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Building Blocks/Ein Traumhaus und sein Leben
Schule:
Kastanienbaumschule
Gipsstraße 23 a
10119 Berlin
Tel.030/275816330
www.kastanienbaumgrundschule.de


Grundschule / Offener Ganztag
 
Kooperationspartner:
Katharina Fial
Berlin
www.puppentheater-fingerleicht.de
 
Beteiligte Schüler:
25
21 Kinder der Klasse 1/2 a
5 Kinder der Klasse 3 a
 
Beteiligte Lehrkräfte:
1 Klassenlehrerin; 1 Erzieherin
 
Stundenvolumen:
14 Projekttage a 3 Stunden alle 2 Wochen in den Schuljahren 2011/2012 und 2012/2013
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Kinder entwerfen ein Haus und Erwachsene bauen es für sie. So groß, dass viele darin Platz haben. Es ist ein Haus, das kindlichen Vorstellungen entspringt und den Bedürfnissen aller, egal welchen Alters, entspricht.

Ein Traumhaus. In Gestalt, mit Bewohnern und mit deren Geschichten.

Die Kinder sind Bauherren. Sie sind Sozialkundler. Sie sind Akteure des von ihnen erfundenen Lebensraums. Sie sind Marketingexperten. Sie sind "Gesamtkünstler". Sie zeigen, was sie erfunden haben. Andere Kinder und Erwachsene besuchen ihr Haus. Ganz Berlin, halb Europa schauen auf Hausbesuch vorbei.

Das sind die wesentlichen Stichpunkte des Projekts "Ein Traumhaus und sein Leben/Building Blocks", das die Klassen 1/ 2 a und 3 a der Kastanienbaumschule in Kooperation mit der Schwedischen Botschaft in Berlin durchführten. An insgesamt 14 Projekttagen erfanden die Kinder ein Haus und seine Bewohner, ersannen Alltagsszenen und spielten sie. Ihr Haus wurde gemeinsam mit vier anderen Häusern Berliner Kinder in der Ausstellung "Building Blocks" der Schwedischen Botschaft präsentiert. 18000 Besucher aus aller Welt sahen das Haus. 150 Besucher sahen die Aufführung zum Richtfest der Ausstellung.

Das Haus heißt "Kunterbuntes Schneckenhaus". In ihm wird gelesen und getauscht, gemalt und entspannt. Es gibt Orte, an denen sich alle begegnen können und geheime Orte für die, die allein sein wollen. Das Kunterbunte Schneckenhaus ist ein Gemeinschaftshaus – für seine 25 Bewohner und für alle, die es besuchen wollen. Egal, ob jung oder alt, Mensch, Tier oder Fabelwesen.

Auf vier mal vier Meter Fläche und vier Meter Höhe vereint dieses Haus Funktionen des täglichen Lebens. Im kleinen Kiosk im Erdgeschoss kann man tauschen – das, was man braucht gegen das, was man weggeben möchte. Gleich nebenan ist die post-it-gallery. Hier kann jeder auf kleine Zettel malen oder schreiben, was ihn bewegt – und einfach an die Wände kleben. Auf der Rückseite hat das Haus eine Bibliothek – jeder kann die Kinderbücher entleihen oder auf den Sitzbänken der Bibliothek lesen.

Zwei Möglichkeiten gibt es, vom Erdgeschoss nach oben zu gelangen: Durch ein offenes Wandel-Treppenhaus, das dem Haus seinen Namen gab, oder durch einen Geheimgang, den nur Eingeweihte kennen.

Oben angelangt, bietet sich eine wunderbare Aussicht von der Terrasse. Hier laden abgestufte Flächen mit Sitzkissen zum Entspannen – auf der einen Seite für Jungs, auf der anderen Seite für Mädchen. Zusammen kommt nur, wer seinen Finger auf einen unsichtbaren Scanner legt, der beide Bereiche voneinander trennt.

Im Kunterbunten Schneckenhaus leben Wesen ganz unterschiedlicher Art.
Feenhexen und Elfen, Kürbismonster und Fußballer, Polizisten und Diebe, Polizeischweine und blonde Mädchen, kleine Häschen und zarte Meerjungfrauen. Sie bilden eine multikulturelle Lebens-Gemeinschaft. Sie spielen, lernen, arbeiten und entspannen in ihrem Haus.

Und so, beispielsweise, sieht ein Haustag aus:
Das kleine, höfliche Polizeischwein freut sich über den schönen Morgen und öffnet den breiten Laden des Kiosk. Es hat heute Tauschdienst. Erster Kunde ist der Polizist: Er möchte einen frischen Pfannkuchen und dafür seinen Gürtel eintauschen. Leider ist der Backofen kaputt und so bittet das Polizeischwein die Sonne um Hilfe. Die Sonne bäckt den Pfannkuchen schön knusprig, der Polizist lässt ihn sich schmecken. Das Polizeischwein freut sich und tauscht der Sonne gern eine Limonade für einen Sonnenstrahl.

