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Szene aus dem Theaterstück zwischen Sakine und dem Fremden
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Szene am Hafen, Screenshot aus dem Kurzfilm
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Dreharbeiten, Konzentration auf den nächsten Take
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Titelbild der Werbepostkarte für die Theateraufführung
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Theaterprobe
"Meri, Paul, der Fremde und ich" - Jugend in Wilhelmsburg - ein Theater- und Filmprojekt
Schule:
Gymnasium Kirchdorf/Wilhelmsburg
Krieterstraße 5
21109 Hamburg
040/42887701
www.kiwi.schule-hamburg.de

Gymnasium
 
Kooperationspartner:
Theater am Strom
Christiane Richers
Wohlers Allee 16
22767 Hamburg
Tel.: 040-4396429

www.theateramstrom.de

Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg & Hafen
Kommunikationszentrum Honigfabrik e.V.
Margret Markert
Industriestraße 125
21107 Hamburg
Tel.: 040-42103915
www.geschichtswerkstatt-wilhelmsburg.de

Wortspiel - Theater, Produktion, Gestaltung
Sven Schütze
Rutschbahn 11
20146 Hamburg
Tel.: 040-25483837
www.wortspiel.net

 
Beteiligte Schüler:
16 Schülerinnen und Schüler
Arbeitsgruppe, jahrgangsübergreifend, Klassenstufe 12 und 13
 
Beteiligte Lehrkräfte:
1 Frau Schönheit Deutsch, Religion, Darstellendes Spiel
 
Stundenvolumen:
Begonnen wurde das Projekt im Januar 2006 mit einem Theaterworkshop. Bis August 2006 wurde dannn wöchentlich geprobt und einige zusätzliche Wochenendeproben durchgeführt. Vor der Premiere des Theaterstücks und den 3 zusätzlichen Aufführungen im September und Oktober 2006 kam noch eine intensive, 10-tägige Endprobenwoche hinzu.
Außer der Theaterarbeit erarbeiteten die Schüler Filmszenen, die sie auch selber herstellten, so dass wir zwei 4-tägige Drehblöcke hatten, so wie zusätzlich noch einige Tage Second-Unit Dreharbeiten (Aufnahmen der Umgebung oder Hauptakteure).
Natürlich gab es auch weiteren Zeitaufwand für das Leitungsteam, die z. B. für Vorbereitungen, Fahrdienste, Organisisation und Abrechnungen oder einfach konzeptorische Sitzungen verwendet wurde. Eine Gesamtstundenzahl, der für das Projekt investierten Arbeit lässt sich daher nicht ermitteln. Es ist aber zu erwähnen, dass alle Involvierten über ihre Grenzen und über ihr reguläres Arbeitspensum hinaus, leidenschaftlich Einsatz zeigten.
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
MERI, PAUL, DER FREMDE UND ICH
Bericht über das Theater/Filmprojekt

Eine Kooperation zwischen dem Theater am Strom, der Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg im Kulturzentrum Honigfabrik und dem Gymnasium Kirchdorf-Wilhelmsburg. Unter der Leitung von Christiane Richers (Text und Gesamtregie) Sven Schütze (Filmregie) brachten 16 Schüler/innen im Alter von 17 bis 20 Jahren das Theater/Filmprojekt MERI, PAUL, DER FREMDE UND ICH auf die Bühne. In der Einladungskarte hieß es dazu: „Liebe Gäste, wir wollen Euch von uns erzählen. Unser Stück handelt vom Herkommen, vom Leben hier und vom Wegwollen. Wir zeigen Euch in eigenen Filmen unsere Bilder von Wilhelmsburg. Wir spielen – fast – uns selbst. An der Grenze zwischen Realität und Fiktion zeigen wir uns. Bis dann! Wir treffen uns!“

Die Ausgangslage
Hamburg – Wilhelmsburg ist einer der paradigmatischen Einwanderer-Stadtteile Deutschlands. Der Einwandereranteil liegt bei 35%, das Erscheinungsbild des Stadtteils ist von den kulturellen Gepflogenheiten verschiedener Nationalitäten beeinflusst. Polnisch-katholische Einwanderer aus Posen (damals zum Deutschen Reich gehörend) bildeten um 1900 eine der relevanten Einwanderergruppen. In den 1960er und -70er Jahren stellten türkische und kurdische Einwanderer mit islamischem Kulturhintergrund die größte Gruppe der „Gastarbeiter“.
Die Einwanderer kamen oft aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen, sie brachten aber Lebens- und Kulturformen mit in ihre neue Heimat, die sie nicht aufgeben wollten. Neue kulturelle Treffpunkte bildeten sich im Stadtteil. Am Gymnasium Kirchdorf/Wilhelmsburg kommt die Schülerschaft zur Hälfte aus Einwandererfamilien.

