Projektentwicklung:
Projektentwicklung :Im Jahr 2004 entdecke ich das Stück von Nathalie Papin : Mange-moi.
Doch da habe ich nicht den leisesten Gedanken an eine spätere Inszenierung. Ich habe ganz einfach nur Freude an ihrem Schreibstil.
In der Zeit sind wir in einer unserer bilingualen Klassen (2. Klasse damals) mit dem Fall eines magersüchtigen Mädchens konfrontiert, den wir 3 Jahre lang begleiten… ein Auslöser in meiner alltäglichen Tätigkeit, der mich immer wieder zum Stück von Nathalie Papin zurückbringt.
Immer wieder tauche ich tief in den Text und ungesteuert sammeln sich nach und nach innere Bilder dazu.
Irgendwann Ende 2006 wird das Bedürfnis mit diesem Thema, mit diesem Text etwas zu machen, so intensiv und klar, dass ich mich entscheide, eine freie Gruppe für das Stück zu gründen und die Bühnenumsetzung anzugehen. So kommen im Februar 2007 die 18 „Francbadours“ zusammen (damals 3.-, 5.- und 7.-Klässler)!
Über das Stück selber fangen wir erst nach den Osterferien 2007 zu arbeiten.
Parallel mache ich mich auf die Suche nach Nathalie Papin, um einen direkten Kontakt herzustellen und Austausche über das Stück zu ermöglichen. Dies wird auch eine 2-jährige Odyssee bis unserem ersten Treffen im Januar 2008!
Schritt für Schritt mit Leidenschaft und Ausdauer wird das Projekt Realität!
„Theaterarbeit mit Laien sollte […] ein sozialer Kunstprozess aller Beteiligten auf der Basis von Begegnung sein, in dem im freien Experimentieren immer wieder neue Themen, Wege, Ausdrucksformen und Stile von allen gemeinsamen gesucht werden müssen. […] In erster Linie Beziehungsarbeit, in zweiter künstlerische Tätigkeit, die der Zielgruppe entsprechend methodisch differenziert sein muss und in dritter Linie grundlegend pädagogische Arbeit, die dank des Theaterspiels als einer künstlerischen Ensembleleistung Selbsttätigkeit und Selbstbestimmung, sowie Kooperation und Solidarität ermöglicht.“ G. Mertens
Anhand dieser Bemerkung von Gitta Mertens setzte ich dann meine Ziele :
1. Im Bereich der pädagogischen Aspekten
- Schulung von Selbst- und Fremdwahrnehmung, von Körperwahrnehmung und Körperausdruck
- Ermöglichen von Differenzerfahrungen: Differenz der Wahrnehmung zwischen Selbst und Rolle/Figur
- Stärkung des Selbst- und Körperbewusstseins
- Hinterfragen des eigenen Konsumverhaltens
- Fordern und fördern vom selbstbestimmten, partizipativen Lernen
- Linguistische Förderung in einem Fremdsprachenbereich in dem Fall : Französisch
- Stärkung der sozialen Kompetenzen wie Kommunikations-, Kritik- und Reflektionsfähigkeit, Respekt, Toleranz und Solidarität der Gruppe gegenüber.
2. Im Bereich der ästhetischen Kompetenzen
- Initiieren künstlerischer Prozesse (Wahrnehmung, Reflektion, Handlung…)
- Erobern der künstlerischen und theatralischen Darstellungsmitteln
- Sich ständig aufs Neue ausprobieren können
- Hervorrufen von ästhetischen Provokationen
- Entwickeln und Realisieren von Bühnenbilderumsetzungen
3. Im Bereich der Dramaturgie und Regie
- Humor! Immer wieder komplexe, emotionale und dramatische Thematik auflockern
- Komplexe Zusammenhänge einfach aber fantasievoll darstellen
- Offener experimentierfreudiger Prozess, ohne das Ergebnis zu kennen
Vier Phasen haben letztendlich die Entwicklung unseres Projektes gegliedert: die Phase der Entdeckung ; die Phase der Identifizierung mit den Rollen und des handwerklichen Anpackens ; die Phase der Inszenierung und die Endphase.
