Hier Klicken für die Vollansicht
-
Hier Klicken für die Vollansicht
-
Hier Klicken für die Vollansicht
-
Hier Klicken für die Vollansicht
-
Hier Klicken für die Vollansicht
-
SHOW UP! Jugendliche kuratieren eine Ausstellung mit Werken der Sammlung des MMK
Schule:
Carl-von-Weinberg-Schule
Zur Waldau 21
60529 Frankfurt
069/21232810
www.carl-von-weinberg-schule.de

Gesamtschule
 
Kooperationspartner:
MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main
Domstr. 10
60311 Frankfurt
069-212 30113
www.mmk-frankfurt.de
 
Beteiligte Schüler:
19
19 Jugendliche aus einem Kunstgrundkurs der Stufe 12.
 
Beteiligte Lehrkräfte:
1 Kunstlehrerin1 Referendarin Kunst/Ethik
 
Stundenvolumen:
2x dreitägige Blockveranstaltungen von je 10-16 Uhr im MMK
+ 2 Stunden an einem Sonntag im MMK
+ 3 Unterrichtsstunden in der Schule
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
SHOW UP! war ein Kooperationsprojekt vom MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main und der Carl-von-Weinberg-Schule. Das MMK hat im Sommer 2010 erstmals Jugendliche eingeladen, eine eigene thematische Ausstellung mit Werken der Sammlung des MMK zu kuratieren und unter professionellen Bedingungen zu realisieren. Die Gruppe entwickelte dabei die Konzeption der Ausstellung: die Entscheidung über das Thema, über die Auswahl der gezeigten Kunstwerke, sowie deren Hängung im Raum lagen dabei in der Hand der Jugendlichen. Darüber hinaus arbeiteten sie bei der Vermittlung ihrer Ausstellung mit: sie schrieben das Besucherbegleitblatt zur Ausstellung, stellten ihr Projekt in Presse- und Eröffnungsreden der Öffentlichkeit vor und übernahmen Führungen für Besucher und Schulklassen. Dabei wurden sie professionell durch die Mitarbeiter des MMK – Kuratoren, Presseabteilung, Archiv, Kunstvermittlung unterstützt.
Bei SHOW UP! setzen sich die Jugendlichen nicht nur ungewöhnlich intensiv mit einzelnen Kunstwerken auseinander, sondern gestalten aktiv das Museum als Ort des kulturellen Lebens in der Stadt Frankfurt mit. Mit der Ausstellung machten sie (ihre) Themen öffentlich und stellen sie zur Diskussion. Durch das eigene Handeln in der Praxis entwickelten die Schülerinnen und Schüler ein nachhaltiges Verständnis von der Aufgabe und Funktion der Institution Museum. Im Rahmen projektorientierten Kunstunterrichts konnte eine selbstbestimmte, unmittelbare Auseinandersetzung mit Gegenwartskunst ermöglicht werden.
SHOW UP! wurde im Sommer 2010 in engster Zusammenarbeit von MMK Museum für Moderne Kunst und der Carl-von-Weinberg-Schule methodisch entwickelt und durchgeführt. Am Ende stand die Ausstellung "boys/girls", die u.a. Geschlechterrollen, Selbstentwürfe von Männern wie Frauen und den Umgang mit dem eigenen und anderen Körper thematisierte. Von Juni - September 2010 war diese im MMK zu sehen und zeigte Werke von u.a. Stephan Balkenhol, Silvia Bächli, Marlene Dumas, Johannes Hüppi, Michael Kalmbach, Bruce Nauman und Manfred Stumpf.
 
Projektauslöser/Idee:
Wie können Schule und Museum zusammenarbeiten, um Jugendlichen eine intensive Auseinandersetzung mit Gegenwartskunst zu ermöglichen und zu kulturellem Engagement und Partizipation zu motivieren? Katharina Mantel, Kunstvermittlung im MMK, hatte diese Idee, die der Frage entsprang, wie Kunstvermittlung aussehen kann, mit der Jugendliche aktiv einen eigenen Beitrag zu Museum, Kunst und kulturellem Leben der Stadt leisten können - der für alle Beteiligte interessant ist und bei dem sie Kunst und Museum unmittelbar kennenlernen und begreifen können. Ergänzt wurde dies mit schulischen Lernzielen sowie einer Idee außerschulischen Kunstunterricht gemeinsam methodisch wie inhaltlich zu entwickeln und durchzuführen. D.h. sich als Lehrer einen neuen Lernort für seinen Unterricht zu erobern, um projektorientierten, außerschulischen Kunstunterricht in Auseinandersetzung mit dem Original gestalten zu können.
 
