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Raumuntersuchung in Skizzen: Wunschvorstellungen
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Fliesengestaltung mit Strass
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der Waschraum
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Putzen, Posen oder Vorträge halten?
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…war die Ausgangsfrage des Projektes BESETZT
BESETZT
Schule:
Fritz-Karsen-Schule
Onkel-Bräsig-Straße 76/78
12359 Berlin
Tel.: 030 60 900 10



Gesamtschule / Gebundener Ganztag

 
Kooperationspartner:
Dipl. Des. Anett Lau, Berlin
 
Beteiligte Schüler:
60
10 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 7
10 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 8
20 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9
10 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10
5 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11
5 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12
 
Beteiligte Lehrkräfte:
Eine Kunstpädagogin
 
Stundenvolumen:
Von April bis Juni ca.6 Wochenstunden mit unterschiedlichen Lerngruppen im Staffelprinzip.
Hinzu kamen zwei Projekttage.
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
In einem mehrschrittigen Prozess wurde die Neugestaltung des Mädchenklos realisiert. Es wurden alle Lernstufen einbezogen, die auf diese Räumlichkeiten angewiesen sind.
Der Raum besteht aus einem Vorraum mit Spiegel und Waschbecken und einem Raum mit
fünf Kabinen.
Zunächst wurden Skizzen angefertigt, in denen die Schülerinnen ihre Traumorte definierten, ohne eine feste Konzeption zu entwickeln. Daraufhin entschlossen wir uns zu einem offenen Gestaltungskonzept und besorgten Farben und Materialien.
Glitzernde Strasssteine und Spiegelfliesen führten, wo vorher Ekel keine Vision zuließ,
zu einer Art Goldgräberstimmung und dies nicht nur bei den Teilnehmerinnen. Diese ansteckende Stimmung führte zu einer vielschrittigen Arbeitsteilung: Die Jungen bauten
Holzrähmchen, in denen die Mädchen die kleinen Spiegelfliesen arrangieren und sägen dafür die Grundplatten. So entstanden Kleinteams, die gemeinsam die kleinen Fliesen anordneten und mit Mörtel verspachtelten. Das Verfugen wiederum schulte die Feinmotorik aller Teilnehmenden. Andere Teams hoben die Türen aus den Angeln und bearbeiteten den alten Lack, strichen vor. Mädchen und Jungen zeichneten gemeinsam ein Raster darauf und malen es aus. Die begabten unter ihnen bekamen eine ganze Tür, um eine Figur nach eigenen Vorstellungen darauf zu malen. Jeder machte ein bisschen was und jeder kam auf seine Kosten.
In der Zusammenstellung der Einzelprodukte berieten sich SchülerInnen, Künstlerin und Lehrerin gemeinsam und immer wieder, bis sich die Ideen verdichteten und überlagerten und nach dem Prinzip einer Collage umgesetzt werden konnten. Hier half die Erfahrung der Künstlerin, die günstigsten Farbnuancen zu finden und Spiegel und Raster in Raumachsen und Sichtachsen zu platzieren, sowie Spiegel als raumerweiternde Elemente einzusetzen.
Wandfarbe und Mosaike, Friese und Objekte passten schließlich erstaunlich gut zueinander.
Wie hat sich der Raum nun verändert? Er ist fühlbar weiter und größer gegenüber dem vorher, ist er nicht mehr so ein schmuddeliges „Loch“. Der Mädchenraum ist jetzt kostbar und wertvoll. Zitate der Weiblichkeit, die sich im Türbild der Bauchtänzerin, als auch klischeehaft im Material Strass- und Spiegelfliesen und in Comic-Elementen aus der Jugendkultur finden, bilden mit der schachbrettartigen Wiederholung der Fliesenmosaike eine formale Kohärenz. Die kleinschrittige Arbeitsteilung, in deren Ergebnis sich jeder als Mitwirkender wieder findet, zeigt sich in der Achtung des Raumes: „Jeder kann etwas verändern“ sagte schon Hundertwasser und in der Tat, die Gestaltung des Raumes mit erinnert in der Materialität von Fliesen und Farbe an sein Werk. Vielleicht ist er jetzt auch ein bisschen orientalischer.
 
