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Jaques Dupont erläutert das Vido-Mapping
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Poetische Botschaft
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Raum und Klima
Schule:
Fritz-Karsen-Schule
Onkel-Bräsig-Straße 76/78
12359 Berlin
0306090010

www.fritz-karsen.de

Gesamtschule / Gebundener Ganztag

 
Kooperationspartner:
Ilka Normann

www.kulturnetzwerk.de
www.youngarts-nk.de


Medienkünstler
Jacques-André Dupont
www.JADUPONT.com


Aktionskünstler und Designer
Jorn Ebner
www.jornebner.info

 
Beteiligte Schüler:
16
Schüler und Schülerinnen des Leistungskurses im 12. Jahrgang

 
Beteiligte Lehrkräfte:
1 Kunsterzieherin, Bildende Kunst
 
Stundenvolumen:
5 Wochenstunden über 2 Monate, zwei Projekttage
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Ziel des Projektes war es, eine Lichtprojektion im Stadtraum zu entwickeln. Als Projektionsfläche diente eine Hauswand des Gebäudes der Jugendkunstschule Young Arts NK in Berlin-Neukölln im Format von 9m x 10m. Diese Wand, unterbrochen von vielen Fenstern und einer Tür, sollte in zwei Nächten als Fläche für eine Lichtkunstprojektion zum Thema „Raum und Klima“ dienen. Begleitet wurde die Arbeit vom Lichtkünstler Jaques Dupont.

Licht ist eine der bedeutendsten Voraussetzungen und Ursachen für die Entstehung des Lebens auf der Erde und wird in vielen Schöpfungsmythen als eine solche erkannt und gewürdigt. In allen alten Kulturen ist die religiöse Verehrung des natürlichen Lichtes zu
finden. In der Gegenwart leben wir Tag und Nacht begleitet von den künstlichen Licht-quellen der Bildschirme und Leuchtmittel, eine Tatsache, die aufgrund ihrer Selbst-verständlichkeit in ihren Auswirkungen kaum reflektiert wird.
In der Erscheinungsweise der Großbildleinwand oder Großprojektion sind Lichtbilder im Außenraum zumeist als Werbetafeln zu erfahren. Sie verändern den Stadtraum, indem sie Schwerpunkte setzen, die Architektur vereinnahmen, Bauwerke überstrahlen und in ihrer Aufdringlichkeit und optischen Kraft eine stille Diktatur über das Sehen ausüben. Großprojektionen sind Markenzeichen prosperierender Städte geworden, sie illuminieren farbig und unhinterfragt die Konsumnächte und werden so als Teil städtischer Atmosphäre verstanden.
In der Eigenschaft des Lichtes als Werbeträger stellen sich Fragen der Medien- und Lichtpolitik. Wem gehört das Licht der Nacht, wer darf Medien installieren und nutzen und wem nützen sie? Sind künstlerische Mittel geeignet, in dieser Sprache eine ähnliche Wirksamkeit und Faszination hervorzurufen und Botschaften zu übermitteln? Wie kann eine Irritation der Passanten hervorgerufen werden? Wie kann die temporäre Wiederaneignung des dergestalt fremdbestimmten Stadtraumes gelingen?
Dadurch, dass die digitale Generation mehr und mehr Zugriff auf Medien und die sich schnell entwickelnden Programme hat, treten zunehmend Lichtkünstler an die Öffentlichkeit, um sich dieses Terrain zu eigen zu machen und mit Bildern, Filmen und typografischen Kunstwerken der kommerziellen Lichtnutzung entgegenzuarbeiten. In seiner wahrnehmungsästhetischen Komponente formt das Licht die Umrisse, Schatten und somit die Plastizität der Dinge. Das künstliche Licht vollbringt gleichsam eine Neuschöpfung der Welt, indem es durch Bildschirme und auf Großleinwänden auftritt und die Wahrnehmung von Zwei- und Dreidimensionalität verändert. Diese Eigenschaften des Lichtes sind Gegenstand der künstlerischen Arbeit von Jaques Dupont, in deren Focus die Wechselwirkung von Licht und Materie steht. Mit dem Einsatz von Computerprogrammen und Beamern gelingt es durch Projektionen, Materie optisch in Bewegung zu bringen und Raumillusionen zu schaffen. Fläche wird räumlich und Raum zur Fläche, Materie löst sich scheinbar auf. Insbesondere durch Anwendung von Video-Mapping wird es möglich, die Projektion des Lichtes den plastischen Besonderheiten eines Körpers anzupassen und diese wie mit einer zweiten Haut zu überziehen.
Mit der Beschäftigung der Architektur und der Anpassung der Idee an den Außenraum wird dieser gleichermaßen neu entdeckt und reflektiert; wird – im wahrsten Sinne des Wortes – Projektionsfläche für Phantasie und kreative Veränderungen, in der Licht das Werkzeug einer Botschaft ist, die in eine Masse hineinwirkt und auf Veränderung zielt.

