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Führung durch die Ausstellung
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Erste Annäherung an die Kunst
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Children on art
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Navigierend durch die Schluchten von New York?
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In Augenschein nehmen
Carl & children/ Tanzprojekt zu Carl Andre
Schule:
Karl Kisters Realschule
Lindenstr. 3a
47533 Kleve
02821 78123
www.rs-kleve-kellen.de

Realschule / Offener Ganztag
 
Kooperationspartner:
Ricardo Viviani
Frankfurt am Main

www.ricardoviviani.com

 
Beteiligte Schüler:
12
Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 6, Projekt
 
Beteiligte Lehrkräfte:
Sabine Schröer, Kunst, Textilgestaltung
 
Stundenvolumen:
4 aufeinender folgende Schultage, täglich 6 Stunden,
im Rahmen einer Projektwoche
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
„Carl& children“ zeigt ein Tanzprojekt zu den Werken von Carl Andre, ausgestellt im Museum Kurhaus Kleve.
Der Tänzer und Choreograph Ricardo Viviani war der künstlerische Leiter.

Ricardo Viviani:

"Tanz ist Gegengift zum virtuellen Leben."

Das Projekt will Schüler einführen in zwei oft vernachlässigte Konzepte des abstrakten Denkens und deren Problemlösung:

1. Das Denken mit dem Körper - Somatisches Denken und Analyse

Durch die visuellen und räumlichen Reize des Kunstwerks wird der kognitive Körper stimuliert und erhält Informationen. Diese Reize werden verarbeitet und gespeichert im Muskulär-, Visuell- und Olfaktorischen Gedächtnis. Gleichzeit werden diese Erfahrungen durch verbale Analyse in Linguistik - Konzepte umgewandelt. Die übliche Vorgehensweise ist, diese verbalen Signale sprachlich zu verarbeiten. Sie werden verbunden mit Aufgaben und Problemen, und danach werden neue Ausdrucksformen des Kunstwerks erstellt.

Der Akt des Dasein, Gegenwart, mit dem Kunst-Objekt konfrontiert zu werden, schafft Erlebnisse und Erinnerungen. Diese werden in der Regel verbal beschrieben und verarbeitet. Der linguistische Ansatz ist aber ein sekundärer und parallel zu den Erlebnissen. Ursprünglich waren diese Eindrücke von visueller, taktiler und räumlicher Natur. Der Körper hat die Gabe, diese Eindrücke auch in Form von 'Somatic Memory' zum speichern.

Ein einfaches Beispiel: Wenn wir einen Holzblock umkreisen, spüren wir seine Dimensionen. Dieser Eindruck ist anders als der Blick auf die Zahlen 1,2 x 1,5 Meter auf einem Stück Papier und/oder darüber zu reden. Durch die Nähe zum Objekt spürt man die Wärme oder Härte der Materialien, und diese Eindrücke werden gespeichert und man erinnert sich ohne Worte. Diese Eindrücke sind Erlebnisse auf der ersten Ebene.

2. Erstellen eines Tanzes der Sinne - Problemlösung mit der Körperintelligenz

Sprache, in jedem Idiom, braucht bestimmte Regeln zu funktionieren. Innerhalb dieser Regeln schafft sie sehr effektive Kommunikation, sie zwingt auch Ideen in gewisse logische Muster. In vereinfachter Form: Ursache und Wirkung sind ein Grundmuster; daraus entwickelt die Dialektik ein anderes Muster, und so weiter.

Die künstlerische Praxis folgt eigenen Regeln. Sie hat die Gabe, Wahrnehmung und Ausdruck auf spielerischen Ebenen zu verknüpfen. Wenn man dem Körper erlaubt, in somatischen Begriffen zu denken und zu lernen, ergeben sich andere Verbindungen.

Wenn drei Jungen zwei hölzerne Objekte aussuchen, mit den Titeln "Philemon" und "Baucis", und analysieren diese durch mitschwingende Elemente der Formen in ihren eigenen Körpern, analysieren sie diese Skulpturen in einer sehr verinnerlichten und direkten Weise. Der einfache Tanz, den sie durchführen um die Plastik herum,
bringt sie näher an den Akt der Schöpfung des 46-jährigen Carl Andre im Jahr 1981 in Krefeld.

Eine weitere Gruppe von drei Mädchen erstellt einen Akt der Verehrung und Verherrlichung um die Werke "Mantel" und "The Roaring Forties" und versucht sie in einem stillen Tanz zu vereinen.
Eine weitere Gruppe von drei Jungen navigiert durch “Sand-Lime Instar“, als ob sie in die Schluchten von New York City im Jahr 1966 versetzt wären.

Die Aufgabe der großen Gruppe bestand darin, ein Körper-Spiel auf der “The Roaring Forties“ - Installation als eine Arena für einen postmodernen Tanz-Kampf aus Zufallsverfahren und strategischem Denken zu schaffen.

