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Interpretation zur Postkartenserie "Die Verwünschte"
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Performance zur Fotoserie "Stencils"
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Im Fotostudio verziehen Rita und Martin 5 Minuten lang keine Mine
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Thomas bei der Interpretation des Fotos "Stencils"
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Thomas trägt das Gedicht "worte sind schatten" vor.
Bilder machen Leute - Site-Specific-Performance im Landesmuseum
Schule:
Levana-Schule Schweich
Bernhard-Becker-Str. 6
54338 Schweich
Tel.: (06502)-930920
Fax: (06502)-995401
www.levana-schule-schweich.bildung-rp.de



Förderschule/Sonderschule / Gebundener Ganztag

 
Kooperationspartner:
Rheinisches Landesmuseum Trier
Anne Kurtze M.A. Museumspädagogin
Tel.: 0651/9774-155
www.landesmuseum-trier.de
 
Beteiligte Schüler:
7 Schüler mit geistiger Behinderung
Schattentheater AG
Jahrgangsstufe 10-12 Werkstufe
 
Beteiligte Lehrkräfte:
4 Lehrkräfte:Carlos Malmedy, Monika Annen, Karina Zyball, Alexandra Manz
 
Stundenvolumen:
Ab Anfang November 2008, fünf bis sechs Wochen intensive Vorbereitung mit einem Stundenvolumen von 8- 10 Wochenstunden in der Schule und im Rheinischen Landesmuseum Trier. Zwei Vorstellungen fanden im Landesmuseum am 16.12.2008 und 17.12.2008 als Abendveranstaltung statt. Nach Ausstellungsende im Januar wird die Kooperation mit dem Landesmuseum fortgeführt. Reflexion der Performances, mit einem wöchentlichen Stundenvolumen von 2 Unterrichtsstunden. Anschließend gegenseitige und regelmäßige Unterrichtsbesuche der Museumspädagogin in der Schule und der Schultheatergruppe im Landesmuseum mit einem Stundenvolumen von 4 Stunden pro Monat. Vorbereitung und Begleitung von themengebundenen Ausstellungen, z.B. "Steinzeit". Intensive Auseinandersetzung mit den Thematiken durch Aufnahme der Inhalte in den aktuellen Stundenplan, mit kreativen Projekten und Inszenierungen der Schultheatergruppe der Levana-Schule im Rheinischen Landesmuseum Trier.
Gemeinsame Planung und Durchführung eines museumspädagogischen Angebots im Frühjahr 2010, bezüglich der römischen Vergangenheitsgeschichte Triers und unserer Region, eingebettet im laufenden COMENIUS-Projekt, "Wir bauen unser Haus Europa", mit unseren Partnerschulen aus Thüringen, Belgien, Tschechien und Polen.
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
"Bilder machen Leute" - Site-Specific-Performance zur gleichnamigen Fotografie-Sonderausstellung „Bilder machen Leute – die Inszenierung des Menschen in der Fotografie“, die das Rheinische Landesmuseum Trier vom 5. September 2008 bis zum 11. Januar 2009 zeigte. In der Ausstellung wurden Fotografien verschiedener Gattungen aus dem 19., 20. und 21. Jahrhundert gezeigt.
Der Betrachter im Museum war sich keinem Werk gegenübergestellt, sondern er war einer Situation ausgesetzt. Damit sollte an der passiven Konsumhaltung gerüttelt und zum Handeln und zur Reflexion aufgefordert werden. Der Zuschauer war und ist der Hauptprotagonist.
In den einzelnen Ausstellungsräumen fanden die Performanceszenen statt. Der Zuschauer und Ausstellungsbesucher wurde im "Spaziergang" mit dem Szenenspiel konfrontiert.
Die Kooperation mit dem Landesmuseum und ihrer Museumspädagogin Anne Kurtze eröffnet den Levana-Schülern ungeahnte neue Möglichkeiten des Lernens und ist ein Meilenstein für deren Integration und Teilhabe am öffentlichen Leben.
In einer museumspädagogischen Führung, unter der Leitung von Museumspädagogin Anne Kurtze, durch die Ausstellung „Bilder machen Leute“, haben die sieben Levana-Schüler die Eigenarten der einzelnen Fotografien erklärt bekommen. Sie sind gezielt mit fotografischen Eindrücken konfrontiert und für die Aussagewirkung sensibilisiert worden. Beim Betrachten und Besprechen einzelner Fotografien entwickelten die Schüler verblüffende Ideen für die szenische Umsetzung. Mit dem Ausstellungskatalog in der Hand und vielen gewonnen neuen Eindrücken und Ideen bearbeiteten die Schüler binnen 2 Wochen die szenische Umsetzung - zunächst in der Schule und ab Dezember im Landesmuseum Trier. In der sogenannten Site-Specific-Performance konnten die Besucher der Ausstellung durch Schattentheaterszenen, Pantomime, Maskenspiel, Interaktionstheater, Improvisationstheater und Videoeinspielungen erleben, wie die Theatergruppe in dieser Performance einzelne Fotografien aufgriff, darstellte und verfremdet interpretierte.
(z.B. den von Sven und Martin völlig selbstständig gedrehten Werbeclip. Sie haben eine Kochschürze der Levana-Schule-Kochgruppe ausgewählt, um die Wirkung von Werbefotografie zu interpretieren:
http://www.myvideo.de/watch/5526808/Bilder_machen_Leute_Werbeclip
Ein experimenteller Ausstellungsrundgang ohne Worte mit anschließender Abschlussperformance im Medienraum des Landesmuseums verzauberte die Zuschauer und eröffnete Ihnen einen anderen Blick auf die Bilder der Ausstellung. (Beispiel - Beginn der Abschlussperformance. Es werden die ausgewählten Fotografien im Videoclip präsentiert.
http://www.myvideo.de/watch/5524219/Bilder_machen_Leute

