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Schlussapplaus im Bühnenraum
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In der Schusterwerkstatt beim "Offenen Atelier"
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Im Performanceraum "Wunschblumentraumraum"
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Die Eichhörnchen mit Chor in der Hexenküche.
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Im Maskenraum wird erzählt.
Karawanserei in der Weststadt - Zwerg Nase
Schule:
Osterholzschule BZW
Rektor Werner Fleig
Kaiserstr. 6-8
71636 Ludwigsburg
07141-910-2281




Grundschule / Ungebundener Halbtag

 
Kooperationspartner:
Tanz- und Theaterwerkstatt e.V. (TTW), Bettina Gonsiorek, Produktionsleitung
Hindenburgstr.29, 71638 Ludwigsburg, 07141-920514,
www.tanzundtheaterwerkstatt.de

Darstellende Kunst:
Adelheid Schulz,Regisseurin und Künstlerische Leitung

Bildende Kunst:
Gesine Pitzer, Kostüm- und Bühnenbildnerin und Künstlerische Leitung
www.gesinepitzer.de

 
Beteiligte Schüler:
210 SchülerInnen
Klassen 1-4 + Vorbereitungsklasse (VKL)
 
Beteiligte Lehrkräfte:
Alle Lehrkräfte, die in den letzten beiden (vergangenen) Schuljahren an der OHS unterrichtet haben, also im SchJ 2010/11 15 Lehrkräfte (ohne Pfarrerin und kirchliche LK) und im SchJ 2011/12 14 Lehrkräfte (ohne Pfarrerin und kirchliche LK).Hinzu kommen die JugendbegleiterInnen, KernzeitenbetreuerInnen, Referendare und Studierende der PH Ludwigsburg.
 
Stundenvolumen:
Theater - AG 2 Wochenstunden über 2 Jahre
5 Projektwochen über die 2 Jahre verteilt, mit je ca. 20 Wochenstunden.
6 Aufführungen mit je 3 Stunden.

Für Lehrkräfte zusätzlich ein gutes Dutzend Gesamtlehrerkonferenzen à 3 Zeitstunden und nicht gezählte größere und kleinere Besprechungen und Kooperationssitzungen.

Für das Leitungsteam bestehend aus TTW, beiden KünstlerInnen, Verantwortlicher Lehrerin, Kernzeitenbetreuerin und Rektor zahlreiche zusätzliche Konzeptionssitzungen, Besprechungen, Vorbeitungstermine in unterschiedlicher Konstellation etc.

 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
„KARAWANSEREI IN DER WESTSTADT - ZWERG NASE“ fand als zweijähriges Projekt im Rahmen der Programminitiative „Kunst-Stück“ der Robert-Bosch-Stiftung an der Osterholzschule Ludwigsburg in Kooperation mit der Tanz- und Theaterwerkstatt Ludwigsburg statt.
Unter der künstlerischen Leitung der Regisseurin Adelheid Schulz und der Bühnenbildnerin Gesine Pitzer sowie unter Mitwirkung des gesamten Schulteams (Rektor, Lehrerinnen, Kernzeitbetreuerinnen, Referendarinnen, Hausmeister, Sekretärin, Jugendbegleiter, etc.), Eltern und der TTW, entstand im Zeitraum von zwei Jahren ein Gesamtkunstwerk.
Ausnahmslos alle SchülerInnen der Osterholzschule waren als „KünstlerInnen“ in das Gesamtkunstwerk eingebunden. Sei es, dass sie als PerformerInnen, SchauspielerInnen, TänzerInnen, SängerInnen oder MusikerInnen auf der Bühne standen, sei es, dass sie als MalerInnen, BildhauerInnen, SchreinerInnen, FärberInnen oder KlanginstallateurInnen mit ihren Werken die Bühne und die dazugehörigen Performanceräume gestalteten.
Das gesamte in der Aufführung verwendete Textmaterial wurde auf Grundlage der in Projektwochen entstandenen szenischen Improvisationen sowie Erzählungen der Kinder erstellt. Das gesamte Bühnenbild einschließlich der Ausgestaltung der Performanceräume war Ergebnis des in den Projektwochen im Bereich Bildende Kunst Erarbeiteten.

Im Juli 2012 wurde das Kunst-Stück „Karawanserei in der Weststadt- Zwerg Nase“ in sechs Aufführungen der Öffentlichkeit präsentiert. An der Aufführung waren mehr als 100 Kinder als DarstellerInnen auf der Bühne beteiligt. Hinter der Bühne halfen unzählige Eltern, Großeltern, andere Familienmitglieder, Hausmeister und das TTW-Team, die Aufführungen umzusetzen.

