Hier Klicken für die Vollansicht
Familie Ratnakumara
Hier Klicken für die Vollansicht
Sulaksan sitzt Model für Derya
Hier Klicken für die Vollansicht
Ausstellung während des Bremerhavener Schulkulturfestivals
Hier Klicken für die Vollansicht
Der Veranstaltungstipp der Woche
Hier Klicken für die Vollansicht
Sakia - nach der Familienreportage zum Fotoshooting
Meine Familie und ich
Schule:
Immanuel-Kant-Schule
Flensburgerstr. 10
27576 Bremerhaven

http://iks-medien.de

Hauptschule / Offener Ganztag

 
Kooperationspartner:
Susanne Carstensen, Fotografin, Bremerhaven

Andreas Bohnhoff, Fotograf, Bremen

BEGEGNUNGEN2005 e. V.
Michael Krebs (Vorstand)
Frankenstr. 54
50858 Köln
Tel: 0221 50 60 492
http://malereimedizinmusik.de/

Vahid Zamani, Köln
www.boundless.biz


 
Beteiligte Schüler:
26
AG Medienwerkstatt
5.-9. Klasse
Vorbereitungskurs Deutsch
(Kinder/Jugendliche 11-16 Jahre, neu in Deutschland )
 
Beteiligte Lehrkräfte:
Musik, Deutsch, Sprachförderung
 
Stundenvolumen:
4 AG Stunden über 3 Monate
2 Projektwochen
Freiarbeit über 8 Wochen
Ausstellung 10 Tage
Katalogproduktion 6 Wochen
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Die Medienwerkstatt der Immanuel-Kant-Schule möchte gemeinsam mit jungen Menschen sich dem Thema Familie und seine Bedeutung für die Kinder nähern. Es wird eine Wohnung im Ortsteil als Arbeits-Studio eingerichtet. In Workshops werden Kinder und Jugendliche mit dem Fotografieren vertraut gemacht.
Fotografische Reportagen aus den Familien entstehen unter Anleitung.
Über Aktionen im Ortsteil machen wir unsere Aktion bekannt.
In unserem Fotostudio auf Zeit können sich ganze Familien fotografieren lassen.

Auf verschiedenen Kongressen und Veranstaltungen sammeln Schüler Interviews und Statements zu dem Begriff.

Mit dem Verein Begenungen 2005 und dem Filmemacher Vahid Zamani entsteht eine Reportage über das Familienleben von Menschen aus anderen Kulturen in Bremerhaven.

Zusammen mit den Reportagen werden die Familienportraits dann in einer gemeinsamen Veranstaltung im Stadtteil ausgestellt. Die Ausstellung soll ein positives Bild der Vielgesichtigkeit des Stadtteils vermitteln und für die Ausstellungszeit ein Forum für interkulturellen Austausch sein.

 
Projektauslöser/Idee:
Die Bevölkerung des Ortsteils unserer Schule ist gekennzeichnet durch eine vielgestaltige Herkunft.

Verschieden sind die Traditionen und kulturellen Prägungen. Doch im Herzen der Menschen ist der Begriff
der „Familie“ einer, der über alle kulturellen und sozialen Grenzen hinweg eine zentrale Bedeutung für die
persönliche Entwicklung der Menschen und die Organisation ihres Lebens im Stadtteil hat.

Wie kann man für junge Menschen ein aktivierendes und zugleich ästhetisch funktionierendes und künstlerisch bildendes Projekt organisieren, in einem Quatier mit unterschiedlichsten Kulturen, einer ständigen Veränderung durch wechselnde Bevölkerungsgruppen, die auf eine zunehmend älter werdende Kern-Einwohnerschaft trifft?

Ein Projekt, dass sich dem Thema "Nachbarschaft" im alltäglichen Leben stellt und nach Gemeinsamkeiten
sucht? Das gleichzeitig motiviert, das eigene Lebensumfeld genauer zu beobachten? Das zwischen Disperatheit und Vereinzelung Wege der Verständigung sucht und für Gespräch im Ortsteil sorgt?

Ein Projekt, das uns und die Bewohner des Ortsteils bewegt?

 
Projektentwicklung:
1. Phase:
Die Medienwerkstatt der Immanuel-Kant-Schule hat gemeinsam mit jungen Menschen sich dem Thema "Familie" und seine Bedeutung für unsere Kinder genähert. In Workshops werden unsere jüngsten Schülerinnen und Schüler (5./6. Klasse) mit dem Fotografieren vertraut gemacht und Geschichten aus
ihren Familien mit Fotos im Unterricht vorgestellt. Die Älteren nähern sich per Interview und Viedeokamera
auf zahlreichen Kongressen und Verantaltungen (u.a. OLMUN 2010) diesem Thema. Oder geben zeichnerisch und beschreibend ihrer Vorstellung von Familie Ausdruck.

