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ein fertiger "vorindustrieller Drehwurm" in Aktion
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Bauphase - Verschönerung an der Schwungscheibwenachse
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Gestaltung des Spiralkörpers
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erste Versuche im öffentlichen Raum
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Ausstellungsansicht
Vorindustrielle Drehwürmer - wie man durch Fußtritte Luft quirlt
Schule:
Grundschule am Schäfersee
Baseler Straße 2-6
13407 Berlin
030 4567474
www.schaefersee-grundschule.de

Grundschule / Offener Ganztag
 
Kooperationspartner:
Christian Bilger & Julia Ziegler (Bildende Künstler)
www.erdsaugkraft-fliegschwung.de
 
Beteiligte Schüler:
125
Klasse 6a, 6b, 5a, 5b, 5c
 
Beteiligte Lehrkräfte:
5 Klassenlehrer
 
Stundenvolumen:
- pro Klasse 1 Projektwoche à 30 Stunden
im Zeitraum 13.8. - 2.11.2012
+ eine Woche Präsentationen und Ausflüge mit den Objekten

 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Vorindustrielle Drehwürmer |
wie man durch Fußtritte Luft quirlt

Wir bauen kinetische Objekte und treten damit auf als ein lebendes Bild

eine Kooperation zwischen den Bildenden Künstlern Julia Ziegler und Christian Bilger und der Grundschule am Schäfersee, Berlin Reinickendorf.
5 Klassen der Altersstufen 5 und 6 stellen jeweils in einer Projektwoche kleine Drehwurm-Maschinen her. In einer weiteren Woche treten die Klassen an öffentlichen Orten mit ihren Werken in Aktion..

Viele Menschen arbeiten zuviel (oder das Falsche), auch manche Schulkinder, und wünschen sich mehr Zeit. Freizeit kann neuen Stress bedeuten, Abschalten ist eine Kunst. Wir reflektieren in diesem Projekt unseren Umgang mit Zeit, tägliche Tätigkeiten, das Tun und das Nichtstun. Die Verwendung des mechanischen Wiegetrittes wie bei Nähmaschine oder Spinnrad für unsere Objekte ist dabei ein gezieltes Zitat.
Welche Arbeit kann man gemeinsam leisten, und dabei plaudern und lachen ? Handarbeiten, manche Hausarbeiten gehören in diese Kategorie, manuelle Feldarbeit, manche Bauarbeiten ebenfalls. Vieles davon ist im Verschwinden begriffener Ferienzeitvertreib, da Maschinen, zuhause Spül- und Waschmaschinen, das im Alltag überflüssig machen.
Übrig bleiben die einsamen Handgriffe und das „Büro“.
„Werken“ ist aus dem Stundenplan gestrichen. Das Hände bindende und den Geist befreiende Stricken lernt man noch auf Waldorfschulen – das kommunikative Nebenbei verschwindet ebenfalls. Können die neuen Foren das ersetzen ?
Möglicherweise hat das Gaspedal noch am meisten Ähnlichkeit mit dem Wiegetrittbrett, denn beim Autofahren kann man sich prima unterhalten.

Ein Tagebuch für Bilder aus Kunst und Geschichte, für eigene Skizzen und Gedanken begleitete unsere praktische Arbeit.


Das Projekt gliederte sich in zwei Teile:

1. der Bau der Luftspindeln, Projektwoche

- Herstellen einer Mechanik aus Holz: Gebrauch von (Kreis)Lochsägen, japanischen Sägen, Laubsägen und Bohrern, das exakte Befolgen eines Bauplanes, Genauigkeit beim Herstellen von Rädern, Halterungen, Riemen...Das physikalische Prinzip der Kraftübertragung und Kraftumwandlung haben wir erklärt und genutzt.

- und den Bau der Spirale.
hier galt fast keine Regel, außer dass es sich nach oben wendeln soll; schmal und lang oder kurz und breit, konisch oder röhrenförmig, mit oder ohne Zacken, Bommeln, Borten... ein komplexes Packet unterschiedlicher Fertigkeiten wurde aktiviert.