Ist „Parallelgesellschaft“ nur ein Modewort, und wie geht Integration? In unserem Projekt richteten deutsche und eingewanderte Jugendliche mit theatralischen und filmischen Mitteln den Blick auf ihren Stadtteil. Diese Fragen wurden gestellt: Wer bin ich? Wo komme ich her? Wo ist mein Platz? Wie ist meine Zukunft? Wir beschäftigten uns mit den Begriffen der kulturellen Identität und Tradition unter besonderer Berücksichtigung der religiösen und kulturellen Hintergründe der teilnehmenden Schüler/innen. In Kooperation mit der Schule wurden in einem parallel angebotenen Religion-Leistungskurs Gemeinsamkeiten in den Schöpfungsmythen und Ritualen der Weltreligionen aufgespürt.
Wir kamen brüchigen und überklar behaupteten Identitäten auf die Spur, Eindrücke und Gefühlslagen wie „Fremdheit“, „Ablehnung“, „Anpassung“, „Hass“ verwandelten sich in Theatergeschichten. Leitfrage: wie ist das Leben in Wilhelmsburg? Muslimisch? Katholisch? Türkisch? Polnisch? Oder irgendwie deutsch? Die eigene Geschichte und die Geschichte des Ortes, an dem man lebt, als aufregendes, Identität stiftendes, verwurzelndes Thema zu begreifen, das die eigenen Möglichkeiten entfaltet, das öffentliche Leben an diesem Ort aktiv mitzugestalten, ist zentrales Anliegen dieser Form von Theaterarbeit.

„MERI, PAUL, DER FREMDE UND ICH“ – ein Stück entsteht
In persönlichen Gesprächen mit jedem einzelnen Teilnehmer erfragte die Regisseurin Christiane Richers die individuelle Geschichte der Einwanderung, den ganz persönlichen Bezug zu Religion und zum Leben in Wilhelmsburg. Aus den einzelnen Biographien entwickelte sie das Theaterstück und die Texte für die Filmsequenzen. Im Stück werden diese Geschichten durch eine Art Katalysator-Figur – den „Fremden“ – abgerufen. „Der Fremde“ ist ein Mensch, dem durch ein traumatisches Erlebnis der Sinn des Lebens verloren gegangen ist. Er hat vielleicht einen Krieg überlebt, vielleicht war er beim Untergang von Babylon Augenzeuge, vielleicht erlebte er aber auch den 11.September in New York – das wird nicht genauer festgelegt. Er war damals 16 Jahre alt, so alt wie die Schüler. Seit dem Schock altert er nicht mehr, die Zeit ist für ihn stehen geblieben. Nun ist er auf der Suche nach dem Sinn seines Lebens, damit er es weiterleben kann.

Als Gestaltungsmittel bezogen wir neben dem Medium Theater auch das des Films ein. Dieses ergänzt, erweitert und vertieft die theatrale Handlung. Das Stück setzte sich zusammen aus Theater- und Filmszenen und brachte so den konkreten Ort Wilhelmsburg, seine Straßen, Plätze, Brücken und Brachen in den Theaterraum. Das Publikum konnte die Spieler in Alltagssituationen sehen und zugleich denken hören.
Die Filmsequenzen wurden unter Leitung des Filmregisseurs Sven Schütze an Orten in Wilhelmsburg gedreht, die für die Jugendlichen wichtig sind, und thematisieren ihr Verhältnis zum eigenen Stadtteil. Bei allen Filmaufnahmen waren die Schüler auch hinter der Kamera in vielen wichtigen Positionen, wie Kamera, Ton und Licht eingebunden und erlernten so einiges über Filmgestaltung und die Grundbegriffe des Filmemachens.

Tatkräftig unterstützt wurde die gesamte Vorbereitungsphase von Anke Ratjen, Studentin der Fachhochschule für Sozialpädagogik am Rauhen Haus. Sie absolviert ein Praktikum in der Geschichtswerkstatt und übernahm die Regieassistenz sowohl für die Film- als auch die Theaterarbeit. Matthias Cassun von Theater am Strom unterstützte die technische Einrichtung des theaterfremden Raumes maßgeblich.

