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Entwurfsplan Sinnesgarten mit Kunstobjekten
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Eine fünfte Klasse beim Verteilen des Rindenmulches
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Stein für Stein entwerfen
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Großer Spaß beim Ausprobieren des Tast- bzw. Barfußpfades
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Auch die Pflanzen werden kreativ bezeichnet
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Übersicht über den derzeitigen Bauzustand
SchülerInnenbaustelle: Sinnesgarten mit Kunstobjekten
Schule:
Reinhardswald Grundschule,
Gneisenaustr.73/74, 10961 Berlin
Fon:030/90298-5911, Fax:030/90298-5915


Grundschule, teilgebundene Ganztagsschule
 
Kooperationspartner:
Annegret Seifert, Berlin
Friedrichstadt e.V.
Katharina Sütterlin, Berlin
 
Beteiligte Schüler:
ca.650SchülerInnen, Gesamtschülerzahl 750
Wenn das Projekt beendet ist, werden fast alle SchülerInnen der Klassen 1-6 mitgearbeitet haben. Die Schule läuft vierzügig.
 
Beteiligte Lehrkräfte:
ca. 16 LehrerInnen und 2 künstlerische MitarbeiterinnenDie Hauptbetreuung und Anleitung leisten die Künstlerin Annegret Seifert und die Architektin Katharina Sütterlin gemeinsam mit je einer wechselnden Lehrkraft. Die SchülerInnen bauen als Teil des Unterrichts ihren Schulhof (Projektarbeit). Dort lernen sie Dinge, die auch Teil anderer Fächer sind (Bildende Kunst, Sachkunde, Mathematik, Erdkunde, Biologie). Im klassischen Schulunterricht gehen die LehrerInnen wiederum auf das Projekt ein und schreiben z.B. in Deutsch Texte zu dem, was die Kinder auf der Baustelle gelernt haben. Die jeweilige LehrerIn der Baukinder teilt den Unterrichtsstoff so auf, dass die Baukinder keine Nachteile bzw. Versäumnisse haben, z.B. werden die Klassen halbiert, so dass der Unterrichtsstoff doppelt unterrichtet wird.Arbeitet die ganze Klasse auf der Baustelle, dann arbeitet auch die jeweilig unterrichtende LehrerIn mit.
 
