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erste kontaktaufnahme
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eröffnung des grenzübergangs
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grundriss der spielwerkstatt-reflektion der kinder
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ausstellung mauergedenkstätte
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mauerfall
Auf der Mauer auf der Lauer - Geschichte von Kindern für Kinder
Schule:
Nürtingen-Grundschule
Mariannenplatz 28
10997 Berlin
Tel:030 902988631

http://www.nuertingen-grundschule.de/

Grundschule / Offener Ganztag

 
Kooperationspartner:
Kooperationspartner:
SIDEviews e.V.
c/o Anja Scheffer
Eisenbahnstrasse 18
10997 Berlin
Tel. 0173-2390038
www.side-views.de

Gedenkstätte Berliner Mauer
Bernauer Straße 119
13355 Berlin
Tel: 030 467 98 66-66
www.berliner-mauer-gedenkstaette.de

Bundeszentrale für politische Bildung
Adenauerallee 86
53113 Bonn
Tel +49 (0)228 99515-0 (Zentrale)
Tel +49 (0)228 99515-115 (Kundenberatung)
Fax +49 (0)228 99515-113
E-Mail: info@bpb.de

Siehe auch die Kinder Web Seite der BpB hanisauland.de: http://www.hanisauland.de/spezial/mauerfall-2009/mauerfall-2009-kapitel-7.html

 
Beteiligte Schüler:
ca.100
JÜL 1,2,3 c
JÜL 1,2,3 f
JÜL 4,5,6 c
JÜL 4,5,6 f
 
Beteiligte Lehrkräfte:
5 KlassenlehrerInnen Claudia Merz, Englisch u. Geschichte Rolf Kochs, Deutsch, Mathe Peko Becker, Bildende Kunst, Deutsch Karl-Heinz Reus, Sonderpädagoge für geistige Behinderung und Lernbehinderung Simone Bähr, Deutsch u. Mathe sowie der Schulleiter Markus Schega
 
Stundenvolumen:
-November/Dezember 2009:
6 Wochen Interviewwerkstatt, 4 UStd. am Tag
-April/Mai 2010:
3 Wochen Workshop, 4 UStd. am Tag
-Juni 2010:
1 Woche Präsentationsvorbereitung, 4 UStd. am Tag
-Juni/Juli 2010:
1 Woche Präsentation, täglich von 10 - 17 Uhr

Das Projekt fand während der Unterrichtszeit statt. Von manchen Lehrern wurden die Projektergebnisse bzw. -erlebnisse im Unterricht nachgearbeitet, z.B. durch das Führen eines Projekt-Tagebuchs oder durch das Malen von Bildern zum Thema.

 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Siehe auch unseren Film auf der Kinder Web Seite der Bundeszentrale für politische Bildung hanisauland.de: http://www.hanisauland.de/spezial/mauerfall-2009/mauerfall-2009-kapitel-7.html

AUF DER MAUER, AUF DER LAUER – Geschichte und Kunst von Kindern für Kinder
Ein Langzeitprojekt zum Thema Geteilte Stadt an der Nürtingen Grundschule in Berlin Kreuzberg

Die Berliner Mauer teilte 28 Jahre lang eine ganze Stadt, zerriss Familien, trennte Freunde, Arbeitskollegen und forderte hunderte Todesopfer. Heute ist sie aus dem Alltagsbewusstsein der meisten Stadtbewohner verschwunden und nachwachsende Generationen wissen oft gar nicht mehr, wovon die Rede ist.

Mit diesem Pilotprojekt haben die Künstler des Vereins SIDEviews e.V. interdisziplinär auf den Gebieten Kulturgeschichte, Bildende Kunst, Architektur, Theater, Film und Musik mit ca. 100 Schülern der Nürtingen Grundschule Berlin-Kreuzberg gearbeitet. Sie haben ihnen nicht nur ein Basiswissen über die Berliner Mauer vermittelt, sondern ihnen auch das Instrumentarium in die Hand gegeben, um sich eigenständig die historischen Zeichen in ihrer Stadt, ihrem Lebensumfeld zu erschließen. Anja Scheffer (Regisseurin), Hendrik Scheel (Bühnenbildner), Hannah Pelny (Dramaturgie) und Giles Schumm (Musiker und Instrumentenbauer) entwickelten ein Modell, mit dem Kinder (und Jugendliche) durch verschiedene dokumentarische und künstlerische Techniken gesellschaftlich und politisch relevante Themen erleben und erfahren können.

