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Danny und Denis installieren die Handlampen
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Sascha und Sophie vertieft beim gemeinsamen Spiel auf der Minibühne
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Die Szene "Knusper" während der Probe
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Szene "Durchbruch"
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Schlussapplaus beim Internationalen Figurentheaterfestival in Erlangen
LEBEN IM OFF
Schule:
Levana-Schule Schweich
Bernhard-Becker-Str. 6
54338 Schweich
Tel. 06502/930920
Fax: 06502/995401
www.levana-schule-schweich.de

Förderschule/Sonderschule / Gebundener Ganztag
 
Kooperationspartner:
Institut für Theater- und Medienwissenschaft
Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg
Herr M.A. André Studt
Bismarckstr. 1
91054 Erlangen
Tel.: +49 (0)9131 8529236
Fax: +49 (0)9131 8529238,
www.theater-medien.de

Roman De Giuli
Dozent für Medienpraxis am Institut für Theater- und Medienwissenschaft.
Tätigkeitsbereich: Projektseminare und technische Übungen für die Bereiche Video & Audio; Konzeption, Planung & Umsetzung für Film, Fernsehen und Hörfunk.
Bismarckstraße 1
D-91054 Erlangen
Telefon: (09131) 85-29395
Fax: (09131) 85-29238
www.theater-medien.de

Gerd Budschigk
Technischer Inspektor Experimentiertheater
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen/Nürnberg
Bismarckstraße 1
D-91054 Erlangen
Tel.: (09131) 85-22508


Georg Pöhlein
Fotograf
Institut für Archäologie der Universität Erlangen-Nürnberg
Kochstr. 4/19
91054 Erlangen
Tel: 09131 - 8524791

Birte Müller
Autorin und Illustratorin
Moorbekring 25 k
22359 Hamburg
www.illuland.de

M.o.S. Recording Studio
Andreas Heinen
Hans Bongers Straße 1
54634 Bitburg
Tel.: 06561/695780
www.mosrecording.de

Stadtbibliothek Palais Walderdorff
im Bildungs- und Medienzentrum
Gertrud Stelter
Dipl. Bibliothekarin
Domfreihof 1b
54290 Trier
Tel: 0651/718-2420
www.stadtbibliothek-walderdorff.de

 
Beteiligte Schüler:
15
15 Schüler und Schülerinnen der Werkstufeklassen
10. - 12. Schulbesuchsjahr
 
Beteiligte Lehrkräfte:
1 Lehrer; Theater, Kunst, Werken, Neue Medien,Daniela Konz; Theater, Deutsch, Religion,1 Lehrerin; Tanz, Deutsch,Kunst,1 Lehrerin; Deutsch, Tonwerken, 1 Lehrerin; Deutsch, Religion, 1 Lehrerin, Textiles Gestalten, 1 Lehrerin; Religion, 1 Lehrerin; Religion, Kunst,
 
