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Das Cover des Buches mit der Serviette
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Laura Klatt, Peter Gutsche und Karim Gharbi in München
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Der ehemalige Asylbewerber Myo Min Htet spricht über Grenzerfahrungen.
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Wenn ich mich erinnere...: Negin Waghari bei der Buchpremiere
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Gewichtig: Frau Karabelen leiht ihrem Sohn Fatih ihre Stimme.
EKG - EssenerKulturGespräch
Schule:
Erich Kästner-Gesamtschule
Pinxtenweg 6 - 8
45276 Essen
Tel.: 0201/860 696 30
Fax: 0201/860 696 31
www.ekg-essen.de/EKG/

Gesamtschule / Gebundener Ganztag
 
Kooperationspartner:
Wir haben ein ganzes Netzwerk von Kooperationspartnern, das je nach Bedarf eingesetzt werden kann. Zu ihm gehören neben unserem Förderverein kleinere und größere Unternehmen in unserem Einzugsgebiet, Verlage, die Lesereisen für Autoren organisieren, örtliche Veranstalter, mit denen wir zusammenarbeiten, Institutionen und Vereinigungen, die Projekte anbieten oder Fördergelder vergeben, aber auch Kolleginnen und Kollegen, die schon mal einen Übernachtungsgast aufnehmen oder Übersetzerdienste leisten. Zu ihm gehören nicht zuletzt unsere Schülerinnen und Schüler mit ihren Eltern, die jährlich einen "Kultur-Euro" zahlen, um unsere Arbeit zu unterstützen. Bei dem Buchprojekt "Gewichtsprobleme?" sind es vor allem der Leiter vom Geest-Verlag Alfred Büngen ( Lange Straße 41 A, 49377 Vechta, Tel.: 04447/856580, www.geest-verlag.de),

Cary O. Leibowitz (ein New Yorker Künstler), die Bundeszentrale für Politische Bildung (Adenauerallee 86, 53113 Bonn), ProAsyl/Flüchtlingsrat Essen (Maxstraße 11, 45127 Essen, www.proasylessen.de), das Aktionsbündnis Gesicht Zeigen. Für ein weltoffenes Deutschland (Koppenstraße 93, 10243 Berlin, Tel.: 030/30308080, www.gesichtzeigen.de) und die Weiße Rose Stiftung (Ludwig-Maximilians-Universität, Geschwister-Scholl-Platz 1, 80539 München, Tel.: 089/21805678,, www.weisse-rose-stiftung.de).
 
Beteiligte Schüler:

An dem EssenerKulturGespräch sind grundsätzlich alle 1200 Schülerinnen und Schüler der Schule beteiligt je nach Maßgabe der Lehrenden und deren unterrichtlichen Ansätzen. Bei dem Projekt "Gewichtsprobleme?" ist es zunächst ein 11er Grundkurs Philosophie gewesen, der sich aber dann für andere Schülerinnen und Schüler in der Jahrgangsstufe geöffnet hat, so dass insgesamt 31 Schülerinnen und Schüler mitgeschrieben haben. Mit einbinden ließen sich aber darüber hinaus noch viele andere Kinder und Jugendliche der Schule, die mit ihren Klassen/Kursen die Ausstellung zur Geschichte der Weißen Rose der Geschwister Scholl Stiftung besuchten und so den gegebenen Impuls für sich nutzten. Auch bei der Buchpremiere und den anderen Veranstaltungen, die nach der Buchpremiere stattfanden, haben sich immer wieder andere mit eingebracht.
 
Beteiligte Lehrkräfte:
Die Zahl der am EssenerKulturGespräch beteiligten Lehrkräfte lässt sich inzwischen nicht mehr ermessen. Es ist mit Sicherheit weit mehr als die Hälfte des Kollegiums, die sich bei den Einzelprojekten direkt und/oder indirekt mit eingebracht hat. Projektleiter bei dem exemplarisch ausgewählten Buchprojekt "Gewichtsprobleme?" ist Peter Gutsche. Er unterrichtet die Fächer Philosophie und Deutsch in der Sek.I und II.
 
