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Von den Kindern gestaltetes BühnenBild
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Fässer mit Orchester
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Ballerinas an den Xylophonen
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Beim Fertigen der Kostüme
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Probe mit Orchester
Coburg-Petruschka
Schule:
Emil-Fischer-Volksschule Dörfles-Esbach
(Grundschule)

Martin-Luther-Str. 2
96487 Dörfles-Esbach

Telefon 09561 - 55040
Telefax 09561 - 550420

http://www.schule-oberfranken.de/?page=12&vssch

Grundschule / Gebundener Halbtag

 
Kooperationspartner:
Emil-Fischer-Volksschule Dörfles-Esbach
(Grundschule)
Martin-Luther-Str. 2
96487 Dörfles-Esbach
Telefon 09561 - 55040
Telefax 09561 - 550420

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Landestheater Coburg
Schloßplatz 6
96450 Coburg
Telefon +49 (0)9561 / 898900
Telefax +49 (0)9561 / 898929
E-Mail info@landestheater-coburg.de
http://www.landestheater-coburg.de

 
Beteiligte Schüler:
47
Klasse 3a und 3c
 
Beteiligte Lehrkräfte:
2 Klassenlehrerinnen, 1 Kunstpädagogin, Berlin, 1 Musikpädagoge, Berlin, 1 Sängerin, Coburg, 1 Musiklehrerstudent, Würzburg
 
Stundenvolumen:
täglich 4-6 Schulstunden über 10 Schultage
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
47 Kinder zweier dritter Klassen der Emil-Fischer-Grundschule in Dörfles Essbach haben sich über zwei konzentrierte Projektwochen hinweg lebendig und sehr intensiv mit Strawinskys Ballet "Petruschka" auseinandergesetzt und eine eigene Version des Stücks entwickelt.
Während ihrer zweiwöchigen Probenarbeit haben die Kinder unterschiedliche Passagen des Stücks näher kennen gelernt. Sie konnten miterleben, wie Strawinsky mit dem Handwerkszeug des Komponisten das rege Treiben des Jahrmarktsfestes pulsieren lässt und wie er mit seiner Musik drei Marionetten - eine Ballerina, einen Mohren und Petruschka - zum Leben erweckt. Auf der Grundlage markanter rhythmisch-melodischer Motive und Kompositionsprinzipien haben wir versucht eine den Kindern altersgemäße Interpretation des Stückes zu entwickeln. Gleichzeitig ließen wir uns von der Geschichte, die Strawinskys Ballet erzählt, zu einfachen choreographisch-szenischen Improvisationen inspirieren.
Zentrale Motive waren beispielsweise das bunte Treiben auf dem Jahrmarktsfest und die drei Marionetten, die ein Zauberer mit seiner geheimnisvollen Flötenmelodie zum Leben erweckt. Parallel zu den sehr intensiven musikalischen Proben stellten die Kinder auch ihre Kostüme selbst her und gestalteten ein großformatiges Prospekt für den Bühnenhintergrund.

Wichtig war uns, dass im Laufe der zwei Projektwochen wirklich alle Kinder musikalisch-gestalterische Verantwortung übernehmen durften, unabhängig davon, mit welchen Voraussetzungen sie in das Projekt eingestiegen sind. Tatsächlich sind die Kinder während der zwei Wochen zu einem sehr engagierten musikalischen Ensemble zusammengewachsen. Jeder Einzelne konnte erleben, wie die eigenen Ausdrucksmöglichkeiten in den Aktionen der Gruppe aufgehen und zu einem komplexen Zusammenspiel werden können. Besonders eindrücklich für die Kinder war dabei, dass sie ihr Stück gemeinsam mit den Musikern des Landestheaters Coburg unter Leitung seines GMD Roland Kluttig geprobt haben. Das intensive und ernsthafte Zusammenspiel mit professionellen Musikern und die Möglichkeit das Ergebnis öffentlich vor großem Publikum auf der Bühne des Landestheaters Coburg präsentieren zu dürfen, hat die gesamte Probenarbeit und natürlich die Aufführung am 13. Oktober 2012 nicht nur für die Kinder zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lassen.

Indem die Kinder selbst versucht haben das Jahrmarktsgeschehen oder das Schicksal der drei Puppen musikalisch choreographisch umzusetzen, hat sich zugleich ihr musikalisches Vorstellungsvermögen spürbar entfaltet. Dies zeigte sich beispielsweise, als sie das Stück während des Familienkonzertes im Anschluss an ihre eigene Aufführung zum ersten Mal vollständig im Original gehört haben. Sie waren verständige, äußerst aufmerksame und begeisterte Zuhörer.
Die Konzentration und Ernsthaftigkeit mit der die Kinder während der Aufführung auf der Bühne agierten, aber auch ihre Lebhaftigkeit mit der sie dem Orchester bei dessen Aufführung lauschten, haben gezeigt, wie identifiziert die Kinder mit ihrer Arbeit und dem Stück waren.