Inhaltlicher Leitfaden der zweijährigen Arbeit war das Märchen „Zwerg Nase“ von Wilhelm Hauff. Es bildet auch die dramatische Grundstruktur der Aufführung.

Jakob ist der Sohn eines Schusters und einer Gemüsehändlerin. Er wird eines Tages von einer alten Frau vom Markt weg „entführt“. Durch eine Suppe, die die Alte ihm einbrockt, verwandelt sich seine Gestalt zunächst in verschiedene Tiergestalten, dann in einen Zwerg mit einer hässlich langen und krummen Nase. Was ihm selbst als Traum erscheint, wird zur bitteren Realität, als er seinen Eltern wieder begegnet. Sie erkennen ihn nicht und jagen ihn wie einen Hund davon. Ganz auf sich allein gestellt, findet er schließlich am Hof des Herzogs Stellung und Ansehen als Koch. Eines Tages wird er auf eine harte Probe gestellt: er muss das Kräutlein „Nies- mit –Lust“ finden, andernfalls wird er geköpft. Mit Hilfe der Gans Mimi findet er das Kräutlein. Damit ist er nicht nur vor dem sicheren Tod bewahrt, es erlöst ihn auch von seiner hässlichen Gestalt.

In Anlehnung an die von Hauff im Orient angesiedelte Rahmenhandlung des Märchens, spannt auch das Projekt einen größeren Rahmen und bettet das Märchen in das Leben und Treiben einer Karawanserei ein.
Die Hauptbühne, auf der sich das Publikum zunächst trifft, ist u.a. durch einen riesigen an der Decke befestigten Baldachin als Karawanserei gekennzeichnet.
Nach einem Kameltanz begleitet von der Musikgruppe treten mehrere Karawanenführer (Kinder!) auf, begrüßen das Publikum und erzählen in einer kurzen Einführung den Anfang der Geschichte von Jakob bis zu seiner Entführung durch die alte Frau. Hier unterbrechen die Karawanenführer ihre Erzählung, um das Publikum mit auf den Weg zu nehmen.
Jeweils eine Gruppe von ZuschauerInnen / Karawane wird einem Karawanenführer zugeteilt. Dieser führt nun seine Karawane über ein Wegeleitsystem auf unterschiedlichen Wegen durchs Schulhaus. Dort sind fünf verschiedene themenbezogene Performanceräume eingerichtet, die alle gleichzeitig bespielt werden. Jeder Performanceraum ist mit zahlreichen von den Kindern gestalteten Kunstwerken ausgestattet. Vermittels dieser Kunstwerke und kurzer Performancesequenzen erlebt das Publikum auf seiner Reise verschiedene Aspekte des Lebens von „Zwerg Nase“ wie z.B. vertraut – fremd, Traum – Realität, hässlich - schön / unbeliebt – beliebt.
Die Karawanen durchwandern die Performanceräume in unterschiedlicher Reihenfolge, so dass sich jeweils eine andere Chronologie des Erlebten ergibt.
Nach der Wanderung durch die Performanceräume treffen sich alle Karawanen wieder in der Karawanserei. Das Publikum lässt sich im Zuschauerraum nieder, die Karawanenführer rasten im Hintergrund.
Nun setzt mit dem Moment des Aufwachens als missgestalteter Zwerg die dramatische Bühnenhandlung ein. Mit Hilfe unterschiedlich angeordneter Holzgestelle werden unter dem Baldachin der Karawanserei verschiedene Stationen etabliert wie bspw. Markt, Schusterwerkstatt, und Palast. In fortlaufenden Spielszenen, die teilweise mit choreografischen und musikalischen Elementen verschränkt sind, wird dargestellt wie „Zwerg Nase“ trotz seiner schwierigen Ausgangssituation, immer mehr Selbstvertrauen gewinnt und sein Leben meistert.

