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Jan Nahues "Die wackelnde Statue im Wind", Zeichnung: Kohle auf Papier
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Jan Nahues "Ich schaukele", Zeichnung: Kohle auf Papier
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Frederik Baune "Lilis Tanz". Zeichnung:Graphit auf Papier.
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Tanzspuren nach A. Vivaldis "Frühling"
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Schatten von Spielbewegungen mit Schattentheater herstellen
Bewegung darstellen geht nicht?! Grundschüler und Studenten der Kunstakademie forschen zu dem Problem
Schule:
kath. Laurentius Grundschule Warendorf
Dr. Leve Str. 9 (Schulstandort: Klosterstr. 11)
48231 Warendorf
Tel: 02581 - 2287
Fax: 02581 - 634490
www.laurentiusschule-warendorf.de


Grundschule / Offener Ganztag
 
Kooperationspartner:
Kunstakademie Münster
Prof. Dr. Lili Fischer
Leonardo-Campus 2
48149 Münster
0251-8361133
www.lili-fischer.de
 
Beteiligte Schüler:
22
Klasse 3c der kath. Laurentius Grundschule Warendorf
 
Beteiligte Lehrkräfte:
Prof. Dr. Lili Fischer (Kunst an der Kunstakademie Münster)Frau Thomas (Kunst, Mathe)2 Kunststudentinnen (Fr. Vorderwülbecke, Fr. Körner)Frau Pannhorst (Klassenlehrerin)
 
Stundenvolumen:
über 3 Monate 4 Termine mit je 2 Schulstunden (ges. 8 Schulstunden)
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Das Kooperationsprojekt zwischen der Klasse 3c der Laurentius – Grundschule Warendorf und der Klasse Fischer an der Kunstakademie Münster ist in zwei Teile gegliedert:
1: Zeichenstunde bei der Künstlerin Lili Fischer in der Kunstakademie Münster zusammen mit Kunststudentinnen aus der Klasse Fischer.
Die Klasse 3c konnte im Dezember 2008 eine ganz besondere Kunststunde genießen.
Ausgestattet mit Klemmbrett, viel Zeichenpapier, Bleistift und Anspitzer konnten die Schüler mit den Kunststudenten der Klasse Fischer in der Kunstakademie Münster an einem Zeichenkolloquium (Zeichenstunde) zum Thema Bewegung teilnehmen.
Die Hamburger Künstlerin und Professorin der Kunstakademie Münster
Lili Fischer erklärte sich bereit, für den Wettbewerb der Kulturstiftung der Länder „Kinder zum Olymp“ ein ganz besonderes Zeichenkolloquium zu halten.
Sie hat kurzerhand ihre wöchentliche Zeichenstunde mit Studenten zu einer Kinder- und Studenten – Zeichenstunde umgewandelt. Dabei stand wie immer eine freie und forschende Herangehensweise, wie sie in der von Lili Fischer geprägten "künstlerischen Feldforschung" gefordert wird, im Mittelpunkt.
Als demolierte Statue, die langsam wieder aufgerichtet wird, dabei aber leider wackelt und hin- und her- schwingt, gab sie allen Zeichnenden einen Anlass, sie möglichst schnell (skizzenhaft) und vor allem in Bewegung abzuzeichnen.
Nachdem die verschiedenen Möglichkeiten der Darstellung von etwas Bewegtem verglichen waren, konnten alle Kinder zeichnerisch eine eigene Schaukel entwerfen, auf der sie in der Zeichnung selbst schaukeln.
Wie kreativ und motiviert die Kinder in dieser außergewöhnlichen Zeichenstunde gearbeitet haben, können Sie an den Fotos sowie an einigen eingescannten Zeichnungen auf der Homepage der Laurentiusschule http://www.laurentiusschule-warendorf.de/KinderZumOlymp/index.htm und http://www.laurentiusschule-warendorf.de/KunsthochschuleMS/ sicherlich gut erkennen.
