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Die neugierigen Munchkins
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Der Blechmann rettet Dorothy
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Die bedrohlichen Kampfbäume
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Giorgio Madia im Gespräch mit den Schülern
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Dorothy begegnet ihren neuen Freunden im Traum
OZ - Der wunderbare Zauberer
Schule:
Lemgo-Grundschule
Boeckhstraße 5
10967 Berlin
030/50585711


Grundschule / Offener Ganztag
 
Kooperationspartner:
Tanz ist KLASSE e.V.
c/o Staatsballett Berlin
Richard-Wagner-Straße 10
10585 Berlin
Te. (030) 34 38 42 62
www.tanz-ist-klasse.de
 
Beteiligte Schüler:
104
18 Kinder Klasse 5/6 WuV Musiktheater (Wahlunterricht ver-
pflichtend)
18 Kinder Klasse 2,3,4 AG Musiktheater
40 Kinder Orchester
20 Kinder Kl.3-6 AG Bühnenbild
8 Kinder Kl.5/6 WuV Video (Wahlunterricht verpflichtend)
 
Beteiligte Lehrkräfte:
Frau Schimmelpfennig - Musik Frau Fürchtenicht - Musik Frau Weinmann - Musik Herr Dauert - Video Frau Krause - Musiktheater Herr Landmesser - extern - Schlagzeug Frau Archipov - extern - Kunst Frau Brux - Staatsballett Berlin Frau Solasse - FSJK'lerin Staatsballett Berlin
 
Stundenvolumen:
2 Stunden wöchentl. - Musiktheater Kl. 5/6 über 7 Monate
2 Stunden wöchentl. - Musiktheater Kl. 2/3/4 über 7 Monate
2 Stunden wöchentl. - Orchester über 5 Monate
2 Stunden wöchentl. - Schlagzeug über 3 Monate
2 Stunden wöchentl. - Bühnenbild-AG über 3 Monate
2 Stunden wöchentl. - Video-AG über 3 Monate

zusätzl Extraproben Febr./März ca. 15 Stunden

 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Die TUSCH-Partnerschaft zwischen dem Staatsballett Berlin und der Lemgo-Grundschule besteht seit fast drei Jahren, in der die Tanzpädagogin Birgit Brux gemeinsam mit einer Assistentin (Freiwilliges Soziales Jahr Kultur)zwei mal zwei Stunden wöchentlich die beiden Musik-Theater-Gruppen (Kl. 2-4 und Kl. 5/6) begleitet und bereichert.
Die vorherigen Produktionen wurden eigenständig erarbeitet, dieses Mal orientieren sich die Partner am Spielplan des Staatsballetts Berlin, denn fast zu gleichen Zeit finden die Uraufführung "OZ - The Wonderful Wizard" in der Choreographie von Giorgio Madia und die Schüleraufführung im Rahmen der TUSCH-Festwoche statt.
Die Erzählung handelt von der kleinen Dorothy, die durch einen Wirbelsturm in ein anderes Land getragen wird und dort mit ihren neuen Freunden einige Abenteuer bestehen muss, ehe sie mit eigener Kraft wieder zurück in ihre Welt gelangt.
In dieser Geschichte findet sich einerseits die Bilderebene, die die Phantasie und Kreativität der Schüler anspricht, andererseits beinhaltet sie eine Deutungsebene, die die Kinder zur Auseinandersetzung mit sich selbst herausfordert und sie darin bestärkt, an ihre eigenen Kräfte zu glauben. Das Vorhandensein beider Ebenen und die Chance, durch Probenbesuche beim Staatsballett immer wieder neu inspiriert und motiviert zu werden, führte dazu, dass einer Parallelproduktion "OZ - Der wunderbare Zauberer" mit großer Begeisterung beim Planungsteam zugestimmt wurde.

Bei den Musiklehrerinnen, der Theaterlehrerin und der Tanzpädagogin bestand Konsens darin, dass in den Sparten Musik - Theater - Tanz - Bühnenbild zunächst eine Ideenbörse der Schüler und Lehrpersonen stattfinden sollte, die wiederum auf Umsetzbarkeit und Machbarkeit überprüft werden sollte. Ein regelmäßiger dialogischer Austausch zwischen allen beteiligten Personen sollte stattfinden, um einerseits eine große Identifikation mit dem gemeinsamen Projekt zu schaffen, andererseits auch, um sich gegenseitig immer wieder neu anzuregen. Dazu sollten auch frühe gemeinsame Proben gehören.
In gemeinsamer Abstimmung zw. der Tanzpädagogin und der Theaterlehrerin wurden wegen der Komplexität der Geschichte vom Zauberer von Oz einzelne Szenen ausgewählt und in den ersten Stunden den Theaterkindern gruppenweise zunächst vorgestellt, um sie zur szenischen Improvisaton anzuregen.
Aus den sehr unterschiedlichen Arbeitsergebnissen der Kinder entwickelte sich folgendes Grundkonzept:

1. Es gibt wenige reine Sprechszenen. Tanz, Theater und Musik gehen ineinander über. Die Tanzszenen transportieren auch den Inhalt. Die Textszenen sind mit Bewegung/Tanz oder Musik verbunden. Den Darstellern Blechmann, Vogelschreck, Löwe werden Instrumente zugeordnet, die sie in Bewegungen und Sprechsituationen begleiten.(verantwortl.: Krause)
2. Die Tänze sind tragendes Element des Projektes. Schwerpunktmäßig werden Ensembletänze entwickelt, die zunächst von den Schülern erarbeitet werden, um dann Impulse für eine weiterführende Choreographie seitens der Ballettpädagogin zu geben.(verantwortl.: B.Brux)
3. Die von G. Madia ausgewählte Musik wird entsprechend der ausgewählten Szenen übernommen, evtl.ergänzt durch das vom Schulchor gesungene Lied "Somewhere over the rainbow". Einzelne Stücke werden vom Schulorchester gespielt, die anderen werden durch CD eingespielt. Die Bewegungsmusik für die Protagonisten werden im Schulorchester entwickelt.
(verantwortl.: Fürchtenicht, Schimmelpfennig, Weinmann, Landmesser)

 
Projektauslöser/Idee:
Bei der Planung eines neuen Projektes schlug die Leiterin des Education-Programms Tanz ist KLASSE! vor, als Höhepunkt des dritten und letzten Jahres der TUSCH-Partnerschaft ein gemeinsames Projekt zwischen Staatsballett und Schule zu konzipieren. Giorgio Madia sollte in der kommenden Saison die Uraufführung des Balletts "OZ - The Wonderful Wizard" nach dem amerikanischen Kinderbuch-Klassiker "Der Zauberer von Oz" von L. Frank Baum choreographieren. Die Kinder könnten durch Probenbesuche, Gespräche mit dem Choreographen und Tänzern hierzu eine eigene Version entwickeln und vorstellen. Sämtliche Unterlagen, ausgewählte Musik und auch die DVD des Filmklassikers würden uns zur Verfügung gestellt.
Die fast ehrfurchtsvolle Begeisterung des Kollegenteams wich aber spätestens bei Sichtung der Unterlagen: Musik von Dmitri Schostakowitsch, eine klar strukturierte poetische Umsetzung des Kinderbuches, ein phantasievolles Bühnenbild und letztlich die großartigen Tänzer. Fragen nach der adäquaten Umsetzung für unsere Schüler entstanden. Wie stark halten wir uns an die Vorlagen, wie regen wir eigene Zugänge der Schüler an in einem festen Konzeptrahmen? Wollen wir ein reines Tanzprojekt? Noch in dieser ersten Phase wurden wir Anfang September zur Teilnahme an einer ersten Probe ins Staatsballett Berlin eingeladen. Die Theaterkinder wussten bis zu diesem Zeitpunkt noch nichts über das neue Projekt. Giorgio Madia gab eine Einführung und sie sahen die Probe des "Kopftanzes der Quadlings". Die Schüler waren so begeistert, dass in den nächsten AG/WuV-Stunden diese Szene unbedingt getanzt werden musste - nach den eigenen Vorstellungen der Schüler! Damit stand auch die Entscheidung fest, dieses gemeinsame Projekt in Angriff zu nehmen. Wir setzten uns als Ziel, die Balance zu finden zwischen sinnvoller Übernahme einzelner Ideenstränge und der Suche nach einer eigenen Version des Kinderbuches "Der Zauberer von Oz".


 
Projektentwicklung:
1. Planungsphase
Das Buch "Der Zauberer von Oz" beinhaltet sehr viele Einzelszenen und ist darüber hinaus sehr komplex. Um eine angemessene Umsetzung für Grundschüler zu ermöglichen, die auch den für die Aufführung vorgegebenen Zeitrahmen einhalten sollte, mussten wir eine Vorauswahl der Szenen treffen. Zwischen der Tanzpädagogin und der Lehrerin der beiden Theatergruppen fand eine Grobauswahl statt. Nach dem Probenbesuch bei Giorgio Madia wurden den Schülern diese Szenen vorgestellt zur eigenen Improvisation. In diesen ersten Improvisationsphasen und auch in den gemeinsamen Besprechungen der Charaktere der Hauptdarsteller sollten die von den Kindern gesetzten Schwerpunkte zu einer Arbeitsgrundlage führen. Es kristallisierte sich schnell heraus, dass vor allen Dingen die jüngeren Kinder Sprechszenen wünschten, während die Theaterkinder der Kl. 5/6 durchaus in der Lage waren, durch ihr mimisches und gestenreiches Spiel Inhalte ohne Worte zu transportieren. So hatte eine Gruppe die Szene der kämpfenden Bäume zunächst als gemeinsames Standbild konzipiert, das sich allmählich bewegte und bedrohlich auf Dorothy zuging .(Diese Szene wurde später in die Choreographie aufgenommen).
(Brux, Krause)