Das Projekt wurde zum größten Teil in unterschiedlichen Projektwochen durchgeführt. Die klassenübergreifenden Projektgruppen waren jeweils den Bereichen Bildende Kunst und Darstellende Kunst zugeordnet.
In der Bildenden Kunst wurde u.a. gedruckt, gemalt, gewebt, gefilzt und gefärbt. Es entstanden Masken, Landschaften, Oasen und Städte aus unterschiedlichen Materialien, riesige bemalte Memoryplatten, Mobilés, gewebte Teppiche, Traumbrillen und vieles mehr. In Auseinandersetzung mit den verschiedensten Materialien und Techniken entwickelten und gestalteten die Kinder ihre eigenen Ideen und Kunstwerke. Sie wurden vertraut gemacht mit großen Künstler- „Vorbildern“ wie Klee, Macke (Reisen nach Tunis etc.) und Mirò.
In der Darstellenden Kunst entwickelten die Kinder u.a. Spielszenen auf der Grundlage freier Improvisation. Geschichten und Träume wurden erinnert oder erfunden, aufgeschrieben und erzählt. Sie gingen auf Exkursion zum Schuster und sammelten vor Ort Material für ihre Rolle (Schuster und Lehrlinge). In der Probe entstand ein „Schusterrap“.
Sie dichteten Lieder, sangen, und musizierten. Sie erforschten die spezifischen Bewegungen von Eichhörnchen und Kamelen und entwickelten daraus eine Choreografie.
Die Kinder experimentierten mit unterschiedlichen Klängen und bauten u.a. eine Wasserklanginstallation. Es wurde orientalisch gekocht, Gewürze entdeckt und Rituale erforscht.
Zum Abschluss der Projektwochen gab es „offene Ateliers“, d.h. die SchülerInnen hatten die Möglichkeit sich gegenseitig zu zeigen, was sie in der Zeit erschaffen, experimentiert und improvisiert hatten. Nach der zweiten Projektwoche wurden auch die Eltern dazu eingeladen. Sehr stolz erklärten die Kinder ihren Eltern, was wie entstand etc. Viele der Kunstwerke wurden während des Schuljahres ausgestellt, teilweise wurden Kunstwerke abfotografiert und als Postkarten vom Förderverein verkauft. Bereits nach der ersten Projektwoche konnte eine Karawanserei in einem Raum der Schule eingerichtet werden, als Rückzugs- und Kreativraum. Der Baldachin bestand aus den gefärbten Stoffstücken, der von Lehrern und Eltern zusammengenäht wurde, ein Teppich wurde verlegt, Mosaiktische, gefilzte Sitzkissen uvm fanden dort eine Heimat.
Schließlich wurden alle im Laufe der Zeit und in den Projektwochen entstandenen „Produkte“ vom künstlerischen Leitungsteam in ein schlüssiges Aufführungskonzept integriert.
Am Ende standen 6 öffentliche Aufführungen, davon 1 Schulaufführung für Kindergärten und andere Grundschulen. Alle haben zusammen ein Gesamtkunstwerk geschaffen auf das jede/r Einzelne unheimlich stolz war und ist.

 
Projektauslöser/Idee:
Nach der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen der Tanz- und Theaterwerkstatt Ludwigsburg, der Theater- AG der Osterholzschule und der Regisseurin Adelheid Schulz bei dem schul- und spartenübergreifenden Projekt „Aschenmädchen aus aller Welt“ (2009), bestand der Wunsch aller Beteiligten, die Zusammenarbeit fortzusetzen.Vor allem wollten wir einen längeren Zeitraum zum Experimentieren, Entwickeln und sammeln von Erfahrungen ermöglichen.
Die Gelegenheit dazu kam mit der Ausschreibung der Robert-Bosch-Stiftung zu „Kunst-Stück“- Programminitiative. Darin wurden Grundschulen aufgefordert, kreative Partnerschaften mit Kultureinrichtungen und Künstlern einzugehen und auszubauen. So entstand die Idee, die ganze Schulgemeinschaft, die Tanz- und Theaterwerkstatt, sowie die freischaffenden KünstlerInnen Gesine Pitzer und Adelheid Schulz in dem zweijährigen Projekt zusammenzuführen und einzubinden.
 
Projektentwicklung:
Das Leitungsteam, bestehend aus den beiden KünstlerInnen Adelheid Schulz, Gesine Pitzer, der TTW, der verantwortlichen Lehrerin Gabriele Trvdinic, der Kernzeitenbetreuerin Bettina Schneider und dem Rektor Werner Fleig konzipierte das Projekt und erarbeitete die schrittweise Umsetzung. In den Gesamtlehrerkonferenzen, sowie in vielen Besprechungen in unterschiedlichen Konstellationen wurden die weiteren Schritte diskutiert und durchgeführt.

