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Startseite der Webrubrik Auf der Lauer, Auf der Mauer - Berlin MurMur
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Die "Miniwölfe" machen eine Fotoreportage über die East Side Galery
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Dokumentarfilm mit Berliner und französischen Schülern
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einige der (heutige Stand 15.04.2010) 3806 Online-Graffiti
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Eins unserer Lieblings-Onlinegraffiti!
Auf der Mauer, auf der Lauer | MurMur - 20 Jahre Mauerfall - Eine interaktive Reise durch die Zeit (Homepage)
Schule:
Französisches Gymnasium
Derfflingerstr. 7
10785 Berlin
Tel: 030/2575 8910/11
Fax: 030/2575 8919
Schulleiter: Herr Frank
eEducation-Masterplan AG Böser Wolf


Gymnasium / Gebundener Ganztag
 
Kooperationspartner:
Förderverein Grand méchant loup|Böser Wolf "Jungreporter ohne Grenzen" e.V.
Apostel-Paulus-Straße 7
10823 Berlin
Tel: 030 / 80575998
www.boeser-wolf.schule.de

Kulturprojekte Berlin
Klosterstraße 68-70
10179 Berlin
Tel:030 / 24749700
www.kulturprojekte-berlin.de

Schöneberg liest
Ansprechpartner: Monika Mundt, Berlin

Deutsch-Französisches Jugendwerk (DFJW)
Ansprechpartnerin: Dominique Granoux
Molkenmarkt 1
10179 Berlin
Tel: 030 / 2887570
Fax: 030 / 28875788
www.dfjw.org

Café-Galerie HEROES
Ansprechpartnerin: Soizic Cadio
Friedelstr. 49
12047 Berlin
Tel: 030/37 44 75 11


Haus der Begegnung Marzahn M3
Ansprechpartner: Eik Schmiljun
Mehrower Allee 3
12687 Berlin
Tel.: 030/9328036
FAX: 030/93664012


Point Information Jeunesse / Point Cyb
Ansprechpartner: David Ozon
6, rue du Moulinet d'Hardemare
41130 SELLES-SUR-CHER
Tel:0033/254975468
www.selluloid.org/

Ferner folgende Internetportale:

Lehrer-Online: www.lehrer-online.de
Das Frankreich-Blog (Klett-Verlag): www.france-blog.info
didaktik.fr: www.didaktik.fr
Radio France: www.radiofrance.fr/ (Spezialrubrik zum 20. Jahrestag am 9. November "Radio France fait le mur")

Ferner folgende Kulturschaffende:

Konzeption: Catherine Raoult (Redakteurin), Christiane Baumann (Autorin)
Assistenz: Julia Bauer (Studentin der Medienpädagogik)
Graphik und Webdesign: Léa Lamarque (Mediengestalterin -www.boeserwolf.schule.de)
Programmierung: Jean-Michel Bottereau (Informatiker - www.sf-design.net/)

 
Beteiligte Schüler:
Ihr Eintrag
30 (Initiatoren) + ca. 2000 (über Internet)
30 Deutsche und französische Schüler im Alter von 8 bis 15 Jahren - 4. bis 9. Klasse(Französisches Gymnasium Berlin und Collège des Pressigny, Selles sur Cher)
ca. 2000 Schüler, die Graffiti online hergestellt haben, aus Österreich, Frankreich, Polen, Russland und England, Alter 5 bis 18 Jahre.
 
Beteiligte Lehrkräfte:
Lehrkräfte aus den Fächern Französisch, Kunst, Geschichte, Informatik und Deutsch (Fremdsprache in Frankreich, die abgesehen von den beiden Schulen, Französisches Gymnasium und Collège des Pressigny, über die genannten Kooperationspartner erreicht wurden. Dadurch dass es sich um das Internet handelt, lässt sich die Anzahl schwer beziffern. Ganz eindeutig wurden manche Graffiti, die um den selben Zeitpunkt und von einer Altersstufe gesendet wurden, während einer Unterrichtseinheit hergestellt.
 
Stundenvolumen:
1 mal wöchentlich ca. 3 Wochenstunden von März bis November.
Es ergibt etwa 100 Stunden. Weitere 50 Stunden wurden darauf verwendet, Film, Text- und Fotoreportagen fertigzustellen.
Das Zeitvolumen für den Hauptpunkt - Online-Graffitimauer - ist schwer einzuschätzen, da die Herstellung eines Online-Graffiti zwischen 5 und 20 Minuten beansprucht.