Stundenvolumen:
Oktober 2012 - Dezember 2014
7 Wochenstunden Schattentheater über 2 Schuljahre
Deutschunterricht 4 Stunden wöchentlich
Kunstunterricht 4 Wochenstunden
Werkunterricht 4 Wochenstunden
Medienunterricht 2 Wochenstunden
Lebenskunde 2 Wochenprojekt Februar 2014
Musikunterricht 2 Wochenstunden und 3 Projekttage im Tonstudio im Januar 2013
Tanzsportunterricht 3 Wochenstunden/2 Schuljahre
7 Exkursionsfahrten nach Erlangen durchschnittlich 3 bis 5 Kalendertage
7 Tagesexkursionen zur Stadtbibliothek Trier
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
"Die Menschen können sehr verschieden sein, aber ihre Träume sind es nicht!"
Jens Peter Jacobsen, (Dänemark, 1847 - 1885).
Studierende der Theater- und Medienwissenschaft und Theaterpädagogik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen/Nürnberg und SchülerInnen der Levana-Schule, einer Schule mit dem Förderschwerpunkt ganzheitliche Entwicklung begegnen sich, lernen sich kennen und respektieren, entwickeln und spielen ein Schattentheater-Stück mit emotionaler Tiefe, bewegenden Träumen/Wünschen und unverrückbaren Realitäten.
Diese Kooperation thematisiert die unterschiedlichen Wahrnehmungen und Ausgestaltung von Lebenswelten; das Leben der Studierenden ist für die Schüler dabei genauso unbekannt wie umgekehrt die Teilhabe von Menschen mit Handicap an unserer Gesellschaft für die vermeintlich ‚normalen’ Menschen oft im Dunkeln bleibt.
Das Ende unseres vorangegangenen Projekts „Was guckst du?!“, die daraus entstandene Weiterentwicklung der Fragen und Aussagen zum Leben von Menschen mit und ohne Behinderung und der unbedingte Wunsch der SchülerInnen doch bitte in absehbarer Zeit die Studierenden wieder zu treffen und mit ihnen „was zu machen“, gaben den Startschuss zur neuen Idee „Leben im OFF“. Dabei war von vorneherein klar, dass es aufgrund der fantastischen und unerwarteten Erfahrungen beim Projekt „Was guckst du?!“ erneut die Entwicklung eines Stückes mit den Mitteln und Möglichkeiten des Schattentheaters werden sollte, ein Medium, dass die Levana-Schüler beherrschen und als Experten auftreten.
Der Arbeitstitel „Leben im OFF“ wurde von beiden Gruppen auf unterschiedliche Art und Weise mit Leben gefüllt. Ideen, Lebensträume, Visionen, Ängste der Studierenden und der Levana-SchülerInnen wurden in ihren Gemeinsamkeiten und Unterschieden beleuchtet, jeder in seiner ihm vertrauten Umgebung. Für die SchülerInnen mit ganzheitlichem Entwicklungsbedarf bedeuteten diese abstrakten Fragestellungen eine besondere Herausforderung. Was ist ON und was ist OFF? Eine sehr konkrete und greifbare Erarbeitung fand statt und transportierte bei einigen Schülern starke Emotionen an die Oberfläche. ICH in meinem konkreten Dasein, mit allen Vor- und Nachteilen, ICH in der Wechselwirkung zu meinem direkten Umfeld (Familie, Freunde, Schule …)… Immer tiefgreifender wurde die Befragung des eigenen Daseins, der eigenen Möglichkeiten und Vorstellungen vom Leben. In den Fächern Religion und Deutsch wurden Bindungsintensitäten grafisch dargestellt: Grün für die positiven Beziehungen und rot für negativ besetzte Verbindungen. Die stärksten und intensivsten Texte der SchülerInnen entstanden vor allem in für sie emotional schwierigen Situationen und zeugten von großem Vertrauen und Respekt. Im Folgeschritt konnten die sehr persönlichen Erkenntnisse mit den fiktiven Begriffen ON/OFF in Verbindung gebracht werden. Ariane gelang eine sehr treffende Definition für ON/OFF, die für alle SchülerInnen und im weiteren Verlauf auch für die Studierenden die Grundlage für den Aufbau des Stückes bildete.
„ON ist, wenn es hell ist, wenn man mich sieht, wenn es mir gut geht. OFF ist, wenn es dunkel ist, wenn ich nicht da bin, wenn es mir schlecht geht.“
Ab diesem Zeitpunkt konnte eine Verbindung zur kreativen und theatralen Aufarbeitung geschaffen werden. Das Aufbrechen der teils starren Schulstrukturen, die sehr vertraute Kooperation mit dem Institut für Theater-und Medienwissenschaft der Friedrich-Alexander-Universität und damit die Eröffnung neuer Lernwelten beinhaltete die große Chance, diese teils hoch abstrakten Gedanken in konkrete Bilder umzusetzen und dadurch regelrecht greifbar werden zu lassen.
Bei jedem Treffen in Schweich oder in Erlangen wurden neue Türen geöffnet, standen weiterführende Fragen im Raum. Schüler und Studierende führten gegenseitig Interviews durch, entwickelten neue Bilder/Durchbrüche und Assoziationsmöglichkeiten. Doch wie gehen wir mit dem neu gewonnenen Wissen um, was machen wir damit, was macht es mit uns? Die Metapher der Playmobil-Figuren als Stellvertreter für uns als Person hielt Einzug in die Entwicklung des Stückes. Wer bin ich? Wer will ich sein? Welche Playmobil-Figur ist mein Platzhalter? Für die SchülerInnen war der Bezug sehr real und klar. Denis wählt eine Playmobil-Figur mit Hemd und Krawatte, weil er sich gerne schick kleidet, Ariane wählt eine Mädchenfigur, weil sie kleine Kinder mag, Danny wählt einen Landwirt, weil er gerne Traktor fährt … Bei den Studierenden geschieht die Wahl unter Fokus der Traumwelten. Pia wählt einen kleinen Prinzen …, Anna einen Astronauten …, Julia einen Piratenjungen …
Immer wieder wurden und werden eingeschlagene Wege geändert und/oder verlassen.
Um dieses besondere Projekt einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist eine Publikation (eine Art Bilder-Lese-Buch mit Medienbeigabe) geplant, die die Zusammenarbeit von Universität und Schule dokumentieren soll. In einem Film-Projektseminar mit Roman de Guili und 15 Studierenden wurde gezielt die Arbeit der Theatergruppe dokumentiert, ein professioneller Mitschnitt der Aufführung erstellt sowie die teilhabenden Persönlichkeiten porträtiert und interviewt.
Die Frage der Auswahl der Musik stellte uns vor ein großes Problem, zumal wir auch beabsichtigten, die entstehenden Filmaufnahmen über Theaterarbeit und Theaterstück, ins Internet zu stellen. Das Problem wurde dadurch gelöst, dass unsere Schüler vorschlugen eigene Klänge zu produzieren. Im M.o.S. Recording Studio in Bitburg, unter der fachlichen Anleitung von Andreas Heinen, entstehen Klangteppiche, die den einzelnen Szenen des Theaterstücks die nötige musikalische Tiefe geben. Weitere Szenenmusik stammt von der Hamburger Musikband Station 17, die uns freundlicher Weise die Genehmigung zur Nutzung ihrer Titel für LEBEN IM OFF erteilt haben. Station 17 ist eine Musikband aus Hamburg. Sie besteht aus behinderten und nicht behinderten Musikern und wurde 1988 von Bewohnern der Wohngruppe 17 der Evangelischen Stiftung Alsterdorf, von professionellen Musikern gegründet, um im Rahmen eines Projektes ein Album aufzunehmen.
Dass Kooperationen ein Gewinn für beide Seiten sind, zeigt sich in beispielhafter Weise in der technischen Unterstützung die unsere Schüler durch Gerd Budschigk, den Technischen Inspektor des Experimentiertheaters erfahren. Er hilft unseren SchülerInnen beim Aufbau der Technik und berät sie, wie man Szenen die im ON ablaufen am Optimalsten beleuchtet und welche Scheinwerfer und Theaterlampen dafür benötigt werden. Andererseits ist er vollkommen angetan vom Knowhow der SchülerInnen was Schattentheatertechnik angeht und lässt sich vom Medium inspirieren. Für die Aufführungen in Schweich stellt uns das Experimentiertheater die benötigte Technikausrüstung wie selbstverständlich zur Verfügung, ohne die es nur schwierig wäre das Theaterstück im Bürgerzentrum unserer Stadt aufzuführen.
Immer wieder begegnen uns neue interessante Menschen. Im gemeinsamen Gedankenprozess öffnen sich weitere Korridore der Kooperation, die die Gedankengänge der Schüler und Studierenden auf eine neue Ebene heben, in dem sie z.B. durch Texte von Birte Müller (Autorin, Illustratorin und „betroffene“ Mutter), durch die Zusammenarbeit mit dem Projektseminar „Technik“ des Instituts für Theater- und Medienwissenschaft, die Vorgänge und Entwicklungen in aussagekräftigen Filmsequenzen festhalten und die Schüler in Aktion und Wort festhalten, einem ambitionierten Fotografen Georg Pöhlein, der den Zauber des Augenblicks in unsagbar starken Bildern einfängt, denn wo uns die Worte fehlen, spricht das Bild und wo Wort und Bild (auch in einfacher Form und Sprache) aufeinandertreffen, entsteht eine Aussage, die gesellschaftlichen Einfluss hat, die bisher verborgene Gedanken und Fragen der echten Inklusion, der Formen möglicher Teilhabe aller an unserer Gesellschaft an die Oberfläche, ins ON trägt und somit zu Diskussion und Weiterentwicklung nicht nur im Kleinen anregt, sondern beginnt, zunächst enge, aber zusehends wachsende Kreise zu ziehen.
Durch die Einbindung der Stadtbibliothek Palais Walderdorff in Trier, als weiteren Kooperationspartner, ergeben sich fantastische Lernmöglichkeiten für unsere SchülerInnen. Die Abteilung Leichte Sprache befindet sich dort im Aufbau. Für die Vorarbeiten für unsere Publikation in leichter Sprache ein eminent wichtiger Baustein um adäquat in der Bibliothek zu recherchieren, als auch unsere Texte entsprechend zu formulieren. Unsere Schüler tragen dazu bei diese Abteilung mit zu gestalten. Wir bringen unsere Erfahrungen und Ideen mit ein, die gerne von der Stadtbibliothek übernommen werden. Im Herbst wird dort mit theatralen Szenen das Buch, das auch in „Leichter Sprache“ geschrieben wird, „LEBEN OM OFF – Von der Gleichheit der Träume“ präsentiert.
Die ersten Arbeitsergebnisse des Theaterprojekts konnten wir im Mai 2013 im Rahmen des 18. Internationalen Figurentheaterfestivals in Erlangen mit großem Erfolg in zwei Aufführungen einem Fachpublikum präsentieren. Im Dezember 2013 fanden weitere Aufführungen des weiterentwickelten Stücks im Experimentiertheater der Uni Erlangen statt. Den Abschluss der Aufführungen findet Anfang März 2014 in Schweich statt.
 
