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Bewegungsspuren mit dem gebauten Zeichenkreisel
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Farbige Kreisspuren mit dem gebauten Malgerät/Dreul
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Übertragen der Bewegungsspuren mittels Projektion auf die Wand
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Malen der skizzierten Formen
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Malen der skizzierten Formen mit geschnittenen Schablonen
Bewegung macht mehr Spaß als keine Bewegung
Schule:
Blumen-Grundschule
Andreasstraße 50
10243 Berlin
030 3198702911

www.blumen-grundschule.de

Grundschule / Offener Ganztag

 
Kooperationspartner:
Blumen-Grundschule, Karin Laurenz

Julia Ziegler, Künstlerin und Kunstvermittlerin
www.julia-ziegler.net

Christian Bilger, Künstler
www.christian-bilger.de

 
Beteiligte Schüler:
260
Am Projekt beteiligt waren alle Schüler der Klassen 1-6 der zweizügigen Blumen-Grundschule in Berlin/Friedrichshain.
Einem Workshop zum Thema Bewegung mit der Klasse 4a im Frühjahr folgte im Herbst ein Projekt für die ganze Schule:
Zwei Projekttage zum Thema Bewegung/Zeichenkreisel fanden für alle Schüler der Schule statt.
Die darauf aufbauende Wandgestaltung wurde dann mit den Schülern der Klassen 5 und 6 verwirklicht.
 
Beteiligte Lehrkräfte:
11 Klassenlehrer, einige Fachlehrer,
 
Stundenvolumen:
Workshop Bewegung mit Klasse 4a: 5 Std/Woche von Mai bis Juni 2009, ca. 40 Stunden

Kreiselbau/Dreulbau als Projekttage zum Thema Bewegung für alle Altersstufen: 3 Wochen, 8 - 14.00 Uhr, ca. 90 Stunden
Einer zweistündigen Einführung folgte zeitnah der Projekttag. Inhalte und Abstraktionsgrad wurden dem Alter der Kinder angeglichen.

Wandgestaltung mit den Klassen 5a, 5b und 6:
insgesamt 2 Wochen, tägl. von 8 - 14.00, ca. 60 Stunden.
Die Schüler arbeiteten in Gruppen von je acht Kindern:
- 2 Stunden Vorarbeiten (Schablonenbau, Entwürfe, Dias machen...)im Kunstraum.
- Ein Abendtermin für die Vorzeichnung an der Wand mithilfe von Projektion.
- 4 Stunden Malerei direkt auf die Wand.

Abschluss/Einweihung: 2 Stunden

Zeitvolumen insgesamt: Mai - Oktober 2009, ca 187 Stunden

 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Bewegung macht mehr Spaß als keine Bewegung
Workshop, Projekttage und Wandgestaltung zum Thema Bewegung

Teil 1
Workshop mit Klasse 4a
Idee des Projektes ist es, mit den Kindern das Thema Bewegung umfassend unter die Lupe zu nehmen:
naturwissenschaftlich, künstlerisch, philosophisch, aktiv.
Die Frage, warum und wie etwas funktioniert und wie man etwas bewegen kann, wird theoretisch und praktisch erkundet.

Zu Beginn werden anhand von mechanischem Spielzeug verschiedene Bewegungsmuster vorgeführt.
Dabei gehen wir von den einfachen zu den komplizierteren Vorgängen.
Wir befragen das jeweilige Bewegungsthema nach Erscheinungsbild, Muster, Vorkommen in Kunst und Alltag...
Begriffe wie: Energie, Kraft, Bewegung, Antrieb oder Ursache und Wirkung werden verwendet und erklärt, gezeigt und erfahren, ebenso Hebel, Schwerkraft und Fliehkraft, labil und stabil...

Als anregende Beispiele dienen Künstler wie Alexander Calder – Zirkus und Mobile, Jean Tinguley mit seinen großen rumpelnden Maschinen, die Kettenreaktionen von Fischli / Weiss oder Roman Signers verspielte poetische Versuche mit Alltagsgegenständen.
Diese Beispiele lernen die Kinder in Form von Film und Foto kennen.

Vor allem wird selbst gebaut.
Wir verwenden: Holz, Pappe, Korken,Gummiband, Gipsscheiben, Kugeln, Stäbe... und viel Farbe...und machen daraus : Zeichenkreisel, Maldreul, Propellermobil, Wippen, Katapulte und Seiltänzer.
Funktionalität und Gestaltung - beidem wollen die Schüler gerecht werden.

Jedes Kind bekommt ein Heft. Gemeinsam führen wir eine Art Tagebuch. Wir widmen diesem Heft immer wieder etwas Zeit: um dem Tag einen passenden Namen zu geben, Vorgänge zu reflektieren, Erfindungen aufmalen und zur Ruhe zu kommen. Ein Bild – eine Skizze – ein Wort- wird gefunden und notiert, ein Foto, eine Materialprobe wird eingeklebt, und so wird jedes Thema bildhaft festgehalten. Das Heft können sie hinterher vorlesen, es ist chronologisch und logisch aufgebaut. Ein Erinnerungsbuch, Kunstbuch, Album...
Zum Abschluss bauen wir mit den Schülern eine Ausstellung auf. Hier werden an einem „Tag der offenen Tür“ die Ergebnisse den anderen Schülern, Lehrern und Eltern erklärt und vorgeführt.