 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Berliner Mauerfalls haben sich 30 deutsche und französische Schüler im Alter von 8 bis 15 Jahren im Rahmen einer „Masterplan AG“ am Französischen Gymnasium Berlin gemeinsam mit einer Autorin, Mediengestalterin, Redakteurin, Medienpädagogin, Lehrerin sowie einem Informatiker unter dem Motto „Auf der Mauer, auf der Lauer | MurMur“ auf Spurensuche begeben. Für die heutige Generation von Kinder und Jugendlichen ist die Berliner Mauer ein fernes historisches Ereignis, sie kennen nur ein Europa ohne Grenzen. Auch aus diesem Grunde war der 20. Jahrestag des Mauerfalls für die Schüler aus Berlin und Selles sur Cher (Frankreich) ein willkommener Anlass, die Vergangenheit und Gegenwart der ehemals zweigeteilten Stadt dokumentarisch aufzuarbeiten und anschließend online anderen Kindern und Jugendlichen im In- und Ausland zu präsentieren.
Mit den unterschiedlichsten Medien realisierten die Kinder und Jugendlichen von März bis Dezember 2009 unter zielgerichteter Anleitung themenspezifische Reportagen, Interviews, Umfragen, Fotogalerien sowie einen Dokumentarfilm.
Ferner gestalteten (Graphik und Ton) die Schüler eine sogenannte „Online-Graffitimauer“, an der dank Einsatz eines Programmierers Graffiti online „gesprayt“ werden konnte. Diese interaktive Graffiti-Mauer erfreute sich eines unerwarteten Erfolges bei Schülern, nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Österreich, Frankreich, Polen, Russland und England. Die Intention des Projekts, somit weitere Schülerkreise zu erreichen, wurde nicht nur erfüllt, sondern übertroffen.

Alle Ergebnisse sind sowohl in deutscher als auch in französischer Sprache auf einer „digitalen Berliner Mauer“ zusammengefasst, welche auf dem Onlineportal www.mechant-loup.schule.de/mauerfall.html veröffentlicht ist. Das Ziel des Vorhabens war es, Schülern und Schülerinnen durch dieses Projekt nicht nur Medienkompetenz zu vermitteln und deren Kreativität anzuregen, sondern darüber hinaus ihr Bewusstsein sowie ihr Interesse für Europa, Politik, Geschichte, Kultur und Medien zu fördern.

Im Mittelpunkt des Projekts standen zunächst vor allem Interviews mit Zeitzeugen, die damals Kinder bzw. Heranwachsende waren. So befragten sie beispielsweise einen ehemaligen Republikflüchtling, dem im Alter von nur 14 Jahren die Flucht gelang. Aus den verschiedenen Blickwinkeln der einzelnen Interviewpartner heraus sollte für die Schüler ein lebendiges Bild der Mauer und ihrer Folgen gezeichnet werden. Die Berichte über die persönlichen Schicksale und die Möglichkeit nachzufragen, erlaubten es den Kindern und Jugendlichen, geschichtlich abstrakte Begriffe wie „Wiedervereinigung“ und „Stasi“ mit Bedeutung zu füllen und zu verstehen. Einen anderen Bestandteil des Projekts stellt der Dokumentarfilm dar, der 2009 in Paris den 5. Preis des französischen Festivals "Regards jeunes sur la cité" in der Kategorie Ici et ailleurs („Hier und anderswo“) gewann. Ausschlaggebend war hier nicht die Darstellung der Mauer, so wie sie war, sondern so wie sie sich Schüler aus heutiger Sicht vorstellen, und wie sie selbst mit einer Mauer umgegangen wären.

