/watch?v=kz3V1EMC6rw).

Das Projekt wird dabei von verschieden Seiten unterstützt: Der engagierte Einsatz von den Kindern, aber auch zahlreichen ehrenamtlich tätigen Studierenden und Lehrerinnen zielen auf eine qualitativ hochwertige Umsetzung der Oper. Die Kooperation unter anderen mit Christian Schruff, Radiomoderator des kulturradio rbb, oder Andrea Tober, Professorin für Musikvermittlung an der Hanns Eisler Musikhochschule, sowie Leiterin der Education Abteilung der Berliner Philharmoniker, unterstreichen auch die Bedeutung und Tiefe des Projekts.

 
Projektauslöser/Idee:
Inspiriert von der Magie des Märchens von Goethe, die einen Kosmos phantastischer Gestalten wie Irrlichter, geheimnisumwitterte Könige, einen Prinzen und eine tödlich schöne Prinzessin offenbart, vergaben Till Schwabenbauer (Dirigent) und das JKOB schon im Jahr 2010 eine Auftragskomposition an die preisgekrönte Jungkomponistin Marianne Richter, die diese Ende 2011 fertig stellte. Doch erst mit dem Festigen der eigenen Strukturen wagte das Orchester sich von reinen Konzertdarbietungen langsam an das gewünschte interdisziplinäre Großprojekt heran: Denn gerade durch die Verbindung innovativer Musik und tradierter Epik, klaren Elementen des Märchens und einer doch nicht fassbaren, metaphorischen Geschichte bietet die Oper für eine breite Zielgruppe reichlich Inspirierendes. So wurde nicht nur die bereits bestehende Kooperation mit dem Kinderchor der Musikschule Béla Bartók durch die der Kurt-Tucholsky Grundschule erweitert, sondern zusätzlich ein weiteres Rahmenprogramm konzipiert. Hierbei knüpft es an bereits bestehende Musikvermittlungsprojekte an, entwickelt diese jedoch in ihrem Sinne weiter.
 
Projektentwicklung:
Übersicht über die Probenphasen, in Bezug auf die Kurt-Tucholsky-Grundschule:

August 2012 – Dezember 2012
Start des Projekts an der Schule mit den Kindern:
Inhaltliche Heranführung an den Stoff von Goethes „Märchen“ aus den „Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten“
Unterrichtseinheiten zur spielerischen Heranführung an moderne klassische Musik im Allgemeinen
Stimmbildung und Gesangstechnik in Stimmgruppen- und Tuttiproben, für das Erlernen des professionellen Umgangs mit der Stimme
Zwei Probentage mit dem Orchester, an denen auch Workshops für die Eltern geboten werden
Weihnachtskonzert, erste Präsentation der ersten Szene vor Publikum

Januar 2013 – März 2013
Musikalische Proben:
Vertiefung und Weiterführung, Erarbeitung der weiteren Szenen
Start der intensiven szenischen Proben:
- Erarbeitung eines Körperbewusstseins
- Mimisches und gestisches Training in spielerischer Form
- Herausarbeiten und Interpretieren von Charakteren
- Entwicklung der Choreographien, Kostüme und Bühnenbild auf Grundlage der Ideen der Kinder
Frühjahrskonzert
Besuch im ATZE Musiktheater für einen ersten Eindruck der späteren Bühnensituation, Bewusstseinsentwicklung von dem Ziel des Projekts

März 2013 – Juni 2013
Intensivprobenphase:
Kombination musikalischer, choreographischer und szenischer Elemente
Kontakt und Proben mit den Solo-Sängern, Tänzern und dem Orchester
Erproben von langen Konzentrationsphasen über die Dauer der Oper
Kostümproben
Generalprobe
Premiere und zweite Aufführung im ATZE Musiktheater

Parallel dazu laufen auch Organisationsprozesse von Seiten des Orchesters im Bereich der Presse-und Öffentlichkeitsarbeit, Bühne und Kostüm, Sponsoring etc. So finden unter anderem in der dritten Phase auch Musikvermittlungsworkshops an weiteren Schulen statt, die die potenziellen Zuschauer auf das Konzert hinführen, sowie zwei kleine Vorabkonzerte im Einzugsraum des Aufführungsorts (Weddinger Wochenmark → Flashmob, Schillerbibliothek: musikalischer Märchentag), die auch hier das potentielle Publikum auf die Aufführung neugierig machen sollen.