Stundenvolumen:
Das "EssenerKulturGespräch" wurde im Jahr 2000 gegründet und ist als solches kein abgeschlossenes Projekt. Es wird fortgeführt, solange die Beteiligten dies wünschen. Jedes Jahr finden inzwischen etwa 10 bis 15 größere und kleinere Projekte statt, die aus diesem Impuls heraus leben. Der Zeitaufwand ist unterschiedlich. Es gibt Einzelprojekte, für die eine Doppelstunde anzusetzen ist, andere werden auf ein halbes Jahr und mehr hin angelegt. So auch bei dem Buchprojekt "Gewichtsprobleme?". Die konkrete Schreibphase mit der gemeinsamen Redaktion der Texte umfasste ca. 40 Unterrichtsstunden (März bis September 2008, immer wieder unterbrochen durch die Ferien). Dazu kommen "Signal-Stunden" wie die Eröffnung der Internationalen Woche gegen Rassismus, der Besuch von Mitarbeitern von ProAsyl Essen sowie die Eröffnung der Ausstellung der Weißen Rose.
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Der Name selbst verdeutlicht bereits, um was es uns, der Erich Kästner-Gesamtschule in Essen, bei dem "EssenerKulturGespräch" geht: Zum einen verweist er auf das Anliegen der Schule, als Gesamtschule allen unseren Schülerinnen und Schülern die Chance zu geben, ihre Begabungen zu entdecken und zu entwickeln und - ungeachtet ihrer sozialen Herkunft - ihre Leistungsmöglichkeiten auszuschöpfen. Zum anderen enthält er den Anspruch Erich Kästners, Kinder und Jugendliche zu verantwortlichen, selbstbewussten Menschen zu erziehen, die in unserer Gesellschaft für Demokratie, freie Selbstbestimmung und ein friedliches Zusammenleben eintreten. Und schließlich zeigt er an, dass diese Reihe dem kulturellen Leben der Stadt Essen Impulse geben und damit auch über den Schulrahmen hinaus wirken möchte. Regelmäßig finden an unserer Schule Lesungen, Werkstattgespräche, Diskussionsveranstaltungen, Ausstellungen, Theateraufführungen und andere Projekte statt, wobei immer wieder literarische Projekte Impuls gebend sind. Sie erwachsen grundsätzlich aus dem Unterricht und führen wieder in ihn zurück. Sie sind Teil des unterrichtlichen Geschehens und nicht bloße Anhängsel, die sich leicht konsumieren lassen. Auf diese Weise wollen wir den Schülerinnen und Schülern Möglichkeiten der Teilhabe am kulturellen Leben eröffnen. Sie sollen kulturelle Erfahrungen sammeln und auf diesem Wege lernen, sich kritisch und zugleich konstruktiv mit ihrer Gesellschaft, ihrer Kultur und dem Umfeld, in dem sie wohnen, auseinander zu setzen. Sie sollen auf den unterschiedlichsten Ebenen ihre kreativen Fähigkeiten erproben und ihre Phantasie weiterentwickeln. Dadurch wollen wir einen Beitrag dazu leisten, dass sich die Jugendlichen zu sozialen und zu sozialer Verantwortung fähigen Menschen entwickeln. Das Buchprojekt "Gewichtsprobleme?" entspricht dieser Zielsetzung in besonderer Weise, setzt aber dabei auch eigene Akzente, weil es sehr weit in den Alltag der Schule ausstrahlt. Worum es dabei geht und wofür es konkret steht, belegt die Publikation, mit der es einen vorläufigen Abschluss gefunden hat: (Hg.) Leo van Treeck: Gewichtsprobleme? SELBSTaussagen zum RASSISMUS, Idee und Durchführung Peter Gutsche, Vechta 2008, ISBN 978-3-86685-156-6, 12 Euro.
 
