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Das Profil Tanz am Genoveva-Gymnasium
Schule:
Genoveva-Gymnasium
Genovevastraße 58-62
51063 Köln - Mülheim

Tel: 0221-474453-0
Fax: 0221-474453-12


www.genoveva-gymnasium.de



Gymnasium / Teilgebundener Ganztag

 
Kooperationspartner:
nrw landesbuero tanz - tanz in schulen
Im MediaPark 7
50670 Köln

0221-888 95 396
www.tanzinschulen.de

 
Beteiligte Schüler:
150
Jeweils eine Klasse der Stufen 5-9 (Profilklasse Tanz)
Klasse 5b (Projektwoche im Rahmen von "180°Drehung")


 
Beteiligte Lehrkräfte:
Unterrichtende: Sarah Schuhmacher (Tänzerin) Uta Sander (Tänzerin) Begleitend: Bernd Knorreck (Schulleitung) Jörn Roth (Fach Sport, Biologie)
 
Stundenvolumen:
Profilklasse Tanz:
90 Minuten wöchentlich pro Klasse das ganze Schuljahr über

Projektwoche "180°Drehung":
5-tägige Projektwoche mit insgesamt 28 Unterrichtsstunden; unterrichtet von 2 Tänzerinnen

 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
PROFIL TANZ
Ein Beispiel für kulturelle Schulentwicklung am Genoveva-Gymnasium

Das Genoveva-Gymnasium ist ein wichtiger Kooperationspartner des nrw landesbuero tanz, denn es beheimatet seit 2006 die Profilklasse Tanz. Es führt pro Schuljahr im Rahmen des Ganztagsunterrichts jeweils eine Klasse als Profilklasse Tanz ein. Diese Schülerinnen und Schüler erhalten zusätzlich zum regulären Unterricht eine tanzpädagogische Ausbildung. Bei diesem Angebot handelt es sich um ein benotetes Pflichtfach das fest in den Schulalltag eingebunden ist. Auf Grundlage von klassischen Tanztechniken, Improvisation und Komposition erlernen sie in ihrer Schullaufbahn unterschiedliche Tanzstile (u.a. Modern Dance, Jazz, HipHop, Ballett, Folklore, Breakdance). Zudem beinhaltet das Fach Tanz auch theoretische Inhalte wie Anatomie, Musik- und Tanztheorie. Theaterbesuche und die Gestaltung eigener Präsentationen gehören ebenfalls zum Unterricht.

Aus dem Wunsch heraus das Schulprofil durch ein fundiertes Tanzangebot auszubauen, wurde zusammen mit dem nrw landesbuero tanz ein auf Kontinuität basierendes Modell erarbeitet, das sich an den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Schule, der Schüler und des Tanzpädagogenteams orientiert. Das nrw landesbuero tanz begleitet die Schule bis heute als Kooperationspartner und fachlicher Berater.

Nicht alleine die Profilklasse Tanz, auch die weiteren Schülerinnen und Schüler dieses Gymnasiums sollen in Form von Projektarbeit ihre eigenen Erfahrungen mit der Tanzkunst machen. So wurde auch an dieser Schule eines von insgesamt elf „180°Drehung“ Projekten des nrw landesbuero tanz durchgeführt. „180° Drehung“ setzt sich für die Chancengleichheit der Kinder und Jugendlichen ein und möchte jedem im Laufe seiner Schullaufbahn die Chance geben, einen tänzerischen Prozess zu erleben. Im Sommer 2010 hat das Tänzerinnenteam des Genoveva-Gymnasiums im Rahmen einer kompakten Projektwoche mit einer 5.Klasse gearbeitet. Die noch recht frische Klassengemeinschaft und das Einfinden in die Schule wurden durch diesen intensiven Prozess gestärkt. Bei der abschließenden Aufführung konnte das Resultat Mitschülern, Familien, Freunden und Kollegen präsentiert werden. Der festliche Projektabschluss war ein voller Erfolg; er hat nicht nur die Schülerinnen und Schüler selbst, sondern auch die Zuschauer bewegt.

