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Spiel mit Worten
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Maksim und Cihan - ein Dialog in vergessener Sprache
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Wolkenflaum - mein vergessenes Wort
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Satansengel - mein vergessenes Wort
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stolz, zufrieden, gewürdigt - geschafft
Das vergessene Wort - vom Reichtum der deutschen Sprache
Schule:
Ratsgymnasium der Stadt Minden
Königswall 28
32423 Minden

Tel.: 0571/828883

www.ratsgymnasium.de



Gymnasium / Gebundener Ganztag

 
Kooperationspartner:
Lenz-Stiftung
Am Michelsberg 1
55131 Mainz
Tel.: 06131/83 22 55
www.lenz-stiftung-mainz.de
Kontakt über und Mitarbeit durch die dort beschäftigte Angelika Humann M.A.

 
Beteiligte Schüler:
17 Schülerinnen und Schüler
Kurse 12 und Q1 im Rahmen des Literaturkurses Reg
 
Beteiligte Lehrkräfte:
1 Lehrkraft Literatur/ Deutsch
 
Stundenvolumen:
Fünf zweistündige Arbeitstreffen innerhalb von vier Monaten plus zusätzlich geleisteter Forschungs- und Bearbeitungszeit
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Siebzehn Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 12/ Q1 des Ratsgymnasiums in Minden sind dem Angebot einer Initiative mit dem Titel "Das vergessene Wort - Vom Reichtum der deutschen Sprache" gefolgt und haben mit der Teilnahme ihr Interesse und ihre Begeisterung für unsere Muttersprache bekundet. Es handelt sich um ein Modellprojekt, das seit 2005 an verschiedenen Gymnasien umgesetzt wurde und Jugendliche bei der Entdeckung ihres eigenen literarisch-poetischen Sprachvermögens unterstützen will.

Die Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses haben in einer viermonatigen Forschungsarbeit unter Leitung der Erziehungswissenschaftlerin Angelika Humann M.A. deutschsprachige Literatur, vom Barock bis ins 20. Jahrhundert reichend, auf ihren poetisch-sprachlichen Gehalt hin untersucht und vom Vergessen bedrohte Wörter, Sätze und Sprachbilder herausgefiltert sowie ihre Erarbeitung dieser reflektiert und dokumentiert.

Das Projekt wird finanziell und ideell durch die Lenz-Stiftung, Mainz, getragen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Projekte zu fördern, die Kindern und Jugendlichen die Entdeckung des eigenen Potentials und die Erfahrung des selbständigen Forschens ermöglichen. Die Stiftung übernahm auch die Publikation der Forschungsbeiträge in einem Band ihrer Editionsreihe: Zur Erneuerung geistiger Werte, einzusehen unter http://www.amazon.de/Das-vergessene-Wort-VII-deutschen/dp/3938088338

 
Projektauslöser/Idee:
Initiiert wurde die Arbeit an dem Projekt durch eine E-Mail des Vereins Deutsche Sprache e.V., welche das Projekt den Schulen offerierte. Da sich dieses Projekt sehr gut für einen Literaturkurs eignete, welcher nach einem sehr offenen Lehrplan und den Interessen der Schülerinnen und Schüler arbeiten kann, stelle die Kollegin dieses Projekt dem Kurs vor. Die Schülerinnen und Schüler entschieden sich für dieses Thema, da sie die hohe Eigenständigkeit bei diesem Projekt sehr schätzten.
 