Projektauslöser/Idee:
Aus einem Beratungsgespräch eines Schülers mit der Agentur für Arbeit, stellte der Arbeitsberater folgende Frage: „Welchen Beruf möchtest du denn ausüben?“ – Der Schüler antwortet spontan: „Schauspieler!“ – Daraufhin antwortet der Arbeitsberater: „Das geht nicht!“
Wir wollten mit diesem Projekt das Gegenteil beweisen.
Das Ende unseres vorangegangenen Kooperationsprojekts „Was guckst du?!“, mit dem Institut für Theater- und Medienwissenschaft, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen/Nürnberg und die daraus entstandene Weiterentwicklung der Fragen und Aussagen zum Leben von Menschen mit und ohne Behinderung und der unbedingte Wunsch der SchülerInnen doch bitte in absehbarer Zeit die Studierenden wieder zu treffen, "wann fahren wir wieder nach Erlangen?" und mit ihnen „was zu machen“, gaben den Startschuss zur neuen Idee „Leben im OFF“.
 
Projektentwicklung:
Oktober 2012, Treffen der Projektleiter Studt/Malmedy in Erlangen und Entwicklung eines Zeitplans


Planung eines Thematischen Rahmens
Der Übergang Schule/Ausbildung/Studium – Beruf
Platz im Leben (allgemeine Perspektive)
Platz in der Arbeitswelt (spezielle Perspektive)
Gemeinsamkeiten und Differenz von Studenten und Schülern des Projekts

Aufgabenstellung Gruppe Levana-Schule

Perspektive der Jugendlichen
Pläne, Hoffnungen, Erwartungen, etc.
Wahrnehmung von Stigmatisierung / Benachteiligung

Perspektive des sozialen Rahmen
Schule / Erzieher
Familiärer Hintergrund

Perspektive des administrativen / bürokratischen Rahmens
Agentur für Arbeit / Eingliederungskommission
Psychosoziale Eignung = Befähigung für den ersten Arbeitsmarkt
Werkstatt für Behinderte (WfB)
Wert des Schulabschlusses (es handelt sich um keinen berufsqualifizierenden Abschluss – Abschluss ist eine Erklärung über die Befähigung zur sozialen Integration)

Aufgabenstellung Gruppe Friedrich-Alexander Universität Erlangen/Nürnberg

Studium / Beruf / Berufung – Standpunkte / Wert des Studiums?
Recherche zum Thema Arbeit /Würde /Wert
Recherche zum Thema Integration /Inklusion
Angst vor der Zukunft? (Differenz zur Gruppe Schweich?)
Studium ist markant für den Abnabelungsprozess von Familie (Differenz zur Gruppe Schweich?)
Recherche zum Thema Diskriminierung (Sachverhalt / Ideologie / Politikum)

November/Dezember 2012 Levana-Schüler
Workshop Kulissenbau, Bühneninstallation
Workshop Dramaturgie
Workshop Licht - Bau von dimmbaren Halogenlampen


Dezember 2012 Treffen beider Gruppen in Schweich
Kennenlernen,
Präsentation des Arbeitsstandes und Austausch
Gemeinsame Übungen an der Schattenwand
Gemeinsames Erarbeiten eines Szenischen Konzeptes
Proben einzelner Szenen

