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Kunst Klassen 1 im Atelier
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Märchen Klassen 2
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Kunst Klassen 1 "Wald-gestalten"
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Tanzprojekt Klassen 3 "Hip Hop"-Gruppe
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Circus Circuli Klassen 4
Kultur macht Schule
Schule:
Grundschule Birkach
Moosheimer Str.11
70599 Stuttgart

Grundschule / Offener Ganztag
 
Kooperationspartner:
Stuttgarter Jugendhaus gGmbH
Fred Kalinowski
Schloßstr. 56
70176 Stuttgart
0711-229 68 98

www.jugendhaus.net

 
Beteiligte Schüler:
240
Alle 10 Klassen der Grundschule Birkach
 
Beteiligte Lehrkräfte:
Alle 20 Kolleginnen und Kollegen der Grundschule Birkach
 
Stundenvolumen:
Jede Klasse ca. 2 Wochen in jedem Schuljahr
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Ein Ziel der kulturellen Schulentwicklung der Grundschule Birkach ist die Öffnung der Schule nach außen. Die Schülerinnen und Schüler nehmen in jeder Klassenstufe an einem Kulturangebot teil, so dass die Kinder am Ende Ihrer Grundschulzeit an 4 Angeboten teilgenommen haben.
In diesen Angeboten werden sie von außerschulischen Experten betreut und erleben dadurch ein Lernsetting, das ergänzend zur normalen Schulsituation wahrgenommen wird. Dies hat eine besondere Bedeutung für die individuelle Entwicklung der Kinder.
Fähigkeiten und Talente, die im Schulalltag nicht oder zuwenig zum Tragen kommen, sind hier gefragt und werden gefördert. Allen Beteiligten eröffnet sich die Chance, sich gegenseitig in den kulturellen Aktivitäten neu wahrzunehmen und zu positionieren. Die Achtung vor den Leistungen anderer wird neu „definiert“.
Am Ende aller Angebote steht die öffentliche Präsentation. Eine solche Präsentation erfordert Mut und fördert das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl der Schülerinnen und Schüler. Es wird zu einem bleibenden Erlebnis, das nachwirkt und Impulse für die weitere persönliche Entwicklung der Kinder setzt.
Das gemeinsame Erarbeiten, Üben und Präsentieren stärkt nachhaltig das Einfühlungsvermögen und das Zusammengehörigkeitsgefühl im Klassenverband und über den Klassenverband hinaus und zeigt den Schülerinnen und Schülern, dass durch die neue Qualität der Zusammenarbeit mehr entstehen kann als durch die Aktivitäten einzelner.
Das Kulturprojekt „ Kultur macht Schule“ ist dauerhaft im Curriculum der offenen Ganztagesschule und in das Schulleben der Grundschule Birkach verankert.

Dies spiegelt sich in den gemeinsamen Zielen der Kooperationspartner:
1. Die Kinder erweitern ihre unmittelbaren kulturellen Kompetenzen: Kreativität, Fantasie, Gestaltung, Darstellung, Präsentation, vielfältige Techniken
2. Diese erworbenen Kompetenzen wirken über die Schule und die Schulzeit hinaus und werden Impulse für lebenslanges Interesse an der Kultur setzen.
3. Die Kinder entwickeln ihre körperlichen Fähigkeiten: Motorik, Kraft, Ausdauer, Geschicklichkeit und in Verbindung mit den Präsentationen, ihre Kenntnisse und Fertigkeiten in Organisation, Planung und Disziplin für die Alltagsbewältigung.
4. Bei allen Aktivitäten werden die Kooperation- und Kommunikationsfähigkeiten gezielt gefördert und gefordert.
5. Die Schule präsentiert sich in der Öffentlichkeit als Veranstalter und Träger besonderer kultureller, außerschulischer stadtteilbezogener Jugendbildungsangebote.
6. Die organisatorische Beteiligung der Eltern wird als konzeptionelles Element des Projekts angestrebt und Zug um Zug erweitert.
7. Die Stuttgarter Jugendhaus gGmbH präsentiert sich als kompetenter und verlässlicher Partner für kulturelle Kinder – und Jugendbildung in Kooperation mit der Schule.
Zu den Angeboten während der Unterrichtszeit werden die jeweiligen Inhalte und Kompetenzen im Regelunterricht vor- und nachbereitet und ggf. weiterentwickelt, sie werden hierdurch zu einem Teil des schulischen Curriculums. Dabei findet eine Verknüpfung von Potentialen der außerschulischen Experten und des Kollegiums der Schule statt, das die Nachhaltigkeit der angestrebten Kompetenzen erst möglich macht.
Schulisches Curriculum und außerschulische Angebote ergänzen sich und lassen Raum für innovative Prozesse.
Insbesondere Eltern und Kinder mit Migrationshintergrund werden noch stärker mit Ihren Erfahrungen und Fähigkeiten ins Schulleben eingebunden, um den Identifikationsprozess zu intensivieren.

