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Im Bühnenbildunterricht werden antike Säulen gebaut.
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Orpheus und Eurydike auf dem Rückweg aus der Unterwelt.
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Im Café der Unterwelt wird Tango getanzt.
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Der zaubernde Erzähler leitet durch den Abend
"Orpheus und die Unterwelt" ein theatralisches Zirkus-Tanz-Projekt
Schule:
ReBBZ Altona-West (Regionales Bildungs- und Beratungs-Zentrum)
Böttcherkamp 146
22549 Hamburg

Telefon: 040 - 84053160
fax: 040 - 84053177
www.schule-boettcherkamp.de

Sonstige / Gebundener Ganztag

 
Kooperationspartner:
ABRAX KADABRAX
Zirkuszentrum Osdorfer Born
Andreas Schmiedel (Projektleiter)
Glückstädter Weg 75
22549 Hamburg

Fon 0160 784 27 82
www.abraxkadabrax.de

 
Beteiligte Schüler:
12
10. Klasse
 
Beteiligte Lehrkräfte:
von der Schule: 2 Klassenlehrerinnen, 1 Arbeitslehrerer von ABRAX KADABRAX: 1 Lehrkraft – Theater, Zirkus und Tanz, Medienwerkstatt,1 Lehrkraft – Theater, Zirkus und Tanz, 1 Lehrkraft – Theater, Zirkus und Tanz, 2 Lehrkräfte – Kostüm und Bühnenbild, 1 Kompetenzberaterin, 1 Pädagogisch fachliche Begleitung
 
Stundenvolumen:
Das Projekt war fester Bestandteil des Schuljahres 2011/12:
8 Stunden pro Schulwoche (zwei Projekttage),
6 Intensivwochen (6 x 5 Tage á 6 Stunden)
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Die 10. Klasse des ReBBZs im Osdorfer Born, einem Hamburger Stadtteil, der als sozialer Brennpunkt gilt, erarbeitete im Schuljahr 2011/12 das Zirkus-Theater-Stück „Orpheus und die Unterwelt“. Hauptziele des Projekts waren die kulturelle Bildung, personale, soziale und künstlerische Kompetenzförderung der Schülerinnen und Schüler. Ein besonderer Projektbaustein war der Kompetenznachweis Kultur, ein Bildungspass der Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung, den die Jugendlichen während des Kunstprojektes erwerben konnten.

Die Jugendlichen entwickelten mit fünf Dozenten aus den Bereichen Theater, Tanz, Zirkus, Bühnen- und Kostümbild die Inszenierung „Orpheus und die Unterwelt“, sie erlernten Tanzchoreographien, Luftartistik und Akrobatik, gestalteten das Bühnenbild und nähten ihre Kostüme für die Aufführung.

Durchgeführt wurde das Projekt in Kooperation mit dem Kinder- und Jugendzirkus ABRAX KADABRAX.

Das Projekt KWIQ-Circus wurde aus vom Europäischen Sozialfonds und aus Mitteln des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung gefördert.

 
Projektauslöser/Idee:
Es gibt seit dem Schuljahr 2007/2008 eine gute Kooperation zwischen dem Kinder- und Jugendzirkus ABRAX KADABRAX und dem ReBBZ. In dieser Zeit wurde deutlich, mit wie viel Ernsthaftigkeit und Motivation die Schülerinnen und Schüler beim Zirkus und Theaterspielen dabei sind. Kunstprojekte bereicherten den Schulalltag und zeigten große Erfolge im sozialen Lernen der Schüler. Die Kooperation mit dem Kinder- und Jugendzirkus ABRAX KADABRAX hat die Profilbildung des ReBBZs stark geprägt. Zirkus, Tanz und Theater wurden zum wesentlichen Bestandteil des Unterrichts in der 10 Klasse.

Schüler und Schülerinnen mit besonderem Förderbedarf benötigen Lernerfahrungen, die ihnen helfen ihre Stärken zu erkennen. Kunstprojekte können hierzu einen wertvollen Beitrag leisten. Das Projekt „Orpheus und die Unterwelt“ war für unsere Schüler wiederum eine tolle Erfahrung. Sie waren Teil eines großen Kunstprojektes, das sie ein ganzes Schuljahr begleitete. Dieses Kunstprojekt war, wie viele vorher wieder eine große Bereicherung für unsere Schülerinnen und Schüler und unsere Schule. Wir werden auch in der Perspektive die darstellenden Künste weiter in unserem Schulprofil verankern.

