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Libelle im Labyrinth
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Teilansicht des Labyrinths
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"Überwucherte Industriearchitektur"
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Blick in einen Guckkasten
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Vernissage
Die rostigen Gärten der Kokerei Hansa
Schule:
Gustav-Heinemann-Gesamtschule
Parsevalstr. 170
44369 Dortmund
0231 9311440
www.gustav-heinemann-gesamtschule.de

Gesamtschule
 
Kooperationspartner:
Dr. Marita Pfeiffer
Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur
Emscherallee 11
D-44369 Dortmund
Fon+49(0)231/931122-0
Internet: www.industriedenkmal-stiftung.de
 
Beteiligte Schüler:
270
2 x 5. Klasse
2 x 6. Klasse
3 x 8. Klasse
1 x 10. Klasse
1 x AG (5.-6. Klasse)
1 Musikklasse
 
Beteiligte Lehrkräfte:
4 x Kunst2 x Musik
 
Stundenvolumen:
3 Projekttage (3 Klassen)
2 Wochenstunden 3 bis 4 Monate
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Die Schülerinnen und Schüler haben die Besonderheit der Kokerei Hansa in Gruppen erkundet. Sie haben fotografiert, skizziert, Abreibungen gemacht und in begrenztem Umfang originale Fundstücke aus der Natur (Pflanzenteile, Federn etc.) und Technik (Schrauben, Rost, Drähte...) für ihre Schatzkammern gesammelt. Mit Schatzkammern wurde ein Begriff der Museumsgeschichte aufgegriffen – aus herrschaftlichen Schatzkammern entwickelten sich die ersten Sammlungsbestände späterer Museen.
Das Sammeln geht mit der Bewertung (Wertschätzung) und Auswahl von Objekten einher.
Beim Rundgang haben alle Beteiligten die Kraft der Natur – der Industrienatur – wahrgenommen. Der Gegensatz und das faszinierende Miteinander von Natur und Technik sind eine Besonderheit der Kokereilandschaft auf Hansa. Diese Landschaft verändert sich ständig, da die Natur in großen Bereichen fast ohne Eingriffe wirken darf. Pflanzen und Tiere breiten sich inmitten stillgelegter technischer Anlagen aus: Pflanzen wachsen in Ritzen, auf Schotterflächen, auf rostigen Ofendecken. Birken bilden Alleen entlang der rostigen Schienen der früheren Werkbahn.
Wir verglichen die Kokereilandschaft mit angelegten Gärten und Parks. Die Schülerinnen und Schüler waren besonders von den Abbildungen von Labyrinth-Gärten fasziniert.

Nach der Bestandsaufnahme der Sammlung - einschließlich der Fotografien - wurde eine Ausstellung konzipiert.
Eine Gruppe entschied sich für die Entwicklung einer eigenen Labyrinth-Installation.
Für das Labyrinth wurden Fliegenpilze aus Pappmachee hergestellt. Andere Schüler bauten Libellen mit Körpern aus Pappmachee, Flügeln aus bearbeiteten und laminierten gefundenen Blättern. Geschenkte Birkenstämme wurden in unregelmäßige Stücke gesägt. Auf einigen wurden Libellen montiert. Rostige Sammlungsstücke wurden sortiert. Mit Seilstücken wurden auf dem Schulhof Labyrinthformen gelegt, mit Kreide gezeichnet, ausprobiert und fotografiert.

Eine andere Gruppe baute Guckkästen. Kartons wurden an der schmalen Seite mit einem Sehschlitz versehen und außen grau gestrichen. Im Inneren wurden Fotos, Zeichnungen und Fundstücke in mehreren Ebenen hintereinander montiert. So ergibt sich beim Hereinschauen eine faszinierende Tiefenwirkung.

Wieder andere bauten Objekte aus Pappmachee. Mit reduzierten Formen wie Zylindern, Würfeln oder Röhren wurden Elemente der Kokereiarchitektur nachgebildet, in rostigen Farbtönen bemalt und teilweise mit Moos, Blättern und Zweigen „überwuchert“.

In mehreren Gruppen wurde ein digitaliserter Zeichentrickfilm nach Art eines Daumenkinos erstellt. Für jeweils eine Filmsequenz wurden je sechzehn Einzelbilder gezeichnet. Jede Sequenz zeigt eine Veränderung der Industrieanlage durch Einwirken der Natur. Manche Sequenzen zeigen auch Metamorphosen der Industrieanlage zu pflanzlichen Formen. Der Film wurde mit einer Aufnahme der Bläserklasse der Schule unterlegt.

Nach Fotos wurden Collagen von Architekturelementen der Kokereianlage und Naturelementen in surrealistischen Kompositionen erarbeitet.

Das Plakatmotiv für die Ausstellung wurde von Schülern gezeichnet – überdimensionierte Birkenblätter wachsen aus Industriearchitektur.

Für die Vernissage schufen einige Schüler kleine Souvenir-Objekte zum Mitnehmen: Anstecknadeln aus Birkenblättern und Magnetobjekte.

