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Romeo und Julia Remix
Schule:
Alfred-Nobel-Sekundarschule
Britzer Damm 164
10178 Berlin
030/ 606 40 32

Hauptschule / Gebundener Ganztag
 
Kooperationspartner:
Moritz Degen, Designer und Musiker
 
Beteiligte Schüler:
18
Film-Projekt: 9. und 10. Jahrgang, Wahlpflichtkurs Darstellendes Spiel
 
Beteiligte Lehrkräfte:
Moritz Degen (Designer und Musiker) Maike Plath (Darstellendes Spiel und Deutsch)
 
Stundenvolumen:
4 Wochenstunden über ein Schuljahr
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Vor der Folie "Romeo und Julia" sollte biografisch zu Kernthemen des Klassikers gearbeitet werden. Zunächst geschah dies durch das Verfassen eigener Texte auf verschiedenste Schreibimpulse hin. Hier wurde biografisches Material zu den Themen "Familie", "Erziehung" (z. B. "Was meine Eltern von mir erwarten", "Als ich mal meinem Vater widersprochen habe und wie das ausgegangen ist", "Was bei uns in der Familie am wichtigsten ist", "Als ich mal abhauen wollte", usw.)"Liebe", "Zwangsheirat", "Freundschaft", "Regeln der Straße", usw. generiert. Anschließend wurden ästhetische Mittel des Theaters spielerisch eingeführt und durch Improvisations-Spiele erprobt und weiterentwickelt (z. B. Freeze, verschiedenen Spieltempi (Zeitlupe, Zeitraffer), chorische Spielweisen, Pose, Catwalk, Standbilder, usw. In einem weiteren Schritt wurden Szenen aus Romeo und Julia mit den biografischen Texten in Beziehung gesetzt, verglichen, diskutiert. Dann entstanden neue Texte, die als Spielanlässe für kleine, eigene Szenen genutzt wurden. Nach Erarbeitung und Auswertung dieser kleineren Szenen wurden 3 Gruppen gebildet, die sich für ein Kernthema aus "Romeo und Julia" entscheiden sollten. Diese Schritte erfolgten von Beginn des Schuljahres bis November, ab Anfang November war auch Moritz Degen dabei. Ab Ende November wurde die vorherige Arbeit auf das Verfassen eines Drehbuches für einen Film fokussiert. In den drei Gruppen wurde in mehreren Schritten eine zusammenhängende Geschichte zum gewählten Kernthema erarbeitet, die auf den zuvor erarbeiteten kleinen Szenen basierte. Gleichzeitig erarbeitete jede Gruppe ein komplexes Storyboard und einen Ablaufplan der einzelnen Szenen, aus denen sich die Geschichte zusammensetzte (dies war der anspruchsvollste Teil der Arbeit: Die Schüler mussten ihre Geschichten in umsetzbare und klar verständliche Bilder verwandeln, eine nicht immer einfache Reflexionsleistung). Die Schüler erstellten dann eine "Location-Liste" und sammelten dabei bewusst Orte in Neukölln, die ihnen etwas bedeuten und an denen sie sich häufig aufhalten. Der Drehplan wurde auf diese Locations hin überarbeitet. Ein Zeitplan wurde erstellt, wo, wann gedreht werden kann. In den anschließenden Wochen drehten die drei Gruppen unabhängig voneinander überall in Neukölln in Begleitung von Moritz und mir. Teilweise entstanden auch Filmszenen ohne uns. Bei den Dreharbeiten spielten die Schüler ihre Szenen immer mindestens 5 mal, meistens deutlich häufiger in genau derselben Weise mit demselben Text, um mehr Klarheit und Perfektion zu erreichen, aber auch, um verschiedene Kamera-Perspektiven zu haben, meistens Close-up, Totale, Perspektive von rechts, Perspektive von links. Das Schneiden der Filme übernahm Moritz Degen. Er ließ sich von den Schülern Musik zeigen, vorspielen und lud sich ihre Musik runter, um sie als Film-Musik einzubauen. Diesbezüglich brachten die Schüler zahlreiche Vorschläge ein, ebenso, was die Schnitte anging und die Stilrichtung der Filme. Die schnellen Schnitte und die Dominanz der Musik ist auf die Wünsche der Schüler zurück zu führen, die eine Musik-Video-Ästhetik anstrebten.
 
Projektauslöser/Idee:
Seit ich an der Schule bin, wollen die Schüler "Romeo und Julia" spielen. Ich dachte, man muss es dann einfach mal versuchen. Dass die Auseinandersetzung mit dem klassischen Stoff dann sowohl mit theatralen als auch mit filmischen Mitteln erfolgte, war ebenfalls ein Wunsch der Schüler. Sie haben alle Leonardo di Caprio in der berühmten "Romeo und Julia"-Verfilmung gesehen. Vom Prinzip war es so, dass die Kleinen eher Theater spielen wollten, die älteren wollten Filme machen.Die Filme sollten "knallen". Ich habe das so verstanden, dass die Schüler eine bestimmte Ästhetik im kopf hatten. So war es auch. Die Filme sind sehr stark von den Schülern geprägt, nicht nur inhaltlich, sondern eben auch äthetisch. Der biografische Ansatz war in beiden Spielgruppen derselbe, s.o., erst danach gingen die Arbeitsansätze auseinander. Die älteren drehten, die jüngeren entwickelten ihr Theaterstück.
 
