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Zeitgeist-Ensemble "KulturhauptPott"-Premiere 2010
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Zeitgeist-Ensemble bei Schachtzeichen Ruhr 2010
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Zeitgeist-Ensemble Plakat zum akt. Programm 2010/11
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Zeitgeist-Revue "Krüppelgarde" 2002 Ruhrfestspiele
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Zeitgeist-Ensemble & Stoppok & Frank Baier live 2009
Zeitgeist-Ensemble Ruhr - "Kulturhauptpott"
Schule:
Erich-Fried-Gesamtschule Herne
Grabenstraße 14
44625 Herne

Tel.: 02325 / 637950

www.erich-fried-gesamtschule.de
www.kohlengraeberland.de


Gesamtschule / Offener Ganztag

 
Kooperationspartner:
Revierton Studios Wolfgang Bökelmann
Vödestraße 84
44625 Herne

Bochumer Kulturrat e.V.
Lothringer Str. 36 c
44805 Bochum
Tel: 02 34 - 86 20 12
Fax: 02 34 - 5 16 58 50
Internet: www.kulturrat-bochum.de

Frank Baier, Liedermacher u. Ruhrgebietslied-Archivar, Duisburg
www.frank-baier.de

 
Beteiligte Schüler:
20 Schülerinnen, 2 Schüler
Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 7 - 10
aus den Arbeitsgemeinschaften
- "Zeitgeist-Ensemble"
- "SchauspielSchule"
- "backstage" (Bühnentechnik)

sowie ehemalige Schülerinnen (z.Zt. in Schul- u. Berufsausbildung und/oder Schülerinnen am Berufskolleg

 
Beteiligte Lehrkräfte:
Ulrich Kind (Lehrer Sek I) Deutsch, Erdkunde, Darstellendes Spiel Leitung des Zeitgeist-Chor-Ensembles / musikalische Begleitung, Regie Isa Tappenhölter (Lehrer Sek I) Englisch, Sozialwissenschaften, Darstellendes Spiel Dramaturgie, Inszenierung Volker Brockhoff (Lehrer Sek II) Evang. Religion, Gesellschaftslehre, Informatik Mediengestaltung / Schul-homepage
 
Stundenvolumen:
Die Mitglieder des Zeitgeist-Chorensembles proben im Rahmen ihrer Arbeitsgemeinschaft 2 bis 3 Unterrichtsstunden pro Schulwoche. Hinzu kommen Sonderproben vor Auftritten (z.B. mit dem Gastsänger Frank Baier, die Live-Auftritte selbst und Proben sowie Tonaufnahmen für die Musik-CD "Flügelschlag" in den "Revierton Studios" in Herne in unregelmäßigen Abständen.
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Das „Zeitgeist-Ensemble Ruhr“ mit seinem aktuellen Bühnenprogramm "Kulturhauptpott" (2005 - 2010)

