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Tom Dumm wird von Ratski verhört - Szene aus "Phingers - Das Bankett"
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Phingers' Labor - Die KlangLaborateure
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Die verrückte Professorin Phingers in ihrem Labor
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Die Rektorin im Käfig wartete auf ihre Befreiung
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Es ist einfach... - Hip Hop Jungs und Dirigent
Die Abenteuer von Tom Dumm. Eine Oper in 3 Stationen von Gordon Kampe, Juliane Klein und Fredrik Zeller
Schule:
ca. 180 SchülerInnen verschiedener Schulen und Schultypen aus Augsburg und der Region


Sonstige
 
Kooperationspartner:
MEHR MUSIK!
c/o Kulturpark West
Sommestr. 30
86156 Augsburg
Tel.: 0821 - 45 06 148
www.mehrmusik-augsburg.de

Theater Augsburg
Kaserstr. 4 - 6
86152 Augsburg
www.theater.augsburg.de

 
Beteiligte Schüler:
ca. 180
SchülerInnen im Alter von 7 bis ca. 20 Jahren. Sie kamen aus allen Schularten (von der Grundschule bis zum Gymnasium) und familiären Hintergründen - vom gut situierten, musisch geförderten Kind bis hin zum Jugendlichen aus dem Brennpunktviertel und der Brennpunktschule.
 
Beteiligte Lehrkräfte:
s.o.
 
Stundenvolumen:
Phase 1:
Schreibwerkstatt (AG am Nachmittag) zur Erstellung der Textvorlage für das Libretto an der Hans-Adlhoch-Schule Augsburg (Grundschule): 2 Wochenstunden über 12 Wochen.

Phase 2:
Ab Schuljahresbeginn 2009/2010: W-Seminar (G 8) zur musikalischen Erstellung des Opernteils von J. Klein: 2 Wochenstunden

Ab Oktober bis Dezember 2009: Einzelproben, Gesangs- und Choreinstudierung: je 2 Wochenstunden pro Gruppe / Ensemble

Phase 3:
Proben im Ensemble: Januar bis April 2010 - in der Regel ca. 2,5 Stunden pro Woche pro Opernteil. In den letzten 2 Wochen vor der Premiere wurde 3 x pro Woche jeweils 4 Stunden geprobt.

Phase 4:
Uraufführung und Folgeaufführungen: Ende April 2010

 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
MEHR MUSIK! entstand im Frühjahr 2008. Gleich nach dem offiziellen Start des Projekts machte sich das kleine Team an die Umsetzung des Plans, ein neues Musiktheaterwerk in Auftrag zu geben, das sängerisch und spielerisch ganz von Kindern und Jugendlichen umgesetzt werden sollte - es sollte IHRE Oper sein.

Durch die praktische Auseinandersetzung mit Neuer Musik und das Treffen mit den Komponisten, die die Produktion begleiten, sollten die jungen Mitwirkenden, so die Idee, einen direkten Zugang zu zeitgenössischer Musik erhalten.

Noch im Sommer 2008 wurden 3 Komponisten - Juliane Klein (Berlin), Fredrik Zeller (Stuttgart) und Gordon Kampe (Essen) - für die Aufgabe verpflichtet. Die Komponisten sind vollkommen unterschiedlich - und das war beabsichtigt, denn die Projektleiter wollten die Kinder und Jugendlichen mit drei ganz individuellen heutigen Klangsprachen konfrontieren.

Den Jugendlichen zur Seite gestellt wurde ein künstlerisches Team, das die Arbeit an den drei Werken begleitete, anleitete, mitgestaltete und das den Jugendlichen in allen Lagen und Entwicklungsschritten der Oper zur Seite stand: Julia Hübner (Regie) / Geoffrey Abbott, Tobias Burann-Drixler und Eberhard Fritsche(Musikalische Leitung) / Fabian Lüdicke und Jennifer Sittler (Bühne, Kostüme, Ausstattung) / Susanne Reng (Regieassistenz) / Ute Legner (Produktionsleitung).

Das Opernprojekt war als "Stationenoper" geplant: Das Publikum wurde bei Ankunft in 3 Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe hatte ihre "Tom-Dumm-Clique", eine Gruppe Jugendlicher, die das Publikum an die drei Spielorte auf dem Gelände einer ehemaligen US-Kaserne führte. Jede Publikumsgruppe sah also die Oper in anderer Reihenfolge!