 
Projektauslöser/Idee:
Konkreter Auslöser der Zusammenarbeit war ein Telefonat von Carlos Malmedy von der Levana-Schule, mit der Museumspädagogin des Rheinischen Landesmuseums Trier Anne Kurtze, in dem er seine Idee einer Performance vorstellte und wo daraufhin ein Treffen im Museum in Trier vereinbart wurde.
Die Idee war die, den gehandicapten Schülern und Schülerinnen einen Spielraum zu eröffnen, wo sie sich künstlerisch und theatralisch mit einem für sie zunächst fremden Schulalltagsthema konfrontieren und auseinandersetzen sollten, nämlich eine sehr anspruchsvolle Fotografieausstellung in einem fremden historischen Gebäude, das Rheinische Landesmuseum Trier.

Beim ersten gemeinsamen Vorbereitungsgespräch zwischen Museumspädagogin und Spielleiter mit Darstellung der Ideen, Aussondierung der Möglichkeiten und Grenzen zur Umsetzung einer Performance, wurde die Kooperation zwischen dem Rheinischen Landesmuseum Trier und der Levana-Schule Schweich vereinbart.
So kam es zur museumspädagogischen Führung durch die Fotografieausstellung die dazu führte, dass die Schüler ungeahnte Eindrücke über den Ausdruck einzelner Fotografien erhielten und äußerten, aber auch spannende Vergleiche zu Lebenssituationen oder Lebenserfahrungen aufkamen.
Für die meisten Schüler war es auch der erste Museumsbesuch überhaupt!

 
Projektentwicklung:
Museumsbesuch - privates Interesse an Fotografieausstellung

Kooperationsidee,

Kontaktaufnahmen mit Museumspädagogin Anne Kurtze,

Entwicklung eine Performancekonzeptes

Gemeinsame Besprechung mit Anne Kurtze

Terminvereinbarung für Ausstellungsbesuch mit den Schülern

Überreichung eines Ausstellungskatalogs durch das Landesmuseum für die unterrichtliche Vorbereitung des Museumsbesuchs mit der Schülergruppe

Unterrichtliche Bearbeitung von Fotografien des Kataloges im Unterricht.

Unterrichtsbesuch im Rheinischen Landesmuseum Trier und museumspädagogische Führung und Betreuung durch Museumspädagogin Anne Kurtze.

Schüler zeigen sich von der Ausstellung beeindruckt und entwickeln spontane Ideen für die theatralische Umsetzung

Gemeinsame Reflexion mit der Museumspädagogin und der Schülergruppe

Schüler wählen sieben Ausstellungsfotografien für die theatralische Umsetzung aus

Brainstorming und Ideenfindung für die theatralische Umsetzung

Gemeinsame Entwicklung eines Szenenplans unter Einbeziehung der Schüler

Auswahl der Einsatzmöglichkeiten für die Schülern:
1. Ich wähle diese Szene aus und spiele sie.
2. Ich kümmere mich um die Lichttechnik.
3. Ich wähle passende Musikstücke für die Performance aus und bearbeite diese.
4. Ich drehe einen Videofilm.
5. Ich mache die Fotos während der Performance.
6. Was fehlt und muss angeschafft werden?
7. Welche Requisiten werden gebraucht und wann eingesetzt?
8. Welche Kostüme werden benötigt?