Das Stück hatte im Gemeindesaal der katholischen St. Bonifatiuskirche in Wilhelmsburg Premiere. Die Gemeinde hatte uns den Saal für die gesamte Endprobenzeit zur Verfügung gestellt. Insgesamt 4 Aufführungen waren gut ausgelastet bis ausverkauft, und die Resonanzen waren sehr positiv. Für viele Besucher war es nicht nur ein unterhaltsamer Abend, sondern ein Erlebnis, das Spuren im Kopf hinterlassen hat. Beispielgebend ist hierfür ein Eintrag ins Gästebuch:
„Gut, dass ich da war. Habe ich doch etwas neu verstanden – etwas verstanden. Muslime, Wilhelmsburg, junge Menschen … jetzt weiß ich, dass heute Ramadan ist, dass der 28 – 30 Tage dauert und einmal im Jahr stattfindet. Hatte ich in 31 Jahren nicht erfahren. Auch ich habe mich in diesem Alter zur Religion hingewandt. Die Gemeinde-Clique im Ort – es war eine schöne Zeit. Doch niemand hätte in mir eine Gefahr gesehen. Ab heute schaue ich muslimischen Frauen in Deutschland wieder in die Augen. Hatte meinem Vater 1984 in Zagreb gesagt, es nicht zu tun. Damals war es anders. Macht`s gut!“

 
Projektauslöser/Idee:
Das Theaterstück „Meri, Paul, der Fremde und ich“ wurde als Fortführung des Projektes „Land in Sicht“ begonnen, dass die Geschichtswerkstatt in Kooperation mit dem Gymnasium Kirchdorf-Wilhelmsburg und dem Theater am Strom von 2003 bis 2004 durchgeführt hatte. Nach damaligem Abschluss des Projektes, der in Form einer New York-Reise stattfand, um das Stück "Land in Sicht" dort auf Ellis Island zu zeigen, gab es einige bemerkenswerte Reaktionen der Schüler zu den Unterschieden ihrer Identitäten. So bemerkte eine Schülerin: "Alle sind ganz amerikanisch, keiner legt mehr Wert auf seine Wurzeln, auf seine Herkunft. Wir behalten unsere Traditionen und unsere Sprache bei, soweit es geht. Die amerikanischen Schüler in ihren Elternhäusern überhaupt nicht! Das fanden wir verwunderlich. Wir Türken in Deutschland, wir sind gar nicht so wie die. Die sind total amerikanisch geworden, und wir sind gar nicht deutsch geworden." Daran zeigte sich, dass eine thematische Weiterarbeit eine spannende und aktuelle Angelegenheit werden konnte.
Zum Januar 2006 stand der Entschuss dann fest, dass eine weitere Projektarbeit stattfinden sollte. Anders als bei „Land in Sicht“, dass die Auswanderung der Menschen aus Deutschland v.a. nach Amerika zum Thema hatte, und in dem sich die überwiegend muslimischen Schüler mit den mehrheitlichen jüdischen Schicksalen der Menschen von vor 70 Jahren befasst haben, sollte es in „Meri ...“ um deren eigene Einwanderungsgeschichte gehen. Verbunden werden sollten die Kindheitserinnerungen und Jugendgeschichten der Schüler aus ihren ersten Heimaten mit den Alltagserlebnissen und ganz akuten Befindlichkeiten in ihrer zweiten, meist nicht frei gewählten Heimat Wilhelmsburg.
 