Die LehrerInnen konnten sich für die Bereiche Bildende (BK) und Darstellende Kunst (DK) entscheiden, die jeweils von einer Künstlerin angeleitet wurden. Zusätzlich gab es noch organisatorische Aufgaben. Ein Brainstorming erfolgte in den Untergruppen bezüglich möglicher Arbeitsthemen für die Projektwochen. Diese Themen wurden durch das Dach „Zwerg Nase“ assoziativ hergeleitet. Gemeinsam legten wir die Themen für die Projektgruppen fest sowie die inhaltliche Umsetzung. Die Künstlerinnen coachten hierbei: z.B. mit einem Handout mit vielen Anregungen zum jeweiligen Unterthema von „Zwerg Nase“.
Finden einer Projektidee in Zusammenhang mit „Zwerg Nase“: was soll dabei entstehen? Woran habe ich selbst Freude? Was wollte ich immer schon mal ausprobieren?
Wie rege ich bei den Kindern die Fantasie an? (Fantasiereisen, Ausflug, Gespräche, Geschichte…)
Wie teile ich die Arbeitsschritte so ein, dass den Kindern genug Zeit zum Ausprobieren, Finden, Fantasieren, Experimentieren bleibt?
Materiallisten erstellen- wo lässt sich Material günstig organisieren?
Recherchehilfen: wo kann ich mich informieren, wenn ich mir mit der Bearbeitung des Materials unsicher bin?
So konnten die Unsicherheiten der LehrerInnen im Laufe der Projektwochen überwunden werden und sie wurden mit jedem Mal selbständiger und kreativer.

Die SchülerInnen füllten „Wunschzettel“ (hier waren die Projektinhalte benannt, aber nicht die zugehörigen Lehrerinnen) aus und wurden dementsprechend in klassenübergreifende Gruppen eingeteilt. Die Projektgruppen wurden noch durch Referendarinnen sowie eine Tanz/Sport-Studentin der PH mit ihrer Mentorin, sowie zwei weiteren StudentInnen der Kultur- und Medienbildung unterstützt.

In allen Projektwochen arbeiten Schulteam und KünstlerInnen auf folgende Weise eng zusammen:
die einzelnen Projektangebote wurden jeweils von LehrerInnen angeleitet; die KünstlerInnen sind durchgehend vor Ort. Je nach Situation und Bedarf coachen sie die kreativen Prozesse, oder leiten selbst die Projektarbeit mit an.

I Durchführung der 1. Projektwoche (November 2010); die Schule steht Kopf!

Inhalte, u.a.
- Improvisation im Theater zum Thema „vertraut-fremd“: ein Schüler spielt, dass er sich in einem Labyrinth verläuft. Damit ist die fürs spätere Aufführungskonzept grundlegende Idee des Leitsystems durch die Performanceräume geboren.
- Ein Jakoblied wurde gedichtet und vertont ebenso weitere Musikstücke ausgewählt und einstudiert
- Die TänzerInnen erforschten die Kamele in allen Facetten und am Ende entstand neben Bildern und Oasenlandschaften, ein lebendiger Kameltanz.
Die materiellen (Bildenden Kunst) Projektergebnisse aus der ersten PW wurden zusammengeführt und in einem eigens eingerichteten Projektraum als Beduinenlager / Karawanserei präsentiert. So entstand mit entscheidender Hilfe von Eltern, Jugendbegleitern, Kernzeitenbetreuung und den Künstlerinnen ein Raum mit riesigem Baldachin, der innerschulisch für weitere Aktivitäten genutzt werden konnte, z. B. für den Lebendigen Advent, wobei sich hier Institutionen in der Weststadt der Öffentlichkeit mit einem besinnlichen Angebot präsentieren. Aber auch Klassen- und Adventsfeiern wurden in die Karawanserei verlegt, oder die Lesedifferenzierung nutzte den Raum als adäquat ausgestatteten Lese- Ruheraum. Das Projekt wurde so sichtbar in der Schule verortet.

Nach Abschluss des Projektes wurde der Raum bleibend als Karawanserei wiederhergerichtet und wird seither eifrig weitergenutzt.

Nachbereitung der 1. Projektwoche im Plenum (gesamtes Schulteam, Künstler. Leitung und Produktionsleitung):
Problem der Umstellung von ziel- und ergebnisorientiertem Arbeiten (gängige Unterrichtspraxis) hin zu einer offenen prozessorientierten Arbeitsweise, wie es die Durchführung der einzelnen Kreativprojekte in den Projektwochen erfordert.
s. Auch Probleme und Lösungen.

II Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der 2. Projektwoche (April 2011);
Im Vergleich zur 1. Projektwoche war der Umgang mit offener prozessorientierter Arbeitsweise wesentlich entspannter. Die Lehrkräfte brachten noch viel mehr eigene Ideen ein, es wurden Tandems als Projektleitung gebildet und die Projektwoche fand von Mittwoch bis Mittwoch statt, so dass ein Wochenende zur Entspannung dazwischen lag und auch das Aufräumen am Ende besser geregelt werden konnte.

III Sommer 2011: die künstlerische Leitung arbeitete unter Einbeziehung alles bisher materiell und geistig Entstandenen ein konkretes und bezüglich des inhaltlichen Leitfadens (Entwicklung „Zwerg Nase“) schlüssiges Aufführungskonzept aus.

IV Vorstellung des Aufführungskonzepts im Plenum.
Vorbereitung der 3. Projektwoche (November 2011). Die Aufgabenstellungen ergaben sich teilweise aus den Anforderungen des Aufführungskonzepts. Herausforderung hierbei: trotzdem prozessorientiertes Arbeiten aufrechterhalten!
Außerdem waren die LehrerInnen jetzt offen für Hilfe durch die Eltern. Die Resonanz war sehr positiv. Die praktische gemeinsame Arbeit trug wesentlich zum besseren gegenseitigen Verständnis bei.
Durchführung und Nachbereitung der 3. Projektwoche.

V Spezieller Elternabend zum Projekt (Februar 2012); Aufruf der Eltern zur Mitarbeit und ab sofort konkrete Einbeziehung der Eltern u.a. für handwerkliche Arbeiten, sowie Planung und Vorbereitung für Einbeziehung der Eltern bei Endproben und Aufführungen;

VI Organisation, Planung und Durchführung der letzten Projektwoche/Endproben und Aufführungen (Juli 2012); vielfach im Leitungsteam, um viele Details und Vorgehensweisen zu klären, anschließend im Plenum, dem mittlerweile auch Eltern und der Förderverein angehörten und in Einzelgruppen.

VII Erfolgreiche öffentliche Aufführungen, ausverkauft, eine Zusatzvorstellung wurde notwendig. Zur Freude aller steht die Schule wieder Kopf!
Unsere Bedenken zu Anfang, so oft zu spielen und an einem Tag sogar zweimal, verflüchtigten sich mit der Begeisterung der Kinder. So konzentriert und engagiert wie alle dabei waren. Je öfter man auftrat , desto selbständiger wurden die Kinder, die erwachsene Begleitung war zum Schluss nicht mehr notwendig. Aufgrund der Konzeption mit 6 Karawanen, die durch die Performanceräume ziehen, waren max. 120 BesucherInnen pro Veranstaltung zugelassen. Dies führte zu einer sehr schönen Atmosphäre und einer besonderen Herausforderung, da es keine Graben gab zwischen Zuschauer und Darstellendem. Die Kinder wurden langsam auf die Besucherzahlen hingeführt, in dem bei den Hauptproben und der Generalprobe immer mehr ZuschauerInnen zugelassen wurden. Und doch war die Premiere nochmal etwas ganz besonders Aufregendes!
Ein Toitoitoi-Geschenk für alle, Klein und Groß, als typischer Theaterbrauch gehörte dazu. Zu Weihnachten war die Freude groß über eine DVD mit Mitschnitt und Foto-CD der Aufführung als Erinnerungsgeschenk.


 
Besonderheiten:
Sämtliche Projekte waren klassenübergreifend angelegt und förderten damit erheblich die Sozialkompetenzen der SchülerInnen. Die SchülerInnen konnten sich weitestgehend frei entfalten und ihre persönlichen Begabungen einbringen, auch und gerade diese, die im schulischen Alltag keine dominierende Rolle spielen. Tanz, Akrobatik, Musik, Schauspiel, Zeichnen und Malen, Basteln und Modellieren, mit Materialien experimentieren, Texte schreiben, Geschichten erfinden und Träume erzählen, sich in Rollen, Personen und Zustände einfühlen und diese ausfüllen, sich mit dem besonderen und schweren Schicksal von Jakob (Zwerg Nase) zu identifizieren und durch die gestaltende Auseinandersetzung wieder zu distanzieren, in die fremde Kultur des Orients einzutauchen und im eigenen Projektraum hautnah zu erleben – all diese Elemente durchbrechen den schulischen Alltag und den schulischen Fächerkanon zugunsten eines vielfältigen und intensiven Erleben und ganzheitlichen Handelns.
Durch die klassenübergreifenden Gruppen entstand ein Gemeinschaftsgefühl. Für die Kinder war es ganz wichtig einmal klassenübergreifend in einem größeren Zusammenhang zu lernen und zu arbeiten. Der praktische Bezug wurde spielerisch hergestellt und sie erfuhren, dass vieles in jeden Lebensbereich wirkt.
Alles wurde von den Kindern erarbeitet und gestaltet. Die gegenseitige Achtung voreinander, die Akzeptanz, das Lernen voneinander und viel Freude am Gelingen erfuhren die Kinder. Z.B. konnten im Projekt Kinder mit arabischen Wurzeln von bestimmten Ritualen und Gebräuchen erzählen oder von der Moschee. Natürlich war auch die arabische Küche mit ihren Gewürzen Thema im Rahmen des Märchens.

