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Franziska zeigt voller Stolz ihre erste Radierung
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Sabine freut sich über ihr frisch gedrucktes T-Shirt(Siebdruck)
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Michael druckt im Druckmuseum mit einer antiken Druckmaschine
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Viel Freude mit konkreter Poesie, frisch gedruckte Kaltnadel-Radierung
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Mike betrachtet eine bearbeitete und projizierte Radierdruckplatte
"Gutenberg - Crossover"
Schule:
Levana-Schule Schweich
Förderschule für ganzheitliche Entwicklung
Bernhard-Becker-Straße 6
54338 Schweich
06502930920

www.levana-schule-schweich.de

Förderschule/Sonderschule / Gebundener Ganztag

 
Kooperationspartner:
Jugendkunstschule "Pink Painter" der Europäischen Kunstakademie Trier
Frau Dr. Gabriele Lohberg
Aachener Str. 63
www.eka-trier.de

Kustos der Graphischen Sammlung des Fachs Kunstgeschichte an der Universität Trier, Graphische Sammlung des Fachs Kunstgeschichte
Herr Dr. Stephan Brakensiek
Universitätsring 15
54296 Trier
http://www.uni-trier.de/index.php?id=7961

Wolfgang Rüppel (Siebdruck)
Atelier Rolshover Strasse 93
51105 Köln
www.wolfgang-rueppel.de

Ruth Clemens (Radierung)
Saarburg
über EKA Trier
Aachener Str. 63
54294 Trier

 
Beteiligte Schüler:
20
20 Schülerinnen und Schüler der Werkstufenklassen 1 und 2 Jahrgangsstufe 10 bis 12
 
Beteiligte Lehrkräfte:
9 Carlos Malmedy: Theater,Kunst,Deutsch,Medien,Tanz Monika Annen: Theater, Tonwerken Ina Smits: Deutsch, Kunst,Medien Maite Zender: Deutsch, Kunst, Medien Volker Werkhausen: Deutsch, Werken Karina Zyball: Deutsch, Medien Angelika Wolf-Oladeni: Tanz Anja Esch: Musik Daniela Konz: Theater, Musik
 
Stundenvolumen:
Seit September 2010 wöchentlich drei Unterrichtsstunden im Fach Kunst.

25.-29. Oktober, Workshop in der Jugendkunstschule der EKA Trier, mit Wolfgang Rüppel, Siebdruck und Ruth Clemens, Radierung: insgesamt 25 Zeitstunden.

Seit November 2010 wöchentlich zwei Stunden Tanz im Fach Sport.

Seit Januar 2011 wöchentlich drei Stunden im Fach Deutsch, Einführung in die Konkrete Poesie und Vita Johannes Gutenbergs.

Seit Oktober 2010 wöchentlich drei Unterrichtsstunden im Fach Theater, Entwicklung von Performanceszenen.

Außerdem im Zeitraum vom 7.2. bis zum 25.2.2011 Werkprojekt mit dem Thema "Drucktechniken" – Siebdruck, Radierung, Holzdruck und Materialdruck mit insgesamt 66 Unterrichtsstunden.

Februar 2011 bis Juni 2011 sieben Wochenstunden im Fach Arbeitslehre: Styropor-Buchstabenskulpturen, im Bereich Tonwerken Herstellung von Tonbuchstaben.

Das Projekt beinhaltet außerdem die Ausstellung der Schülerarbeiten im September 2011 in ca. 20 Schaufenstern in Geschäften der City-Initiative Trier.

Die Abschlussperformance findet am 26. November 2011 in der Kunsthalle der Europäischen Kunstakademie in Trier statt.Vorbereitung insgesamt vier Wochen à 20 Wochenstunden.

