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Ausstellungsbesuch "Christoph Büchel" im Museum Fridericianum
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Tafelbild von Laura Götsch
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Ausschnitt der Arbeit von Katahrina Schnell: Katharike Frederina
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Blick auf unsere Ausstellung im KAZ
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Filmanalyse-Workshop mit Bettina Henzler und Stefanie Schlüter
Ränder meines Ichs - Fragen zur Identitätsbildung
Schule:
Jacob-Grimm-Schule
Wilhelmshöher Allee 35-39
34117 Kassel
Tel.: 0561 771058
Fax: 0561 771059
Internet: www.jgs-kassel.de


Gymnasium / Gebundener Halbtag
 
Kooperationspartner:
FILMREIHE:
Filmladen Kassel
Frank Thöner
Goethestr. 31
34119 Kassel
www.filmladen.de

UNTERSTÜTZUNG BEI VERSCHIEDENEN UNTERRICHTSBAUSTEINEN:
Kunsthochschule Kassel
Menzelstr. 13-15
34121 Kassel
Tel: 0561-8045366
http://www.kunsthochschule-kassel.de

Fachbereiche:

Kunstpädagogik: Gila Kolb, wissenschaftliche Assistentin
Studierende: Simone Wiegand (Ausstellungsvermittlung)
Laura Götsch (Schreiben über Kunst, ehemalige Schülerin der JGS)

Visuelle Kommunikation: Tobias Hellwig (Videobetreuung, ehemaliger Schüler der JGS), Student der Klasse Neue Medien (Prof. Joel Baumann);

AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG:
Ursula Panhans-Bühler
(Professorin der Kunstwissenschaften an der KHS Kassel)

WORKSHOPS ZU FILM:
Schulkinowochen Hessen 2009

Carsten Siehl (Medienpädagoge und Filmwissenschaftler, Frankfurt)

Bettina Henzler und Stefanie Schlüter (Filmvermittlerinnen und Autorinnen, Berlin)

PROJEKTFINANZIERUNG:

Finanzierung der Workshops durch:
Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien - LPR Hessen
Frau Sandra Bischoff
Wilhelmshöher Allee 262
34131 Kassel

Finanzierung der Filmreihe durch:
Sparda-Bank Hessen
Frau Andrea Hruby
Filiale Kassel-Stadt

AUSSTELLUNGSPARTNER:
KAZimKUBA
Kasseler Architekturzentrum im Kulturbahnhof
Frau Cornelia Issmer-Pfromm

 
Beteiligte Schüler:
20 Schülerinnen und 3 Schüler
Leistungskurs Kunst, Jahrgangsstufe 12
 
Beteiligte Lehrkräfte:
Maria João Ventura (Kunst und Darstellendes Spiel)
 
Stundenvolumen:
Dies ist ein Projekt, das das gesamte Schuljahr 2008/2009 umfasst. Das Thema zieht sich als roter Faden durch alle Phasen, die den Fragen der Identitätsbildung mit Hilfe verschiedener Medien nachgehen; Beginn: September 2008, Ende: voraussichtlich Juni 2009; Der Unterricht ist auf 3 x 2 Wochenstunden, also insgesamt 6 Wochenstunden verteilt. Hinzu kommen nicht schätzbare Überstunden. Die Gesamtzahl lässt sich nicht genau bestimmen.
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
VORÜBERLEGUNGEN UND ZIELSETZUNG

Die heutige Schülergeneration wird nicht an Filmkunst herangeführt, obwohl Kino und Fernsehen ein dominanter Bestandteil ihres kulturellen Lebens sind. Ebenso finden Filmanalyse und das Lesen und Verstehen von Filmen an Schulen in der Regel nicht statt und sind im Lehrplan nicht bindend vorgesehen. Zwar sind junge Menschen die wichtigsten Kinokonsumenten, nehmen etwa mit ihren Mobiltelefonen kleine Filmsequenzen auf und meinen von sich, eine hohe Medienkompetenz zu besitzen. Jedoch fehlen ihnen einerseits Berührungspunkte mit der Filmgeschichte – also mit prägenden Bildern unserer Kultur. Andererseits erwerben sie innerhalb der Schulzeit nicht das Vokabular, das ihnen ein vertiefendes Sprechen über Filme und einen analytischen Blick erlaubt. Dadurch erschöpfen sich die Kommentare von jungen Menschen zum frisch beendeten Kinobesuch vielfach in Floskeln wie "war cool". Filme werden eher auf ihren Unterhaltungswert als aufgrund von Qualitätsmaßstäben geprüft und beurteilt. Das ist einerseits legitim (und auch bei Erwachsenen vielfach nicht anders), besteht doch die Aufgabe von Kinofilmen auch darin, uns gut zu unterhalten. Jedoch die Fähigkeit, den Unterhaltungswert zu ergründen – also die vertiefende Einsicht darin, wie dies dem Film im Einzelnen gelungen sein mag – lehrt dem Kinogänger einen mit Urteilskraft ausgestatteten Rezipienten zu werden. Gegebenenfalls eignet er sich die filmischen Mittel an und wird selbst zum Macher von Bewegtbildern.
Aber, wenn es darum geht, filmische Mittel und Strategien zu erschließen, um selbst aktiv mit den neuen Medien zu experimentieren, so dass ein emanzipierter und autonomer Umgang in der medialen Praxis möglich wird, sind selbst Oberstufenschüler restlos überfordert. An dieser Stelle wird auch die Komplexität des Mediums Film offenkundig.