Projektentwicklung:
Man kann das Theater- und Filmprojekt "Meri..." in 3 Phasen aufgliedern: die Einstiegsphase, beginnend mit dem Theaterworkshop im Januar 2006, beinhaltet vor allem die Themen- und Geschichtenfindung für unser Ziel. Wir brauchten einen inhaltlichen Bogen und arbeiteten dem entsprechend an Themen wie z.B. dem Aspekt "Heimat", statt nur Probenarbeit zu machen. Da es sich z.T. schwerer als gedacht herausstellte, die SchülerInnen zum mühelosen Erzählen ihrer eigenen Geschichten zu bringen, bezogen wir sehr schnell das Medium Film mit ein und dokumentierten nicht nur unsere Stadtteilrundgänge, die deutlich machen sollten welche Orte den SchülerInnen wichtig sind. Wir begannen Einzelinterviews zu machen, aus denen Christiane Richers dann die ganz persönlichen Geschichten für die Textproduktion und das Stückentstehen herauszog.
Ein weiterer Aspekt dieser ersten Phase war das Annähern an die Theaterarbeit z.B. über das Einüben kleinerer, fertiger Sznene, die thematisch passend waren, wie etwa einem Auszug aus dem Buch "Life of Pi / Schiffbruch mit Tiger" von Yann Marrtel.
In der zweiten Phase unserer Arbeit, etwa ab Mai 2006, ging es dann um die Stückentstehung, wir begannen richtig zu Proben, Szenen entwickelten sich. Außerdem fand die Filmarbeit statt, die Filmszenen wurden erarbeitet, die SchülerInnen technisch geschult und es wurde gedreht.
Die dritte und letzte Phase, ab Juli 2006, bezeichnet dann natürlich das Zusammenführen der Arbeit, von Theater- und Filmmaterial. Endgültig ein Stück auf die Bühne bringen und es dann auch aufführen.
 
Besonderheiten:
Immer das gleiche Theater? Und was ist mit Innovation!
Schüler aus Kasachstan, Kosovo, Türkei, Bosnien und Deutschland erzählen von Beheimatung, vom Herkommen und Wegwollen.
Sie tun es das erst Mal in einem Theaterstück. Soweit so gut, jeder kennt das, schon tausendmal gesehen.
Oder?
Nein, denn es findet in einer offenen Bühnenform statt, die Zuschauer sind eingeladene Gäste, denen Tee und Kekse serviert werden. Obendrein werden die Geschichten teilweise in Kurzfilmen – kommentierten Filmen über den Alltag der Schüler – erzählt, die die Zuschauer auf einer Leinwand sehen. Und dann bricht „der Fremde“ in die Szenerie und wirbelt den ganzen Abend in seiner einnehmenden, herrischen, zuweilen rassistischen Art durcheinander, fast bis zum Abbruch.
Und was folgt aus den vier überaus erfolgreichen Aufführungen? Ein Dokumentarfilm.
Wir erweitern die Kurzfilme, wir drehen die Geschichte des Fremden, der den Schülern in Wilhelmsburg begegnet, und zeigen, wie er zum Theatersaal gelangt ist und warum er dort in die Aufführung geplatzt ist, was er gesucht hat. Wir binden die Theaterarbeit, die wir um das Medium Film ergänzt haben, zurück zum Theater und schaffen dabei doch eine neue Form von Film: halb dokumentarisch, halb fiktiv, ohne dabei ein typischer Spiel-Dokumentarfilm zu sein.
Alle Arbeiten werden auch dabei von Schülern übernommen: Kamera, Licht, Ton, das Übersetzen der Off-Monologe in die eigene Muttersprache und ins Englische für die DVD und die Bewerbungen auf internationalen Filmfestivals. Sie planen die Dramaturgie der Theater- und Filmszenen mit und lernen dabei die Unterschiede und Gemeinsamkeit von Theater und Film kennen und mit ihnen zu arbeiten. Sie begreifen die Wirkungsweisen beider Medien und erleben, wie man aus bekannten, tradierten Formen neue schafft; sie sind Kunstschaffende und lernen zugleich handwerkliches aus beiden Künsten.
Neben den bekannten Filmbeispielen, die ebenfalls teil-biographisch und mit Laien inszeniert sind („City of God“, „Lilja 4ever“, „Kids“) steht dieser hier als erweiterte Form neu und einzigartig dar. Mit der Bewerbung auf Filmfestivals, der angestrebten Kooperation mit dem NDR und die Veröffentlichung auf DVD bietet es den Schülern die Möglichkeiten, ihre Anliegen in künstlerischer Form weit über Wilhelmsburg hinaus zu artikulieren. So wird der Film auch Inspiration und Ansporn für andere Jugendlichen, Gruppen und Jugendbildungseinrichtungen.
 