 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
„Gutenberg-Crossover“ ist die Umsetzung Konkreter Poesie in ein interdisziplinäres Literaturprojekt mit allen (20) SchülerInnen der Werkstufenklassen der Levana-Schule Schweich, in beispielhafter Kooperation mit der Jugendkunstschule „Pink Painter“ der Europäischen Kunstakademie Trier. Beteiligt sind die Künstler und Dozenten Wolfgang Rüppel und Ruth Clemens sowie die Leiterin der Europäischen Kunstakademie, Dr. Gabriele Lohberg, und der Kustos der Graphischen Sammlung des Fachs Kunstgeschichte der Universität Trier, Dr. Stephan Brakensiek. Den Abschluss bildet eine umfangreiche Performance in der Kunsthalle der Europäischen Kunstakademie, Trier.
Konkrete Poesie ist eine Form der experimentellen Dichtung, ein Experimentieren mit Sprachstrukturen. Worte werden frei kombiniert und ergeben in ihrer Abfolge einen neuen Zusammenhang. Das Sprachmaterial beschränkt sich auf kleine Elemente wie Wörter, Buchstaben oder Laute sowie auf kurze Aussagen meist ohne Syntax und Grammatik. Dabei machen Texte der konkreten Poesie den Zeichencharakter von Sprache deutlich. Sie fordern zum produktiv-handelnden Umgang mit Texten auf, da eine direkte Sinnentnahme nicht immer möglich ist.
Ausgangspunkt des Projektes ist das Buch von Johann Amos Comenius „Orbis sensualium pictus“ (Die sichtbare Welt), erstmals 1658 in Nürnberg veröffentlicht. Das Werk gilt als erstes Schulbuch im vormodernen Sinne und als herausragendes Beispiel von frühen "multimedialen" Unterrichtsmaterialien. Die von Gott bis zu den Insekten im Kontext von Schöpfung bis zum „Jüngsten Gericht“ beschriebene Welt ist mit 150 Holzschnitten illustriert. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit einem Exemplar der Graphischen Sammlung des Fachs Kunstgeschichte der Universität Trier zeigt uns Lehrern, welche unentdeckten Potenziale in unseren SchülerInnen stecken. Das Buch wird von den SchülerInnen sichtlich mit den Augen verschlungen, viele Fragen werden gestellt und als Ergebnis wird die Wichtigkeit dieses Buches hervorgehoben, welches ohne die Erfindung Gutenbergs nie eine solche Verbreitung erfahren hätte. Durch die Illustrationen ist es auch möglich, SchülerInnen teilhaben zu lassen, die aufgrund ihres Handicaps nicht im klassischen Sinne „lesen“ können. Sie interpretieren die Bilder und sind somit an den Entdeckungen beteiligt. Besonders intensiv werden die Seiten zur „Typografia“(S.190-191) behandelt. Deren Inhalte sind die Voraussetzung für die weitere thematische und inhaltliche Auseinandersetzung innerhalb des Projekts „Gutenberg-Crossover“.
In der Schule werden im Kunstunterricht unterschiedliche Drucktechniken intensiv kennen gelernt. Hierbei handelt es sich um die „klassischen“ Schuldruckformen Monotypie, Styropordruck, Moosgummibuchstabendruck.
Hierbei wird schnell deutlich, dass durch Workshopangebote an der Jugendkunstschule „Pink Painter“ diese ersten Erfahrungen genutzt werden können, um „professionelle Drucktechniken“ unter Anleitung von professionellen Künstlern in den entsprechend ausgestatteten Ateliers der Europäischen Kunstakademie auszubauen und zu vertiefen. Der anschließende einwöchige Workshop in Radierung und Siebdruck hatte nachhaltigen Lernerfolg für die Entwicklung der Kinder, wie auch – im konkreten Fall – für die Weiterentwicklung des Gutenberg-Crossover-Projekts.
Der nächste Schritt ist die Entdeckung und Interpretation der ausgesuchten Graphiken, die allesamt Zeugnisse einer vergangenen Zeit darstellen. Die Schüler zeigen großes Interesse an den Kunstwerken auf Papier und sind motiviert mit den auf diesen gezeigten Motiven zu arbeiten. Durch das Kopieren mit der Radiernadel auf durchsichtigen Rhenalon-Druckplatten können sich die Schüler intensiv mit den druckgraphischen Blättern auseinandersetzen. Begriffe wie Angst, Trauer, Freude, Armut werden von fast allen SchülerInnen beim Radieren ausgesprochen. Sie sind äußerst konzentriert bei der Sache und zeigen bereits nach sehr kurzer Zeit Lernerfolge und Lernergebnisse, die in dieser Qualität in der Schule niemals hätten erreicht werden können. Im später für alle SchülerInnen stattfindenden Werkprojekt „Drucktechniken“, können die am Workshop beteiligten SchülerInnen ihr Können weiter vermitteln. Sie entwickeln sich zu Experten, die ihren Mitschülern durch detaillierte Beschreibungen der Handlungsabläufe und durch das Demonstrieren der Arbeitsschritte stets weiterhelfen. Es entstehen die ersten Radierungen zu Konkreter Poesie. Einige SchülerInnen wählen Gedichte von Eugen Gomringer wie „Vielleicht“ oder „Worte sind Schatten“ aus; wiederum andere entscheiden sich für Ernst Jandls „Ottos Mops“. Hier zeigt sich sodann das Phänomen, dass sich durch das Radieren der Text der Gedichte im wahrsten Sinne des Wortes bei den SchülerInnen „einprägt“, und die Gedichte wie von selbst auswendig, quasi ganz „ohne Druck“, gelernt werden.
