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Abbildung Gesamtkonzept des Projekts
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Probenszene aus der Sprechtheater-Werkstatt
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Probenszene aus der Tanz-Werkstatt
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Aufführung - Mit Kulissen und Kostümen
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O-Töne der Kinder zum Thema Märchen
Es war einmal... eine kunterbunte Grundschule - Eigene und fremde Kulturen durch Märchen verstehen
Schule:
Matthias-Claudius-Schule
Magdalenenstr. 6
53121 Bonn
Tel.: 0228/777042

URL: http://www.matthias-claudius-schule-bonn.de/

Grundschule / Offener Ganztag

 
Kooperationspartner:
Annette Stachs
www.annettestachs.de

Maria Joao Neno
www.tanzabenteuer.de

Anika Brockmann
www.lautspuren.de

 
Beteiligte Schüler:
ca. 75
Schülerinnen und Schüler der Klassen 3a, 3b und 3c
 
Beteiligte Lehrkräfte:
3 Klassenlehrerinnen, Schulleiterin (alle unterrichten Deutsch sowie u.a. Kunst und Religion), 1 Sonderpädagogin
 
Stundenvolumen:
pro Klasse 20 Wochenstunden über 3 Wochen Anleitung durch die drei Künstlerinnen = 60 Stunden

Probenarbeit während der übrigen Unterrichtsstunden durch die Lehrerinnen (keine zusätzlichen Kosten).

je 6 Std. Begleitung der Künstlerinnen bei Generalprobe und Aufführung

Erzählphase in den Klassen und Schreiben eines eigenen Märchenbuches der drei Kassen über mehrere Wochen im Unterricht

 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
An der Matthias-Claudius-Grundschule im Bonner Stadtteil Endenich lernen derzeit ca. 290 Schüler aus 27 Nationen. In nahezu jeder Klassengemeinschaft stammen mittlerweile etwa 40% der Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund. Daher wollen wir den Kindern mit den Projektwochen einen festen Rahmen dafür bieten, sich tiefergehend mit ihren kulturellen Gemeinsamkeiten und Unterschieden zu beschäftigen und so auch Neugierde auf Kulturgut insgesamt wecken. Märchen erscheinen uns hier aus verschiedenen Gründen besonders geeignet:
Durch ihre Symbolkraft ermöglichen sie Kindern einen ganzheitlichen Zugang zu grundsätzlichen Lebensfragen, da sie in der Geschichte eigene Erfahrungen, Hoffnungen und Ängste wiedererkennen und zugleich Lösungsansätze und Trost finden können. Fast alle Länder und Völker haben eine Märchentradition. In den Geschichten, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, sind wesentliche Elemente der jeweiligen Kultur bildhaft verdichtet und zugleich lebendig und spannend, also kindgerecht erzählt. Die Themen und Werte sind über alle Kulturen hinweg zumeist sehr ähnlich, auch wenn sich die Figuren und Bilder unterscheiden. Gerade die hohe Bildhaftigkeit wiederum ermöglicht eine Auseinandersetzung nicht nur auf sprachlicher, sondern auch auf anderen Ebenen wie bildender Kunst, Musik und Tanz. Die Reichhaltigkeit von Märchen unterschiedlicher Kulturen mit allen Sinnen zu entdecken und weiterzuentwickeln ist Ziel der Projektwochen. Daher werden sie von erfahrenden externen Künstlerinnen mit unterschiedlichen Schwerpunkten (Bildende Kunst, Tanz, Sprechtheater) angeleitet. Das gemeinsame aktive Gestalten schult zudem spielerisch und fast nebenbei Wahrnehmung, Körpergefühl, sprachliche und soziale Kompetenzen.
Das Gesamtkonzept der Projektwochen ist in der beigefügten Abbildung veranschaulicht und sieht neben flankierenden Maßnahmen (s.u.) fünf Kernmodule in Werkstattform vor:
1. Schreib- und Malwerkstatt: Über die gesamte Projektphase hinweg arbeiten die Kinder im Rahmen einer Schreib- und Malwerkstatt im Deutschunterricht aktiv mit dem Thema Märchen. Sie werden angeregt, sich eigene Geschichten zu einem bestimmten Schlüsselthema auszudenken, für bekannte Märchen ein neues Ende zu finden, oder Figuren aus verschiedenen Märchen einander kennenlernen zu lassen. Die Geschichten werden dann je nach Neigung mit Bildern illustriert. Die so entstandenen Werke werden als Buch kopiert und gebunden. Jedes Kind erhält zum Abschluss ein Exemplar dieses bunten Gemeinschaftswerks.
2. Erzählkultur: In der Einführungsphase wird nach Möglichkeit eine professionelle Märchenerzählerin in die Klassen eingeladen. Gezielt ist auch die Elternschaft aufgerufen, den Kindern Märchen aus ihrem jeweiligen Kulturraum nahe zu bringen. Anschließend werden die Kinder angeregt, sich in kleinen Gruppen moderiert durch Eltern und Lehrkräfte auszutauschen, was ihnen gefallen hat, was nicht, welche Figur aus der Geschichte sie gern wären und warum, was an der „guten“ Figur gut und was an der „bösen“ böse war, etc..
Im Anschluss arbeiten die Kinder dann innerhalb des Klassenverbands in einer von drei unterschiedlichen Gruppen weiter:

3. Sprechtheater-Werkstatt: Unsere Erfahrung zeigt, dass viele Kinder Märchen nachspielen wollen. Dies soll in den Sprechtheater-Werkstätten geschehen, in denen das Wort im Mittelpunkt steht. Unter Anleitung der erfahrenen Theaterpädagogin und Sprachgestalterin Anika Brockmann üben die Kinder sich im gemeinsamen Konzipieren einer Geschichte, im ausdrucksstarken freien Sprechen und in der Bühnendarstellung von Märchen. Hierbei soll sowohl mit den Märchenbüchern aus der schuleigenen Bibliothek als auch mit den eigenen Werken der Kinder aus den Schreib- und Malwerkstätten (s.o.) gearbeitet werden.
4. Kunstwerkstatt: Märchenthemen und -figuren bildnerisch darzustellen, ist eine besondere Art der Auseinandersetzung, die viel Gestaltungsspielraum lässt und zugleich die kulturellen Protoypen greif- und sichtbar werden lässt. Auch hier lässt sich die Leitidee umsetzen, ein Abbild des Gemeinsamen in der Vielfalt zu schaffen. Ob schließlich eine Skulptur verschiedene Märchen in sich vereint, Kulissen gemalt oder besondere Requisiten für die abschließende Aufführung gestaltet werden, wird sich in der kreativen Zusammenarbeit zwischen den Kindern und der Bonner Kunstpädagogin Annette Stachs ergeben.
5. Tanzwerkstatt: Unter Anleitung der erfahrenen Tanzpädagogin Maria Joao Neno werden Teile des selbst konzipierten Märchens gemeinsam choreografisch entwickelt und umgesetzt. Tanz als Ausdrucksform nonverbaler Kommunikation steht dabei für den körpernahen Ausdruck und interkulturelle Verständigung jenseits üblicher Verständigungswege / -grenzen.
Die Ergebnisse aus den einzelnen Werkstätten münden schließlich in einer gemeinsamen Bühnenaufführung, die im Rahmen einer Schulfeier vor den anderen Jahrgangsstufen und der Elternschaft aufgeführt wird.
Flankierende Maßnahmen
Durch die flankierenden Maßnahmen soll einerseits sichergestellt werden, dass die Kinder ihre Projekterfahrungen über den Schulkontext hinaus mitnehmen und zu Hause teilen und weitertragen können (Eltern- und Familienarbeit), andererseits, dass das Projekt zunehmend als fester Bestandteil des Schulprogramms für die dritte Jahrgangsstufe verankert werden kann (Multiplikatorenschulung der Lehrkräfte). Die Eltern werden über die Projektwochen informiert und zur aktiven Beteiligung im Rahmen der Einführungswoche „Erzählkultur“ und des Seitenwechsels (s. nächster Punkt) aufgerufen. So können die Eltern besser aufgreifen, was ihre Kinder zu Hause erzählen und sich als „Märchenbot-schafter“ ihrer Herkunftskultur in die Erzählphase oder auch in eine der Werkstattgruppen einbringen.
Weiterhin werden die Familien durch einen gezielt kulturübergreifenden „schulinternen Schüleraustausch“ einbezogen, der ein alltagsnahes Kennenlernen ermöglicht. Die Idee gründet auf dem Projekt „Seitenwechsel“, das zwischen 2004 und 2006 sehr erfolgreich an einer Schweizer Schule entwickelt und durchgeführt wurde (http://www.projektegegenrassismus.ch/deutsch/pagesnav/
PR.htm). Dabei wurden nachhaltig Vorurteile abgebaut, und es entstanden viele neue Freundschaften. In kleinerem Rahmen und thematisch an unser Projekt angepasst verbringen die Kinder zwei Nachmittage nach Schulschluss mit einem Kind eines anderen kulturellen Hintergrunds und erleben dessen normalen Alltag. Sie werden jeweils eingebunden in die Familienabläufe, von Hausaufgaben über Aktivitäten (Sport etc.) und gemeinsamem Spiel bis hin zum Abendessen. Die Familien können dabei entscheiden, ob ihr Kind nur besucht, nur Besuch bekommt oder ob beides stattfindet. Das gemeinsame Erzählen oder Lesen von Märchen hat sich dabei als guter thematischer Aufhänger mit Eisbrecherfunktion erwiesen.
Gemeinsam mit den Lehrkräften: Weiterführen
Die Lehrkräfte werden durch die aktive Begleitung und Mitgestaltung der von den professionellen Künstlerinnen durchgeführten „Werkstätten“ geschult. Sie erfahren und entwickeln als „Ko-Moderatoren“ inspirierende Ideen und erhalten aus vor- und nachbereitenden Gesprächen mit den umsetzenden Künstlerinnen wertvolle Anregungen. Während der Projektphase wird in jeder Klasse eine Märchenecke mit den Büchern eingerichtet, die im Rahmen der ersten Projektdurchführung angeschafft oder zum Projekt von den Kindern mitgebracht werden. In märchenhaften Schmökerzeiten lernen die Kinder Märchen aus aller Welt kennen und erweitern so ihren kulturellen Horizont.