Projektauslöser/Idee:
Projektauslösende Idee für das EssenerKulturGespräch war die Einsicht, dass Leistung und Persönlichkeitsentwicklung eng zusammengehören, dass diese, wenn man von dem jeweiligen sozialen Umfeld ausgeht, einander sogar bedingen. Das haben ja die Internationalen PISA-Studien und andere Untersuchungen immer wieder wissenschaftlich belegt und gehört bei uns zu dem, was wir tagtäglich im Umgang mit unseren Schülerinnen und Schülern erfahren. Wir wollten nicht mehr auf die international immer wieder angemahnten Verbesserungen unserer Arbeitsbedingungen warten. Wir wollten uns auf den Weg machen, um zumindest das anzugehen, was in dem eng gesteckten schulischen Rahmen möglich ist. Schließlich tragen wir unseren Schülerinnen und Schülern gegenüber Verantwortung. Sie erwarten von uns, dass wir sie vorwärtsbringen. Um das zu erreichen, verfolgen wir vier Leitlinien:
1. Wir streben eine methodische Neuausrichtung des Unterrichts an hin zu einer Projektorientierung, die einer stupiden unterrichtlichen "Fließbandarbeit" von Stunde zu Stunde entgegenwirkt.
2. Viele Kinder und Jugendliche stammen aus einem Umfeld, das von den sozialen Umständen her eher als kulturfern eingestuft wird. Es besteht daher die Notwendigkeit, Räume für kulturelle Begegnungen zu schaffen, damit sie den Umgang mit Kultur einüben können.
3. Viele kulturelle Erfahrungen gerade unserer Schülerinnen und Schüler aus Migrantenfamilien finden in Schule unterrichtlich keine Beachtung, obwohl diese sie prägen und wesentlichen Anteil an ihrer Identitätsbildung haben. Wir möchten diesen Erfahrungen im Rahmen des Möglichen Raum geben, damit die Jugendlichen sie einbringen und zu dem schulisch Geforderten in Beziehung setzen können.
4. Wir sind grundsätzlich gefordert, jeglichen Unterrichtsausfall zu vermeiden. Mit unserem Projekt wollen wir daher so viel Kultur wie möglich "in unsere Schule tragen" und nachhaltig arbeiten- ein Grund, warum unser Projekt "auf Dauer hin" angelegt ist.
Das exemplarisch ausgewählte Buchprojekt "Gewichtsprobleme?" fügt sich hier nahtlos mit seinem eigenen Anspruch ein.
 
