Mugel dich frei! - Ein Musical aus der Zukunft
Schule:
Immanuel Kant - Gymnasium
Herzogstr.75
42579 Heiligenhaus
Telefon: 02056 - 98250
Fax: 02056 - 982530
www.gymnasium-heiligenhaus.de

Gymnasium / Gebundener Halbtag
 
Kooperationspartner:
Stefan Filipiak, freiberuflicher Theaterregisseur, Theaterpädagoge und Autor mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendtheater, Neuss
www.stefan-filipiak.de

Nils Kemmerling, freiberuflicher Künstler in den Bereichen Video, Fotografie, Neue Medien und Installation, Düsseldorf
www.nilskemmerling.de

 
Beteiligte Schüler:
ca. 40
Musical-AG (für dieses Projekt gegründet): ca. 40 Schüler aus den Jahrgangsstufen 8-12, hauptsächlich Jahrgangsstufe 9; gliedern sich in Schauspieler, Video-Gruppe, Musikgruppe (Solisten, Chor, Band, Komponisten), Techniker (Licht und Ton); weitere Beteiligte bei Bedarf (z.B. Plakat, Catering, Garderobe, Bühnenhilfen etc.)
 
Beteiligte Lehrkräfte:
1 (Musik / Deutsch)
 
Stundenvolumen:
Das Projekt findet in Blöcken von je 3 Zeitstunden über das ganze Schuljahr 2010/2011 verteilt statt. (Der zeitliche Gesamtaufwand der kooperierenden Künstler entspricht mindestens den 40 Sitzungen zu je 90 Minuten, die von dem Programm "Kultur und Schule" des Landes NRW finanziell gefördert werden. Geschätzter zeitlicher Mehraufwand: 8 x 180 Minuten plus 2 Aufführungen.)
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Ermutigt durch den Erfolg unserer Aufführungen des Musicals „Mozart!“, dem ersten derartigen Projekt an unserer Schule seit langer Zeit, wollen wir diesmal noch einen Schritt weiter gehen: Mit Hilfe des Theaterpädagogen Stefan Filipiak, des Videokünstlers Nils Kemmerling und des Musik- und Deutschlehrers Ralf Koppel sollen die Teilnehmer ein eigenes Musical weitest gehend selbst erfinden und ausarbeiten. Um Bezug zur Wirklichkeit der Schüler herzustellen, verfielen wir auf den Arbeitstitel „HHouse 2035“: Das Musical spielt also einerseits in der Zukunft, andererseits am Schulort Heiligenhaus – die Schüler sollten sich also zwangsläufig Gedanken machen, wie sie sich das zukünftige Leben in ihrer Stadt vorstellen. (Allerdings ist dieser Aspekt im Laufe des Entstehungsprozesses des Musicals nicht so stark akzentuiert worden wie ursprünglich geplant.)
Außer in der Handlung sollen diese Bezüge auch durch Videoprojektionen als wesentlicher Bestandteil des Bühnenbilds verdeutlicht werden: Die „futuristische“ Verfremdung vertrauter städtischer Örtlichkeiten, Gleichzeitigkeit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sowie die Konfrontation von Live-Handlung und Video (z.B. Live-Großprojektion der gerade ablaufenden und gefilmten Handlung) sind spannende Einsatzmöglichkeiten dieses Mediums.
Die (Live-) Musik richtet sich genretypisch natürlich an Popmusik und Songtypen eines Musicals aus, erhält aber durch den gelegentlichen Einsatz ungewohnter Elemente (seltene harmonische Wendungen, Synthesizer-Sound-Effekte) zumindest teilweise eine futuristische Färbung . Abschlusssong ist eine „Heiligenhaus-Hymne“ als Liebeserklärung an die Heimatstadt.

Die von den Schülern erdachte Handlung spielt mit altbekannten Versatzstücken aus Film, Literatur und Trivialliteratur, dazu mit witzigen Übertreibungen heutiger Phänomene wie der Werbung; Schauplätze sind z.B. die Schule und die örtliche Eisdiele:
Im Jahr 2035 dominiert das Internet-Unternehmen „Moogle“ den Informationsmarkt. Neueste Entwicklung ist der „Moogle-Chip“,der, im Kopf implantiert, jederzeit Zugriff auf das Wissen der Welt ermöglicht, aber leider auch Tür und Tor für Manipulation durch das Unternehmen öffnet. Durch die verführerische Werbung verleitet, haben sich schon mehrere Schüler unerkannt den Chip einsetzen lassen; auf einmal fallen sie den Mitschülern durch unerklärliche schulische Höchstleistungen z.B. in Chinesisch auf. Die Schülerschaft spaltet sich in Chip-Befürworter und Rebellen gegen die totale Kontrolle. Die von Moogle ferngesteuerte böse Anführerin der Befürworter entführt die schärfste Gegnerin des Chips und macht deren Boyfriend in sich verliebt, da sie ihn per Moogle-Chip, den dieser sich wegen seiner schlechten schulischen Leistungen schon hat einsetzen lassen, in ihrem Sinne manipulieren kann. Schließlich setzen sich die Rebellen durch, indem sie einen Computervirus ins Moogle-System einschleusen. Das Liebespaar findet wieder zusammen, die Bevölkerung einer kleinen Stadt hat dem manipulativen Mega-Imperium widerstanden.

 
Projektauslöser/Idee:
"HHouse 2035" nutzt bereits vorhandene Schwerpunkte und Kompetenzen des Immanuel-Kant-Gymnasiums, bündelt sie und führt sie mit neuen ästhetischen Formen und Medien zusammen.

