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In der "Denkstätte Weiße Rose"
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Vor der Ludwig-Maximilians-Universität
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Im Foyer der Hochschule für Musik und Theater München
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In der Brienner Straße
Wie klingt Geschichte - Auf Spurensuche in München
Schule:
Gymnasium Geretsried
Adalbert-Stifter- Straße 14, 82538 Geretsried
Tel.: 08171 932511
www.gymger.de

Josef-Effner-Gymnasium Dachau
Erich-Ollenhauer-Str. 12/ Amperweg, 85221 Dachau
Tel. 08131 666470


Gymnasium / Ungebundener Halbtag

 
Kooperationspartner:
Werner Karg
Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus | Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit
Referat 4 | Praterinsel 2 | 80538 München 08921862185 |

Elisabeth Utz
Referentin | Bildungsprojekte | Stiftung Zuhören | Bayerischer Rundfunk | Rundfunkplatz 1 | 80335 München | 0049 89 5900 41255 |
utz@stiftung-zuhoeren.de
www.stiftung-zuhoeren.de

Dr. Juliane Ludwig
Referentin Education/Jugendarbeit | Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Rundfunkplatz 1 | 80335 München | 0049 89 5900 3360 |
juliane.ludwig@br.de
www.br-klassik.de/symphonieorchester

 
Beteiligte Schüler:
23
Gymnasium Geretsried (GG):
Klassen 10-12
extra gegründete AG

Josef-Effner Gymnasium Dachau (JEG):
11. Klasse
W-Seminar Geschichte

 
Beteiligte Lehrkräfte:
1 Lehrkraft Geschichte (JEG), 1 Lehrkraft (Geschichte) (JEG und Landeszentrale), 1 Lehrkraft (Musik) (GG)
 
Stundenvolumen:
Laufzeit: Juli 2012 - März 2013

Zeitaufwand (Unterrichtsstunden + Eigenleistung der Schüler)

GG: Das Projekt findet im Rahmen einer extra gegründeten AG, also gewissermaßen in der "Freizeit" der Schüler statt. Die terminierten Workshops mit den Musikern nehmen etwa 45 Zeitstunden ein. Darüber hinaus haben die Schüler bisher rund 35 Stunden in das Projekt eingebracht, wobei die intensive Arbeitsphase erst Ende Februar 2013 stattfindet.

JEG: Das Projekt wird innerhalb eines W-Seminars durchgeführt, für das 2 Stunden pro Woche eingeplant sind. Außerdem haben die Schüler zahlreiche Rechercheaufträge/ausflüge sowie Interviewtermine mit Zeitzeugen außerhalb ihrer Unterrichtszeit durchgeführt. Jeder Schüler hat so ca. 70 außerschulische Stunden für das Projekt verwendet.

 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
30 Jugendliche aus Gymnasien des Münchner Umlands entwickeln gemeinsam mit Musikern des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks und BR-Mediencoaches sowie mit Experten der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit musikalisch-journalistische Hörbilder zu vier Themen der NS-Verfolgung in München, die jeweils mit einer konkreten Person verknüpft sind: Kindertransporte (Beate Siegel/Bea Green) – Displaced Persons (Karl Rom) – Widerstand (Hans Haberl) – Euthanasie (Karoline Steidle).

Ziel des Projekts ist es, ins Vergessen geratene oder geratende Themen der NS-Verfolgung, die sich an den Biografien junger Menschen verdeutlichen lassen und an signifikanten Orten in München lokalisierbar sind, mit Hilfe des Mediums Hörbild/Radiofeature als solche hör- und sichtbar zu machen und dadurch lebendige Orte des lokalen Gedenkens zu schaffen.

Der Auswahl vier der Themen und Personen, die wesentlich von der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit begleitet wurde, liegen folgende Entscheidungskriterien zugrunde: Inwiefern ist das Thema bzw. die Person historisch relevant? Hat das Thema genügend inhaltliches Potential? Lässt es sich in konkreten (jugendlichen) Persönlichkeiten personalisieren? Gibt es signifikante Ortsbezüge im Raum München?