Über drei Projektphasen von November 2009 bis Juli 2010 wurde die Arbeit gestaffelt.

Phase I, die Interview-Werkstatt, befähigte die Kinder zum selbständigen Führen von Interviews und umfasste Video-Interviews mit den Kindern zu ihrem Wissensstand in Sachen Berliner Mauer, eine Exkursion zur Mauer Gedenkstätte Bernauer Straße und entlang der East Side Gallery sowie eigene Video-Interviews der Kinder mit Zeitzeugen.

Die Spiel-Werkstatt in Phase II: Unter dem Motto „DIE GETEILTE STADT“ ging es um das sinnliche Nacherleben und die künstlerische Umsetzung der erworbenen Kenntnisse über das Leben in Ost und West. Eine riesige Mauer, die aus 150 mit Klebebändern aneinander fixierten Umzugskartons bestand, teilte die Aula der Schule in zwei Gebiete: „Blauland“ und „Orangania“. Die Kinder wurden streng getrennt, meist von ihrem besten Freund, und agierten auf der einen oder der anderen Seite, schrieben sich Briefe, bauten Musikinstrumente, bemalten die „Mauer“, erfanden Schmuggel- und Agenten-Spiele und Sprechchöre. Zum Abschluss wurde die Mauer in einer Choreografie in Zeitlupe eingerissen.

Phase III : Präsentation des Projektes im neuen Pavillon der Mauer-Gedenkstätte Bernauer Straße. Dort wurde der Spielraum installiert mit Pappkarton-Mauer und Orangania und Blauland. Von den Künstlern begleitet, machten die Schüler das Konzept für die Ausstellung und den Katalog dazu, kuratierten und setzten um: Sie schrieben, malten, scannten, layouteten, bauten, lasen vor, interviewten die Besucher und musizierten auch gemeinsam mit den Besuchern. Von morgens bis abends zeigten die Grundschüler(innen) ihre Ausstellung unermüdlich und mit viel Spaß vor Touristen aus aller Welt, vor Presseleuten und Schulklassen aus anderen Schulen. In deutsch, englisch, türkisch, spanisch, dänisch und schwedisch gaben sie eine Einführung in das Projekt.


 
Projektauslöser/Idee:
2008 bereitete die Regisseurin Anja Scheffer gemeinsam mit Kollegen von SIDEviews e.V. ein Theaterprojekt zum Thema Staatssicherheit vor. Im Zuge der Recherchen fragte sie ihren damals 8 jährigen Sohn und seine Freunde, was sie denn von der Berliner Mauer wüßten. Die Anworten verblüfften: "Es gab ein West-Berlin und ein Süd-Berlin. In West-Berlin durfte man reisen und in Süd-Berlin nicht." Die Kinder besuchen eine Schule, die direkt am ehemaligen Mauerstreifen liegt (Nürtingen-Grundschule), und wussten so gut wie gar nichts darüber! Wie sich herausstellte, ist in Berlin das Thema "Mauer" im Grundschul-Lehrplan nicht vorgesehen und gilt ganz allgemein als zu schwierig und nicht kompatibel für Kinder. Das war für Anja Scheffer der Anlass, das Gegenteil zu versuchen und zu beweisen - ein Konzept zu entwickeln, mit dem (auch schmerzhafte) Geschichte für die Kinder erlebbar wird.


 
Projektentwicklung:
AUF DER MAUER, AUF DER LAUER – Geschichte von Kindern für Kinder

Projektphase 1: Interview Workshop im November / Dezember 2009 sechs Wochen lang mit 4 Klassen der Stufen JÜL 1-3 und JÜL 4-6. Es wurden ca. 100 Schüler vor der Kamera über ihr Wissen zur Berliner Mauer befragt. Dabei kamen von den Schülern Antworten von "Ich weiß nichts." bis "So war der Adolf halt." Natürlich gab es auch einige wenige unter den Schülern, die etwas mehr berichten konnten, vor allem aber haben alle sehr bereitwillig und offen vor der Kamera ein kurzes Interview gegeben.