 
Projektauslöser/Idee:
Das Young Arts NK bietet Raum für junge Kunst von und für junge Menschen in Neukölln. Hier wird spartenübergreifend in allen Kunstrichtungen gedacht und gearbeitet. Die Neuköllner Kunst- und Kulturszene einzubeziehen ist elementarer Bestandteil des Konzepts. Vom Young Arts NK werden die bestehende Ressourcen Neuköllns weiter verknüpft und andere Netzwerke einbezogen, gefördert oder genutzt. Das Young Arts NK entwickelt mit KünstlerInnen, Schulen und der Neuköllner Kulturszene Workshops und Seminare für den Freizeit- und den Schulbereich. In der Arbeit der neu gegründeten Jugendkunstschule wird jährlich ein Motto gesucht, zu dem in unterschiedlichen Formen gearbeitet wird. Für das Jahr 2012 lautete das Motte „Raum und Klima“. So wurde auch die Großprojektion unter dieses Thema gestellt. Die Projektion war als Teil der vom Bezirksamt initiierten Aktion „NACHTUNDNEBEL“ geplant, und zwar als eine von elf Lichtinstallationen, die gemeinsam einen Licht-Parcours aus mehreren Stationen bildete. Jede dieser elf Stationen wurde von einem anderen Künstler bespielt und erhielt dadurch einen ganz individuellen Charakter. Die SchülerInnen sollten dabei Gelegenheit bekommen, in Augenhöhe mit anderen Künstlern einen eigenen ästhetischen Standpunkt zu formulieren und mit ihren Ideen eine breite städtische Öffentlichkeit zu erreichen.
 
Projektentwicklung:
Die Jugendkunstschule hatte mit dem Künstler Jaques Dupont das Projekt vorbereitet und suchte nun nach einer Schule, die diese Aufgabe verantwortlich ausführen konnte. Nach einigen Vorgesprächen konnte der Leistungskurs 12 der Fritz-Karsen-Schule seine Zustimmung geben. Dadurch, dass in dem Halbjahr das Thema „visuelle Medien“ laut Rahmenplan verbindlich war, konnte das Projekt teilweise in den Unterricht eingebunden werden.
Es gab zunächst eine Vorstellungsrunde in der Schule, in welcher sich der Künstler und die SchülerInnen näher kennen lernen konnten und gemeinsam die Struktur des Projektes gefunden wurde. Wichtig war für die SchülerInnen, die individuellen Gestaltungsspielräume auszuloten und Genaueres über die technischen Möglichkeiten zu erfahren. In diesem Zusammenhang zeigte Jaques Dupont Beispiele seiner künstlerischen Arbeit und erläuterte den Umgang mit den Computerprogrammen.
Im nächsten Schritt wurden Ideen zum Assoziationsfeld „Raum und Klima“ entwickelt. Dies geschah mittels einer Zettelabfrage, die zu Clustern zusammengestellt wurden.
Daraus bildeten sich vier Teams mit ähnlichen inhaltlichen Vorstellungen, die untereinander eine Expertenaufteilung in „Techniker“ und „Zeichner“ vornahmen.


