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Wäscheleinen im Eingangsbereich der Schule
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Beim Performance-Workshop
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'Herbstmaschine'
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temporär umgestaltete Telefonzelle
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Beim Performance-Workshop
There's a place for me
Schule:
Helene-Lange-Gymnasium
Bogenstraße 32
20144 Hamburg
Tel: 040-4289810
Fax: 040- 42898110

Gymnasium / Offener Ganztag
 
Kooperationspartner:
Performancekunst
Katharina Oberlik
Hamburg
 
Beteiligte Schüler:
77
Die Kurse Kunst, Bandworkshop, Darstellendes Spiel/Tanz und Kreatives Schreiben der Jahrgangstufe 9 und 10
(Schreibwerkstatt auch ab Stufe 6)
 
Beteiligte Lehrkräfte:
Fünf Lehrkräfte mit den Fächern: Darstellendes Spiel/TanzBandworkshopKunstKreatives Schreiben
 
Stundenvolumen:
Regelmäßig findet seit August 2008 jede Woche in jedem Kurs eine Doppelstunde mit den Schülern für das Projekt statt. Diese Doppelstunde ist in den Unterricht integriert. Die Leiter des Projekts treffen sich gesondert circa alle 4-6 Wochen für 2 Stunden um die Inhalte, die Koordination und das gemeinsame Vorgehen zu besprechen und sich auszutauschen. Ab März gibt es dann drei Workshop-Blöcke bzw. Projekttage,in denen die Schüler alle gemeinsam in der großen Gruppe an den einzelnen Settings und Performances arbeiten.
Die begleitende Künstlerin Katharina Oberlik hat sowohl verschiedene der doppelstündigen Sitzungen begleitet und geleitet, als auch einen Gesamtworkshop für alle Schüler gemeinsam als Einführung in die Performance-Künste gegeben.
Sie begleitet die Projekttage und coacht die vier leitenden Lehrer während des Prozesses.
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
"Ich fahre in die Schule und denke an 'Zuhause', kaum bin ich 'Zuhause' denke ich an die Schule...."


'there's a place for me'

ist ein interdisziplinäres Performance-Projekt, in dem alle Schüler der Kurse Kunst, Bandworkshop, Darstellendes Spiel und Kreatives Schreiben in verschiedenen Kleingruppen auf eine gemeinsame Aufführung hin arbeiten. Der Thema der Aufführung 'There's a place for me' ist inspiriert vom site-specific theatre und spielt mit der Kluft zwischen den Orten 'Schule' und 'Zuhause', indem das 'Zuhause' mit den Mitteln der Kunst in die Schule geholt wird: Verschiedene Räumlichkeiten der Schule werden zu Aufführungsorten, an denen die Schüler in selbstentwickelten Performances und Installationen eine Form von 'Zuhause' kreieren.
Diese Performances, wurden von den Schülern in Kleingruppen in den einzelnen Kursen entwickelt. Zu Beginn des Projektes wurden alle Schüler mit den anderen beteiligten künstlerischen Genres bekannt gemacht. Dann wurden die Schüler in den Kleingruppen aufgefordert, sich von Schülern aus den anderen Disziplinen künstlerische Unterstützung zu holen, was auch rege genutzt wurde. Durch diese Verschränkung der Kunstformen miteinander konnten die Grenzen des eigenen (durch den Kurs gewählten) Genres erweitert werden und die jugendlichen Künstler wurden zu interdisziplinärem Arbeiten ermuntert. Musiker arbeiten jetzt mit bildenden Künstlern, Schauspieler werden zu Performern, die Schreibgruppe entwirft Texte für die Band, so arbeiten die verschiedenen Kleingruppen einander zu. Als Ziel entsteht eine Aufführung in Form eines geführten Parcours duch die Schule, in dem das Grundthema Zuhause - auf verschiedene Arten und Weisen künstlerisch gezeigt wird: In der Turnhalle entsteht das Enviromment eines Wohnzimmers mit einer Fernseh-Familie, die selbstgespielte Seifenopern schaut. Im Flur entsteht ein Reisebus mit Videoeinspielungen von fremden Orten. In der Schul-Aula wächst ein Bettenlager, wo Alpträume spielen, eine Pyjama-Party, eine Kissenschlacht. Die Schul-Toiletten werden zum privaten Badezimmer, zum Jugendzimmer und zum sakralen Raum umgestaltet. In einem anderen Flur gibt es ein Labyrinth der Identität, in dem sich der Zuschauer auf die Suche nach sich selber begeben kann. Immer wieder tauchen Musiker der mobilen Band auf,die Variationen des Songs 'Somewhere' (There's a place for us) spielen. Wo hört die Schule auf und fängt zuhause an ? Wir versuchen in dieser Performance die Grenzen zu verwischen!