Dann wurden die 4 Klassen von den Künstlern mit der Kamera auf je einer ganztägigen Mauerexkursion durch Berlin begleitet. Die Kinder besuchten die Gedenkstätte Bernauer Straße, erhielten dort eine hervorragende Kinderführung und wanderten anschließend an der East-Side-Gallery entlang auf der Suche nach Spuren der Geschichte vor „ihrer Haustür“. Dort wurden sie ein weiteres Mal interviewt und nach ihren interessantesten Erlebnissen auf der Exkursion befragt. Es entstanden ca. 90 Kurzinterviews mit erstaunlichen Feedbacks zu der Führung in der Gedenkstätte. Nachdem die Schüler nun ein wenig mehr über die Geschichte der Mauer wussten, entwarfen sie mit Unterstützung der Künstler Fragenkataloge für Interviews mit erwachsenen Zeitzeugen und befragten Erwachsene aus Ost und West, die früher an der Mauer in Berlin wohnten. Die Kinder haben in Gruppen aufgeteilt selbst die Kamera- und Tontechnik betreut, sowie die Interviewführung und Betreuung der Interviewgäste übernommen. Zudem haben sie an der benachbarten Bouché- Grundschule im ehemaligen Ostteil der Stadt andere Kinder zu ihrem Wissen befragt.

Ziel der ersten Projektphase war es, den Kindern auf eine neue, selbständige Weise Geschichte näher zu bringen und sie zu sensibilisieren für historische Zeichen, unter anderem für die in ihrem Lebensumfeld. Die Kinder gingen auf Grund der Erfahrung mit der Kameraarbeit sehr offen und engagiert auf das Thema zu. Kinder mit Migrationshintergrund wurden darüber hinaus auch sprachlich gefördert, da die Arbeit vor der Kamera und auch die als Interviewer eine hohe Konzentration und sprachliche Präzision fordert.

Projektphase 2: Spielwerkstatt / künstlerische Umsetzung: Im April / Mai haben sich die Kinder dann von verschiedenen künstlerischen Seiten aus dem Thema „Berliner Mauer“ genähert: Bildende Kunst, Theaterimprovisation, Choreographie, Musik, Interviews. Dabei wurden sie von 3 Künstlern von SIDEviews e.V. unterstützt: Anja Scheffer (Theater, Choreographie), Hendrik Scheel (Bildende Kunst, Raum), Giles Schumm (Instrumentenbau, Musik). Nun konnten die Kinder die Geschichte der Berliner Mauer mit ihrer Phantasie anreichern und dadurch eine eigene künstlerische Umsetzung erschaffen. Geschichte erspüren, erleben, kreativ umsetzen. Das übergeordnete Thema war dabei DIE GETEILTE STADT.

Eine Mauer aus 150 mit Klebebändern aneinander fixierten Umzugskartons wurde quer durch die Aula der Schule gebaut und dadurch ein streng geteilter Raum hergestellt. Ziel war es, durch Auseinandersetzung mit dem geteilten Raum mit verschiedenen künstlerischen Mitteln die Geschichte, die theoretisch erlernt wurde, mit allen Sinnen zu erfahren.
Dazu teilten wir die 4 Klassen in 4 Arbeitsgruppen ein: Jeweils eine halbe 1-3 JÜL- Klasse und eine halbe 4-6 JÜL-Klasse. Damit entstanden 4 altersgemischte Gruppen mit je 25 Kindern der Klassenstufen 1 bis 6 im Alter von 6 bis 12 Jahren, die jeweils einen Durchlauf des Mauerprojekts erfahren konnten.