Januar 2013 Levana-Schüler
Workshop Licht
Workshop Raum

Januar 2013 Levana-Schüler
Einbindung eines neuen Kooperationspartners Andreas Heinen, (MOS Recording Studio, Bitburg) Gemeinsame Aufnahmen von Tonspuren unter professionellen Bedingungen für neue Szenen

Februar 2013 Treffen in Erlangen
Präsentation des Arbeitsstandes
Proben einzelner Szenen im Experimentiertheater unter professionellen Bedingungen
Weiterentwicklung des szenischen Konzeptes

April 2013 Levana-Schüler
Workshop Video
Aufnahmearbeiten mit Playmobilfiguren in Stop-Motion-Technik und Filmschnitte

April 2013 Treffen in Schweich
Fertigstellung des vorläufigen Konzeptes
Einbindung eines neuen Kooperationspartners, Birte Müller, Hamburg(Planet Willi), Bearbeitung und Einbindung ihrer Texte in das Theaterstück LEBEN IM OFF
Proben

Mai 2013 Treffen in Erlangen
Umsetzung des szenischen Konzeptes
Redaktionelle Vorarbeit für das Bild-Lesebuch
Aufführungen im Rahmen des 18. Figurentheaterfestivals in Erlangen
Einbindung eines weiteren Kooperationspartners , Georg Pöhlein, Fotograf, 1990 Kulturförderpreis der Stadt Erlangen. Bibliografie (Auswahl) Jakarta, Bamberg 1992
Großvater geht, Weitra 2001, Da liegt der Himmel näher an der Erde. Literaturlandschaft Franken, Weitra 2002, Gomringer – Wurlitz, Weitra 2002, Da liegt der Himmel näher der Erde, 2003, Senioren In Erlangen, Erlangen 2011, Warum Pietro Terracina sein Schweigen brach, Bamberg 2013,

November/Dezember 2013 Treffen in Erlangen

Gruppenneubesetzung, da vier Levana-Schüler im Berufsleben sind und zwei Studentinnen ausscheiden
Weiterentwicklung des szenischen Konzepts unter Berücksichtigung der neuen Spielerpersönlichkeiten und Proben der Szenen
2 Öffentliche Aufführungen im Experimentiertheater Erlangen
Einbindung eines weiteren Kooperationspartners Roman de Guili und 11 weiterern Studenten. Filmische Dokumentation unter professionellen Bedingungen mit Szenenaufnahmen, Interviews. Der Film wird der Buchpublikation beiliegen.


März 2014

Treffen in Schweich
Proben im Bürgersaal Schweich und große Aufführung am 8. März vor geladenen Gästen und Vertretern des politischen und gesellschaftlichen Lebens
Entwicklung und Aufgabenverteilung für das Bilder-Lesebuch,
Einbindung weiterer Kooperationspartner – Stadtbibliothek Trier und die Buchhändler In Schweich

April 2014 – Juli 2014
Arbeit am Buch in den diversen Gruppen Schweich/Erlangen Austausch über Skype und Internet. Projektarbeitsphasen unter Einbindung aller Werkstufenschüler der Levana-Schule mit den Themen Arbeitswelten, Biographie, Zukunftswünsche, Wohnen etc.
Lehrgänge in Leichter Sprache,
Schreibwerkstatt,
Fahrten zur Stadtbibliothek und selbstständiges recherchieren in der Buchabteilung Leichte Sprachen


September 2014
Nach den Sommerferien weitere redaktionelle Arbeit am Buch

Oktober 2014
Treffen in Erlangen und Präsentation des Manuskriptes in der Universität

November 2014
Druck des Buches.

Dezember 2014
Öffentliche Buchpräsentation in der Stadtbibliothek Trier unter Einbeziehung von theatralen Szenen.

Öffentliche Buchpräsentation im Buchladen „Die Buchhändler“ in Schweich.

Buchpräsentation im Rahmen der Levana-Schule Lesetage in der Schule.

Öffentliche Buchpräsentation in Erlangen


Ausstellung der Schülerbücher, Präsentation des Buches LEBEN IM OFF - Von der Gleichheit der Träume" und Performance in der Kunsthalle der Europäischen Kunstakademie Trier