Projektentwicklung:
Nach der Vorstellung des Projektes durch die Lehrkraft bekundeten die Schülerinnen und Schüler ihr Interesse. Daraufhin wurde Frau Angelika Humann M.A. von der Lenz-Stiftung eingeladen, die Details des Projektes vorzustellen.
In einem ersten Arbeitstreffen suchten sich die Schüler ein Werk aus, welches sie bearbeiten wollten (Werke von Fleming, Schnabel, Schlegel, Seume, von Humboldt, Hölderlin, von Arnim, Droste-Hülshoff, Mörike, Keller, Lasker-Schüler, Rilke, Hesse, Benjamin, Kaschnitz, Schiller, Eichendorff).
Ihr Arbeitsauftrag lautete, in diesem Werk auf die Suche nach Worten zu gehen,
- die ihnen unbekannt sind oder die sie als ungebräuchlich einstufen,
- die sie besonders schön oder poetisch finden
Satzgebilde zu finden, die sie
- sprachlich oder inhaltlich besonders beeindrucken
- die sie zum Vortrag oder Vorlesen empfehlen, um die Sprache zu hören
- die sie auswendig lernen würden, damit sie sie durchs Leben begleiten
Metaphern zu finden, die
- in ihrem Klang besonders beeindrucken
- in ihrer Aussage besonders beeindrucken
sowie abschließend einen Erfahrungsbericht über diese Erarbeitung zu schreiben.
Während dieser konkrete Arbeitsauftrag zu Hause erledigt werden musste, wurde bei weiteren Projekttreffen das Sprachgefühl der Teilnehmer weiter sensibilisiert, indem verschiedene Arbeitsaufträge gemeinsam durchgeführt wurden. So musste unter anderem ein Brief in einer poetischen Sprachform verfasst und an einen realen Teilnehmer des Kurses geschickt werden oder ein Dialog in "veralteter" Sprache und moderner Sprache erfunden werden.
Des Weiteren wurden Fragen bezüglich der Erarbeitungen geklärt.
 
Besonderheiten:
Die Schülerinnen und Schüler hatten die Gelegenheit an einem Projekt teilzunehmen, welches ihnen in der Form in der Schule sonst nicht geboten werden kann, da kein Curriculum es explizit so vorsieht. Gleiches gilt für die Auswahl der Literatur, welche eine Auseinandersetzung mit Werken ermöglichte, die die anderen Schülerinnen und Schüler NRWs nicht auch alle (aufgrund des Zentralabiturs) gelesen haben.
Die Unterstützung durch die Lenz-Stiftung, insbesondere durch die Mitarbeiterin Frau Humann, ermöglichte ihnen eine Arbeit mit einer externen Lehrkraft, welche die individuelle Prozessbegleitung zum Ziel hatte. So stand tatsächlich die Idee im Mittelpunkt, vergessene "Wortschätze" wieder auszugraben und neu zu beleben.
Vor allem die Publikation und der würdige Rahmen der Buchpräsentation hat den Schülerinnen und Schülern den Wert ihrer Arbeit in einer ganz anderen Weise verdeutlicht. Eine solche Arbeit ist in einem Portfolio ein besonderer Edelstein im Rahmen einer individuellen Schullaufbahn.

Hier einige Auszüge aus ihren Berichten:
Nadine Fischer(„Deutsche Gedichte“ von Paul Fleming):
Mir haben die vier Arbeitstreffen sehr gut gefallen und sie waren eine große Hilfe, um einen Zugang zu der Sprache aus früheren Epochen zu erlangen. Das Arbeiten mit Zitaten, um verschiedene Zugriffe auf die Sprache kennenzulernen, und auch das Spielen mit vielen verschiedenen Ausdrücken hat den Spaß an der Sprache geweckt. Wir haben selbst schöne Wörter erfunden und Geschichten geschrieben, haben über die Schönheit der Sprache gesprochen und immer wieder die Sprache unserer Werke mit in den Unterricht einfließen lassen.
Besonders gut fand ich die Aufgabe, Briefe in gehobener und älterer Sprache per Hand an andere Projektteilnehmer zu schreiben. Briefe werden heutzutage fast gar nicht mehr verwendet und werden als veraltet angesehen. Heutzutage hat man die Möglichkeit, eine SMS oder eine E-Mail zu schreiben, was im täglichen Leben auch deutlich schneller geht und einfacher ist, da vor allem die meisten Menschen nur noch in Abkürzungen schreiben. „HDL, BB“(hab dich lieb, bis bald) geht ja auch viel schneller als „Nun lebe wohl, deine dich hochachtungsvollschätzende Nadine“. Die Erfahrung mit dem Brief hat mir gezeigt, wie viel mehr Wert man eigentlich auf diese Art von Kommunikation legen sollte. Man denkt mehr über den Inhalt des Geschriebenen nach und gibt sich auch beim Schreiben selbst mehr Mühe. Am Ende ist man sogar ein bisschen stolz auf sich, dass man sich Zeit genommen hat.