Unsere Raum- Probenumstände werden höchst abenteuerlich!
Am Anfang finden unsere 1,5-stündigen Proben wöchentlich nach der Schule (außer in den Ferien) in der Turnhalle der Textorschule statt. Bald wird diese aber renoviert und wir ziehen nach den Osterferien 2007 in den langen aber nicht sehr breiten Kellerflur der Schule neben den Werkräumen… Für unsere Körperübungen ist es wirklich nicht confortable und geeignet aber nach einigen Versuchen bleibt uns da nichts anderes übrig!
I. Phase der Entdeckung
● Entdeckung der Gruppe
Die „Francbadours“ (im 2007: 3.-; 5.-; 7.-Klässler) sind alle ehemalige Schüler von mir an der Textorschule gewesen. In der Zeit der Gründung der Gruppe sind manche es noch, andere sind schon in der weiterführenden Carl-Schurz-Schule. Meistens kennen sich auf jeden Fall vom Sehen oder von altersgemischten Projektwochen an der Textorschule.
Wöchentliche körperliche Übungen und Improvisationen tragen für eine untereinander zunehmende Vertrautheit bei. Die Jüngeren profitieren von der gewissen Reife der Älteren, diese wieder rum von der ungeschminkten Spontaneität der Kleineren. Nach und nach wächst eine Verbundenheit. Für mich auch ist es ein relativ neues Terrain, eine altersgemischte Gruppe zu erleben.
● Entdeckung des Textes
a- die Themen
Erst kriegen die Kinder die deutsche Übersetzung (von Birgit Leib) des Textes Mange-moi, die sie zu Hause lesen sollen. Anschließend bekommen sie den originalen französischen Text von Nathalie Papin.
Über die verschiedenen Themen oder wiederkehrenden Terminologien im Lexik wird kollektiv auf deutsch diskutiert:
ab wann kann man von Übermaß reden? / eventuelle Ursachen? / häufigste Konsequenzen, die zu einem Teufelskreis führen:„Anders sein“ oder sich von der „Norme“ entfernen, ausgeschlossen werden… / wie kann man auf seinem Körper hören? (was einem gut/schlecht tut)
Von folgenden Bereiche wie Konsum/Begierde - essen/fressen - Bulimie/Magersucht - Übermaß untersuchen wir, welche Organe betroffenen sind, welche Gefühle dabei entstehen, welche dargestellte Haltungen dazu passend wären. Da arbeiten wir körperlich und experimentieren.
b- die Figuren
Diese schwierigen Themen werden im Text von den verschiedenen Figuren zwischen Realität und Fantasie getragen.
Es geht darum, dass die „Francbadours“ mit ihnen vertraut werden und auch eine visuelle Vorstellung davon bekommen.
Nach gemeinsamen Diskussionen forschen wir körperlich nach einer passenden Haltung, einem Gang, einem Geräusch, einer „Macke“ für jede Figur.
Die Figuren der Realität :
- Alia und ihre Einsamkeit
- die Kinder und ihre kollektive Struktur/Stärke dagegen
Die Figuren der Märchenwelt :
- der Oger, eine typische französische Märchenfigur, ein Riese, der die Kinder frisst. Wir suchen nach Märchen mit Oger. Wir entdecken das weibliche Pendant aus Russland : die „Babayaga“
- der Vogel, Wissenschaftler, der die Gefahr nennt, in der der Oger sich befindet
alle „Fressenden“, bei den Alia Hilfe sucht, um den Oger zu retten :
- der Gedächtnisfresser
- die Zeitschluckerin
- das Männchen
- die Bücherschluckerin
Wir untersuchen die Verbindungen zwischen all diesen Figuren.
● Erforschung der Bühnenumsetzungen
a- die Inhaltsräumlichkeiten
Die Realitätswelt :
Unsere inneren Bilder treffen sich, werden konfrontiert und diskutiert. So entstehen die Entscheidungen für einen Gerüst, eine Sitzbank, die Horizontlinie (die vom Oger gefressen wird) auf einer Wand, eine Stoffumsetzung, um Stadt/China/Wüste zu symbolisieren.