Das machte das Ganze sehr spannend - und genauso spannend waren die Aufführungsorte: Eine Disco - die "Musikkantine" (hier war der Opernteil in sich sogar noch einmal in ein Oben und Unten unterteilt, nach 15 Minuten wechselte das Publikum die Stockwerke!) - das ehemalige Soldatenkino Reese-Theater (hier wurde das Publikum auf die Bühne gesetzt und die Akteure sangen und spielten inmitten der 500-Plätze-Publikumsbestuhlung aus rotem Kunstleder!) sowie die ehemalige Krad-Halle, in der früher Fahrzeuge repariert worden waren.

Zum Inhalt der 3 Teile:
In jedem der drei Teile gab es einen Hauptdarsteller: Tom Dumm. Er wurde mal von einem 12jährigen, mal von einem 20jährigen gespielt. Um ihn herum entwickelte jeder Komponist aus dem gleichen Textkonvolut einen vollkommen anderen Handlungsstrang:

Gordon Kampe: PHINGERS (Musikkantine)

Teil 1 - unten: Das Labor
Die mächtige und gefährliche Erfinderin Professorin Phingers möchte die Welt beherrschen. Dabei hat sie einige Helfer: Ihre Papageien, die ihr alles nachplappern, fliegende Frösche, mit denen sie „expimitiert“, einen armigen Roboter (sic!), der ihre Befehle ausführt, sowie den Fahrradtypen, der den Strom für all ihre Geräte erzeugt. Dann ist da auch noch eine traurige Putzfrau, die von ihr gefangen gehalten wird und vergeblich versucht zu „endwischen“ (sic!).
Tom Dumm, unser Held, schleicht sich in das Labor der gefährlichen Professorin ein. Dort entdeckt er die Bedienungsanleitung einer ihrer seltsamsten Erfindungen: Des Schockfrosters 3000. Aus Versehen startet er das Gerät, das mit viel Lärm losgeht und Phingers auf den Eindringling aufmerksam macht. Sie verhört Tom Dumm, den sie im Schockfroster gefangen setzt.
Zum Glück findet die Putzfrau in letzter Minute den „Stift was alles kann“, mit dem sie Phingers außer Gefecht setzen und Tom befreien kann. Tom Dumm ist erleichtert und wird ein bisschen übermütig - doch Phingers scheint unbesiegbar…

Teil 2, oben: Das Bankett
Auf dem Dachboden feiert eine Rattenbande ein ausuferndes Bankett. Plötzlich steht Tom Dumm im Raum: die Ratten verkriechen sich, weil sie den seltsamen Eindringling fürchten.
Ratski und Ratco verhören todesmutig Tom Dumm, der selbst Angst vor den beiden Ratten hat. Als allen dreien im Verlauf des Verhörs klar wird, dass sie die gleiche Sprache sprechen und die gleichen Dinge gerne essen, sind die Ratten und auch Tom Dumm erleichtert.
Tom berichtet über seltsame Geräte, die er im Labor der bösen Professorin Phingers gesehen hat: Dem Großkleinautomaten, mit dem man Dinge so weit vergrößern kann, dass man sogar auf einer Ameise reiten kann. Und vom Schockfroster 3000, der fast alles auf –800 Grad Celsius herunterkühlen kann.
Alle sind sich einig: Sie müssen Phingers überlisten, bevor diese die Weltherrschaft an sich reißen kann! Als rettende Idee fällt Ratco Doktor Haxtinbab ein, der den „Stift was alles kann“ besitzt. Ob Tom Dumm die böse Phingers damit besiegen kann?

***

Fredrik Zeller: YAKUP, TOM DUMM UND DIE REKTORIN IM KÄFIG (Reese-Theater)

Tom Dumm und sein Freund Yakup „zoggern“ - das ist eine Art Fußball, bei dem man den Ball auf jegliche Art und Weise hin- und herspielen darf. Auf ihrem Nachhauseweg finden sie sich – angelockt durch seltsame Gerüche – plötzlich vor einem großen Käfig wieder und machen dort eine unglaubliche Entdeckung: Der böse Cornelius hält die Rektorin darin gefangen und quält sie! Für Tom Dumm und Yakup ist die Sache klar: Sie wollen die Rektorin befreien. Doch Cornelius hat gefährliche Helfer, wie den Säbelzahntiger und giftige Spinnen. Zum Glück können Tom und Yakup den bösen Cornelius und seine Helfer durch einen raffinierten musikalischen Trick überwältigen...

