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Brainstorming im Klassenraum
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Szenisches Experimentieren in Kleingruppen
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Warming up im Theater mini-art
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Bei der Probenarbeit auf der Bühne
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Szene aus der Premiere
Die Konferenz der Tiere
Schule:
Karl Kisters Realschule
Lindenstr.3a
47533 Kleve

02821-78123


www.kkrs-kellen.de

Realschule / Offener Ganztag

 
Kooperationspartner:
Theater mini-art
Brückenweg 5
47551 Bedburg-Hau

Tel. 02821-811570
www.mini-art.de

 
Beteiligte Schüler:
18
Ausgewählte Schülerinnen und Schüler aus den vier Klassen der Jahrgangsstufe 6 nahmen an diesem Projekt teil.
 
Beteiligte Lehrkräfte:
Sabine Schröer,Kunst und Textilgestaltung
 
Stundenvolumen:
In einer Woche täglich ca. 5 Stunden und 2 Aufführungen
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
"Die Konferenz der Tiere" entstand in einem Theaterworkshop in Kooperation mit dem Theater mini-art. Die beiden Schauspieler Crischa Ohler und Sjef van der Linden leiteten diesen Workshop, an dem 18 Schülerinnen und Schüler teilnahmen. Dabei sollte das Format so flexibel wie möglich sein. Spontaneität, Offenheit und Unvoreingenommenheit prägten die Zusammenarbeit. So wurde schnell deutlich, dass das Ziel nur sein konnte, die Themenfindung, die Umsetzung, die Dialoge als auch Bühne und Kostümierung gemäß der Gegebenheiten den Schülerinnen und Schülern zu überlassen.
Diese einigten sich thematisch schnell auf selbst bedrohlich Empfundenes, nämlich die Zerstörung der Umwelt durch den Menschen. Sie wollten die Leidtragenden, hier die Tiere, mit ihren Ängsten und Nöten darstellen, aber auch Wege aufweisen, mit den Menschen zu kommunizieren um auf den Notstand aufmerksam zu machen.
Unter professioneller Hinführung und Begleitung durch die Schauspieler entstand ein einstündiges Theaterstück, wirkend wie eine Collage aus Sprachfetzen, Geräuschen, Dialogen und pantomimischen Szenen. Dabei überzeugten die Darsteller, angetrieben von einer besonders hohen intrinsischen Motivation, durch ihre Authentizität, die sie sich bewahren konnten, indem sie sich ihre Rollen selbst aussuchten und schrieben.
Das Theaterstück wurde zweimal auf der Bühne des Theaters mini-art präsentiert. Die Premiere bekamen die Eltern, Geschwister und Kollegen der Realschule zu sehen, die zweite Vorstellung wurde der gesamten Jahrgangsstufe 6 gezeigt.
 
Projektauslöser/Idee:
Unsere Klassen 5 und 6 besuchen regelmäßig das Theater mini-art. Jede Neuinszenierung wird besucht.

So ist es nicht verwunderlich, dass ein Theaterbesuch bei mini-art mit den Schulklassen der Jahrgangsstufe 6 bei den Schülern den Wunsch auslöste, einmal selber auf der Bühne zu stehen.Daraus ergab sich die Idee,theaterpädagogisch mit Crischa Ohler und Sjef van der Linden zusammen arbeiten zu wollen. Dabei sollte ein Workshop gezielt Schülerinnen und Schülern aus dieser Stufe angeboten werden, um die in dem Alter meist noch vorhandene Natürlichkeit und Spontaneität für ein offenes Angebot nutzen zu können.

 
Projektentwicklung:
Die Überlegung, das Unverstellte, Natürliche in den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 6 zu nutzen und ein offenes Angebot zu bieten, stand am Anfang der Überlegungen. Gleichzeitig wurde darauf geachtet, für den Workshop Teilnehmer zu gewinnen, die im Unterricht durch Kreativität und Ideenreichtum auffallen, die sich jedoch im Schulalltag bislang als eher zurückhaltend gezeigt hatten. Ihnen sollte eine Bühne Gelegenheit geben, sich zu erleben, aus sich herauszukommen und sich zu präsentieren. So haben die Klassenlehrer, die mögliche Kandidaten besonders gut einzuschätzen wissen, 18 Schülerinnen und Schüler(davon 5 mit Migrationshintergrund), die gerne teilnehmen wollten, zusammengestellt.
Nach den organisatorischen Aufgaben, wie Festlegung der Termine, der Kommunikation mit Kollegen und Eltern und einem vorherigen Treffen mit den Schauspielern, stand einer praktischen Zusammenarbeit nichts mehr im Wege.