Dies alles sind Formen des Erlebens dieser Kunstwerke, die durch ein direktes körperliches Engagement differenzierte somatische Erinnerungen entstehen lassen.
Die Erinnerungen sind gespeichert in den Zellen dieser jungen Körper, um andere Verknüpfungen zu schaffen.

 
Projektauslöser/Idee:
Als im letzten Frühjahr Carl Andre mit seiner gleichnamigen Ausstellung ins Museum Kurhaus Kleve einzog und die teilnehmenden Lehrkräfte des Netzwerkes SchuleKunstMuseum eine Sonderführung erhielten, gab es kein Halten mehr. Diese minimalistische und konzeptionelle Strömung der zeitgenössischen Kunst suchte neben der Erarbeitung mit Schülern auf der bildhaften und objektartigen Ebene einen weiteren Weg, die klaren Formen und Anordnungen Carl Andres aufzugreifen und umzusetzen. Ziel war es, einen Workshop oder ein Projekt anzubieten. Durch die jahrelange erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Tänzer und Choreographen Ricardo Viviani lag es nahe, ihn um eine weitere Kooperation zu bitten.
 
Projektentwicklung:
Teilnehmerfindung:
Schüler und Schülerinnen aus der Klassenstufe 6, die von den Fachlehrern als kreativ und aufgeschlossen, aber im musischen Unterricht eher verhalten beschrieben wurden,
sollten bei diesem Projekt zum Zuge kommen, um ihr Potential "ans Licht zu bringen".
An 4 Schultagen kamen die Teilnehmer aus 4 Klassen regelmäßig für 6 Stunden zusammen.
Das Programm in Stichworten:
Tag 1 : Körperlichkeit erwachen lassen, Schrittfolgen erarbeiten und üben
Tag 2 : Führung im Museum durch die wissenschaftliche Mitarbeiterin Valentina Vlasic, Weiterarbeit in der "Wunderkammer" im Museum
Tag 3: Arbeit in der Turnhalle, Schrittfolgen in Gruppenarbeiten üben
Tag 4:Proben und Dreharbeiten für das Video im Museum
 
Besonderheiten:
Von besonderer Relevanz war bereits der außerschulische Lernort, ein Ort, losgelöst vom Schulalltag, der auf der einen Seite Respekt einflößt, aber auf der anderen Seite auch Stolz wegen der Sonderstellung und Bedeutung, in einem Museum tanzen zu dürfen.
Weiterhin war den Schülern von Anfang an bewusst, dass sie auf ein konkretes Ziel zuarbeiteten, nämlich einen Beitrag
zur Ausstellung des Netzwerkes Schule Kunst Museum zu leisten.
Diese Einbindung in ein konkretes, größeres Projekt war ein besonderer Anreiz und zugleich auch eine besondere Hürde.

Der Ansatz, Tanz als "Übung der Körperintelligenz" einzusetzen, ist ebenfalls ein ganz besonderer.

Es ging um nichts weniger als die Kunst des Denkens mit dem ganzen Körper.

 
Probleme und Lösungen:
Problematisch war, dass die Dreharbeiten im Museum mit den Zeitplänen für die nachfolgende Ausstellung kollidierten.
Daher gab es den zeitlichen Stress, unbedingt den knappen Zeitplan einhalten zu müssen und die Videoaufnahmen nicht ergänzen oder wiederholen zu können.
Zum Glück blieb der Stress eher an den Erwachsenen und nicht den Schülern hängen.
 
Anekdotisches:
Die SchülerInnen stellten sich gegenseitig ihre Kreationen vor, Gruppe für Gruppe.
Um sich der musealen Umgebung anzupassen, in der man nicht zu laut sein sollte, lernten sie, am Ende einer Präsentation leise zu applaudieren, indem sie das stille Zeichen des Lobens durchführten, die Hände in die Luft streckten und gleichzeitig schnell drehten.
Die respektvolle Geste gegenüber der Museumsumgebung brachte uns das Vertrauen und die Unterstützung der Museumsdirektion ein und machte die Schüler stolz, indem sie ein kleines, teamverbindendes Zeichen anzuwenden wussten.
Bemerkenswert war, wie ideenreich die Schüler waren und wie sehr sie sich über lange Strecken zu konzentrieren wussten.

Bei den Videoaufnahmen wurden sie von einem Zehntkässler unserer Schule fotografiert, der Aufnahmen für die Schülerzeitung machte. Eins seiner Fotos war so genial, dass es von der Lehrerjury des Netzwerkes Schule Kunst Museum als Plakat und für die Vorderseite des Flyers ausgesucht wurde: Es zeigt zwei Tänzerinnen "beim Spiel"
auf den "Roaring Forties".