 
Projektauslöser/Idee:
Die Gustav-Heinemann-Gesamtschule besteht seit 20 Jahren im Stadtteil Dortmund-Huckarde. Hier arbeiteten früher viele Menschen auf der Zeche Hansa und der Kokerei Hansa. 1980 musste die Zeche Hansa ihren Betrieb einstellen. 1992 folgte die Schließung der Kokerei Hansa.
Heute zählt die Kokerei Hansa zu den Ankerpunkten auf der Route der Industriekultur und wird von der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur betreut.
Die Bergsenkungen im Stadtteil als sinnliches Erfahrungsmoment sind Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit seiner Geschichte, der Bergbau- und Industriegeschichte.
In der Lebenswirklichkeit der Schüler sind die stillgelegten Industrien immer noch bedeutsam – sei es in den Erzählungen der älteren Generation, sei es durch die Schäden des Bergbaus, die „Bergschäden“ und „Bergsenkungen“. Einige Zeugnisse des Bergbaus und der Kohleverarbeitung stehen noch im Stadtteil: ein Förderturm, Kokereigebäude und bis vor kurzem auch ein Gasometer.
Mehrfach haben wir hierzu Fächer übergreifende Projekte durchgeführt und mit den Schülerinnen und Schülern Industriearchäologie betrieben.
2005 sind wir vor Ort an die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur herangetreten. Begeistert wurden wir eingeladen, eine Ausstellung in der alten Kompressorenhalle der Kokerei Hansa zu machen.
Die Idee zum Projekt „Die rostigen Gärten der Kokerei Hansa“ entstand bei einer Führung mit einer 5. Klasse über die Kokerei-Landschaft in Zusammenarbeit mit der Geschichtsagentur Dudde & Nies aus Dortmund.
 
Projektentwicklung:
- Erkundung der Kokereilandschaft und Anlegen einer Sammlung in Gruppen
- Bestandsaufnahme (1 Projekttag)
- Sortieren und Assoziieren in Hinblick auf Thema „Die rostigen Gärten der Kokerei Hansa“
- Ausstellungskonzeption
- Wahl von bildnerischen Techniken und Verfahren
- praktische Arbeit (1 Projekttag und laufender Unterricht)
- Aufbau der Ausstellung (1 Projekttag für eine Klasse)
- Vernissage mit Programm: Reden und Auftritt der Musikklasse
- Stand mit Plakaten, Getränken, kleinen Souvenir-Objekten

 
Besonderheiten:
Die Schülerinnen und Schüler entwickeln ein Geschichtsbewusstsein auf sehr sinnliche Weise. Sie lernen den Stadtteil kennen. Sie gewinnen eine Sensibilität für Veränderungen in ihrem Umfeld. Etliche finden plötzlich heraus, dass in ihren Familien viele Menschen früher im Bergbau arbeiteten. Sie erzählen von Gesprächen mit dem Großvater, mit dem Vater, der Tante... Sie bringen Zeitungsausschnitte mit, berichten von Filmen, Reportagen, Sendungen, die sie jetzt bewusst wahrnehmen. Sie bringen aus den Familien „Reliquien“ aus der Bergbauzeit mit: Grubenlampen, Helme, Werkzeuge usw.
Sie erzählen, wo sie Birken, Moose, Farne, Fliegenpilze, Libellen auf Brachen entdeckt haben. Sie sprechen begeistert von der Kraft der Natur. Die Route der Industrienatur im Ruhrgebiet wird für manche Familie zum Ausflugsziel.
Die Vernissage in der restaurierten Kompressorenhalle der Kokerei Hansa ist ein Ereignis im Stadtteil. Alle sind ein wenig stolz auf das Ruhrgebiet.

Teile der Ausstellung wurden zur Feier des zehnjährigen Bestehens des "Projektes Industriewald Ruhrgebiet" auf Rheinelbe in Gelsenkirchen eingeladen.

Für das kommende Schuljahr sind wir eingeladen, wieder eine Ausstellung auf der Kokerei Hansa zu entwickeln.

Die Hansa Gesellschaft für Industriekultur e.V. förderte den Druck eines Kalenders für das Jahr 2007 mit Arbeiten von Schülerinnen und Schülern unserer Schule aus Anlass der Sprengung des Gasometers auf der Kokerei Hansa.

 
Probleme und Lösungen:
Da die gefundenen Pflanzenteile und Blätter empfindlich waren, wurden sie zum Teil durch Laminieren konserviert.

Wir durften und wollten keinen willkürlichen Eingriff in die charakteristische „Industrienatur“ der Kokereilandschaft vornehmen. Deswegen haben wir unsere Sammlung nur in Rücksprache mit den Verantwortlichen angelegt – für die Schülerinnen und Schüler ein wichtiger Teil des Lernprozesses.

 
Anekdotisches:
„Ich dachte, da lag ein kleiner roter Ball bei einer rostigen Schiene. Als wir näher kamen, sahen wir, dass da Fliegenpilze wuchsen.“

„Im Birkenwäldchen stellten wir uns an die Bäume und fragten, wer wohl älter war, wir oder die Bäume.“