 
Besonderheiten:
„Was du mir sagst, das vergesse ich. Was du mir zeigst, daran erinnere ich mich. Was du mich tun lässt, das verstehe ich.“Konfuzius
Schüler einer Schule mit dem Förderschwerpunkt ganzheitliche Entwicklung, entwickeln mit Studierenden der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen/Nürnberg ein gemeinsames Theaterstück über Lebenswirklichkeiten, über Wünsche, Träume, Freude, Ängste. Sie zeigen den Studierenden ihr Wissen und leiten sie in die Technik und Ästhetik des Schattentheaters an. Das findet nicht gerade um die Ecke statt, sondern 4 Autostunden von Schweich entfernt. Ein langer Zeitraum, fast zwei Jahre lang, wird daran konzentriert, prozessorientiert und kontinuierlich gearbeitet. Gegenseitige mehrtägige Besuche finden in Schweich und Erlangen statt. Die Gruppe arbeitet zusammen, pflegt die gemeinsamen Mahlzeiten und abends geht man gemeinsam aus, um den arbeitsreichen Tag mit vielen Gesprächen und in lockerer Atmosphäre ruhig abzuschließen. In der Regel entstehen gerade in diesen Gesprächen neue konstruktive Ideen. Nach harter aber kreativer Arbeit steht das Theaterstück – ein besonderes Schattentheaterstück.
Unser Kooperationspartner, André Studt, Dozent und Medienwissenschaftler im Institut für Theater- und Medienwissenschaft(ITM) schreibt dazu:
„Die seit 2008 bestehende Zusammenarbeit zwischen ITM und Levana-Schule, die mittlerweile zu zwei Theater-Projekten, diversen Begegnungen auf Festivals, in Workshops und Seminaren geführt hat, weist gleich mehrere Dimensionen auf, die für die konkrete Arbeit mit Studierenden der Theater- und Medienwissenschaft (in Lehre und Forschung) von großem Nutzen sein können.
Inhaltliche Dimension (Lerngegenstand)
- ....etwas über ‚Behinderung’ lernen:
Ein Mensch mit Handicap stellt – trotz aller gesellschaftlicher Bemühungen um Integration, Toleranz und (sozialer, politischer, kultureller, ...) Gleichberechtigung – immer noch ein Phänomen im ambivalenten Feld von Tabuisierung und Sensation dar. Dieses Feld gilt es in seiner historischen Genese, seinen Ausprägungen und Konsequenzen zu verstehen; dazu sollte ein Augenmerk auf die Kultur- und Sozialgeschichte der Behinderung und ihren Darstellungsformen und Sichtbarkeiten gelegt werden. Aus Sicht der Theater- und Medienwissenschaft kann man das Thema ‚Behinderung’ in vielfältigen Gegenständen – sei es in der Freak-Show / der Ausstellung des A-Normalen (zur Konturierung dessen, was man unter Normal verstanden wissen wollte), sei es im Rahmen von TV- oder Filmerzählungen – untersuchen. Schlussfolgerungen aus dieser inhaltlichen Beschäftigung mit dem Phänomen ‚Behinderung’ können als Impuls für die Konzeption der gemeinsamen Theaterprojekte verwendet werden.
- ...etwas über Schattentheater lernen:
In der konkreten Arbeit, d.h. den Proben, finden dann konkrete Begegnungen von Menschen statt, die ‚normalerweise’ wenig miteinander zu tun haben und hier von der gemeinsamen Arbeit profitieren und voneinander lernen – so werden die Studierenden von den Levana-Schülern mit den Techniken des Schattentheaters vertraut gemacht; oftmals findet sogar eine Erstbegegnung mit dieser Darstellungsform statt. Darüber hinaus korrespondiert diese Ausdrucksform vorzüglich mit dem Rahmen einer Theater- und Medienwissenschaft, weil in ihr sowohl performative als auch visuelle Aspekte zum Tragen kommen.
Strukturelle Dimension (Lehrgegenstand)
Gerade im Kontext der generell interdisziplinären Ausrichtung der angewandten Theater- und Medienwissenschaft und den Aktivitäten im Bereich des Master-Studiums Theaterpädagogik bzw. einem Vergleich von theatralen und medialen Darstellungs- und Erzählformen eignet sich das Schattentheater ganz vorzüglich als Lehrgegenstand:
Die Erfahrung von Alterität gehört, wenn es sich auf ästhetische Phänomene (z.B. auf Aufführungen) beziehen lässt, zum Standartrepertoire der Theaterwissenschaft; diese versucht dann, dieser ‚Befremdung’ analytisch beizukommen. In dieser Kooperation wird diese Begegnung mit dem ‚Fremden’ (im Sinne eines Nicht-Eigenen) nicht nur theoretisch / thematisch nachvollzogen, sondern kommt auch in gemeinsamen, ästhetischen Handlungen zum Ausdruck (bzw. realisiert sich oftmals bereits vorher in einer Art von individueller Verunsicherung im Bezug auf das Verhältnis von ‚normal’ / ‚behindert’). Durch die Kooperation mit einer Einrichtung, die bereits auf qualitativ hochwertigem Niveau Theaterarbeit in ihr allgemeines pädagogische Programm integriert hat, wird sichergestellt, dass sich bei der praktischen Zusammenarbeit auf inhaltliche, ästhetische und formale Fragen konzentriert werden kann (im Gegensatz zu Anfragen hiesiger Einrichtungen, die sich unter Kooperation meist nur die Ausarbeitung eines Freizeitprogramms für ihr Klientel vorstellen, ohne dieses an genuin wissenschaftliche Fragestellungen ankoppeln zu wollen).
Wissenschaftliche Dimension (Erkenntnisinteresse)
Die Kooperation bzw. die damit einhergehenden Projekte bieten für die weitere Profilierung der angewandten Theater- und Medienwissenschaft in Erlangen, die sich auf Fragen der Darstellung (Werkästhetik), der Darstellbarkeit und Vermittlung (Produktions- und Rezeptionsästhetik) fokussiert und damit das Feld eines Theorie-Praxis-(Theorie) Transfers bearbeitet, insofern eine Chance, da sich im oben angedeuteten Spannungsfeld von Tabu und Sensation einige Fragestellungen pointiert überschneiden bzw. miteinander konkurrieren. Bei der Suche nach Antworten wird dabei sowohl theoretisch reflektiert als auch praktisch ausprobiert, in welchen Verhältnis die konzeptionelle (Vor-)Annahme, eine ästhetische Handlung und die damit intendierte Aussage stehen müssen. Es ist beabsichtigt, diese Arbeitsprozesse zu dokumentieren und das Projekt ‚Leben im OFF’ als ‚Bilder-Lese-Buch’ zu publizieren.
Die Kooperation BEDEUTET, damit einen Lerngegenstand, einen Lehrgegenstand und einen Erkenntnisgegenstand zu haben. Man kann an ihr sowohl etwas über die gesellschaftliche Konstruktion von 'Behinderung' (und damit verbundenen Konsequenzen) als auch über das Schattentheater, seine medialen, visuellen, narrativen und dramaturgischen Eigenheiten und performativen Potentiale als Theaterform erfahren. Studierenden beginnen, den Schatten als ästhetische und/oder pädagogische Strategie zu erkennen - und fangen selbst mit Schattenspielen an oder schreiben Seminararbeiten über dieses Thema.
Die Kooperation VERÄNDERT - jedenfalls manchmal - damit die Sicht auf sich, den Mitmensch und den auftretenden Handicaps. Sie verändert den Blick auf Theater und dessen Möglichkeiten (und damit auch auf die wissenschaftliche Rahmung).“
Barbara, eine am Projekt beteiligte Studentin, die über LEBEN IM OFF ihre Masterarbeit schreibt, findet folgende Worte: „Meine inneren Grenzen und Berührungsängste wurden durch das Projekt hinfällig. Die Schüler zeigten mir, wie unvoreingenommen und offen man anderen Menschen gegenüber sein sollte. Die Zusammenarbeit war so ungezwungen, dass man den vielen Stress der Probephasen und Aufführungen nicht als Stress empfunden hatte. Manchmal steht in solchen Momenten die Welt still und man macht sich einfach mal keine Gedanken und hat keine Sorgen. Dieses Projekt wird uns immer verbinden, da wir zusammen kreativ, freundschaftlich und inklusiv diese Zeit erleben durften.“