Projektbeschreibung
1. Klassenstufe:
Bilder und Objekte: Künstlerisches - bildnerisches Gestalten
(in Zusammenarbeit mit den Künstlern der Kunstwerkstatt des Mupädi in deren Atelier)
• Herstellung von großen Objekten, die im öffentlichen Raum des Stadtteils ausgestellt werden
(2011 in Ladengeschäften, 2012 Skulpturenpfad im Stadtteil)
• Atelierbesuche
• Inhaltliche Vor- und Nachbereitung in verschiedenen Fächern durch die Lehrer
2. Klassenstufe:
Wortwelten: Hören , Erzählen, selber Schreiben (Märchenreise im Märchenzelt)
• Märchen hören, verstehen, nacherzählen, selber entwickeln und schreiben (Sprachförderung)
• Begleitende Kreativ-Angebote zur Gestaltung der Märchen
• Eintauchen in die Märchenkultur im Märchenzelt
• Thema „Märchen“ begleitend im Unterricht
• Abschlussfest / Präsentation für die Eltern
3. Klassenstufe:
Tanztheater: Musik, Bewegung, Tanz
• Entwicklung einer eigenen Choreographie aus dem Bewegungsrepertoire der Kinder
• eigene Bewegungsideen werden in die Gruppe eingebracht und zu einem gemeinsamen Bewegungsablauf zusammengeführt
• Die „ Erschaffung eigener Wirklichkeiten “ fördert die Entwicklung von Körper und Persönlichkeit und sozialen Kompetenzen
• am Ende der Workshops stehen zwei Tanztheateraufführungen der gesamten Klassenstufe an der Schule - eine für die Schülerinnen und eine für die Schülerinnen und Schüler.
4. Klassenstufe:
Circus Circuli – Mitmachzirkus
• 5 Tage Zirkustraining mit erfahrenen Zirkuspädagogen
• Training der elementaren Zirkustechniken: Trapez, Laufkugel, Trampolin, Seillaufen, Jonglieren mit Tüchern und Diabolo, Zaubern, Clownerie, Seilspringen, Fakir, Feuer, Rola-Rola, Einradfahren)
• Gemeinsame Entscheidung, welche Kunststücke erarbeitet werden und wie sie zu einer Aufführung zusammengeführt werden.
• Förderung von Zusammenarbeit, Einfühlungsvermögen, Disziplin und Konzentration
• am Ende stehen nach der Generalprobe zwei Abschlussvorstellungen für Eltern, Freunde und Mitschüler und Publikum aus Birkach.
• Während der Zeit Kooperation mit dem Birkacher Jugendhaus, das mit den Zirkuskindern Requisiten für die Aufführung herstellt und Raum bietet für Spiele und individuelles Training während der Pausen.
• bleibendes Erlebnis, das Impulse für die persönliche Entwicklung setzt.

Darstellung der Nachhaltigkeitstrategie
Im Hinblick auf die Schüler
Die Kulturangebote sind auf Dauer so angelegt, dass die Schulkinder im Laufe Ihrer Grundschulzeit alle Stufen durchlaufen.
Die Angebote für die einzelnen Klassenstufen sind im Ganzen als Bausteine zu betrachten. Die technischen und thematischen Inhalte der jeweiligen Abschnitte beziehen sich aufeinander und entfalten sich entsprechend der altersspezifischen Entwicklung in ihrer Komplexität. Allen Schülerinnen und Schülern eröffnet sich dadurch die Möglichkeit, in einem breiten Spektrum ihre darstellerischen, künstlerischen, musischen, motorischen und kommunikativen Fähigkeiten spielerisch zu entwickeln und zu verbessern.
Die kreativen Gestaltungsvorhaben (Malen, Objekte bauen, Märchen hören, erzählen, illustrieren, Tanzen, Theater spielen, CIRCUS - Vorstellungen gestalten) fördern innovative Formen des aktiven und gestaltenden Mitwirkens der Schüler und fördern damit auch die Schulmotivation.
Alle Angebote greifen die Interessen der Schülerinnen und Schüler auf und schlagen Brücken zu ihrer Lebenswelt. Bildnerisches Gestalten, Erzählen, Musik Tanz, Theater und Bewegung und vor allem CIRCUS befördern die Kultur der Anerkennung und des respektvollen und nicht diskriminierenden Zusammenlebens.