Ist dieses Thema überhaupt interessant für unsere jungen Menschen? Sind sie motiviert, etwas zu einem großen Stadtteilprojekt beizutragen, dass auch außerhalb von Schulzeit und Schulort Einsatz fordert?

Ja! Dieser Eindruck stellte sich schnell her. Das Thema Familie kam in die Schule und die Schule kam in
den Ortsteil. Denn sie selbst liegt fast schon außerhalb des Wohnfeldes ihrer Schüler.

2. Phase

Für 4 Monate wurde eine Wohnung mitten im Wohnquartier angemietet und als Arbeits- und Fotostudio an Nachmittagen, Wochenenden und während schulischer Projektphasen genutzt.

Kleinere Renovierungen waren notwendig, bevor in dem mobilen Fotostudio die ersten Aufnahmen gemacht werden konnten.

Einladungsflyer wurden erstellt und verteilt. Auf Ortsteilfesten wurden fotografische Aktionen durchgeführt
und mit dem im Ortsteil ansässigen Familienzentrum wurde ein Fotoshooting vereinbart.

Wir wollten die Menschen im Ortsteil so fotografieren, wie sie sind, weil wir glauben, dass Authenzität durchaus noch eine Qualität in unserer inszenierten Medienwelt ist. Unsere Projektfotografin Susanne Carstensen bildete nicht nur die angehenden Fotografinnen und Fotografen aus, sie behielt auch bei den Fototerminen Ruhe und Überblick, selbst wenn sich in der kleinen Wohnung für die Familienportraits zahlreiche Menschen jeden Alters drängten.

Unsere Schülerinnen und Schüler waren ebenfalls in ihren Familien unterwegs, um mit Hilfe von Portraits kleine Foto-Reportagen zu erstellen.

Parallel dazu wurde im Fotostudio dann Strategien für Inszenierungen von und mit Menschn erarbeitet. Hier eröffneten sich dann unter Mithilfe des "Kunst"-fotografen Andreas Bohnhoff nochmals alternative
Wege in die Fotografie.

In Zusammenarbeit mit dem Kölner Verein Begegnungen2005 e.V. und Filmemacher Vahid Zamani arbeiteten unsere Schülerinnen und Schüler von September bis November an einer filmischen Umsetzung zur Bedeutung vom Familienleben. Aus gegenseitigen Besuchen in den Familien entstand ein Film, der auf
der einen Seite die Breite der Varianz von Familienbedeutungen auslotete und doch das Gemeinsame als
Verständigung erkennbar machte.

Ein Glücksfall für die Schule, die sich so einmal ganz anders der Lebenswelt ihrer in Deutschland neuen Schüler näherte. Ein berührendes Beispiel, das auch dem jungen luxemburgischen Filmemacher mit afghanischen Wurzeln einen weiteren Auftrag für das Schulfernsehen des WDR bescherte.

3. Phase

Aus hunderten von entstandenen Fotos wurden Fotostrecken zu Familienreportagen zusammengestellt.

Großformate für die Wandhängungen ausgewählt. Parallel eine Einladung entwickelt und verbreitet, die Presse informiert. Die Ausstellung aufgebaut, gehängt und festlich eröffnet. Im Rahmen der Bremerhavener Schulkulturwoche wurde sie am Vormittag von Schulklassen besucht, während in den Nachmittagstunden die Bewohner des Stadtteils Gelegenheit zu einem Besuch hatten.

Von Ende November bis Anfang Januar entstand dann der Katalog.

Wir sind eine Schule für und mit Menschen aus den verschiedensten Ländern und Kulturen. Foto- und
Filmprojekt haben bewirkt, sich nochmals anders seiner eigenen Herkunft zu versichern.

Die entstandene Dokumentation in einem Katalog mit Medienbeigabe wird wiederum im Ortsteil verteilt und wirbt mit ihrer eigenen ästhetischen Qualität auch ohne viele Worte für die Suche nach dem Verbindenden unter seinen Einwohnern.

 
Besonderheiten:
Wie die Wirklichkeit in einen Katalog kommt und ein Katalog tatsächlich Realität wird!

Nein, es sollte kein Verzeichnis werden, das vollständig alle Bevölkerungsgruppen erfasst, auch keine umfassend Aufzeichnung und Aufzählung, keine Chronik von den Entwicklungen in einem Ortsteil im Umbruch.

Ja, wir wollten etwas erzählen, ausstellen und weitergeben über uns und unser Leben und Handeln,unser Engagement in unserem Viertel.

Mit einem Projekt, das von schulischer Seite sich künstlerisch dem "Wohnen in Nachbarschaften" näherte, einer stadtweiten Initiative, die Einwohner aufruft, sich in ihren Stadtteilen aktiv und selbstorganisiert für
ihre Belange einzusetzen.