Bei der Erarbeitung der Dramaturgie schicken die Studierenden unseren Schülern folgende Fragen, die wir im Unterricht besprechen und beantworten.
Fragen an die Levanagruppe und deren Antworten :
1. Was ist für dich behindert?
* wenn Leute sich nicht so gut bewegen können
* im Rollstuhl sitzen
* wenn man nicht gut oder gar nicht sprechen kann
* wenn man nicht hören kann
* wenn man nicht gut sehen kann

2. Was ist für dich normal?
* gesund sein
* was wir sind: wir können uns bewegen und reden, sehen, singen, tanzen, alles mögliche (Danny, Christin, Sabine, Björn)
* arbeiten gehen im öffentlichen, normalen Arbeitsmarkt (Sabine, Christin; Björn)
* spazieren gehen
* Spiele spielen
* eigene Wohnung
* eigenes Auto
* mal ausgehen
* heiraten

3. Was bist du?
* Björn: normal
* Sabine: normal
* Christin: normal, gesund
* Danny: normal
* Lena (Autistin): behindert
4. Bist du normal?
* siehe Frage 3
5. Bist du behindert oder gehandicapt?
* meine Augen (Danny)
* Björn, Sabine, Christin sind ohne Handicap
6. Gibt es Unterschiede zwischen dir und den Studenten?
* klar gibt´s Unterschiede
* Wir sind noch Normale und die sind schon Studentinnen, die tun schon studieren und wir nicht.
* Ihr seid in der Universität und wir in der normalen Schule für Geistigbehinderte.
* Wir würden das was ihr macht nicht schaffen, das wäre zu schwer für uns.
7. Was sind die Studenten?
* auch normal
* Menschen wie wir
* o.k.
8. Leben sie in einer anderen Welt?
* nein
* nö
* keine Ahnung
* weiß nix
9. Lebst du in einer anderen Welt?
* Ich glaube nicht.
* In meiner Freizeit lebe ich in einer anderen Welt, sonst nicht.
* Hier in der Schule, nein, aber in meinen Träumen und Gedanken, ja.
10. Warum ist deine Welt anders?
* weil es da viel Action und Spannung gibt (Danny)
* siehe Frage 9
11. Gibt es Sachen die du nicht machen kannst/ darfst, die andere dürfen?
* Ich kann durch die Chemikalien keine Frisörlehre machen, wegen meiner Haut (Christin).
* Ich kann keine Schürze zubinden.
* keine Ahnung
12. Was beleidigt dich am meisten?
* Schimpfwörter (Schlampe)
* Beschimpfungen oder Gerede über andere
* Beschimpfungen die gegen meine Mutter gehen
* Hab ich noch nie drüber nachgedacht.
13. Über welchen Beleidigungen stehst du drüber?
* kleine Beleidigungen, z.B. du bist eine riesige Bohnenstange, du bist hässlich
(Christin), Blödmann und Dummkopf (Danny), Idiot (Björn)
14. Was ist das Schlimmste, was man sagen kann?
* Wichser
* Fällt mir nix ein.
* schwule Sau oder lesbische Sau
* schwuler Sack
* Ankerkopf
* Arschloch
* Krokoschnauze
* fette Sau
15. Im wirklichen Leben tun Beleidigungen weh. Wie ist das im Theater für dich?
* Im Theater tut es nicht weh, weil da ist es ja nicht wirklich böse gemeint.
* Das ist ja nur geschauspielert.
* Ist doch nur gespielt.
16. Schafft das Theater einen Raum, um Grenzen zu überschreiten?
* Ja.
* Na, logo, Was ist das bitte für eine Frage.
* Natürlich.
17. Schaffen die Menschen im Theater einen besonderen Raum?
* Ja, sicher das.
* Spielräume schaffen
* Um kreative Ideen zu kriegen.
* Ideen freien Lauf lassen.
18. Was ist für dich Theater?
* eine schönes Stück aufführen, mit und ohne Sprache
* erfolgreich sein
* Wenn man mit Ideen die man hat, was darstellen kann, zur bestimmten Musik.
* Chancen und Möglichkeiten
* viele Reisen
* Orte, die wir noch gar nicht kennen
* Grenzen überschreiten
* Hemmungen überwinden
* mutig sein
* Spaß haben, denn ohne Spaß läuft nix.
19. „Behinderte Föten sollte man abtreiben“ – wie findest du das?
* Das sollte man nicht abtreiben.
* Das ist doch Kindstötung.
* Kannst du nicht machen.
* Das ist auch ein Kind, das leben will.
* Man sollte dem Kind auch eine Chance zum Leben geben.
20. „Behinderte kosten Geld, genauso wie Asylanten und Harz4ler“ – wie findest du das ?
* komisch
* Ich verstehe den nicht.
* Rollstühle, Rollator, behindertengerechte Toiletten werden benötigt.
* Manager kriegen natürlich garantiert ordentlich Geld, da fragt keiner nach.