Die Beschäftigung mit dem Thema Bewegung schärft die Wahrnehmungsfähigkeit für dieses allgegenwärtige Thema und führt auch im Alltag zu neuen Entdeckungen und erhöhter Aufmerksamkeit.

Teil 2
Wir führen mit sämtlichen anderen Klassen der Blumengrundschule Projekttage durch. Sie ähneln dem Bewegungsworkshop, nur sind sie kürzer.
Auch hier visualisieren wir das Thema bei der Einführung durch mechanisches Spielzeug und einen Film von Alexander Calder.
Im Focus steht diesmal die Kreisbewegung. Mit „Zeichenkreisel“ und „Maldreul“ bauen wir zwei einfache Werkzeuge, mit denen die Kinder begeistert jede Menge Bewegungsspuren zu Papier bringen, die später als Vorlage zur Wandgestaltung dienen.
Ein Höhepunkt ist die Malaktion: mit großen Tütenkleidern vor Spritzern geschützt, tunken die Kinder am Dreul befestigte Pinsel in flüssige Farbe und setzen schwungvolle, aber exakte Kreise auf große Papierbögen.
Anfangs zaghaft, werden sie bald experimentierfreudig, malen neben- und übereinander, mischen und überlagern die Farben und Formen, so dass prächtige Bilder entstehen.

Teil 3
Die Gestaltung einer 24 m langen Betonwand im Schulhof mit Bewegungsspuren. Die Schüler der Klassen 5a, 5b und 6a bemalen die Wand unter Einbeziehung der Ergebnisse der vorangegangenen Kurse.
Zu Beginn thematisieren wir den Ort/ öffentlicher und privater Raum/ wo und wie ist er gestaltet/ wo gibt es "Bilder" im Straßenraum und warum/ was sind Graffiti (von denen die Mauern in der Umgebung der Schule völlig bedeckt sind/ was machen wir auf dem Schulhof.
Was ist das für eine Wand/ Funktion/ Material/Format.
Die Schüler lernen verschiedene Techniken des Vergrößerns kennen. Sie errechnen einige Proportionen, experimentieren mit Lichtprojektoren und Größen, stellen Diapositive und große Schablonen aus Pappe her. Dafür schneiden sie mit dem Tapetenmesser komplizierte Formen aus der Pappe, imprägnieren sie, verlieren schonmal die Geduld und halten dann doch meist durch.
Das Malen direkt auf der Wand finden alle spannend. Die senkrechte Fläche erfordert Selbstkontrolle, wenn sie "Tropfnasen" vermeidem wollen.
Sie gehen den Weg vom ersten Entwurf bis zur fertigen Wand und kooperieren, indem sie in Gruppen arbeiten oder ihre Arbeit dem Gesamtbild einfügen.
Vorstellungskraft, handwerkliches Geschick, Ausdauer und Teamgeist sind gefragt. Das fertige Wandbild ist ein Gemeinschaftswerk der ganzen Schülerschaft.

Besonderheit: die Verbindung von Bildender Kunst und technischen Vorgängen
Ergebnis: Ein Wandbild, in dem sich alle Schüler wiederfinden können, das dem Hof etwas Verspieltes verleiht, aber auch das logische Denken und die Abstraktionsfähigkeit anspricht.

 
Projektauslöser/Idee:
Bewegung ist etwas Faszinierendes, das alle Lebewesen zum Hinschauen "bewegt" und gleichzeitig im Schulalltag meist zu kurz kommt.
Die Verknüpfung von künstlerischer Freiheit und analytischer Abstraktion, von Regelbruch und Regelverstehen (physikalische Gesetze) schien uns ein spannendes Thema für Kinder, die die Trennung zwischen Wissenschaft und Kunst in ihrem Denken (noch?) nicht brauchen. Spielen und Arbeiten liegen hier eng beieinander, sind nicht zu trennen.
Damit ein Propellerauto oder ein Kreisel funktioniert, muss man gewisse Regeln befolgen. Im Tagebuch/ auf Bildern kann frei, auch gegen die Gesetze der Schwerkraft, erfunden werden, und Farbe und Form haben ebenfalls ganz andere Eigenschaften.

Christian Bilger stellt als Künstler kinetische Objekte her. Julia Ziegler hat sich durch Kurse an Schulen und eigene Kinder neben ihrer künstlerischen Arbeit mit Kunstvermittlung und Pädagogik befasst.
In gemeinsamen Gespächen entwickelten wir die Idee für den Workshop.
Die Idee für die Erweiterung für die ganze Schule und das Wandbild entstand durch die Anfrage der Schulleiterin Frau Laurenz, die unsere Arbeit schätzte, ob wir eine Idee für die graue Wand im Schulhof hätten.

