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Filmankündigungsplakat
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Truppe vor Jugendherberge Am Ettersberg
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Dreharbeiten im Hessenpark
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Max beim Dreh unter dem Zug
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Theateraufführung "Zug des Lebens" in der Schule
Hinter den Gleisen
Schule:
ALBERT-EINSTEIN-SCHULE
Goethestraße 61
63477 Maintal
Tel. 06109 / 7652-0
Fax 06109 / 765214
www.aes-maintal.de

Gymnasium / Offener Ganztag
 
Kooperationspartner:
Mandy Müller - freischaffende Theaterschauspielerin (Dipl.) und Theaterpädagogin
Claudia Wierz - Medienpädagogin

Medienprojektzentrum Offener Kanal
Offenbach/Frankfurt
Berliner Str. 175
63 067 Offenbach

http://www.lpr-hessen.de/default.asp?m=71

 
Beteiligte Schüler:
28
Theater-Film-AG (wird auch als Wahlunterricht angeboten)
klassen-, kurs- und jahrgangsübergreifend (Jahrgangsstufen 5-13)
 
Beteiligte Lehrkräfte:
Antje Prejawa, Kunst und ErdkundeThomas Langenfeld, Deutsch und Geschichte
 
Stundenvolumen:
Zeitraum insgesamt: 1/2 Jahr
2,5 Std. (3 Schulstd.) wöchentlich

plus:
4 Tage
gemeinsame Fahrt zu der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Buchenwald / Jugendherberge am Ettersberg

3 Wochenenden
für Dreharbeiten

 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Projekthintergrund:

Die Grundlage des Projekts bildet ein literarischer Text, der von den Schülern gelesen und in einen Film und in eine Theaterinszenierung übersetzt wird.
Durch die aktive Auseinandersetzung mit dem Text soll bei den Schülern die Lust am Lesen, an unterschiedlichen künstlerischen Gestaltungsmöglichkeiten (Schauspiel, Inszenierung, Drehbuchschreiben, Filmproduktion, Bühnenbild, Requisite, Musik) und die Freude an gruppendynamischen Prozessen geweckt werden.

Das Thema wird von den Schülern selbst gewählt. Der literarische Text dient dabei als Grundlage und bietet den Schülern kreative Gestaltungsräume, in denen sie ihre eigenen Interpretationen, Phantasien und Ideen im gemeinschaftlichen Prozess in filmische Bilder und theatrale Szenen übersetzen können.
Die Kombination aus Lese- und Medienkompetenzförderung verbindet die Zielsetzungen der drei Kooperati­onspartner.
Das Projekt fand erstmalig im Schuljahr 2006/2007 erfolgreich statt und wurde mit erwei­terten Zielsetzungen und Schwerpunkten 2008 fortgeführt.

Inhaltliche Schwerpunkte:
Im vorausgegangenen Projekt machten die Projektleiter die Erfahrung, dass der kreative, praxisnahe Zugang eine Auseinandersetzung mit sozialkritischen, politischen und ethi­schen Themen begünstigt. Schüler, die sich sonst wenig für diese Themen interessierten, begannen sich dafür zu öffnen. Auf diese Erfahrung sollte weiter aufgebaut werden ohne sie aber in ihrer Themenwahl zu beeinträchtigen.

Beschreibung des Projektverlaufs
Phase 1: Auswahl des Themas
Thematisch waren den Schülern kaum Grenzen gesetzt. Zu den Themen ihrer Wahl waren sie aufgefordert, nach literarischen Texte zu recherchieren, diese den anderen vorzustel­len und letztendlich abzustimmen.
Im gruppendynamischen Prozess entschieden sich die Jugendlichen selbst, den Schwer­punkt ihrer Arbeit auf das Thema Nationalsozialismus zu legen und sich damit intensiv zu beschäftigen.
Gründe für die Wahl waren u.a., dass für sie selbst die Themen "Ausgrenzung" und "Mob­bing" eine wichtige Rolle spielen und ihnen die Auseinandersetzung mit Rassismus und Verfolgung von Minderheiten wichtig waren, da diese nach wie vor häufig vorkommende Themen der Gesellschaft und nicht zuletzt auch ihres ei­genen Schulalltags sind.