Basis für die Hörbilder sind die Ausdrucksmöglichkeiten der Jugendlichen, ihre Entdeckung und Weiterentwicklung. Das Projekt legt großen Wert darauf, die spezifischen Interessen und Erfahrungen von Jugendlichen von Anfang an zu berücksichtigen. Sie bestimmen Inhalte und Herstellungsprozess. Dies ermöglicht ihnen einen neuen Zugang zu den betreffenden Ereignissen und Orten, durch den sie nicht zuletzt die Aktualität der Thematik (Verfolgung, Ausgrenzung, Vertreibung) erfahren und auch anderen vermitteln können. Der persönliche Blick der Jugendlichen auf die Geschichte verankert das Projekt zudem in der Gegenwart.

Die kompetente Betreuung durch erfahrene Pädagogen, Mediencoaches und Orchestermusiker und die Produktion in den Studios des Bayerischen Rundfunks stellen die hohe technische und inhaltliche Qualität sowie Verbreitungs- und Vertriebsmöglichkeiten sicher.

Die Jugendlichen arbeiten in zwei Gruppen, die sich in regelmäßigen Abständen über ihre Ideen und Ergebnisse austauschen– persönlich und über einen Blog, der bei der Stiftung Zuhören angesiedelt ist (s. Projektenwicklung).
Gruppe 1, die Schüler des W-Seminars Geschichte am JEG, beschäftigt sich mit der journalistisch-historischen Aufbereitung der Themen. Für die Entwicklung dieser Teile der Hörbilder lassen sich die Jugendlichen anregen von dem, was sie zu den ausgewählten Themen und Personen vorfinden. Das sensibilisiert sie für historisch-politische Zusammenhänge ihrer Umgebung und auch deren Bezüge zur großen Weltgeschichte. Ihre Eindrücke setzen die Jugendlichen dann unter Anleitung des Mediencoaches Eva Demmelhuber in Hörstücke/Radiofeatures um. Sie gehen mit dem Mikrofon auf die Suche nach Material, verfassen Texte und sprechen sie selbst ein. Das Ergebnis der Recherchen bildet außerdem den Kontext für die Musikstücke der Gruppe 2.

In der Gruppe 2, den Schülern des GG, dient Musik als direkter Zugang zu einem Stück Geschichte, aber auch als Möglichkeit, das Erfahrene künstlerisch zu verarbeiten und zu vermitteln. Entsprechend versuchen die Schüler dieser Gruppe, Gelerntes über die Themen bzw. Orte der NS-Verfolgung hörbar zu machen, indem sie es musikalisch umsetzen (Response-Methode). Ausgangspunkt sind die musikalischen Ideen der Schüler, die durch Improvisation und Experimentieren verändert und weitergesponnen werden. Unter Anleitung von Musikern aus Symphonieorchester und Chor des Bayerischen Rundfunks entwickeln sie kurze Musikstücke bzw. Klanginstallationen, die ihre Eindrücke und Überlegungen zu den jeweiligen Themen widerspiegeln (etwa 3 Min. pro Thema bzw. Ort).
Die resultierenden Werke werden in den BR-Studios von den Schülern selbst eingespielt. Zudem werden die Teilnehmer ihre Kompositionen auch bei der Abschlusspräsentation in Auszügen live vorführen.

Die öffentliche Abschlusspräsentation findet am 14. und 15.3.2013 um 19.15 Uhr in der BlackBox des Münchner Gasteigs statt und wird eine Mischung aus live-Präsentation und Einspielung von Teilen der Hörbilder darstellen. Neben geladenen Gästen steht die Veranstaltung auch allen Besuchern des anschließenden Symphoniekonzerts in der Philharmonie im Gasteig offen, die so eine besondere Einstimmung auf das thematisch mit dem Projekt verknüpfte Konzert erhalten: Unter Leitung des Chefdirigenten Mariss Jansons führt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Benjamin Brittens „War Requiem“ auf. Das Konzert wird zudem von allen Teilnehmern besucht und dient als klingender Projektabschluss.