Projektentwicklung:
Gestartet haben wir das "EssenerKulturGespräch" im Jahr 2000 mit einer einfachen Lesung im 11. Jahrgang. Die Schülerinnen und Schüler eines Leistungskurses Deutsch setzten sich mit dem Thema Kinder- und Jugendliteratur auseinander und luden deshalb gezielt die bekannte Jugendbuchautorin Kristina Dunker (Dortmund) ein, um sie zu hören und mit ihr über ihr Werk und ihr Schreiben zu sprechen. Es folgten zwei Zeitzeugenprojekte mit Auschwitzüberlebenden, die ihre Erinnerungen in Buchform präsentierten: Zdenka Fantlova: "In der Ruhe liegt die Kraft", sagte mein Vater (Bonn 1999) und Anita Lasker-Walfisch: Ihr sollt die Wahrheit erben (Bonn 1997). Dann kam Denis Goldberg zu uns, einziger weißer Mithäftling von Nelson Mandela, der mit ihm im Rivonia-Prozess zu lebenslanger Jaft verurteilt worden war, um dessen Autobiographie Der lange Weg zur Freiheit vorzustellen (Frankfurt/Main 1994). Sehr schnell gab es mit "Klamms Krieg" vom Dresdner Schauspielhaus und "Ika Terminator" von A.I.P.O.(African International Performing-arts Organization) auch erste professionelle Theateraufführungen, die bewegten, und schon bald ließen sich die Kolleginnen und Kollegen mit einbinden, die gesellschaftswissenschaftliche und sogar naturwissenschaftliche Fächer unterrichten. Ein Höhepunkt war sicherlich die Ausstellung "Mathematik zum Anfassen", die im Jahre 2004 drei Wochen lang den Unterricht begleitete. Auch die Tatsache, dass die Schule im Jahre 2002 "Schule ohne Rassismus" geworden ist, ist in diesem Zusammenhang zu sehen, ein Impulsgeber für so viele Unterrichtsprojekte. Zu einem roten Band sind jedoch von Anfang an die literarischen Projekte geworden: etwa die jährlichen "Autorenlesungen im Dreierpack" (jeweils drei Jugendbuchautoren kommen) mit Projekttagen zum freien Schreiben im 6. Jahrgang, die regelmäßigen Besuche von Lutz van Dijck in der gymnasialen Oberstufe oder die Buchprojekte mit dem Geest-Verlag innerhalb und außerhalb der Schule, an denen in jedem Jahr viele unserer Schülerinnen und Schüler beteiligt sind (in letzter Zeit vor allem die Essener Anthologien "Fremd und doch daheim?!" 2005, "Dann kam ein neuer Morgen" 2006, "Heute ist Zeit für deine Träume" 2007, "Pfade ins Revier - Pfade im Revier" 2008). Sie tragen das EssenerKulturGespräch. Dass dieses Projekt auch die Anerkennung der Elternschaft findet und schon lange zum Schulprogramm gehört, versteht sich von selbst. Einen neuen Höhepunkt bildet nun das Buchprojekt, das Peter Gutsche mit seinem Philosophiekurs entwickelt hat. In seinem Mittelpunkt steht eine Serviette, ein Multiple des New Yorker Künstlers Cary O. Leibowitz, mit dem spiralförmig aufgedruckten Satz: "Zweierlei muss ich für den Rest meines Lebens im Auge behalten: mein Gewicht und meinen Rassismus." Was es damit auf sich hat, darüber berichtet Peter Gutsche selbst:
"Eine einfache Serviette nun zum Anlass zu nehmen, sich bewusst danach zu fragen, was
Menschen allesamt sich vor Augen führen müssen, um tatsächlich aufgeklärt sich und
anderen ihre Position innerhalb einer Gesellschaft zuzuerkennen, mag auf den ersten Blick
verwundern; zumal die „Serviette“ nichts anderes sein will als das, was sie ist: Eine einfache,
maschinell vervielfältigte Serviette. Verfolgt man den spiralförmig und scheinbar handschriftlich aufgebrachten Satz, der sich bis zum Begriff des Rassismus nach innen windet, so ist man längst Teil der durch Cary S. Leibowitz entwickelten Idee der Selbstspiegelung und der vorbehaltlosen Selbstbefragung. Obgleich der Satz weniger als sprachliche Abfolge denn als Grafik erscheint (in Orientierung an Joseph Beuys, wonach jedes Schreiben Zeichnen sei), identifiziert sich der Leser formal wie inhaltlich mit dem angesprochenen „Ich“ und verfolgt somit den oftmals nicht bewusst wahrgenommenen Ursprung eigener Rassismen und Intoleranzen zurück. Diese erwischen ihn genau da, wo er sie nicht vermutet hätte: Das eigene Ich und noch viel mehr der eigene Mund stehen im Zentrum dieser Arbeit.
Gleich zweimal stolpert man in dieses sich so beiläufig gebende Multiple: Erst stolpert man
über die Frage nach dem eigenen Gewicht, dann stolpert man über die Frage nach dem
eigenen Rassismus. Das, was die „Serviette“ einfordert, zweierlei im Auge behalten zu wollen, erfüllt sich im durch die Spirale provozierten Entschlüsseln der Arbeit.
Genau diesen Ansatz einer selbstkritischen Spiegelung soll ein Projekt, das die „Serviette“
zum Anlass für Reflexionen und Aktivitäten hinsichtlich politischer Bildungsarbeit nimmt,
einbringen:
Die notwendige Frage nach jedem von uns, der wir als Schüler wie als Lehrer anerkennen
müssen (und zwar für den „Rest [unseres] Lebens“), dass wir nicht selten den eigenen
„Rassismus“ nicht mehr im Auge behalten haben.
Es handelt sich also um eine Serviette, die weniger den Mund reinigt, als die Augen öffnet."
Und was sagen die Schülerinnen und Schüler dazu? Hier sind vier Antworten:
1. Jousef Rezek (Schulsprecher): "Man konnte bei diesem Projekt seine Erfahrungen an andere Menschen weitergeben, damit sie wissen, was es für Schicksale gibt. Es gab nur positives Featback. Besonders schön war es für mich zu erleben, dass Prominente mit uns gemeinsam den Rassismus bekämpfen."
2. Negin Waghari: "Ich fand das Projekt gut. Man konnte über seine Vergangenheit schreiben. Leute erkennen, was sie für Vorurteile über Ausländer haben. Es nimmt einen mit, sich zu erinnern, was passiert ist, es macht traurig. Aber ich habe die Hoffnung, dass es jetzt besser wird.
3. Emrullah Üzeyiroglu: Ich fühle mich gestärkt. Die Last wird weniger, wenn man es auf Papier bringt. Diejenigen, die es lesen, fragen nach. Das ist das Schöne. Vielleicht hilft das Buch, dass sich Menschen ändern.
4. Daniel Pillath: Das Projekt hat eine Menge gebracht. Leute, die denken, dass sie keine Vorurteile haben, stellen fest, dass dem nicht so ist. Man kann besser gegen die Vorurteile angehen. Wir sind froh, dass wir das zustande gebracht haben.
 