 
Projektentwicklung:
Im September 2011 begann das Projekt mit einer Intensivwoche im Zirkuszelt.
Die Grundlagen verschiedenster Disziplinen aus Tanz, Theater und Zirkus wurden vermittelt und in kurze Szenen eingebaut. Am Ende der Woche präsentierten die Teilnehmer ihre erste Aufführung in Form einer Werkschau. Besonders wichtig in dieser Woche war die Zusammenführung des Ensembles und die Entwicklung einer Vertrauensbasis.

Danach folgten regelmäßig donnerstags Proben im Zirkuszelt (4 Stunden täglich).
Hier lernten die Jugendlichen zunächst Grundtechniken des Zirkus, Tanzes und Theaters kennen (Bühnenpräsenz, choreographisches Arbeiten, Jonglage, Luftartistik, Akrobatik und vieles mehr).

Nach den Oktoberferien begann zusätzlich montags der Bühnenbild- und Kostümunterricht und das Medienstudio (4 Stunden täglich). Auch hier stand vorerst die Vermittlung der Grundlagen im Vordergrund.

Ab Januar begann die Phase der Stückentwicklung zum Thema „griechische Antike“ mit einem besonderen Fokus auf die Geschichte der Unterwelt. Künstlerische Arbeit wurde verknüpft mit schulischem Unterricht z.B. im Fach Deutsch.: Mit Hilfe der Methode „collective writing“ entwickelten die SchülerInnen ihre eigenen Geschichten, angeregt durch die Sage von Orpheus und Eurydike. So entstand zum Beispiel eine Kurzgeschichte mit dem Titel „Liebe in Paris“. Die Geschichten wurden collagenartig durch einen zaubernden Erzähler miteinander verknüpft.

Im Kostüm- und Bühnenbildunterricht entwarfen und gestalteten die Jugendlichen aus Draht und Pappmaschee große Skulpturen der Unterwelt, bauten antike Säulen und nähten griechische Gewänder für das Stück. Die Skulpturen dienten nicht nur als Bühnenbildelemente, sondern wurden als Figuren einer Geschichte in Szene gesetzt.

Im Medienstudio erstellte das Team einen Stop-Motion-Film zu einer er erfundenen Kurzgeschichten.

Die Probenzeit intensivierte sich. Jeden Monat fand eine Intensichwoche statt, bis es im Juni dann soweit war und die Aufführung „Orpheus und die Unterwelt“ das Publikum im großen Zirkuszelt von ABRAX KADABRAX zum Jubeln brachte. Zu dieser ersten Aufführung waren auch verschiedene Vertreter der Hamburger Schulbehörde anwesend, die sich von der hohen künstlerischen Qualität des Projektes überzeugen konnten. Es folgten noch zwei weitere öffentliche Aufführungen.

Der gesamte Prozess wurde von einer Kompetenzberaterin begleitet, die mit den Jugendlichen den Kompetenznachweis Kultur durchführte. Der Kompetenznachweis Kultur ist ein Bildungspass der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) und wurde gemeinsam mit den Jugendlichen erarbeitet. Zwischen der Kompetenzberaterin und den Jugendlichen entstand ein intensiver Austausch über die individuellen Stärken, über Lernerfahrungen und Wirkungen des eigenen künstlerischen Tuns. Indem die Jugendlichen sich ihrer Fähigkeiten und Stärken bewusst wurden und lernten, diese zu formulieren, stärkte der gesamte Prozess ihr Selbstbewusstsein.

Ziel ist die Förderung von wichtigen Schlüsselkompetenzen. Sie entfaltet die Sinne und befördert Kreativität, die Gewissheit über die eigenen Stärken und Vertrauen in eigene Gestaltungskräfte. Kommunikations- und Konfliktfähigkeit, Flexibilität, Ausdauer und Toleranz sind im künstlerischen Prozess von entscheidender Bedeutung und stellen eine Herausforderung für die Jugendlichen. Frühzeitiges Heranführen an kulturelle Bildungsinhalte macht aus Jugendlichen gefestigte, kreative und innovationsfreudige Menschen.
(Quelle BKJ – Kompetenznachweis Kultur)

Das Zertifikat des „Kompetenznachweis Kultur“, welches die individuellen personalen, sozialen, methodischen und künstlerischen Kompetenzen der Jugendlichen im Zirkusprojekt sichtbar machte, wurde am Ende des Schuljahres feierlich zusammen mit den Abschlusszeugnissen übergeben.

Während des gesamten Projekts trafen sich die 5 Zirkus- und Tanzpädagogen, Kostüm- und Bühnenbildner und die Projektkoordinatorin regelmäßig einmal pro Woche, um gemeinsam zu planen und reflektieren. Auch auf Leitungsebene (Schulleitung und Zirkusdirektor) wurde sich regelmäßig über den Verlauf der Projekts bei einem monatlichen Treffen ausgetauscht.