Stundenvolumen:
von August 2004 bis zum Mai 2005:
ca.17 Unterrichtsstunden wöchentlich mit den SchülerInnen.
Außerdem wurde Zeit für Vorbereitung und Nachbearbeitung, sowie für Planungleistungen, Bauüberwachung und -Organisation aufgewendet.
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Schulhöfe sind, vor allem in der Großstadt, neben Kinderspielplätzen oft die letzten Reservate, in denen Kinder ungestört spielen können. Der Spieltrieb der Kinder wird im Schulhof ausgelebt. Hier wird die Spielkultur gepflegt und sinnlich entfaltet.
Die SchülerInnenbaustelle auf dem Schulhof der Reinhardswald-Grundschule ist Teil einer größeren naturnahen Schulhofumgestaltung. Es entsteht ein Sinnesgarten mit Kunstobjekten. Die Künstlerin und Gärtnerin Annegret Seifert und die Architektin und Tischlerin Katharina Sütterlin haben diesen 900 qm großen Bereich nach den Schülervorstellungen als Sinnesgarten mit Kunstobjekten entworfen. Sie organisieren und begleiten den Bau des Projektes. Der Sinnesgarten mit Kunstobjekten ist nach den Erkenntnissen des Künstlers Hugo Kükelhaus und der Bewegungstherapeutin Elfriede Hengstenberg gestaltet.
Die SchülerInnen bauen diesen Teil ihres Schulhofes größtenteils selbst und lernen dabei spielerisch praktische Fertigkeiten. Sie setzen sich kreativ mit der Gestaltung einzelner Objekte auseinander und machen sinnliche Erfahrungen z.B. Umgang mit Pflanzen, Erde, Baumstämmen, Steinen usw.
Durch die Integration in das Baugeschehen entwickeln die SchülerInnen einen Bezug zu ihrem Schulhof. Die Bauarbeiten sind auch ein Ausgleich zum theoretischen Schulunterricht.
Nach zwei Stunden körperlicher Arbeit liegen sie oft geschafft aber glücklich in den Schubkarren oder auf dem warmen Rindenmulch. Sie haben erfahren wie viel Arbeit in ihrem Schulhof steckt. Allein 200 m Gräben mussten für das Labyrinth ausgehoben und mit Hainbuchen bepflanzt werden. Die SchülerInnen bauten auch die Tennenflächen und fuhren Schubkarre für Schubkarre Promenadengrand. Dann folgte der 100 m lange Tast- bzw. Barfußpfad, bei dem es viele unterschiedliche Arbeiten gab wie Feldsteine, Großsteinpflaster und Fundstücke (bunte Mischung aus unterschiedlichsten Steinen) pflastern, Holzpfähle einbetonieren, Balanciermäuerchen bauen, einzelne Steine in die Tennenfläche einlassen, Holz bohren und aufschrauben, Natursteinkanten einbetonieren.... 70 qm Rindenmulch wurden verteilt. Weitere 70 qm sollen folgen. Großen Spaß machte den SchülerInnen Beton aus Sand, Wasser und Zement am Betonmischer selbst herzustellen, oder auch das Bohren mit einer Bohrmaschine zu erlernen.
Im Sinnesgarten gibt es schon jetzt einen Klangstein, einen Feldsteinhügel, 30 Baumstümpfe zum Sitzen, Springen und Umherrollen, das Labyrinth und den Tast- bzw. Barfußpfad. Bis Ende Mai werden noch Weidenzäune und –häuser, Holztrennwände und zwei Mosaiksitzobjekte gebaut und ein Summstein gesetzt. Zwei Sandsteine sollen von einer sechsten Klasse als Abschlussprojekt bearbeitet werden.
Schon seit einem Jahr gibt es innerhalb des Projektes eine Keramikgruppe von ca. 20 SchülerInnen, welche die Beschriftungen für die Pflanzen auf dem Schulhof gestalten.
Ein großer Teil der Fläche ist bereits fertiggestellt. Die Eröffnung des Schulhofes ist im Juni geplant.
Damit das Projekt lebendig bleibt, sind viele Möglichkeiten zur Weitergestaltung offengehalten. Für die nachhaltige Bindung der SchülerInnen an den Schulhof und die Einbeziehung der immer neu nachrückenden Klassen wäre eine Fortführung des Projektes sehr sinnvoll. Außerdem braucht der Schulhof Pflege und Wartungsarbeiten, damit das Gebaute und Gepflanzte erhalten bleibt.

Eine ausführliche Dokumentation kann nachgereicht werden.

 
Projektauslöser/Idee:
Der größtenteils versiegelte und triste Schulhof der Reinhardswald-Grundschule in Berlin Kreuzberg von ca. 20.000 qm passte nicht mehr zu den pädagogischen Anforderungen des LehrerInnenkollegiums. Die haptischen und motorischen Sinne der Schüler wurden nicht angesprochen. Auch bot der Schulhof wenig künstlerische Anregung und regte die Kreativität nicht an.
So wurde die Idee geboren, den Schulhof naturnah umzugestalten. Um die Beziehung der SchülerInnen zu ihrem Schulhof nachhaltig zu verbessern und die Bedürfnisse der Kinder zu berücksichtigen, sollten die NutzerInnen in die Planung und den Bau mit einbezogen werden. Die Schule sieht hierin eine Chance für die Kinder, gestalterische und praktische Erfahrungen zu sammeln. Ziel ist, dass die SchülerInnen Achtung vor den mit körperlicher Arbeit geschaffenen Objekten, an denen sie selbst mitgestaltet und -gearbeitet haben, entwickeln.
 