Cihan-Marcel Brandt(„Insel Felsenburg“ von Johann Gottfried Schnabel):
Ein Philosoph hat einmal behauptet, es gäbe so etwas wie die „Lesbarkeit der Welt“, also dass die Welt quasi ein Buch sei und dessen Inhalt unsere Erfahrung. Vor dem Lesen und vor dem Schreiben steht das sie Vereinende: die Sprache; Daraus lässt sich ihre Tragweite erahnen.
Insel Felsenburg ist deshalb ein interessanter Text, weil er für lange Zeiten vergessen war. Man kann vieles über die damalige Sprache im Vergleich zur heutigen lernen, z. B. dass damals die Sprache stärker durch das Französische durchsetzt war. Das alles hat es aber nicht erschwert, den Text zu verstehen und sich in die Welt des Autors zu versetzen, weil er sich an denjenigen Stellen, an denen es wichtig war, klar ausgedrückt hat, insofern als dass er sich durch die Mitteilung seiner empfundenen Gefühle dem Leser verständlich machte.


Jenny Thielking(„Die Jungfrau von Orleans“ von Friedrich von Schiller):
Worte sind Kunst. Das Motiv ist der Inhalt seiner Worte. Selbst, wenn man die Komposition oder die Farben verändert, bleibt das Motiv dennoch dasselbe, allerdings wirkt es anders. Die Komposition ist der Satzbau. Die Komposition kann sehr simple und langweilig gehalten werden oder spannend und verschachtelt sein, so dass man das Bild lange ansieht und immer wieder neue Details entdeckt.
Die Farbwahl sind die Worte. Die Farben bestimmen, wie das Bild wirkt. Das Bild kann kalt oder warm sein, Farben können Akzente setzen oder man verzichtet ganz auf die sie. Aber was wäre ein Bild und unser Leben ohne Farben? Was wäre es ohne Worte? Ein guter Künstler weiß genau, wie er seine Farben einsetzen muss, um dem Bild das besondere Etwas zu geben. Genauso ist es auch mit Worten.
Ein guter Redner weiß genau, welche Worte er einsetzen muss, um etwas besser zu verdeutlichen, um den Text aufzulockern oder um ein Wortspiel einzubringen. Er weiß genau, wie er seine Zuhörer in einen magischen Bann ziehen kann und das alleine mit seinen Worten.

Liza Baudisch(„Florentin“ von Dorothea Schlegel):
Sprache – Was ist das überhaupt? Ein Mittel zur Kommunikation. Alltäglich, normal, unbedacht. Jeden Tag nehmen wir mehrere tausend Wörter in den Mund, ohne wirklich darüber nachzudenken. Kann ich sprechen? Natürlich. Sprache, Muttersprache. Kann ich perfekt! Kann ich? Wie gut kennen wir uns wirklich mit unserer eigenen Sprache aus?
Ein großer Teil unserer Sprache ist in den vergangenen Jahrzehnten in Vergessenheit geraten. War Sprache früher noch ein Privileg und eine geschätzte Ausdrucksform von Bildung, verliert sie heutzutage immer mehr an Beachtung und gezielter Festhaltung. Sprache wird heute nur noch als ein einfaches Mittel zum Zweck gesehen; wobei man meinen dürfte, dass Sprache allein der Sprache Willen gesprochen werden sollte.