Die Hörbilder werden auf den Websites der Projektpartner zum kostenlosen Download sowie als App der Stiftung Zuhören zur Verfügung stehen. Eine CD-Produktion ist ebenfalls anvisiert.

 
Projektauslöser/Idee:
In Gesprächen zwischen dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, der Stiftung Zuhören und der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit entstand die Idee, mit Jugendlichen Hörbilder zu entwickeln, die auf innovative Weise den Nationalsozialismus in München dokumentieren und greifbar machen. Hintergrund war der Wunsch, die Erfahrungen des Symphonieorchesters in Response-Projekten mit dem Konzept von „Wie klingt Geschichte“, dem Audioguideprojekt der Stiftung Zuhören mit der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, zu verbinden. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks bietet in seinem Education-Programm Kindern und Jugendlichen zahlreiche Möglichkeiten, Musik aktiv für sich zu entdecken. Teil dieses Angebots sind Response-Projekte, in denen Musiker des Orchesters mit Jugendlichen eigene Stücke komponieren und aufführen. Seit 2009 entstehen im Projekt „Wie klingt Geschichte“ Audioguides von und für Jugendliche an bayerischen Gedenkstätten und Orten der Erinnerung der NS-Geschichte. Die Erfahrung in diesem Projekt hat gezeigt, dass vor allem die Audios, in denen Musik eingesetzt wird, die Hörer emotional bewegen und das Erzählte greifbarer machen. Bis zu diesem Zeitpunkt kamen Musikstücke jedoch u.a. aus Gema-rechtlichen Gründen nur sporadisch zum Einsatz.
Die Idee, dass Jugendliche die Geschichte des Nationalsozialismus in München nicht nur historisch in Radiofeatures aufbereiten, sondern auch selbst musikalisch interpretieren erschien allen ein spannendes Experiment und eine einzigartige Möglichkeit, Jugendliche an dieses Thema heranzuführen. Ein weiterer Anlass war die Planung des Symphonieorchesters, in der Saison 2012/13 drei Werke aufzuführen, die den Nationalsozialismus bzw. den 2. Weltkrieg verarbeiten. Die Jugendlichen konnten so zwei Konzerte besuchen. Im September 2012 wurden sie musikalisch mit Arnold Schönbergs „Ein Überlebender aus Warschau“ (1947)und Richard Strauss', „Metamorphosen“ (1946) eingestimmt. Im März 2013 findet ihr Projekt vor der Aufführung von Benjamin Brittens „War Requiem“ (1962) in der Philharmonie im Gasteig, München seinen Abschluss.
 