Wir arbeiten an die zeichnerische Reduzierung einer Horizontlinie, einer Stadt und der chinesischen Mauer.
Für das Gerüst brauchen wir handwerkliche Unterstützung… wir treffen Vlado Felgar (Handwerkslehrer an der Hauptschule) und 5 Schüler von ihm.
Das Gespräch ist erstmal „herantastend“ zwischen allen aber letztendlich sehr fruchtbar, die Werkräume von unseren Schulen liegen nebeneinander… also sehr praktisch… Die Zusammenarbeit fängt an!
Die Fantasiewelt :
Der Oger soll auf Stelzen laufen… wir treffen den Künstler Panturio (Deutschland), der uns Stelzen vermietet und alle einführt! Das Vertrauen muss noch wachsen und es muss geübt werden, damit wir überzeugt sind, dass der Oger tatsächlich auf Stelzen laufen wird…
Die Vorstellung eines großen Gerippes als Darstellung des Bauchs vom Oger und eines umgebauten Fahrrads für die Zeitschluckerin werden langsam präziser.
b- die Kostüme der Figuren
Ab da finden unsere Gespräche hauptsächlich auf Französisch statt!
Wir suchen für jede Figur eine Hauptfarbe vom Kostüm.
Der Oger wird „fleischrot“, Alia auch in rötlichen Töne, der Vogel „grün“, der Gedächtnisfresser „grau-grünlich“ wie das schimmelige Gedächtnis, die Zeitschluckerin „gold“ wie die Zeit, das Männchen „lachsrosa“, die Bücherschluckerin “braun-weiß“…
Wir zeichnen die Formen der Kostüme.
c- eine Klangatmosphäre
Im Herbst 2006 entdecke ich die Musik von Darko Rundek (Kroatien-Frankreich) durch sein Album Ruke. Im Februar 2007 tritt er mit seiner Gruppe Cargo Orkestar in der Brotfabrik in Frankfurt auf. Ich forsche nach, weil die musikalische Atmosphäre, seine Texte (kroatisch, französisch, englisch, spanisch) mich sehr ansprechen und bewegen. Ich erfahre zufällig bei Interviews, dass er in Paris lebt und da für Theater Musik komponiert. Ich wage mich ihn zu fragen, ob er die Klangatmosphäre für unser Stück komponieren könnte. Er akzeptiert. Einmal im Januar und einmal im März 2008 wird er aus Paris zu Proben kommen, um die Dynamik der Gruppe zu spüren und einige Stimm- Klangexperimente mit den Kindern zu machen.
Dies ist auch die Zeit, wo wir uns am intensivsten austauschen werden.
Für eine Videoinstallation frage ich Anatoli Skatchkov (Russland-Deutschland). Da er in dem Viertel von der Schule mit seiner Familie lebt, kommt er auch ab und zu zu Proben.
Ab dem Moment wird es mir klar, dass unser finanzielles Budget viel zu mager ist. Ich bereite eine Unterlage vor, wende mich an das Kulturamt Frankfurt, an das Institut Français, suche nach Sponsoren…, und wir werden glücklicherweise unterstützt!
d- die Entwicklung einer „Introduction“ mit Schwarzlicht
Als wir bezüglich der Themen Bulimie/Magersucht über die betroffenen Organe geredet haben, ist mir das innere Bild einer Reduzierung des Themas gekommen : ein Moment auf der Bühne, wo man nur z. B. Münder, Augen, Hände sehen würde… Dafür scheint mir dann „Schwarzlicht“ die optimale Technik für diese visuelle Zusammenfassung.
Inspiriert von dem italienischen Künstler Mario Mariotti, experimentiere ich mit der Gruppe. Wir arbeiten an Handübungen. Die Idee, das ursprüngliche innere Bild wird klarer. Dazu kommen in unsere Fantasie ein Stück Darm, eine Schlange/einen Elefant, die zum berühmten „Hut“ vom „Kleinen Prinz“ führen sollten, durch das Verschlingen/Verschlungen werden…!