Projektentwicklung:
Zunächst hat das Museum - in Absprache mit der Lehrerin - Fördermittel für das Projekt beantragt - die jedoch abgelehnt wurden. Daraufhin entschied das Museum, das Projekt in kleinerem Umfang und trotz eingeschränktem Budget zu realisieren. Der Lehrplanbezug wurde von der Lehrerin schriftlich nachgewiesen und der Schulleitung vorgelegt. Lehrerin und Kunstvermittlerin (MMK) stellten das Projekt der Schulleitung vor. Dann starteten die gemeinsamen inhaltlichen wie methodischen Überlegungen in wöchentlichen Treffen. Den Schülern wurde das Projekt zunächst von der Lehrerin im Unterricht vorgestellt. Es meldeten sich 19 Schülerinnen und Schüler des Kunstkurses zum Projekt an. Die Teilnahme auf freiwilliger Basis konnte nur erfolgen, da der Kurs in dieser Zeit mit einer Referendarin doppelt besetzt war – für die übrigen 8 Kursteilnehmer fand während des Projektzeitraums regulärerer Kunstunterricht statt. Die Lehrerin organisierte darauf hin die Freistellung der Schüler. Im Unterricht erfolgte von Lohmann geleitet: Sammeln von Themenvorschlägen der Schüler, Vorbereitung der Schüler auf das Thema durch Bildbeispiele aus Werbung und Kunst. In Absprache mit den Kuratoren wurde boys/girls als das Thema festgeschrieben, zu dem die Sammlung des MMK viele Werke zur Verfügung stellen kann.
Auf Seiten des Museums wurde der eigene Zeitplan mit dem der Schule koordiniert.
 
Besonderheiten:
Jugendliche haben die Gelegenheit direkt mit den Kunstwerken und den Originalen zu arbeiten: genaue Kunstrezeption und das eigene kritische Urteil wird zur Grundlage des eigenen Handelns.
Jugendliche werden zu Kulturproduzenten in ihrer Stadt.
Jugendliche können sich selbstbestimmt Gegenwartskunst nähern.
Jugendliche können sich durch Kunstwerke einem selbstgewählten Thema nähern.
In einer thematischen Kunstausstellung machen Jugendliche (ihre) Themen öffentlich und stellen sie zur Diskussion.
Kunstvermittlung wird dabei Teil des Museums. Rezeption wird dabei als aktiver, kreativer, verantwortungsvoller, sinnstiftender Prozess vermittelt.
Jugendliche lernen die Aufgabe und Verantwortung eines Museums kennen, indem sie diese selbst übernehmen.

Jugendliche setzen sich intensiv mit den von ihnen ausgewählten Werken auseinander und verfassen einen Textbeitrag dazu. Diese Texte sind während der Ausstellung erhältlich. Den Besuchern kann dabei eine neue Perspektive - die der Jugendlichen - eröffnet werden.

Exemplarich hier drei Schülertexte:

Till über Manfred Stumpf,
Ohne Titel, Ohne Jahr

Das Werk von Manfred Stumpf zeigt ein Pluszeichen über einem senkrecht stehenden Minuszeichen. Die beiden Symbole + und – stehen für gegensätzliche Pole, die aber doch in das gleiche Zeichensystem gehören. Sie stehen für positiv/negativ, gut/schlecht oder heiß/kalt. Es sind Gegensätze, die sich aber in magnetischer Form anziehen. Sie gehören zusammen, denn ohne das Eine könnte das Andere nicht existieren. + und – könnte auch für Mann und Frau stehen. Könnte das Minus ein Phallussymbol sein und für das männliche Geschlecht stehen? Eigentlich könnte beides für jedes Geschlecht stehen. Zeigt ein Mann in einem Moment seine starke, männliche Seite, kann er im anderen Moment seine weibliche Seite zeigen. Auch eine Frau kann die dominante Rolle in der Beziehung einnehmen, anstatt dem Klischee Frau zu entsprechen. Doch welches Symbol steht für das Dominante, welches für das Passive? Kann das + das Dominante sein, da es über dem – steht oder ist diese Deutung zu einfach? Ist das + das Dominante, weil es dem Positiven entspricht oder ist es das Minus, da in einer Rechnung Minus und Plus gleich Minus ergibt? Genauso vielfältig wie die Symboldeutung ist auch die gesamte Ausstellung zu verstehen und bietet Möglichkeiten zum Nachdenken und Schlussfolgern.

