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das Modell der Costa Concordia
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die Geisha wird von Drillingen geführt
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Die Jungs spielen die Taliban
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Die Tajüs, die Bühne, das Orchester
Bunraku ein Welttheater
Schule:
Erika-Mann-Grundschule,
Utrechter Straße 27,
13347 Berlin/

Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasium,
Eugen-Schönhaarstraße 18
10407 Berlin

Grundschule / Offener Ganztag

 
Kooperationspartner:
Fluchtkunst, Joachim Hamster Damm
www.fluchtkunst.de
 
Beteiligte Schüler:
40
6c der Erika-Mann-Grundschule, Berlin-Wedding,
Wahlpflichtkurs Künste der 7. Klassen des Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasiums, Berlin-Prenzlauer Berg
 
Beteiligte Lehrkräfte:
1 Klassenlehrerin 6c
 
Stundenvolumen:
eine Doppelstunde pro Woche im ersten Schulhalbjahr,
zwei Doppelstunden pro Woche, zwei dreitägige Bauworkshops, eine Intensivprobenwoche
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Anregung für das Projekt „Bunraku ein Welttheater“ war eine Arbeitswoche mit der mobilen Werkstatt von Fluchtkunst in der Erstanlaufstelle für Asylbewerber in Berlin Spandau. Dort arbeiteten die Mitarbeiter im Rahmen einer Sommerwerkstatt des Jugend-Kunst-und Kulturhauses Schlesische 27 mit afghanischen und tschetschenischen Flüchtlingskindern unter Benutzung des gesamten Maschinenparks der mobilen Werkstatt von Fluchtkunst.
Dabei entstand die Idee beim folgenden Jahresprojekt Schüler der 6. und 7. Klasse mit den aktuellen Weltgeschehnissen zu konfrontieren und daraus ein Stück zu entwickeln.
Die 6c der Erika-Mann-Grundschule Berlin Wedding und 19 Schüler eines Küntstewahlpflichtkurses der 7. Klasse des Felix-Mendelssoh-Bartholdy-Gymnasiums aus Berlin Prenzlauer Berg wählten sich als Themen Afghanistan, die Tsunamikathastrophe in Japan und den Untergang der Costa Concordia.
Als Figurentechnologie wurde das japanische Bunrakutheater gewählt, bei dem jeweils drei Spieler eine Figur führen und die Sprache von der Figurenführung getrennt ist. Gemischt wurde das Figurenspiel mit einer Theatrum Mundi Maschine und einer großen Rückprojektionswand für gezeichnete Hintergründe.
Die Schüler bauten fünf, fast lebensgroße Bunraku Figuren, 10 Theatrum Mundi Figuren und Dekorationen, wie die Modelle der Costa Concordia und des AKW Fukushima.
Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit war die musikalische Begleitung durch ein zehnköpfiges Orchester mit arabischen, japanischen und europäischen Klangstücken. Neben Schlagzeug und elektronischen Pianos kamen dabei arabische Djemben und eine, eigens für die Inszenierung gebaute Koto zum Einsatz.
Erzählt wurde die Geschichten der Bibi Aisha aus Afghanistan, der Miki Endo aus Japan, sowie des Kapitäns der Costa Concordia, Francesco Schettino. Die Aufführung kam im Juni 2012 in der „Schaubude Berlin“ zur Aufführung.
 
Projektauslöser/Idee:
Anregung für das Projekt „Bunraku ein Welttheater“ war eine Arbeitswoche mit der mobilen Werkstatt von Fluchtkunst in der Erstanlaufstelle für Asylbewerber in Berlin Spandau. Dort arbeiteten die Mitarbeiter im Rahmen einer Sommerwerkstatt des Jugend-Kunst-und Kulturhauses Schlesische 27 mit afghanischen und tschetschenischen Flüchtlingskindern unter Benutzung des gesamten Maschinenparks der mobilen Werkstatt von Fluchtkunst.
Dabei entstand die Idee beim folgenden Jahresprojekt Schüler der 6. und 7. Klasse mit den aktuellen Weltgeschehnissen zu konfrontieren und daraus ein Stück zu entwickeln.
 
Projektentwicklung:
1. Schritt
Die Texterstellung für diese Aufführung stellte sich kompliziert dar, da es keine vorhandene Stückvorlage gab und die Schüler an eine intensive Beschäftigung mit der aktuellen Weltpolitik als dramatisches Ausgangsmaterial erst herangeführt werden mussten.
Deshalb wurde die Textfindung zuerst über drei Charaktere geführt. Die Schüler wählten den Prototypen eines Kriegers, einer jungen, schönen und emanzipierten Frau und den eines dicken, lustigen Cheftyps.
Durch eine Testzeichnung im Künstekurs der 7. Klasse wurden dann die Themen eingekreist, die die Schüler im Jahr 2010/11 am meisten bewegt hatten. In der Folge wurden die Prototypen der Figuren weiterentwickelt und im Laufe der Arbeit realen Personen aus der Weltgeschichte zugeordnet, so dass spannende, tragische und dramatische Geschichten aus dem aktuellen Weltgeschehen gefunden werden konnten. Als Textvorlage dienten dann Zeitungs- und Fernsehberichte aus Afghanistan, von der Tsunamikathastrophe in Japan und vom Untergang der Costa Concordia im Mittelmeer.