Am ersten Tag des Workshops arbeitete SIDEviews mit Partnerspielen, jedes Kind mit seinem besten Freund. Dann wurden die Paare getrennt und in zwei Gruppen aufgeteilt, gekennzeichnet durch jeweils orangene oder blaue T-Shirts. Die Gruppen wurden in die Aula geführt in eine kleine “geteilte Stadt”, jede Gruppe auf eine Seite der Mauer. Daraus entstanden auf der einen Seite das “Blauland”, auf der anderen “Orangania”, zwei Länder mit unterschiedlichen Regeln und Möglichkeiten. Jedes Kind hatte den besten Freund auf der anderen Seite der Mauer, welche undurchdringlich und unüberwindlich schien. In Blauland durfte nur geflüstert werden. Geräusche und Musik waren erlaubt. Man konnte nicht an die Mauer herantreten aufgrund einer Absperrung. In Orangania gab es reichlich Farben und Bastelmaterial, die Mauer durfte bemalt werden. Bald schon begannen die Kinder dort Briefe zu schreiben und diese als Papierflieger oder an Luftballons gehängt auf die andere Seite zu werfen. Die Kinder im Blauland durften nicht antworten.

Im Laufe der nächsten Tage wurden die Regeln gelockert. Spione aus Blauland besorgten in Orangania Materialien (Holzstücke, Schnur, Plastikeimer, Büchsen etc.), es wurden Musikinstrumente gebaut (Percussionsinstrumente, E-Gitarren, E-Bässe etc.) und an Verstärker angeschlossen. Somit entstanden kleine Orchester, die sich bemerkbar machen konnten und dazu Choreografien, Chöre und Sprechchöre.

Die Kinder erfanden nun selber Mauergeschichten, die über Theaterimprovisationen zu “Bewegten Geschichten” verarbeitetet wurden. Parallel begannen sie mehr und mehr, Löcher in die Mauer zu schneiden, einen Briefkasten zu bauen, ein Telefon aus Plastikbechern und später einen Grenzübergang. Plötzlich wurde der Grenzübergang geöffnet. Die Kinder besetzten ihn, bastelten Pässe, konnten passieren, ihre Freunde plötzlich wieder sehen, die jeweils andere Seite der Mauer besuchen und dort mit arbeiten, spielen, Musik machen, malen, bauen. “Fremdenführer” zeigten den jeweils neuen Kindern ihr Land. Alle Kinder konnten einmal von der Mauer springen.

Dann kam der Tag, an dem die Mauer fallen durfte. In einer improvisierten Choreographie mit je 50 Kindern wurde die Mauer aus Umzugskartons in Zeitlupe umgestürzt. Eine wilde, freudige, anarchische Stimmung entstand. Die Kinder konnten aus den 150 Umzugskartons neue Objekte bauen. Es entstanden verschiedenste Gebäude bis hin zum Brandenburger Tor.

Am letzten Workshop-Tag wurde mit den Kindern der gesamte Workshop reflektiert und anschließend die Kinder interviewt zu ihren Erfahrungen im geteilten Raum. Es war erstaunlich, wie stark sich ihnen das Gefühl einer geteilten Stadt vermittelt hat, von der anfänglichen Trennung von ihren Freunden bis hin zum Freiheitsgefühl nach der Maueröffnung.

Projektphase 3: Präsentation im Pavillon der Mauergedenkstätte Bernauer Straße Ende Juni / Anfang Juli. Dafür durchliefen die meisten der ca. 100 Teilnehmer eine Woche lang einen weiteren Spiele – und Bau-Workshop. Diesmal ging es um das Kuratieren und Umsetzen einer Ausstellung. Sie hatten die Aufgabe, Blauland und Orangania vor zu stellen, begleitet und gecoacht von den Künstlern von SIDEviews.