Projektentwicklung:
Vor der Folie "Romeo und Julia" sollte biografisch zu Kernthemen des Klassikers gearbeitet werden. Zunächst geschah dies durch das Verfassen eigener Texte auf verschiedenste Schreibimpulse hin. Hier wurde biografisches Material zu den Themen "Familie", "Erziehung" (z. B. "Was meine Eltern von mir erwarten", "Als ich mal meinem Vater widersprochen habe und wie das ausgegangen ist", "Was bei uns in der Familie am wichtigsten ist", "Als ich mal abhauen wollte", usw.)"Liebe", "Zwangsheirat", "Freundschaft", "Regeln der Straße", usw. generiert. Anschließend wurden ästhetische Mittel des Theaters spielerisch eingeführt und durch Improvisations-Spiele erprobt und weiterentwickelt (z. B. Freeze, verschiedenen Spieltempi (Zeitlupe, Zeitraffer), chorische Spielweisen, Pose, Catwalk, Standbilder, usw. In einem weiteren Schritt wurden Szenen aus Romeo und Julia mit den biografischen Texten in Beziehung gesetzt, verglichen, diskutiert. Dann entstanden neue Texte, die als Spielanlässe für kleine, eigene Szenen genutzt wurden. Nach Erarbeitung und Auswertung dieser kleineren Szenen wurden 3 Gruppen gebildet, die sich für ein Kernthema aus "Romeo und Julia" entscheiden sollten. Diese Schritte erfolgten von Beginn des Schuljahres bis November, ab Anfang November war auch Moritz Degen dabei. Ab Ende November wurde die vorherige Arbeit auf das Verfassen eines Drehbuches für einen Film fokussiert. In den drei Gruppen wurde in mehreren Schritten eine zusammenhängende Geschichte zum gewählten Kernthema erarbeitet, die auf den zuvor erarbeiteten kleinen Szenen basierte. Gleichzeitig erarbeitete jede Gruppe ein komplexes Storyboard und einen Ablaufplan der einzelnen Szenen, aus denen sich die Geschichte zusammensetzte (dies war der anspruchsvollste Teil der Arbeit: Die Schüler mussten ihre Geschichten in umsetzbare und klar verständliche Bilder verwandeln, eine nicht immer einfache Reflexionsleistung). Die Schüler erstellten dann eine "Location-Liste" und sammelten dabei bewusst Orte in Neukölln, die ihnen etwas bedeuten und an denen sie sich häufig aufhalten. Der Drehplan wurde auf diese Locations hin überarbeitet. Ein Zeitplan wurde erstellt, wo, wann gedreht werden kann. In den anschließenden Wochen drehten die drei Gruppen unabhängig voneinander überall in Neukölln in Begleitung von Moritz und mir. Teilweise entstanden auch Filmszenen ohne uns. Bei den Dreharbeiten spielten die Schüler ihre Szenen immer mindestens 5 mal, meistens deutlich häufiger in genau derselben Weise mit demselben Text, um mehr Klarheit und Perfektion zu erreichen, aber auch, um verschiedene Kamera-Perspektiven zu haben, meistens Close-up, Totale, Perspektive von rechts, Perspektive von links. Das Schneiden der Filme übernahm Moritz Degen. Er ließ sich von den Schülern Musik zeigen, vorspielen und lud sich ihre Musik runter, um sie als Film-Musik einzubauen. Diesbezüglich brachten die Schüler zahlreiche Vorschläge ein, ebenso, was die Schnitte anging und die Stilrichtung der Filme. Die schnellen Schnitte und die Dominanz der Musik ist auf die Wünsche der Schüler zurück zu führen, die eine Musik-Video-Ästhetik anstrebten.
 
Besonderheiten:
In Bezug auf die derzeitige "Sarrazin-Debatte" ist es sehr erfrischend die Perspektive der betroffenden Jugendlichen selbst zu hören und zu sehen. Wenn mehr Jugendliche "mit Hintergrund" die Gelegenheit hätten, sich auf künstlerische Weise zur politischen Debatte zu äußern, würde diese sicherlich nicht so polemisch und/oder aggressiv geführt. Die (zahlreichen!) Zwischentöne dieses Themas werden durch die Perspektive der Jugendlichen auf ganz besondere Weise deutlich. Dadurch schaut vielleicht der ein oder andere Erwachsene mit "deutschem Hintergrund" :-) nochmal genauer hin.
 