Projektentwicklung:
Das Landschaftsplanungsbüro E.F.E.U. entwickelte im Jahr 2002 gemeinsam mit der Schule einen Gestaltungsvorschlag und reichte diesen zur Förderung beim Europäischen Fonds für Regionale Stadtentwicklung (EFRE) ein. Nach Bewilligung der Gelder 2003, an denen sich der Bezirk Berlin Kreuzberg-Friedrichshain mit 10% Eigenanteil beteiligt, wurden die NutzerInnen in die weitere Planung mit einbezogen.

Auf Grundlage der vorhandenen Entwurfsplanung des Landschaftsplanungsbüro E.F.E.U. wurde ein zentraler Bereich mit 900 qm als SchülerInnenbaustelle ausgewiesen. Annegret Seifert, finanziert durch den Kunstverein „Friedrichstadt e.V.“ und Katharina Sütterlin, finanziert vom Amt für soziale Dienste haben diesen 900 qm großen Bereich nach den Schülervorstellungen als Sinnesgarten mit Kunstobjekten im Winter/ Frühjahr 2004 entworfen. Sie organisieren und begleiten den Bau des Projektes bis zum Mai 2005.
Der Sinnesgarten mit Kunstobjekten wird unter Anleitung der beiden künstlerischen MitarbeiterInnen von den SchülerInnen weitestgehend selbst gebaut.

Zeitlicher Ablauf:
Ab Jan. 2004 erarbeiteten sie auch die Entwurfs- und Ausführungsplanung für die SchülerInnenbaustelle. Ein Kostenrahmen von 20.000€ musste hierbei eingehalten werden.
Die Ausschreibung der Bauleistungen erfolgte im Mai 2004. Die Bauarbeiten begannen im August 2004 nach den Sommerferien. Eine Baufirma wurde beauftragt, die Fläche vorzubereiten - Erdaushub, Aufbringen der Tragschicht - und die nötigen Baumaterialien zu liefern.
Von August 04 bis jetzt sind die SchülerInnen bei fast jedem Wetter auf der Baustelle. Die ersten Arbeiten waren körperlich sehr anstrengend. Deshalb übernahmen diese die oberen (5-ten und 6-ten) Klassen. Eine Arbeitszeit von zwei Schulstunden stellte sich dabei als zweckmäßig heraus, danach sind die Schüler körperlich erschöpft.
Um auch die Bindung der Eltern an die Schule zu fördern, wurde ein Eltern-Kind-Bautag mit Beteiligung der LehrerInnen am Wochenende organisiert. Viele Dinge an diesem Tag wurden im Zuge des Arbeitsablaufes gemeinsam koordiniert, z.T. improvisiert. Die vorhandenen Kompetenzen der Eltern wurden genutzt. Er war ein gemeinsamer Erfolg aller Beteiligten.
Im März ist ein weiteres Eltern-Kind-Wochenende geplant, an dem Weidenhäuser und –zäune gebaut werden sollen.
Die Bauarbeiten werden im Mai 2005 vorläufig fertiggestellt.
Dann braucht der Schulhof für seinen Erhalt Pflege und Wartung. Außerdem gibt es noch viele Möglichkeiten, wo weitergebaut werden kann. Nur ein Bruchteil aller Ideen wurde umgesetzt, z.B. wünscht sich die Schule eine Spielgeräteausleihe auf dem Hof, damit die SchülerInnen einen Verleih in den Pausen, Freistunden und am Nachmittag organisieren können....