Phase 2: Vorbereitung und Umsetzung
In der Vorbereitungsphase wurden die Schüler durch den Geschichtslehrer Thomas Lan­genfeld, die Kunst­lehrerin Antje Prejawa und die Theaterpädagogin Mandy Müller an das sensible Thema herangeführt. An­hand kleiner eigener Recherche- und Präsentationsauf­gaben beschäftigten sie sich eigenständig mit dem Nationalsozialismus und wählten eige­ne Schwerpunkte.
Durch den Besuch und den Vortrag der Jüdin Ilka Pollatschek (jüdische Gemeinde Frank­furt) bekamen die Schüler einen Einblick in das heutige und das damalige jüdische Leben. Anhand von Bildern, Kleidungs­stücken und Gegenständen veranschaulichte sie ihnen die Geschichte, die unterschiedlichen Glaubens­ausprägungen, Feste, Gebräuche und Rituale des Judentums.
Die Informationen halfen den Jugendlichen, ihre eigene Filmgeschichte zu entwickeln, Dia­loge zu schreiben und die Figuren mit Leben zu füllen.
Alle Vorbereitungen waren auch wesentlich für die Auswahl der Kostüme und Requisiten.

Zu Beginn der Umsetzungsphase wurde das Drehbuch geschrieben, Drehorte erkundet, die Rollen verteilt und passende Kostüme und Requisiten organisiert.
Durch die kooperative Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte "Konzentrationslager Bu­chenwald", dem Frei­lichtmuseum "Hessenpark" und dem Schauspiel Frankfurt und Bo­chum konnte der Film an authentischen Drehorten und mit passenden Kostümen gedreht werden.
Parallel zu der inhaltlichen und der filmischen Arbeit wurden die Schüler schauspielerisch gefördert und an­geleitet. Durch das Schauspieltraining bekamen sie einen Zugang zu den Rollen und das nötige Selbstver­trauen, auf der Bühne und hinter der Kamera zu agieren.
Nach einer Einführung in die Kamera- und Tontechnik konnte an mehreren Schauplätzen parallel gedreht werden. Die zentrale Aufgabe der Projektleitung bestand darin, die kom­plexen Dreharbeiten zu strukturieren, den Drehplan im Auge zu behalten, die Schüler zu motivieren, zu lenken und Hilfestellung zu leisten.
Nach den Dreharbeiten wurde der Film von den Jugendlichen geschnitten und nachver­tont. Der Schnitt, die Auswahl von Musik und Geräuschen, die Nachvertonung und die Er­stellung einer Trickfilmsequenz nahmen insgesamt noch einmal drei Monate in Anspruch.

Phase 3: Kompaktphase
Besuch im Konzentrationslager Buchenwald
Die Kompaktphase fand im Rahmen einer gemeinsamen 4-tägigen Fahrt statt.
Gerade Schnitt, Nachvertonung und Endproben erfordern einen kontinuierlichen Arbeits­fluss der mit der wö­chentlichen Struktur nicht zu leisten ist. Die Schüler lernten arbeitsteilig zu arbeiten, aber dabei das gemein­same Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Die ge­meinsame Fahrt befördert den gegenseitigen Austausch und die Vertiefung der medien­pädagogischen Diskussionen.
Die Projektleitung wählte Weimar als Ziel der Fahrt, um gemeinsam mit den Jugendlichen die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald besuchen zu können.
Der Besuch war ein elementarer Bestandteil des Projekts. Die intensiven Eindrücke hinter­ließen bei allen Beteiligten nachhaltige Spuren und gaben sowohl der Theaterinszenierung als auch dem Film die notwendi­ge Tiefe, die durch Recherchen und Literatur nicht zu errei­chen gewesen wäre.

Phase 4: Reflexion
Während des Projekts fanden regelmäßig Reflektionsrunden statt. Am Ende des Schul­jahrs wurde es mit ei­ner übergreifenden Reflektionsphase abgerundet. Ziel war, gemein­sam mit den Schülern die Erfahrungen und den gemeinsamen Prozess unter die Lupe zu nehmen.
Für die Jugendlichen ist die praxisorientierte medien- und theaterpädagogische Arbeit eine Chance, ihre ei­genen Ideen und Perspektiven zu verbildlichen. Deshalb sollen die Schüler genug Freiraum bekommen, das Schauspiel und die Filmarbeit für sich als persönliche Ausdrucksform zu erfahren.