Nora Herrmann („Ansichten der Natur“ von Alexander von Humboldt):
Früher haben sich die Menschen sehr gewählt und zum Teil auch kompliziert ausgedrückt.Wenn man zum Beispiel heute einen Text von Goethe liest, hat man nicht unbedingt gleich eine Ahnung, was Goethe uns sagen wollte, da die Schriftform damals eine ganz andere war, als wir sie heute kennen.Besonders im Philosophieunterricht merkt man bald, dass die Sprache sehr tiefgründig sein kann und oft versteckte Bedeutungen hat.Aber wenn man sich mit ihr auseinandersetzt, lernt man ihre wahre Bedeutung und Tiefsinnigkeit kennen.
Sprache hat vieles vorzuweisen und kann ein Hilfsmittel sein, um das wunderbare Leben in der Welt auszudrücken. Sie gibt den Menschen und Tieren, egal durch welche Art, die Möglichkeit sich zu verständigen und das Leben in vollen Zügen zu genießen.Ich finde es schön, einen so großen Wortschatz zu haben, diesen zu vergrößern und mir mit vielen verschiedenen Mitteln eine Welt aus Wörtern aufzubauen.
Es war schön zu lesen, wie der Autor gewillt war, seine Erfahrungen und Erlebnisse mit dem Leser zu teilen. Dafür ist er durch verschiedene Länder gereist und hat mit einer wahrhaftigen Begeisterung von der Natur erzählt.Mir ist aufgefallen, dass von Humboldt fast jedes Kapitel mit einem philosophischen Satz abgeschlossen hat. Das gab dem Buch etwas Außergewöhnliches, hob sich von seiner eigentlichen Schreibart ab und regte den Leser zum Nachdenken an.Alexander von Humboldt hat seinen ganz eigenen speziellen Schreibstil, der nicht jedermanns Sache ist. Naturbeschreibungen können unheimlich schön sein und den Leser zum Träumen bringen, aber wenn ein ganzes Buch nur von diesen Beschreibungen handelt, dann wird es für einen Laien irgendwann recht anstrengend dem Ganzen noch zu folgen. Trotzdem denke ich, dass dieses Buch und auch das Projekt eine Erfahrung wert waren. Man bekommt nicht jeden Tag eine solche Chance, sich so ein Wissen anzueignen und dieses auch zu verwenden.

Marie Bröckling („Die Günderode“ von Bettina von Arnim):
Auch ich habe die deutsche Sprache erst zu schätzen gelernt, als ich begonnen habe, mich intensiv mit anderen Sprachen auseinanderzusetzen. Es hat mich begeistert, wie ich plötzlich mit Menschen aus anderen Ländern kommunizieren konnte und mir so durch Sprache neue Welten eröffnet wurden. Es ist zudem ein tolles Gefühl, sich präzise in einer Fremdsprache ausdrücken zu können, da die Wahrnehmung anderer Menschen ganz stark vom Ausdrucksvermögen des Erzählers beeinflusst wird.
Eine gute Ausdrucksweise und das Gefühl für schöne Sprache sind meiner Meinung nach grundlegend für zwischenmenschliche Beziehungen. Darüber hinaus bin ich fasziniert von den Besonderheiten, die jede Sprache in sich birgt und dem wechselseitigen Einfluss mit der Kultur des jeweiligen Landes, dem sie ausgesetzt ist.
Besonders gefallen haben mir die Übungen zum aufmerksameren Umgang mit dem Klang der Sprache. Wir sind häufig zu fixiert auf den Inhalt, als dass wir den Klang einzelner Worte, den Rhythmus und die Melodie von Sätzen wahrnehmen.
Das Lesen von Die Günderode hat mir sehr große Freude bereitet. Die Sprache unterscheidet sich sehr deutlich von meiner Alltagssprache, da sie so tragend und weitreichend erscheint. Es ist mir schnell klar geworden, dass hier jedes Wort bewusst gewählt wurde und nichts „einfach dahergesagt“ ist. Die Autorin hat es geschafft, ihre Gedanken auszufomulieren und zu Papier zu bringen, ohne sie zu verklauseln. Jeder Brief hat trotz der gewählten Sprache etwas Persönliches und Emotionales. Selbst vermeintliche Nebensächlichkeiten erscheinen großartig und aufregend, wenn Bettina von Arnim sie mit ihren Worten beschreibt.