 
Besonderheiten:
Ein kompletter Teilbereich des Schulhofes wird von den SchülerInnen gebaut. Fast alle SchülerInnen der Schule werden in das Baugeschehen eingebunden und identifizieren sich so mit ihrem Schulhof und ihrer Schule. Die Beteiligung erfolgt innerhalb der Schulzeit. Das Projekt ist Teil des Unterrichts. Es hat einen ganzheitlichen Lernansatz und arbeitet fachübergreifend.
Während des Bauens lernen sie spielerisch künstlerische und handwerkliche Fähigkeiten. Das Bauen wird durch den Umgang mit den Baumaterialien zur sinnlichen Erfahrung - dampfender Rindenmulch; Wasser, Zement und Sand werden zu Beton. Gleichzeitig lernen die SchülerInnen, dass das Bauen Disziplin, gute Zusammenarbeit und Leistungsbereitschaft erfordert, um solche komplexen Arbeitsabläufe, wie das Pflanzen der 570 Hainbuchensträucher bewältigen zu können. Jeder Einzelne ist wichtig und wird gebraucht. Die Einschätzung der eigenen Kräfte und das Kennenlernen der eigenen Grenzen sind ebenfalls ein wichtiger Lernprozess. Die „schwierigen“ SchülerInnen haben die Möglichkeit, in einem anderen Bereich, als im theoretischen Schuluntericht etwas zu leisten. Die SchülerInnen machen die Erfahrung, dass sie durch ihren Einsatz ihre Umgebung mit gestalten können, sich für ihre Belange einsetzen können. Sie erlangen so eine gesellschaftliche Kompetenz.

Zum Beispiel Sali aus der vierten Klasse. Er hatte ein absolutes Lerntief und fing an, depressiv zu reagieren. Auf der Baustelle brauchte er ein bisschen Zeit, sich in die Gruppenarbeit einzutakten, aber dann war zu merken, dass er seinen Platz gefunden hatte. Hinterher saß er in der Klasse, weinte und sagte: er möchte nur noch auf der Baustelle arbeiten, er möchte nicht mehr im normalen Unterricht sitzen. Sali kam öfter auf die Baustelle und seine Lehrerin stellte fest, seitdem ist er auch im theoretischen Unterricht, besonders in Deutsch besser geworden. Jedesmal, wenn er einen von den Anleitenden sieht, fragt er, „wann kann ich wieder arbeiten kommen?“.

 
Probleme und Lösungen:
Ein großes Problem ist das auslaufende Geld. Die Arbeitsplätze der Künstlerin Annegret Seifert und der Architektin Katharina Sütterlin laufen Ende Mai aus, und es gibt keine Möglichkeit für eine Verlängerung.
Der Schulhof braucht aber weitere Betreuung, Erhaltung und Fortführung. Es wäre sinnvoll, dieses Projekt als kontinuierliches Angebot an der Schule fortführen zu können, damit auch die nachrückenden Klassen eine Bindung zu ihren Schulhof entwickeln können. Neben der Pflege und Erhaltung gibt es viele Projekte, die noch zu bauen wären, auch teilweise schon entwickelt wurden und aus finanziellen Gründen gestrichen wurden.
Außerdem haben unsere Erfahrungen gezeigt, wie wertvoll diese künstlerische, praktische Tätigkeit für die Kinder ist. Einige positive Punkte sind: sehr positive persönliche Entwicklungen der Kinder auch im theoretischen Unterricht, Disziplinierung durch die Arbeit, Gruppenarbeit - Gruppenerfolg, Einschätzung der eigenen Kompetenzen, Verbesserung der fein- und grobmotorischen Fähigkeiten, Förderung der Konzentration, Umwelterziehung.... Die Reinhardswald-Grundschule liegt in Berlin Kreuzberg in einem Problemgebiet mit einem sehr hohen Ausländeranteil und Gewaltpotential. Sie wird im nächsten Jahr 860 Schüler haben.
Dieses Projekt setzt an Kapazitäten an, die im Leben gefordert werden, aber im Schullehrplan nicht berücksichtigt sind – viele SchülerInnen haben hier gute Erfolge, die im Schulunterricht oft an letzter Stelle stehen. Sie können körperlich in Bewegung lernen, statt immer nur theoretisch im Sitzen.
Für den Sinnesgarten können Programme entwickelt werden, in denen auch Bewegungen, die im täglichen Leben immer seltener werden, aber wichtig sind und auch der Sportunterricht nicht ausgleichen kann, spielerisch geübt werden.
Weitere Wünsche für die Schulgebäude- und Schulhofgestaltung
Skulpturengarten, Spielgeräteausleihe und Pflasterflächen mit Mosaiken (sind aus Geldmangel gestrichen worden), die schon vorhandenen Sandsteine bearbeiten, Fassadengestaltung, Klassenzimmertüren gestalten,
Lehmofen, Trampelpfade und Biotop anlegen....
Es wäre sinnvoll, wenn ständig zusätzliches Personal für die Betreuung des Schulhofes vorhanden wäre.