2. Erarbeitung Tanz: Ensemble
Schwerpunkt der Produktion sind die Ensembletänze. Hierbei werden von der Ballettpädagogin verschiedene Arbeitsweisen angewendet. So entstehen bei einer musikalischen Traumreise innere Bilder und Bewegungen, die zunächst einzeln, dann gemeinsam zu einem Bewegungsfluss und damit zu einer Ensemblebildung führen (z.B. Tanz der Mohnblumen, Luftballontanz) Auch der Tanz der Kampfbäume setzt den Grundgedanken des Miteinander, des Verwobenseins des Einzelnen voraus. Aus dem improvisierten Ideenmaterial werden von der Tanzpädagogin Teile verfeinert und verstärkt. Z.B. das von den Schülern entwickelte Standbild setzt sich mit der Musik fast zeitlupenmäßig in Bewegung und wirkt dadurch noch bedrohlicher. Die Kinder bekamen dann weiße Handschuhe und probierten vor dem Spiegel die Wirkung aus. Durch die Handschuhe waren sie auf ihre Hände fixiert und arbeiteten selbständig an ihren Bewegungen, die später mit Schwarzlicht in Szene gesetzt wurden. Genaue Anweisungen der Tanzpädagogin gab es erst, als es musikalisch notwendig erschien, eine neue Variante einzuführen und die vier Protagonisten Dorothy, Vogelschreck, Blechmann und Löwe ins Bild treten.
Dagegen ist der Tanz der merkwürdigen zwergenähnlichen Wesen, der Munchkins, von den Kleinen getanzt, sehr strukturiert und vorgegeben. Sowohl das Musikthema, die fehlende Tanzerfahrung der Kleinen und die Verbindung von Tanz und Text bedarf einer festen Struktur. Die Kinder lieben diesen Tanz so sehr, dass sie ihn nach Abschluss jeder AG-Stunde tanzen wollen.
(Brux)

3. Erarbeitung Text: Ensemble

Diese Wiederholungsübungen wirken sich auch positiv auf die Textarbeit aus. Diese erste Begrüßungsszene führt in die Geschichte ein. Jedes Kind hat sich für diese Szene einen Satz ausgedacht, der zwar schriftlich fixiert, aber nicht ausgehändigt wurde. In den ersten Übungsphasen blieb eine spielerische Spontaneität erhalten, änderte sich aber im Laufe der Zeit, vor allen Dingen bei den Aulaproben. Die Kinder vergaßen ihre Texte, konnten nicht mehr spontan reagieren, ratterten ihre Texte herunter. Erst das rein pantomimische Erzählen und Reagieren, dann die sprachlichen Übungen mit aus einzelnen Silben bestehenden "Quatschsätzen" und das Miteinander von Geste und Satz bewirkte eine Sicherheit und angemessene Ausdrucksfähigkeit der Schüler.
(Krause)

4. Erarbeitung Bewegung, Musik und Text: Hauptdarsteller

Die Auswahl der Hauptdarsteller wurde erst relativ spät gemeinsam mit den Schülern getroffen. Es gibt eine Doppelbesetzung (jeweils aus Kl. 2-4 und Kl. 5/6). Während bisher alle Schüler an den Ensembleszenen teilgenommen hatten, fand ab diesem Zeitpunkt eine Teilung innerhalb der Arbeitsgruppen statt. Während die eine Gruppe weiter an den Tänzen arbeitete, entwickelten die Darstellerkinder die ersten Begegnungen mit Dorothy. Zunächst improvisierten sie diese Szenen frei und fanden gleich in ihre Rollen, indem sie bestimmte Bewegungsmuster einfließen ließen (weiche puddingartige Bewegungen des Vogelschreck, hölzerne steife Bewegungen des Blechmannes etc) Die Kinder vermissten hierzu Musik, die zur Darstellung ihrer Rolle passte. Mit den Musiklehrern, die mit einigen Orchesterkindern schon entsprechende Bewegungsmusik entwickelt hatten, wurde ein erstes Probetreffen vereinbart. So wurden Änderungen, Ergänzungen und gegenseitige Wünsche direkt angesprochen und umgesetzt. Nach einer CD mit einer ersten Arbeitsfassung konnte weiter gearbeitet werden. Auch die von den Kindern entwickelten Dialoge wurden schriftlich fixiert,den Schülern aber nicht ausgehändigt, damit sie möglichst sicher in der Improvisation werden.
(Krause)