Schülermultiplikatoren
Das Projekt ist jahrgangsübergreifend (6.-13. Jahrgangsstufe) konzipiert. Ältere Schüler werden als Multipli­katoren fortgebildet, um das eigenständige Arbeiten in den Kleingrup­pen zu befördern. Bereits während des Schuljahrs 2006/2007 wurden Schüler als Multipli­katoren ausgebildet. Der Multiplikatorengedanke ist ein we­sentlicher Bestandteil des päd­agogischen Konzepts und wurde im Schuljahr 2007/2008 ausgebaut. Ziele da­bei sind die Förderung des selbstständigen und eigenverantwortlichen Arbeitens, die Steigerung der Motiva­tion und der gruppendynamischen Prozesse.
Im Laufe des Projekts konnten dadurch immer mehr Aufgaben an die Schüler abgegeben werden. Dies hat sich positiv auf die Arbeitsteilung und die Identifikation mit dem Projekt und den Projektergebnissen ausge­wirkt. 

Projektleitung
Das Projektleitungsteam besteht aus vier Personen, die sich durch ihre unterschiedlichen Schwerpunkten und beruflichen Hintergründen ergänzen. Dadurch soll gewährleistet wer­den, dass die Schüler auf möglichst vielen unter­schiedlichen Ebenen gefördert werden können.

3. Bewertung des Projektverlaufs
In Bezug auf die Nachhaltigkeit hat sich das Projekt als äußerst sinnvoll erwiesen. Durch die intensive Arbeit konnte ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden. Das Vertrauen bil­dete die Grundlage für den kreativen Arbeitsfluss und die sozialkritischen, politischen und themenimmanenten Diskussionen.
Dadurch, dass einige Teilnehmer bereits zum zweiten Mal an dem Projekt "Theater-Film-AG" teilgenommen haben, konnte an ihren Wissensstand angeknüpft und für sie neue Herausforderungen geschaffen werden. Die dadurch möglichen gestalterischen Freiräume wurden von den Schülern als äußerst positiv empfunden und genutzt. Das Thema „Nationalsozialismus“ stellte für alle Beteiligten eine Herausforderung dar, die nur aufgrund der langfristigen Anlage des Projekts, angenommen werden konnte. In der gemeinsamen Arbeit ha­ben die Heranwachsenden eigene Stärken entdeckt und die Zusammenarbeit trainiert. Diesbezüglich hat sich die jahrgangsübergreifende Struktur als äußerst sinnvoll herausgestellt. Ältere Schüler konnten ihr Wis­sen weitergeben und jünge­re Schüler fördern. Im Gegenzug haben aber auch die älteren Schüler von den jüngeren profitiert. Als markantes Beispiel kann genannt werden, dass die älteren sich erst öffneten, ihre Er­lebnisse in Buchenwald zu beschreiben, als die jüngeren ehrlich und frei über ihre Gedan­ken und Empfin­dungen sprachen. Die Gruppen arbeiteten im fortlaufenden Prozess immer eigenständiger, sodass die Pro­jektleiter immer mehr im Hintergrund agieren konnten, um den Arbeitsprozess zu strukturie­ren, zu moderie­ren und optimale Arbeitsvoraussetzungen zu schaffen.
Durch die Aufführungen und Filmpräsentationen – u.a. in den jüdischen Gemeinden, in anderen Schulen, für die Stadt Hanau und bei den Hanauer Schultheatertagen – kam es zu anregenden Diskussionen mit Schü­lern aber auch mit Personen die den Holocaust überlebt haben.
Dieses Projekt, mit seinen internen und öffentlichen Diskussionen, die es angestoßen hat, seinen großen Auswirkungen auf die Schulentwicklung der eigenen Schule und die Einladungen nach Rumänien und Berlin (Vizepräsidentin des Bundestages Frau Kastner), wird bei den Jugendlichen und ihren Eltern lange in Erin­nerung bleiben.

 
Projektauslöser/Idee:
Das Projekt "Theater-Film-AG" ist im Rahmen des Lesekonzepts des Deutsch- und Geschichtslehrers Thomas Langenfeld und durch seine Initiative im Schuljahr 2006/07 ins Leben gerufen worden. Kooperationspartner waren zu Beginn das Hessische Landestheater Marburg (mit zwei Schauspielern) und das Medienprojektzentrum Offener Kanal Offenbach / Frankfurt. Nach ca. einem dreiviertel Jahr musste das Landestheater aufgrund von Kapazitätsmangel (lange Anreise und Probenprobleme der beiden Schauspieler am Theater) wieder aus dem Projekt aussteigen, woraufhin die freischaffende Theaterschauspielerin Mandy Müller für diese Arbeit gewonnen werden konnte.

Ein wichtiges Ziel der AG ist, die Lesekompetenz der Schüler projektorientiert, altersübergreifend und nachhaltig zu fördern. Die Schüler im freien Reden, ihrer Körpersprache und in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken. Ihre Kritikfähigkeit, Selbstwahrnehmung und ihre Professionalisierung in der Nutzung neuer Medien weiter auszubauen, stehen in dieser Arbeit an erster Stelle.