In der Theatergruppe wird zu diesem Zeitpunkt bereits an der Szenenentwicklung gearbeitet, die sich mit der Interpretation von Konkreter Poesie auseinandersetzt. Es entwickelt sich ein Spiel mit projizierten Holzbuchstaben hin zu konkreten Wörtern, die durch Körpersilhouetten verfremdet werden. Die bei der Radierung entstandenen Druckplatten aus Rhenalon werden durch das Auflegen auf die Glasscheiben der Overheadprojektoren als Projektionsbilder auf eine überdimensionale Schattenwand projiziert. Hier entsteht aus einer gespielten Aktion eine erste konkrete Poesie als Stehbildserie. „Armut und Angst – Hunger und Durst – Menschen und Kinder – Armut und Hunger – Durst und Armut – Angst und Menschen – Kinder und Armut“: Diese Begriffe werden auf Karteikarten festgehalten und im Deutsch- und Literaturunterricht weiter verwendet. Mit „Tableaux Vivants“ werden zudem einzelne Radierungen in einer Bilderreihe szenisch interpretiert.
In der Tanzgruppe wird an der Choreographie zu einer Tanztheatersequenz geübt. Hier sind zunächst die schwächeren SchülerInnen die Aktiven. In drei verschiedenen Tempi werden lineare Geh-, Kriech- und Rollbewegungen vorwärts und rückwärts geübt. Es entsteht die Illusion der Mechanik einer Druckmaschine. Auch hier werden Texte visualisiert. Die Struktur der Choreographie entspricht einem Typogramm. Zu einem späteren Zeitpunkt kommen die leistungsstärkeren SchülerInnen hinzu. Musiksequenzen aus Kurt Schwitters „Ursonate“ werden dazu eingespielt und neu interpretiert.
Im Schwarzlichtheater entstehen neonfarbige Styroporbuchstabenskulpturen, die in einem Performancetanz erscheinen und verschwinden, und immer wieder neue Wörter oder Laute geheimnisvoll aus dem Dunkel entstehen lassen.
Im Deutsch- und Literaturunterricht wird Gutenbergs Vita behandelt. Das Werk „Orbis sensualium pictus“ wird intensiv behandelt. Zum Lemma „Typografia“ werden Begriffe gesammelt und auf Karteikarten aufgeschrieben. Im Internet werden entsprechende Recherchen durchgeführt und passende Schülersiebdrucke zu den Begriffen gesucht. Mit Hilfe der „Konkreten Poesie“ werden die Wortfelder eingefasst und zu Gedichten verdichtet. Es werden die Illustrationen zum entstehenden großformatigen SchülerInnen-Gedichtbuch. Ein Siebdruck in Rottönen, Gelbtönen und Blautönen dient z. B. als Illustration zum Gedicht eines autistischen Schülers. „Rot? Rot! Blau? Blau! Gelb? Gelb! Schwarz! Schwarz!“ In der Auseinandersetzung mit Gomringer und Jandl experimentieren und spielen die Schüler immer häufiger mit der Animation von Texten. Dazu werden Elemente einer Bildschirmpräsentation (PowerPoint) eingesetzt. Hier werden Begriffe wie Farbdruck, Luftdruck, Blutdruck, Eindruck, Ausdruck, Unterdruck, Überdruck etc. animiert. Eine multimediale Schreibwerkstatt entsteht und die SchülerInnen werden kreativ-spielerisch mit den Neuen Medien konfrontiert. Im parallel dazu stattfindenden Video- und Filmworkshop wird an der konkreten Visualisierung von Wörtern aus dem Wortfeld “Drucken“ gearbeitet. Die Gruppe filmt Sequenzen beim Werken mit Ton, die das „Drücken“ mit den Fingern zeigt. Hier wird das Wort Drücken wird visualisiert. Eine andere Szene zeigt, wie Schüler Papier „bedrucken“ und „ausdrucken“. Auch „Gesichtsausdrücke“ aus dem schulischen und öffentlichen Umfeld werden gefilmt. Zusätzlich zu den visuellen Aufnahmen werden auch Audioaufnahmen durchgeführt, die die Szenen in Form konkreter Poesie versprachlichen.
Der Transfer zu Gutenbergs Erfindung des Drucks mit beweglichen Lettern wird nicht nur durch die mühsame Arbeit der SchülerInnen mit Radierung, Siebdruck und Holzdruck verdeutlicht, sondern auch mit Mitteln unserer Gegenwart und den so genannten Neuen Medien. So gelingt der Transfer, zu verstehen, dass das, was heute jeder PC und Drucker in kürzester Zeit an Textverarbeitung ermöglicht, zu Gutenbergs Zeiten ein mühevoller und langsamer Prozess war, der zur damaligen Zeit jedoch als die absolut innovativste Kommunikationstechnologie, als bedeutende Medienrevolution galt.
Die Präsentation (Ausstellung) des Projekts „Gutenberg Crossover“ wird in Form eines großen, lebendigen und modernen allerdings nicht statischen sondern performativen „Buches“ in der Kunsthalle der Europäischen Kunstakademie Trier stattfinden. In der Halle wird eine lebendige, kunstliterarische, spielerisch verschmelzende und höchst integrative Live-Performance zu den jeweiligen Aktionsfeldern stattfinden; ‚Seite’ für ‚Seite’ wird dabei aufgeschlagen.
„Es ist Spielen in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes wie Johann Huizinga in seinem Werk »Homo ludens« proklamiert, dass alle Kultur sich aus dem Spiel entwickelt“. (vgl. Herta Schönewolf, in: Schattentheater, Band I)
 