Im Obergeschoss besuchen derweil die Feenhexe und die Prinzessin ihren Nachbarn, den Piraten. Der hat bald Geburtstag und möchte sein Zimmer mit Blumen schmücken. Die Feenhexe will eine Blumenwiese zaubern, doch leider ist sie etwas schusselig und hat den Zauberspruch vergessen. Zum Glück ist ihre Freundin, die Prinzessin, genauer und sagt den Zauberspruch vor. Eine wunderschöne Blumenwiese entsteht, auf der die drei die schönsten Blumen pflücken. Der Pirat mäht noch schnell den Rasen, dann kehren sie in ihre Zimmer zurück – Feenhexe und Prinzessin mit der Einladung zum Piratengeburtstag.

Doch bevor es so weit ist, müssen die beiden Freundinnen noch der Meerjungfrau behilflich sein. Die ist noch klein und neu im Kunterbunten Schneckenhaus und fürchtet sich des Nachts. Die Zauberinnen zaubern ihr eine Schutzhütte und bieten ihr nächtlichen Beistand an.

Im Kunterbunten Schneckenhaus geschieht noch vieles mehr: Ein Dieb wird vom Polizeihund und dem kleinen Häschen verjagt, der Fußballer mit seinem befreundeten Kürbismonster laden ihre Nachbarn ins Kino; die Sonne brennt aus Versehen die Bibliothek an, doch die Meerjungfrau und alle anderen Bewohner können rechtzeitig löschen – kunterbunte Alltags-Szenen in einem kunterbunten, lebendigen Haus.

 
Projektauslöser/Idee:
Auslöser des Projekts war die Vermittlung des Kulturamtes Berlin Mitte: Carola Tinius, die die Arbeit der Projektleiterin Katharina Fial aus früheren Vorhaben kennt und schätzt, vermittelte die Kooperation mit der Schwedischen Botschaft. Damit konnte die Hausidee architektonisch umgesetzt und das gesamte Projekt einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden.
 
Projektentwicklung:
Das Kalendarium einer Traumhauserfindung

1. Projekttag: Traumgespinste
Zum Entree gibts mit der Projektleiterin Katharina Fial in der Klasse ein kleines Hausbau-Einmaleins. Dann Brainstorming und Traumgespinste: Was wollen wir für ein Haus? Was muss das Haus können? Für wen soll es sein?
Alle Ideen werden gesammelt. Dann wählen die Kinder vier Botschafter aus ihrer Mitte, zwei Mädchen, zwei Jungs. Die Botschafter sind die Klassensprecher für den folgenden Dialog mit dem Architekten.

2. Projekttag: Traumhausbilder
Jedes Kind malt ein Bild seines Traumhauses. Es gibt Häuser, die ganz aus Glas sind und einen Urwald zum Spazieren beherbergen. Es gibt Häuser mit einer Wasserrutsche auf dem Dach und Häuser, in denen Hunderte von Lampen alles erhellen. 25 individuelle Traumhaus-Bilder.

3. Projekttag: Realitätsentwürfe
Die vier Botschafter treffen ihren Architekten Michael von Matuschka und stellen die Kinder-Ideen und Traumhaus-Bilder vor. Der Architekt fragt nach und schlägt vor, lässt sich inspirieren und verspricht einen ersten Entwurf.

4. Projekttag: Traumgespinste II
Die Botschafter berichten vom Architekten-Besuch. Diskussion und Vorschläge für den zweiten Besuch. Dann erneutes Brainstorming und Traumgespinste in der Klasse: Wer soll in unserem Haus wohnen? Was machen die Bewohner miteinander?
Jedes Kind erfindet einen Hausbewohner, 25 Figuren aus der Menschen- oder der Märchenwelt.

5. Projekttag: Realitätsentwürfe II
Zweites Treffen mit dem Architekten. Die Botschafter begutachten das erste Traumhaus-Modell. Kritische Befragung, Änderungswünsche unter den Augen der Berichterstatter der Schwedischen Botschaft.

6. Projekttag: Schöpfungsgeschichte
Schöpfungsgeschichte in der Klasse. Inspiriert vom Traumhaus-Modell des Architekten, malt und gestaltet jedes Kind seinen Traumhaus-Bewohner aus Pappe. Erste Belebung in improvisierten Theater-Szenen.

7. Projekttag: Realitätsentwurf III
Letzter Besuch beim Architekten. Die Botschafter segnen das veränderte Modell ab. Es erhält seinen Namen "Kunterbuntes Schneckenhaus". Die Schwedische Botschaft erhält den Auftrag, das Haus zu bauen.

8. Projekttag: Schneckenhausalltag
Theater-Hausalltag in der Klasse. Die Kinder spielen Alltags-Szenen der Bewohner. Jeder mit jedem, schließlich werden die beliebtesten Szenen festgehalten und einander vorgespielt. Das Zuschauerplenum entscheidet darüber.