Es kristallisierten sich vornehmlich kritische Ideen heraus, die die Verbindung von Innen- und Außenraum als eine Achse und die Verbindung von Mensch und Natur als eine zweite Achse thematisierten. Diese Ideen wurden auf Fotokopien der Projektionswand skizziert, anschließend konnten SchülerInnen mit dem Künstler Möglichkeiten zur Umsetzung diskutiert werden.
Die Botschaften wurden im Arbeitsprozess präzisiert und visualisiert. Die Visualisierung geschah zu einem im zeichnerischen Prozess, Zeichnungen wurden zu Animationen,
Animationen zu Bausteinen der Wand. Die SchülerInnen entfalteten eine Entdeckungsreise zwischen Technologien, Handzeichnungen, typografischen Elementen, Bewegtem und Statischem, Dramaturgischem und Grafischem. Die Arbeit verlangte äußerste Flexibilität und technisches Verständnis und das Einlassen auf die Gegebenheiten. Es zeigte sich, dass einige SchülerInnen sehr schnell und intuitiv die Programme bedienen konnten und damit die Arbeit voranbrachten, während andere die Ideengeber oder Zeichner waren.
Das Computerprogramm erlaubte es, die Wand mit ihren architektonischen Besonderheiten darzustellen und die filmische Arbeit auf der Wand zu simulieren. So konnte sich jeder Schüler/jede Schülerin ein realistisches Bild des Endergebnisses machen.
In vielen Stunden des Lernens und der kreativen Arbeit haben sich die Teams mit den angebotenen Programmen vertraut gemacht und vier Animationsfilme entwickelt, die zum Thema „Raum und Klima“ vorwiegend kritische Standpunkte formulieren. Bedeutsam kam die Betroffenheit der Jugendlichen gegenüber der Klimaveränderung und den zu erwartenden Auswirkungen zum Ausdruck. Aber auch das Bewusstsein
So zeigt eine Gruppe die sich auflösende und verdampfende Erde, deren Schicksal von Atomkraftwerken bestimmt ist. In Verbindung mit dem Gebäude wird deutlich, dass sich im Wohnen auch die Fragen der Energienutzung beantwortet werden. Ein Text ruft zur Verantwortung auf, ohne parolenhaft zu wirken.
Die zweite Gruppe zeigt in einer Animation, wie sich Möbel aus dem Haus lösen, zur Erde schweben und vom Schnee bedeckt werden. Der Satz “Lass dein Leben nicht einschneien“, der sanft auftaucht und verschwindet, fasziniert in seiner poetischen Kürze.
Die Analogie und Verbundenheit menschlicher Lebensprozesse mit den Jahreszeiten war der Inhalt des dritten Filmes, der auch mit einem Gedicht bereichert wurde.
Das vierte Team stellte sich der Vision einer Flutung von Gebäuden durch Wasser und ließ virtuellen Platzregen niedergehen, sowie Fische auf der Wand schwimmen.
Zur Aufführung stellten die SchülerInnen unter Anleitung eines Grafik-Designers bei Young Arts NK eine Einladungskarte und Plakate her, die in der Schule verteilt wurden.
Die Filme wurden an einem späten regnerischen Novemberabend an die vorgesehene Wand projiziert. In einem Zelt war die Technik untergebracht. Dort musste der lichtstarke Beamer eingerichtet und die Projektion angepasst werden. Die ersten Versuche zeigten bereits die ganze Kraft der Lichtbilder, die sich nun riesengroß und still über die Hauswand ausbreiteten. In einer Endlosschlaufe liefen dann die Filme, die unter dem dunklen Himmel ihre Poesie entfalteten. Dazu konnten die Filme durch spontane direkte Eingriffe auf dem Computer verändert werden, sodass immer neue Varianten und Überraschungen möglich wurden.
Besuchergruppen, Führungen und Passanten, die zu dem Festival NACHTUNDNEBEL in Neukölln unterwegs waren, gingen den ganzen Abend durch das Stadtviertel und machten an unserer Projektion als einer der Stationen halt. Hier war dann auch die begeisterte Reaktion des Publikums zu erleben.

 
Besonderheiten:
Die Möglichkeit, einmal ein Projekt angeboten zu bekommen, bei der die Finanzierung und die Öffentlichkeitsarbeit bereits eingebunden waren, ist wirklich ein Luxus.
Einen kompetenten Künstler zur Seite zu haben, der der „Digitalen Generation“ angehört, war eine wichtige Erfahrung, da die Kommunikation über Medien mit einem zeitgenössischen Lichtkünstler viel selbstverständlicher und auch verständiger sein kann als mit LehrerInnen, die vor langer Zeit ihre Ausbildung beendet haben. Die sich rasant entwickelnde Technologie bringt einen sich ebenso schnell entwickelnde Innovationsschub in den Künsten hervor, der in diesem Projekt teilweise nacherlebt werden konnte.
Zudem konnten wir die Tatsache, dass das übergeordnete Projekt „NACHTUND NEBEL“ Werbträger für unsere kritische Wandbespielung war, nur begrüßen. Jedenfalls hat sich für die SchülerInnen die Absicht erfüllt, Menschen mit unserer Botschaft zu erreichen und einen Abend voller Poesie zu kreieren.
 
Probleme und Lösungen:
Die Probleme ergaben sich überwiegend aus der Anwendung der technischen Möglichkeiten, die die Schüler in kurzer Zeit erlernen mussten. Durch die Arbeit im Team konnten aber die Aufgaben so verteilt werden, dass die Schüler voneinander lernen konnten.
Ein anderes Problem war das Wetter bei der Aufführung, da half warme Kleidung und viel heißer Tee!
 
Anekdotisches:
Die Idee, innerhalb der Fenster Szenen spielen zu lassen, verwandelten das Projekt teilweise in einen Theaterkurs.
Die Versuche zu "wie schwimmt man durch ein Haus?" kostete
viele Stunden. Die Schüler entschieden sich dann doch für Fische, die konnten das eindeutig besser.