***

Juliane Klein: ES IST EINFACH (Krad-Halle)

Die Geschichte spielt an einem ganz normalen Tag im Leben von Tom Dumm. Wie immer laufen sich auch heute die unterschiedlichsten Personen über den Weg: Leute, die sich mögen, die miteinander befreundet sind, in Cliquen zusammen hängen, aber ebenso begegnen sich Menschen, die sich kaum kennen oder nichts miteinander anfangen können. Tom ist Beobachter – er betrachtet diese Menschen mit all ihren kleinen Eigenheiten und ihren ganz eigenen Wünschen.
Obwohl er von so vielen Menschen umgeben ist, fühlt Tom sich fremd und keiner Gruppe zugehörig. Die verträumte Tina ist die einzige, die ihm nahe ist. Sie weiß nicht so recht, was sie mit ihrem Leben anfangen soll, da taucht unerwartet Love aus der Menschenmenge empor und gibt ihr einen Schubs, ihr Leben anzupacken...

 
Projektauslöser/Idee:
MEHR MUSIK!, das Vermittlungsprojekt des Theaters Augsburg für Neue Musik, hat jedes seiner 4 Projektjahre unter ein bestimmtes Thema gestellt. Das erste Motto lautete: Musik und Theater.

Das Projektteam und die Projektträger (Theater Augsburg) beschlossen, eine Oper in Auftrag zu geben, in der Kinder und Jugendliche als SängerInnen, MusikerInnen oder Chormitglieder auftreten konnten, um so einen direkten und unakademischen Zugang zum Thema "Neue Musik" zu erhalten - im besten Sinne eines "learning by doing"!

 
Projektentwicklung:
Phase 1:
Entstehung der Vorlage zum Libretto: MEHR MUSIK! rief an der Hans-Adlhoch-Schule Augsburg eine kostenlose Schreibwerkstatt für Dritt- und Viertklässler ins Leben, die in der Regel noch eine wahrhaft blühende Phantasie besitzen. Die Texte für das Opernwerk entstanden unter Leitung der professionellen Theaterpädagogin Christina Bründler (Junges Theater Augsburg)

Phase 2:
Ende 2008 bis Sommer 2009: Die Komponisten destillierten aus den Texten der Kinder ihr jeweiliges Libretto; dabei nahmen sie auch deren orthografische Kuriositäten auf, was zu völlig neuen Sinnschöpfungen führte und besonders auf Seiten des erwachsenen Publikums für den ein oder anderen Schmunzler sorgte; danach entstanden als erstes die Kompositionen von Gordon Kampe und Fredrik Zeller. Juliane Klein war in Vorbereitung der Arbeitsblätter für die Mitwirkenden von "Es ist einfach".

Phase 3:
Ab Schuljahresbeginn 2009/2010: Die Mitwirkenden in "Es ist einfach" begannen im Rahmen eines W-Seminars (G 8) gemeinsam mit der Komponistin und Regisseurin, die Musik für ihren Opernteil zu erarbeiten.

Ab Oktober bis Dezember 2009 begannen registerweise Einzelproben, Gesangs- und Choreinstudierung der Mitwirkenden aus den Opernteilen von Gordon Kampe und Fredrik Zeller.

Phase 4:
Proben im Ensemble - die Gruppen finden zusammen: Januar bis April 2010 - in der Regel ca. 2,5 Stunden pro Woche. Die Proben erfolgten In Proberäumen und immer wieder auch in den Spielstätten. In den letzten 2 Wochen vor der Premiere zog die Sache noch einmal an und es wurde 3 x pro Woche jeweils 4 Stunden geprobt.

Phase 5:
Uraufführung! Vor ausverkauftem Haus fand am 23. April 2010 die Uraufführung der Oper statt. Es folgten 4 weitere Vorstellungen, 2 davon waren Schulvorstellungen.

 
Besonderheiten:
Das Besondere an "Die Abenteuer von Tom Dumm" ist zum einem die Musik. Zeitgenössische komponierte Musik war den Kindern, auch den Jugendlichen - sogar jenen Schülerinnen, die an einem musischen Gymnasium ausgebildet wurden - fremd. Die Scheu vor diesem seltsam Andersartigen zu nehmen, war eine der Aufgaben des Projekts.

Das andere ist das Genre: kaum einer der Kinder und Jugendlichen war jemals in einer Oper gewesen oder hatte Opernmusik gehört.