Probleme und Lösungen:
Die Jugendlichen hatten sich nicht vorgestellt, wie aufwendig es ist, einen Film zu drehen. Sie waren anfangs nicht begeistert, dass das Projekt weit über ihre vier Wochenstunden hinaus ging: Sie mussten einen erheblichen Teil ihrer Freizeit aufwenden, und waren anfangs nicht dazu bereit. Als die Arbeit zunehmend Formen annahm und die ersten Drehs statt gefunden hatten, entwickelten aber einige der Jugendlichen eigenen Ehrgeiz und fingen an, die anderen zu "bearbeiten". Dauernd wurden über Handy Gespräche mit den anderen geführt, in denen Überzeugungsarbeit geleistet wurde -besser, als wir es je gekonnt hätten. So erschienen mit der Zeit die Jugendlichen, die für eine besondere Szene gebraucht wurden, zunehmend zuverlässiger.
Während des Projekts gab es sehr viel Streit unter den Jugendlichen, insbesondere, wenn wir in Neukölln unterwegs waren und in irgendwelche "Gang-Streitigkeiten" gerieten, s. Anekdotisches. Auch die Diskussion über das Thema selbst: Was erleben die muslimischen Mädchen in ihren Familien, was dürfen sie, was dürfen sie nicht, führte häufig zu Auseinandersetzungen ("Deutsche Mädchen sind Schlampen", "Es ist gut, wenn der ältere Bruder verhindert, dass die jüngere Schwester "ehrlos" wird", dass "der Vater in der Familie die Ansagen macht". Die deutschen und polnischen Mädchen sahen das nur teilweise anders).
Vor jedem Dreh musste ich irgendwelche Väter anrufen, und diese beruhigen, dass ihre Töchter mit ihrer Lehrerin unterwegs waren und tatsächlich ein Schulprojekt durchführten. Ab 18 Uhr war es bei einigen Mädchen nicht möglich, nochmal "raus zu gehen".
 
Anekdotisches:
An einem Tag waren Moritz und ich wieder in unterschiedlichen Teilen Neukölln unterwegs, er mit einem Team, ich mit einem anderen. Plötzlich piepte mein Handy und Moritz setzte mich- ziemlich atemlos- über folgende Situation in Kenntnis: Er sei gerade an der Hermannstraße und zwischen zwei Schülerinnen sei ein krasser "Bitch-Fight" ausgebrochen. Die zwei Mädchen seien mitten auf der Straße mit voller Wucht aufeinander los gegangen, schlugen sich gegenseitig ins Gesicht und zogen sich an den langen gestylten Mähnen in den Dreck, sprichwörtlich in die Pfützen. Es sei die Hölle los, die anderen ständen drum herum und tippten in ihre Handies. Offenbar werde "Unterstützung angefordert". Was solle er denn nun machen? Er habe versucht, einzugreifen, aber sie würden ihn nur milde wegschubsen und ihm freundlich zu verstehen geben, dass er da jetzt nichts zu suchen habe. Was er denn nun machen solle, fragt er mich. Ich bestätige ihm sofort, dass wohlmeinendes Reden jetzt tatsächlich gar nichts mehr bringt und dass höchstwahrscheinlich gleich ein Haufen gewaltbereiter Jungs auftauchen werde. Er solle also schnell auf die andere Straßenseite, sofort die Polizei rufen und Sicherheitsabstand halten. Ich verspreche ihm, sofort zu kommen. Auf dem Weg dahin mache ich mir Riesen-Sorgen und Vorwürfe: Durfte man die überhaupt alleine los schicken, usw. Als ich endlich ankomme und aus dem Bus steige, begrüßen mich zahlreiche ehemalige arabische Schüler mit strahlenden Gesichtern. Die beiden Mädels stehen dreckbesudelt, aber offenbar wieder friedlich daneben und entschuldigen sich für den Zwischenfall. Tatsächlich sind diese ganzen ehemaligen männlichen Schüler zur Verstärkung über Handy geholt worden, aber sie haben beim Ertönen der Polizei-Sirene offenbar einen anderen Plan gefasst und den Streit zwischen den Mädels geschlichtet. Einer der ehemaligen Schüler ist mit meinem sorgenvollen Gesicht noch nicht zufrieden und tröstet mich folgendermaßen: "Nun machen Sie sich mal keine Sorgen, Frau Plath. Wir hören jetzt auf, hier Stress zu machen, damit Sie keinen Ärger kriegen. Die Sache hier muss noch geklärt werden, aber unter uns. Das wird jetzt woanders ausgetragen." Als ich entsetzt gucke, beschwichtigt er: "Ja, so ist das nun mal. Da können Sie gar nichts machen. Das ist normal. Wir machen das so. Damit haben Sie gar nichts zu tun. Wir fahren jetzt erstmal nach Hause und vertagen das. Sie werden damit keinen Stress mehr haben, Frau Plath. Alles gut." Moritz und mir wird klar: Wir sind in der Realität angekommen: Ein Auseinandersetzung zweier Gangs in ihrem Kiez in ihrer Welt. Wir sind da so ein bisschen fehl am Platze und die Jugendlichen ahnen das und stellen uns fürsorglich und liebevoll "unter Naturschutz". Sie schicken "Mutti und Vati" nach Hause, damit die sich keine Sorgen machen...