Projektentwicklung:
Im Vorfeld des Projekts im Winter/Frühjahr 2011 fanden Gespräche zwischen dem Symphonieorchester (Dr. Juliane Ludwig) und der Stiftung Zuhören (Elisabeth Utz) statt. Ziel war es, die Jugendarbeit beider Institutionen zu verbinden und ein gemeinsames Projekt zu entwickeln. Rasch entstand der Wunsch, den langjährigen Kooperationspartner der Stiftung Zuhören, die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit (Werner Karg, Dr. Robert Sigel, Katharina Willimski), mit ins Boot zu holen. In mehreren Vorgesprächen erarbeiteten die drei Kooperationspartner gemeinsam das Konzept des Projekts. In diesen Gesprächen entstand die Idee, mit Jugendlichen musikalisch-journalistische Audios zum Thema Nationalsozialismus zu entwickeln. Ziel war es, Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, sich dem Thema Nationalsozialismus auf eine andere Art als im Geschichtsunterricht zu nähern. Einerseits durch eigene Kompositionen, andererseits durch eigene journalistische Recherchen und Gesprächen mit Zeitzeugen. Die Jugendlichen sollten zu aktiven Erzählern werden und somit das Thema aus ihrer eigenen Perspektive betrachten. Hörstücke von und für Jugendliche sollten entstehen. Die Auswahl des Blickwinkels auf das jeweilige Thema und die Erzählstruktur sollte mit den Schülern erarbeitet werden
Nach der Festlegung der 4 Themen (Kindertransporte – Displaced Persons – Widerstand – Euthanasie) wurden 2 Gymnasien als Kooperationspartner gesucht. Der enge Kontakt der Landeszentrale zu Schulen war hier sehr hilfreich und schnell konnten Dr. Robert Sigel und Katharina Willimski zwei motivierte Gymnasien ausfindig machen. Nach der Zusage fanden Vorgespräche mit dem Josef-Effner-Gymnasium Dachau (Christoph Triebfürst) und dem Gymnasium Geretsried (Bernhard Zink) statt. Dr. Juliane Ludwig stellte das Projekt im Symphonieorchester und im Chor des BR vor und fand 4 engagierte Musiker, die sich neben ihrer Arbeit für Jugendliche engagieren wollten: Florian Sonnleitner, Violine; Christiane Hörr, Viola; Sabine Staudinger, Alt; Julia Schoelzel, Klavier/Komposition. Auch Elisabeth Utz fand rasch einen Mediencoach: die Autorin und Hörspielproduzentin Eva Demmelhuber. Im Juni 2012 fand dann ein erstes gemeinsames Treffen mit allen Projektbeteiligten (Schüler, Lehrer, Mediencoach, Musiker, Vertreter des Landeszentrale, der Stiftung Zuhören und des Symphonieorchesters) in der Landeszentrale statt. Dort wurde das Projekt den Schülern vorgestellt und die Planung des Projekts besprochen. Ziel war es auch, die beiden Schülergruppen miteinander bekanntzumachen und ihnen den Blog vorzustellen, der zum Austausch der Teilnehmer während des Projekts geschaffen wurde. Der Projektauftakt fand am 27.9.2012 statt. Alle Schüler und Lehrer wurden in den Herkulessaal in München eingeladen, zum Konzert des Symphonieorchester mit den Stücken Schönberg, „Ein Überlebender aus Warschau“ (1947) und Strauss, „Metamorphosen“ (1946). So konnten sie sich musikalisch auf das Thema und das Projekt einstimmen. Inhaltlich wurden die Schüler dann Anfang Oktober vorbereitet. Eine historisch-fachliche Einführung erhielten sie am 1.10.2012 von Katharina Willimski und Werner Karg. Am Tag darauf besuchten sie die Gedenkstätte „Weiße Rose“ , in der ein weiteres Gespräch mit der Landeszentrale, der Stiftung und Mediencoach Eva Demmelhuber stattfand. Anschließend erhielten die Schüler von Dr. Robert Sigel eine Führung durch die Stadt, die sie in die Architektur und Ereignisse des NS Zeit einführte. In der Hochschule für Musik, selbst ein NS-Gebäude, erhielten sie zum Abschluss des Stadtrundgangs von Dr. Juliane Ludwig Informationen zu Musik in der NS-Zeit und sprachen in diesem Zusammenhang auch über soziale und kulturelle Funktionen von Musik.
Inhaltlich bestens vorbereitet arbeiteten die Schüler ab diesem Zeitpunkt mit ihren Lehrern und externen Betreuern (Mediencoach und Musiker) an ihren Hör- und Musikstücken. Um den Kontakt zu halten und sich auszutauschen, posteten die Schüler ihre Rechercheergebnisse und Ausflüge zu Interviewpartner, Gedenkstätten und Musikertreffen auf dem Projektblog. Am 13.11.2012 fand ein weiteres Austauschtreffen statt, in dem die Historiker-Gruppe der Musiker-Gruppe ihre Rechercheergebnisse zu den 4 ausgewählten Themen präsentierte. Am 8.2.2013 stellte die Musikergruppe der Historikergruppe ihre Ergebnisse vor. Sie hatte sich im Vorfeld mehrmals mit den Musikern des SO getroffen und erste Ideen für Klangkompositionen erstellt. In der Zwischenzeit hatte auch die Historikergruppe mit ihrem Mediencoach gearbeitet. Sie waren nach Hartheim gefahren und hatten u.a. eine Überlebende des Holocaust, Bea Green, in London (durch eine Schaltung zwischen BBC und BR interviewt).
Ende Februar 2013 findet nun die intensivste Phase des Projekts statt. Die Musiker werden eine Woche komponieren und proben, bevor sie ihre Stücke in den großen Studios für Orchester des BR einspielen. Die Historiker werden alle Elemente ihrer Radiofeatures aufnehmen, schneiden und drei Tage lang in den Hörspielstudios des BR produzieren. Gemeinsam werden die Schüler Musik und Hörstücke miteinander verbinden und zu einem spannenden und bewegendem Hörerlebnis machen.
 