Besonders war auch: Die Mitwirkenden standen im Mittelpunkt nicht nur der Produktion, sondern vor allem des Prozesses. Das professionelle Team (Regie, musikalische Leitung, Ausstattung, Komposition) half und führte, wo notwendig. Die mitwirkenden Kinder und Jugendlichen waren Musiker, Solisten, Chor, teils sogar die Komponisten ihrer Oper.

Auch für das Publikum - ebensowenig geschult in der Klangerfahrung Neuer Musik oder der Welt der Oper - war dies ein besonderes Event - auch durch die drei Stationen, die es durchlaufen durfte, um das ganze Werk zu sehen. Auf diesen "Wanderungen" zwischen den Spielstätten wurde diskutiert, kommentiert, rekapituliert.

Für das Publikum hatte die Oper durch die Ortswechsel, durch das Wandern von Station zu Station und durch die ungewöhnlichen Räumlichkeiten einen ganz besonderen Charakter, der die Musik noch unterstrich und umso eindrucksvoller machte.

Die Mitwirkenden arbeiteten nicht nur mit konventionellen, sondern teils sehr ausgefallenen Instrumenten und zahlreichen Geräuscherzeugern (Almglocken über 3 Oktaven, Röhrenglocken groß, Loopmachine, Waldteufel, Giekaphon, Knackfrösche, Styropor mit Geigenbogen gestrichen, Furzkissen etc.).

 
Probleme und Lösungen:
Das Schwierigste war, die gesamte Produktion zusammen und die vielen Mitwirkenden, die allesamt unterschiedliche Hintergründe mitbrachten, am Ball zu halten.

Durch die hohen zeitlichen und inhaltlichen Anforderungen in der Schule von heute kamen nie alle Beteiligten, die hätten da sein sollen, zu den Proben. Dies führte auf Seiten des künstlerischen Teams immer wieder zu Frustrationen, die durch die Projektleitung abgebaut werden mussten.

Intensive Gespräche mit den Eltern, Lehrkräften und Mitwirkenden sorgten dafür, dass bis auf eine Handvoll Kinder ALLE bis zum Ende dabei blieben. Die Mitwirkenden kämpften sehr mit der Aufgabe: die ungewöhnliche und sehr schwere Musik, die schwere Lesbarkeit der Partitur, die ungewöhnlichen Spieltechniken, dazu das ungewohnte Schauspiel. Viel Geduld und Probenzeit waren nötig, um all dies zu bewältigen, die nicht jede/r immer aufbringen wollte. Bis zum Ende waren sich die Mitwirkenden nicht sicher, wie und ob die Produktion laufen würde.
Hier musste viel Zuversicht und Zuspruch gegeben werden.

Doch waren am Ende wirklich alle überzeugt: Es war eine schwere Arbeit, aber sie hat sich in jeder Hinsicht für alle gelohnt!

 
Anekdotisches:
"Die Abenteuer von Tom Dumm" entstand über eine sehr lange Zeit hinweg, in der es viele eindrückliche Momente gab. Zum Beispiel, als einer der mitwirkenden Hip Hop-Jungs einen eigenen Rap-Song mitbrachte und präsentierte - noch nicht im Stimmbruch, begleitet nur von seinem 11-jährigen, beat-boxenden Bruder ... Einen Riesenschub nach vorne machte das Projekt, als die Mitwirkenden "ihre" Spielstätte zum ersten Mal sahen - positiv wie negativ, denn die Spielstätten entsprachen so gar nicht dem, was die Kinder und Jugendlichen sich unter "Theater" und "Oper" vorgestellt hatten! Die Disco "Musikkantine" wurde sofort geentert - der Tresen in eine Rhythmusmaschine verwandelt, die Bar als Percussionsinstrument genutzt ...

Sehr eindrücklich war auch eine der letzten Proben, als die Gruppen sich das erste Mal gegenseitig besuchten, um die Opernteile "der anderen" anzusehen - unheimliche Begeisterung, Jubel. Stolz. Vor allem: Stolz!

"Die Abenteuer von Tom Dumm" waren wirklich ein wahres Abenteuer.
Das Projekt hatte ein riesiges Ausmaß, das durch die wirklich schwere Materie - zum einen das Genre "Oper", zum anderen die Neue Musik - noch gewichtiger erschien.
Wir sind sehr stolz auf die Kinder und Jugendlichen, die dies bewältigt haben, die am Ende 100oprozentig dahinter standen und ihr Publikum durch ihre Leistung, und Professionalität überzeugten.