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NEUE CHANCEN - Dokumentarfilme von Schüler für Schüler
Schule:
Adolph Diesterweg Europaschule
Rudolf-Virchow-Straße 23
18435 Stralsund
03831-380088
www.diesterweg-stralsund.de


Realschule / Offener Ganztag
 
Kooperationspartner:
Identity Films Medienwerkstatt
Mönchstraße 53
18439 Stralsund
03831-344756

www.identityfilms.de

UND

Gymnasium Nr.1 Chernivtsi
vul. prospekt Nezaleshnosti 68
58000 Chernivtsi, Ukraine
+3803722/ 323 96

 
Beteiligte Schüler:
je Teilprojekt 26 (13 pro Land)
jahrgangsübergreifend (Stufe 8 – 11)
 
Beteiligte Lehrkräfte:
2 Lehrerinnen (Deutsch),1 Medienpädagoge,1 Drehbuchautor
 
Stundenvolumen:
Je Teilprojekt:
Vorplanung und Zwischenphase: je 2h/Woche über 2 Monate (Vorplanung) und 4 Wochen (Zwischenphase)
Begegnung 1: 8-10h/Tag – 7 Tage
Begegnung 2: 8-10h/Tag – 8Tage
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
„Schalom, ich bin Mentsh“ und „Neue Chancen, auf der Kreuzung zwischen Liebe und Hass“ bilden zusammen mit dem Vorgängerprojekt „Bukovina style“ die Bukowinatrilogie. Alle drei Dokumentarfilme beschäftigen sich mit einem Aspekt der Geschichte der Stadt Czernowitz im 20. Jhd.
Czernowitz und die Bukowinaregion haben im 20.Jhd eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Zu Beginn des Jahrhunderts war man Teil Österreich-Ungarns und galt als eines der jüdischen Zentren Europas. Czernowitz war bekannt für das friedliche Zusammenleben verschiedener Bevölkerungs- und Religionsgruppen und das reiche kulturelle Leben.
Während eines früheren Projektes war bei den Schülern das Interesse an der jüdischen Geschichte der Stadt und dem Umgang damit geweckt.
In „Schalom, ich bin Mentsh“ widmeten sich die Teilnehmer der Geschichte nach Ende des zweiten Weltkriegs bis heute. Wie wurde mit dem jüdischen Erbe zur Sowjetzeiten umgegangen? Wie lebten Juden und Nicht-Juden zusammen. Zeitzeugen und Einwohner der Stadt wurden befragt; die Interviews, in Deutsch und Ukrainisch, wurden zu einem dokumentarischen Kurzfilm zusammengeschnitten. Der Film kommt ohne Kommentare aus dem Off aus und ist selbsterklärend. Einigen Fragen werden bewusst nicht beantwortet. Die Musik wurde eigens für den Film komponiert.
„Neue Chancen, auf der Kreuzung zwischen Liebe und Hass“ schließt direkt an „Schalom, ich bin Mentsh“ an. In diesem Teil des Projektes wurde der Fokus auf die Zukunft gelegt. Junge Leute kommen zu Wort mit ihrer Einstellung zu ihren jüdischen Mitbürgern und Antisemitismus. Dabei wurde der Aspekt Meinungs- und Religionsfreiheit besonders beachtet und vergleichend den Erfahrungen von Zeitzeugen aus der Zeit des 2. Weltkriegs gegenüber gestellt.
Die Schüler erarbeiteten sich die thematischen Grundlagen zusammen mit den Betreuern und Lehrern erst mal getrennt voneinander. Dabei wurden Vorplanungen (z.B. Interviewpartner recherchiert und Termine vereinbart) gemacht und die Begegnungsphasen vorbereitet. Bei den Besuchen in Czernowitz vermittelten die deutschen Teilnehmer ihren ukrainischen Partnern die technischen Grundlagen; gearbeitet wurde grundsätzlich in binationalen Teams.
Höhepunkt des ersten Teilprojekts war der Besuch in der letzten offenen Synagoge und die Interviews mit dem jungen Rabbi.