 
Projektauslöser/Idee:
Seit 2010 treffen sich Vertreter aus Elternschaft, Lehrerschaft und OGS im Arbeitskreis „Vielfalt als Chance“ und haben neben anderen Projekten das Schulfest im Juni 2011 unter dem Motto „Wir sind Kinder einer Erde“ geplant und durchgeführt. Aus diesen Aktivitäten heraus ist die Idee zu den künstlerischen Märchenprojektwochen für die dritte Jahrgangsstufe entstanden. Die erstmalige Durchführung 2011 konnten wir durch erfolgreiche Teilnahme am Wettbewerb „Ich Du Wir – Gemeinsam anders“ der Deutschen Telekom finanzieren, Konzept und Projektantrag wurden von Katja Mierke und Monika Mayer als Vertreterinnen der Schulpflegschaft gemeinsam mit den beteiligten Künstlerinnen und der Schulleitung ausgearbeitet.
 
Projektentwicklung:
Das Konzept wurde seither von Vertreterinnen der Lehrer- und Elternschaft in enger Kooperation mit den drei beteiligten Künstlerinnen auf Basis der Erfahrungen der letzten Phase weiterentwickelt. Es gab über das Jahr hinweg immer wieder Planungstreffen zwischen Künstlerinnen und den beteiligten Lehrkräften, um die Kernphase vorzubereiten. Die praktische Umsetzung ist nun so vorgesehen, dass in allen drei Klassen alle drei Werkstätten angeboten werden, was den Bedürfnissen der Kinder besser entspricht.
 