Im Laufe des Jahres 2010 fanden 3 Aufführungen des Musicals "Mozart!" (M.Kunze/S.Levay) mit ca. 60 Schülern als Solisten und Schauspielende, im Chor, im Orchester und in der Technik statt. Die Leitung hatten der Musiklehrer Ralf Koppel und der Theaterpädagoge Stefan Filipiak.

Von Schülerseite wurde der Wunsch nach einem neuen Musicalprojekt geäußert, sodass Koppel/Filipiak einerseits mit dem neuen Projekt "HHouse 2035" auf der Begeisterungsfähigkeit der Schüler/-innen für das Genre aufbauen, andererseits aber stärker die Erfindungsgabe und Kreativität der Teilnehmer/-innen fördern wollten. Da Filipiak in einem anderen Projekt erfolgreich mit dem Videokünstler Nils Kemmerling zusammengearbeitet hatte, entstand die Idee, das Bühnenbild teilweise oder ganz durch Video zu gestalten.
Die in dem Vorgängerprojekt "Mozart!" zwangsläufig vorhandenen Wiener Lokalbezüge brachten uns auf die Idee, im neuen Projekt lokale Verbindungen zur Heimatstadt der Schüler herzustellen.

 
Projektentwicklung:
1. Zunächst beantragten und erhielten wir die finanzielle Förderung dieses Projekts durch das nordrhein-westfälische Landesprogramm "Kultur und Schule".
2. Wir warben u.a. auf 2 Informationsveranstaltungen mit den Künstlern für das Projekt. Zielgruppe waren die Klassen 9 - 13. Als Interessenten meldeten sich vorwiegend Schüler der Klasse 9, obwohl wir eigentlich auf die Oberstufe gesetzt hatten.
3. Ein missglücktes Casting (siehe unten)zeigte: Solche Projekte sind bei uns noch keine Selbstläufer. Viel Überzeugungsarbeit bei den Schülern folgte.
4. Im November startete das Projekt mit erheblicher Verspätung. Schauspiel-Improvisationsübungen bildeten den Auftakt; daraus kristallisierte sich allmählich die Idee einer Handlung heraus.
5. Mitte Januar standen Handlung und Text in großen Teilen; ferner 5 von 7 Songtexten. Handlung und Text wurden in der Gruppe kollektiv erfunden / erspielt und dann von Filipiak redaktionell nachbearbeitet. Der Lokalbezug ist nur noch marginal - Der Titel wird vorläufig geändert in "Moogle dich frei! - Ein Musical aus der Zukunft".
6. Mitte Januar beginnen Video- und Musikgruppe mit ihrer Arbeit. Mitte Februar stehen die ersten Videoszenen und der Hauptsong "Moogle dich frei". Video und Musik müssen noch besser abgestimmt werden.
7. Ende Februar: Gesangstraining der Solisten / Formierung von Chor und Band; Arbeit am 2.Song

 
Besonderheiten:
1. Das Projekt versteht sich als offener Prozess. Alle Elemente (Buch/Libretto, Musik, Bühnenbild/Video)sind weitgehend ergebnisoffen von den Schülern zu gestalten. Dies geht bis zur Modifikation der ursprünglichen Projektidee. Die beteiligten Künstler und Lehrer verstehen sich (neben ihrer Expertenrolle)im Wesentlichen als Moderatoren und Katalysatoren.

2. Eine weitere Besonderheit stellt die Einbeziehung aktueller Medientechnologie dar. So wird das Bühnenbild wesentlich mit Video gestaltet. Bei der Entwicklung und Produktion der Musik werden Computerprogramme zur Komposition, zum Arrangieren und zur Produktion von Audio-Clips eingesetzt.

 
Probleme und Lösungen:
1. Die vorwiegend ins Auge gefasste Zielgruppe, Oberstufenschüler der Jahrgangsstufen 11 - 12, zeigte kaum Interesse. Grund (Ergebnis von Gesprächen): Arbeitsüberlastung, kaum noch Zeit wegen Nachmittagsunterrichts.

2. Ca. 25 Schüler der Klasse 9 meldeten sich zur Teilnahme an. Ein Casting wurde angesetzt, zu dem auch weitere Interessenten eingeladen wurden. Zu diesem Casting kam ... NIEMAND!! Wir rechneten mit dem Aus für das Projekt. Auf Nachfragen stellte sich heraus, dass die Schüler Angst hatten, wie die Kandidaten in DSDS bloßgestellt zu werden.

3. Viel Überzeugungsarbeit führte dann doch zu einem ersten Treffen. Durch Spiele und Improvisationsübungen konnte Filipiak den Schüler die Angst nehmen und Spaß an dem Projekt wecken. Ab da waren die Schüler begeistert bei der Sache, es kamen sogar neue Teilnehmer hinzu.

4. Der von den Künstlern ursprünglich angedachte thematische Schwerpunkt (Überalterung der Gesellschaft am Beispiel Heiligenhaus) wurde fallen gelassen, da die Interessen der Gruppe sich in eine andere Richtung entwickelte.

5. Die meisten zeigen Schüchternheit beim Singen. Nicht alle singen so gut, wie sie dachten. Lösung: Gesangstraining, einzeln und in der Gruppe.

 
Anekdotisches:
1. Ein Schüler entpuppte sich als ausgesprochen (wohlwollend) witziger Imitator rußlanddeutschen Dialekts. Als sich ferner herausstellte, dass zwei Teilnehmerinnen rußlanddeutsche Wurzeln haben, war klar, dass eine Russischstunde in der Handlung vorkommen muss!

2. Zum Casting kam NIEMAND!! Grund: Angst vor DSDS-ähnlicher Bloßstellung.