5. Zusammenführung
Im letzten Drittel des Arbeitsprozesses wurde die Bühnendekoration erstellt. Teilweise arbeiteten die Theaterkinder ebenfalls daran mit. Die Mohnblumen wurden uns von der Deutschen Oper zur Verfügung gestellt. Die Licht- und Tontechnik leiten die beiden Jungen der 6. Klasse. Das Orchester spielt den Walzer von Schostakowitsch, das Lied "Somewhere over the rainbow" aus dem Film Der Zauberer von Oz, das Musikstück: "Große Ballonfahrt" von Rainer Mohrs und die Bewegungsmusik für die Protagonisten. Der Chor singt "Somewhere over the rainbow". Die anderen Musikstücke von Schostakowitsch werden duch CD eingespielt.
Der Zauberer von Oz zeigt sich durch das von der Video-AG gedrehte Video und wird per Beamer eingespielt.
Zur Zeit finden die gemeinsamen Proben statt.
(Brux, Krause, Weinmann, Schimmelpfennig, Landmesser, Fürchtenicht, Archipov, Dauert)

 
Besonderheiten:
-Parallelinszenierung einer Produktion v. Staatsballett und Schule.
-Mehrfache Probenbesuche beim Staatsballett wirken inspirierend und motivierend auf die Schüler.
- Es entwickelt sich eine hohe Identifikation mit dem Projekt, aber auch mit dem Staatsballett. Einige Eltern kamen mit zur Probe, nach Beendigung der TUSCH-Partnerschaft wird eine weitere Zusammenarbeit angestrebt.
- Durch das eigene Projekt bekommen die Schüler einen besonders intensiven Zugang zu der Ballettversion.
- Es besteht eine außergewöhnlich fruchtbare Teamarbeit aller Beteiligten
- Die Kinder werden zur Vorstellung des Staatsballetts
eingeladen. Hierdurch wird die eigene Kreati-
vität, Darstellungskraft und Motivation noch einmal ge-
steigert.
 
Probleme und Lösungen:
- Es bestehen zwei Musik-Theater-Gruppen, die an jeweils anderen Tagen stattfinden . So fehlte zwischenzeitlich der innere Zusammenhang des Stückes. Wegen des Nachmittagsunterrichts konnten die Schüler jedoch nicht umbestellt werden. Im Vorfeld eines Presse-Events des Staatsballetts, in der auch die Theaterkinder einen eigenen Ausschnitt aus dem "Oz" zeigen sollte, konnten dann zwei gemeinsame Proben am Vormittag stattfinden.
- Die Auswahl der Sprechdarsteller gestaltete sich als schwierig, weil sie gut improvisieren und sich in ihrer Rolle adäquat bewegen sollten. Die Kleinen (Kl. 2-4) benötigten bei den Textpassagen viel mehr Hilfe als erwartet, die Improvisation gelang eher in den Übungsphasen. Die Großen (Kl. 5/6) bewegten sich toll, konnten gut improvisieren, fanden aber auf der Bühne erst nicht in ihre Rolle, vor allen Dingen beim Auftritt vor den Orchesterkindern waren zwei Mädchen zunächst sehr verlegen und und zeigten sich sehr albern. Erst durch aufbauende persönlichee Gespräche fanden sie in ihre Rolle zurück.
- Die Musik zum roten Mohnfeld sollte das Orchester spielen, es stellte sich jedoch als zu schwierig heraus. Die Alternative war, dass die Lehrer dieses Stück spielen, letztlich wurde gemeinsam entschieden, dass die CD-Version doch die bessere ist.
 
Anekdotisches:
Die Probenbesuche beim Staatsballett und die anschließende Motivation der Kinder waren besonders eindrücklich. Man konnte in der eigenen Probenarbeit sehen, dass sie sozusagen einen "Kick" bekommen hatten, konzentrierter, inspirierter und motivierter arbeiteten.
Einen Kritikpunkt bei der ersten Probe gab es aber von den Kindern, als sie die häufigen Wiederholungen des Kopftanzes der Quadlings sahen; O-Ton David: "Warum üben die denn so oft? Das kann ich ja jetzt schon!"