Besonderheiten:
Eine Besonderheit des Konzepts ist seine Interdisziplinarität, sowohl auf inhaltlicher als auch auf institutioneller Ebene: Zum einen wird musikalische Komposition mit historischer Recherche und journalistischem Schreiben zu einer komplexen Einheit verknüpft, die das Thema auf kreative Weise vielseitig beleuchtet und so ungewöhnliche Zugangsmöglichkeiten schafft. Zum anderen sind drei verschiedene Institutionen aus verschiedenen kulturellen Sparten an der Entwicklung und Durchführung des Projekts beteiligt. Ihre unterschiedlichen Kompetenzen, Arbeitsmethoden und Vermittlungsansätze bereichern das Projekt nicht nur inhaltlich, sondern auch strukturell, so dass die Teilnehmer mit einer breiten Palette an kulturellen Techniken und Denkweisen konfrontiert werden - immer auf Augenhöhe mit den Künstlern.

Weiterhin hat das Projekt über seine historische Dimension hinaus einen starken Gegenwartsbezug: Die Relevanz von scheinbar historischen Themen (Ausgrenzung, Verfolgung, Vertreibung) für die unmittelbare Gegenwart wird im Laufe des Projekts für die Teilnehmern nicht nur erfahrbar: Sie können dies in ihren Hörbildern auch anderen vermitteln.

Der Qualitätsanspruch des Projekts spiegelt sich nicht zuletzt darin wieder, dass es ganz nebenbei die Medienkompetenz aller Teilnehmer wesentlich fördert: Durch die enge Zusammenarbeit mit erfahrenen Mediencoaches und Rundfunkmusikern lernen sie journalistisches und künstlerisches Arbeiten in einer öffentlich-rechtlichen Medienanstalt aus erster Hand aktiv kennen und erarbeiten sich auch das nötige Handwerkszeug für einen kritische(re)n Umgang mit Medien.

 
Probleme und Lösungen:
Die Beteiligung verschiedener kultureller Institutionen und mehrerer Schulen stellt eine große organisatorische Herausforderung dar, zumal sie sich nicht alle im Münchner Stadtgebiet befinden. Um den möglichst reibungslosen organisatorischen Ablauf des Projekts zu sichern, wurde der Zeitbedarf von Teilnehmern und Anleitern von den Projektpartnern möglichst genau im Voraus bestimmt und Sammel- und Gruppentermine bereits im Juli 2012 für die gesamte Projektdauer festgelegt. Zudem wurde mit den Schulleitungen vereinbart, dass die Teilnehmer, die aus verschiedenen Jahrgangsstufen und Klassen stammen, für Workshops im Rahmen des Projekts vom Unterricht befreit werden. Um den essentiellen Austausch der Beteiligten auch außerhalb der gemeinsamen Treffen zu ermöglichen, wurde ein passwortgeschützter Blog eingerichtet, in den die Teilnehmer ihre Zwischenergebnisse (in Wort, Bild und Ton) einstellen bzw. diese kommentieren können. Auch der Blog wird professionell betreut.