Darüber hinaus fehlt den Jugendlichen der Zugang zu besonderen Kultureinrichtungen in der eigenen Stadt und damit auch das Verständnis für die Wertschätzung der Angebote in der Kulturszene, die sie dann auch nicht zu nutzen wissen. Damit schließen sie sich selbst von kulturell wertvollen Veranstaltungen aus. Das ist besonders dann der Fall, wenn sie in kulturfernen Elternhäusern aufwachsen, die ihnen diesen Weg nicht weisen können.

Jugendliche kennen in der Regel entweder Filmreihen, die von Erwachsenen für sie entwickelt wurden oder eher welche, bei denen sie der Betrachtungsgegenstand sind. Hier geht es jedoch darum, dass sie sich ihre eigene Filmreihe für ihresgleichen zusammenstellen. Die ambitionierte Arbeit hinter den Kulissen der Kinobetreiber wie die des Filmladen Kassel stellt ein verborgenes Feld dar, das es für junge Menschen kennen zu lernen lohnt. Kann doch diese Innensicht nicht nur die Augen öffnen für die Vielschichtigkeit des Mediums Film, sondern auch für die komplexe Kulturarbeit in einem Filmhaus.
Die Grundidee ist, dass der Kurs durch das Projekt einerseits Filminhalte und filmästhetische Aspekte reflektiert, diskutieren lernt und praktisch erprobt. Andererseits das alltägliche Geschäft einer Einrichtung kennen lernt, die sich der Kinokunst verpflichtet hat. Der Filmladen Kassel wird den Kunstkurs in dieser Projektphase intensiv betreuen und ihm die nötigen Ressourcen und das Spezialwissen zur Verfügung stellen.

Dieses Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, eine kleine Gruppe von Heranwachsenden zu kompetenten und aktiven Produzenten in Theorie und Praxis des Films zu machen. Es hat experimentellen Charakter und könnte, wenn insbesondere die eigene Filmreihe gelingt, für andere Schulen Vorbild sein und nachahmend wirken. Der Filmladen Kassel ist bei Erfolg für eine Fortführung des Experiments mit anderen Schulen offen.

Der Titel "Ränder meines Ichs – Fragen zur Identitätsbildung" ist die Klammer, die alles zusammenhält und wurde zu Beginn des Schuljahres aus den Gesprächen in dem Leistungskurs zu den Inhalten des Schuljahres entwickelt. Er wirkt bei allen Praxisphasen und der Auswahl von Filmen für die Reihe unterstützend und hilft letztere thematisch zu bündeln.

 
Projektauslöser/Idee:
1. Impuls: Ein Gespräch zwischen Frank Thöner (Filmladen Kassel) und mir löste erste Überlegungen aus. Darin ging es vornehmlich um den Tatbestand, dass junge Menschen nicht an Filmkunst herangeführt werden und dass Filmanalyse oder das Lesen und Verstehen von Filmen an Schulen nicht stattfindet. Dadurch sind sie vielfach nicht befähigt, ambitionierte kulturelle Angebot wahrzunehmen. (Diese Aspekte habe ich oben bereits ausgeführt)

2. Impuls: Die Begegnung mit einem ehemaligen Schüler und heutigen Studenten in der Klasse "Neue Medien", an der Kunsthochschule Kassel. Als ich auf dem Rundgang der KHS Tobias Hellwig zufällig traf, bot er mir spontan seine Unterstützung für Schulprojekte an. Er zeigte seine Bereitschaft, mit LeistungsschülerInnen im Bereich Film und neue Medien zu arbeiten.

Beide Gespräche haben in den Vorbereitungen auf das Schuljahr 2008/09 letztlich zu dieser Projektkonzeption geführt.

 
Projektentwicklung:
DAS VORHABEN IM ÜBERBLICK

1. PHASE (Schwerpunkt Auseinandersetzung mit dem Selbstbild in Theorie und Praxis)
o September bis Januar: Die Suche nach dem Ich: Das Selbstportrait in der Kunstgeschichte (auch Positionen der Gegenwartskunst)
o Ausstellungsbesuche (Christoph Büchel, u.a.)
o September bis November: 1. Praxis; Entwicklung einer künstlerisch-praktischen Arbeit mit freier Medienwahl
o Dezember: Schreiben über Kunst; Schreiben über die künstlerische Praxis eines Mitschülers / einer Mitschülerin
o Januar: Entstehung eines kleinen "Katalogs"; Postkartenfächer mit Abbildungen aller Arbeiten und selbstgeschriebenen Texten
o 30.01. bis 02.02.2009: Präsentation der künstlerischen Praxis an einem öffentlichen Ort: KAZ (Kasseler Architekturzentrum im Kulturbahnhof Kassel); Eröffnung am 30.01., um 19 Uhr; Prof. Dr. Ursula Panhans-Bühler spricht einführende Worte.

