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Nachbild zu Eddie Adams
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Vorbild Eddie Adams Pulitzerpreisträger
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interkulturelles Nachbild von Macit aus der osmanischen Kultur
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Vorbild Osman Hamdi "Der Koran lesende Mann", 1907
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Nachbild zu Raffaels Madonna von Granducca
Mach Dir ein Bild von einem Bild - fotografische Nachbilder kunsthistorischer Vorbilder
Schule:
Gymnasium der Stadt Kerpen - Europaschule
Philipp-Schneider-Str.
50171 Kerpen
02237-929410
fax 02237-9294140
www.gymnasium-kerpen.eu



Gymnasium / Offener Ganztag

 
Kooperationspartner:
Damian Zimmermann, Fotograf und Journalist
Köln
www.damianzimmermann.de
 
Beteiligte Schüler:
75
Jahrgangsstufe 11 Grundkurs Kunst 3stündig
 
Beteiligte Lehrkräfte:
1xKunst
 
Stundenvolumen:
3 Wochenstunden über 2 Monate mit eigenständigen, teils kooperativen Freiarbeitsphasen vgl. 1 Quartal
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Die Schüler sollen eine für sie sinnhafte Verknüpfung von kunsthistorischem Wissen mit ihrem jugendlichen Blick und Eigeninteresse verbinden, indem sie die tradiert erscheinende Malerei als Ausgangspunkt nehmen und mit einem aktuellen Medium, nämlich der Digital-Fotografie, im Sinne einer Crossover-Methode aus ihrer Sicht ergründen. In Zeiten der Bilderflut verlangsamen die Schüler exemplarisch ihren Blick in der Auseinandersetzung mit einem selbst gewählten Gegenstand (Gattung Selbstporträt) und können vom malerischen Vorbild zum fotografischen Nachbild kulturrelevante Bezüge von Früher und Heute vernetzen.
Die Schüler sollen mit einem Fotografen, einem ausgewiesenen Experten, "Alltagsknipserei" in "richtige" Fotografie überführen lernen. Dabei lernen Sie Grundkenntnisse der Vielfalt von Fotografie als Gestaltungsform kennen u.v.m.
 
Projektauslöser/Idee:
Schüler HASSEN Kunstgeschichte!

Kunstgeschichte ist aber nötig, um die Verwendung von Bildern und Symbolen darin zu verstehen. Aktuelle Bilder in Politik, Werbung, Film, Video-Clip, auf T-Shirts etc. nehmen Bezug auf kunsthistorische Bilder oder Teilfragmente von Bildern, was man ohne das Bezugswissen nicht in einen Kontext verständlich stellen kann und die damit verbundene Sinnsetzung nicht bewusst wahrnehmen, verstehen und ggf. kritisch hinterfragen kann.

Das Ausgangsbild für die Unterrichtsidee war eine Fotografie von dem amerikanischen Künstler David LaChapelle. Er stellt Courtney Love mit einem sterbenden Jesus-Model, der ihrem verstorbenen drogensüchtigen Ex- und Front-Mann von Nirvana ähnelt, Kurt Cobain, als eine Pietá dar. Ein geschickter kunsthistorischer Rückgriff auf Michelangelo, um die Message der Protagonistin fotografisch auf die Spitze zu treiben!

Oft sind Fotografen wie LaChapelle in den intellektuellen Kunstpädagogikkreisen eher verpönt, weil er in seinen Arbeiten oft Prominente und nackte Haut, manche sprechen von Pornografie in diesem Zusammenhang, zeigt, aber ich sehe niemand anderes näher an der Bildwelt der Schüler, als den Warhol-Assistenten David LaChapelle!

 
Projektentwicklung:
Die Schüler der Jahrgangsstufe 11 bringen unterschiedliche Erfahrungen und Fertigkeiten ihrer bisherigen Schullaufbahnen (Gymnasium, Wechsel von der Real-, Haupt- und Gesamtschule) im Fach Kunst mit, nicht selten sind sie mit tradierten Vorurteilen belegt, die es immer wieder zu brechen gilt. Wer sich schon mal in der Chat-Community SchuelerVZ umgeschaut hat, wird bemerken, dass die eigene Inszenierung in Fotos ein wichtiger Bestandteil von Schülern ist, was im Zuge der Massenkonsumierung von Digitalkameras beinahe inflationär betrieben wird. Daher ist die Bereitschaft, mit dem Medium Fotografie zu arbeiten, ohnehin bei den Schülern gegeben. Die Aufgabe „Mach Dir ein Bild von einem Bild“ wiederum soll die Schüler mit Eigenantrieb auf die Suche nach einem Bild schicken, das sie in ihre Zeit übersetzen. Das wird teils mit Begeisterung, teils mit Murren und Knurren aufgenommen, weil primär die anstehende Arbeit gesehen wird. Ein Portfolio mit einer Bildrecherche, Analyse und Kompositionsskizze anzufertigen, das Foto/Nachbild ideenreich zu schießen und abschließend darüber noch eine ca. 10-minütige Präsentation zeigen zu können, wird einem Vertreter eines sogenannten „Nebenfaches“ anfangs immer ein wenig übel genommen.

In der Regel sollten gestalterische Aufgaben möglichst eine Bearbeitung in der Unterrichtszeit beinhalten. Aber Aspekte wie nötige Locations, Komparsen usw. erzwingen die Öffnung des Handlungsrahmens. Hier können die Schüler auf besondere Bedingungen der Schule (Theaterkeller/-fundus, Lichtequipment u.v.m.) zurückgreifen.