Wir prüfen, was bei Schwarzlichtneon an Material/Farben leuchtet, was nicht…
Wir entwickeln eine Reihe von kleinen Sequenzen über das Thema : Verschlingen/Verschlungen werden.
Wir entschließen uns, dass diese visuelle Zusammenfassung vor dem Stück so zusagen als Introduction gezeigt werden könnte. Eine Art Stückankündigung.
II. Phase der Identifizierung mit den Rollen und des handwerklichen Anpackens
Die Kinder überlegen sich, mit welcher Figur sie sich am besten identifizieren können. In welche sie gerne reinschlüpfen würden. Ich teile denen auch meine Vorstellungen diesbezüglich mit.
● Verdoppelung einiger Figuren
a- Alia / der Oger
Wir stellen die enorme Menge des Textes fest, der dem Ogre oder Alia zugeteilt ist… Ich persönlich empfinde noch den Ogre als EINS und genauso Alia…
Die Kinder kommen aber sofort auf die Idee : Alia kann doch von mehreren Mädchen von uns gespielt werden!
Ich : Wie? Alia ist EINS!
Die Kinder : Es kann so eine Alia sein, oder so eine andere Alia sein…
Erstmal verlasse ich mich auf diesen Vorschlag von den Kindern, ohne die Vorstellung in mir richtig zu spüren!... Am nächsten Tag wird es mir immer klarer, was sie damit meinen. Ich setzte mich hin und suche die Stellen im Text, wo man in dem „Charakter Alia“ Wandlungen spüren kann, suche „Schnitten“ , die die Facetten von ihr unterstreichen könnten.
So entsteht, dass 5 Mädchen die Rolle übernehmen werden. Manche mehrmals, manche nur einmal.
Die Zuschauer werden auch von der Inszenierung her ganz konkret die „Übergabe“ von einer Alia zu der anderen mitkriegen.
Der Oger steht schnell fest, nur ein Kind möchte ihn spielen, es will auch unbedingt das „Stelzenlaufen“ lernen!
b- Der Vogel
Die schnellen gehackten Bewegungen eines Vogels manchmal mit 180° Unterschied lassen mich schon beim Lesen einen zweiköpfigen Vogel sehen. Zwei Brüder sehen sich drin!
c- Das Männchen
Die Verdoppelung ist für diese Figur eher vom Text entstanden. Ein Männchen, das mit seinen Augen frisst! Mit dem großen und mit dem kleinen. Zwei runde Hälften Rücken am Rücken…
● In die Figur schlüpfen
Die Kinder diskutieren, tauschen sich über die Rollen aus und entscheiden sich.
Es stellt sich erstmal heraus, dass keiner so begeistert ist, die „erste“ Alia zu spielen. Sie stopft sich am Anfang voll mit Essen und wird gehänselt… nicht sehr attraktiv anscheinend, schwer auch… Einige Kinder puschen das sportivste Mädchen der Gruppe - auch ein wenig frech(!) -, diese erste Alia zu übernehmen, ich unterstütze es!
Wenn alle Rollen besetzt sind, beschäftigt sich jedes Kind (manchmal zu zweit) mit seiner Figur, probiert, vertieft, reduziert, übertreibt, unterstreicht die Haltung, den Gang, die eine Bewegungsmacke von ihr… findet eine Stimmenhöhe, eine Aussprache, einen Rhythmus, die speziell für DIE Figur sein werden.
Jeder präsentiert seine Vorstellung und wir ergänzen, experimentieren… und doch bis zum Ende wird jede Figur noch sich entwickeln!
Die Zeitschluckerin z. B. ist sehr sehr spät geboren… so wie sie jetzt als alte goldene Dame gespielt wird!
Ab dann wird der Text zu Hause auswendig gelernt!
● Erkundung und Feststellung der Bühnenräumlichkeit und Bühnenbildern
Szene für Szene untersuchen wir, wie der Raum aussehen könnte.
a- Was der Unterschied zwischen der Realitätswelt und der Fantasiewelt macht
Wo und wie es umkippt: So ist mit der Hilfe vom Künstler Frank Leske die Idee entstanden, dass die Sitzbank von Alia durch einen Stoß umkippt! Gleichzeitig stellt es auch dar, wie „heikel“ die Struktur des „einsam sein“ oft ist.