2. PHASE (Schwerpunkt Fotografie)
o Anfang Februar: Einführung in Theorie und Praxis der Fotografie
o Einführung in die Arbeit im Fotolabor
o Mitte Februar bis Mitte März: 2. Praxis; Entstehung von Filmstandbildern für fiktive Filme
o März bis Mai: Einführung in die Werbung (Zusammenhang: Filmtrailer und Plakate sind ein Teil der Werbung)

3. PHASE (Schwerpunkt Film)
o 20. Februar: Workshop "Vom Filmstill zur Einzel- und Sequenzanalyse in Film", Leitung: Bettina Henzler und Stefanie Schlüter, Berlin,
gefördert durch die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen)
o 13. März: Workshop zur Analyse von Filmtrailer, Leitung: Carsten Siehl, Frankfurt, gefördert von Schulkinowochen Hessen 2009
o 25. und 26. April: Praxisworkshop zu Filmtrailer: Storyboard- und Drehbuchentwicklung, Übungen mit der Kamera und Schnitt,
Leitung: Carsten Siehl, gefördert durch die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen)
o März bis Mai: Planung und Durchführung einer kleinen Filmreihe (4 Filme)
mit öffentlicher Aufführung und Diskussion mit geladenen Gesprächspartnern, gefördert durch die Sparda-Bank Hessen.
Die Filmreihe wird vom 14. bis zum 17.05.2009, jeweils um 17 Uhr, im Filmladen Kassel veranstaltet.
o April: Entstehung eines Flyers für die Filmreihe und Vorbereitung der Veranstaltung
o Mai bis Juni: Praxisphase 3: Produktion von Filmtrailer und Plakate für einen fiktiven Film (nach den entstandenen Filmstandbildern in Phase 2)
o Ende Juni: Ausstellung: Präsentation der Fotografien, Trailer und Plakate zu fiktiven Filmen an einem öffentlichen Ort

Die Phasen 2 und 3 sind miteinander verzahnt, da sie inhaltlich nicht trennbar sind, und greifen zum Teil zeitlich ineinander.

PROJEKTVERLAUF IM DETAIL

Das Projekt "Ränder meines Ichs" will in aufeinander aufbauenden Phasen und mit verschiedenen Medien Fragen der Identitätsbildung aufwerfen und das Verhältnis der jungen Menschen zur Selbstidentifikation beleuchten. Dazu gehört auch die Überwindung des eigenen Rollenverständnisses und damit einhergehend das Spiel mit fremden Rollen.

PHASE 1 (inhaltliche Grundlage für die späteren Phasen)

Hier arbeitete jeder Schüler und jede Schülerin zwischen September und November 2008 an Hand dieses Titels an einer künstlerisch-praktischen Arbeit mit freier Medienwahl. Mit folgenden selbst formulierten Einstiegsfragen hat die Lerngruppe das Projekt initiiert:

Wie kann ich mich anderen erklären?
Gibt es ein unabhängiges Außen und Innen und kann ich das unterscheiden?
Was spiegelt mir meine Umwelt von mir?
Wo höre ich auf zu sein, wo sind meine Ich-Grenzen?
Bin ich nur das, was sichtbar ist?
Bin ich nur eine Zusammensetzung biologischen Materials?
Kann ich mich durch Ereignisse, durch biografische Spuren erklären?

Während der Praxisphase boten einzelne Unterrichtsstunden (ca. 2 Stunden in der Woche) einen Raum für die Projektbesprechung. Darin fand ein intensiver Austausch über alle 23 Praxisvorhaben statt. Die Lerngruppe diskutierte den Entstehungs- und Arbeitsprozess aller Arbeiten und bei Problemen inhaltlicher und technischer Art ließen sich die Einzelnen von der Gruppe beraten. Es war dabei entscheidend, dass die inhaltliche Füllung des Titels individuell und nach persönlichem Interesse an der Thematik erfolgte und für jeden Einzelnen der Findung eines passenden Mediums vorangestellt wurde. Erst das Ziel, die Mitteilungsabsicht führte den Schüler / die Schülerin zur adäquaten medialen Umsetzung und damit zur Visualisierung der persönlichen Fragestellung. Während der Praxisphase führte jeder aus der Gruppe ein Projekttagebuch, indem alle Schritte der eigenen Arbeit dokumentiert und reflektiert wurden.