Erfahrungen mit Problemen auf der Baustelle:
Zu Beginn des Arbeitens sind die SchülerInnen normalerweise hoch motiviert. Nach ca.15 Min. setzte manchmal ein Motivationstief ein. Es gibt spannendere und wenig spannendere Arbeiten und unterschiedliche Vorlieben. Anfangs ließen wir es zu, dass die Kinder in so einem Falle ihre Arbeit mit anderen Kindern tauschen konnten. Dies führte allerdings nicht immer zum gewünschten Erfolg. Die gelangweilten Kinder konnten sich auch nicht auf die neue Arbeit einstellen. Im Laufe des Bauprojektes gingen wir dazu über, solche Täusche nicht mehr zu zulassen, mit dem Ergebnis, dass die SchülerInnen sich oft nach einer „Durststrecke“ in die zunächst unattraktiv scheinende Arbeit vertieften, manchmal so sehr, dass sie nach Stundenende nicht zurück in den Unterricht gehen wollten.

In der Klasse 5e sind nur 15 SchülerInnen (sonst ca.30). Sie sollte zum ersten Mal arbeiten und wir stellten uns auf zwei relaxte Unterrichtsstunden ein. Bei der kleinen Klasse kam ja sogar noch der Lehrer mit. Die Schultür öffnete sich und es stürzte ein laut krakeelender, ungeordneter Haufen SchülerInnen in unsere Richtung.
An ein Kennenlernspiel war nicht zu denken. Alle einführenden Worte konnten wir vergessen. Ein Blick unter uns: diese Kids mussten sofort loslegen zu bauen, damit wir sie einigermaßen unter Kontrolle halten konnten. Schnell jedem eine Schaufel in die Hand gedrückt und irgend eine Stelle zuweisen zum Graben. Uff... Wir waren weiterhin gut damit beschäftigt zu reglementieren, um zu vermeiden, dass das bereits Vorhandene zerstört wurde. Wegen des schlechten Betragens der SchülerInnen sagten wir dann den Rundgang über das restliche Gelände ab - das war eigentlich ein Highlight - mit Aussicht dies am nächsten Tag bei entsprechendem Verhalten nachzuholen.
Die 5e ist neu an der Schule. Eine Schule in der Nachbarschaft wurde geschlossen und die Klassen auf umliegende Schulen verteilt. In der 5e gibt es keine Kinder deutscher Herkunft. Ihre schulischen Leistungen sind durchweg relativ schlecht. Sie wurde auf 15 SchülerInnen reduziert, damit diese besser gefördert werden können. Diese Klasse wurde von Termin zu Termin auf der Baustelle disziplinierter. Auch an unserem Anfangskreis fanden sie ihre Freude. Wir merkten, dass ihnen das Bauen besonders gut tat und planten sie, um sie schnell zu integrieren, öfter als andere Klassen ein. Langsam waren die SchülerInnen sehr stolz auf das, was sie alles geschafft hatten. Beim letzten Bautermin verabschiedeten sie sich, in dem sie uns um den Hals fielen und sich herzlichst bedankten. Wir nannten sie liebevoll „die Rabaukenklasse“.

Auch in anderen Klassen merkten wir, dass oft die „schwierigen“ Kinder, d.h. diejenigen, welche mit dem normalen Lehrstoff und der Lernart im Unterricht nicht so gut zurechtkommen, besonders von den Bauarbeiten profitieren. Nach anfänglichen Machtkämpfen waren sie oft die Eifrigsten. Sie spüren, dass sie fähig sind, etwas zu leisten, etwas „Echtes“ zu erschaffen, und sie werden gebraucht.