Maksim Stahlhut („Ahnung und Gegenwart“ von Josef von Eichendorff):
Dem Projekt „Das vergessene Wort“ verdanke ich, mehr Wertschätzung über die Sprache erfahren zu haben. Zu begreifen, was Sprache ist, wie man sie gebraucht und wie lebendig sie ist, war mir anfangs überhaupt nicht bewusst. Oft hat man zu wenig Verständnis dafür, was man alles mit der Sprache erreichen kann. Es ist dem Menschen zum Beispiel gegeben, die Sprache als Heilmittel zu gebrauchen, indem man den Mitmenschen Komplimente schenkt, sie beruhigt, aufbaut oder gar Ratschläge erteilt. So lernte ich, dass Worte die Schlüssel zum Leben sind und man mit ihnen sogar – wenn man sie richtig gebraucht – den Himmel aufschließen kann. Denn es ist etwas Schönes, seine Gedanken zu Papier zu bringen, oder auch kund zu geben und den Empfänger an seinen Erfahrungen teilhaben zu lassen.
Die Sprache ist ein Privileg, eine Gabe, die jedem Sprechenden gegeben ist und gut gepflegt werden sollte. Aus alledem schließe ich, dass die Sprache ein Teil meiner Selbst ist, und ich ohne sie nicht (sein) kann, denn meine Meinung, meine Ideen, Gedanken und Gefühle kann ich auf keine andere Art und Weise mitteilen, als nur durch die Sprache.
Außerdem ist mir beim Lesen aufgefallen, dass die Sprache in jedem Menschen lebt und durch das Lesen von Weltliteratur aufgebessert und verfeinert werden kann. Heute denke ich darüber nach, zuerst auf ältere Literatur zurückzugreifen, bevor ich andere Werke lese. Das Projekt „Das vergessene Wort“, gab mir tiefe Einsicht in die Sprache. Es fasziniert mich, wie viel mehr als gedacht man aus der Sprache schöpfen kann und wie sie dem Menschen Tag für Tag, Jahr für Jahr, Stunde um Stunde, ein Leben lang zur Seite steht.


Stephanie Hämmerling („Gedichte“ von Annette von Droste-Hülshoff):
Wir wurden durch das Projekt auf einen Sonnenpfad geführt – den Sonnenpfad der Wörter. Bislang verborgene Gedanken begannen sich in einem zunehmenden Maße auszubreiten, welche das Gefühl zur Sprache sensibilisierten. Dieses Gefühl rückte im Verlauf des Projekts verhäuft in unseren Blickwinkel, welches vorher zumeist selten auf solches gerichtet worden war. Den Rhythmus von Versen singend, gelangten wir an ein Meer – das Meer der Möglichkeiten. Wir entrissen den Versen die Struktur, stellten sinnhafte Buchstabenfolgen um und schufen dadurch neue Wörter, nie zuvor gehörte. Doch was schufen wir genau? Waren es Worte? Was macht denn ein Wort zu einem Wort? Es sind selbstständige schön oder gar sonderbar klingende sprachliche Einheiten, jedoch ohne Bedeutung, sondern vielmehr das Produkt subjektiver Empfindungen oder gar kreativer Gedankenblitze. Wird ein Wort durch seine Bedeutung zu einem Wort und was passiert mit solchen, deren Bedeutungen im Fortschritt der Zeit verblassen? Die Klangschönheit und -vielfalt unserer Sprache war die Erkenntnis dieser Experimente. Damit einher ging das traurige Bewusstsein, dass dieser kaum Beachtung geschenkt wird und bereits viele Worte in Vergessenheit geraten sind, da zumeist lediglich die Verfolgung eines bestimmten Ziels der Anlass der Kommunikation ist. Doch essen wir nur, um unseren Hunger zu stillen oder auch des Genusses wegen? Diese Metapher ist auf die Sprache übertragbar.