Nach Abgabe, detaillierter Besprechung aller Arbeiten mit der gesamten Gruppe und der Benotung mit schriftlicher Begründung waren Einzelne zum Teil mit meinem Urteil unzufrieden und fühlten sich nicht immer verstanden. So bot ich den SchülerInnen an, dass eine unbeteiligte kompetente Person eine Rückmeldung zu ihrer Arbeit geben könnte, die nicht vorbelastet durch Schulnoten auf diese schaute. Gila Kolb, wissenschatliche Assistentin in der Kunstpädagogik der KHS Kassel, wurde gebeten, die Aufgabe zu übernehmen. In rund 3 Zeitstunden führte Gila Kolb rund 10 intensive Beratungsgespräche mit einzelnen Schülerinnen, die sich dies dringend gewünscht hatten. Diese sehr intensive Nachbereitung führte teils dazu, dass die Arbeiten für die Ausstellung noch verändert, erweitert oder (in 2 Fällen) ganz neu begonnen wurden. Darüber hinaus haben wir verschiedene Präsentationsformen erörtert und für die Arbeiten erwogen.

Parallel zur Praxis setzte sich die Gruppe in theoretischen Blöcken gleichzeitig mit Selbstbildnissen von Künstlern auseinander, die von der Renaissance bis zur Gegenwart reichen (u.a. auch Timm Ulrichs, Sophie Calle, M. Abramoviç). Die Kunstbetrachtung diente als Pool für das Verstehen des eigenen künstlerischen Handelns. Der Besuch der Ausstellung "Deutsche Grammatik" von Christoph Büchel, im Museum Fridericianum bot der Gruppe einen vertiefenden Blick darauf, wie ein Schweizer Künstler die Deutschen sieht und warf Fragen der eigenen kulturellen Identität auf. Dieser Besuch wurde von Simone Wiegand, einer weiteren Studentin der Kunstpädagogik an der Kunsthochschule Kassel, geleitet. Dazu gehörte auch ein zweiter Ausstellungsbesuch im Kunstverein zur Künstlerin Ina Weber und ein dritter zur Ausstellung "Monitoring", eine Begleitausstellung mit neuen Medieninstallationen des 25. Kasseler Dokumentarfilm- und Videofestes, sowie der fakultative Besuch von zwei Programmen des Festivals: "Rolle meines Lebens" und "Das andere Ich".

Die inhaltlich vielfältigen und medial sehr verschieden gelösten Praxisergebnisse mündeten in eine Ausstellung außerhalb der Schule (Ausstellungsort und -datum: siehe oben). Dazu gab es eine Phase, die sich mit dem Aspekt des Schreibens über Kunst befasste. Die Schülerinnen und Schüler schrieben jeweils über eine Praxisarbeit eines Mitschülers. Dadurch wurde die Auseinandersetzung mit dem Inhalt und der Form einer fremden Arbeit evoziert. Die ehemalige Schülerin und heutige Studentin der Kunsthochschule Kassel, Laura Götsch, hat an einem Vormittag mit der Gruppe zu Herangehensweisen an das kreative Schreiben über Kunst gearbeitet und Einstiegsbeispiele gegeben (siehe Abbildung). Eine fotografische Dokumentation der Praxisarbeiten und die Texte mündeten in einen Postkartenfächer, der die Funktion eines Ausstellungskatalogs hat.

Hier folgen zwei kurze Text- und Arbeitsproben, die exemplarisch für die Ausstellung und den Postkartenfächer als Katalog stehen:

1. Zunächst der link, der die Betrachtung der Videoarbeit von David Richter ermöglicht. In dieser Arbeit hat sich der Schüler als "Überich, Ich und Es" im Bild verdreifacht:
http://www.myvideo.de/watch/5930978

DAVID RICHTER: ICH & ICH & ICH
Video, ca. 8 Minuten

Drei junge Männer stehen nebeneinander auf einem Platz. Der Mittlere schlägt seinen Kopf gegen die Wand. Hin und her gerissen, gespalten zwischen Ordnung und Chaos, zwischen der wilden Verspieltheit eines Lebenskünstlers, zu seiner Linken und der kühnen Ernsthaftigkeit eines Geschäftsmann, zu seiner Rechten. Gefangen zwischen Drang und Vernunft. Eine Videoarbeit, über die Auseinandersetzung mit sich selbst.
Wie auch schon Sigmund Freud zu sagen pflegte „ Der Mensch ist nicht einmal Herr im eigenen Hause“.
(Text: Anne Döhr)

2. Der Text zur Arbeit von Katharina Schnell (Abbildung Nr.3 gibt einen Ausschnitt wieder). Darin hat sich die Schülerin mit dem Leben als Zwilling beschäftigt:

KATHARINA SCHNELL: KATHARIKE FREDERINA
digitale Fotografie auf Klarsichtfolie

Die Augen bewegen sich hin und her, fixieren, sind verwirrt, suchen nach Unterschieden. Das ausdrucksstärkste menschliche Gebilde als Projektion der individuellen Empfindungen.
Wer ist wer? Handelt es sich um zwei individuelle Persönlichkeiten oder doch um ein und dieselbe Person? Die Transparenz und Neutralität des Objektes fordert den Betrachter dazu auf, seine Sinne zu schärfen. Er wird gezwungen, über seinen eigenen Schatten zu springen und sich von voreiligen Schlussfolgerungen zu distanzieren. Nur wer versucht, sich für die Arbeit zu sensibilisieren, entdeckt die Einzigartigkeit der Individuen.
Lässt sich das Werk als eine Art Appell an die oberflächliche und flüchtige Wahrnehmung der Menschen verstehen? Inwieweit müssen sich Zwillingsschwestern voneinander abgrenzen, um von ihrem Umfeld als eigenständige Persönlichkeiten wahrgenommen zu werden?
Das Erkennen der Zwillingszugehörigkeit drängt manchen Betrachter zu der Wahrnehmung, die beiden unmittelbar als Ganzes zu sehen und den individuellen Geist zu einer Einheit zu komprimieren.
Geschwister sind natürlich immer unterschiedlich. Das entspringt allein den Bedürfnissen nach Individualität und Autonomie. Interessant wäre, ob die höchstmögliche äußerliche Ähnlichkeit, die Zwillinge verkörpern, hier eine Hürde darstellt?
Durch die bewusste Reduktion auf die geringen rein visuellen Unterschiede der beiden Geschwister wird in dieser Arbeit diese Frage provoziert.
(Text: Laila Busse)

Über folgenden link finden Sie einen Zeitungsartikel zur Ausstellung und zum Projekt:
http://www.hna.de/kulturstart/00_20090129165314_Schueler_auf_der_Suche_nach_dem_Ich.html

Überraschend war beim Aufbau der Ausstellung die Auseinandersetzung mit Präsentationsformen und kuratorischen Fragen, die wir in dieser Konsequenz vorher nicht im Blick hatten. So wurden Fragen aufgeworfen und diskutiert zur Platzierung der einzelnen Arbeiten innerhalb des Ausstellungsraums und der Nachbarschaft mit anderen, die die eigene Arbeit schwächen oder stärken können. Dieser Prozess wurde zu einem unerwartet fruchtbaren, nicht zuletzt auch, weil die vielbeschworene Aura, die das Kunstwerk im musealen Kontext umgibt, hier an der eigenen künstlerischen Praxis durch die Präsentationsform erfahrbar wurde.

Es war für uns sehr erfreulich, dass zur Eröffnung der Ausstellung um die 120 Besucher kamen und in den darauf folgenden 3 Öffnungstagen nochmal täglich ca. 50 Personen. Die SchülerInnen, die Aufsichtsdient hatten, führten interessierte Besucher auch durch die Ausstellung.


IM ANSCHLUSS WIRD NUN ÜBER DIE PHASE BERICHTET, DIE SICH DEM FILM WIDMET (und für diese Bewerbung relevant ist). Sie ist deshalb noch nicht beendet, weil der Hessische Lehrplan Bildmedien im 2. Halbjahr der Jahrgangsstufe 12 vorsieht.


PHASE 2 UND 3 (FOTOGRAFIE, FILM, PLAKAT)

FOTOGRAFIE: Seit Februar, also seit Halbjahrswechsel erprobt die Gruppe mit Hilfe der Fotografie den Rollenwechsel. Jeder Schüler und jede Schülerin arbeitet an dem Praxisauftrag mit dem Arbeitstitel "FAKE". Jede Kursteilnehmerin und jeder Kursteilnehmer erstellt jeweils 5 zusammenhängende Filmstandbilder zu einem fiktiv konstruierten Film bei frei wählbarem Filmgenre. Jede Schülerin und jeder Schüler erhält in einer der 22 Filmstandbildserien mindestens eine "Filmrolle". Im eigenen Fotoprojekt hat jeder eine leitende Funktion und wird darin nicht spielen können. Da das Winterwetter in diesem Jahr sich so hartnäckig hält, musste der Abgabetermin für die Filmstandbilder, der für den 4. März vorgesehen war, auf Ende März verschoben werden. Im Augenblick arbeitet die Gruppe auf Hochtouren an den Fotoserien, die zu Filmen entstehen wie etwa Hippie, Krimi, Romanze, Horror, Road-Movie, Familienkonflikt, Jugend, Psycho, Heimat... Dazu werden Requisiten ausgetauscht, alte VW-Busse und Wohnwagen gesucht, Orte recherchiert, ältere Damen gefunden, die für die Fotoserie gewonnen werden müssen, historisch anmutende Koffer zusammengetrommelt u.s.w..

Bei dieser Aufgabe ist das Kennenlernen fotografischer Mittel ebenso von Gewicht, wie eine Vertiefung in die Sprache des Films und die Auseinandersetzung mit verschiedenen Filmgenres. Gleichzeitig hat eine Einführung in die Fotolaborarbeit der Gruppe praktische Einsichten gegeben, indem jeder / jede als Übung einen Abzug des eigenen Portraits gemacht hat.