Probleme und Lösungen:
Friedrich Nietzsche sagte einmal: "Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können."
Natürlich gibt es immer Probleme und Hindernisse bei einem derartigen Projekt. Alleine künstlerisch ist es eine Herausforderung Theater und Film zueinanderzubringen; das Ganze dann noch als Arbeit von und mit Schülern ist ein verstärkender Faktor. Zudem kommt die grundlegen spannende Situtaion, Kunst und Pädagogik in Form von Theater/Film und Schule zusammenzubringen, und nicht zuletzt ist es immer auch ein Erlebnis, wenn Menschen an sich aufeinandertreffen. Erst recht, wenn das Menschn mit ganz unterschiedlichen kulturellen Hintergründen sind und jeder seine ganz persönliche, unglaubliche, fasziniernde Geschichte und Person mit(ein)bringt.
Ein erstes Problem war, wie bereits erwähnt, Material von den Schülern zu bekommen - hierbei war das Medium Film sicher ein genialer Einfall und eine große Hilfe. Konfrontiert waren wir dann auch z.B. mit der Situation, dass eine muslimische Schülerin sich von heute auf morgen zum Kopftuchtragen entschloss und so eine ganze Szene umgestellt werden musste. Richtig sprachlos waren wir, als einer der Hauptakteure nur eine Woche vor der Premiere seinen Ausstieg verkündete - später hat er seine Entscheidung, doch zu bleiben, nicht bereut. Und die hochkomplizierten technischen Fragen von scheinbarer Unlösbarkeit, die der ungewöhnliche Bühnenraum in einem nicht als Bühnenraum konzipierten Ort mit sich brachte, haben wir längst verdrängt. Letztlich würde es den Rahmen sprengen, dies alles aufzuzählen und zu erläutern. Wir alle wissen, dass es diese Probleme gibt. Lieber halten wir fest, dass es am Ende eine einzigartige und mitreißende Angelegenheit wurde, in der alles geklappt hat, und die uns trotz aller Probleme zum Weiterarbeiten veranlasste. Wir wollen hier nicht weiter analysieren, lieber begeistern und Neugier wecken, für die Weiterführung des Projektes, in Form des Dokumentarfilms.
 
Anekdotisches:
Samstagmittag – 30. September 2006. Andere liegen wahrscheinlich noch im Bett – ich liege in einem großen Haufen orientalischer Kissen. Geschichtenerzählerkissen, auf denen Erzähler und Zuhörer ruhen, um zu lauschen. Das alles noch auf orientalischem Teppich, bei einem Gläschen Tee, leckerem Gebäck zum Knabbern, sanfter Musik und atmosphärischem Licht… Mitten in diesem Kissenhaufen, liege ich - die Augen geschlossen, leises Stimmengemurmel und mal ein Lachen, dringen an mein Ohr. Jetzt möchte ich nur noch einschlafen…
Da klingelt mein Handy – vorbei ist es mit der Ruhe ich bin wieder voll in der Arbeit und absolut Ohr. Nach zweieinhalb Monaten Intensivarbeit geht das ganz routiniert, wenn auf dem Display die Namen von Regisseuren, Technikern oder SchülerInnen auftauchen. Gestern war die Premiere von „Meri, Paul, der Fremde und ich“ im Gemeindesaal der katholischen Bonifatiusgemeinde – mitten in Wilhelmsburg. Es war ein Erfolg, es war spannend und chaotisch. Und das Ich, das ist in diesem Fall meine Person, die projekteigene Praktikantin, Regie- und Produktionsassistentin, sowie vieles mehr – und eigentlich möchte dies Ich nur mal wieder ausschlafen!
...
Aus unserem Theaterprojekt wurde ein Theaterprojekt mit Filmszenen, das nachhaltig beeindruckte – wir können nicht einfach aufhören – und wir wollen auch gar nicht. Das, was diese Jugendlichen zu sagen habe, ist hörenswert und die Reaktionen ermutigten uns, daher werden wir in eine weitere Projektphase gehen: Aus dem Theaterprojekt mit Filmszenen wird ein Dokumentarfilm, der nicht etwa zeigt, was und wie eine Gruppe Jugendlicher unter Anleitung zweier professioneller Theaterschaffender arbeitet. Ein Dokumentarfilm, der zeigt, was man sieht, wenn man den „Sprung über die Elbe“ gemacht hat.
Bis zum Sommer 2007 hat das Ich aus dem Kissenhaufen also noch eine Menge vor und ausreichend zu tun. Letztendlich ist Schlaf ja auch etwas sehr relatives und ich freu mich jetzt schon, wenn wir die Geschichten noch einmal neu erzählen können. Bis dann! Wir treffen uns...

(Anke Ratjen)