Im Hinblick auf die Unterrichtsentwicklung
Das Erlebnis kultureller Impulse in den Gebieten bildnerisches Gestalten, Musik, Tanz und Bewegung, Darstellung und CIRCUS in kontinuierlicher, wiederkehrender Form kann den gewünschten Beitrag zur Unterrichtsentwicklung gut leisten. Im Gegenzug können ergänzende Unterrichtsangebote Form und Inhalt der kulturellen Angebote positiv beeinflussen.
Alle vier Kulturangebote ergänzen die schulischen Angebote und werden so Teil des schulischen Curriculums. Bei der Gestaltung des Unterrichts und des Nachmittagsangebots können in der Folge sowohl die Angebotsformen als auch die Inhalte aufgegriffen und modifizierend genutzt werden. Alle Angebote berücksichtigen die Interessen und das Umfeld der Kinder. Sie verbinden integratives und interkulturelles Lernen mit individueller Förderung in besonderer Weise.

Im Hinblick auf den Stadtteil
Das Kulturprojekt als Ganzes gewährleistet für jede Klassenstufe spezifische kulturelle Aktivitäten, die auf eine öffentliche Präsentation ausgerichtet sind. Die Präsentationen der jeweiligen Ergebnisse sollen in innerschulischen Veranstaltungen, aber vor allem im Rahmen stadteilbezogener Schulveranstaltungen stattfinden. Dies führt die Kinder über die kulturellen Aktivitäten an praxisorientiertes Lernen und Handeln im Stadtteil heran.
Die Schule und ihre Schülerinnen und Schüler entwickeln so die vorhandenen Stadteilbezüge weiter.
Mit allen vier geplanten Aktivitätsbereichen wird der Bildungsplan kreativ umgesetzt. Die Ergebnisse können zur Gestaltung und Bereicherung der Schule, des Wohnumfeldes, des Stadtteils verwendet werden.

Im Hinblick auf die Elternbeteiligung
Das elterliche Engagement ist Bestandteil aller Teilprojekte, auch aus finanziellen und personellen Gründen. Damit können alle Aspekte der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule weiterführend positiv beeinflusst werden. Die Möglichkeiten für Eltern sich anhand kultureller Fragen selbst weiterzubilden, werden gefördert.

Im Hinblick auf die Lehrkräfte und die Schulentwicklung
Durch gemeinsame Begegnungen mit externen Experten und Fortbildungen durch dieselben, wird die Teamentwicklung der Lehrerschaft und damit auch eine gemeinsame Weiterentwicklung der Beteiligten und ihrer Einrichtungen gefördert.
Allen am Schulleben Beteiligten bietet sich so die Möglichkeit, im breiten Spektrum von Musik, Kunst, Literatur, Tanz und Theater fächerübergreifende Ideen zu entwickeln und praktisch umzusetzen.
Um die Nachhaltigkeit des Entwicklungsprozesses transparent und erfolgreich zu gestalten, findet eine individuelle Prozessbegleitung statt.
Mit dieser kontinuierlichen inhaltlichen und strukturellen Weiterentwicklung des Kulturprojekts ist eine Voraussetzung einer lernenden Organisation gegeben.

 
Projektauslöser/Idee:
Grundidee war es, alle Kinder der Grundschule Birkach nachhaltig an der Kultur teilhaben zu lassen und sie mit Künstlern und außerschulische Experten in Berührung kommen zu lassen. Alle Kinder der Schule sollten die Gelegenheit haben, in ihrer Grundschulzeit mit Kultur aus vielen Bereichen konfrontiert zu werden, um einen lebenslangen Prozess in Gang zu setzten. (Vergleichbar mit dem Ansatz des Sportunterrichts; Kinder für lebenslanges Sporttreiben zu motivieren.) „Kultur darf kein Luxus sein, Kultur muss man praktizieren.“
Viele Anträge bei unterschiedlichen Ausschreibungen kultureller Projekte für Schulen (z.B. Junge Oper Stuttgart) wurden gestellt, für die wir allesamt Absagen bekamen.
Der Grund dieser Absagen war meist identisch: Die Kulturprojekte sind für Brennpunktschulen wichtiger als für die Kinder Birkachs.
So machte sich das Kollegium selbst auf den Weg Partner zu suchen und wir fanden die Stuttgarter Jugendhausgesellschaft. Ein gemeinsames Konzept wurde erstellt und so konnten wir die Kontakte und das Wissen für unsere gemeinsamen Projekte nutzen.
 