Auf dem Fußboden der Aula wurde der Grundriss der Präsentationsfläche in der Gedenkstätte mit Klebeband abgesteckt. In diesem Modell richteten die Kinder die beiden Länder. Sie konnten sich eines oder mehrere Arbeitsfelder aussuchen. Im Blauland wurden weitere Musikinstrumente erfunden und gebaut, Orchester formierten sich. In Orangania wurden die entstandenen Objekte aus der Projektphase 2 sortiert und für die Ausstellung vorbereitet. Pässe, Briefe, Bilder, die Grenzübergänge. Aus der bemalten Mauer wurden Stücke ausgeschnitten und mit Bilderrahmen versehen, Vitrinen wurden gefüllt. In der Interview Werkstatt wurde fleißig geübt, um später Ausstellungsgäste zur Mauer zu befragen. In der Leseecke stellten die Kinder ihre Mauer Geschichten zusammen und lasen laut vor am Mikrophon. Anschließend wurde die Lesung aufgenommen und auf DVD gebrannt. Und im “Foyer” sammelte sich eine Gruppe von Kindern, um die Museums Führungen vorzubereiten, von einigen Kindern zweisprachig. In den nächsten zwei Tagen ging es dann in die Gedenkstätte zum Aufbauen. Die Mauer musste wieder errichtet werden, der Grenzübergang hinein geschnitten, Bilder gehängt, Vitrinen beleuchtet werden. … Die Aufregung stieg, die Disziplin aber auch. Und der Teamgeist. Es war bemerkbar, dass alle, die Kinder und die Künstler, sehr aufgeregt, aber auch sehr stolz waren.

Dann kam der Eröffnungstag. Der Schulleiter und der Vereinsvorstand hielten Dankesreden, Journalisten führten Presseinterviews mit Künstlern und Kindern, Fotos wurden gemacht, die ersten Schulklassen standen als Besucher vor der Tür. Von morgens bis abends zeigten die Grundschüler ihre Ausstellung unermüdlich und mit viel Spaß, Touristen aller Länder, Eltern, Grundschulkinder und Hauptschulklassen wollten sie sehen. Die Besucher wurden im Foyer der Gedenkstätte in mehreren Sprachen begrüßt und in das Gesamtprojekt eingeführt (deutsch, englisch, türkisch, spanisch, dänisch und schwedisch). Anschließend begleiteten die Kinder sie und zeigten ihnen die Filme mit ihren Erstinterviews, die Bilder, die Lesung, die Interviewwerkstatt, die Filme mit den Zeitzeugen Interviews, Blauland, wo die Band spielte und eine Filmdokumentation über Blauland lief, von ihrem Leben in der geteilten Stadt bis zum Mauerfall. Nach Orangania, wo ein Film über Orangania lief und die Besucher die Mauer bemalen durften (unter Anleitung der Kinder). Außerdem konnten sie sich Pässe basteln und von den Kindern einschweißen lassen, um dann den Grenzübergang zu passieren.

Beim Verlassen der Ausstellung trafen die Besucher noch auf eine kleine Gruppe von Kindern, die ihren Ausstellungskatalog verkauften sowie die Postkarten, die sie entworfen hatten.

 
Besonderheiten:
Das Projekt wagte sich an ein Thema, das bisher als nicht Kinder-kompatibel galt und entwickelte ein eigenes Format für die Erschließung geschichtlicher und politischer Themen für Kinder. Eine wichtige Funktion hatte dabei der Einsatz von Kameraarbeit und Interviews. Über die Neugier am Umgang mit der modernen Technik gelang es spielerisch, den Zugang zu einem weit zurück liegenden Gegenstand zu finden und immer wieder die Verbindung zwischen dem Abstrakten, Vergangenen und dem Konkreten, Gegenwärtigen herzustellen.

In diesem Pilotprojekt war es am Anfang noch nicht klar, wohin die Reise gehen wird. Es gab die Grundsatzentscheidung für das Risiko, sich gemeinsam mit den Kindern auf die Suche nach den Spuren der Geschichte und deren künstlerische Umsetzung zu begeben und die Impulse der Kinder in die fortlaufende Arbeit und alle Entscheidungen mit aufzunehmen. Das bedeutete z. B., dass die Künstler jeden Morgen zwischen 8.00 Uhr und 8.50 Uhr vor dem Workshop die Arbeitsergebnisse des Vortages in das bestehende Konzept einarbeiteten bzw. eben das Konzept vollständig neu schrieben.
Auch das Ende des Projektes war in der Startphase noch nicht klar umrissen. Die Künstler wagten das Experiment, sich so weit wie möglich auf die Impulse, die von den Kindern kommen würden, einzulassen. Auf diese Weise wurde auch der Anteil an Theater-Elementen im Laufe des Projektes immer kleiner. Gab es ursprünglich noch die Vorstellung an eine Bühnenaufführung, so erwies es sich im Verlauf, dass eine Ausstellung die viel bessere Präsentationsform ist.
 