 
Besonderheiten:
Die Länge des Projektes „Orpheus und die Unterwelt“ über ein Schuljahr und die sehr hohe Stundenanzahl im Unterricht (2 Projekttage pro Schulwoche und 6 Intensivwochen) ermöglichten eine sehr intensive künstlerische Arbeit. Auch die Projektstruktur mit monatlicher Steuergruppe auf Leitungsebene und wöchentlichen Teamtreffen der Zirkus,- Tanz- und Theaterpädagogen mit Lehrern ist eine hervorzuhebende Besonderheit, die auch die hohe Qualität des Kunstprojektes beförderte. Das Projekt half den SchülerInnen durch die vielseitigen künstlerischen Angebote bei der Entwicklung von Schlüsselkompetenzen. Sie lernten in der Durchführung des Kompetenznachweis Kultur ihre Stärken kennen und konnten im Prozess der Inszenierung von „Orpheus in der Unterwelt“ neue Kompetenzen erlernen.

Zitate der Jugendlichen:

„Früher habe ich mich schnell wegen jeder Kleinigkeit aufgeregt. Aber seit ich im Zirkus mit mache, habe ich das irgendwie unter Kontrolle bekommen. Meine Kollegen haben mich auch gefragt, was los ist. Wenn ich jetzt merke, dass ich wütend werde, gehe ich erst mal weg und komme dann wieder, wenn ich mich beruhigt habe. Das habe ich sonst nie gemacht.“

„Ich fand gut, dass ich mir selber Tanzschritte überlegt habe. Ich muss das dann alleine vor den Zuschauern aufführen. Das ist mutig.“

„Erst dachte ich, ich werde nur so ein Nebenkunststück zeigen. Und dann haben die mir gesagt, dass ich die Hauptrolle spielen soll. Da habe ich gemerkt, dass ich auch was kann. Da fühlt man sich stark. Das ist super, dass ich das erreicht habe.“

„Manchmal sind die Sachen echt anstrengend und mir tut dann alles weh. Ich mache es aber trotzdem. Man muss es ja proben, man hat ja ein Ziel vor Augen. Ich habe mir ja den Weg ausgesucht. Das muss ich jetzt auch durchhalten.“

„Ich bleibe jetzt auch mal an einer Sache dran. Ich sage nicht so schnell: ‚Nee, will ich nicht‘. Ich probiere es aus und wenn es nicht klappt, probiere ich es nochmal.“

„Ich mache mich selber nicht mehr so klein. Früher habe ich immer an mir rumgenörgelt, dass ich irgendwas falsch mache. Das mache ich jetzt nicht mehr.“

 
Probleme und Lösungen:
Da die Kooperation der Schule mit dem Kinder- und Jugendzirkus ABRAX KADABRAX bereits seit vielen Jahren besteht, konnten gute Strukturen der Zusammenarbeit entwickelt werden. Auf der Leitungsebene ist durch die regelmäßigen monatlichen Treffen eine Projektbasis entstanden, die ein schnelles Reagieren auf Probleme möglich macht. Das Zirkusteam trifft sich wöchentlich zu Reflexion der Durchführung und bespricht die Projektentwicklung. Diese Projektstrukturen helfen, dass Problemsituationen (z.B. Überforderung und Unterforderung von Schülern) schon im Anfang erkannt werden.
 
Anekdotisches:
Ein Jugendlicher fand seinen persönlichen Zugang zum Thema 'Antike' und holte die verstaubte Zeit in die Moderne. Er schrieb in seiner Kurzgeschichte: „Olympus ist der Bruder von Panasonic“.
Zu Beginn einer jeder Unterrichtseinheit wurde die Fokusübung durchgeführt, bei der alle TeilnehmerInnen fünf Minuten präsent auf der Bühne standen. Ihre Aufgabe war es, sich darauf zu konzentrieren, neutral zu stehen, den Blick geradeaus zu richten und alle privaten Gesten abzulegen. Die Bewältigung dieser Aufgabe zeigte, dass die Jugendlichen durchaus in der Lage waren eine so hohe Form von Durchhaltevermögen, Konzentrationsfähigkeit und Selbstdisziplin zu meistern. Dies ist besonders beeindruckend, wenn man bedenkt, dass es sich hier um Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf handelt.

„Vor dem Zirkusprojekt war ich so der Typ, der nicht ruhig sitzen konnte.
Wenn ich mich gelangweilt habe, war ich schnell aggressiv. Das
Konzentrieren hat mir geholfen. Das ist richtig gut.“ (Zitat eines Teilnehmers)