Die von den Schülern erarbeiteten Ergebnisse zum Thema „Berliner Mauer“ langfristig auch vielen anderen Kindern und Jugendlichen via Internet zugänglich zu machen, stellte ein weiteres zentrales Ziel des Projekts „Auf der Mauer, auf der Lauer | MurMur“ dar. Ein wichtiger Punkt bei der Planung und Gestaltung der Online-Präsentation war es, dass die Besucher der Website Inhalte nicht nur passiv aufnehmen, sondern für sie auch die Gelegenheit der aktiven Partizipation im schöpferischen Sinn besteht. Dieser zweite Schwerpunkt wurde über die oben bereits erwähnte interaktive Online-Mauer gewährleistet, auf der Kinder und Jugendliche eigene Graffiti entwerfen und auf das historische Jubiläum in ihrer eigenen Sprache und Form reagieren können. Die interessantesten und schönsten Graffiti werden auch weiterhin regelmäßig ausgestellt. Inzwischen erreichten uns über 3000 Graffiti, deren inhaltliche sowie künstlerische Gestaltung vor allem im Zusammenhang mit dem Thema Mauer und Mauerfall stehen. Dabei ist zu beobachten, dass Kinder und Jugendliche sich gegenseitig inspirieren und anspornen. Ganze Schulklassen und Schulen wurden über deutsche und französische Bildungsserver involviert, die auf die Online-Mauer hinwiesen und verlinkten. Die Graffiti-Mauer, die anfangs vor allem als Medium der Motivation gedacht war, entwickelte sich überraschenderweise zum Selbstläufer und Zugpferd des Projekts. Genaueres dazu wird unter dem Punkt „Besonderheiten/Charakteristika“ ausgeführt.

 
Projektauslöser/Idee:
Das Thema „20 Jahre Mauerfall“ hatte die Redaktion der Kinder- und Jugendinternetseite des „Grand méchant loup| Böser Wolf e.V.“ bereits langfristig im Blick, denn als deutsch-französischer Verein werden international relevante Themen bevorzugt aufgegriffen. Klar war allerdings, dass diese weltpolitisch wichtige Jahresfeier eine besondere Art der Aufarbeitung und Darstellung für Kinder und Jugendliche braucht. Das aus dieser Überlegung initiierte Projekt entstand in seinen verschiedenen Facetten vor allem in Zusammenarbeit mit den in der Projekt-Kurzbeschreibung genannten Beteiligten, die sich immer wieder gegenseitig inspirierten und voranbrachten (siehe auch Kooperationspartner / Kulturschaffende).
Alle Mitarbeiter des Projekts stammen aus unterschiedlichen Berufsfeldern und sahen in dem Projekt die Möglichkeit, sich mit ihren eigenen Vorstellungen, Erfahrungen und Hintergründen in die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen einzubringen.
 
Projektentwicklung:
Ausgangspunkt:
Da 2009 sich der Berliner Mauerfall zum 20sten Mal jährte, wurde das Thema in der Schüler-AG der Jungreporter, die am Französischen Gymnasium Berlin seit geraumer Zeit durchgeführt wird, zu Beginn des Halbschuljahres Sommer 2009 aufgenommen.
Neben dem für den Journalismus wichtigen Aspekt der Aktualität sowie der gesellschaftlichen Relevanz barg das Thema weitere Potenziale: Es ließ sich aus verschiedenen Perspektiven beleuchten und erfahren, und versprach damit für die Schüler sehr unterschiedliche Lernerfahrungen. Weiterhin hat das Thema für deutsche Kinder und Jugendliche bis heute eine soziale Relevanz zum Beispiel in puncto Vorurteile. Die Mauer ist zudem medial gut greifbar und von internationaler Bedeutung.
In der Vorbereitung wurde überlegt, wie und in welcher Form die Projektziele (siehe Projektbeschreibung) verwirklicht werden konnten. Dabei war klar, dass die Schüler die Rolle von Multiplikatoren für wiederum andere Schüler übernehmen sollten, indem sie als Jungreporter die Mauer und die Zeit der Wende beschreiben, erklären und hinterfragen.
Der gesamte Projektablauf wurde in zwei Phasen gegliedert, von denen die erste Phase die aktive Medienarbeit mit deutschen und französischen Schülern aus Berlin und Selles sur Cher
umfasst, während die zweite Phase mit Schülern aus ganz Europa realisiert wurde.

Phase 1: Aktive Medienarbeit mit deutschen und französischen Schülern aus Berlin und Selles sur Cher
Von März bis Dezember 2009 wurden etwa 30 Workshops-Sitzungen mit den Jungreportern drinnen und draußen durchgeführt. Die Schüler suchten in Berlin nach Spuren der Mauer: Es wurden Zeitzeugen und Passanten befragt, Abschnitte des „Berliner Mauerwegs“ filmisch und fotografisch festgehalten, Zeichnungen, Artikel und Texte erstellt etc. Im März 2009 wurden Ton-Interviews für den Sender Radio France Internationale und die Literatur-Webseite für Kinder www.rossipotti.de aufgenommen und dort ausgestrahlt bzw. publiziert.