 
Projektauslöser/Idee:
Ausschlaggebend für diese Kooperation mit einer professionellen Performancekünstlerin war der Wunsch, die Erfahrungen aus den vorangegangenen Theaterprojekten('Alice' und 'in and out'), die ebenfalls fächerzusammenführend angelegt und durchgeführt wurden, zu bündeln und in einer zeitgenössischen -für Schüler eher fremden - Kunstform zu präsentieren.
Die Idee entstand im gemeinsamen Gespräch zwischen der Künstlerin und den leitenden Lehrern nach einem Einführungsworkshop in die Performance-Kunst und nach einem ersten Austausch mit den Schülern in dieser Kunstform.
Insbesondere gab es den Wunsch, die Kunstform 'Performance' praktisch und interdisziplinär zu erkunden und anzuwenden.
 
Projektentwicklung:
Phase eins: Input und Austausch im Leitungsteam.

Katharina Oberlik hat für das Leitungsteam (und einige interessierte andere Lehrer) einen praktischen und theoretischen Einführungsworkshop in Performancekunst und ortsspezifisches Arbeiten gegeben. Die Möglichkeiten diese Arbeit in der großen Gruppen durchzuführen wurden gemeinsam diskutiert und eine erste Idee - mit dem Schwerpunkt Schule als Ort - entwickelt.

Phase zwei: Performative Ansätze in den einzelnen Schülerkursen.

Jeder Kurs beschäftigt sich mit performativen Ansätzen in Bezug auf den Ort Schule: Die Musiker machen Aufnahmen der Geräusche auf dem Pausenhof, und erkunden die Klangqualitäten der einzelnen Räume der Schule.
Der Kunstkurs macht Exkursionen in den öffentlichen Raum rundherum, schmückt die naheliegende Telefonzelle, hängt Wäsche vor der Schule auf.
Die Schüler werden für die vielfältigen Möglichkeiten der Performance-Kunst sensibilisiert. Grundlagen werden geschaffen. Es gibt erste Präsentationen und Feedback.

Phase drei: Mischung der Kurse
3. Die Lehrkräfte wechseln durch die Kurse und machen Angebote aus "ihrem" Fach (der Kunstkurs macht "Musik", die Musiker spielen Theater, die Theater-Schüler praktizieren Bildene Kunst.) Die Schüler erproben sich in anderen Genres und lernen deren Möglichkeiten besser kennen.


Phase vier: Die Schüler bilden eigene Arbeitsgruppen und bitten einander um kreative Unterstützung.

Die 'Fremdkunst-Erfahrungen' werden in den einzelnen Kursen ausgewertet und neue - jetzt projektspezifische Ideen - entwickelt. Diese Ideen werden in den Kursen von den Schülern selbst entwickelt, geprobt und erarbeitet. Dann erbitten die einzelnen Gruppen untereinander um Unterstützung (der Kunstkurs baut Requisiten für die Gruppe Darstellendes Spiel, die Musiker komponieren Musik für die Kissenschlacht und die Pyjama-Party, etc.)
Folgende Performative Räume werden entwickelt:
Warm-Kalt-Raum,Reisebus,Bettenlager,Chilla-straße
Family Brown Träume: freddy krüger, wizzard of oz, die lolliclowns,Textraum, Toiletteninstallationen,und Orte draußen vor der Schule und um die Schule herum.


Phase fünf: Präsentationen, Feedback und Ablaufproben

Die Schüler zeigen ihre Arbeitsergebnisse in der Aula. Alle sehen zum ersten Mal alles. Feedback der Künstlerin, der Lehrer und SchülerInnen. Dann gibt es im April einen technischen Projekttag, an dem die Projekte an den dafür vorgesehenen Orten (Aula, Turnhalle, Klassenzimmer, Toiletten, zwei Durchgangsflure, Pausenhof und Eingangstor) geprobt und der Parcours, den das Publikum durchläuft, geplant wird. Die Route und die sich daraus ergebenden Abläufe werden festgelegt.
Im Mai gibt dann die Generalprobe und am 6. und 7. Mai zwei Aufführungen des Projektes.

"Ins Bett gehen! Klavier spielen! Sich wohl fühlen

Zuhause ist der Ort, an dem ich ich selbst sein kann, einfach so, wie ich bin."

 
Besonderheiten:
1. Jahrgangsübergreifendes Arbeiten.
2. Fächerübergreifendes Arbeiten.
3. Teamarbeit von fünf Lehrkräften an einer Schule (Kunst, Musik, Theater, Tanz, Kreatives Schreiben).
4. Arbeiten mit einer großen Schülergruppe (über 70 Teilnehmende).
5. Zusammenarbeit mit einer externen Künstlerin.
6. Ausrichtung an Orten und Räumen innerhalb und außerhalb der Schule.

"zuhause:Das Piepen meines Meerschweinchens und das Singen meiner Vögel. "

 
Probleme und Lösungen:
„Zuhause“ ist nicht in der Schule."

Problem Zeit
Lösung: Die Schulleitung stellt Stunden für die Teamsitzungen zur Verfügung.Die Teamsitzungen werden als schulinterne Fortbildungen anerkannt.
Projekttage werden für die Endproben bereitgestellt.

Problem Räume
Ein großes Hindernis ist der Mangel an geeigneten Probenräumen in der Schule (Unterrichtsstunden dürfen nicht gestört werden).
Lösung: Wir versuchen in anderen Räumen zu proben und die Situationen dann zu übertragen.

