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Yamini Varatharajan (c) Pina Bausch Foundation
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Clémentine Deluy und Yamini Varatharajan (c) Pina Bausch Foundation
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Urban, Neumann, Wagner, Varatharajan, Kanagarajah, Nanevie (c) PBF
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Hatira Bek (c) Pina Bausch Foundation
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(c) Pina Bausch Foundation
Work in Progress: Das Pina Bausch Archiv entsteht in Wuppertal
Schule:
Gesamtschule Vohwinkel
Kontakt: Julia Bögeholz
Florian-Geyer-Str.9
42329 Wuppertal
Tele.: 0202-758132-0
Fax: 0202-5638157

www.gesamtschule-vohwinkel.de


Gesamtschule / Gebundener Ganztag

 
Kooperationspartner:
Pina Bausch Foundation
Marc Wagenbach
Fingscheid 5
42285 Wuppertal
+491742894366

www.pinabausch.org

 
Beteiligte Schüler:
20
Projektkurs Jahrgangsstufe 12 - Gesamtschule Vohwinkel
 
Beteiligte Lehrkräfte:
1 Lehrkraft (Gesamtschule Vohwinkel), 1 Lehrkraft (Pina Bausch Foundation), als Gäste: - 2 Tänzerinnen des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch)- sowie 3 Lehrkräfte
 
Stundenvolumen:
3 Wochenstunden über 11 Monate
Beginn Schuljahr 2012/13
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Lebensarchive. Wie dokumentieren wir Alltag?

Wie vermittelt man Jugendlichen Tanzgeschichte und wie lassen sich gleichzeitig ihre Wünsche und Vorstellungen in die Arbeit der Pina Bausch Foundation einbeziehen? Wie sieht ein Archiv der Zukunft aus, das den Alltag junger Menschen kennt und Schülerinnen und Schüler an das Werk von Pina Bausch heranführt?

Der gemeinschaftlich von Schule und Stiftung entwickelte Projektkurs: „Work in Progress. Das Pina Bausch Archiv entsteht in Wuppertal“ stellt das Erleben der Schülerinnen und Schüler als konkreten Forschungsgegenstand in den Mittelpunkt: Strategien der Inszenierung, Formen der Dokumentation und die praktische Auseinandersetzung mit Tanz. Entstanden ist ein zweiteiliger Kurs mit insgesamt 20 Teilnehmenden, die sinnliches Erleben und die Möglichkeiten seiner Dokumentation erforschen. Es unterstreicht den Wunsch der Pina Bausch Foundation neuartige Fragestellungen zu entwickeln und Mut zu geben, dem eigenen Gefühl zu vertrauen.

In der ersten Projektgruppe „Von Facebook zu Pina Bauschs Archiv. Wie dokumentieren wir Alltag?“ geht es um eine theoretische Reflexion persönlicher Lebensarchive und die Frage, wie diese mit den im Pina Bausch Archiv befindlichen Materialien verglichen werden können. Wie dokumentieren Jugendliche ihren Alltag mit Smartphones, bei YouTube, Twitter und Facebook, in diversen Tagebuch- und Blogeinträgen? Und wie werden im Vergleich dazu seit fast 40 Jahren Aufführungen im Tanztheater Wuppertal dokumentiert? Welche Materialien der Dokumentation von Stücken von Pina Bausch lassen sich im Archiv finden?

Demgegenüber beschäftigt sich die zweite Gruppe vertieft mit Formen der Inszenierung auf öffentlichen Plätzen in Wuppertal: In Parks, alten Fabrikhallen, an der Wupper. Die Suche nach persönlichen Geschichten und Erinnerungen steht dabei im Vordergrund – das Erleben von Körper und Raum. Eine künstlerische Auseinandersetzung mit Bewegung und Tanz ist jedoch wesentlich für beide Projektgruppen.

In Workshops arbeiten sowohl Tänzerinnen des Tanztheater Wuppertal wie Clémentine Deluy und Anna Wehsarg mit den Schülerinnen und Schülern, als auch Safet Mistele, der 2008 in Pina Bauschs „Kontakthof. Mit Teenagern ab ’14’“ auftrat und nun Tanz an der Folkwang Universität der Künste in Essen studiert. Es wird getanzt, improvisiert; es werden Sequenzen entwickelt, Bewegungen analysiert und Erinnerungen erforscht, wobei Teile dieser entstandenen Sequenzen auf Video aufgenommen werden. Begleitend dazu wird während der gesamten Zeit des Projektes von allen Teilnehmenden eine Kladde (d.h. ein Notizbuch) angelegt, in dem die Beteiligten ihre eigene Erfahrungen, Atmosphären und Geschichten mit Texten, Zeichnungen und Fotos festhalten.