Projektentwicklung:
Die positiven Erfahrungen ihres Kindes mit dem Ferienprogramm des CIRCUS CIRCULI waren ausschlaggebend für eine Lehrerin der Grundschule Birkach, eine weitergehende Kooperationsanfrage an den Tourneeleiter des CIRCUS CIRCULI Fred Kalinowski zu formulieren. Das daran geknüpfte Sondierungsgespräch zwischen ihm, dem Schulleiter, der zuständigen Lehrerin und einem ehrenamtlich tätigen Elternteil eröffnete den Ausblick auf vielfältige gemeinsame kulturelle Aktivitäten. Die Ergebnisse des gemeinsamen Brainstormings wurden vom Projektleiter der stjg in ein kulturelles Programmangebot für alle vier Klassenstufen übersetzt. Der Entwurf wurde sowohl vom Träger Stuttgarter Jugendhaus gGmbH (stjg) als auch von der Schule (Gesamtlehrerkonferenz) generell als Grundlage der weiteren Planungen akzeptiert. Auf Anregung aus der stjg wurde diese Grundlage in einen Förderantrag an die Abteilung Bildungspartnerschaften der Landshauptstadt Stuttgart eingearbeitet. Die daraus resultierende zunächst dreijährige Förderung zur Qualitätsentwicklung der Schule ermöglichte die erstmalige der Umsetzung des Programms im Schuljahr 2010/2011.
 
Besonderheiten:
Das besondere an Kultur macht Schule ist die Kontinuität des Projekts, die fachliche Auseinandersetzung der beteiligten Personen, sowie die Integration von Kunst und Kultur ins des Schulcurriculum
• Das Projekt ist langfristig geplant und hat zum Ziel fester Bestandteil des Unterrichts zu sein und zu bleiben
• Es wird von zwei Institutionen getragen; d.h. es kommen zwar verschiedene Künstler und künstlerische Richtungen zum Zuge - von modernem Tanz, über Graffiti bis zu uralter traditioneller Erzählkunst - aber die Planung und inhaltliche Auseinandersetzung laufen über die Stuttgarter Jugendhausgesellschaft und eine Lenkungsgruppe bestehend aus Lehrern, Kulturvermittler, Rektor und Prozessbegleitung. Dadurch ist langfristiges Planen möglich und die Schule hat die Sicherheit, dass es künstlerisches Arbeiten in jeder Klassenstufe gibt. Die Lehrer können ihren Unterricht darauf ausrichten. Das Projekt ist nicht ein einmaliger Event, sondern gehört fest zum Schulprofil.
• Die Angebote von Klasse 1-4 finden im Unterricht statt und bauen aufeinander auf, sind abgestimmt miteinander. Außerdem kehren sie immer wieder, d.h. Kinder in der ersten Klasse, die Bildnerisches Gestalten haben, wissen, dass sie im nächsten Jahr eine Märchenreise machen werden, etc..
• Eine persönliche Bindung der Kinder an die Künstler findet statt, da immer die gleichen externen Experten an die Schule kommen und die Projekte durchführen.
• Lehrer und Künstler planen inhaltlich und organisatorisch gemeinsam das Angebot von Kultur macht Schule. Die künstlerische Arbeit ist Bestandteil des Schul-Curriculum. Die Klassen arbeiten im Unterricht vor und nach den Projekten weiter an den Themen des Projekts.
• Die Beteiligten reflektieren gemeinsam über ihre Arbeit und entwickeln sie gemeinsam weiter.
• Die Lehrer werden von den Künstlern weitergebildet.
• Die Arbeit der Schule zeigt sich im öffentlichen Raum – in Einrichtungen, Läden, auf Plätzen und in öffentlichen Gebäuden. Die Schule kooperiert mit dem Stadtteil, bindet die Eltern und das neben der Schule gelegene Jugendhaus ein.
• Jede Klassenstufe zeigt eine Aufführung oder Präsentation ihrer Arbeit. So hat die Schule eine gemeinsame regelmäßige Festkultur.
 