Seit dem Schuljahr 2005 haben sich Schülerinnen unterschiedlicher Jahrgangsstufen sowie ehemalige Schüler der Erich-Fried-Gesamtschule (jetzt in der Berufsausbildung) zusammen gefunden und ein Musik-Kabaret-Programm mit Liedern und Texten aus dem und über das Ruhrgebiet erarbeitet.
Neben historischen Stücken aus der Gründerzeit des Ruhrgebiets mit dem Schwerpunkt Arbeits- und Arbeiterkultur (z. B. Bergmanns-, Streik- u. Solidaritätslieder) haben sie sich über mit verschiedenen Phasen der regionalen Geschicht e bis hin zum Strukturwandel und dem Ereignis „Kulturhauptstadt 2010“ auseinandergesetzt wagen darüber hinaus einen ausgenzwinkernden Ausblick in die Zukunft des ehemaligen Kohlenpotts. Bis auf wenige Ausnahmen stammen die Lieder "aus eigener Feder" und wurden vom Ensemble in vielen Erarbeitungsschritten vom Script zum singbaren Lied
bis zur Aufführungsreife durchgearbeitet.
Im Wechsel mit den Ruhrgebietsliedern des "Zeitgeist-Ensembles" werden von den Schülern der AG "SchauspielSchule" auf der Bühne historische und tagesaktuelle Quellen- und Szenentexte rezitiert, die durch stumme Filmbeiträge und Fotoserien auf einer Rückprojektionsleinwand im Sinne eines "bewegten Bühnenbildes unterstützt werden.
Nach Kurzauftritten bei verschiedenen Schulveranstaltungen und Kulturabenden in der Erich-Fried-Gesamtschule Herne war das Gesangsensemble unter der musikalischen Leitung von Ulrich Kind inhaltlich eng angebunden an das seit 13 Jahren erfolgreiche „Kohlengräberland-Unterrichtsprojekt“. So sind im Zusammenhang mit Projekten wie „Giftiges Erbe – Altlasten im Ruhrgebiet“ oder „ArbeitsLos - Rheinhausen ist überall“ Themenabende mit ehemals beteiligten Ruhrgebiets-bewohnern durchgeführt worden, an denen das Ensemble mit eigenen Liedern dort seinen musikalischen Beitrag geleistet hat.
Am 20. Januar 2008 gab das Ensemble im Rahmen der Veranstaltung „Am Metropuls der Zeit“ in den Herner Flottmann Hallen ein erstes größeres und inhaltlich geschlossenes Konzert mit „Ruhrgebietsliedern“.
Seitdem wurde konsequent das Ziel verfolgt, ein abendfüllendes Programm zu gestalten, das nun über die Schulgemeinde hinaus öffentliche Beachtung findet.

Die Zusammenarbeit mit dem Duisburger Liedermacher Frank Baier hat das gesamte Ensemble professionalisiert, unsere gemeinsamen Bühnenauftritte haben längst nicht mehr den leider oft gewohnten Schulchören anhaftenden leidigen „Bohnerwachs-Geruch“.
Das Ergebnis kann sich sehen und hören lassen: Inzwischen wurde ein nahezu dreistündiges Programm auf die Bühne gebracht und im Rahmen der „Schachtzeichen“-Aktion der Kulturhauptstadt 2010 sowie im Bochumer Kulturrat mehrmals vor ausverkauftem Haus erfolgreich aufgeführt.

Das "Zeitgeist-Ensemble Ruhr" im Internet:
Live-Mitschnitte von Auftritten und einzelne Studioaufnahmen finden Sie unter www.youtube.com unter dem Suchwort „Kohlengräberland“ bzw. im Kanal "knappe59"

 
Projektauslöser/Idee:
Rückblick / Gründung des Gesangsensembles im Jahr 2001 / „Zeitgeist-Revue“

2001 war das Gründungsjahr des Gesangsensembles. Wie an vielen Schulen üblich, hatte sich ein Schüler-Chor in einer Arbeitsgemeinschaft zusammengefunden, um z. B. gemeinsam bei Abschlussfeiern und den Kulturabenden unserer Erich-Fried-Gesamtschule - zumeist eher "heitere" Lieder - zu singen und zur Vortragsreife zu bringen, so auch geplant für die damals anstehende 10-Jahres-Feier unserer Schule im September 2001.
Während unserer Abschlussproben ereigneten sich die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA. Unter dem Eindruck der Ereignisse beschlossen die Sängerinnen das Programm umgehend zu ändern und studierten binnen nur weniger Tage ein eindrucksvolles Repertoire von Liedern gegen den Krieg ein. Die 10-Jahres-Feier unserer Schule am 21. September avancierte zur Gedenkveranstaltung für die Opfer der Anschläge und wurde ein deutliches Zeichen gegen die von den Schülern befürchtete Rachefeldzüge und einen drohenden Krieg.
Angeregt durch die Beiträge der anderen an der Feier beteiligten Schülergruppen und AGs unserer Schule, beschlossen die damalige Leiterin des Tanzprojektes und der Theatergruppe, Frau Tappenhölter sowie Ulrich Kind, Leiter des Gesangsensembles, eine “Musik-Kabarett-Revue gegen Dummheit, Hass und Gewalt“ zu inszenieren. „Gesagt – getan!“ - Das Ergebnis war die insgesamt dreistündige „Zeitgeist-Revue“. Sie hatte bereits am 8. November 2001 Premiere und wurde von den insgesamt 75 mitwirkenden Schülerinnen und Schülern bis zum 8. November 2002 vor ca. 2.000 Zuschauern aufgeführt (u.a. im Rahmen des Internationalen Schülertheaterfestivals der Ruhrfestspiele) und erhielt zahlreiche Auszeichnungen.
Trotz rechter Störversuche bei der Premiere, Morddrohungen auf der Internetseite unserer Schule und öffentlichen Aufführungen unter (Staats-) Polizeischutz ließen sich die Schülerinnen und Schüler sowie ihre Projektleiter nicht entmutigen. Dieses „Zeitgeist-Projekt“ gab dem Gesangsen-semble bis heute seinen Namen; auch der politischen Grundhaltung , deutliche Zeichen gegen Dummheit, Hass und Gewalt zu setzen, sind alle teilnehmenden Schüler-Generationen des „Zeitgeist-Ensemble Ruhr“ bis heute verpflichtet..