Fragen an die Studentinnen:
Was ist für euch behindert?
Was ist für euch normal?
Lebt ihr denn in einer anderen Welt?
Was ist für euch Theater?
Stell dir vor, du erwartest ein behindertes Kind- was tust du?
Kosten Studenten Geld?
Wer bezahlt dein Studium?
Gibt es etwas, was du nicht kannst oder darfst?
Was ist für euch Beleidigung?
Was könnt ihr an Beleidigungen wegstecken und was nicht?
Was macht ihr nach eurem Studium? Wer bezahlt euch dann?
Habt ihr eine Lieblingsbeleidigung?
Wie fühlt ihr euch, wenn ihr Theater spielt?
Wenn du die Wahl hättest zwischen Allergie und Behinderung, was würdest du wählen?
„Behinderte kosten Geld“ – Würde man sich auch die Frage stellen Krebs-Stationen zu schließen, die kosten auch Geld?
Wenn ihr euch entscheiden müsstet zwischen Theater und Sport, wofür würdet ihr euch entscheiden?
„Theater als brotlose Kunst“ – Was würdest du tun? Unsicherer Theaterjob oder sicherer Job im Seniorenheim?

Theaterarbeit findet an der Levana-Schule Schweich seit mehr als zwanzig Jahren durch das Medium Schattentheater statt. Mehr als 320 Schüler und Schülerinnen haben in diesen Jahren in verschiedenen Ensembles ihr Programm vor vielen Zuschauern dargeboten. Das Schattentheater, das über die regionalen Grenzen hinaus, durch viele Festivalauftritte bekannt ist, hat im Verlauf der letzten sieben Jahre viele Preise erringen können. Schattentheater hat an unserer Schule einen fest verankerten Platz im Stundenplan. Zurzeit können wir im Rahmen der Arbeitslehre 7 Wochen-Unterrichtsstunden „Schattentheater“ anbieten. Das wirkt sich langfristig auf die Qualität des Spiels aus und die Spieler und Spielerinnen entwickeln sich zu selbstbewussten Persönlichkeiten und Experten.
Für das Stück LEBEN IM OFF bauen die SchülerInnen im Werkunterricht spezielle Handlampen. Diese setzt man, im Gegensatz zu statischen Lichtquellen wie die Overhead-Projektoren, für das bewegte Spiel im Raum ein. Das bedeutet, wenn getanzt wird tanzen diese Lampen mit und es entstehen fantastische Schatten, die ständig wechseln zwischen gigantischen und kleinsten Schatten. Dazu sind die Lampen dimmbar.
Im Medienunterricht haben wir uns mit der Stopp-Motion-Technik auseinandergesetzt. Die SchülerInnen bauen hierzu ein kleines Filmstudio, mit Fotohintergrund und der Spielboden wird wie in einer Miniaturwelt vorbereitet. Die ausgesuchten Playmobilfiguren werden nun animiert, Schritt für Schritt fotografiert. Vorher ist der Spielplan im Sekundentakt abgesteckt worden. Wie im richtigen Filmgeschäft werden die Rollen verteilt: der Beleuchter, der Figurenanimateur, der Fotograf. Dieses Zusammenspiel bedeutet harte Arbeit und die SchülerInnen zeigen alles; sind hochmotiviert und -konzentriert. Die einzelnen Fotoreihen werden mit Hilfe eines Filmbearbeitungsprogramms im Medienunterricht zum Film aneinandergereiht und mit Musik hinterlegt. Am Ende haben die Schüler insgesamt 6 Kurzfilme gedreht, die im Theaterstück die Lebenswelten der einzelnen „Figuren“ szenisch durch Großprojektion auf die Schattenwand zeigen. Ein Traktor fährt über die Äcker, eine Playmobilfigur geht in die Dicso und tanzt, auf dem Spielplatz spielen Kinder, eine Szene aus dem Klassenraum und sogar ein Südseeinselszenario mit Surfer und Hochzeit in der Abendsonne entsteht.
Danny hat die Idee, dass man auch ein Schattentheater für die Playmos bauen könnte. Die Idee findet hohen Zuspruch und es wird ein Modelltheater im Playmobil-Format 1:25 gebaut, mit Schattenwand, Verdunklung, fester und beweglicher Beleuchtung. Nebenbei lernen die Schüler Raummaß und Maßstab anzuwenden. Eine höchst komplizierte Angelegenheit im regulären Mathematikunterricht. Hier wird es verstanden, die Figuren werden abgemessen. Die Schüler verstehen, dass eine 7,2cm große Playmobilfigur einer richtigen Größe von 180 cm entspricht! „Die Playmos sind ja fast so groß wie wir, wenn die richtig lebendig in unserer Welt wären, wirft Tobias ein. Am Modell können wir nun Spielszenen vorbereiten und die Schattenwirkungen, je nach Lichtquelle experimentieren. Im Theaterstück kommt die Minibühne gezielt zum Einsatz, sie heißt dort „Sophies Welt“. Sophie, 17, spielt während des Theaterstücks öfter mit den Playmobilfiguren und hat durch ihr ungehemmtes experimentelles Spiel zur Veränderung einiger unserer Szenen beigetragen.
Auch zwei kleine Projektionsbühnen in Form von Türrahmen werden im Werk- und Theaterunterricht konstruiert. Die Projektionsfläche besteht aus Makulaturpapier. In der Schlussszene treten Personen aus ihrem Schatten heraus, indem sie sich langsam durch das Papier arbeiten. Die Szene erinnert an einer Metamorphose, in der sich Schattenfiguren zu leibhaftigen Menschen verwandeln.
Im Deutschunterricht befassen wir uns intensiv mit den Fotografien von Georg Pöhlein. Auf Georg Pöhlein wurden wir während eines Kulturprojekts der Stadt Erlangen mit Kindern aus bildungsfernem Umfeld aufmerksam. Während der Schattentheaterworkshops fotografierte er so, dass die Kinder ihn nicht warnahmen. So entstanden Fotos mit enormer Aussagekraft.
Wir begegneten Georg Pöhlein wieder beim 18. Internationalen Figurentheaterfestival, wo er als Festivalfotograf beschäftigt war. Hier konnten wir ihn zur konkreten Teilnahme in unserem Projekt gewinnen.
Die Fotos halten wichtige Momente unseres Treffens in Erlangen fest, die nicht mehr im Bewusstsein der Schüler sind. Durch die Fotos werden die Erinnerungen wach und die SchülerInnen beschreiben die Aufnahmen unsagbar präzise. Die Aussagen werden schriftlich dokumentiert und nach Szenen geordnet, denn einerseits werden diese Aussagen der Schüler im Buch publiziert, andererseits bieten sie vor den Aufführungen dem Publikum eine kleine Einführung, eine Art Programmheft über das Theaterstück LEBEN IM OFF auf Ausstellungswänden.
Cora, Adrian und Tobias beschreiben z.B. das Foto „Gefängnis“, auf dem Sophie abgebildet ist:
… Sophie im Gefängnis …
… ein Männchen …
… ein roter Schatten hinter Sophie …
… Sophie sieht sehr nachdenklich aus, ihre Hände sind gefaltet.
… Woran denkt Sophie?
… Sie sieht einsam aus.
… Sie guckt auf den Boden.
… Der Schatten ist ROT und Sophie ist SCHWARZ.