 
Anekdotisches:
Als der Rindenmulch als riesiger Hügel ausgekippt wurde, staunten die SchülerInnen mit großen Augen. Er hatte die dreifache Höhe wie sie selbst und dampfte. Sie stellten schnell fest, dass sie darauf rumhüpfen und runterhüpfen konnten, weil er ganz weich war. Außerdem konnten sie große, tiefe Löcher buddeln und sich rein legen, und es war warm. Er roch nach Wald. Dieser Berg war einfach phantastisch. Überhaupt waren die Erd- und Sandberge gut zum Spielen und Toben geeignet und entwickelten sich als das beste „Sielgerät“. Wenn gut gebaut wurde, durfte die letzten 10 Minuten auf den zeitweilig vorhandenen Bergen getobt werden.

Auch wir genossen nach dem teilweise anstrengenden Unterricht bei ca. 0° C Außentemperatur eine Tasse Kaffee auf dem warmen Rindenmulch.

Kinderstimmen:
....Wir beschnitten Wurzeln und Äste von Bäumen und stellten diese in großen Kreisen auf eine erdige Fläche. In Schubkarren fuhren wir Erde an und schütteten sie auf die Baumwurzeln. Dann stampften wir sie fest. Zum Schluss bespritzten wir sie mit einem Schlauch mit Wasser. Das fand ich am allerschönsten von allen Tätigkeiten....
Nach jedem Arbeitsgang fühlte ich mich schlapp, aber glücklich. Es gab auch einen Tag, an dem die Eltern mitarbeiten durften. Der war auch toll.
Sicher fragt man sich, warum die Kinder diese Arbeiten übernahmen und nicht die Bauarbeiter? Dafür gibt es drei Gründe: Erstens, weil es Spaß machte; zweitens, weil das Geld knapp war und drittens, weil es vielleicht eher respektiert wird, wenn man etwas selber baut.
Uiva, 4 a

Wir haben nach den Sommerferien zweimal teilgenommen. Mit Zement, Sand und Wasser haben wir Zement hergestellt. Anschließend haben wir die Maße für das Labyrinth gemessen. Wir, drei Mädchen und ein Junge, haben mitgemacht. Einige haben Löcher in die Erde gebuddelt, einige Zement hergestellt und manche haben Flächen mit Steinen zugepflastert. Es hat viel Spaß gemacht, vor allem, Zement herzustellen, das zugleich schwer war.
Merve, Sajeera, Aslihan, 5 a

An einem Tag ist Annegret mal wieder rein gekommen. Sie hat gesagt, dass sie heute die ganze Klasse braucht.
Da haben alle Juchhu geschrien.... Aron und ich haben uns auf dem großen Mulchhaufen eine Heizung gebaut, weil der Mulch warm war. Sehr schön.
Malte 4b

...Es gab einen Berg voller Rindenmulch und wenn man auf dem Berg ganz oben stand, dann wurden die Füße erhitzt.
Sabrina 4b

...In dem Mulch, der übrig geblieben war, haben wir mit den Händen kleine Gruben gegraben und uns hinein gesetzt. Das war schön warm.
Svenja 4b

Unsere Klasse hat kleine Bäume eingepflanzt (für das Labyrinth). Es hat sehr Spaß gemacht. Wir haben zuerst kleine, aber tiefe Löcher gegraben. Und dann haben wir die Bäume eingepflanzt. Die Blätter waren ganz braun. Deswegen haben wir Erde über die Wurzeln gemacht und wir haben sie noch gegossen. Das war ein Spaß. ... Nach einer Weile hat mich Asya in ihrer Schubkarre rumgeschoben. Dann waren schon die 2 Stunden um. Schade.
Joy 4b