2: Gruppenarbeit unter Leitung der Kunststudentinnen und der Kunstreferendarin in Anlehnung an die „künstlerische Feldforschung“ von Lili Fischer zum Thema „Bewegung darstellen“.
Die Klasse wurde zu diesem Zweck in 3 ca. gleichgroße Gruppen (7-8 Kinder je Gruppe) eingeteilt, die mit je einer Leitung zum Thema „Bewegung darstellen“ gearbeitet haben.
Gruppe 1: Da Bewegung der Kinder häufig im Spiel zum Ausdruck kommt, hat diese Gruppe zuerst im szenischen Spiel „eingefrorene Spielsituationen“ entwickelt und dargestellt.
Nachdem sich die Kinder auf eine Spielsituation geeinigt hatten, übte jeder seine eigene Position dieser Szene hinter einer hinterleuchteten Papierbahn aus, die übrigen Schüler übertrugen die Schattenumrisse mit Kohle darauf. Nachdem der Schatten jedes Kindes auf Papier übertragen war, wurden die körpergroßen Umrisse der Spielpositionen ausgerissen und mit Kohlestaub zu Schatten dieser Position umgewandelt.
Diese einzelnen Schatten der Spielsituation mussten wieder zur Spielsituation zusammengesetzt werden und werden nun an einer Wand im Keller des Schulgebäudes ein stiller Schatten des dort einst gespielten Spiels sein.
Gruppe 2: Die Schüler dieser Gruppe haben sich insofern mit ihrem Körper und dessen Beweglichkeit auseinander gesetzt, indem sie zuerst am eigenen Körper die Stellen (Gelenke) ausfindig gemacht haben, an denen Bewegungen stattfinden. Die feststehenden Körperteile (z.B. Unterarm, Oberschenkel, Schienbein etc.) wurden daraufhin mit weißen Klebestreifen auf dunkler Kleidung beklebt. Die Gelenke wurden durch Klebekreuze markiert.
Unter Schwarzlicht durfte sich dann jedes Kind vor dem Publikum der restlichen Gruppe frei bewegen und danach kurz (1 Minute) für die übrigen Kinder (die im Halbkreis mit Klemmbrett, Papier und Stift darum herum saßen) Modell stehen. Alle anderen versuchten skizzenhaft, die leuchtenden Streifen als „Strichmännchen“ auf ihr Blatt zu übertragen.
Somit konnten Strichmännchen gezeichnet werden, deren Bewegung sehr realistisch dargestellt werden konnte.
Diese gewonnene Einsicht wurde auf große Papierbahnen in Menschengröße übertragen. Um die Körperlichkeit des Menschen zu beachten, wurde dieser Arbeitsschritt mit flach liegenden Graphitblöcken durchgeführt. Durch kreisende Bewegungen beim Zeichnen der einzelnen Glieder entstanden schattenhafte Umrisse bewegter Menschen. Als Zeichen dafür, dass so jede Bewegung dargestellt werden könne, zeichneten die Schülerinnen und Schüler daraufhin ohne Modell verschiedene „Menschenschatten in Bewegung“.
Gruppe 3: In dieser Gruppe wurde Bewegung zur Musik thematisiert. Dazu entwickelten die Kinder zu einem vorgegebenen Musikstück (Vivaldis „Frühling“) einen Tanz mit bestimmter Schrittfolge für jedes Kind der Gruppe. Diese Schrittfolge wurde nun von jedem einzelnen Kind in einer Art „Partitur“ dargestellt. Nachdem alle Schülerinnen und Schüler ihre Schritte eingeübt hatten, wurden die Fußsohlen der einzelnen Kinder in unterschiedlichen Farben mit Fingerfarben gefärbt. Indem sie ihren Tanz nun einzeln auf einer großen Papierunterlage tanzten, wurden die Spuren des Tanzes und somit der Musik auf Papier gebracht. Zum Schluss entstand dadurch ein Bild, auf dem die Spuren des Tanzes sichtbar gemacht wurden. Da jedes Kind eine eigene Farbe benutzte, kann der Tanz sogar vom Betrachter nachvollzogen werden.
Die Ergebnisse der Gruppen wurden im Anschluss vorgeführt bzw. in der Schule ausgestellt.
 