Anna-Lena Kelle („Gedichte“ von Eduard Mörike):
Statt auf den poetischen Klang zu lauschen und die Worte zu genießen, wird heutzutage der Schwerpunkt auf die Interpretation von Begriffen gelegt. Im Rahmen des Projektes „Das vergessene Wort“ ist mir dieses Phänomen besonders deutlich geworden.
Beim ersten Arbeitstreffen war auch noch deutlich zu spüren, dass wir, die es nur gewohnt waren, Texte zu lesen, um sie zu analysieren bzw. zu interpretieren, Schwierigkeiten hatten, uns einfach auf den Klang der Wörter einzulassen oder auch Zitate einfach nur mit dem poetischen Klang zu verbinden. Im Verlaufe der vier Arbeitstreffen fiel es mir persönlich immer leichter, den Klang ohne einen tieferen Sinn mit dem Wort zu verbinden. Die deutsche Sprache bietet doch viel mehr als nur die inhaltliche Ebene. Worte wie „Freudenschein“ oder Ausdrücke wie „mondbeglänzte Wälder“ bieten etwas Einzigartiges und können durchaus beeindrucken. Denn solche Begriffe kenne ich in keiner anderen Sprache.

Rebecca Onland („Der grüne Heinrich“ von Gottfried Keller):
Die Sprache macht den Menschen menschlich. Kein anderes Lebewesen auf der Welt ist fähig, aus einem so kleinen Fundus von (in der deutschen Sprache) 26 Buchstaben eine solche sprachliche Vielfalt erwachsen zu lassen. Leider nehmen die meisten Menschen Sprache als etwas Selbstverständliches, etwas Alltägliches war.
Faszinierend finden wir nur fremde, exotische Sprachen: Japanisch, Französisch oder Italienisch. In meinen Augen war die deutsche Sprache bisher keine lange Überlegung wert. Aber das stimmt nicht! Man vergisst leicht, wie schön die deutsche Sprache sein kann, weil sie allgegenwärtig ist und so den Schein von Unnahbarkeit und Mystik verloren hat, die fremden Sprachen dagegen zu etwas Besonderem machen. Dabei verstehen wir zumeist gar nicht, was in fremden Sprachen gesprochen wird, sind aber trotzdem fasziniert von der Sprachmelodie, dem Sprechtempo und der Lautkombination, die so ganz anders sind als im Deutschen.


Lara Bakemeier („Gedichte“ von Else Lasker-Schüler):
Das Leben eines jeden Menschen ist so unterschiedlich, basierend darauf, wo und mit wem er lebt. Im Laufe seines Lebens begegnen ihm so viele neue, fremde Wörter, die er entweder anschließend wieder vergisst oder in seine Sprache einfließen lässt. Sein Sprachniveau wird dadurch aufgewertet oder abgewertet. Denn der Mensch, der immer auf demselben Sprachniveau bleibt, wird nie erleben, wie schön es ist, sich vielfältig ausdrücken zu können, wird nie erleben, wie facettenreich die Kommunikation mit seinem Gegenüber sein kann und er wird nie begreifen, dass seine Sprache ihm Tür und Tor öffnen kann, wenn er nur will.
In der Zukunft wird sich die Sprache – das Gut unseres Lebens – mit ihren zugehörigen Wörtern wieder verändern, so wie es in den vergangenen Jahren auch schon geschah. Dass es einen Wandel in Sprache gab und gibt, ist mir bei der Beschäftigung mit dem Buch noch bewusster geworden. Teilweise gab es Wörter, die mir fremd waren oder die ich schon länger nicht mehr gehört hatte. Es waren aber auch solche dabei, die auch heute noch im normalen Alltagsleben verwendet werden.
Für mich scheint es, als sei die Sprache im Buch so viel ausgeschöpfter, facettenreicher und fantasievoller als die unsrige im 21. Jahrhundert. Das finde ich enttäuschend, denn auch unsere Sprache hat noch viel mehr zu bieten, als wir sie bisher nutzen.