Die Bank wird auch von ihm und einigen Kindern gebaut.
b- Das Gerüst
Dagegen soll das Gerüst sehr stabil sein. (Auch aus Sicherheitsgründen!) Einige Kinder… die, die Alia hänseln werden, turnen drauf und damit ihre wahnsinnige Beweglichkeit im Gegensatz zu ihrer darstellen. Da oben sind sie auch für sie unerreichbar.
Wir entscheiden uns mit Vlado Felgar für ein Dreieckgerüst. Seine 5 Jungs konzipieren und bauen es unter seiner Leitung.
c- Die „gefressene“ Horizontlinie und der abnehmende Mond
Lang war ich auf der Suche einer Videotechnik, die so wie bei La linea von Cavandoli uns den Effekt simpel ermöglichen könnte… habe selber sehr viel probiert, gefragt, experimentiert, bis ich mich fürs „Technische“ entschieden habe: eine schwarze Wand mit ein paar Nageln, darauf läuft ein großes weißes Seil, gezogen von dem Oger an einer Seite. Wir probieren zusammen und irgendwann klappt es. Nachteil : die Wand nimmt Platz beim Transport!
Sie wird von einigen von uns mit der Hilfe von Frank Leske gebaut und gestrichen.
Was für eine Landschaft die Horizontlinie darstellt, improvisieren die Kinder selber.
Der Mond, der hauptsächlich abnimmt aber auch manchmal zunimmt wird auch „technisch“ als Buch gebastelt, dran gehängt und geblättert. Einmal wird er mit einem so genannten Gobo-Scheinwerfer dargestellt.
d- Die Stoffumsetzung von der Stadt, von China und von der Wüste
Wir haben schon unsere Stilisierung von der Stadt, ein Stück davon soll sogar - laut Kindersage - Frankfurt/Main mit den Wolkenkratzer darstellen… Die Stadt wird auch mit weißer Linie stilisiert: weißer Klebeband auf einem breiten schwarzen Stoffvorhang.
China wird mit der chinesischen Mauer (schwarze Linie) stilisiert: schwarzer Klebeband auf einem breiten roten Stoff.
Die Wüste sind einige zusammengenähte Stoffbänder unterschiedlicher Farben.
e- Das große Gerippe
Es gibt Stellen in dem Stück, wo sich Alia in dem Bauch von dem Oger befindet. Eine Möglichkeit war ein großes Gerippe zu bauen, in dem sie sein könnte, so als wie unter der Lupe vom Zuschauer betrachtet!
Mit Hasendraht, dickem Papier und Gipsbänder, basteln einige Kinder es mit mir.
Ein leichter durchsichtiger rosa Stoff wird von mir noch dran genäht…, um das „fleischige“ anzudeuten.
f- Das große Auge vom Männchen
Das Männchen soll von 2 Kindern gespielt werden, die im gleichen Stoffstück Rücken am Rücken sich bewegen werden. Auf dem Bauch eines davon sollte ein großes Auge sein, auf der Stirn des anderen Kindes ein kleines Auge.
Das große Auge wird auch „technisch“ mit Hasendraht und Papp mâché gebastelt und danach gemahlt. Auf der Pupille wird eine kleine Lampe fixiert, die mit einem „drauf klicken“ an und ausgehen kann. Dies bastelt eine Gruppe von Kindern. Das Lid wird beweglich und aus einem Stück Stoff dran genäht.
Das kleine Auge ist eine einfache Stirnlampe!
g- Das goldenen Fahrrad der Zeitschluckerin
Als es klar wurde, dass diese Figur alt wie die Zeit ist, haben wir uns überlegt, ein Art Dreirad vom normalen Rad umbauen zu lassen. Die 5 Hauptschüler von Vlado Felgar machen sich weiter an die Arbeit und schweißen noch einiges dran, dass wir Uhren, Wecker… aufhängen können.
h- Für die Intro
Das Stück Darm wird als Lampe bei IKEA „zufällig“ gefunden. Der „Hut“ (Stilisierung vom „Kleinen Prinz“), der Elefant und die Buchstaben vom Titel des Theaterstückes werden gebastelt.