Projektauslöser/Idee:
Im Rahmen des zur Zeit an der Schule laufenden COMENIUS-Projekts, "www.persoenlichkeiten-europa.ok", wird sich die Levana-Schule mit Johannes Gutenberg auseinander setzen, der in Mainz seine Erfindung des beweglichen Letterndrucks realisierte. Gemeinsam mit ihren Europäischen Partnerschulen aus Polen, Tschechien und aus Thüringen wird die Levana-Schule im September 2011 ihr Projekt in Trier erlebbar machen. Für uns stellten sich dabei folgende Fragen:
· Wie vermitteln wir unseren SchülerInnen die Erfindung Gutenbergs und dessen Bedeutung für uns, 500 Jahre später?
· Wie können wir es schaffen, diese historisch bedeutende, revolutionäre Erfindung, die einen neuen Zeitabschnitt der Medienentwicklung und damit verbunden die Alphabetisierung und Eröffnung weitreichender Bildungsmöglichkeiten für alle Bevölkerungsschichten durch die identische und preiswerte Vervielfältigung von Texten ermöglicht und so letztendlich die Demokratisierung der Gesellschaft vorbereitete, auch unseren SchülerInnen verständlich und erlebbar zu machen?
· Wie vermitteln wir unseren SchülerInnen Handlungskompetenzen, um komplexe Textinhalte verständlich zu interpretieren?
· Wie können unsere geistig gehandicapten Schüler und Schülerinnen Zugänge zum für sie größtenteils unerschlossenen Feld der Literatur handlungsorientiert und spielerisch erlangen, die gleichzeitig greifbar, nachvollziehbar und erlebbar sind?
Hier entsteht bei Ina Smits und Carlos Malmedy die Idee, Gutenberg, druckgraphische Blätter der Graphischen Sammlung des Fachs Kunstgeschichte der Universität Trier, Druckkunst und Konkrete Poesie in einem übergreifenden Projekt miteinander zu verknüpfen und in einem großen lebenden Jahrmarkt der Künste, dem "Gutenberg-Crossover", in der Kunsthalle der Europäischen Kunstakademie Trier einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Hier soll die von den Schülern und Schülerinnen geschaffene Konkrete Poesie, „dieses Spiel mit Worten“, spielerisch mit diversen theatralen, bildkünstlerischen, allgemein ästhetischen und medialen Formen umgesetzt und performativ präsentiert werden.
Es entsteht die Idee, eine Kooperation mit der Jugendkunstschule „Pink Painter“ der Europäischen Kunstakademie in Trier einzugehen um dort den Schülern und Schülerinnen durch entsprechend von Künstlern geleitete Workshops, die Welt der Druckkunst zu eröffnen. Gleichzeitig wird auch das meist rezipierte Werk von Johann Amos Comenius in der Graphischen Sammlung des Fachs Kunstgeschichte der Universität Trier, der „Orbis sensualium pictus“ (Die sichtbare Welt) entdeckt. Das Werk gilt als erstes Schulbuch im vormodernen Sinn und als erstes tatsächlich allgemein als multimedial arbeitendes Unterrichtsmaterial. Die von Gott bis zu den Insekten beschriebene Welt in ihrer zeitlichen Bestimmung zwischen Schöpfung und Jüngstem Gericht ist mit 150 Holzschnitten illustriert. Sowohl der Holzschnitt und der Holzdruck, als auch Johann Amos Comenius selbst, sind Inhalt des weiteren Projekts und wirken darüber hinaus beim Comenius-Partnerschaftstreffen in Prag im April 2012, wo die böhmische Persönlichkeit Johann Amos Comenius Thema sein wird.
„Alles soll wo immer möglich den Sinnen vorgeführt werden, was sichtbar dem Gesicht, was hörbar dem Gehör, was riechbar dem Geruch, was schmeckbar dem Geschmack, was fühlbar dem Tastsinn. Und wenn etwas durch verschiedene Sinne aufgenommen werden kann, soll es den verschiedenen zugleich vorgesetzt werden.“ COMENIUS, ZIT. N. FLITNER 1954, S. 135
 