Es wurden zwei bis drei Doppelstunden für Beratungen und eigenständige Recherchen in der Schulbibliothek bereitgestellt, wodurch man einen Teil des Arbeitsprozesses wieder in die Unterrichtszeit hineinholt und für eine Förderungs- und Diagnostikaussprache zugänglich macht.

- Einstieg: Perzept zur Fotografie von David LaChapelle "Pietá" mit Courtney Love
#Assoziationen sammeln, kompositorische Auffälligkeiten, motivische/szenische Darstellung der Personen, Symbole einzelner Bildelemente bündeln für eine Bildanalyse
#Einführung des Themas "Pietá" und Anbindung an Michelangelos Pietá-Darstellung im Petersdom in Rom sowie an die Vesperbilder des 14.Jahrhunderts
- gestalterische Aufgabe "Mach Dir ein Bild von einem Bild" stellen
- Grundlagenvermittlung zur Fotografie und thematischen Aufträgen; hier: praxisnahe Vermittlung durch den Fotografen und Journalisten Damian Zimmermann
- Entscheidung: Welches Bild? Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit?(s.u. bei möglichen Problemen)
- parallele Phasen von eigenständiger Erarbeitung und Beratungen durch die Lehrperson (s.o.)
- unterrichtsbegleitende Bildzitate der Kunstgeschichte wie Jean-Louis Marat "Der Tod des Marat", 1793 (an die Pietá-Darstellung angelehnt) zeigen
- Verfassen eines Portfolios, Anfertigen einer Fotografie, Kompositionsskizze anfertigen
- 10minütige Präsentation (oft als PowerPointPräsentation angefertigt) halten

 
Besonderheiten:
Am Ende der Arbeitsphase und vor allem bei den Präsentationen herrschte einstimmig Konsens darüber, dass die Schüler vielfältige Erfahrungen sammeln konnten, indem sie ein Stück weit zu Experten eines selbst gewählten Bildes und der damit verbunden kunsthistorischen Epoche geworden sind.
Die Mitschüler begegneten sich bei den Präsentationen mit gegenseitigem Respekt für ihre aufwendigen Arbeiten, da alle Teil dieser ganzheitlich konzipierten Aufgabe geworden sind, die einen körperlich-rezeptiven, -produktiven und -reflexiven Umgang mit Bildern ermöglicht.
Je nach didaktischer Schwerpunktsetzung kann diese gestalterische Aufgabe in verschiedenen Jahrgangsstufen eingesetzt werden. Für die Jahrgangsstufe 11 eignet sie sich besonders, weil die Lerngruppe mit unterschiedlichen Fertigkeiten und Meinungsbildern über die Vermittlung des Faches Kunst in der gymnasialen Oberstufe zusammen kommt und darüber eine positive Anbindung an das Fach Kunst erfahren kann. Alternativ kann man den Einsatz von „Mach Dir ein Bild von einem Bild“ auch in den Jahrgangsstufen 12/13 empfehlen, weil im nordrhein-westfälischen Zentralabitur 2010 inhaltliche Vorgaben zur inszenierten Fotografie von Cindy Sherman vorgelegt wurden, deren History-Portraits ebenso in diesen Kontext gestellt werden können.
 
Probleme und Lösungen:
Falls es Schülern schwer fällt, überhaupt ein passendes Bild eingangs für sich zu finden, sollten sie mit dem Angebot aus ihrem Lehrbuch beginnen. Später können Sie dann gezielt via Internetsuche nach Bildern eines bestimmten Künstlers suchen, sobald er ihr Interesse geweckt hat. Hinzu kommt, dass teilweise von traditionellen Ölgemälden der Gattung Selbstporträt abgewichen werden kann und man in Einzelfällen auch Filmstills,
-plakate oder Fotografien als Ausgangspunkt erlauben sollte, um das identifikationsstiftende Moment für den Arbeitsprozess nicht zu verlieren.

Grundsätzlich muss sich die Lehrperson davon lösen, alles im Griff und unter Kontrolle haben zu müssen. Lassen Sie es laufen und vertrauen Sie Ihren Schülern! Es ist kein Gesichtsverlust, wenn Schüler besser mit Photoshop oder anderen Bildbearbeitungsprogrammen umgehen können, als man selbst. Nutzen Sie das Potenzial und sichern Sie lediglich den Rahmen und die Motivation!

 
Anekdotisches:
Ich kann jeden Tag mit meinen Schülern lachen und jeden Tag müssen wir neu kämpfen, Ausdauer und den Gauben an sich selbst und das Projekt nicht zu verlieren.
Es gab unzählige Momente während des Unterrichts, die mich haben lächeln lassen, wenn Mitschüler miteinander eine Gruppenarbeit machen, die zuvor nie miteinander gearbeitet haben. Wenn Schüler so gekonnt eine Präsentation über Ihr Fotoprojekt halten und die Mitschüler beeindruckt und mit Respekt applaudieren und ohne Neid denjenigen zu seiner Arbeit beglückwünschen.
Wenn bei den jeweiligen Präsentationen schwierige Themen wie Selbstmord eindringlich beleuchtet werden, Ängste offen gelegt werden, politische Gegebenheiten höchst kritisch hinterfragt werden, sinnliche Momente gar intim angedeutet werden, dann weiß ich, dass meine Schüler später einmal die Bildkraft aus diesem Projekt in die Welt hinaustragen werden.