Besonderheiten:
Das Besondere an unserem Projekt sehen wir darin, dass es unter dem gemeinsamen Oberthema Märchen mehrere zentrale kulturelle Ausdrucksformen integriert: Literatur, mündliche Überlieferung, bildende Kunst, Tanz und Theater.
Eine weitere Besonderheit besteht in der Verbindung von lokalem Bezug und Internationalität. Zwei der drei Künstlerinnen, die die Projektwochen durchführen, haben selbst einen multikulturellen Hintergrund und können so dem Thema besonders einfühlsam begegnen und es authentisch mit Leben füllen. Dadurch, dass alle drei Künstlerinnen darüber hinaus einen engen Bezug zum Bonner Stadtteil Endenich haben, werden die Kinder und ihre Familien inspiriert, weitere kulturelle Angebote in ihrer unmittelbaren Wohnumgebung wahrzunehmen, beispielsweise Tanz- und Kunstkurse oder auch Theatervorführungen zu besuchen.
 
Probleme und Lösungen:
In der ersten Projektphase waren einige Kinder traurig, dass sie in einer Werkstattgruppe waren, die zum Teil nicht unmittelbar an der Aufführung beteiligt war. Um allen Kindern die Wahl zu lassen, ob sie lieber auf der Bühne stehen oder an der Gestaltung von Konzept, Requisiten und Kulissen mitwirken möchten, werden künftig alle drei Künstlerinnen im Wechsel alle drei Klassen begleiten anstatt jeweils eine.
 
Anekdotisches:
Während des Projektes 2011 ist ein Film entstanden, der die Probenarbeit zum Märchenstück „Die verzauberten Prinzessinnen“, die Entstehung der Kulissen und schließlich die Aufführung dokumentiert.

Das große Gemeinschaftserlebnis und der Stolz auf das gemeinsam geschaffene Werk wird in dem Film deutlich und wird in den Kindern als bleibende Erinnerung nachhaltig wirken.

Hier einige O-Töne aus dem Film:

Kinder der Klasse 3 a : „Es hat so viel Spaß gemacht, das Märchen auszudenken. Wir hatten so viele Ideen und jeder konnte seine sagen. Und es war toll, dass alle mitgemacht haben!“

Anika Brockmann, Theaterpädagogin: „Es hat mich sehr gefreut, wenn dann ein eher schüchternes Kind kam und sich über Nacht auch noch eine Idee ausgedacht hat.“
„Es ist super, dass wir es geschafft haben, alle Kinder auf die Bühne zu bringen, dass keiner gesagt hat, da mache ich nicht mit.“

Kinder der Klasse 3 b : „Ich fand besonders gut, wie wir gemalt haben und dass wir zusammen gemalt haben und uns nicht gestritten haben.“
“Eigentlich war ich in Kunst ganz schlecht, jetzt wo ich mit den anderen gearbeitet habe, haben wir zusammen was Tolles gemacht."

Annette Stachs, Künstlerin : „Man hat gesehen, dass die Kinder viel weiter sind als die Erwachsenen, dass sie das Trennende gar nicht sehen, dass sie nicht in solchen Kategorien denken und fühlen und in diesem Alter sehr tolerant mit dem Anderssein umgehen."

Kinder der Klasse 3 c : Ich wusste vorher nicht, dass man Wasser oder Feuer tanzen kann, aber es hat sich echt angefühlt.“ „Am schönsten fand ich den Tanz der Prinzessinnen, wie sie als schönes Bild aus dem Brunnen kamen.“

Maria Joao Neno : „ Es war für die Kinder ganz spannend dass der Fluss mit den gefährlichen Ungeheuern durch die Bewegung der tanzenden Kinder fast wirklich wurde und das Durchqueren als gefährlich erlebt wurde."

Siehe auch die angehängten Fotos

Der Film und auch das unter Beteiligung aller Kinder geschriebene Märchenbuch werden gerne auf Anforderung geschickt.