Von Mitte Januar bis Ende April 2009 fanden die Dreharbeiten des Kurzfilmes "Auf der Mauer, auf der Lauer| MurMur" mit Berliner und französischen Schülern (aus Selles sur Cher) statt, der von den Schülern selbst konzipiert und gedreht wurde. Unter Anleitung der Mediengestalterin Léa Lamarque wurden die Schüler in die Kunst der Montage eingeführt.
Im Juni 2009 wurde der Kurzfilm „Auf der Mauer, auf der Lauer | MurMur“ beim Filmfestival Selluloid 2009 in Selles sur Cher, in der Kategorie „Außer Konkurrenz“ gezeigt.
Im Oktober 2009 wurde der Film beim 20. Festival „Regards Jeunes sur la Cité“ in Paris aufgeführt und anschließend ausgezeichnet.
Zeitgleich wurden die „gefundenen Spuren“, also Kurzfilm, Interviews, Fotoreportagen und Berichte auf einer speziellen Rubrik auf der Webseite des Vereins Böser Wolf e.V. veröffentlicht (http://www.mechant-loup.schule.de/mauerfall.html).
Abschließend wurden die Resultate der Schüler bei der Veranstaltung „Schöneberg liest“ sowie beim Schulfest des Französischen Gymnasiums Berlin präsentiert, wobei durch Interviewfragebögen und das Zeichnen von Graffiti auf der Online-Mauer die Möglichkeit mitzumachen bestand.

Phase 2: Aktive Medienarbeit mit Schülern aus ganz Europa
Damit auch für andere Schüler außerhalb von Berlin die Möglichkeit der Partizipation besteht, wurde im August 2009 die Online-Graffitimauer (http://www.boeser-wolf.schule.de/dessin/dessin_intro_de.html) ins Netz gestellt. Ursprünglich sollte der Künstler Thierry Noir die Schüler in seine Graffitikunst einführen, dies konnte leider nicht stattfinden (Siehe Probleme und Lösungen). Durch eine umfangreiche Vernetzung mit Webseiten für Kinder, Jugendliche und Lehrern konnte jedoch eine Vielzahl von Web-Besuchern angesprochen werden, wie sich in den Besucherzahlen zeigt. Ganze Schulklassen nutzen die Gelegenheit, ihr eigenes Graffiti mit einer Nachricht auf die Berliner Online-Mauer zu sprayen. Die schönsten und orginellsten Graffiti wurden und werden regelmäßig online ausgestellt.
Neben der Online-Galerie (http://www.boeser-wolf.schule.de/journaux/18/patte.htm) wurde eine Auswahl der Graffiti im November 2009 in der kleinen Berliner Galerie „Café Heroes“ sowie im „Haus der Begegnung Marzahn M3“ präsentiert.
Als Abschluss der zweiten Phase fasste im Dezember 2009 der Web-Adventskalender der Bösen Wölfe die Höhepunkte des Projekts zusammen.
Da die Graffiti-Mauer bis heute von den Schülern rege genutzt wird, besteht auch bis auf Weiteres die Möglichkeit, ein Graffiti auf die Online-Mauer zu sprayen.