III. Phase der Inszenierung
● Entstehung zusätzlicher Figuren
a- Kleine Landschaftszwerge
Wir merken, dass unsere „technische Landschaft“, um lebendig zu werden, kleine Landschaftstechniker oder „Landschaftszwerge“ brauchen! Wir entscheiden uns für 4, die die Horizontlinie schelmisch und fantasievoll installieren werden, den Mond ab- oder zunehmen lassen werden, die Stoff-Wüste in Bewegung bringen werden…
b- Die Passanten in der 5. Szene
In dieser Szene begegnet Alia dem Gedächtnisfresser, der einen Monolog führt. Damit das was er erzählt visueller wird, lassen wir 3 Passanten (ein Kind allein kickend mit Fußball /eine „chicki micki“ – Frau / ein Opa) an ihn vorbei laufen. Von all den wird er auch tatsächlich das Gedächtnis „fressen“…
● Aussprache des Textes
Jede Figur hat seine Tonlage, sein Volumen, seinen Rhythmus beim Aussprechen.
Jeweils mit einem Satz vom Text versuchen die Kinder erstmal kollektiv. Danach ist jeder mit seinem eigenen Text beschäftigt und nur die ständige Übung hilft.
Wenn ein Kind zu schnell redet, arbeitet es mit Hilfe eines anderen mit Uhr, wird chronometrisiert (muss z. B. die Zeit, in der er redet verdoppeln!)
● Die“ Laufbahnen“ auf der Bühne
Eine Bühne ist nicht nur eine „Laufbahn“ von rechts nach links oder links nach rechts… Das Ziel ist, die Kinder dazu zu bringen, eine Wahrnehmung vom ganzen Raum zu bekommen, die sie zu Verfügung haben.
Wie läuft meine Figur? Investiert sie den ganzen Raum? Bewegt sie sich? Wie ? Mit Schritte? Sind ihre Schritte groß, klein, gehackt, ruhig, regelmäßig?...
● Der Text und die Bewegung : ein Mit- oder Gegeneinander
Text und Bewegungen sind nicht getrennt auf der Bühne. Entweder bewegt sich die Figur MIT dem Text oder GEGEN den Text, je nachdem…
Für die Kinder ist es erstmal so was sehr abstrakt zu begreifen.
Ich habe das Beispiel von einem Tänzer gegeben: ein Tänzer kann MIT der Musik tanzen, kann aber auch DAGEGEN tanzen! Die Musik ist so zu sagen sein Text. Für sie war es erstmal überraschend, dass ein Tänzer überhaupt „gegen“ die Musik tanzen kann!
Wir haben es probiert und danach schien die Verbindung zwischen Text und Bewegung klarer zu sein. Eine Bewegung kann den Text unterstreichen… aber nicht immer. Für mich bleibt das Ziel, den Kindern klar zu machen, dass ihre Bewegungen dem Text den echten Rhythmus, die Komas, die Punkten geben, weil da ihr ganzer Körper, ihre Lunge im Einsatz sind.
● Nicht allein spielen
Noch mehr als „nicht allein spielen“ würde ich sagen : nicht allein „SEIN“ !
Ein Butohtanz-Meister sagte uns mal bei einem Workshop: „Don’t PLAY the chicken, BE the chicken!“
Das werde ich nie vergessen!
Also in die Figur/Rolle reinschlüpfen heisst für einen Moment die Figur/Rolle sein! Ja und doch noch Ohren, Augen… Sinnen für die anderen auf der Bühne haben und wach halten… vielleicht könnten die ja uns inspirieren! Es ist aber immer wieder eine Herausforderung für die Kinder, dem Spiel des anderen „zu zuhören“!