Wie wird aus den unterschiedlichen Denk- und Arbeitsansätzen der Institutionen ein gemeinsames Projekt? Das ist die zweite große Schwierigkeit dieses Projekts, in dem aber auch sein Reiz liegt und die die Projektleiter als Chance zu interkulturellem Arbeiten und Lernen begreifen. Dies erfordert von allen Beteiligten ein hohes Maß an Teamfähigkeit. Dem erhöhten Bedarf an inhaltlicher Abstimmung begegnen die Projektleiter in vielen Gesprächen, oft auch in kleinen Gruppen. In diesen Gesprächen wird versucht, jeweils ein Bewusstsein für die Bedürfnisse und Ansätze der Coaches und Musiker sowie der Teilnehmer zu schaffen, was sich im Laufe des Projekts bewährt hat. Auch ist es wichtig, immer wieder zu überlegen, welcher Teilnehmer, welche Kunst was zum Projekt beitragen kann und soll. Inhaltliche Ideen werden regelmäßig in der großen Gruppe zur Diskussion gestellt, so dass ein gemeinsamer Lösungsvorschlag erarbeitet werden kann, der dann von allen mitgetragen wird.

 
Anekdotisches:
Lena, Projektteilnehmerin des JEG berichtet:
"Im Rahmen des Themas "Euthanasie" fuhren wir vor einigen Wochen nach Hartheim in Österreich, wo sich um 1940 eine Tötungsanstalt der Nationalsozialisten befand. In dem dortigen Schloss wurden insgesamt mehrere tausend Behinderte vergast. Heute befindet sich an diesem Ort ein Behindertenheim mit angeschlossenen Behindertenwerkstätten als Zeichen der Aufarbeitung. Zusätzlich befindet sich den ehemaligen Vernichtungsräumen eine Ausstellung zu Euthanasie, T4 und des Rolle des Schlosses Hartheim. Als wir durch diese dunklen Räume gingen, in denen so viele Tausende Menschen ihren Tod fanden, lief uns ein Schauer über den Rücken und ein mulmiges Gefühl begleitete uns. Trotzdem war die Ausstellung sehr informativ, wenn auch erschreckend. Genauso wie die moderne Ausstellung „Lebenswert“ im Obergeschoss des Schlosses, die sich mit dem Umgang mit Behinderten seit der Evolutionstheorie durch Darwin bis zur heutigen Präimplantationsdiagnostik zur Verhinderung des Lebens Behinderter beschäftigt. Am Ende der Ausstellung wurde uns erst bewusst, dass bei der Integration von Behinderten noch viel mehr wenig getan werden muss."

Bernhard Zink, Musiklehrer am GG, berichtet vom ersten Workshoptag der Musikgruppe mit den Musikern:
"Eine der ersten Improvisationsübungen bestand darin, das Wort 'Hoffnung' zu vertonen: Alle Musiker saßen in einem großen Kreis und jeder sollte in die Melodie des anderen miteinsteigen, sobald er einen Impuls dazu empfand, und sie auf seine Art und Weise weiterführen.
Als unser junger Geiger anfing, seine 'Hoffnungsmelodie' zu spielen, lauschte ihm Herr Sonnleitner vom Symphonieorchester so versonnen, dass er ganz vergaß, selbst währenddessen einzusetzen, so dass die Geige immer weiter und weiter ihre Melodie spann (- auch spinnen musste, da zu spielen war, bis der nächste übernahm). Alle lauschten ihm ganz andächtig und gespannt - bis der Geiger plötzlich absetzte und Herrn Sonnleitner aufforderte, mit ihm zusammen zu musizieren. Nach kurzem Applaus der Umsitzenden fanden sich dann beide zu ihren gemeinsamen 'Momenten der Hoffnung' zusammen."