Hier Klicken für die Vollansicht
-
Hier Klicken für die Vollansicht
-
Hier Klicken für die Vollansicht
-
Hier Klicken für die Vollansicht
-
Hier Klicken für die Vollansicht
-
BilderBuchWerkstatt
Schule:
Carl-von-Linné-Schule für Körperbehinderte
Paul-Junius-Str. 15
10367 Berlin

Tel.: 030 / 5050960

http://www.linneschule.cidsnet.de



Förderschule/Sonderschule / Gebundener Ganztag

 
Kooperationspartner:
Kommunikation durch Kunst e.V.
Fichtestr.28
10967 Berlin

Tel. 030 69819781

www.koduku.de

 
Beteiligte Schüler:
43
6a,6b,6c
5a,5b,5c
 
Beteiligte Lehrkräfte:
2 Kunstlehrerinnen 6 Deutschlehrerinnen
 
Stundenvolumen:
Pro Klasse haben wir über zwei Monate hinweg 4 Wochenstunden (eine Doppelstunde während des Deutsch - und eine während des Kunstunterrichts) an den Bilderbüchern gearbeitet.
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Während des Projekts BilderBuchWerkstatt erfanden und illustrierten Grundschüler ein eigenes, in Pappe gebundenes, künstlerisches Bilderbuch im A3-Format. Zunächst experimentierten wir mit Sprach-, Bild- und Texterfindungen. In den 6 beteiligten Klassen entwickelten sich unterschiedliche Spiele zu einer Art Einstiegsritual. So war zum Beispiel das spontane Erfinden von "Reihumgeschichten" sehr beliebt. Den überraschenden Verlauf der reihum und Satz für Satz entwickelten Geschichten nahmen wir auf Band auf, sodass die Kinder später ihrer eigenen Erzählstimme lauschen konnten. Auf diese Weise in Schwung gekommen, fanden alle Beteiligten zu einem persönlichen Thema und eigenen Protagonisten. Durch das zweigleisige Arbeiten auf der Text- und der Bildebene, regte mal das Geschriebene zu einem neuen Bild, mal das Bild zum Weiterführen des Textes an. Seite um Seite vertieften die Kinder ihre Vorstellungswelten und Erfindungen. Durch die Methode der Collage konnten heterogene Text- und Bildteile zu eigenwilligen Seiten zusammengefügt werden. In regelmäßigen Vorleserunden lernte jeder auch die Geschichten der anderen kennen und schätzen. Die Bücher wurden eingescannt und mit Hilfe der Schülerfirma Büro in einfacher Auflage auf A4Format ausgedruckt und gebunden. Abgeschlossen wurde das Projekt mit feierlichen Lesungen in der Schulbibliothek und einer Ausstellung der großen Originalbücher im Foyer. Geplant ist die langfristige Zusammenarbeit mit Schulen zur Herausgabe von künstlerischen Büchern, um so über die beteiligten Einrichtungen hinaus ein Forum für die individuellen Äußerungen von Kindern zu schaffen.
 
Projektauslöser/Idee:
K.Archipov, M.Kempe und T. Haber vom Verein Kommunikation durch Kunst e.V. haben 2008 die "Kreuzberger Buchkinder" nach dem Vorbild der Leipziger Buchkinder gegründet. Damals gewannen sie die Überzeugung, dass Kinder lustvolle und selbstgesteuerte Begegnungen mit Büchern brauchen, um Lesen und Schreiben als ihre eigene Angelegenheit zu begreifen. Außerdem hat T.Haber persönlich eine große Leidenschaft für Bilderbücher und eine umfangreiche Sammlung außergewöhnlicher und künstlerischer Exemplare. Als sie durch eine Langzeitver-tretung in Kunst mit den Lehrern der C.-v.-L-Schule näher in Kontakt kam, enstand die Idee für die BilderBuchWerkstatt.
 
Projektentwicklung:
Von Anfang an, war das Projekt als Zusammenarbeit von Lehrern, Erziehern und der Künstlerin geplant, um während der Projektarbeit in einen anregenden Austausch über Methoden und Herangehensweisen zu treten. T.Habers Aufgabe war es die unterstützende Lernumgebung (Werkstattsituation) vorzubereiten, die Anregungen und Materialien auszuwählen und einen konstruktiven Austausch unter allen Beteiligten in Gang zu halten. Die Lehrer und Erzieher haben sich sehr unvoreingenommen auf den gemeinsamen Prozess in der BilderBuchWerkstatt eingelassen und die Freiräume der geöffneten Lernsituation auch als Bereicherung für ihren Unterricht empfunden.
 