Wegen der Entfernung zwischen Schule und Theater(12km) und der logistischen Schwierigkeit, Schüler zu unterschiedlichen Zeiten dort hin fahren zu lassen (Buslinien verkehren zu selten und zu teilweise unpassenden Zeiten), musste ein alternatives Konzept her: Die Eltern schlossen sich zu Fahrdiensten zusammen und übernahmen den Transport der Kinder.
Die Schüler hatten sich bereit erklärt, den vorwiegenden Teil des Projekts zusätzlich in ihrer Freizeit ablaufen zu lassen und für den Unterricht nachzuarbeiten, was sie versäumt hatten.

In einem Vortreffen hatten wir uns darauf verständigt, die ersten zwei Tage in der Schule zu arbeiten, weil in dieser ersten Phase das "Schnuppern der Theaterluft" noch nicht vorrangig war, sondern ein Gruppenraum und die Turnhalle völlig reichten.
Zunächst beschäftigten sich die Teilnehmer viel mit sich selbst, mit ihren Fragen, Nöten, Ängsten, aber auch Vorlieben, Träumen und Hoffnungen. Daraus entwickelten sie allmählich eine Figur, eine Persönlichkeit und später eine Rolle und ein ganzes Theaterstück.
Zwei unterschiedliche Umstände mögen schließlich zum später
bearbeiteten Thema geführt haben:
1. Die Schüler standen unter dem Eindruck der gerade aktuellen Atomkatastrophe von Fukushima, einem Ereignis,
das den Menschen Grenzen aufgezeigt hatte und ihnen die Verantwortung für den Schutz der Natur eindringlich vor Augen geführt hatte.
2. Die Klassen 6 hatten sich im Deutschunterricht zu diesem Zeitpunkt mit fabelhaften Tiergeschichten beschäftigt, z.B. dem überheblichen Nilpferd "Norbert Nackendick" von Michael Ende.
Somit ist es gedanklich naheliegend, dass die Schüler die Geschichte im Tierreich ansiedelten und sich aus der Perspektive der Tiere auf den sorglosen Umgang der Menschen mit ihrem Terrain und Lebensraum Gedanken machten. In einer Konferenz kommen die "wichtigsten" Tiere zusammen und schmieden einen Plan für ihr Überleben, trotz des unüberlegten, kurzsichtigen Handelns der Menschen.
Es entstanden Ideen, Konzepte wurden geschrieben und wieder verworfen, neue Ansätze ausgearbeitet. Szenen wurden gespielt, angeregt durch die Schauspieler bzw. Moderatoren und danach festgehalten von den Teilnehmern selbst. Die entstandenen Dialoge, Selbstgespräche, Wortreihen wurden täglich von Crisha und Sjef in eine Reinform modifiziert und am folgenden Tag wie eine Regieanweisung wieder mitgebracht.
Besonders spannend war der dritte Tag! Wir verließen die Schule und arbeiteten ab jetzt im Theater mini-art, raus aus der Brainstormphase, ab in die Professionalität durch das Abtauchen in eine professionelle Umgebung!
Die neue Umgebung vermittelte etwas besonders Eindringliches, Intensives. Alles Dargestellte bekam auf der großen Bühnenfläche vor den leeren Zuschauerreihen mehr Gewicht als in der gewohnten Schulumgebung, alles Gesprochene musste nun viel deutlicher artikuliert werden. Das war eine neue Herausforderung.
Am nächsten Tag wurde das Szenario durch die passende Beleuchtung und die Kulisse ergänzt.
Aufregend wurde es noch einmal am fünften Tag, als wir in den Kellern und Lagern des Theaters nach geeigneten Materialien suchen konnten, um daraus Kostüme zu entwickeln. Auch zu Hause wurde noch einmal kräftig gestöbert. Niemand sollte in einem vorgefertigten Tierkostüm dastehen. Viel wichtiger war es, Charaktereigenschaften von Tieren auch in der äußeren Erscheinungsweise widerzuspiegeln, um der eigenen Rolle mehr Klarheit und Ausdruck zu verleihen.
Nach einer munteren und anregenden Kleidersuche stand der ersten Kostümprobe nichts mehr im Weg.
Dann kam der erste große Tag!
Generalprobe mit Kostüm, nun auch geschminkt, mit Beleuchtung, Musik und Kulisse, wartend auf den großen Auftritt auf der Theaterbühne. Es wurde eine tolle Präsentation, zu der zunächst die Eltern der Schülerinnen und Schüler ins Theater mini-art eingeladen waren.
Die "Nachwuchsschauspieler" wuchsen in der besonderen Stress- Situation und spielten wie befreit und mit viel Witz und Freude.
Am folgenden Werktag waren ca. 100 Mitschülerinnen und Mitschülern der Jahrgangsstufe 6 zu Gast im Theater mini-art, um die Aufführung ihrer Mitschüler erleben zu können. Auch hier war ihnen begeisterter Applaus sicher!