 
Besonderheiten:
Gleich beim ersten Treffen mit den Schülern im Museum wurden die kreative Schaffenskraft und das Engagement der Schüler deutlich. Die Schüler waren durch die Lehrer über das Ziel ihres Besuches informiert worden: Die Bilder der Ausstellung sollten zu Theatersequenzen anregen. Keiner der Schüler und Schülerinnen war zuvor schon einmal im Landesmuseum Trier gewesen. Die ersten Minuten der Ausstellungsbesichtigung verliefen ruhig und fast monologisch, die Schüler mussten aufgefordert werden, ihre Eindrücke zu bestimmten Fotografien zu äußern, und auch kleine Aktionen wie das Nachstellen von Fotografien wurden nur sehr zögerlich angenommen. Nach einiger Zeit jedoch war das Eis gebrochen und die Schüler überlegten nach kurzen Impulsen gemeinsam, welche Eigenschaften wohl die Personen auf den Fotografien ausmachen würden und ob überhaupt „Persönlichkeit“ an einem Gesicht ablesbar ist. Sogar die klassische „Hemmschwellen-Kunst“, moderne Video- und Fotoinstallationen, wurde mit überraschenden Ergebnissen diskutiert. Beeindruckend war vor allem das Selbstbewusstsein, mit dem die Schülerinnen und Schüler auf die Bilder reagierten, die für den Ausstellungsrundgang ausgewählt wurden. Einige Bilder stießen sofort auf große Resonanz und die Schüler überlegten schon, wie man diese Impulse szenisch umsetzen könnte. Andere Fotografien wurden von den Schülern fast nicht beachtet: auch dies ein klares Votum. Andererseits suchten die Schüler an einigen Stellen auch ihre eigenen Favoriten heraus, auf die sie im Ausstellungsrundgang spontan hinwiesen. Insgesamt zeigen die Schüler Selbstbewusstsein, Transferfähigkeit und Diskussionsfreude, die auch bei höheren Klassen der Gymnasien nicht selbstverständlich ist.

Bei den Proben im Museum, die einige Zeit nach dem „Kick-off“- Besuch im Museum begannen, hatten sich die Schüler schon zu souveränen Experten entwickelt, die ihre Spieltechnik vorführten, Szenen erklärten und im Museum selbstverständlich ihre Vorrichtungen aufbauten. Zur Vorbereitung in der Schule wurde der Ausstellungskatalog herangezogen – ein Instrument, das auch zu wissenschaftlichen Vorbereitungen im Museum benutzt wird. Das Ergebnis in der Performance war in jeder Hinsicht beeindruckend. Die Schüler gingen mit den nicht vorherzusehenden Reaktionen des Publikums sicher um. Aus der museumspädagogischen Sicht ist es am erfreulichsten, dass die Schüler in ihrem Ergebnis die Gesamtaussage der Ausstellung nicht nur erfassten, sondern auf den Punkt brachten. Die Kernfrage der Ausstellung, wie und zu welchen Zwecken die Fotografie Menschen inszeniert, nimmt im Ausstellungskatalog hochwissenschaftliche Seiten ein. In der Version der Levana-Schule dauerte sie 50 spannende Minuten.

Es ist das erste Mal überhaupt, dass in den „altehrwürdigen Räumen“ des Rheinischen Landesmuseums Trier eine Performance stattgefunden hat. Die Schülerinnen und Schüler der Levana-Theatergruppe haben bewiesen, dass ein Museum ein lebendiger Lernort mit ungeahnten Möglichkeiten ist. Sie haben sich ihr Museum regelrecht erobert, haben sich vollkommen frei in den Ausstellungsräumen bewegt. Sie sind völlig unvoreingenommen mit der Institution, den Räumen, dem Personal und den Besuchern umgegangen und haben in beeindruckender Weise gezeigt, was Menschen mit einer sogenannten „geistigen Behinderung“ zu leisten vermögen. Nachhaltig zeigt sich dies im alltäglichen Unterrichts- und Sozialverhalten. Die Schüler haben in einem hohen Maß an Selbstvertrauen hinzugewonnen und gehen Dinge an, die sie vorher nicht wahrgenommen haben. Sie sind als Persönlichkeiten gewachsen und sind fähig die eigene Lebenssituation aber auch die ihrer Mitmenschen einzuschätzen.