 
Besonderheiten:
Die Besonderheit des Projekts besteht vor allem in den zwei Dimensionen, die es miteinander verbindet: Es richtet sich nicht nur nach innen - also an die Kinder und Jugendlichen der AG -, sondern auch ganz gezielt nach außen, an die deutsch- und französischsprachigen Kinder und Jugendlichen, die durch den interaktiven Webauftritt angesprochen werden.
Den Initiatoren des Projekts ist es in diesem Zusammenhang wichtig gewesen, einen Weg zu Kindern und Jugendliche zu finden, die sonst geographisch bzw. sozial nicht oder wenig erreicht werden.
Das Internet stellt ein diffuses Areal dar, in dem keine Kontrolle, oft kein Feed-back stattfindet (in der Schule bzw. im „realen“ Leben ist dies möglich). Als eine weitere Besonderheit hat sich also herausgestellt, dass über die interaktive Graffiti-Mauer ein kleiner Einblick in die Welt der Internet-User gewonnen werden konnte - durch die „Maueröffnung“ gelang es sozusagen, in die große Unbekannte zu blicken die das Internet darstellt.
Uns erreichten von künstlerisch außergewöhnlichen Zeichnungen und Tags, über Zeichnungen mit politischen Aussagen, auch aufmunternde Sprüche und Formeln wie „Endlich frei!“, von denen etwa 90 % im Zusammenhang mit der Mauer und ihrem Fall stehen. Nur ein verschwindend geringer Anteil war rassistischer oder sexistischer Art, oft in unbeholfener Art dargestellt, und wurde für die Ausstellung nicht in Betracht gezogen. Allerdings zeigt diese Teilnahme auch, dass mit der Graffiti-Mauer ein sehr vielfältiger User-Kreis erreicht wurde, nämlich nicht nur Kinder und Jugendliche aus gehobenen und gebildeten Gesellschaftsschichten, sondern durchaus auch aus Randgruppen. Aus der Vorauswahl, die im Kleinformat online ausgestellt wurde, wählten die Schüler der AG regelmäßig ihre Lieblingsgraffiti aus, welche in realer Größe auf der Website der „Hauptmauer“ präsentiert wurden (http://www.mechant-loup.schule.de/journaux/18/graffitis/mauer2.php).
Eine Besonderheit stellt weiterhin der Versuch dar, Virtualität und Realität nicht künstlich zu trennen, sondern fließend ineinander übergehen zu lassen. So wurden vom Verein Böser Wolf e.V. diverse Ausstellungen, Filmprojektionen und auch Lesungen mit den Inhalten der Website zum Thema „Mauerfall“ organisiert, zu der nicht nur Kinder geladen waren.
 
Probleme und Lösungen:
Ursprünglich sollte der französische Künstler Thierry Noir, der durch seine Graffiti an der Berliner Mauer berühmt wurde (er wirkte u.a. entscheidend am Film von Wim Wenders "Der Himmel über Berlin" mit) zu einem unserer wöchentlichen Workshops kommen, um den Schülern eine Einführung in die Graffiti-Kunst zu geben, aber auch um sich ihren Fragen zu stellen. Die Ergebnisse wären dann online veröffentlicht worden, um die Internet-Benutzer davon profitieren zu lassen. Der geplante Termin platzte leider kurzfristig. Auf Grund der Feierlichkeiten um den 20. Jahrestag des Mauerfalls und der enormen Zahl von Anfragen an den Künstler war es nicht mehr möglich, auf die Schnelle einen neuen Termin zu vereinbaren.
Wir mussten also umdisponieren. Durch die umfangreiche Vernetzung mit Webseiten für Kinder, Jugendliche und Lehrer wurde eine Vielzahl von Web-Besuchern angesprochen (siehe Projektentwicklung). Sehr bald stellte sich heraus, dass die jungen User sich gegenseitig inspirierten und das enorme Potenzial, das in ihnen steckt, selbt zum Vorschein brachten, ohne die Anleitung eines Künstlers. Man konnte feststellen, dass die Graffiti bestimmte „Phasen“ aufwiesen, wie in der Kunst. Es kamen in Schüben abstrakte Graffiti, dann Graffiti mit Sprüchen, mit Strichmännchen, Graffiti rund um das Wort „Peace“ etc.

Als eine große technische, aber auch arbeitsorganisatorische Herausforderung erwies sich außerdem die Online-Graffiti-Mauer auf Grund des vorher nicht absehbaren, stetig wachsenden Erfolges. Es mussten Mittel und Wege gefunden werden, die große Zahl der eingesendeten Graffiti, die sich in riesigen Datenmengen äußerten, zu bewältigen. Die eigentlich angedachte Internetseite zeigte sich als zu „bescheiden“ und baute wegen der zu großen Anzahl veröffentlichter Graffiti zu langsam auf. Es sollten aber dennoch möglichst viele der eingesendeten Graffiti veröffentlicht werden, um den Kindern und Jugendlichen eine Rückmeldung und vor allem eine Bestätigung durch Publikation zu geben. Am 9. November 2009 wurden z.B. über 400 000 Anfragen (Klicks) auf unserem Server gezählt, so dass tatsächlich eine große Öffentlichkeit insbesondere dank der teilnehmenden Benutzer erreicht wurde. Durch eine Optimisierung der ursprünglichen Version mit Hilfe unseres Informatikers konnte eine Lösung gefunden werden. Die meisten Graffiti werden jetzt im Kleinformat abgebildet, welche sich nach dem Anklicken vergrößern – so dass der gesamte Entstehungsprozeß für den Betrachter nachzuvollziehen ist (einfach festzustellen, wenn man auf einen beliebigen Graffiti klickt!), und nur eine kleine Auswahl ist auf einer beweglichen, bildschirmgroßen Mauer zu sehen.
Arbeitsorganisatorisch ist die Graffiti-Mauer insofern eine Herausforderung, als dass die Graffiti fast täglich vorausgewählt, bearbeitet und in eine Datenbank kopiert werden mussten, bevor sie endgültig veröffentlicht wurden. Diese Arbeit nahm sehr viel Zeit in Anspruch, dadurch mussten wir oft umdisponieren.
Keine Probleme hatte die Projektleitung glücklicherweise mit der Beschaffung von Materialien und Inhalten zum Thema Berliner Mauer. Da die Mitarbeiter des Projekts und die beteiligte Schule in Berlin ansässig ist, standen genug Möglichkeiten zur Verfügung, sich dem Thema zu nähern.