Projektentwicklung:
Hervorgegangen ist das Projekt aus einer fünfjährigen Kooperation
zwischen der Europäischen Kunstakademie und der Graphischen Sammlung des Fachs Kunstgeschichte der Universität Trier. Von der Nikolaus Koch Stiftung, Trier, gefördert, hatte dieses Projekt die Aufgabe, Studieneinheiten an der Europäischen Kunstakademie zu etablieren, in deren Rahmen Studierende der Kunstgeschichte grundlegende Kenntnisse druckgrafischer Techniken erwerben konnten.
Nach Abschluss des vierten Projektjahres bot sich für die Levana-Schule Schweich die Möglichkeit, innerhalb der internen Evaluierung der vorangegangenen Studieneinheiten an dem Projekt zu partizipieren. Wichtige Elemente von „Gutenberg- Crossover“ konnten so in der zuvor nur mit Studierenden erprobten Form auch in die Schulausbildung übertragen und in kreativ neu ansetzende sowie ganzheitlich angelegte Projektideen überführt werden.
Grundlage für diese Auseinandersetzung mit den historischen Drucktechniken sind Graphiken aus dem Bestand der Graphischen Sammlung des Faches Kunstgeschichte der Universität Trier. In bewusst breit gefächerter Auswahl werden sie im Unterricht besprochen und sowohl technisch analytisch beschrieben als auch motivisch-inhaltlich interpretiert.
Im Deutschunterricht wird das in der Graphischen Sammlung von den SchülerInnen entdeckte Buch von Johann Amos Comenius, der „Orbis Sensualium Pictus“, vorgestellt und intensiv behandelt. (Ina Smits, Carlos Malmedy, SchülerInnen)
Ein neues COMENIUS-Projekt wird mit dem Thema www.Persönlichkeiten-europa.ok genehmigt. Die Levana-Schule Schweich wird sich mit Johannes Gutenberg auseinander setzen. Die tschechische Partnerschule aus Stribro wird im April 2012 Johann Amos Comenius in Prag vorstellen.
Der „Orbis Sensualium Pictus“, wird durch das Comenius-Projekt zu einem wichtigen Bestandteil des Unterrichts.
Anmeldung zum Druckworkshop in der Jugendkunstschule „Pink Painter“ der Europäischen Kunstakademie Trier. (Ina Smits)
Siebdrucke und Radierungen zu gemeinsam mit den SchülerInnen ausgewählten Graphiken der Graphischen Sammlung des Faches Kunstgeschichte der Universität Trier, unter fachlicher Anleitung von Wolfgang Rüppel (Siebdruck) und Ruth Clemens (Radierung), theoretische Begleitung durch den Kustos der Graphischen Sammlung, Dr. Stephan Brakensiek, und der Leiterin der Europäischen Kunstakademie, Dr. Gabriele Lohberg. (Ina Smits, Carlos Malmedy, SchülerInnen, Dr. Stephan Brakensiek, Dr. Gabriele Lohberg, Wolfgang Rüppel, Ruth Clemens)
Kleine Ausstellung der Schülerarbeiten in der Aula der Levana-Schule und gemeinsame Präsentation der Ergebnisse unter Beteiligung der Sponsoren des Schülerworkshops, Vorstand des Rotary Club Trier. (Ina Smits, Carlos Malmedy, Dr. Gabriele Lohberg, SchülerInnen, Vorstand-Rotary Club Trier, Schulleitung, Presse)
Ideenentwicklung zur Verknüpfung einzelner parallel laufender Projekte und verbindliche Entscheidung zu einem großen Literaturprojekt. Fächerübergreifende und ganzheitliche Behandlung „Konkreter Poesie“ in den Fächern Deutsch, Kunst, Musik, und Theater.
Weitere Fächer werden mit eingebunden, Tonwerken, Tanz, und Medienwerkstatt. (Carlos Malmedy)
Kooperation mit der Jugendkunstschule „Pink-Painter“ der Europäischen Kunstakademie und dem Kustos der Graphischen Sammlung des Faches Kunstgeschichte der Universität Trier, Dr. Stephan Brakensiek, und gemeinsame Einigung auf den Titel des Literaturprojektes „Gutenberg-Crossover“. (Ina Smits, Carlos Malmedy, Dr. Gabriele Lohberg, Dr. Stephan Brakensiek)
Innerhalb des Werkprojektes werden weitere Drucktechniken erlernt. Neben den bekannten Techniken Radierung und Siebdruck kommen die Techniken Holzdruck und Materialdruck hinzu, um auch den umfänglich behinderten SchülerInnen das Druckerlebnis zu eröffnen. Weitere Graphiken der Graphischen Sammlung werden bereitgestellt und besprochen. (Carlos Malmedy, Dr. Stephan Brakensiek, Dr. Gabriele Lohberg, Ina Smits, Maithe Zender, Monika Annen)
Beginn der Intensivphase ganzheitlicher und fächerübergreifender Ansatz.
Im Deutschunterricht beginnt das literarische Erlebnis „Konkrete Poesie“ mit diversen Gedichten von Eugen Gomringer und Ernst Jandl und deren spielerische Umsetzung. (Carlos Malmedy, Maithe Zender, Volker Werkhausen)
Einsatz von neuen Medien, Recherche im Internet, Experimente mit konkreter Poesie, hier vor allem animierte Möglichkeiten. (Carlos Malmedy, Maithe Zender, Volker Werkhausen)
Im Kunstunterricht werden dazu Buchstabenskulpturen aus Styropor entwickelt und zu den Gedichten auf großen Flächen zu immer wieder sich neu bildenden Wörtern komponiert. (Maithe Zender)