FILM: Dazu begleitend befasst sich die Gruppe mit Methoden der Filmanalyse. Nach einer Einführung in Fachbegriffe des Films diente ein Kompakttermin der Vertiefung. Die Berliner Autorinnen und Filmwissenschaftlerinnen Bettina Henzler und Stefanie Schlüter schlugen am 20. Februar in einem ganztägigen Workshop die Brücke zwischen den Filmstandbildern und der Sequenzanalyse an ausgewählten Filmbeispielen. Dieser Workshop bildete also die Schnittstelle zwischen der eigenen künstlerischen Praxis (Filmstandbild) und der theoretischen Beschäftigung mit Film als Vorbereitung für die Entwicklung der Filmreihe. Darin wurden im Detail Filmausschnitte aus "Angst essen Seele auf" und "Gegen die Wand" analysiert. Die Betrachtung der Filmbeispiele und die Sequenzanalyse haben den Blick auf Details bei der Entstehung der eigenen Filmstandbilder verändert und das Praxisvorhaben beeinflusst.

FILMREIHE: Am 14.02.2009 traf ich mich mit Frau Henzler und Frau Schlüter in Berlin. Dabei haben wir die inhaltliche Feinabstimmung zu dem Workshop vorgenommen. Zudem habe ich mich beraten lassen, wie die Auswahl der Filme für die Filmreihe methodisch vorgenommen werden kann. Dieser Schritt erfordert insofern besondere Vorgehensweise, als einerseits die Gruppe durch eigene Vorschläge die Filmreihe gestaltet. Andererseits es notwendig ist, dass sie durch einen gut ausbalancierten Input andere Filme kennenlernt, als die ihr durch das Mainstreamkino zugänglichen. Dabei kommen der Internetrecherche, dem Lesen von Filmkritiken und der Suche nach besonders ausgezeichneten Filmen eine besondere Aufgabe zu.

Die Filmreihe zu "Identität", gemacht von jungen Menschen für Gleichaltrige, trägt den Titel "Ränder meines Ichs - die Filmreihe". Diese entsteht in Kooperation mit dem Filmladen Kassel e.V. und wird vom 14. bis zum 17. Mai, jeweils um 17 Uhr veranstaltet werden. Alle Schritte, die für die Durchführung der Filmreihe notwendig sind, werden von der Gruppe übernommen: von der Auswahl der Filme unter Berücksichtigung selbstgewählter Auswahlkriterien, zur Arbeit mit den Verleihen, der Gewinnung und Einladung von Gesprächspartnern/Referenten für die Aufführungsabende, der Entstehung eines Flyers und der Öffentlichkeitsarbeit.
Folgende Auswahlkriterien wurden im Unterricht erarbeitet: Bezug zu "Ränder meines Ichs", Bezug zur eigenen Alltagsrealität, kein Mainstreamfilm, Fokus auf den deutschen Film, besondere Machart, eigene Ansprache.
Es wurden 15 vorgeschlagene Filme vorgestellt, indem der Plot kurz referiert wurde, die Auswahlkriterien überprüft und der jeweilige Referent ein Votum zur Aufnahme des Films in die enge Wahl abgab. Danach wurde im Kurs abgestimmt, so dass nun 10 Filme in der engeren Auswahl sind. Zur Zeit sind folgende Filme im Rennen und sollen durch die Bildung von 5 Auswahljurys (à 4-5 SchülerInnen) bewertet werden: Falscher Bekenner, Die innere Sicherheit, Antonias Welt, Paris Texas, Prinzessinnenbad, Das weiße Rauschen, Knallhart, Gegen die Wand, Persepolis, Ben X. Jeder Film wird von 2 der 5 Jurygruppen gesichtet, so dass jede Gruppe 4 Filme sehen, diskutieren und bewerten muss. Diese Arbeit wird ohne meine Anwesenheit oder Betreuung an den Wochenenden erledigt. Am Ende der Juryrunden sollen sich die 4 Filme herausschälen, die als "ihre" Filmreihe gezeigt werden. Das wird spätestens Mitte März sein. Danach beginnt bis zu den Osterferien die Intensivphase: Suche nach Gesprächspartnern, inhaltliche Vorbereitung, Texte schreiben, Verleih kontakten und Pressearbeit. In vier Kleingruppen wird die Verantwortung für die 4 Filmabende aufgeteilt. Jede Kleingruppe wird für ihren Filmabend einen Einführungsvortrag vorbereiten.

FILMTRAILER UND PLAKAT: In einer unmittelbar damit verbundenen letzten Praxisphase wird die Gruppe von Mai bis Juni mit den in der vorherigen Phase entstandenen Filmstandbildern zu fiktiven, nicht gedrehten Filmen weiterarbeiten. Ein Teil wird an der Produktion von Filmtrailer arbeiten, ein anderer an der Produktion von Filmplakaten. Trailer und Plakat sollen gleichermaßen suggerieren, dass es sich um das "Material" handelt, das den Film bewirbt, den die Filmstandbilder versprechen.
Eine Unterrichtsphase im Vorfeld wird sich den Mitteln der Werbung, aber auch der Plakat- und Layoutgestaltung widmen.