Junge Menschen wachsen in unserem Ortsteil in ihr Leben hinein. Nicht selten erfordert die weitere beruflichen Orientierungen einen Ortswechsel in der näheren Zukunft, häufig die bessere Alternative zu einem staatlich unterstützten Verweilen, dass vielen Familien hier die einzige Möglichkeit zur Lebensgestaltung bietet.

Das Projekt "Meine Familie und ich" nähert sich mit Foto- und Videokamera einer Bestandsaufnahme innerhalb eines kurzen Zeitfensters, das sich gleichsam entwickelt im Takt der Veränderung. Das Bild von gestern muss mit dem Sein von heute abgeglichen werden. Und da schien das Konzept von "Familie" als wichtiger Ankerpunkt für eine Balance zwischen dem scheinbar Festen und dem in aller Regel sich unbemerkt Entwickelnden.

 
Probleme und Lösungen:
 
Anekdotisches:
Mir hat gefallen am Fotoprojekt, dass wir alle zusammen gearbeitet haben und dass wir Spaß hatten und nach draußen gehen konnten und fotografieren durften. Ich fande es schön, dass man mit seiner Familie kommen konnte. Ich fand das gut, dass aus unserer Klasse viele Schüler dabei waren und das hat einfach Spaß gemacht. Herr Carstensen und Frau Carstensen die waren auch ganz nett. Es hat mit den beiden Spaß gemacht. (Fatma, 11 Jahre)


Mir hat sehr gut gefallen, dass wir mit den Kameras auch nach Hause gehen durften und dann haben wir sehr viele Bilder gemacht. Meine Eltern waren erst nicht so begeistert und dann fanden sie das aber ganz gut. Es hat mir einfach gefallen, dass wir Fotos machen durften. Wenn wir Hilfe brauchten, waren Herr und Frau Carstensen immer bereit, um uns zu helfen. (Saskia, 11 Jahre)


Mir hat gefallen, dass wir Bilder bearbeiten durften, die wir selbst geschossen haben. Wir durften sogar die Kamera mit nach Hause nehmen. Einmal waren soger Reporter da. (Philipp, 11 Jahre)

Mir hat gefallen, dass man Bilder schießen konnten, sie einstellen und verändern. Wir duften auch Kameras mit nach Hause nehmen. Es waren sogar viele Leute da, die fotografiert werden wollten. Aber am meisten Spaß hat mir das Anmalen der Fotobank gemacht. (Calvin, 11 Jahre)

Ich habe im Fotoprojekt so viel gelernt. Wie stelle ich eine Kamera ein. Ich hab auch die Kameras mit nach Hause genommen und ich hab mit meiner Familie so viele schöne Fotos gemacht, auch mit meiner Freundin. (Rumina, 15 Jahre)

Mir hat am Fotoprojekt gefallen, dass ich gelernt habe, wie man richtig Fotos schießt. Die Ausstellung hat auch viel Spaß gemacht. Und die Zusammenarbeit war auch sehr toll. (Miriam, 12 Jahre)

Wir sind jetzt hier in Deutchland seit einem Jahr. Dieses Projekt hat uns viel beigebracht. Wir haben gelernt, richtig Fotos zu machen und in einer Gruppe zusammen zu arbeiten . Wir fanden es toll, von unseren Familien zu erzählen, zuhause Video und Fotos zu machen und das in der Schule zu zeigen. Wir sind auch in der Wohnung fotografiert worden. Das hat uns sehr gefallen und es hat viel Spaß gemacht in diesem Projekt dabei zu sein. Wir haben uns sehr wohl gefühlt - Nós nos sentimos muito bem.(Helin, 13 Jahre und Lara, 15 Jahre)

Ich habe im Fotoprojekt sehr vieles gelernt, Wie man eine Kamara richtig einstellt, ob das scharf oder unscharf ist.
Ich durfte auch eine Profikamara mit nach Hause nehmen und meine Familie fotografieren. Wir hatten auch eine eigene Projekt Wohnung, wo wir jede Woche da waren, Fotos bearbeitet haben für die Ausstellung. Im Familienzentrum haben Susanne, Maja, Natalia und ich Kinder mit ihren Müttern fotografiert. Meine Eltern waren nicht so sehr begeistert davon, was ich gemacht habe, aber nach einer Zeit, als sie die Fotos gesehen haben, war es schon schön. Es waren aus verschiedenen Nationen Familien da. Es war auch sehr schön diese Familien fotografieren zu können. Ich habe dann auch manchmal alleine in der Ausstellung Aufsicht geführt und den Leuten von unserem Projekt erzählt. Also mir hat es sehr viel Spaß gemacht. Inzwischen werden mir auch Angebote gemacht, bei Veranstaltungen Fotos zu machen. Manchmal bekomme ich dafür sogar ein kleines Taschengeld. (Derya, 14 Jahre)