 
Besonderheiten:
Kindern Möglichkeiten einer kulturellen Teilhabe zu bieten und Interesse für das Theater zu wecken, stand im Vordergrund des Projektes. Dabei war das Eingebundensein in den gesamten Entstehungsprozess bis hin zur Präsentation von besonderer Bedeutung. Die verschiedenen kreativen Potentiale, die sich zeigten, wurden respektvoll und anerkennend wahrgenommen. Wer im Schreiben von eigenen Texten bislang nicht aufgefallen war, glänzte plötzlich durch wunderbares szenisches Spiel oder eine tolle Gestaltungsidee für ein Kostüm. Dank der weitreichenden Freiheit in der Aufgabenstellung konnte jede/r persönliche Erfolge erleben und mit den anderen Projektteilnehmern neue Prozesse durchlaufen, auf vielfältige Weise soziale Kompetenzen steigern und sich auf einer gleichberechtigten Plattform engagieren, präsentieren und bewähren.
So konnte jeder Teilnehmer einen Schritt in seiner Persönlichkeitsentwicklung machen:
Im Einzelnen:
•sich in kürzester Zeit auf eine neue Gruppe einstellen, die binnen einer Woche zum Team wird
•durch gleichwertige Rollen lernen, dass jeder bzw. niemand der Star ist: Das Team ist der Star.
•lernen, Hemmungen zu überwinden und sich in eine Rolle einzufinden und auszudrücken
•durch diese positive Selbsterfahrung positive Effekte erzielen bezüglich des Selbstwertgefühls und Selbstvertrauens
•durch die Bestätigung und Anerkennung in der geschützten Öffentlichkeit lernen, sich mehr zuzutrauen
•erkennen, dass andere gleiche Ängste haben, die es zu überwinden gilt
•erkennen, dass gegenseitige Unterstützung alle voranbringt
•lernen, dass ein Ziel nicht ohne Mühe und zeitlichen Mehreinsatz zu leisten ist
•lernen, ohne Berührungsängste mit gleichaltrigen Vertretern des jeweils anderen Geschlechts auf professionelle Weise zu „arbeiten“.
 
Probleme und Lösungen:
Die Vorüberlegungen ergaben schnell, dass das Projekt zu großen Teilen in der Freizeit der Schülerinnen und Schüler stattfinden müsste, damit nur wenig Unterricht ausfällt. Zwar war es kein Problem, genug Teilnehmer zu finden, Bedingung konnte jedoch nur sein, die versäumte Unterrichtszeit eigenständig und sorgfältig nach zu arbeiten. In Absprache mit allen Klassen- und Fachlehrern der möglichen Kandidaten wurde dann eine Auswahl getroffen. Leider gab es nicht für alle Interessierten einen Platz, ein weiteres Projekt im Sommer sollte jedoch Abhilfe schaffen.
Ein weiteres Problem organisatorischer Art konnte schnell Dank der Unterstützung aller Eltern behoben werden, indem sie bereitwillig Fahrdienste übernahmen und den Transport der Kinder so kostengünstig gewährleisteten.
Die Verpflegung über Mittag und für die Pausen musste ebenso durchdacht und gelöst werden, denn dem kleinen Theater ist keine Bewirtung angeschlossen.
Auch hier waren die Eltern engagiert und kreativ und wechselten sich mit der Anlieferung von Speisen ab, die in der Theaterküche gemeinsam aufbereitet wurden.
 
Anekdotisches:
Ein Schüler stellt erstaunt fest:"Überlegt mal, was man für ein Bühnenstück alles machen muss und wie viele Berufe es am Theater gibt. Und wir waren jetzt alles auf einmal! Toll!"

Fragt die Füchsin die Giraffe bei der Kostümierung:"Was meinst du, soll ich das hier auch noch anziehen?´"-"Nee, du kannst auch ganz ohne Kostüm sein. Dich kann man auch am Blick erkennen!"

In der 2. Szene gibt es einen Dialog zwischen Mike und Daisy, die ihr Tier benennen wollen. Mike:"Giraffe" – Daisy: "Affe" – Mike: "Nein. GIRaffe!" – Daisy: "AFFE!!!"
Wenig später in der Pause fragt Mike: "Kann mir bitte mal jemand die Kekse geben?" Da antwortet Daisy: "Wird aus der Giraffe also doch noch ein Gier-affe…"

Noah, ein Schüler mit fast autistischen Zügen,schaffte es im Affenkostüm, mit zwei anderen Affen herumzutollen.

Das gemeinsame Mittagessen betand aus kleinen Überraschungsmenüs, geliefert von verschiedenen Eltern wie auch den Moderatoren.Liebevoll arrangiert in der Theaterküche, waren sie Sinnenschmaus und Kraftquelle für die Weiterarbeit am Nachmittag.