Kevin über Gabi Hamm
Ohne Titel, 2001

Was macht die in Gedanken versunkene Frau mit ihren Haaren? Kämmen? Nein, sie ist im Begriff, sich die Haare abzuscheiden. Erst beim zweiten Blick wird die Schere sichtbar. Diese Handlung wirkt ziemlich radikal, denn sie schneidet ihre Haare „irgendwo mitten drin" ab. Das stört die doch sinnliche und ansprechende Darstellung der Frau: Die Symmetrie der Figur sowie die der Haare, das angenehme weiche Licht stehen stark im Kontrast zur dargestellten Handlung. Vermutlich würde sich keine Frau ohne Weiteres die Haare so unkontrolliert abschneiden wollen, da die Haare bei einer Frau zu ihren Schönheitssymbolen zählen. Wann schneidet man sich die Haare? Man schneidet sich die Haare, wenn man eine Veränderung an sich selbst oder "im Leben" vornehmen möchte. Somit erhält man, durch das radikale Abschneiden der Haare, ein komplett neues Erscheinungsbild. Diese Frau will ihre Haare ganz bewusst abschneiden. Vielleicht möchte sie durch das radikale Abschneiden ihr "braves Mädchen Image" ablegen und anders gesehen werden?

Pascal über Gabi Hamm
Ohne Titel, 2000

Der linke Ellenbogen geht in den Hintergrund über. Das Gesicht ist unkenntlich gemacht. Die rechte Hand ist nicht sichtbar. Wenn man das im Zusammenspiel mit der verwischten Malart betrachtet, dann bemerkt man schnell, worum es wirklich geht: Die weibliche Ästhetik des Haaremachens. Die Symbolik dieses Moments ist für den Betrachter handgreiflich. Man macht sich hier schön. Die scheinbar nackte Frau will nicht nur anderen Leuten gefallen, sondern auch sich selbst. Das ist der Grund, wieso diese Malerei uns an die Suche nach der eigenen Identität erinnert und wie wir uns selbst in sinnlichen Momenten näher kommen. In solchen unscheinbaren Situationen lernt der Mensch seinen Körper kennen, erkennt seinen Style und findet heraus, wie er sich am wohlsten fühlt. Hiermit hat Gabi Hamm es geschafft, ein Bild einer Person zu malen, mit der sich ein Jeder identifizieren kann, obwohl wir doch alle einmalig sind.

 
Probleme und Lösungen:
Die Erarbeitung des gemeinsamen Zeitplans war eine Herausforderung – schulische Strukturen mit museumsinternen Arbeitsplänen zu koordinieren, war nicht immer einfach. Auf beiden Seiten galt es möglichst flexibel zu sein.

Für die Werkauswahl stand ein dreitägiger Block zur Verfügung, an dessen Ende die Schüler die Werke im Original gesehen hatten sollten, um Begleittexte zu einem Werk zu verfassen.
Es war zeitlich, organisatorisch sowie räumlich unmöglich die 120 Werke, die den Schülern zur Verfügung standen, im Original im Depot zur Ansicht bereit zu stellen. Demnach arbeiteten die Schüler zunächst mit Abbildungen der Werke auf Fotokarten des MMK und trafen auf diese Weise eine endgültige, reduzierte Werkauswahl für die Ausstellung. Dies musste innerhalb von 2 Tagen zusammengestellt – die letztlich immer noch 25 Werke mussten und konnten dann innerhalb eines halben Tages vom MMK Archivleiter herausgesucht und im Depot zur Ansicht bereitgestellt werden.

Beim zweiten Block ergab sich von Seiten des Museums kurzfristig organisatorische Schwierigkeiten: Der Aufbau musste direkt Montag morgen starten, nicht erst – wie die Planung ursprünglich vorsah – Montag Mittag, nachdem die Schüler vormittags die Werke im Ausstellungsraum gesehen und die Hängung endgültig entschieden hatten. Die einzige Lösung: Die Jugendlichen trafen sich also mit dem Kurator und einem Aufbauhelfer am Sonntagvormittag vor dem Block, um die endgültige Hängung zu besprechen. Glücklicherweise hatten tatsächlich auch 12 von 19 Teilnehmern Zeit und empfanden es als selbstverständlich auf das Wochenende auszuweichen.

 
Anekdotisches:
Max, der aus dem Depot kommt, sagt: "Ich finde es ja schon toll, wie das Museum uns vertraut - wenn man so nah dran steht an den ungerahmten Originalen - da hätte ja nur einer Niesen müssen."
Steffi, die sagte: "Ich kann es einfach kaum fassen, wie glücklich mich das Projekt macht"
"Wir haben hier alle mit dem gleichen Ziel gearbeitet", aus der Probe der Eröffnungsrede in der zentralen Halle, die Schüler loben und korrigieren sich gegenseitig selbst.