Im zweiten Teilprojekt waren die Erfahrungen der jungen Leute, besonders der Schüler des jüdischen Gymnasiums Träger des Projektes. Für viele der Teilnehmer war es der erste Kontakt zu gleichaltrigen jüdischen Schülern.
Innerhalb dieser Begegnungen (in den Filmen nicht dargestellt) hatten die Teilnehmer auch umfangreichen Kontakt zur Musik und Literatur der Region, besonders der jüdischen.
In der Phase zwischen den Begegnungen wurde das entstandene Filmmaterial gesichtet, die Interviews transkribiert und übersetzt. Diese Arbeit war die Grundlage für den Schnitt und die Untertitel.
In der zweiten Begegnung des ersten Teilprojektes wohnten alle Teilnehmer zusammen in der Jugendherberge Sellin, auf Rügen. Neben der gemeinsamen Arbeit am Film, wurden die Teilnehmer angehalten, ihre Umgebung (Wald, Meer, Steilküste) bewusst zu erleben und ihre Eindrücke zu verarbeiten.
Im zweiten Teilprojekt war die gemeinsame Unterbringung aller aus logistischen Gründen nicht möglich; die Teilnehmer wohnten bei Gastfamilien. Neben der Arbeit am Film, hatten die älteren Schüler verschiedene Workshops geplant und führten diese durch. Neben sozialpolitischen Themen, war auch die Alltagskultur der beiden Länder Thema. Die Schüler stellten hier ihre Eindrücke vor.
Durch den Modulcharakter der beiden Teilprojekte konnten auch neue Teilnehmer beim zweiten Teilprojekt einsteigen, ohne dass es einen größeren Mehraufwand für die Lehrer und Betreuer gab. Gleichzeitig konnten so die bereits erfahrenen Schüler in die Verantwortung genommen werden, bei eventuellen Defiziten bei den technischen, wie auch inhaltlichen Grundlagen, vermittelnd tätig zu werden. Bei den Teilnehmern, die bei beiden Projekten dabei waren, konnte man die Steigerung der Verantwortungsübernahme, des eigenständigen Handelns beobachten. Diese war auch für nicht beteiligte Lehrer in den entsprechenden Klassen sichtbar.
Die beiden Filme wurden einzeln, und im Verbund, interessierten Publikum vorgestellt mit anschließender Diskussionsrunde. Eine dieser Veranstaltungen fand in Zusammenarbeit mit der jüdischen Gemeinde Rostocks, und dem Landesrabbiner Dr. William Wolff statt.
Das Gesamtprojekt wurde über einen Zeitraum von zwei Jahren realisiert, die aktiven Arbeitszeiten mit den Schülern betrugen dabei jeweils 4 Monate. In der Zwischenzeit wurde mit den Teilnehmern Kontakt gehalten, auch unter den Schülern selbst wurde (und wird) der Kontakt aufrecht gehalten. Für viele der Teilnehmer waren es die ersten Reisen außerhalb Deutschlands bzw. der Ukraine. Besonders für die deutschen Teilnehmer war die Erkenntnis des gemeinsamen kulturellen Erbes besonders; in der Vorstellung der meisten von ihnen endete Europa hinter Polen.
 
Projektauslöser/Idee:
Bereits 2007 gab es eine Zusammenarbeit der drei Partner mit Fokus auf das deutsche Erbe der Bukowinaregion. Dabei wurde deutlich, dass dieses untrennbar mit der jüdischen Geschichte der Region und insbesondere der Czernowitz verknüpft ist. Die Schüler selbst äußerten den Wunsch sich näher mit der Thematik zu beschäftigen, insbesondere mit dem Umgang heute. Es war auffällig, dass die ukrainischen Schüler kaum Wissen über diesen Teil ihrer Stadtgeschichte hatten.
 