In den Projektwochen arbeiteten Lehrerinnen und Künstlerinnen Seite an Seite. Jede/r konnte von den Fähigkeiten des/r anderen profitieren. Zugleich konnten die im schulischen Umfeld Arbeitenden wie Kernzeitenbetreuerinnen, JugendbegleiterInnen, Referendarinnen und später auch Eltern in den gemeinsamen Schaffensprozess konstruktiv miteinbezogen werden.

Nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem Projekt wurde von der Elternschaft der Förderverein der Osterholzschule gegründet. Dieser sorgte tatkräftig für Unterstützung bei den Projektwochen und bei den anschließenden Aufführungen. Daraus entwickelte sich weiteres Engagement der Eltern in sogenannten Eltern-AGs, in denen die Eltern ihr spezielles Können den Kindern in AGs weitergeben möchten. Sozusagen haben auch die Eltern wie Zwerg Nase ihr Potential neu entdeckt und möchten es weitergeben!

In der Theatergruppe waren auch SchülerInnen der Vorbereitungsklasse dabei, also Kinder mit erhöhtem Sprachförderbedarf oder sogar ganz ohne Deutschkenntnisse. Sie lernten nicht nur im fachlichen Bereich sehr viel, sondern vor allem gewannen sie an Selbstbewusstsein und übergeordneten persönlichen Kompetenzen.
Alle Lehrerinnen und auch die Schulleitung waren sehr engagiert. Die Osterholzschule trat in dem Projekt als echte Schulgemeinschaft auf und profitierte von der Zusammenarbeit mit dem außerschulischen Kulturpartner.

Auszug aus dem Gästebuch-eine Mutter schreibt:
„Idee ,Umsetzung. Leidenschaft und Herzblut- eine Vorstellung voller Zauber und Magie.
Für mich ein Erlebnis zum Weinen schön. Danke, dass Ihr meinen Kindern das ermöglicht habt. So mit allen Sinnen erleben und lernen zu dürfen, sich seine Umwelt und seine Fähigkeiten so unmittelbar ausleben zu dürfen ,ist ein Geschenk .“
Herzlichst und ganz beseelt …“
Und noch eine Stimme:
„Wunderbar, dass Schulen auf diese Weise geholfen wird, spielerisch Werte wie Toleranz und Menschlichkeit zu vermitteln. Außerdem werden Fähigkeiten von Kindern sichtbar, die sie im normalen Unterricht nicht zeigen können.“

 
Probleme und Lösungen:
Vor der ersten Projektwoche, die schon Ende Oktober 2010 stattfand, gab es Bedenken die Klassen 1 aufzulösen, in Projektgruppen einzugliedern und den Unterrichtstag im Projekt, d.h. von 8.30 – 12.10 Uhr, durchzustehen. Es zeigte sich aber, dass ältere Schüler innerhalb der Projekte sich um die Erstklässler kümmerten. Alle Kinder konnten die für sie angebotenen Projekte selbst auswählen. Bei den Klassen 1 halfen die Eltern, den Projektzettel auszufüllen.
Bedenken gab es von Seiten der Viertklasseltern, dass wegen des anstehenden Übergangs in die weiterführenden Schulen zu viel Mathematik und Deutschstunden ausfielen. Hier leisteten die Kolleginnen an den Elternabenden Überzeugungsarbeit für das Projekt. Dennoch gab es auch einige wenige Eltern, die sich nicht überzeugen ließen und erst zum Ende vom Projekt mitgerissen wurden.