Ausstellungen planen. Ergebnisse vorstellen

Bereits in der ersten von drei im Jahre 2013 geplanten Ausstellungen stehen die eigenen Dokumentationen der Projektteilnehmer im Mittelpunkt. Vergleichbar mit den im Pina Bausch Archiv befindlichen Materialien wie Aufführungsvideos, Regiebüchern oder Tänzeraufschriebe, versuchen die Schülerinnen und Schüler Tanz zu dokumentieren, wobei erinnern als ein aktiver, ein kreativer Prozess verstanden wird: eine Beschäftigung mit der eigenen Vergangenheit. Ferner geht es bei der >Ausstellungsserie< darum, unterschiedliche Präsentationsformen zu reflektieren und nach neuen Wegen der Wissensvermittlung zu forschen.

Skizzenbücher – eine Ausstellung ohne Zuschauer

Wir – alle Beteiligten am Projektkurs – haben in den letzten Monaten unsere Welt festgehalten. Nun gibt es als erste Präsentation unserer Ergebnisse eine Ausstellung ohne Zuschauer. Jeder ist für sich. Nur die Kamera und die Erinnerungen an diesen komischen Ort: eine alte Fabrikhalle. Verlassene Räume. Feuchtigkeit. Kälte. Sich bewegen im Raum. Versuchen, seine eigene Geschichte zu erzählen. Aber wo finde ich mich in dieser Sammlung an Erinnerungen, Gerüchen, Stimmungen? Was charakterisiert meine Geschichte? Was kennzeichnet mein eigenes Lebensarchiv? Und wo ist Platz für mich? Für meine Zukunft? Für meine Träume?

Leoni, 17 – Wuppertal: „Ich übertrage diesen Raum auf mein Leben. Hier ist es sehr dunkel und alles sieht sehr einsam aus. Aber dieses Licht ist die einzige Chance, aus diesem dunklen Raum zu fliehen. Und so ist es in meinem Leben auch. Es gibt immer irgendeine Chance aus allen möglichen Situationen, die jetzt grad mal nicht so schön sind, rauszukommen. Deswegen finde ich es sehr schön hier und deswegen habe ich diesen Raum gewählt.“

Es sind die ersten Schritte einer gemeinsamen Suche zwischen der Pina Bausch Foundation und der Gesamtschule Vohwinkel, zwischen allen Beteiligten dieses Projektkurses, zusammen Ideen für ein Archiv als Zukunftswerkstatt zu suchen. Für ein Archiv, das nicht ein reiner Aufbewahrungsort von Materialien ist, sondern als ein kreativer Impulsgeber für kommende Generation dienen soll.

 
Projektauslöser/Idee:
Im Frühjahr 2011 trat die Städtische Gesamtschule Vohwinkel mit dem Wunsch nach einer intensiven Zusammenarbeit zwischen Schule und Archiv an die Pina Bausch Foundation heran. Nach ersten Gesprächen wurde gemeinsam die Idee eines praxisnahen Austauschs beider Institutionen als Form einer Kooperation entwickelt. Den Auftakt dazu bildeten im Schuljahr 2011/12 drei Facharbeiten von Schülerinnen und Schülern in den Fächern Physik, Deutsch und Erziehungswissenschaften, die sich thematisch mit Tanz und dem Werk von Pina Bausch auseinandersetzten – sowie die Konzeption unseres ganzjährigen Projektkurses in der Jahrgangstufe 12.
 
Projektentwicklung:
1. Erstes gemeinsames Treffen mit Vertretern der Pina Bausch Foundation und Vertretern diverser Fachrichtungen des Kollegiums sowie Schulleitung zu Beginn des Schuljahres 2011/12. Erste Zusammenarbeit: drei Facharbeiten zum Thema der Rezeption des Werkes von Pina Bausch und zum Medium Tanz.

2. Bildung eines Gremiums aus Vertretern der Schule (Julia Bögeholz) und der Pina Bausch Foundation (Dr. Marc Wagenbach) - Konzipierung und Planung des Projektkurses für die Jahrgangsstufe 12 im Januar 2012.

3. Bereits frühes Involvieren der Schülerinnen und Schüler in die Wahl und Gestaltung des Kurses. Vor den Sommerferien: Traumfabrik: Wünsche/Erwartungen des Kurses.

4. Planung der einzelnen Blockphasen innerhalb des Schuljahres. Beginn des ganzjährigen Projektkurses zum Schuljahr 2012/13.

 
Besonderheiten:
• Das eigene Erleben als Forschungsgegenstand etablieren.

• Auseinandersetzung der Jugendlichen mit ihrer individuellen Alltags-, Erlebnis- und Erfahrungswelt anhand der konkreten Auseinandersetzung mit Tanz, dem Werk von Pina Bausch sowie den Materialien des Pina Bausch Archiv.