9. Projekttag: Ein Festtag
Große Überraschung: Die Schwedische Botschaft möchte die Theaterszenen zum Richtfest der Ausstellung "Building Blocks" zeigen.
Aufregung und gemeinsame Auswahl von Szenen und Spielern.

10. Projekttag: Schneckenhausalltag – Die Auszüge
Gemeinsames Erinnern in der Klasse nach den Schulferien: Der Alltag im Kunterbunten Schneckenhaus – das war doch...
Die Kinder spielen sich die Szenen gegenseitig vor, beschreiben das Gesehene und wählen gemeinsam mit den Erwachsenen Szenen für das Richtfest aus.

11. Projekttag: Generalprobe vor allen
Generalprobe der acht auserwählten SpielerInnen vor der Klasse. Letzte Korrekturen – das Plenum ist noch einmal behilflich. Toitoitoi für morgen!
12. Projekttag: Aufführung
Fahrt des Schneckenhaus-Ensembles mit dem Taxi zur Schwedischen Botschaft. Aufregung. Generalprobe im original Kunterbunten Schneckenhaus inmitten des Richtfest-Trubels. Pause mit Hot Dogs. Große Aufregung. Premiere: Spiel der Alltags-Szenen vor den geladenen Gästen.
Fröhlicher Applaus.

Ausstellung: Das Kunterbunte Schneckenhaus für alle
Die Schwedische Botschaft eröffnet die Ausstellung Building Blocks für alle Interessierten. Das Kunterbunte Schneckenhaus und vier weitere Häuser, erfunden von anderen Berliner Schulklassen, laden zum Bummel und Besuch ein. 18 000 Menschen werden die Häuser bestaunen, darunter viel Politprominenz.

13. Projekttag: Klassenalltag
Klassenalltag: Die besten Fotos und Geschichten des Kunterbunten Schneckenhauses werden gesammelt und ausgestellt.

14. Projekttag: Ein Stadtteil Berlins
Abschließender Bauworkshop mit den "kleinen baumeistern" in der Schwedischen Botschaft. Die Kinder bauen an einem Modell von ganz Berlin. Sie bauen einen Flughafen und eine Schwebebahn, einen unterirdischen Fluss und eine Hotelanlage. Das Modell wird weiter wachsen – viele Berliner Schulklassen beteiligen sich an diesem Bau.

Extratag: Erwachsene Botschafterin des Schneckenhauses
Erwachsene Expertentagung in der Schwedischen Botschaft: Architekten, Künstler und Politiker aus Skandinavien und Deutschland stellen einander ihre Projekte kindlichen Bauens vor und tauschen sich aus. Die Projekt-
leiterin des Schneckenhauses ist als Botschafterin der Klassen 1/ 2 a und 3 a der Kastanienbaumschule dabei.

 
Besonderheiten:
Für die 25 Schneckenhaus-Erfinder war es eine vielseitige Erfahrung: Indem sie Architekten, Bauherren, Sozialforscher und Akteure waren, eigneten sie sich mit allen Sinnen Wissen an. Jedes Kind mit seinen eigenen Ideen und spielerischen Potenzial, im gemeinsamen Spiel und im gleichberechtigtem Austausch.

Kunst als Spielgefährtin des Wissens – das mag als Subtext zu diesem Projekt stehen. Es schließt sich an das Vorjahresprojekt "Luftschloss Berlin" an. In diesem erfanden die Kinder eine ganze Stadt, bauten und bewohnten sie. Diese Stadt, dieses Luftschloss, war eine demokratische Stadt – mit Raum und Regeln für alle. Und auch das Nachfolgeprojekt – ein KinderKiezkrimi – wird sich diesen spielerischen, gleichberechtigten Prämissen des Phantasierens, Lernens und Gestaltens verpflichten. Mit neuen Partnern, die durch das Projekt gewonnen wurden.

Das Kunterbunte Schneckenhaus geht derweil als Botschafter kindlichen Erfindergeistes auf die Reisen. Danach soll es in der Kastanienbaumschule einen festen Ort zum Spielen, Lernen und Begegnen bekommen.

 
Probleme und Lösungen:
Probleme gab es organisatorischer Art: Da in gemeinsam in unterschiedlichen Klassenstufen gearbeitet wurde - mit teilweise unterschiedlichen Unterrichtszeiten - galt es, gemeinsame Termine und geeignete Projektorte zu finden und abzustimmen.
 
Anekdotisches:
"Schick, süß und sehr spannend", "Die Idee ist Klasse!" und "Ich zieh ins Schneckenhaus" – so lauten nur einige der Kommentare der Hausbesucher aus Berlin und andernorts. Die Ausstellung "Building Blocks" in der Schwedischen Botschaft und mittendrin das Kunterbunte Schneckenhaus waren ein schöner Erfolg. Weil sie kindliche Wünsche und Vorstellungen ernst nahmen, sie auf spielerische Weise in konkrete Ergebnisse umsetzten und angemessen präsentierten.