Besonderheiten:
Besonders ist an diesem Projekt die, in der alltäglichen Schulstruktur auf meherern Ebenen vernetzte Arbeitsweise mit künstlerischen Ausdrucksformen. Dieser Versuch des "mehrfachen Brückenschlags" beginnt beim fächerübergreifenden Arbeiten (Kunst/Deutsch), beinhaltet die Einbeziehung mehrerer Professionen und Schulbereiche (Lehrer, Erzieher, Bilbliothek, Schülerfirma) und führt bei Fortsetung des Projekts zur Kontaktaufnahme von Schülern einer Einrichtung mit Schülern einer anderen Einrichtung- über das Medium des künstlerischen Bilderbuchs. Dabei konnten wir immer wieder beobachten, wie die Bücher von Kindern spielend das Interesse anderer Kinder wecken und zum Mitreden, Lesen und Selberschreiben motivieren.
 
Probleme und Lösungen:
Das Projekt beanspruchte viel reguläre Unterrichtszeit (8 Doppelstunden Kunst und 8 Doppelstunden Deutsch pro Klasse) in der die Lehrer keine zeugnisrelevanten Noten geben konnten. In einem der beiden beteiligten Jahrgänge gingen daher Teilbereiche der Arbeit am Buch in die Noten ein. Das widerspricht ansich der Grundidee des Projekts: Kinder gehen mit ihren persönlichen Äußerungen über das Medium Buch an die Öffentlichkeit, ganz unabhängig von schulinternen Bewertungen! In dem zweiten Jahrgang waren alle beteiligten Lehrer damit einverstanden, die Projektarbeit nicht zu bewerten. In Bezug auf Rechtschreibkorrekturen konnten wir uns in allen Klassen auf folgende Vorgehensweise einigen: es gibt von Seiten der anwesenden Erwachsenen das Angebot die Texte der Kinder "Korrektur zu lesen", so wie es auch professionelle Autoren handhaben. Dabei werden natürlich nicht die Wortwahl, Textaufbau oder die persönliche Ausdrucksweise korrigiert. Wenn Kinder dieses Angebot nicht wahrnehmen wollten, wurde das akzeptiert. Durch "Schreibkonferenzen" konnten unverständliche Stellen von den Kindern selbst geklärt werden. Für viele Kinder ist es demotivierend Textstellen mehrfach zu schreiben. Sie konnten auf losen Blättern Texte entwickeln und einzelne Passagen einfach ausschneiden und in die endgültigen Seiten montieren. Eine große Vereinfachung für die z.T. motorisch beeinträchtigten Kinder war auch das Kopieren ihrer ersten Zeichung von der Hauptperson in verschiedenen Größen. So konnten sie sich auf das Malen neuer Situationen konzentrieren und ihre Hauptperson sowie den Text einfach hineinkleben. Auf dem geräumigen A3-Papier machte die Methode der Collage eine spontane Herangehensweise und intuitive Seitengestaltung möglich.
 
Anekdotisches:
Dadurch, dass es keinerlei inhaltlichen Vorgaben gab, fanden die Kinder zu sehr persönlichen Themen und Ausdrucksformen. Sie formulierten auf unterschiedliche Art, dass ihr Buch so gut zu ihnen selbst passt. Ein Mädchen betrat den Raum mit den Worten: "Ich freu mich so auf mein Buch!". Ein anderes Kind teilte mir mit:"Ich wollte schon immer ein eigenens Buch schreiben, aber dann habe ich immer vergessen weiterzumachen." Oder in Bezug auf die Hauptperson: "Die hat die Lieblingsfarbe Gold,- wie ich!" Sehr auffällig war auch der Stolz auf die erste Reproduktion des eigenen Buches: "Das sieht ja aus wie gedruckt!" Außerdem gab es sehr viel gegenseitige Anerkennung z.B. mit folgenden Worten: "Dein Buch kauf ich mir, wenns rausgekommen ist".