Probleme und Lösungen:
Eine grosse Herausforderung für ein solches Projekt war es, die verschiedenen Denk- und Arbeitsweisen von Lehrern und Künstlern zu verdeutlichen und darüber eine Verständigung der Beteiligten herbeizuführen. Schule ist daran orientiert, die Bildung der Kinder sichtbar und überprüfbar zu machen. Lehrer müssen Inhalte und Fähigkeiten in klar definierten Zeiträumen vermitteln. Künstler, die Kinder an kreatives, künstlerisches Arbeiten heranführen, bringen selbst Fähigkeiten mit, die nicht so einfach veräußerbar und schnell darstellbar sind. Ebenso muss sich künstlerisches Arbeiten zu Beginn der Bewertung entziehen, damit Kreativität überhaupt freigesetzt wird und die Kinder sich entwickeln können. Das Lehrerkollegium musste den außerschulischen Experten ihre Klassen anvertrauen und den Künstlern im ersten Jahr einen Vertrauensvorschuss geben, in der Hoffnung, dass deren Arbeit gut ist und die Kinder gestärkt und bereichert daraus hervor gehen. Manche Künstler mussten andererseits ihr Bild revidieren, dass Schule eigentlich alle Zeit der Welt hat, um künstlerische Projekte durchzuführen. Auch welche Flexibilität einer Schule abverlangt wird, um Künstlerische Projekte in dieser Größe im Schulalltag zu bewältigen, war manchen nicht von vornherein ersichtlich. Das gegenseitige Verstehen der Arbeitsbedingungen konnte durch intensive Vor- und Nachbereitungen der Projekte bewerkstelligt werden. Von Vorteil war, dass die Künstler begleitet wurden vom Leitungsteam bestehend aus Rektor, Projektkoordinator der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft und einer externen Prozessbegleiterin.

Zitat aus einem Interview, April 2011, Fred Kalinowski Tourneeleiter beim Circus Circuli, Stuttgarter Jugendhausgesellschaft, Projektkoordinator Kultur macht Schule: Es ist wichtig, dass man da als Künstler nicht übers Ziel raus schießt und versucht in der Schule der „Bestimmer“ zu werden, wie die Kinder gerne sagen, aber auch, dass man sich nicht von der Schule völlig bestimmen lässt, in dem wie man etwas anbietet, wie man’s umsetzt, wie man’s tut. Das ist, glaube ich, ein ziemlicher Grenzgang für alle Beteiligten.

Im zweiten Jahr gab es Befürchtungen von manchen Eltern, dass die Kinder in Klasse 3 und 4 zu wenig Deutsch- und Matheunterricht hätten, um gute Noten in den Klassenarbeiten zu erreichen. Hier hat das Lehrerkollegium reagiert und die Termine von Kultur macht Schule neu gesetzt, damit die Kinder keine zu langen Pausen im Pflicht-Curriculum haben. Außerdem werden Eltern ausdrücklich eingebunden in die Projekte, damit sie die Chance haben, zu erleben, dass Kultur macht Schule nicht nur der Freude und persönlichen Entfaltung der Kinder dient, sondern auch wichtiges, schulisch relevantes Können entwickelt und fördert. Einige Eltern nehmen sich Urlaub, um ihre Kinder bspw. ins Atelier des MUPäDi (Musemspädagogischen Dienst der Stadt Stuttgart) zu begleiten.

Die grosse Aufgabe ist es, die Weiterfinanzierung nach der dreijährigen Förderung zu bewerkstelligen und zu sichern. Schon im ersten Jahr hat die Schule für das Projekt Sponsoren geworben und Eintrittsgelder für die öffentlichen Aufführungen eingesammelt. Dies war Praxis über die bisherigen drei Jahre und wird eine Teilsumme abdecken. Die Elternschaft ist so überzeugt von der Arbeit, dass sie schon signalisiert hat, über Elternbeiträge das Projekt auch in Zukunft zu unterstützen.