2. Schritt Figurenbau

Bei der Erarbeitung der Figuren wurden als erstes Körper- und Skelettaufbau, sowie die Proportionen des menschlichen Körpers vermittelt.
Die Schüler lernten, den menschlichen Körper vom inneren Aufbau her zu verstehen. Es wurden die Besonderheiten der einzelnen Gelenk- und Knochenformen besprochen und nachgebaut.
Die praktische Arbeit an den Figuren begann mit dem Modellieren des Kopfes in Ton oder Knetmasse unter Beachtung des Aufbaus und der Konstruktion der Schädelarchitektur. Dafür standen diverse Anschauungsobjekte von anatomischen Lehrmitteln zur Verfügung. Von den Puppenköpfen wurden dann Gipsnegativformen angefertigt, diese wurden wiederum mit Latex-Gummimilch ausgegossen und bemalt.
Im nächsten Arbeitsgang wurde das Skelett konstruiert und hauptsächlich aus Sperrholz und Styropor gebaut. Alle Schüler wurden in die Benutzung von Werkzeugmaschinen eingewiesen. In der mobilen Werkstatt kamen mehrere Dekupiersägen, Bandschleifer und Styroporschneider zum Einsatz.
Für Gliedmaßen, Gelenke, Augen- und Mundmechanik standen weitere Geräte wie Ständerbohrmaschinen, Akkuschrauber und Klebepistolen zur Verfügung. Die Benutzung der Maschinen und Geräte wurden von den Mitarbeitern überwacht. Die Schüler sollten aber selbstständig mit den Werkzeugen arbeiten und mit ihnen vertraut werden.
Um eine möglichst natürliche Beweglichkeit der Figuren zu erreichen, wurden die Gelenke nach dem Naturvorbild als Scharnier oder Kugelgelenk ausgelegt, und die Schüler untersuchten Sachverhalte wie Drehpunkt, Zugspannung und Hebelwirkung.
Die Arbeit an den Figurenköpfen fand in der Regel in den zur Verfügung stehenden Schulräumen statt. Die Herstellung der Körper und die Endmontage von Figuren und Dekorationen, sowie das abschließende Anfertigen der Kostüme erfolgte in der mobilen Werkstatt von Fluchtkunst. Diese ist in einen 7,5t LKW eingebaut und hat damit die Möglichkeit vor, bzw. in die einzelnen Schulen zu fahren.
Bei diesen intensiven Arbeitseinsätzen lernten die Schüler die Partnerklassen aus den anderen Schulen kennen und erprobten gleichzeitig das Arbeiten in der Öffentlichkeit.
Ein wichtiger Bestandteil der Figurenarbeit war ein mehrtägiger Bauworkshop in der mobilen Werkstatt auf dem Lucia-Weihnachtsmarkt Berlin mit Zwischenpräsentationen und erschwerten Arbeitsbedinungen bei, zum Teil Minusgraden und permanenten Laufpublikum. Zur Arbeit gehörte das tägliche gemeinsame Suppekochen für das gesamte Ensemble.

Die letzte und intensivste Phase der Projektarbeit fand in einem Theater, in der „Schaubude Berlin“ statt. Die Schüler teilten sich von diesem Moment die Aufgaben und erarbeiten als Puppenspieler, Sprecher, Musiker oder Techniker ein Theaterspektakel, das nach einer Intensivprobenwoche auf der Bühne zur Premiere kam.
Die Proben wurden von einem verstärkten Team von Fluchtkunst unterstützt. Nach einem Rotationsprinzip arbeiteten die Schüler in Stationen wie Textarbeit, Puppenchoregrafie, Musikproben, pyrotechnische Einweisung und Kostümfertigstellung, bevor sie sich alle zusammen auf der Bühne versammelten.

 
Besonderheiten:
Die Besonderheit liegt in der komplexen Mischung aus Kunst, Politik und praktischer Arbeit und in der Behandlung sehr ernster Themen.
 
Probleme und Lösungen:
Ein großes Problem war das mangelnde Interesse an dem Projekt seitens einer breiten Öffentlichkeit und teilweise seitens der Lehrer- und Schülerschaft. Trotz umfangreicher Werbemaßnahmen und einem großen Straßenumzug zur Premiere (die Premiere fand am „Internationalen Kindertag statt) war die Publikumsauslastung unter den Erwartungen.
 
Anekdotisches:
Ein Höhepunkt der Arbeit war der Bauworkshop zum Figurenbau mit der mobilen Werkstatt von Fluchtkunst auf dem Lucia-Weihnachtsmarkt in der Berliner Kulturbrauerei. Bei Minusgraden und Schneesturm arbeiteten die Schüler unermüdlich an Dekupiersägen und Styroporschneidern. Am Ende des Workshops präsentierten die Schüler ihre Figuren vor einem zum Teil staunenden, zum Teil ignoranten Laufpublikum.
Das berührenste Erlebnis für die Schüler und die Betreuer war, dass während der Vorstellung von "Bunraku ein Welttheater" in der „Schaubude Berlin“ viele im Publikum weinten, aufgrund der Tragik der Geschichten, die erzählt wurden.