Der Weg vom ergebnisorientierten Planen zum prozessorientierten Begleiten
Anfangs befürchteten die Lehrerinnen, dass sie eine ganze Woche nicht mit genügend Programm und Beschäftigung füllen könnten und bereiteten viel zu viel vor. Sie waren darauf bedacht, dass man nach dieser Woche bestimmte Ergebnisse erzielen sollte (z.B. dass die Kinder eine künstlerische Technik perfekt beherrschen).
Sie vertrauten nicht darauf, dass kreative, künstlerische Prozesse Zeit und Raum erfordern und dass die Ergebnisse vorher nicht planbar sind (anders als im schulischen Kunstunterricht, in dem eine Technik vermittelt und dann die Ergebnisse miteinander verglichen werden). In unseren Workshops ging es aber hauptsächlich um eine ästhetische Erfahrung, die Erfahrung mit dem Experiment und um den Prozess, der Künstlern in ihrer täglichen Arbeit vertraut ist, dass man dem Weg mehr Aufmerksamkeit schenkt, als nur auf ein vorher geplantes Ergebnis zuzuarbeiten. Ein künstlerischer Prozess erfolgt eher so, dass man etwas ausprobiert, experimentiert und dann das gerade Entstandene mit neuen Augen anschaut und sich in diesem Augenblick überlegt, wie es weiter gehen könnte. Für die Lehrerinnen war dies ein schwieriger Umdenkprozess. Oftmals waren sie mit den Ergebnissen der Kinder nicht zufrieden, weil sie fanden, dass zu schlampig gearbeitet wurde oder das Ergebnis plötzlich in eine ganz andere Richtung ging. Den KünstlerInnen ging es eher so, dass sie die Freiheit der Kinderarbeiten, die kindliche Freude an Material (z.B. Zeitungspapier und Leim, Malen mit riesigen Pinseln) fasziniert hat. Die meisten Workshops wurden zum Selbstläufer: die Kinder äußerten deutlich ihre Wünsche und erklärten, was ihnen besonders Freude bereitet und was ihnen weniger gefallen hat. Diese in den Workshops entstandene Freude und Eigendynamik zeigte den Lehrerinnen aus der Praxis heraus, dass man am Anfang der Workshopwoche keinen minitiös durchorganisierten Plan braucht, sondern am Ende eines jeden Tages mit wachem Blick und offenen Ohren aufnimmt, was passiert ist und analysiert.

Einige Kolleginnen waren nach der Projektwoche sehr erschöpft, obwohl sie das Projekt prinzipiell unterstützten und weiterhin mitarbeiten wollten. Sie benötigten unbedingt noch zusätzliche Hilfe bei der Durchführung. Daraufhin wurden auch Eltern mit in die Projektgruppenarbeit eingebunden. Sie waren eine wirkliche Hilfe. Die anfänglichen Bedenken einiger Kolleginnen – wird mein Vorhaben gelingen? – haben sich dadurch gelöst und entspannt, so dass dann alle mit Freude und großem Engagement bis zum erfolgreichen Abschluss mitgearbeitet haben.

Am Ende jeder Projektwoche gab es "offene Ateliers", d. h. alle Schülerinnen konnten sich ansehen, was die anderen in den verschiedenen Projektgruppen bewerkstelligt hatten. Die Eltern fühlten sich zunächst teilweise "ausgeschlossen"; sie wollten auch sehen und daran teilhaben, was geschaffen wurde. Wir öffneten dann die "offenen Ateliers" in den folgenden Projektwochen auch für die Eltern am späten Nachmittag. Viele Eltern kamen und ließen sich von ihren stolzen Kindern erzählen, was wer wo wie gemacht hat. Die positive Resonanz sorgte jedes Mal für Freude.

Die Viertklässler des ersten Projektjahres bedauerten zutiefst, dass Sie beim Abschluss nicht mehr dabei sein konnten. Aber sie wurden eingeladen zu den Vorstellungen und einige halfen beim Basar bei den Aufführungen mit, bei dem auch kleine Kunstwerke verkauft wurden.

Ein weiterer Lernprozess war für alle Kinder, dass sie nach den Projektwochen ihre selbst gestalteten Kunstwerke nicht mit nach Hause nehmen durften. Es war schwierig für sie, zu verstehen, dass daraus etwas großes Ganzes werden würde. Aber durch die Präsentation einerseits bei den „Offenen Ateliers“ und andererseits in Schaukästen im Schulhaus lies sich die Zeit zum Abschlussgesamtkunstwerk überbrücken. Spätestens dann war allen klar, dass sie Teil des Großen sind. Und in den Abschlussaufführungen wurde von jedem Kind betont, welche Maske, welche Blume, welches Stoffstück von ihm/ihr gestaltet wurde.