Grünhöfe hat viele Gesichter

Bremerhaven. „Den Kopf etwas nach oben. Und nicht so ernst. Ach, die machen auch nie, was wir wollen.“ Susanne Carstensen albert hinter dem Kamerastativ herum, schon lachen Vater, Mutter und Sohn auf der Holzbank. „Jetzt abdrücken“: Die Sozialpädagogin schaut der türkischen Schülerin Derya Gök über die Schulter, wie sie wieder eine Familie aus Grünhöfe fotografiert. Von Sebastian Loskant
Etwa 20 Schülerinnen und Schüler der Medienwerkstatt der Immanuel-Kant-Schule sind seit August damit beschäftigt, mit Foto- und Videokameras Gesichter und Familiengeschichten aus Grünhöfe zu sammeln. Dazu gehört auch die Fotoaktion am Sonnabendnachmittag in der Boschstraße 9l.

Die leere Wohnung im ersten Stock, von der Gewoba zur Verfügung gestellt, ist mit Hilfe der Aktion „Wohnen in Nachbarschaften“ (Win) in ein Atelier verwandelt worden. Das beste Foto wird gleich kostenlos ausgedruckt. Es ist bereits der vierte Termin, und um Lehrer Jens Carstensen, der das Projekt mit seiner Frau betreut, wird es manchmal richtig eng.

Da stiefelt etwa der achtjährige Agash herein, mit seinen großen Brüdern Manojithan (12) und Prakas (14) im Schlepptau. Erst lassen sie sich im Sitzen gemeinsam ablichten, wobei Nesthäkchen Agash immer den fröhlichen Mittelpunkt gibt. Dann holen sie ihre Mutter dazu: Indradevi Ratnakumara, die aus Sri Lanka stammt und seit 14 Jahren in Deutschland lebt, ist sichtlich stolz auf ihre drei Jungs.

Gut 30 solcher Familienporträts haben die Carstensens bereits zusammen. Ihr Ziel ist es, die Vielfalt der Nationen in Grünhöfe vorzustellen. In der Fotogruppe etwa arbeiten Jugendliche türkischer, irakischer, afghanischer, brasilianischer und peruanischer Herkunft mit.

Einige haben ihre Familien auch zu Hause fotografiert. Oder sie haben vor der Videokamera von ihrem Leben in Deutschland erzählt. Lara aus Brasilien etwa findet es hier schön, aber zu kalt, und stellt ihre beste Freundin, Inez aus Peru, vor.

„Nach einer neuen Shell-Studie ist vielen Jugendlichen die Familie wieder wichtig“, sagt Carstensen. Und reicht schon wieder türkischen Tee an die nächste Familie, die hereinkommt.

Am Sonnabend, 23. Oktober, von 14 bis 18 Uhr ist die letzte Gelegenheit, sich in der Boschstraße 9l ablichten zu lassen, dann wird dort aus den Bildern die Ausstellung „Meine Familie und ich“ zusammengestellt und am Sonntag, 31. Oktober, um 12 Uhr eröffnet. Bis 6. November ist dann täglich von 14 bis 18 Uhr zu sehen, wie vielgestaltig das Gesicht Grünhöfes ist. (Sebastian Loskant, Kulturredakteur Nordsee-Zeitung Bremerhaven)

Familie ist etwas, dass - glaube ich - deshalb bei uns so hoch gehalten wird, nicht nur weil wir alle darin aufgewachsen sind, sondern weil Familien mehr und mehr in Gefahr sind. Die Idee einer Familie, zunächst einmal eines Mannes und einer Frau, die ein Leben lang zusammenleben, die Kinder haben und immer zusammen bleiben ist die große Traumvorstellung von allen.
Die Wirklichkeit - vor allen in den großen Städten, sieht anders aus. Viele Leute trennen sich, oft bevor die Kinder groß sind. Um so mehr idealisieren wir die Idee der Familie, die funktioniert, in der die Eltern und die Kinder sich möglicherweise alle miteinander verstehen.

Dieses ist aber ein ewiger Prozess, ein ewiges mit einander Streiten, ein sich für einander Interessieren, damit man eine lebendige Gemeinschaft darstellt. Davon aber glaube ich träumen wir alle, dass wir in einer lebendigen Gemeinschaft leben, in einer Welt, in der sonst unendlich viele Leute sich unendlich einsam fühlen.
(Hans-Hermann-Klare, Stern, Ressortleiter Ausland, Interview aufgezeichnet auf der Oldenburg Model United Nations (OLMUN), 31. März 2010)