• Neuer Umgang mit Archiven im Kontext einer multimedialen Gegenwartskultur:
- Selber Archive erstellen und mit den Materialien des Pina Bausch Archiv vergleichen.
- Den Alltag der Jugendlichen (eigene Lebensarchive erstellen: dokumentieren, sich inszenieren) in die Auseinandersetzung und den Umgang mit Archiven integrieren.
- Das Archivieren und Organisieren von Informationen als eine grundlegende Kulturtechnik unserer Zeit begreifen.

• Schülerinnen und Schüler einbeziehen in den Aufbau und die Suche eines >lebendigen Archivs<.

• Reflektion des eigenen Arbeitsprozesses der Schülerinnen und Schüler: Erleben – Dokumentieren – Reflektieren.

• Vermittlung von Tanzgeschichte

• Suche nach Wegen der Eigenverantwortlichkeit. Neue Formen der Problemlösung sowie Wissensvermittlung suchen.

 
Probleme und Lösungen:
• Lange >Schultage< für Schülerinnen und Schüler.

• Sehr großer Aufwand der Vorbereitung.

• Nicht Erlebnispädagogik – Schwerpunkt auf der stetigen Reflexion der Erlebnisprozesse.

• Involvierung und Einbeziehen der Schülerinnen und Schüler in die Projektplanung: diese als solche thematisieren. >Eigenverantwortung<.

 
Anekdotisches:
Ein dunkler Raum, ein alter Bunker. Wie fühlt sich Dunkelheit an?

„Ich hasse die Dunkelheit. Ich habe totale Angst. Jetzt wirklich. Ganz im Ernst. Aber jetzt hier – keine Ahnung – irgendwie habe ich keine Angst.“
„Ich werde so ein bisschen unruhig, weil ich irgendwie wieder will, dass das Licht angeht. Weil ich irgendwie gar nicht damit klar komme, wenn es die ganze Zeit dunkel ist. Ich denke dann immer, wie Blinde es die ganze Zeit so aushalten, also ich meine, die kennen ja nichts anderes, aber trotzdem. Ich finde es total schrecklich.“
„Ich habe eigentlich gar keine Probleme. Ich mag auch die Ruhe.“
„Ich habe tierische Angst im Dunkeln. Mein größtes Problem ist, wenn ich um halb sechs jetzt im Winter nach Hause gehe. Dann ist es schon dunkel. Den Weg von der Bushaltestelle nach Hause muss ich alleine gehen. Der führt an einer Gartensiedlung vorbei und an dem Eingang dieser Siedlung ist es sehr dunkel. Man erkennt nichts. Da gib es kein Licht. Und ich fange dann an zu halluzinieren. Ich stelle mir Sachen vor. Da würde sonst etwas rauskommen aus dem Gebüsch. Eine Hand. Und dann fange ich einfach an zu rennen. Das sind meine Erfahrungen zum Beispiel im Winter – jeden Abend, wenn ich nach Hause komme.“
„Mich erinnert das eigentlich daran, wenn ich früher abends immer mit meiner Mutter ins Bett gegangen bin. Dann haben wir eine Stunde einfach nur nebeneinander gelegen und uns erzählt, was wir gemacht haben - und es war komplett dunkel. Ich weiß nicht, mich erfüllt das unheimlich mit Glück, einfach so diese Dunkelheit. Daran erinnert mich das jetzt.“

In der alten Fabrikhalle

Kezia, 17 – Wuppertal: „Wir waren mit Safet in der Fabrik und sind durch alle Räume gerannt und sollten das nachmachen, was die Person vor uns gemacht hat. Wir sind dann in einen Raum gekommen, in dem ich eine Bewegung an der Wand machen wollte. Gerade dachte ich, die Wand anzufassen, da sah ich eine riesige Spinne mit ganz langen Beinen. Ich habe geschrien und bin zurückgelaufen und dachte: „Oh nein! Jetzt habe ich alles kaputt gemacht.“ Aber die Aufgabe war ja, alles nachzumachen. Ich stand dann da und die anderen sind mir einfach hinterhergelaufen. Sie haben alle die Wand angeschrien und sind dann wieder zu mir zurückgekommen. Ja, das war ein schöner Moment. Ich habe nicht damit gerechnet, dass sie es nachmachen. Ich dachte, jetzt habe ich alles kaputt gemacht.“
„Ich bin überzeugt, dass jeder sein Ziel erreichen kann, dass niemand von uns zu weit weg ist und letzten Endes nur unser Wille zählt, der Glaube an uns selbst und der Mut, die Herausforderung anzunehmen. Ich bin bereit dafür.“