 
Anekdotisches:
NACH DER ERSTEN PROJEKTWOCHE SCHRIEBEN KINDER:

„Ein Gedicht über die Theatergruppe: Alle die hier sind werden sich freun,
wer das nicht tut, wird’s bereu`n
Es ist wunderbar alles gemacht
Und am Ende war`s vollbracht!
Alle freuen sich in Maßen
Ja das können nur die Nasen!`“

Okan, ein Junge, der die Filzwerkstatt besuchte, verfasste ein Tagebuch:
Beispiel: Donnerstag. Heute war es sehr windig, als ich das Haus verließ und mich auf den Weg zur Schule machte. Ich war nervös, weil ich heute mit meinem Kissen anfangen sollte. Als es klingelte, gingen wir schnell in die Kerni, begrüßten uns und redeten darüber, was wir mitgebracht haben. Danach habe ich Selin geholfen, ihr Kissen fertig zu machen und anschließend habe ich mein Kissen gemacht. Aber da meins nicht fertig wurde habe ich es auf Freitag verschiebt und freute mich darauf. (Es folgt eine Zeichnung des Kissens.

Eine Mutter berichtete, dass sie ihren Sohn nicht mehr erkenne. Jeden Morgen stehe er fröhlich auf und kann es kaum erwarten in die Schule/Projektgruppe zu gehen.

Zoe Elena: Es war toll, wir spielten Theater. Ich habe die Geschichte von Zwerg Nase weitergehört. Als ich den Jakob gespielt habe, konnte ich mich in die Rolle einleben. Ich wäre ganz schön traurig, wenn meine Mutter mich so beschimpfen würde. Am letzten Tag war ich traurig.

Ein großer Augenblick für alle (viele HelferInnen, ob Eltern, LehrerInnen, Hausmeister, Kulturpartner, etc.) war der Sonntag vor der Endprobenwoche. Die Einrichtung der Rundsporthalle als Karawanserei stand bevor. Hier sollte nun der große Baldachin aufgehängt werden. Die vielen handwerklich begabten Väter unterstützten und fanden es spannend, ein Bühnenbild und Licht- und Tontechnik aufzubauen, zu beobachten und mitzuhelfen bei der Einteilung der Karwanen auf die Sitzplätze etc. Wie stolz waren wir alle, als auch noch der akkurat ausgeschnittene Teppich (Boden für die Karawanserei) ausgerollt da lag und die bemalten Platten in den Teppich eingefügt waren. Die kühle Sporthalle hatte sich durch unser aller Zutun in eine Märchenkulisse verwandelt! Jeder freute sich und war sehr gespannt auf die Aufführungen.

VON DEN AUFFÜHRUNGEN:
Frau Tvrdinic (Lehrerin): „Für mich war etwas ganz Großartiges, wie die Kinder bei jeder weiteren Aufführung ihre Wartezeiten selbst verwalteten. Sie brauchten uns Erwachsene überhaupt nicht mehr. Es herrschte eine total entspannte Atmosphäre.“
Aufgrund der Aufführungslogistik (60 min.Wanderung durch die Performanceräume) hatten Kinder die „nur“ auf der Hauptbühne im Einsatz waren eine lange Wartezeit zu überbrücken. Während bei den ersten Gesamtproben noch eine Riesenaufregung herrschte und die Kinder kaum zu bändigen waren, bildeten sich völlig eigenständig nach und nach einzelne Gruppen heraus, die ihre eigenen „Warterituale“ (z.B. sich gegenseitig Gespenstergeschichten erzählen, Bockspringen etc.) entwickelten.

Lisa eine Schülerin der Theater AG nach ihren erfolgreichen Auftritten: „Darf ich jetzt Autogramme geben?“

Gespräch zwischen zwei Erstklässlerinnen aus der Theatergruppe:
Alina: „Mein Bruder sagt immer `ich bin der Arsch vom Kamel`.“ (in der Kamelchoreografie bestand jedes Kamel aus 2 Kindern).
Darauf Maike: „Ja aber das braucht man ja auch“ und kichernd „stell Dir mal ein Kamel ohne Hinterteil vor, das säh ja schrecklich aus!!“
Und das Hinterteil des Kamels konnte auch alle Rollen mitsprechen, wie viele anderen der Kinder. Sie spielten das Stück noch viele Male für sich.

Hexendarstellerin wehmütig im Gespräch vor der letzten Vorstellung: „Ach, ich könnte noch ewig weiterspielen.“ „Wird das dann nicht irgendwann langweilig?“ „Aber nein, wir könnten doch noch neue Szenen entwickeln und die Geschichte weiterspinnen.“