...Lotti, Carla, Delphine und ich nahmen Hammer und Beitel in die Hand und machten die Rinde von den Stämmen ab. Nach einer Stunde gingen Delphine und ich an die Bohrmaschinen und bohrten Löcher in Steine, damit man später Holzleisten drauf schrauben konnte. Es machte sehr viel Spaß und man wurde durchgerüttelt. Ich will nochmal auf dem Schulhof arbeiten.
Charlotte 4d

...Ich habe mit meinen Freundinnen Steine sortiert. An einem anderen Mal sollten wir Steine tragen, das war vielleicht anstrengend, aber dann war ich glücklich , weil ich es geschafft habe.
Nele 4d

Es war ganz schön schwer zu bohren, aber 5 Minuten später habe ich mich daran gewöhnt. Der Rindenmulch war richtig warm. Weil der so warm war, wurde uns auch warm.... Es gab viel zu tun und wenn der Schulhof fertig ist, wird es bestimmt sehr schön sein.
Dilan 4d

...Mindestens 25 Kinder gleichzeitig stürmten aus der Klasse, aus der Schule in den Baustellenschulhof. Die ganze Klasse blieb abrupt stehen. Vor ihr türmte sich ein mindestens 2m hoher Kuhfladen. Was ist das? fragten wir erstaunt. Das ist Rindenmulch erklärte Katharina.... Wir machten uns ans Schaufeln, der Mulch war seltsam warm, so dass jeder seine Hände rein steckte. Alles klappte, wie vorhergesehen, als plötzlich Rindenmulch auf Canan stürzte. Cannan durfte sich erst einmal erholen. Und jetzt erst merkten wir ,wie sehr Canan nun stank.
Das ist kein Rindenmulch sagten einige, das ist Stinkemulch. Das ist ein echter Kuhfladen. Stinken tut er, warm sein tut er, und so aussehen tut er auch.
Kiva, Canan 4a

Wir sitzen gespannt in der Klasse und melden uns alle, denn heute können sechs aus unserer Klasse auf dem Schulhof bauen. Ich bin dabei! Erst machen wir eine Aufwärmübung. Wir sollen unseren Namen sprechen und dabei eine Bewegung machen.
Jetzt geht es los! Jeder von uns bekam einen Stein in die Hand gedrückt. Auf einem schmalen Weg sollten wir mit einer Schippe ein Loch graben, so groß, dass der Stein reinpasst. Danach müssen wir mit einer Schubkarre zu einem Sandhaufen fahren, Sand in die Schubkarre schaufeln und mit Mühe zurückschieben. Anschließend müssen wir Kalk und Wasser dazu mischen und mit einer Schippe verrühren. Jetzt entsteht Mörtel. Danach sollten wir den Mörtel in das Loch schmieren. Dann mussten wir unseren Stein in das Loch mit Mörtel reinlegen, so dass ein großes Stück vom Stein noch rausguckte. Anschließend bekamen wir einen Gummihammer in die Hand gedrückt und sollten mit ihm auf den Stein hämmern. Unsere Arbeit war getan, der Stein sollte aber noch drei Tage liegen bleiben, ohne dass Kinder darauf herumspringen.
Natürlich hatte jeder seine eigenen Steine und insgesamt haben wir ca. 12 Steine „gepflanzt“.
Eine Woche später durfte die ganze Klasse auf dem Schulhof arbeiten. Diesmal mussten wir was anderes machen, nämlich Rindenmulch von einem qualmenden Rindenmulchhaufen im Labyrinth verteilen. Er qualmte, weil sich in dem Haufen sehr viel tat. Die Rinde wurde zu Erde und dabei entstehen Gase, die durch ihre Energie Hitze entwickeln.
Später mussten wir uns aussuchen, ob wir Schubkarren vom Rindenmulch ins Labyrinth fahren oder mit einer großen Schippe den Rindenmulch in die Schubkarren schaufeln wollten. Ich entschied mich für das Schubkarren fahren. Als wir den halben Rindenmulchhaufen im Labyrinth verteilt hatten, bauten wir uns kleine Gruben auf dem Rindenmulchhaufen. War das warm!
Jacob 4b