 
Projektentwicklung:
Das Projekt gewann durch unsere kontinuierlichen Gespräche und eigene Experimente im Atelier (dort entwickelten wir die meisten Bewegungsobjekte) eine konkrete Gestalt, wurde - als fertiger Entwurf - beantragt und genehmigt und dann mit geringen Abweichungen durchgeführt.
 
Besonderheiten:
Wir starten mit der Vorführung von mechanischem Spielzeug und gehen dabei von der einfachen zur komplexen Bewegung. Die Kinder lernen weniger von uns, als dass sie sich ihr eigenes Wissen bewußt machen. Das Nachdenken darüber, warum und wie Bewegung stattfindet, bringt ihr eigenes Denken auf Trab und ihr Wissen ans Licht.
Bei den handwerklichen Prozessen treffen wir auf sehr unterschiedliche Kompetenzen. Die einen müssen den Knoten noch lernen, die anderen die Geduld...am Ende ist das Produkt jedoch durch und durch selbst erstellt und verstanden, zudem künstlerisch gestaltet und so zum Eigenen gemacht.

Technik und Kunst - meist als Gegensätze gehandhabt - werden hier gemeinsam behandelt.

Die Wand, die von den Großen für die ganze Schule bemalt wurde, ist ebenso ein Werk der Kleineren. Sie erkennen ihre Spuren wieder, wissen, welchen Weg der Kreisel getanzt ist, um einen Spiralwurm über eine Ebene zu ziehen und finden sich so in der Wand wieder. Die ganze Schule war beteiligt.

 
Probleme und Lösungen:
Die Bewegungskurse verliefen harmonisch und lebendig in den Klassen 1 - 4, die Schüler mochten das Thema und beteiligten sich gerne. Keine Probleme.
Die älteren Kinder waren schwerer zu gewinnen, zumindest in der großen Gruppe einer Klasse störten einige sehr, indem sie laut ihren Unmut und ihr Desinteresse für den Babykram bekundeten. Aus Versehen fanden sie manchmal dann zwischendrin doch etwas gut, aber das ging schnell vorbei.

Um mehr Ruhe zu haben und besser handwerklich helfen zu können, änderten wir unseren Plan für die Wandgestaltung und arbeiteten immer nur mit 8 Schülern statt mit der ganzen Klasse.
Das war die richtige Lösung. Im nun engeren Kontakt entstanden plötzlich entspannte Gespräche, konnten Fragen in Ruhe besprochen werden und die Schreihälse wurden tätig, umgänglich und freundlich.
Für die Arbeit mit einem Tapetenmesser gab es Vorraussetzungen, die alle gern erfüllen wollten.
Sie waren stolz auf ihre Ergebnisse und hatten Freude am langsam entstehenden großen Bild.

Ein zweites Problem war das regnerische und kalte Wetter.
Wir mussten die frisch bemalte Wand und uns selbst mit Planen vor der Nässe schützen und froren zeitweise doch. Vor allem einige Kinder kamen, obwohl die Eltern durch einen Brief in Kenntnis gesetzt waren, in fadenscheinigen Jäckchen. Mit Föhn und Leihjacken trotzten wir dem Wetter.
Die Atmosphäre wurde durch die Planen nicht schlechter, wir standen "gemeinsam unter einem Dach."

 
Anekdotisches:
Es gab verschiedene lustige Wortwechsel, die deutlich machten, dass das Projekt etwas "bewegt".

Ein amüsanter Moment war bei den Jüngeren jedesmal die Suche nach einem Wort für das, was einen Gegenstand in Bewegung bringt.
"Schubs", "Stoß", "Schwung", "Sog", "Ziehen", "Hau", "Puste" wurden gefunden auf der Suche nach dem Wort "Kraft".
"Erdsaugkraft" und "Fliegschwung" waren sinngemäß schon den ganz Kleinen "ein Begriff".
An diesem fröhlichen Ratespiel im Angesicht von wackelndem Spielzeug haben sich immer alle Kinder engagiert beteiligt.
Der Aufforderung, am nächsten Tag ein eigenes bewegliches Spielzeug mitzubringen, folgte ein Ertsklässler, indem er mit einem Atlas ankam: "Ich habe die Erde mitgebracht, sie bewegt sich auch, nur leider konnte ich sie nicht in meiner Tasche herbringen."

An der Wandmalerei hätten sich gerne auch jüngere Kinder beteiligt. In der Hofpause kamen sie zum Zuschauen und unterhielten sich.
"Das da hat bestimmt genau mein Kreisel gemalt."- "und sowas hat meiner immer in Rot gemacht." - "Wenn das ein echter Kreisel gemacht hätte, müsste der ja so groß sein wir ein Karussell."

Schön und stimmungsvoll war ein Projektionsabend, an dem es noch nicht so kalt war. Die vier Lichtflächen auf der Wand bildeten eine Art Bühne, die die Kinder magisch anzog. Sie stellten sich in die Lichtkegel und spielten mit ihren Schatten. Sie wollten fotografiert werden mit schwarzen Schnörkeln im Gesicht. (Überhaupt wollten sie gerne viel fotografiert erden.) Sie blieben lange da, auch wenn sie ihre Arbeit beendet hatten. Zum Plaudern.