Carsten Siehl, freier Medienpädagoge und Filmwissenschaftler, hat für zwei Workshops zugesagt. Der erste, der sich explizit mit der Analyse des Filmtrailers als Werbemittel und Kurzfilm befasst, wird von den Hessischen Schulkinowochen 2009 gefördert, und findet ganztägig am 13.03. statt. Der zweite Workshop wird den Jugendlichen Hilfestellung im Bereich der Filmarbeit geben (Storyboard- und Drehbuchentwicklung, Übungen mit der Kamera und Schnitt) und ist damit ein Praxisworkshop. Dieser letzte Workshop wird von der LPR Hessen finanziert und wird am 25. und 26.4. durchgeführt. Anhand der Übungen und ersten Arbeitsergebnisse aus diesem Workshop kann die Gruppe ihre Qualitätsansprüche an die Filmtrailerproduktion überprüfen und diskutieren. Danach beginnt die Intensivphase der 3. Praxis, der Trailer und Plakatproduktion, die von Tobias Hellwig (ehemaliger Schüler und heutiger Student an der KHS Kassel) mitbetreut wird.

Zum Abschluss, also Ende Juni, werden wir eine letzte Ausstellung auf die Beine stellen. Hier wollen wir die Filmstandbilder, Trailer und Plakate öffentlich zeigen.

 
Besonderheiten:
Der Hessische Lehrplan sieht im Fach Kunst für den Jahrgang 12 u.a. "Vorstellung des Bildes vom Menschen" (12.1) und "Bildmedien" (12.2) vor. Es ist ein wichtiges Anliegen, ein Schuljahr nicht mit den unterschiedlichen Versatzstücken aus dem Lehrplan zu zerstückeln, sondern die vorgegebenen Inhalte so miteinander zu verzahnen, dass sich ein geschlossenes Ganzes ergibt. Hier sollen die Rahmenvorgaben sinnvoll gefüllt und wichtige Inhalte der Gegenwartskultur und -kunst in den Unterricht integriert werden.
Wichtig erscheint mir hier zu betonen, dass das gesamte Projekt komplett in die laufenden Unterrichtsinhalte eingebunden ist, alle Teilergebnisse selbstverständlich benotet werden und für die SchülerInnen Teil der Gesamtbewertung sind, also in die Zeugnis- und Abiturnote einfließen.

Jugendliche erhalten selten die Gelegenheit, Kulturarbeit selbst in die Hand zu nehmen und gestaltend mitzuwirken. Hier geht es darum, dass sie sich ihre eigene Filmreihe zusammenstellen und sich darüber bewusst werden, welche Filme für sie und ihresgleichen bedeutsam sind. Die ambitionierte Arbeit hinter den Kulissen der Kinobetreiber, wie die des Filmladen Kassel, ist ein verborgenes Feld, das den Jugendlichen die Augen für komplexe Kulturarbeit öffnen kann. Schließlich gehört der Filmladen zu den bundesweit besten Kinohäusern, die jedes Jahr für ihre besondere kulturelle Leistung ausgezeichnet werden und ist Mitglied in der Gruppe von "European Cinema".

Die kulturelle Arbeit des Kunstkurses soll in allen Phasen nicht im verborgenen der Schule gezeigt werden, sondern einer breiten Öffentlichkeit in der Stadt. Auch die selbst entwickelte Filmreihe wird in öffentliche Aufführungen münden.

Für alle Phasen ist vorgesehen, dass Menschen von außen herangezogen und eingeladen werden, den Kurs bei der Arbeit zu unterstützen. Es sollen unter Anderem ehemalige Schülerinnen und Schüler der Schule, die heute studieren, als Unterstützer gewonnen werden. Geht es doch auch darum, auf die Kenntnisse von Ehemaligen zu setzen, um durch eine Rückbindung an die Schule diese zu bereichern.
Nicht zuletzt gilt es, über viele Jahre im Privaten und Beruflichen entstandene Netzwerke für die Schule zu nutzen und neue Kontakte zu erschließen, so dass das Projekt gelingen kann.

Die einzelnen Phasen des Jahresprojektes folgen so logisch aufeinander, dass sowohl eine Nachahmung durch Entkoppelung und Herauslösung einer oder mehrerer Phasen möglich ist als auch die Übernahme aller Teile.

 
Probleme und Lösungen:
Grundsätzlich scheint sich zu bewähren, dass das Projekt sehr frühzeitig geplant wurde und die Laufzeit so gedehnt ist, dass Hindernisse gut überwunden, Irrwege korrigiert werden können und auch genug Zeit bleibt, in allen Phasen sich aus verschiedenen Richtungen Rat zu holen. Das gilt auch für den schwierigen Prozess der finanziellen Förderung.
Ein Problem schien zunächst die Finanzierung zu sein, da die ersten Anlaufstellen, die ich zu gewinnen versuchte, zwar das Konzept spannend fanden, aber dennoch zurückhaltend reagierten. Die Tatsache, dass ich mit Jugendlichen an einem Oberstufengymnasium arbeite und nicht mit den "Milieukids", also auch keine soziale Randgruppe "zu bieten" habe, schien zunächst ein Hindernis zu sein. Zum Glück fanden sich schließlich Förderer, die von unseren Inhalten überzeugt waren.