 
Anekdotisches:
Da dieses Projekt sehr vielschichtig ist, möchten wir verschiedene Schülerstimmen zu Wort kommen lassen, um ihm gerecht zu werden.

Zwei Texte der „Flinken Federn“ AG für kreatives Schreiben zum Themenkomplex „Raum“ und zwei kleinen Erlebnisberichten aus anderen Kleingruppen.

Laura Geray (Kl. 6c)

Mein Raum

Um meinen Raum
ist ein Zaun.
Dort sind Blumen, Pflanzen, Bäume,
auch verschiedene Räume.
Bücher stapeln sich an der Wand,
zwar nicht sehr elegant,
doch hoch bis zur Decke,
in jeder letzten Ecke.
In die Regale verbannt,
ohne dass je eins verschwand.
Dort drüben,
da,
sind Tiere!
Von der Schnecke in der Hecke
bis zum Seelefant, und doch keins krank.
Das Pferd galoppiert über die Wiese,
und dort stehe ein Riese.
Da ist das Phantasiegebäude!
Die Vögel, was für ein Ohrenschmaus,
hier möchte keiner wieder raus!
Hier nimmt die Natur ihren Lauf,
mit Wissen aus den Büchern
und bemalten Tüchern!
Jetzt schlägt die Türe zu,
hörst du noch das leise „Muh“?

Leandro,
darstellendes Spiel:

"Als wir im laufe des dsp unterrichts die aufgabe bekamen einen beliebigen ort in der nähe zu beobachten, entschied ich mich dazu einer gruppe aus dem kunstkurs von frau strahlendorf bei einer "telefonzellenverschönerung" zu zugucken.
die gruppe hatte mit hilfe von mikadostäbchen, die sie an der telefonzelle befestigt haben die telefonzelle unbenutzbar gemacht.viele leute die an der telefonzelle vorbei kamen blieben kurz stehen und sahen das projekt ungläubig an oder warfen im vorüber gehen nur einen kurzen blick auf die "telefonzellenverschönerung".
etwas später kam allerdings ein älterer herr vorbei und fing an uns schüler anzubrüllen und zu fordern, dass wir die stäbe sofort von der telefonzelle entfernen sollten.
als wir ihm erklärten, dass dies alles nur ein schulprojekt sei, drohte er die polizei zu rufen und wollte nicht das wir sein "öffentliches eigentum" beschmutzen...
wie per zufall fuhr in diesem moment ein polizeiwagen vorbei und der herr sagte nur:"seht ihr, da sind sie schon" und zeigte auf das polizeiauto
letztendlich fuhr das polizeiauto nur an uns vorbei und der mann machte sich wenig später auch auf den weg, allerdings immernoch vor sich hin schimpfend.


Minou T. (Kl. 6c)

Mein Raum

„Was ich wohl wäre, wenn ich ein Raum bin?“, diese Frage stellt sich jemand bestimmt nur einmal im Leben, trotzdem ist sie sehr interessant. Vielleicht aber ist sie das auch nur deswegen. Auch egal...... hm....., was ICH bloß für ein Raum wäre? Bestimmt wäre in mir keine Uhr, denn ich bin sehr vergesslich, was die Zeit betrifft. Oh, ich glaub, ich wär ein endlos hoher Turm, der sich in seinen Abzweigungen völlig verliert. In mir wären viele Bilder, sehr viele, ganz bestimmt Bilder der Vergangenheit und die, die mir im Schlaf durch den Kopf gehen. Eine unglaubliche lange Kette, dargestellt als Treppe, schlängelt sich durch den ganzen Raum von unten nach oben und von oben nach unten. Ein riesiger Schrank umschlingt die ganze große Wand, die mein Zimmer umgibt. Dieser Schrank ist vollgestopft mit Sachen von A-G, von G-Z. Ein einziges Bett, rund wie der Turm, ganz, ganz weit oben im letzten Stockwerk, und in ihm schlafe ich.


Ekaterina aus der 9c
Musik:

"Vorher wusste ich überhaupt nicht, was eine Performance ist. Einmal mussten wir eine kleine Performance machen, da hab ich mit großen Kopfhörern so getan, als würde ich ganz laut Musik hören und habe mich dabei ganz verlangsamt bewegt.Eigentlich hat mir das nicht so gefallen. aber wir arbeiten jetzt an einer großen Performance und alle sind so beschäftigt, meine Freunde haben so tolle Ideen und es ist eine wunderschöne, kreative Athmosphäre. Ich stelle mir schon so langsam vor, was für ein tolles, fantastisches Projekt es wird. Also ich bin mir noch nicht sicher, aber ich glaube, die Performance wird etwas tolles."

Dieses Zitat birgt eine Frage, auf die wir in der Arbeit immer wieder gestoßen sind: Was ist eigentlich eine Performance. Worin unterscheidet sich die Performance vom klassischen Theater - oder von der bildenden Kunst. Wir sind am Ende auf folgende Lösung gekommen: Du darfst eigentlich alles machen und auf alle Kunstformen zugreifen: solange du weißt was du tust, und welche Mittel du warum einsetzt. Hauptsache: Du genießt deine eigenen Ideen!