IV. Endphase mit Aufführungen
● Proben mit unseren Requisiten
Unser Gerüst wird in dem Werkraum von der Hauptschule eingeweiht! Alle freuen sich und turnen schon darauf unter der amüsierten Beobachtung der 5 Jungs von Vlado Felgar!
Jetzt brauchen wir mehr als einen Flur zum Proben! In den Weihnachtsferien 2007 wurde es mir ganz schön mulmig… Einen geeigneten Probenraum in Frankfurt zu finden ist unheimlich schwer! Am ersten Schultag im Januar 2008 stehe ich früh morgen vorm Büro des Rektors von der Carl-Schurz-Schule (Gymnasium), wo einige der 18 „Francbadours“ schon gehen. Ich bitte um die Aula und das Erlaubnis unsere Requisiten (Gerüst, Wand usw. ) da bis zu den April-Aufführungen im ITF lassen zu dürfen!
Unser Glück : es klappt!
Komponieren müssen wir noch mit den Hausmeistern!!...
An einigen Wochenenden kriegen wir die Genehmigung samstags proben zu dürfen.
Da sind wir in kleineren Gruppen und gehen Szene für Szene durch.
● Anprobe der Kostüme
Es ist ein Genuss, die Kinder bei den Anproben zu erleben, ihre Freude und ihre schelmische Art zu beobachten: „durch den Stoff“ wagen sie sich mit der Rolle zu übertreiben! Die Näherinnen haben es nicht so einfach, die ruhig zu halten!
● Technikabsprache mit dem Internationalen Theater Frankfurt
Ab Januar 2008 versuche ich mit dem Techniker des internationalen Theaters Frankfurt einiges zu klären. Wir treffen uns dreimal, ich beschreibe meine Bühnenbilder, stelle meine Wünsche dar und auch Fragen, um was nach seiner Meinung nicht technisch machbar ist, durch andere Lösungen machbar lassen zu werden!
Parallel, bitte ich wegen des unwiderlegbaren Aufwandes Herrn Jan Mayer, den Chef, um 2 Generalproben… Er bleibt zäh, lehnt es ab und behauptet, dass eine Generalprobe reichen sollte… Da verlange ich aber einen „Puffertag“ zwischen der Generalprobe und der 1. Aufführung.
● Flyer und Werbung
Gezeichnet, geschrieben, gedruckt, geworben wird es auch fleißig von uns allen!
● Die Generalprobe
Wie ich es geahnt hatte, reicht die eine Generalprobe nicht. Die Kinder sind bereit aber ein Teil von der Technik konnte nur an dem Tag installiert und ausprobiert werden. Fazit: es ist eine Katastrophe, die Zeit, die uns zugeteilt ist, reicht nicht! Wir kämpfen um eine zweite Generalprobe am nächsten Tag…
● Die 2 Aufführungen im I.T.F. am 12. und 13. April 2008
Trotz Skepsis vom Theaterchef, den Saal mit einem französischen Stück und noch dazu von Jugendlichen gespielt (!) zu füllen, bleiben an beiden Tagen 20 bis 30 Personen draußen! Der Saal ist Rappel voll!
Bei der 2. Aufführung läuft die Technik sogar gut und jeder von uns genießt endlich die Früchte dieser Arbeit! Ich kann es bei dem Spiel der Kinder spüren.
Anschließend äußert Herr Mayer seine Begeisterung, seine Überraschung und seinen Wunsch, das Stück noch mal auf seiner Bühne zu zeigen!
Was das Publikum uns direkt danach zeigt, mir für Rückmeldungen mündlich und schriftlich mitteilt, ist glaube ich die beste Belohnung!
● die Entscheidung „on Tour“ zu gehen
Im Sommer nach der 1. Euphorie bleibt mir noch eins sehr wichtig !… Nämlich zu wissen, was Nathalie Papin die Schriftstellerin, die leider bei der Premiere nicht da sein konnte, zu der DVD sagen wird. Ihr Brief bestätigt mich, das Stück weiterzuzeigen -woanders- und noch zu versuchen, sie im 2009 dabei erleben zu dürfen!
So die Entscheidung noch mal im 2009 in Frankfurt zu spielen und Berlin und Brüssel anzufragen.