 
Probleme und Lösungen:
Grundvoraussetzung für das Gelingen des Projektes war sicher das Engagement und Verantwortungsbewusstsein der Lehrer und der Schaffenswille der Schüler und vor allem die gelungene Zusammenarbeit zwischen Landesmuseum und Schule. Ebenso gab es eine große Offenheit gegenüber den besonderen Bedingungen, die ein Projekt im Museum voraussetzt. Es handelte sich eben nicht um eine Theateraufführung, sondern um ein interaktives Bewegen im musealen Raum. Diese Aktion musste natürlich von den museumsüblichen Überlegungen begleitet sein: Wie viele Personen können wir zu einer Performance zulassen, so dass die Sicherheit der Objekte noch gewährleistet ist? Wie viel „Schattentheater“ vertragen die Fotografien, die nur einem niedrigen Luxwert ausgesetzt sein dürfen? Wie kann man überhaupt eine Besuchergruppe ohne Worte durch eine Performance leiten, die wie ein Ausstellungsrundgang verschiedene Spielorte hat? Und, es sei zugegeben, von Seiten des Museumspersonals gab es durchaus Sorge, ob sich „so eine“ Schülergruppe wohl angemessen im Museum verhalten könne. In diesem Sinne gab es also durchaus sowohl auf Seiten der Schüler als auch des Museumspersonals einen Lern- und Kennlerneffekt.

Das positive Resümee, das Schule und Museum nach den Aufführungen zusammen aufstellten, wird in Zukunft zu neuen Zusammenarbeiten führen. Das „Bilder machen Leute“ - Projekt soll nur der Anfang gewesen sein.
Die unkomplizierte Zusammenarbeit zwischen dem Rheinischen Landesmuseum Trier und der Levana-Schule Schweich war ein ideales Kennen Lernen und es hat sich gezeigt, dass das Rheinische Landesmuseum Trier der Levana-Schule zeigen konnte, wie viele Möglichkeiten für ihre Schüler im Museum stecken.
Anne Kurtze, Museumspädagogin im Rheinischen Landesmuseum schreibt: „Für uns als Museum ist die Zusammenarbeit mit der Levana-Schule eine große Chance, unsere „Hochkultur“ wirklich für alle Menschen zu öffnen und in der Praxis zu erleben, was Auseinandersetzung mit Kultur wirklich bedeutet: bürgerschaftliche Teilnahme an der Gesellschaft und gleichzeitige, mit persönlichem Gewinn verbundene Auseinandersetzung mit sich selbst.“

 
Anekdotisches:
· Die Proben im Rheinischen Landesmuseum Trier entwickelten sich bei den Schülern zum „Highlight“ der Woche. „Heute fahren wir wieder in unser Museum!“ Marina, 15 Jahre

· "Ich ziehe lieber zwei Masken an! Eine auf meinem Gesicht und die andere auf meinen Hinterkopf, damit die Fotogeister kein dummes Zeug machen wenn ich den Fotos den Rücken zudrehe!" Mike 17 Jahre

· "Huch, hier sind ja alle meine Vorfahren!“ Thomas 18 Jahre zu den Fotos des 19. Jahrhunderts! Am nächsten Tag kommt Thomas mit seinem Familienalbum in die Schule und zeigt uns stolz seine Familienfotos vom Urgroßvater, von der Urgroßmutter, usw. und tatsächlich, die Fotos ähneln sich sehr!

· „Hmmm Schokolade!“, Tobias 17 Jahre, entdeckt die Fotografie mit der Schokoladenkekswerbung von Bahlsen. „Da könnte ich doch glatt das Foto aufessen!“ Kurz darauf kommen die Schüler auf die Idee während der Performance Schokokekse vor den Werbefotografien an die Zuschauer zu verteilen.So wurde aus dem Ausstellungsraum ein geselliger Unterhaltungsraum, indem man mit den Besuchern ins Gespräch kam und sich dabei gemütlich die Kekse schmecken ließ.

· „Komisch, die Zuschauergruppe gestern hat unsere Performance ganz anders verstanden!“ Sven 19 Jahre nach der letzten Performance die 50 Minuten gedauert hat und in der die Zuschauer zunächst sehr zurückhaltend die einzelnen Performanceszenen begleiteten.