Besonderheiten:
Natürlich gibt es kein Schema, wie das EssenerKulturGespräch arbeitet. Dazu sind die Projekte zu unterschiedlich. Vielmehr entscheidet jeder Projektleiter selbst, was für seine Lerngruppe richtig ist und wie er seine konkreten unterrichtlichen Ziele erreichen möchte. Dazu gehört, dass er während der Projektphase immer wieder seine didaktischen und methodischen Überlegungen überprüft, um sie gegebenenfalls den Erfordernissen anzupassen. Sonst würde er unter Umständen seinem Kurs/seiner Klasse nicht gerecht.
Wie wir arbeiten, zeigt exemplarisch das Buchprojekt, das Peter Gutsche durchgeführt hat:
1. 17. - 21. September 2007: Fahrt nach München zur Weiße Rose Stiftung mit einigen Schülerinnen und Schülern, um dort gemeinsam mit vier weiteren Schulen das Netzwerk Weiße Rose zu gründen, eine Kommunikationsplattform, mit der Rassismus und Gewalt in unserer Gesellschaft besser begegnet werden soll. Dabei wird das "Servietten-Projekt" zum ersten Mal als Idee vorgestellt.
2. 20. Januar 2008: Mitsprache-Projekt der EKG und dem Netzwerk der Stiftung Weiße Rose zum Thema Kopfnoten, das vornehmlich von den 12ern getragen wird: Was sagen eigentlich die Köpfe, die da benotet werden?
3. 14. März 2008: Eine durchaus "gewichtige" Veranstaltung, obwohl es vorerst nur um erste Kostproben einer Buch-Idee geht. Eröffnung der Internationalen Woche gegen Rassismus mit dem Aktionsbündnis Gesicht Zeigen - Start des "Gewichte"-Projekts mit der eigentlichen Schreibphase im Grundkurs Philosophie
4. Grenzenlose Ausgrenzung. Ein weiteres Kapitel der Antirassismus-Arbeit im Philosophiekurs entsteht und wird eröffnet durch ProAsyl Essen
5. 16. Mai - 6. Juni 2008: Was einem nicht aus dem Kopf geht! Die Weiße Rose an der EKG. Eine Ausstellung. Teilnahme an der Aktionswoche 2008 der Bundeszentrale für Politische Bildung
6. 25. November 2008: Eine Premierenlesung mit erheblichem Gewicht. Ein Buch stellt sich seinen Autoren und Lesern vor
7. 9. Dezember 2008: Ein Buch gewinnt an Gewicht. Die Autorinnen und Autoren des 12. Jahrgangs stellen ihre "Gewichtsprobleme?" dem ProAsyl Flüchtlingsrat Essen vor und bescheren nächtliche Lektüre
8. 9. Januar 2009: Schülerinnen und Schüler der EKG lesen aus den Büchern "Pfade ins Revier" und "Gewichtsprobleme?" und erstellen für den Geest-Verlag eine Hör-Datei
9. 27. Januar 2009: Leihen Sie mir Ihre Stimme! 64 Jahre nach Auschwitz - und noch immer Rassismus. Eine Lesung der anderen Art mit Dr. Beatrice von Weizsäcker von der Weiße Rose Stiftung, der Autorin Miriam Müntefering, dem Bürgermeister der Stadt Essen Rolf Fliss und vielen anderen
10. 6. Februar 2009: Schon wieder ein Highlight! Autoren der "Gewichtsprobleme?" lesen in der Gesamtschule Holsterhausen in Essen