Projektentwicklung:
Den Anstoß gaben Teilnehmer des Projektes „Bukovina Style“. Zusammen mit drei dieser Schüler wurde die Idee zu dem neuen Projekt entwickelt. Dabei wurde deutlich, dass sich eine Zweiteilung anbot. Diese Planungen begannen bereits 2009. Da sich anfangs keine Finanzierungsmöglichkeit fand, wurde das Projekt erst mal nicht weiter verfolgt.
2010 wurde der Projektleiter Stefan Koeck auf die Fördermöglichkeiten durch die Stiftung EVZ aufmerksam. Gemeinsam mit interessierten Schülern der Adolph-Diesterweg-Schule wurde die Idee wieder hervorgeholt und zur Projektreife entwickelt. Die Medienwerkstatt übernahm dann die Antragsstellung für die Schule. In dieser Zeit hatten Schüler wie auch Lehrer den Kontakt in die Ukraine wieder intensiviert. Hier hatte es Personalwechsel gegeben, so dass man hier nicht mehr auf die Erfahrungen des vorherigen Projektes zurückgreifen konnte.
Nach Bewilligung der Förderung wurden die Vorplanungen intensiviert. Die Schüler in Stralsund und Czernowitz recherchierten zu dem Thema und suchten Interviewpartner.
Die Schüler erarbeiteten diesen Teil zusammen mit den beteiligten Lehrern und Betreuern. Generell waren die Schüler, bis auf die formal administrativen Arbeiten, in alle Schritte eingebunden. Die erfahreneren Schüler übernahmen insbesondere im 2. Teilprojekt einige Teilbereiche in Eigenverantwortung.
 
Besonderheiten:
Es handelt sich um ein zweiteiliges Projekt, bestehend aus in sich geschlossenen Projekten, die jedoch aufeinander aufbauten. Dadurch war für die Teilnehmer beider Teile ein inhaltlicher roter Faden, gleichzeitig war es für Neueinsteiger möglich Zugang zu dem Thema und dem Projekt zu finden.
Die Zusammenarbeit mit einem Partner in Osteuropa, außerhalb der EU brachte besondere organisatorische Herausforderungen, aber auch in der Projektarbeit selbst mussten immer wieder kulturelle Unterschiede überbrückt werden.
 
Probleme und Lösungen:
Anfangs war es schwierig deutsche Teilnehmer zu finden. Mit Ausnahme weniger Teilnehmer, die bereits 2007 dabei waren, gab es große Vorbehalte gegen das Zielland Ukraine. Hier war Aufklärungsarbeit nötig. Interessierten wurde der Film des Vorgängerprojektes gezeigt und Schüler berichteten von ihren positiven Erfahrungen.
Ein weiteres Problem war für einige Schüler die Finanzierung. Trotz der Förderung, die den Eigenanteil der Schüler sehr gering hielt, waren für einige Interessierte die verbundenen Kosten (u.a. Reisepass) zu hoch.
Während der Begegnungsphasen mussten unterschiedliche kulturelle Gewohnheiten zusammengeführt. Hierfür mussten Probleme offen angesprochen und gemeinsam die Ursachen überwunden werden.
Die langen Arbeitsstunden während der Begegnungsphasen stellten eine hohe Belastung für die Teilnehmer dar. Die Aufrechterhaltung der Motivation war eine tägliche Herausforderung für die Betreuer und die erfahreneren Schüler. Die abendlichen gemeinsamen Freizeitaktivitäten halfen die Gruppe zusammen zu halten.
 
Anekdotisches:
Unter folgender Adresse finden sie einen Blog, in dem die Teilnehmer über ihre Eindrücke schreiben:
http://www.identityfilms.de/allgemein/neue-chancen-auf-der-kreuzung-von-liebe-und-hass-dokumentarfilm-mini-dv-farbe-17-min-ukraine-deutschland-2012