Projektauslöser/Idee:
Das Projekt realisiserte als Teil eines mehrstufigen Vorhabens die dauerhafte Umgestaltung der renovierungsbedürftigen Mädchentoilette in einen "Wohlfühlraum". Um dem jahrelangen Ärger des ständigen Vandalismus etwas entgegenzusetzen, wurden im Vorjahr die Mädchen und Jungentoiletten als Ausstellungsräume für eine eigens entwickelte Kunstausstellung umgestaltet. Diese Aktion zeigte erstmals einen Ansatz künstlerisch - assoziativer Bezüge sowie Möglichkeiten von Raumeingriffen als Vandalismusbarrieren.
Es galt nun, diese Ansätze aufzugreifen, zu erweitern und Möglichkeiten einer dauerhaften Raumgestaltung zu finden.
 
Projektentwicklung:
Der Leitgedanke, eine partizipative Raumgestaltung in einem offenen Konzept zu realisieren, trifft immer auf eine Schwierigkeit: wenn die Raumuntersuchung nicht aus dem Raum als einem direkten Bezug gewonnen werden kann, wie dann? So entsteht die Intension des Themas „Traumort“, einer Denkbewegung mit künstlerischen Mitteln, sowohl für die Schülerinnen und Schüler, als auch für die Projektleitung im Einklang mit den teilnehmenden Jugendlichen, mit der Suche nach Bildern bei sich selbst anzufangen: Konfrontiert mit dem Wunsch, herauszufinden „Wie der Ort sein muss, an dem ich mich wohl fühle?“
Wir stellten fest, dass sich die Schüler damit weit abseits einer raumtauglichen Gestaltung bewegten und auch der Ort BESETZT war, d.h. nicht nach außen gekehrt werden konnte und die Schüler keine Vision entwickelten.
Erste Gedankenskizzen lieferten uns jedoch Anhaltspunkte durch die Assoziationen "kostbar", und "Schönmachen". Das hat für die Mädchen ganz viel mit Gefühl zu tun. Diese Emotionen bewegten zu Materialeingaben deren Haptik und Handhabung an die weiblichen Emotionen anknüpfen.

 
Besonderheiten:
Der partiziptorische Ansatz stand im Vordergrund. Wir versuchten, die unterschiedlichen Wünsche und ästhetischen Vorstellungen der Schülerinnen in ein schlüssiges Gestaltungskonzept einzubinden, schülergerechtem und gemäßem Gestalten den eigenen Raum zu geben und damit das
Bewusstsein für die Möglichkeiten des verantwortlichen Handels für den eigenen Umraum zu entwickeln.
Dazu kam die Herausforderung, mit der dem Ort eigenen Schwierigkeiten von Intimität und Rückzug umzugehen, Grenzen zu respektieren und Bedürfnisse zu erspüren.
 
Probleme und Lösungen:
Die Schwellenangst der Mädchen, über den Raum nachzudenken war teilweise erheblich und derart schambesetzt, dass einige auch das Projekt als Ganzes ablehnten und am Erfolg zweifelten. Durch die kleinschrittige Arbeitsteilung und die attraktiven Materialien zerstreuten sich diese Bedenken aber bald.
Gewünscht hätten wir uns auch eine Mitarbeit der Eltern, die zwar versprochen war, aber aus unterschiedlichen Gründen dann doch nicht stattfand. Und das Geld ist natürlich bei jedem Projekt zu knapp. Aber es zeigte sich auch, dass Improvisationstalent auch solche Engpässe überwinden kann, wenn mit einem offenem Gestaltungskonzept gearbeitet wird.


 
Anekdotisches:
Dialog mit einem Schüler zur Klärung der Problematik, dass die Jungen zur Renovierung das Mädchenklo betreten müssen:
"Dürfen Jungen aufs Mädchenklo und wenn ja, wie lange?"
"Nur zum renovieren und wenn die Renovierungsarbeiten abgeschlossen sind, gar nicht mehr!" "Schade!"