Es versteht sich von selbst, dass die Leistungen, die die Schülerinnen und Schüler vom Schreiben bis hin zu ihrem Engagement bei den Lesungen erbracht haben, auch als Sonderleistung bewertet wurden und werden. Je nach dem, was rechtlich möglich ist: schriftlich und/oder mündlich. Das ist ja gerade Teil unseres Konzepts.

 
Probleme und Lösungen:
Bei dem "Gewichte"-Projekt entstand ein solches Problem wenige Wochen vor der "ganz anderen" Lesung am 27.1.2009, dem Jahrestag der Befreiung von Auschwitz. Diverse Umstände wie der plötzliche Ausfall von Kolleginnen und Kollegen aufgrund von Erkrankungen sowie der großen Arbeitsbelastung vor den Zeugnissen mit Konferenzen und erhöhtem Beratungsbedarf von Jugendlichen führten dazu, dass die Vorbereitung des Abends ins Stocken geriet. Sehr schnell bildete sich nach den ersten Hinweisen eine Arbeitsgruppe unter Einschluss der Schulleitung. Sie unterstützte Peter Gutsche organisatorisch und sorgte so mit dafür, dass er sich auf die inhaltliche Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern konzentrieren konnte. Das hatte maßgeblichen Anteil daran, dass der Abend zu einem so großen Erfolg wurde.
 
Anekdotisches:
Eine kleine Begebenheit aus dem "Gewichte-Projekt" von Peter Gutsche:
"Auf unserer Fahrt nach München zur Tagung der Weiße Rose Stiftung kamen Karim Gharbi und ich ins Gespräch über unsere Handys. Ich hatte ein neues und er zeigte mir seines. Ich entdeckte auf dem kleinen Bildschirm die anrührende Fotografie einer alten Frau. Sofort wollte ich wissen, wer diese Person sei, die da auf dem Boden hockte, auf alten Teppichen Fische ausnahm und deren Haupt durch ein Kopftuch bedeckt war. Die Frau wurde mir als Großmutter von Karim vorgestellt und bot mir unmittelbar Einblick in eine so andere, so ferne Welt.
Dieser Blick ist es, den ich provozieren wollte, das Einbringen all dessen, was sich da oft so defizitär und so stigmatisierend anhört. Migration als Bereicherung, fremde Kulturen als weniger fremd denn als nah; Menschen halt, die mir als Schüler begegnen und die ich in gänzlich andere Lebensentwürfe dann täglich entlasse."
Eine Begegnung der "besonderen Art", die da stattfand und die deutlich macht, wie sehr Lebenswelten in der Schule aufeinanderprallen können, ohne dass dies einem im Unterrichtsalltag bewusst werden muss, die aber für den Lernerfolg von Kinder und Jugendlichen entscheidend wichtig ist. Eigentlich eine Binsenweisheit. Kein Wunder also, dass Peter Gutsche diese Fotografie mit in den Sammelband aufgenommen hat. Diese kleine Begebenheit gibt vielleicht einen konkreten Einblick in das, was wir mit unserer Kulturarbeit erreichen wollen. Wir wollen die Jugendlichen persönlich abholen, sie und ihre Kultur ernstnehmen und ihnen für sie schulische Anknüpfungspunkte bieten, die sie für ihre Persönlichkeitsentwicklung gewinnbringend nutzen können. Wenn wir da einige Schritte gehen können, so denken wir, sind wir in unserer schulischen Arbeit insgesamt ein Stückchen weitergekommen.