Unserer Arbeit und den Verlauf des Probenprozesses haben wir in einem Internet-Blog dokumentiert. (http://coburg-petruschka.tumblr.com).
Anregungen für unsere Arbeit erhielten wir über die Webseite des Klavier-Festivals Ruhr (www.petruschka-klavierfestival.de).

 
Projektauslöser/Idee:
Wir, Sören Schrader, Roland Kluttig und Carmen Schmidt haben vor dem Petruschka-Projekt bereits zwei ähnliche musikpädagogische Projekte miteinander bestritten.
Jedes dieser Projekte hat gezeigt, mit wie viel Freude und Ausgelassenheit Kinder musizieren und improvisieren, mit welchem Engagement sie bereit sind sich auf schwierige Herausforderungen einzulassen und wie stolz sie auf ihre Ergebnisse waren. Das Musizieren in der Gruppe und das kontinuierliche, intensive Zusammenspiel über einen längeren Zeitraum hinweg stärkte ihr Zusammengehörigkeits-gefühl. Die Wertschätzung durch die professionellen Musiker und die Möglichkeit auf einer öffentlichen Bühne vor großem Publikum aufzutreten, haben das Selbstbewusstsein der Kinder gestärk.
Uns liegt viel daran unsere Arbeit kontinuierlich fortzusetzen und die Kooperation von Schulen mit kulturellen Institutionen der Stadt zu unterstützen.
Wir hoffen mit unserer Arbeit den Kindern Freude beim Musizieren und Gestalten zu ermöglichen, ihre Fantasie zu beflügeln und ihre musikalisch-künstlerische Neugier zu entfachen. Den Lehrern, die uns mit ihren Klassen begleiten, haooen wir neue Impulse für ein lebendiges Lernen und interessante außerschulische Lernorte geben zu können. Gleichzeitig sind wir selbst dankbar für die wertvollen Anregungen, die wir während unserer Arbeit mit den Kindern und Lehrern erhalten.

Im Oktober 2011 hatte es schon einmal eine Kooperation zwischen dem Landestheater Coburg und einer Coburger Grundschule gegeben. Im Rahmen der Reihe "COmpose" erarbeiteten wir mit 53 Schülern der Grundschule Ketschendorf eine Version zu Leos Janaceks "Sinfonietta". Der Elan der Kinder während der Probenzeit und die Resonanz des Publikums nach der Aufführung haben den GMD des Orchesters und uns bewogen ein ähnliches Projekt zu wiederholen. Wir wollen versuchen kontinuierlich - vielleicht einmal jährlich - ein solches Projekt auf die Beine zu stellen.


 
Projektentwicklung:
Zunächst gab es Arbeitstreffen mit dem Chefdirigenten des Landestheaters Roland Kluttig, um zu diskutieren welches Stück des Spielplans sich für eine Bearbeitung mit Kindern besonders eignet und wie sich das Projekt zeitlich eintakten ließe. Wir entschieden uns für Petruschka.

Nun musste eine Schule gefunden werden, die einerseits inhaltlich an einem solch umfangreichen, aufwendigen Projekt interessiert war, die andererseits aber auch in der Lage war, ihren Schulalltag auf die besonderen Umstände des Projektes ein- bzw. umzustellen. Die gewohnten zeitlichen Abläufe und Unterrichtsstrukturen sollten flexibel mit den sich entwickelnden Probenprozessen koordinierbar sein. Mehrere Klassenräume sollten permanent als Probenräume bzw. Kunstwerkstätten zur Verfügung stehen.
Die Klassenlehrerin der Klasse 3a der Emil-Fischer-Grundschule in Dörfles-Esbach, Gisela Schraudner, hatte sich bereits unabhängig von uns bei der Theaterpädagogin des Theaters für das Projekt beworben.
Treffen mit ihr waren der nächste Schritt: Räumlichkeiten, zeitliche und inhaltliche Abläufe in der Schule wurden besprochen, vorhandenes Instrumentarium gesichtet. Gisela Schraudner stellte ihrerseits das Projekt ihrem Team und dem Schulleiter vor und fand schnell eine engagierte Mitstreiterin, die Klassenlehrerin der Klasse 3c, Katharina Josten. Die Lehrerinnen informierten während eines Elternabends die Eltern der mitwirkenden Kinder und organisierten den Kartenvorverkauf für den Aufführungstag.