 
Anekdotisches:
Im Vorfeld der Ausstellung nach unserer ersten Praxisphase hatten wir uns darüber verständigt, dass wir bei der Suche nach einem geeigneten Ausstellungsraum arbeitsteilig recherchieren.
Also kümmerte sich verschiedene Schüler um unterschiedliche Ausstellungsräume, die wir für unser Vorhaben in Erwägung gezogen hatten. Für uns war es befremdlich zu erleben, dass eine Schülerin, die sich um einen bestimmten Raum bemüht hatte, von den Organisatoren dieses Raumes nicht als adäquate Verhandlungspartnerin angesehen wurde. Diese wunderten sich, warum die SchülerInnen die Arbeit machen und verlangten, die Lehrerin möge sich mit ihnen in Kontakt setzen. So wurde im Kleinen der Eigenständigkeit der SchülerInnen eine Grenze gesetzt.

Wie zentral die Ausstellungserfahrung der Schülerinnen und Schüler außerhalb von der Schule wurde, zeigen hier einige Statements:

KIRA KIMM: Vorletztes Jahr habe ich Führungen auf der Documenta 12 gegeben. Ich habe mit wild fremden Menschen über die Kunst, deren Aussage und Wirkung gesprochen.
Vor einigen Wochen hatten wir nun unsere eigene kleine Ausstellung. Als ich meinen Aufsichtsdienst hatte, habe ich auch fremde Menschen, die unsere Ausstellung besucht haben, angesprochen und wenn sie wollten eine Führung mit ihnen gemacht. Es war wieder genau das gleiche Gefühl (wie bei den Führungen auf der Documenta), ich sprach über unsere Kunst wie über die der großen Künstler auf der Documenta. Ein bemerkenswertes Erlebnis!

ALEXANDRA GREBNEVA: Als wir unsere Ausstellung eröffneten und dann so viele Menschen kamen, fühlte man sich wie ein richtiger Künstler. Leute kamen extra, um unsere Arbeiten zu sehen und durch die vielen Gespräche steigerte man sich noch mehr rein und sah noch andere Facetten, die man früher vielleicht nicht gesehen hat. Jedenfalls ist das Thema echt gut und rüttelt viele Gedanken wach, über sich selber, die eigene Umgebung und die Welt...

ANNE DÖHR: Die Ausstellung war in meinen Augen ein voller Erfolg. Jede Arbeit wurde in ihrer Einzigartigkeit aus vielen verschiedenen Blickwinkeln und Blickrichtung wahrgenommen. Arbeiten, die zunächst in der Klasse eher unscheinbar und neben Anderen fast untergegangen sind, hatten die Möglichkeit in der Ausstellung richtig zur Geltung zu kommen und auf verschiedenste Weisen wahrgenommen zu werden. Die Meinungen der Besucher zu den einzelnen Kunstwerken, sind ganz unterschiedlich ausgefallen. Aber jede Arbeit hat Sympathisanten gefunden und wurde gelobt. Es war eine tolle Erfahrung, durch die ich viel gelernt habe und die mir gezeigt hat, auf wie vielen unterschiedlichen Wegen man sich mit sich selbst auseinander setzen kann.

PAULA POHLE: Bei unserer ersten richtigen Ausstellung haben wir sehr viel erlebt! Ich bin immer noch von schönen Impressionen und tollen Gesprächen, neuen Gedanken gefüllt, einfach eine tolle Erfahrung, seine eigene Arbeit zusammen mit den anderen auszustellen.
Besonders gut im Gedächtnis ist mir die Konzeption und die Ausarbeitung der Ausstellung geblieben. Wie wir uns mit dem Ausstellungsraum auseinandergesetzt haben und jeder einen Platz für seine Arbeiten gefunden hat. Jeder hat mitgesprochen und eine enormes Interesse mitzuwirken war da!
Eine Situation ist mir im Gedächtnis geblieben; als eine Schülerin ihre Fotoarbeit aufhängen wollte und unsere Lehrerin Frau Ventura der Meinung war, sie solle doch nur ein Foto ihrer Serie aufhängen-es würde besser wirken. Aber nein, die Schülerin wollte alles ausstellen, und hat es gemacht! Auch wenn wir mit unserer Lehrerin gut zusammen gearbeitet haben, so war es doch unsere Arbeit und die Mischung aus Eigeninitiative und Zusammenarbeit mit anderen war sehr gut!
Insgesamt muss ich sagen, dass mir auch das, was nach der Ausstellung gefolgt ist, sehr gut gefallen hat. Wo wir im Unterricht bis dahin immer sehr auf Kunst im Sinne von Epochen und Gemälden geschult wurden, und mein Blick, mit dem ich in eine Ausstellung gegangen bin, ein ganz anderer geworden ist. So ist es jetzt, dass auch meine Betrachtung von Film und Foto, eine ganz andere zu werden scheint. Wie nehme ich die Kameraführung in einem Film wahr, was macht das aus, und wie viel mehr wird die Geschichte in einem Film über Kameraführung und Details im Bild erzählt, als ausschließlich nur über Dialoge - sehr faszinierend!
Ich bin gespannt auf die kommende Zeit und auf viele neue Erfahrungen.