 
Projektentwicklung:
In Zusammenarbeit mit Schülerinnen der Arbeitsgemeinschaft „SchauspielSchule“ unter der Leitung von Frau Tappenhölter wurden erläuternde Texte eingearbeitet, die einerseits die Lieder in ihren historischen Zusammenhängen erläutern, aber darüber hinaus den wichtigen aktuellen Zeitbezug herstellen, denn ein traditionalistisches, ja vielleicht sogar sozialromantisches Bild vom Ruhrgebiet zu Vermitteln liegt uns fern.
Animiert werden die Lieder auf der Bühne zudem mit Bild- und Filmprojektionen aus Originaldokumenten die eigens im Hinblick auf die beabsichtigte Aussage recherchiert wurden.
Die Ton-, Licht- und Medientechnik wird ebenfalls eigenverantwortlich und professionell von Schülern unserer Bühnentechnik-AG erledigt.
So ist eine „Ruhrgebiets-Revue“ entstanden, bei der den Zuschauern neben den Erinnerungen an regionalhistorische Ereignisse auch der Bezug zu aktuellen sozialpolitischen Problemen unserer Gegenwart (z.B. zum Thema Arbeitsbedingungen, Arbeitslosigkeit, Kinderarbeit oder Umweltgefährdung) möglich wird, wenn hier z.B. auf die Situation chinesischer Bergarbeiter heute oder der Arbeits-platzverlust bei Opel oder Nokia direkt vor der Haustür unserer Schule thematisiert wird.
 