Nathalie Zieger („Auguste Rodin“ von Rainer Maria Rilke):
Eigentlich mag ich Rilke nicht. Er ist mir zu ausschweifend, zu schwafelig, zu? Ist „merkwortig“ das richtige Wort? Jetzt musste ich seine Beschreibung über Rodin lesen. Von Rodin hab ich nur mal Fotos von irgendwelchen Werken gesehen, welche, keine Ahnung, blieb mir nicht im Gedächtnis.
Aber nachdem ich mich mit dem Text beschäftigt habe, kann ich mir sehr gut den Werdegang und die Werke von Rodin vorstellen, sie haben – er hat – ein Gesicht bekommen, das ich nicht so schnell wieder vergessen werde. Wenn man sich auf Rilke einlässt, so findet man lebendige Ruhe, so kann man sich direkt in die Beschreibungen versetzen, sie sich bildhaft machen. Und je länger ich mich mit dem Text auseinandergesetzt habe, desto mehr stieg meine Bewunderung für die vielen genauen Beschreibungen, die nicht nur das Offensichtliche zur Betrachtung hatten, sondern auch die Geschichte des jeweiligen Segments, die emotionale Bedeutung und eine innere Wertung. Die Bewunderung stieg für die geschickte Wahl der Worte und deren Aneinanderreihung, bis ein ganzes Orchester an Worten deutlich wurde. Und genauso wenig, wie ich Musik bis ins Detail beschreiben kann, fehlen mir die Worte, um Rilkes Werk zu würdigen, es erzeugt ein Zusammenspiel von Verstand und Bauchgefühl, so wie gute Musik. Fazit für mich: Ich mag Rilke.


Nora Marie Weber („Narziss und Goldmund“ von Hermann Hesse):
Die Sprache hat in jedem Zusammenhang eine große Bedeutung und man sollte darauf vertrauen, dass mit einer gut gewählten Sprache alles möglich ist, denn sie ist Hauptbestandteil guter Kommunikation.
Zu einer genaueren Erkenntnis über die Sprache hat mir der Unterricht im Rahmen des Projektes „Das vergessene Wort“ verholfen. Hier konnten wir mit der Sprache spielen und sie dadurch im Prinzip erst richtig kennen lernen. Wir experimentierten mit Wörtern und deren Bedeutungen, befassten uns mit Klang und Rhythmus und dachten über Sprache nach. Dadurch habe ich erst richtig verstanden, was Sprache ist.
Ich finde es wichtig, dass Menschen über ihre Sprache und ihren Ausdruck nachdenken, denn dadurch ist es möglich, die Besonderheiten eines Moments festzuhalten und zu verinnerlichen. Denn die deutsche Sprache besteht aus mehr als nur Wörtern und einfachen Satzgebilden, man sollte neben der Bedeutung auch den Klang und den Rhythmus betrachten. Denn die Sprache besteht aus vielen schönen Facetten, man muss nur gut zuhören!

Lara Schmidt („Berliner Kindheit um neunzehnhundert“ von Walter Benjamin):
Sprache ist eine Schatzkiste, die nur mit dem richtigen Schlüssel geöffnet werden kann. Der Schlüssel dazu lautet Kreativität und Ausdrucksvermögen, denn ohne diese beiden Begriffe würden wohl kaum solch wundervolle Worte zustande kommen, wie sie manchmal gebraucht werden. Wir vergessen die Sprache Stück für Stück und die schönen Worte, die wir doch eigentlich viel öfter benutzen könnten. Wir können nicht ohne Wasser und Luft leben, aber auch nicht ohne die Sprache. Sprache verbindet, erzeugt Gefühle und übermittelt diese an unser Gegenüber. Die Worte unserer Sprachen sind ein Ozean aus Buchstaben; ein Fluss aus Empfindungen und Lauten, stetig fließend durch unsere Gesellschaft. In Worten wohnen unsere Ängste, Sorgen und Wünsche. In Sätzen spiegeln wir uns selbst wieder und teilen dadurch unser Leben mit anderen.