Die Grundlage des Projekts bildete ein literarischer Text, der von den Schülern gelesen und in eine filmische und in eine theatrale Fassung übersetzt wird.
Durch die aktive Auseinandersetzung mit dem Text soll bei den Schülern die Lust am Lesen geweckt werden.

Das Thema wurde von den Schülern selbst gewählt. Der literarische Text dient dabei als Grundlage und bietet den Schülern kreative Gestaltungsräume, in denen sie ihre eigenen Interpretationen, Phantasien und Ideen im gemeinschaftlichen Prozess in filmische Bilder und theatrale Szenen übersetzen können.

 
Projektentwicklung:
s.o. Bereits in der Kurzbeschreibung ausführlich dargestellt.
 
Besonderheiten:
- Intensive und aktive Auseinandersetzung mit dem
Nationalsozialismus
- Schafft Erfahrungen, Diskussionen und Kontakte,
die den Schülern sonst schwer möglich gewesen
wären, z.B. Vorstellung/Präsentation in den
jüdischen Gemeinden, im Ausland (Rumänien), vor Politikern, vor anderen Schülern
- jahrgangs- und generationsübergreifend
Teilnehmer im Alter von 11 bis 82 Jahren - Oma eines Schülers)
- Kombination aus Theater (hier "Zug des Lebens") und Film (hier "Hinter den Gleisen")
- Verbindung von Lese- und Medienkompetenz
- Nachhaltigkeit, das Projekt läuft erfolgreich
seit 2006
- eine sich gegenseitig ergänzende und
bereichernde Projektleitung mit
unterschiedlichen Schwerpunkten
- Teilnehmerzahl der Schüler stieg von 20 auf 41 (Schuljahr 2008/2009)
=> Die Erfolge dieser AG-Arbeit brachte die Schulleitung dazu, ein neues Fach in der Schule zu initiieren: Ab Schuljahr 2009/2010 soll erstmals Darstellendes Spiel in der Oberstufe eingeführt werden.
 
Probleme und Lösungen:
Gerade bei dem Thema Nationalsozialismus handelt es sich um ein emotionales Thema. Insbesondere durch die Fahrt nach Weimar und den Besuch der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Buchenwald wurden bei den Schülern viele Fragen aufgeworfen und Gefühle wachgerüttelt.

In gemeinsamen Gesprächsrunden konnten die Eindrücke artikuliert und verarbeitet werden. Auffällig war, dass gerade die jüngeren Schüler ein großes Bedürfnis hatten ihre Eindrücke zu schildern und den anderen mitzuteilen, wohin gegen die älteren Schüler etwas Zeit brauchten ihre Emotionen zu verbalisieren. Die jahrgangsübergreifende Dynamik hat auch in diesem Sinne positive Auswirkungen gehabt und den Dialog befördert.

Für die Pädagogen stellte sich die Herausforderung, dass ein Jugendlicher mit rechtsextremistischen Tendenzen an dem Projekt teilnahm. Obwohl diese "Nuss schwer zu knacken ist" hatten die Pädagogen den Eindruck, dass die Gruppe und das Projekt gut für ihn waren.
Er hat seinen Platz in einer Projektgemeinschaft gefunden, die multikulturell und vielfältig ist.


Durch die Filmpräsentation und die Theatervorstellungen mit jüdischen Besuchern wurde den Jugendlichen bewusst, dass das Judentum auch heute noch und in ihrer Region aktiv und lebendig ist.

 
Anekdotisches:
Die Schüler sind im Laufe der Zeit zu einer eingeschworenen, lebendigen Theater-Film-Familie zusammengewachsen. Die Schüler treffen sich außerhalb der AG, gehen zusammen ins Kino, ins Theater oder besuchen Konzerte. In Form eines, von den Schülern erstellten Familienstammbaums hat jeder seinen Platz gefunden und agiert gemäß des Stammbaums als Mutter, Opa, Großtante oder Bruder. Neue Mitglieder werden mit offenen Armen in die Familie aufgenommen, sodass die Verbildlichung des höchst komplexen Familienstammbaums mit mittlerweile 41 Teilnehmern ein buntes Geflecht aus Verbindungen und Beziehungen aufzeigt. Wird der Schüler Berkan als Oma angesprochen, so ist das für die Außenwelt manchmal etwas schräg. Für die Jugendlichen aber ist das künstlerische Freiheit, also normal, und sie genießen ihren familiären Zusammenhalt.