Besonderheiten:
Man sollte meinen, dass es für Jugendliche und ihre ansonsten doch eher konsumorientierte populär-musikalische Ausrichtung sicher ungewöhnlich ist, sich über einen solch langen Zeitraum Liedern zu widmen, die so weit von ihren Hörgewohnheiten entfernt sind. Das ist falsch, hier werden sie von den "Erwachsenen" zu oft unterschätzt. Jugendliche sind an ihren eigenen Wurzeln interessiert, finden die Geschichte ihrer Vorfahren äußerst spannend und haben Spaß daran, ihre "eigenen" Lieder zu singen, die Welt kritisch zu betrachten. Sie schämen sich nicht einmal, Begriffe wie "Heimat" oder "Tradition" zu benutzen, wenn sie diese für sich erst einmal entdeckt haben und sie sich mit ihnen dann wertneutral auseinandersetzen können. Im anglo-amerikanischen Raum nennt man das "back to the roots", ist das seit mehr als einem halben Jahrhundert auch selbstverständlich, denn sonst hätte es dort nie die von uns beneidete Folkszene um Guthrie, Seeger über Dylan bis hin zu Springsteen gegeben. Früh haben seit dem Ende der 60er-Jahre deutsche Liedermacher dieses Phänomen erkannt und - bis heute - erfolgreich genutzt. Auch sind seit einigen Jahren vermehrt deutschsprachige Bands erfolgreich, nicht zuletzt, weil Jugendliche hier ihre Lebensinhalte, aber vor allem auch ihre Sprache wiederentdecken.
Das Lieder-Repertoire des Ensembles begnügt sich nicht mit dem Absingen von bekannten "Coverversionen von Liedern mit heimatverbundenem Lokalcolorit", sondern erarbeitet eigene inhaltlich anspruchsvolle Songs als eigenständigen Beitrag zur Regionalkultur.
Die oft mitschwingende eindeutige, auch politische Aussage der Stücke ist alles Andere als sozialromantische Heimattümelei, unsere Lieder suchen immer den Bezug zu aktuellen Problemen der Gegenwart in unserer Umwelt, aber auch weltweit. Schließlich geht es den Kinderarbeits- und Lohn-Sklaven weltweit heute kaum anders als den Einwanderern, die vor hundert Jahren hier im Kohlenpott um ihr Überleben kämpften. Das Aufzeigen von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Missständen war und ist die Grundvoraussetzung für die Forderung nach demokratischem Handeln und solidarischem Miteinander und mutigem Eintreten für eine etwas bessere Welt. Das entspricht einer eindeutigen Forderung der Ensemble-Mitglieder. Sicherlich nicht selbstverständlich, vielleicht ungewöhnlich, auf jeden Fall aber erfreulich Mut machend.
 
Probleme und Lösungen:
Die technische und räumliche Ausstattung von Schulen ist häufig mangelhaft. An der Erich-Fried-Gesamtschule wurde
(auch im Zusammenhang mit dem "Kohlengräberland"-Unterrichtsprojekt der Ausbau der Schulaula und Proberäumen vorangetrieben. Einige unentwegte Lehrerinnen und Lehrer, der Schulleiter sowie die helfenden Hände unserer Bühnentechnik-Schüler haben über fast 10 Jahre mit den begrenzten finanziellen Mitteln unseres Fördervereins vorangetrieben. Alle Kursteilnehmer haben bis heute ihren ganz persönlichen Beitrag (vom eigenen Taschengeld, z.B. zur Finanzierung von Fahrtkosten) geleistet. Einige Fördermittel wurden durch Förderanträge eingeholt, die allesamt eigenverantwortlich durchgeführten öffentlichen Veranstaltungen brachten zudem einige Spendenbeiträge für den Kauf von Instrumenten, Mikrophonen
Kostümen, Requisiten und Kulissen ein.
Im Sommer des Jahres 2009 vernichtete ein Hochwasser sämtliche Kulissen, das Inventar, Werkstatt und Proberaum des Ensembles, die über 10 Jahre angesammelt und aufgebaut wurden endgültig. Viele einzigartige Sammlungsstücke und Kostüme aus der Zeit des Bergbaus waren unwiederbringlich.
Mit begrenzten Spendenmitteln versuchen wir nun mühselig, die Sammlung wieder aufzubauen.
 
Anekdotisches:
Der über die Ruhrgebietsgrenzen hinaus bekannte Sänger und Songwriter Stefan Stoppok wurde von seiner Ehefrau auf einen "Zeitgeist-Auftritt" mit der Coverversion seines Erfolgsstückes "Wie tief kann man sehn" aufmerksam gemacht, trat darauf hin mit uns in Kontakt und gab im Rahmen seiner Deutschland-Tournee in unserer Schule auf, um mit gemeinsam mit dem Chor zu singen. Nach diesem erfolgreichen Auftritt lud er die Sängerinnen ein, ihn beim Wittener Folkfestival bei diesem Stück zu begleiten. Gesagt - getan. Der Auftritt war ein voller Erfolg.
( Konzertmitschnitte unter:
http://www.youtube.com/watch?v=UA3E94Qvel8
http://www.youtube.com/watch?v=RSlQqBYKveA )