Im Tanzunterricht entstehen typogrammartige Tanzchoreographien mit Buchstabenobjekten zu ausgesuchten Wörtern. (Carlos Malmedy)

Im Schattentheater werden Standbildserien entwickelt und Texte neu interpretiert. Musik wird dazu auserwählt. Einsatz der Rhenalondruckplatten und theatrale Interpretation der Radierungen. Buchstabenfolgen werden als Schatten visualisiert und projiziert. (Carlos Malmedy, Monika Annen, Daniela Konz)
Glassiebdrucke werden auf der Schattenwand zu Texten und Musik eingespielt. (Carlos Malmedy)

Im Schwarzlichttheater werden Buchstaben zauberhaft beleuchtet.(Carlos Malmedy)

Im Musikunterricht lernen die SchülerInnen Kurt Schwitters Ursonate kennen. Es entstehen Klangexperimente. Teile daraus werden in eine Klanginstallation eingebunden (Carlos Malmedy, Daniela Konz) Beispiel für die Ursonate:
http://ubu.artmob.ca/sound/schwitters_kurt/ursonate/Schwitters-Kurt_Ursonate_01_Einleitung_Und_Erster_Teil.mp3

Einzelne Schülerradierungen werden als ‚Tableaux Vivants’ inszeniert. (Carlos Malmedy)

Ausstellung der Druckergebnisse aus Workshop und Unterricht im September 2011 in 20 ausgesuchten Schaufenstern von Geschäften der Trierer-City-Initiative.
(Carlos Malmedy, Ina Smits, Dr. Stephan Brakensiek, Dr. Gabriele Lohberg)

Am 26. November große festliche Präsentation des Literaturprojektes „Gutenberg-Crossover“ in der Kunsthalle der Europäischen Kunstakademie, Trier, mit allen Ergebnissen des Projekts und des ganzheitlichen und fächerübergreifenden Unterrichts. Öffentliche Veranstaltung
(Carlos Malmedy, Ina Smits, Dr. Stephan Brakensiek, Dr. Gabriele Lohberg, alle SchülerInnen und alle am Projekt beteiligten KollegInnen )