Probleme und Lösungen:
Das Projekt war eine große logistische Herausforderung. Nicht nur wegen der Anzahl der Kinder, sondern vor allem wegen der Entscheidung für work in progress, grundsätzlich offen für die Impulse der Schüler zu sein, also auch spontane Ideen aufzugreifen und umzusetzen. So mussten Planungen von Tag zu Tag erneuert, geändert, überprüft werden, das ursprüngliche Programm wurde extem zusammen gekürzt, den gegebenen Bedingungen angepasst.

Aus ca. 100 Kindern von 4 verschiedenen JÜL-Klassen wurden 4 altersgemischte Gruppen gebildet. Im Kontext Schule, parallel zum laufenden Unterrichtsbetrieb, war oft ein organisatorisches Meisterstück zu bewerkstelligen - zeitlich, räumlich.

Die Energie und Freude der Kinder, sich auf das Neue, Unbekannte einzulasssen, hat uns angesteckt und quasi synergetisch unsere eigene Experimentierfreude noch gesteigert. Alle, Kinder und Künstler und Pädagogen, wuchsen mit der Zeit zu einem zuverlässigen und enthusiastischen Team zusammen.

 
Anekdotisches:
Am Tag des Mauerfalls brach die absolute Anarchie aus. Mit unglaublicher Zerstörungswut stürmten die Kinder die Mauer, so dass es den Künstlern und Lehrern Angst und Bange wurde. Deshalb gab es dann die Entscheidung, den 2. Durchgang (mit den anderen 50 Kindern) zu choreografieren und den Einsturz der Mauer in Zeitlupe zu machen. Das hat gut funktioniert und war auch während der Präsentation in der Mauer Gedenkstätte reproduzierbar / vorzeigbar.

In der 2. Phase, während der Spiele- Werkstatt, durften die Kinder in eigener Regie den Grenzübergang besetzen und haben sich Pässe dafür gebastelt, die Rollen unter einander aufgeteilt. Zu unserem Erstaunen entpuppten sich die Kinder als die fiesesten/ unausstehlichsten Grenzbeamten, die man sich überhaupt vorstellen kann - so stark hatten sie das Thema verinnerlicht!

Wir übten mit den Kindern Sprechchöre ein zum Text „Auf der Mauer auf der Lauer“. Die „Blauländer“ entwickelten aus der Situation heraus schnell eigene Slogans, wie „Freiheit! Freiheit!“, „Wir wollen rüber!“, „Mauer weg!“ und „Wir wollen Cheeseburger!“.

In der Gedenkstätte Berliner Mauer hatte sich eine Hauptschulklasse aus Steglitz angesagt. Ca. 25 sehr selbstbewusste, provokante Teenies standen den fünf Grundschülern vom Projekt gegenüber, deren Selbstbewusstsein erstmal verschwunden war. Tapfer zelebrierten sie trotzdem wie verabredet die Begrüßung der Gäste in ihrer Ausstellung auf deutsch, englisch, türkisch, dänisch/schwedisch und spanisch und errangen damit den erstaunten Respekt der älteren "halbstarken" Schüler. Im Anschluss ließen sich jeweils fünf von den "Großen" bereitwillig von einem "Kleinen" durch die Ausstellung führen.


Vor einem Kind waren wir mehrfach gewarnt worden, wir sollten kein Messer, keine scharfen Gegenstände in seiner Gegenwart liegen lassen, es sei sehr aggressiv, gewaltbereit. Doch diese Sorge erwies sich als überflüssig. Der Junge hat im Gegenteil eine überaus fürsorgliche Beziehung zu einem kleinen russischen Kind aufgebaut, das immer herum getragen und beschützt.