 
Anekdotisches:
Ein besonderes Erlebnis war der Verlauf, den die Dreharbeiten des Dokumentarfilmes in Selles sur Cher nahmen. Die französischen Schüler wurden einer nach dem anderen von zwei Berliner Schülern gefilmt und u.a. gefragt, ob sie sich eine Mauer mitten in ihrer Stadt Selles hätten vorstellen können, und wenn ja, wie sie sich im Fall einer Teilung verhalten hätten. Alle waren einer Meinung: eine Mauer mitten durch Selles war unvorstellbar. Eines der interviewten Kinder erzählte jedoch Tage später, als wir gerade dabei waren, uns zu verabschieden, dass sein Großvater während der Besatzungszeit Anfang 1941-42 vielen Menschen geholfen hatte, den Fluß Cher, der mitten durch die Stadt fließt - zu passieren. Es stellte sich also heraus, dass die Kleinstadt Selles sur Cher, 5000 Einwohner, doch 70 Jahre zuvor durch eine unsichtbare Mauer, die das unbesetzte vom besetzten Frankreich trennte, in zwei Teile gespalten war. Es gelang unseren Schülern, den Großvater noch vor unserer Abfahrt zu interviewen. Er wurde mit dem Mikrophon aufgenommen, also nicht gefilmt, weil er es nicht wünschte, seine Stimme wurde aber mit Bildern der Gegend untermalt. Er war damals im Alter der älteren Schüler der AG, 14 Jahre alt, und er erzählte nun, was er gemacht hatte, als die Stadt geteilt war. Zu hören unter http://www.boeser-wolf.schule.de/journaux/18/film_de.htm
Ein anderes Ereignis, das uns auffiel:
Als Interviewpartner wurden teilweise auch die Eltern der Kinder interviewt. Zwei deutsch-italienische Kinder, die in Frankreich aufgewachsen sind und erst seit Sommer 2009 in Deutschland leben, haben mit anderen Schülern gemeinsam ihren Vater interviewt. Der aus Ostberlin stammende Forscher hatte nach der Wende keine Arbeit mehr gefunden und war kurzer Hand ausgewandert. Er erzählte seine Lebensgeschichte und erklärte den Schülern, wie er den Mauerfall erlebt hat und welche Konsequenzen dieser für ihn hatte. Auffällig war, dass die Kinder ihren Vater während des gesamten Interviews hindurch gesiezt haben, auch dann noch, als er sie schon darauf aufmerksam gemacht hatte. Sicher haben die beiden mit dem Vater noch nie so ausführlich über seine Vergangenheit gesprochen, so dass er ihnen - verstärkt durch die Rolle des Interviewpartners - ‚fremd’ vorkam. Dieses Erlebnis lässt schlußfolgern, dass die Schüler durch das Projekt auf Unbekanntes in ihrem vertrauten, unmittelbaren Umfeld stoßen, was sie zunächst irritiert und was sie erst verstehen lernen müssen. (siehe auch Interview: http://www.boeser-wolf.schule.de/journaux/18/documents/Juergen.pdf)
Ähnliches geschah im übrigen mit dem in Westberlin aufgewachsenen Vater von zwei Mädchen, die auch – zumindest die kleinere – den Vater siezte und offenbar zum ersten Mal hörte, dass der Vater auf einer „Insel“, wo es auch mal gemütlich war, großgeworden war.
http://www.boeser-wolf.schule.de/journaux/18/documents/Florian.pdf