 
Besonderheiten:
Die an diesem innovativen, in Rheinland-Pfalz einzigartigen Literaturprojekt beteiligten SchülerInnen zeichnen sich durch ihre individuellen und heterogenen Persönlichkeiten aus. Viele von ihnen können aufgrund ihrer Behinderung nicht schreiben und lesen, sind aber demgegenüber affektiv-emotional hochbegabte Menschen. Literatur erschließt sich den wenigsten SchülerInnen oder wird in einer nicht altersadäquaten Form erlebt.
Deshalb muss Deutsch- oder Literaturunterricht in der Förderschule für ganzheitlich Entwicklung handlungs- und produktionsorientiert sein. Textinterpretationen müssen um praktisch-handelnde Komponenten im Prozess der Auseinandersetzung mit Texten erweitert sein, um allen SchülerInnen gerecht zu werden und kreatives und fantasievolles Denken auszulösen. Diese handelnd-produktiven Umgangsformen sind im Literaturprojekt „Gutenberg-Crossover“ sehr unterschiedlich ausgeprägt: Szenisches Spiel in Form von Schattentheater, Schwarzlichttheater, Tanztheater und Sprechtheater, Druckworkshops, Filmen, Skulptur- und Modellierworkshops, Experimentelles Musizieren, Moderne Schreibwerkstatt sowie mediales Spiel in Form von animierter konkreter Poesie durch visualisierende Projektionen auf der Großbildleinwand sind in einem großen Ganzen zu erleben. Es ist nicht die stille Ausstellung von Schülerarbeiten und literarischen Texten in einer Kunsthalle, sondern ein lebendiger Jahrmarkt, ein Fest der Sinne, ein Festival des Denkens und letztendlich eine ganzheitliche Teilhabe am kulturellen und gesellschaftlichen Leben. Hier ist es nicht nur von Bedeutung, dass bei den SchülerInnen die Aktivierung verschiedener Sinne im Vordergrund steht, sondern die performative Umsetzung des Projektes im öffentlichen Raum der Kunsthallen eröffnet und provoziert auch beim Besucher des lebenden Kunstmarkts eine neue Form des Lernens: des Erlebens, des ganzheitlichen Lernens mit allen Sinnen. Der Besucher ist somit ein integrativer Bestandteil dieser Performance und erhält seinerseits neue Sichtweisen und Herangehensweisen an die Literatur und an die Vielfalt an Interpretationsmöglichkeiten.
Konkrete Poesie inszeniert in der Kunsthalle als Ergebnis eines ganzheitlichen und handlungsorientierten Lernprozesses im fächerübergreifenden Unterricht – Lernen vor Ort als Prinzip: in der Graphischen Sammlung des Faches Kunstgeschichte mit der inhaltlichen und technischen Auseinandersetzung mit den ausgewählten Graphiken, die Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse und entwickelten Ideen in verschiedenen Druckworkshops in der Europäischen Kunstakademie, Exkursionsfahrten zu Druckereien und Druckmuseen, die intensive Auseinandersetzung mit Texten von Ernst Jandl und Eugen Gomringer sowie die selbstständige Entwicklung von eigenen Texten und deren ganzheitliche, handlungsorientierte, spielerische und visualisierte Interpretation durch diverse performative Künste und neuen Medien: In diesem Zusammenspiel zeigt sich, dass „Learning-by-doing“ in jeder Hinsicht auch ein „thinking-about-it“ impliziert.
Für die Künstlerin Ruth Clemens ist es das erste Mal, dass sie mit gehandicapten Menschen einen Workshop in Radierung durchführt.
Die SchülerInnen sind nach anfänglicher Zurückhaltung nicht mehr zu bremsen. Die Ergebnisse ihrer Arbeit lässt sie staunen. Das hätten Sie von sich selbst nie geglaubt! Voller Stolz zeigen sie ihre Arbeiten. Wie nachhaltig diese Lernerfahrungen im Workshop wirken, erkennt man an der erworbenen Sachkompetenz der am Workshop beteiligten SchülerInnen. Während des zweiwöchigen Werkprojekts „Drucktechniken“ vermitteln sie ihren Mitschülern Sachkenntnisse und exakte Abläufe. Sie sind zu „Experten“ geworden und verhelfen mit ihrem zuvor erworbenen Wissen und den gemachten Erfahrungen der Gesamtgruppe ebenfalls zu beeindruckenden Ergebnissen.
Wolfgang Rüppel sagt von sich selbst, dass er liebend gerne mit gehandicapten SchülerInnen zusammenarbeitet. Er hat bereits Erfahrungen im Umgang mit gehandicapten Menschen und zeigt viel Empathie in der Erklärung und Vermittlung der Abläufe im Siebdruck. „Für mich“, so der Künstler, „ist das immer wieder ein beeindruckendes Erlebnis zu sehen, wie unbefangen und ohne Scheu diese Menschen an die Sache heran gehen, während viele meiner Kunststudenten sich stundenlang den Kopf zerbrechen bevor sie sich ängstlich und voller Zweifel an die Aufgaben herantrauen würden".
Für die Leiterin der Europäischen Kunstakademie, Dr. Gabriele Lohberg, ist die Kooperation mit der Levana-Schule Schweich wichtig und spannend zugleich, zumal SchülerInnen mit Handicap ungeahnte Potenziale in den von professionellen Künstlern geleiteten und durchgeführten Workshops aufweisen. Sie findet es wichtig den Gedanken der Inklusion, in diesem Fall durch ästhetische Bildung, in der von ihr geleiteten Institution verwirklicht zu sehen. Die gemeinsam geplante Performance „Gutenberg - Crossover“ in der großen Kunsthalle der Kunstakademie, stellt für sie ein herausragendes und beispielhaftes Kunstereignis in der Geschichte der Europäischen Kunstakademie Trier dar.
 