 
Anekdotisches:
Zitate aus Interviews mit Lehrerinnen, Schülern, Eltern
geführt für die Dokumentation von Sabine Altenburger (Prozessbegleitung) im Juli 2011 und Sommer 2012

Bärbel Dupper, Klassenlehrerin 4. Klasse

Gibt es ein paar Ereignisse, die Sie überrascht haben?
Bärbel Dupper Klassenlehrerin 4. Klasse: Mich hat überrascht, dass die Kinder sehr diszipliniert waren, mit großer Begeisterung dabei waren und fair miteinander umgehen. Das Ereignis mit Marco zeigt das besonders: Einer meiner Schüler, Marco, wollte unbedingt Dompteur sein - das wollte aber ein anderer ebenfalls. Dann gab es ein Losverfahren und Marco war sehr sehr bedrückt und wartete angespannt auf das Ergebnis - und er hat die Auslosung nicht gewonnen, es war Sarhad auf den das Los fiel, Dompteur zu sein. Und was für mich dann ganz ganz toll war: Sarhad hat ihm dann die Aufgabe des Dompteurs übertragen.

Was nehmen Sie aus dieser Woche mit?
Inga Saalmüller Klassenlehrerin 4. Klasse: Auf jeden Fall mal die Kinder ganz anders erlebt zu haben. Ich habe viel Zeit, sie zu beobachten. Das ist auch sehr entspannend für uns Lehrer, die Kinder mal zu sehen, wie sie mit solchen Aufgaben umgehen, wie sie in der Gruppe agieren. Das können wir im Unterricht auf diese Weise nie. Das ist total aufschlussreich.

Was ist für Sie der Schwerpunkt beim Zirkus?
Saalmüller: … wenn man sich die Kinder anschaut, dann strengen sie sich an wie die Wilden, das machen sie sonst nie! So in dem Maß, den ganzen Vormittag lang. Und sie schaffen das auch.

Gabriele Homolka, Klassenlehrerin 2. Klasse zur Märchenreise ihrer Klasse:
Für die Kinder kam nach der Märchenreise im Märchenzelt heraus, dass man aus nichts eine Geschichte machen kann und man kann mit Sprache spielen. Die Kinder hatten danach wirklich Mut, wenn wir die Erzählkisten geöffnet haben und an Geburtstagen gemeinsam Geschichten erzählt haben, ihre eigenen Sätze einzufügen - es hatte wirklich niemand Hemmungen.

Verena Schreiber, Klassenlehrerin 2. Klasse, nach der Märchenreise: … Kinder haben nach der Märchenreise ganze Sätze gesprochen, die das vorher nicht konnten!

Alina Bach Klasse 4b
Trapezkünstlerinnen an der Leiter
Was bringt Euch der Zirkus?
Alina Bach: Ich bin sportlicher geworden. Hab ich gemerkt, ich bin gestern nach dem Zirkus so zwei Runden gejoggt und das hab ich noch nie geschafft! Und ich war noch nie so hungrig nach der Schule. Ich hatte richtig Hunger.

Marco Antonio Nigro Klasse 4 a
Domteuer im Circus Circuli
Was hast Du Neues erlebt im Zirkus?
Marco Nigro: Ich hab nie gedacht, dass hinter dem Vorhang so so viel passiert. Ich hatte immer gedacht, das wäre nur ne kleine Vorführung und dann ist es wieder vorbei. Aber jeder muss sich bereit machen, muss immer hin- und her rennen, alles hin- und abbauen, jonglieren, sich auf die Show vorbereiten. Das ist hinten richtig stressig und man darf nichts falsch machen!

Marie Jeanne Sulz , Mutter einer Tochter der Klasse 4 b
Mein Kind hat sich hier sehr wohl gefühlt.
Ich kann nur sagen, dass es allen Kindern, ganz gleich ob sie in den Noten gut sind oder schlecht, sehr, sehr viel bringt. Wir haben auch ein Beispiel bei uns in der Klasse. Darüber haben wir Eltern uns heute erst unterhalten nach der Tanztheateraufführung: Da sind Kinder - ja, da weiß man, in der Schule ist es nicht ganz so und von zuhause aus auch nicht… und die haben sich so entfaltet - unglaublich! Heute haben wir gesehen, wie sich ein Kind, genau wie seine Schwester im letzten Jahr, entwickelt hat. Beide sind beim Zirkus- und Tanz- Projekt aufgegangen, weil sie etwas können, was andere weniger können. Und das ist für sie die Möglichkeit zu zeigen, was für Talente sie haben. Das ist alles nicht ohne Lerneffekt. Ich bin definitiv der Meinung, dass eine Ausbildung nicht nur intellektuell sein darf. Es gehört mehr dazu - es ist wichtig, wie ein Kind sich wahrnimmt und wie es sich selbst darstellt.