2. Das lebende Bild, Performance
im öffentlichen Raum.

Am Schäfersee, vor dem Eingang zur U-Bahn, vor einer Kaufhalle, einem Cafe...
stehen die Kinder vor ihren Maschinen und quirlen die Luft. Sie bewegen einen Fuß, wie bei einer alten Nähmaschine oder einem Spinnrad treiben sie den kleinen Mechanismus mit einem Schwungrad an, das wiederum eine Vertikale bewegt:
Eine hohe Figur dreht sich um sich selbst: eine Spirale, die sich in die Luft schraubt. Diese Bewegung geht immer voran, kommt aber nie an ein Ende. Farbige Hüte mit Spirallocke– jede Klasse hat eine eigene Farbe - definieren die Kinder als außerhalb des Alltags unterwegs.
Physikalisch wird Arbeit verrichtet, praktisch wird Arbeits-Zeit vernichtet - oder umgesponnen.

Das Projekt fand von August bis November 2012 statt.
Wir waren in jeder Klasse für jeweils eine Woche zu Gast. Der Ablauf war jedes Mal ähnlich, mit kleinen Unterschieden. Die Dokumentation führt exemplarisch durch eine Woche.
Die Einteilung das Vormittags in drei Blöcke nutzen wir für thematische Schwerpunkte.

 
Projektauslöser/Idee:
Die bildenden Künstler Christian Bilger und Julia Ziegler sind mit der Projektidee an die Schule herangetreten, nachdem sie mit 2 anderen Klassen an der Schule 2011 und 2012 zwei je einwöchige Projekte zum Thema Kunst+Technik realisierten.
 
Projektentwicklung:
Im Großen und Ganzen verlief das Projekt wie geplant. Kleine Abweichungen gab es bei den Auftritten im Außenraum, die wir zum Teil ohne die Lehrer und in kleinen Gruppen unternahmen. Außerhalb der Schule waren alle sehr schüchtern.
 
Besonderheiten:
Physik und Kunst zu verbinden bedeutet immer wieder zu wechseln zwischen genauem Befolgen von festen Maßen und Schritten und dem Zulassen von eigenen Ideen, Offenheit und Experimentierlust. Theorie und Praxis gehen Hand in Hand. Verantwortungsvoller, selbstständiger Umgang mit den Werkzeugen, Regeln einhalten und trotzdem eigene Lösungen finden. Die Kinder bekamen das gut hin. Wir waren sehr angetan von der Vielfalt und Eigenwilligkeit der entstehenden Schwungräder, und es gab keinen Drehwurm, der am Ende nicht funktionierte.
 
Probleme und Lösungen:
Das Tagebuch soll eine Erinnerung sein, eine Möglichkeit für Reflexion und Rückzug. Aber angesichts der Möglichkeit, mit einer Bohrmaschine oder einer Säge zu arbeiten, wird es oft als lästiges Übel betrachtet und links liegen gelassen.
Lieber Schlange stehen. Wenn die Klassenlehrer zu Beginn vermerkten, dass das Tagebuch später benotet wird, wurde es wesentlich liebevoller behandelt und es entstanden spannende und detaillierte Zeichnungen von Berufen, Werkzeugen, Drehwürmern...
 
Anekdotisches:
Wir teilen die Kinder mittels Spielkarten in Dreiergruppen ein, Tip eines Klassenlehrers – es versammeln sich also Könige, Damen, Asse und Neuner an ihren Tischen. Ein mittleres Maulen hebt an, denn nie sind alle zufrieden. Zwei Jungs kommen zu uns, beinahe Hand in Hand, so einträchtig, und sagen: „Wir können nicht zusammenarbeiten, wir hassen uns !“. Konnten und mussten sie dann aber doch, wie die anderen Teams auch. Alle Klassenlehrer unterstützten diesen Weg.