Projektauslöser/Idee:
Bei einer vorigen Kunstaufgabe kam das Problem auf, dass es sehr schwierig ist, Blätter im starken Wind genau betrachten und darstellen zu können. "Das geht nicht zu malen, das bewegt sich zu viel."
Dadurch kam uns die Idee, dass man einmal erkunden könnte, wie man Bewegung bzw. Bewegtes adäquat darstellen könne.
Die Kunstprofessorin und Hamburger Künstlerin Prof. Dr. Lili Fischer hat sich mit diesem Phänomen vertieft beschäftigt und mit ihren Kunststudenten in Zeichenkolloquien bearbeitet. Dabei wird immer wieder auf die von Lili Fischer stark geprägte künstlerische Feldforschung zurück gegriffen, da es keinen festen Ansatzpunkt gibt, von dem aus man Bewegung darstellen kann.
Auf Anfrage ihrer ehem. Kunststudentin und jetzigen Kunstreferendarin (Kunstlehrerin der Klasse 3c) erklärte sie sich bereit, ein solches Zeichenkolloquium zu dieser Problemstellung mit Kunststudenten und Grundschülern gemeinsam abzuhalten (natürlich methodisch auch auf die Grundschüler angepasst).
 
Projektentwicklung:
Projektentwicklung:
1: "Bewegung darstellen" Idee: Schüler sollten zu diesem Thema arbeiten und lernen, welche unterschiedlichsten Möglichkeiten es gibt, sich mit Bewegungsdarstellung auseinander zu setzen. (Oktober 2008)
2: Suche nach einer geeigneten Möglichkeit, sich ganzheitlich mit diesem Thema zu beschäftigen. Idee: künstlerische Feldforschung wie bei Lili Fischer bietet diesen ganzheitlichen Ansatz. (Oktober 2008)
3: Absprache mit der Kunstprofessorin Dr. Lili Fischer und ihren Grundschullehramtsstudentinnen (November 2008)
4: Organisation. Die Schüler sollten aus Kostengründen im Klassenverband von mehreren Eltern nach Münster gebracht und abgeholt werden.(Einverständnis der Schulleitung einholen, genügend Fahrer finden, Einverständnis aller Eltern einholen, zeitlichen Ablauf klären, Material beschaffen)
5: Den Schülern Hintergrundinformationen zur Kunstakademie und Lili Fischer vermitteln, das Problem der Darstellbarkeit von Bewegung erneut thematisieren. (Anfang Dezember 2008)
6: Akademiebesuch (vor den Weihnachtsferien)
7: Nachbesprechung und -bearbeitung des Akademiebesuches (Januar 2009)
8: Gemeinsame Entwicklung der Gruppenarbeitsstunden mit den Kunststudentinnen (Januar 2009)
9: Gruppenarbeitsstunden zu den o.g. Arbeitsthemen (Februar 2009)
 
Besonderheiten:
In der Schule ist es häufig nur schwer möglich, einen Lerninhalt ganzheitlich zu erschließen. Durch die Kooperation mit der Kunstakademie Münster kann die Herangehensweise der "künstlerischen Feldforschung", die von der dortigen Kunstprofessorin Lili Fischer stark geprägt wurde, auch den Kindern näher gebracht werden. Dieses methodische Verfahren ist nicht nur beim Thema "Bewegung darstellen" hilfreich. Dieser Ansatz ermöglicht es den Kindern, auch fächerübergreifend eine Problemlösestrategie zu entwickeln, die eigene Ideen und Gedanken unterstützt und die Kinder nicht auf vorgeschriebenen Wegen zum Ziel gehen lässt.

Von der anderen Seite betrachtet gibt diese Kooperation auch den Kunststudentinnen die Möglichkeit, ihr in der Klasse Fischer angeeignetes Wissen und die ganzheitliche Herangehensweise an Probleme mit Hilfe der künstlerischen Feldforschung Grundschulkindern weiter zu geben. Sie erhalten die Möglichkeit, weitgehend frei zu diesem sehr offenen Thema mit einer Kleingruppe von Schülern zu arbeiten.

 
Probleme und Lösungen:
Die Kinder hatten besonders damit Probleme, Körperteile in Bewegung darzustellen. Oft bogen sich die Arme oder Beine richtig durch. Um den Kindern klar zu machen, dass sich bei der Bewegung nur die Gelenke selbst bewegen, die restlichen Körperteile dadurch aber nur ihre Position ändern, reichte es nicht aus, die eigenen Bewegungen genau zu beobachten oder zu beschreiben. Den Kindern musste also möglichst prägnant vor Augen geführt werden, welche Teile des Körpers sich bei Bewegungen verändern. Dazu eignete sich die Betrachtung von Strichmännchen in Bewegung besonders, da sie die bewegten Körper auf das Wesentliche reduzieren. Allerdings sind die Strichmännchen eher comichaft als real, so dass sie von den Kindern nicht direkt in Bezug auf die Darstellung des Menschen in Bewegung übertragen werden können. Daher haben wir die Idee mit dem Schwarzlicht gehabt, durch das die realen Körper mit Hilfe von im Licht leuchtenden Streifen auf Strichmännchen reduziert werden, die dann wiederum körperhaft auf lebensgroße Papierbahnen übertragen werden konnten.
Das befürchtete Raumproblem (3 Gruppen müssen während des Schulalltages gleichzeitig so untergebracht werden, dass sie die Möglichkeit zur künstlerischen Ausdehnung haben) ergab sich zum Glück nicht, da nach einer Stundenplanänderung zum Halbjahr der Kunstunterricht der Klasse 3c nun freitags in der 5./6. Stunde liegt. Zu dieser Zeit haben viele Klassen bereits Schulschluss, so dass die Fachräume zur Verfügung stehen.
 
Anekdotisches:
Bei der Vorstellung der Spuren des Tanzes sagte ein teilnehmender Junge, der den anderen Gruppen auch den erfundenen Tanz vorführen wollte: "Das Füßeanmalen hat so gekitzelt und war kalt, aber dann [beim Tanzen , (der Verf.)] wurden sie ja schnell wieder warm. Das war toll..."

Zur Bewegung im Schwarzlicht erklärte ein Junge dem Rest der Klasse, was Schwarzlicht sei: "Wenn das Licht angeht, wird alles im Raum dunkel, nur das Wichtige leuchtet."