Gleichzeitig gab es in immer kürzer werdenden Abständen immer intensiver werdende Arbeitstreffen zwischen den Leitern des Projektes und dem GMD. Roland Kluttig und Sören Schrader diskutierten, welche melodischen und rhythmischen Elemente sich gut für die Arbeit mit den Kindern aufgreifen und bearbeiten ließen. Verschiedene Herangehensweisen und Möglichkeiten der Bearbeitung wurden diskutiert. Anhand der Partitur wurden genau die Einsätze des Orchesters besprochen und vereinbart. Da sich die Kinder schwierige rhythmische Strukturen zum Teil durch Sprechrhythmen erarbeiten sollten und wir beispielsweise zum Osterlied aus Smolensk oder zum Kutschertanz mit den Kindern singen wollten, musste immer wieder fleißig getextet werden.
Die Projektzeiten der Kinder und die Probenpläne des Orchesters wurden abgestimmt.
Während eines Treffens mit dem Technischen Leiters des Theaters bekamen wir die Gelegenheit die Werkstätten und den Fundus zu sichten. Technische Details des Bühnenaufbaus und der Sicherheit auf der Bühne wurden besprochen.
Ideen zur Choreographie und zum Bühnenbild begannen sich herauszukristallisieren. Materialien wurden gekauft, Kostümdetails vorentworfen.
Schließlich wurde ein Kleintransporter gemietet, mit dem das Instrumentarium und die Materialien von Berlin nach Coburg transportiert wurden.
Gemeinsam mit der Lehrerin Gisela Schraudner richteten wir am Abend vor dem Start in der Schule den Musikraum und die Kunstwerkstatt her.

 
Besonderheiten:
Das Besondere an diesem Projekt ist, dass alle Kinder über das gemeinsame Musizieren, Tanzen und Gestalten der Kostüme/ des Bühnenbildes gleichermaßen Verantwortung für das Gelingen hatten. Außerdem ist durch das gemeinsame Proben und Auftreten mit den Profimusikern auf der Landestheaterbühne eine ganz besondere (gegenseitige) Wertschätzung der geleisteten Arbeit und eine tiefe Durchdringung der Musik Stravinskys und der Anforderungen an die Aufführung eines Bühnenwerkes ermöglicht worden. Und viel viel Spaß an der Arbeit :-)
 
Probleme und Lösungen:
Die größte Schwierigkeit bestand wohl darin, ein so ehrgeiziges, vielschichtiges Projekt in 14 Tagen Probenzeit bewältigen zu wollen. Dies ging nur durch das gemeinsame Engagement aller - sowohl die beiden Lehrerinnen der Schule, als auch die verschiedenen Mitarbeiter des Theaters waren wirklich sehr kooperativ.

Es war außerdem recht schwierig, die Probenpläne des Orchesters mit den Probenzeiten der Kinder zu koordinieren und genügend gemeinsame Probenzeiten zu organisieren. Hier hat sich der GMD, Roland Kluttig sehr für uns stark gemacht.

Auch finanziell war dies ein sehr herausforderndes Projekt, da weder der Schule noch dem Theater ein angemessenes Budget für die Umsetzung eines solchen Projektes zur Verfügung stand. Es ist dem Engagement des Intendanten des Theaters, Bodo Busse und des GMD zu verdanken, dass letztlich über großzügiges Sponsoring doch die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung standen.

Darüber hinaus wurden wir auch ehrenamtlich unterstützt - von Gabriele König. Sie unterstütze unsere Arbeit in der Schule, war aber auch oder ganz besonders im Theater während der Proben dort eine sehr wertvolle Hilfe. Sie kannte sich hervorragend im Haus aus und war als ehemalige Chorsängerin des Opernchores sehr gut vernetzt.

 
Anekdotisches:
Am ersten Tag kam Matteo (8) zu uns und sagte traurig, dass er ja sowieso nicht lange dabei sein werde - überall wo er mitmacht, dürfe er nach kurzer Zeit nicht mehr mitmachen - wir erwiderten ihm, dass wir jeden brauchen und natürlich war er die ganze Zeit dabei, hat verschiedene Instrumente gespielt, getanzt, gesungen, gemalt, sein Kostüm gebastelt ... Und am Ende hat er gesagt: "Das hat mir richtig viel Spaß gemacht ... ich war ein Soldat mit Paletten auf den Schultern ... und wo wir auf der Bühne standen, da konnten wir unseren Eltern zeigen, was in uns steckt!"
Andere Kinder-O-Töne:
Emily: Das Besondere ist, dass man sich das ganze erstmal merken muss.
Gina: Ich fand besonders schön, dass wir soviel selber machen durften - auch das Plakat anmalen was über uns hang. Und das wir mit einer anderen Klasse zusammen machen durften.
Julia: Mir hat gefallen, dass wir das mit den Instrumenten machen durften und auch das die Erwachsenen nicht die Instrumente gespielt haben sondern wir selber.
Yanek. Die Generalprobe wo ich regieren durfte - ehm ... dirigieren.
Emily zur Orchester-Aufführung: "Ich fand's richtig schön und das hat man von oben richtig gut gesehen und ich fand die Orchesterspieler haben das richtig toll gespielt." (Die Kinder saßen nach ihrer Aufführung alle im 3.Rang und haben zugehört - und manchmal auch - erstaunlich leise - mitgesungen und Rhythmen mitgestampft / gepatscht ...)