Sophie beschreibt das Foto „Knusper“ aus der Knusperszene:
… knusper …
… Zucker … fällt … ab …
(rechte Seite des Fotos wird gestreichelt)
… Mund … guck … Auge …
… Loch …
… Sophie …
(streichelt Fotomitte)
… ab …
(linke Seite Foto wird gestreichelt)
… Auge … Mund… Loch …
(Fotomitte)
…Auge … Mund … Loch, nein …
… Licht … gelb …
(zeigt auf Schnipsel am Boden)
… hier …putt …
(rechte Fotoseite wird gestreichelt)
… Vorhang …
… fertig!

Während den Proben stellen wir immer wieder fest, dass die Beschimpfungsszene dramaturgisch den anderen Szenen hinterherhinkt. Zunächst wurden Fotografien der Playmos die nicht mitspielen durften, live beleidigt.
In einer späteren Szeneninterpretation wurden die Beschimpfungen durch Studentinnen und SchülerInnen aus dem Off ins Mikro gesprochen.
Wir waren immer noch nicht zufrieden. Cora bringt uns auf die Idee, ob man es nicht mit einem Wörtertanz darstellen könnte. Der Vorschlag wird von allen befürwortet und es entsteht eine Zusammenarbeit der Theatergruppe mit der Tanzgruppe der Levana-Schule. Hier entwickelt die Tanzgruppe eine beeindruckende Choreografie in der Beschimpfungswörter und Audioaufnahmen eingeblendet werden und tänzerisch interpretiert werden.
Das Zusammentreffen und gemeinsame Lernen mit Studierenden der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zeigt, wie verschiedene „Welten“, die eine hoch intellektuell und die andere höchst emotional, voneinander lernen und voneinander profitieren können. In diesen Kooperationsprojekten bekommen unsere Schüler die Chance, Lernfelder zu entdecken, die sie normalerweise in ihrem Leben nicht erschließen würden. Lernen vor Ort als Prinzip, das heißt im exzellent eingerichteten Experimentiertheater der Friedrich-Alexander Universität Erlangen/Nürnberg, unter der Anleitung von Universitäts-Dozenten, bietet den Schülern die einzigartige Möglichkeit, kreative und fantasievolle Abläufe zu erlernen und im weiteren Verlauf sowohl ihren Mitschülern als auch ihren Lehrern als Experten gegenüber zu stehen und zu vermitteln. „Learning-by-doing“ impliziert hier in jeder Hinsicht das „Thinking-about-it“.
Die ganzheitlichen, handlungsorientierten, entdeckenden und innovativen Lernprozesse im fächerübergreifenden Unterricht bewirken zudem eine tiefgreifende Veränderung des Schulalltags. Die Kooperationen mit unseren Kulturpartnern wirken nachhaltig und sind auf weitere Projekte ausgelegt. Dies garantiert unseren Schülern neue Entwicklungsfortschritte zu erzielen und hoffentlich weitere exzellente und innovative, kreative und kulturelle Projekte mitzugestalten.


 
Probleme und Lösungen:
Am Anfang ist uns schnell klar geworden, dass es sehr viel schwieriger ist, diese mentale Ebene der Visionen und Wünsche der Schüler und Studenten in Form des Schattentheaters auf die Bühne zu bringen.
Die Ebenen zwischen Menschen mit Behinderungen und den sogenannten „normalen“ Menschen verschwimmen zusehends. Eine klare Differenzierung zwischen normal und behindert scheint nicht mehr möglich/ nicht mehr nötig.
Lösungsansatz:
Die Öffnung der Bühne – alle Beteiligten sind sichtbar in ihrem Tun, in ihrem Aussehen, in ihrem Dasein.
Für die Beschimpfungsszenen wurden Playmobil-Figuren als Stellvertreter der Spieler ausgesucht.
 
Anekdotisches:
„Ich spiele gerne Theater, weil mir gefällt das Zusammenarbeiten mit den Studenten, ….meine Rolle in der Technik....., das Ausprobieren...., …...das Wegfahren...., ….neue Welten entdecken.“
Denis, 18 Jahre, Lichttechniker im Schattentheater

Adrian, 17, zum Interview mit Studenten des Filmdokumentationsteams:
„Die haben mich gefragt, ob das geht.“
„Ich habe ja gesagt.“
Student: „Ja, was geht?“, Adrian: „Ja, alles!“

„Wenn nach einer Aufführung der Applaus beginnt, dann ist das so, als ob mir ein Stein vom Herzen fällt! Und es geht mir richtig gut“
Cora, 17 Jahre