Probleme und Lösungen:
Ein ernsthaftes Problem war zunächst die Finanzierung des einwöchigen Werkprojekts mit den Künstlern Ruth Clemens und Wolfgang Rüppel. Honorare und Materialien mussten finanziert werden. Ein Elternbeitrag sollte nicht erhoben werden. So mussten wir uns kreativ auf die Suche nach passenden Sponsoren machen. Hierbei war Dr. Gabriele Lohberg sehr hilfreich und vermittelte uns den Rotary-Club Trier, dessen Mitglieder sehr viel Interesse an unserem Projekt zeigten und uns auch in der Levana-Schule besuchten. Dort zeigten wir gemeinsam mit den SchülerInnen die Dokumentation des Druckworkshopprojektes und stellten unsere Ergebnisse in einer kleinen Ausstellung in der Schulaula aus. Die Rotarier waren begeistert und erklärten ihre Bereitschaft, auch weitere Projekte zu unterstützen.
Um die Umsetzung von Konkreter Poesie zu ermöglichen, war eine Konferenz mit allen beteiligten KollegInnen nötig. Nicht jeder konnte sich etwas unter Konkreter Poesie vorstellen. Ein Referat mit visualisierten Beispielen und praktischen Phasen bot der Einstieg. Schließlich konnte das Projekt im allgemeinen Konsens erwartungsvoll angegangen werden.
Intern musste der Stundenplan auf den Kopf gestellt werden, da den SchülerInnen genug Zeit zur kreativen Umsetzung und Gestaltung gegeben werden musste. Nicht das Klingelzeichen läutet die Arbeits- und Pausenzeiten ein, sondern die individuellen Gruppenbedürfnisse bestimmten den Takt des Schulalltags – und dies je nach Bedarf. Unterrichtszeiten wurden gebündelt und Expertenteams gebildet. Die Aufgaben wurden verteilt und inhaltlich gefüllt. Einige SchülerInnen, die am Druckworkshop in der Europäischen Kunstakademie teilgenommen hatten, entpuppten sich während des Werkprojekts als wirkliche „Experten“ und halfen ihren MitschülerInnen beim Beheben von Problemen während der Umsetzung von Radierung und Siebdruck. Das die Unterrichtseinheiten leitende Expertenteam bestand somit aus SchülerInnen und Lehrern, was sich äußerst positiv auf die Arbeitsatmosphäre, die Kreativität und natürlich auch auf die Arbeitsergebnisse auswirkte.
Bei der Suche nach passenden Ausstellungsmöglichkeiten hatten wir und unsere Kooperationspartner uns die Prämisse gesetzt, die Schülerwerke einer möglichst breiten Öffentlichkeit zu öffnen. Die Foyers der Hauptgeschäftsstellen der Sparkasse in Schweich und Trier hätten zwar zur Verfügung gestanden, doch uns war bewusst, dass wir damit unserem Ziel nicht wirklich gerecht würden. In einem Treffen der am Projekt beteiligten Kooperationspartner entstand die Idee der Ausstellung in Schaufenstern der Geschäfte von Mitgliedern der Trierer City-Initiative. Diese Ausstellung findet nun während des Comenius-Treffens statt, also dann, wenn unsere Partnerschulen aus Thüringen, Polen und Tschechien in Trier zu Besuch sind und Johann Gutenberg präsentiert bekommen.
 
Anekdotisches:
„Und Sie sind wirklich ein richtiger Künstler?“ – Sabine fragt dies den Künstler Wolfgang Rüppel während des einwöchigen Siebdruckworkshops in der Jugendkunstschule Pink Painter, als Wolfgang Rüppel beim Fluten eines Siebdrucksiebes einen einzelnen, kleinen Tropfen Farbe auf dem Arbeitstisch verliert.

„Oh, schau mal, das hätte ich nie in meinem Leben gedacht, dass ich so etwas könnte!“ – Franziska beim Vorstellen ihrer ersten Radierung.

„Also, man könnte ja jetzt eigentlich sagen, ich bin ein Dichter!“ – Michael, nach dem er mit den Karteikarten fünf Wörter immer wieder zu einem Gedicht zusammengesetzt und aufgeschrieben hat.

Beispiel aus der Schreibwerkstatt:

Druck
Druck und Farbe
Farbe
Farbe und Papier
Druck
Druck und Papier
Druck und Farbe und Papier
und ein Buch

In Teamarbeit entstandenes Gedicht nach Eugen Gomringers Vorbild „avenidas“