Vanessa Hänschen („Der alte Garten“ von Marie Luise Kaschnitz):
In dem Projekt „Das vergessene Wort“, ging es darum, unsere schöne deutsche Sprache näher zu betrachten und kennenzulernen. Dabei stellte ich mir irgendwann unweigerlich die Frage, welche Bedeutung Sprache für die Menschen, aber auch für mich selbst hat. Ich habe lange darüber nachgedacht.
Für mich war Sprache immer nur eine Art, sich auszudrücken, zu kommunizieren und sich anderen Men-schen mitzuteilen. Doch ich habe gelernt, dass Sprache viel mehr bedeuten kann als nur das. Sprache ist an erster Stelle ein Mittel, um Dingen Namen zu geben und darüber zu reden. Die Kommunikation steht also vermutlich an erster Stelle. So habe ich gemerkt, was für ein wundervolles Gefühl es ist, Dinge, die man selber schön findet, zu benennen und anderen mitteilen zu können, warum man diesen Gegenstand oder dieses Bild, das man im Kopf hat, so besonders findet.

Aber Sprache ist mehr als nur das. Sie ist ein Gefühl. Jedoch muss man sich darüber erst bewusst werden. Man muss erst lernen, die Sprache zu verstehen und zu spüren. Dann allerdings macht sie unsagbar viel Freude.

 
Probleme und Lösungen:
Wie auch in den Erfahrungsberichten (s.o.)nachzulesen ist, taten sich die Schülerinnen und Schüler zuerst schwer damit, das ihnen zugeordnete Werk nicht nach den gelernten Mustern zu interpretieren und zu analysieren, sondern sich rein mit den Wörtern zu beschäftigen; sie zu schmecken und zu fühlen.
Da dieses Problem alle Schülerinnen und Schüler betraf, konnte diesem durch Gespräche über die Arbeit entgegengewirkt werden. Weiterhin hat, so die Aussage der Projektteilnehmer, auch die Zeit, die sie sich beim Lesen der Werke nehmen mussten, dazu beigetragen, immer tiefer in die "Wort-Welt" einzudringen und sie auf sich wirken zu lassen, statt immer wieder nur zu überlegen, wie man ihren analytischen Gehalt zu Papier bringt.
 
Anekdotisches:
Besonders schön war es, zu erleben, wie die Schülerinnen und Schüler Dialoge schrieben, die sie zum Teil in einer besonders schönen und wohlklingenden Sprache verfassen mussten.
Hier ein Auszug:
NH: Wie sieht deine Ferienplanung aus?
JT: Oh, meine Liebe, ich mache mich auf in das wunderschöne Frankreich, wo die sich im Wind wehenden Lavendelfelder im Antlitz der Sonn‘ die malerische Landschaft mit ihrer Schönheit bereichern.
NH: Cool. Und was steht da so an?
JT: Ich werde die hohen und prächtigen Berge erklimmen, die das heiße Spanien von dem lieblichen Frankreich trennen. Danach werde ich die Tiefen des geheimnisvollen, dunklen Ozeans erobern. Der glühend heiße weiße Sandstrand lädt mich dazu ein, mich niederzulassen.
NH: Das ist genial! Boah. Ich will auch…

Außerdem ist zu erwähnen, dass vor allem die stilleren Schüler bei der Vorstellung ihres Erfahrungsbericht vor einer größeren Anzahl Menschen in der Aula trotz großem Lampenfieber über sich hinauswuchsen und ihre Erarbeitungen mit glänzenden Augen vorstellten.