 
Besonderheiten:
Das Besondere des Projekts liegt sowohl in der Eigenständigkeit der ganzen Organisation, als auch in dem Wunsch der Jugendlichen, ihre Leidenschaft zu teilen und andere Menschen dadurch anzuregen. Musik von Jugendlichen, für Jugendliche!

Dem Jugendkammerorchester Berlin ist es ein Anliegen, die Organisation vollständig im Orchester zu halten. Ohne einen Träger im Rücken sind die finanziellen Mittel für das Projekt zwar begrenzt, gleichzeitig können aber alle Jugendlichen ihre Stärken in die Arbeit am Projekt einbringen und in den einzelnen Bereichen Verantwortung übernehmen. Das Projekt bietet ihnen damit eine Plattform, erste Schritte in dem professionellen Kulturbereich zu wagen, sich auszuprobieren und in der Gemeinschaft auf ein großes Ergebnis hinzuarbeiten. So werden die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit, Sponsoring, Probenorganisation, Bühnenbild und Kostüme etc. allein von Jugendlichen geleitet. Jede dieser Bereiche wird durch Projektverantwortliche betreut – meist in einer Gruppengröße von 3-4 Jugendlichen aus dem Orchester, aber auch Studierende verschiedener Universitäten (die Tätigkeit wird als Praktikum mit Creditpoints anerkannt). Unsicherheiten oder Probleme werden in einem wöchentlichen Organistations-Skypetermin der Gruppenvorsitzenden angesprochen, sodass gegebenenfalls das fehlende Expertenwissen durch Fortbildungen oder Beratung eingeholt werden kann. So entstand unter anderem die Kooperation mit Andrea Tober, Professorin für Musikvermittlung.

 
Probleme und Lösungen:
Gerade in der Anfangsphase mussten wir schnell merken, dass der Zugang zur zeitgenössischen Musik den Kindern schwer fiel und die Rahmenbedingung der einstündigen wöchentlichen Proben dafür nicht genügend Raum bot, weshalb wir in enger Absprach mit den Lehrerinnen zusätzliche intensiv Probentage á 4 h vereinbarten. Diese gaben die Möglichkeit beispielsweise auch das Orchester und die verschiedenen Instrumente in Ruhe vorzustellen etc. Eine weitere Maßnahme stellen auch die Elternworkshops dar, die wir an diesen Tagen veranstalteten: Hier wurden die Eltern in die Geschichte der Oper eingeweiht und durften wie ihre Kinder verschiedene musikalische Übungen ausprobieren, in der Hoffnung, dass damit eine Grundlage geschaffen wird, dass die Kinder auch zuhause mit Verständnis über die Oper reden können. Zur weiteren Unterstützung wurde auch ein Probentagebuch entwickelt, damit die Kinder auch eine graphische Merkhilfe bekommen und auch die fachspezifischen musikalischen Termini kindgerecht erklärt werden (Vgl. Bildmaterial).

Vor allem die enge Zusammenarbeit mit den Lehrerinnen und ihre tolle Unterstützung hilft mit Problemen konstruktiv umzugehen.

 
Anekdotisches:
Eine bereichernde Erfahrung für uns ist es, die Entwicklung der Kinder zu sehen:

Vom anfänglichen Zögern und einer großen Skepsis („Das ist doch keine Musik!“ „Hä? Können wir nicht richtig singen?“) ließen sich die Kinder immer mehr auf die Musik ein. Gerade bei der komplexen Musik der Oper versuchen wir immer wieder Momente der Reflexion einzubauen, in der die Kinder über die Musik sprechen dürfen. Hierbei ist die aufrichtige Aufmerksamkeit und ein wachsendes Bewusstsein für musikalische Bilder – die Musik eben nicht als nur „Geräusche“ zu empfinden – deutlich zu spüren. So kam beispielsweise beim Einführen der neunten Szene im November (diese spielt im Garten der Prinzessin und ihrem Gartenvolk (Kinderchor): Todtraurig singt die Prinzessin eine Arie über ihren Fluch, der allem Lebendigen, das sie berührt, das Leben nimmt) ein lebhafte Diskussion unter den Kindern auf, was alles in der Musik zu hören sei. In den Köpfen entstanden klare Bilder, die eng an die Musik geknüpft waren. Aber auch das sichtbare Lösen in der szenischen Arbeit mit der wachsenden Körpererfahrung und -bewusstsein lässt uns immer wieder staunen.