Das große Engagement, die Hilfsbereitschaft und Flexibilität des Kollegiums im Genoveva-Gymnasium ermöglicht eine intensive Einbindung der Tanzpädagoginnen und eine gelungene Umsetzung des tänzerischen Schwerpunktes im Schulalltag. Dieses Modell der kulturellen Schulentwicklung dient vielen weiteren Schulen als Vorbild, ist der inhaltlichen Arbeit des nrw landesbuero tanz ein praxisnaher Partner, und bereichert nicht zuletzt diverse Bühnen in NRW und darüber hinaus.

 
Projektauslöser/Idee:
Schulintern gab es im Sommer 2005 grundlegende Vorüberlegungen zum Projekt. Zunächst wurden die Ausgangsfaktoren der Schule ermittelt, anschließend wurde ein Konzept für die Profilierung des Schulangebotes entwickelt.

Nachdem die Landesregierung NRW den Ganztag in Grund- und Hauptschulen institutionalisierte, gab es im Schuljahr 2005/2006 dann die Überlegung, am Genoveva-Gymnasium eine Ganztagsklasse anzubieten, die ein besonderes Profil haben sollte. Der Grundstein für die Profilklasse Tanz wurde gelegt.

In Zusammenarbeit mit dem nrw landesbuero tanz ist es der Schule dann gelungen, ein entsprechendes Konzept zu entwickeln und Tanz als zweistündiges, benotetes Unterrichtsfach im Ganztag anzubieten.

 
Projektentwicklung:
Ab dem Schuljahr 2006/2007 startete die Profilklasse Tanz mit 12 Schülerinnen und 12 Schülern. Nicht alle Kinder – und Eltern – waren an dem Unterrichtsfach Tanz interessiert; viele Eltern waren froh, auch an einem Gymnasium ein Ganztagsangebot für ihre Kinder zu finden. Andere jedoch haben gerade wegen des Faches Tanz das Ganztagsangebot in Kauf genommen. Im Schuljahr 2007/2008 erweiterte sich das Angebot auf zwei Klassen mit insgesamt 45 Teilnehmern und im Schuljahr 2008/2009 nahm der Tanzunterricht der drei Profilklassen (Jahrgänge 5, 6 und 7) einen gesamten Unterrichtsvormittag mit sechs Unterrichtsstunden in Anspruch. Aktuell tanzen bereits fünf Klassen jeweils eine Doppelstunde pro Woche.

Da Tanz als zusätzliches Unterrichtsfach verpflichtend ist, war die Schule gezwungen, Organisationsformen für die Gestaltung eines Ganztages in einer herkömmlichen gymnasialen Struktur zu entwickeln ohne Unterstützung der Schulbehörde. Diese Herausforderung in der Schulentwicklung hat der Schule einerseits einen Erfahrungsvorsprung verschafft, da seit Februar 2009 auch Gymnasien eine Ganztagsbetreuung anbieten müssen; andererseits hat sich durch die zwangsläufig stärkere Mitwirkung der Eltern bei der Einrichtung des Ganztages eine sehr engagierte, am Schulleben interessierte Elternschaft herausgebildet, die sich über das Tanzprojekt hinaus intensiv an der Schulentwicklung beteiligt.

Neben diesem positiven Effekt im Hinblick auf Schulentwicklung zeigt sich, dass die Tanzklassen mit großer Freude, ja geradezu mit Feuereifer andere kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen (lit. cologne), sinfonische Konzerte in der Philharmonie oder die Angebote der Kinder-Universität wahrnehmen.

In Zusammenarbeit mit einer freien Künstlerin gestalteten die Schüler und Schülerinnen einer Tanzklasse mehrere Bühnenbilder zu ihrer Tanzperformance. So konnten Kunstsparten miteinander verzahnt und fächerübergreifend gearbeitet werden.

Durch das Unterrichtsfach Tanz hat sich das Verhältnis zwischen Jungen und Mädchen signifikant verbessert. Die Tatsache, dass es notwendig ist, sich während des Tanzunterrichts zu berühren, sich bei Hebefiguren zu stützen, einander zu vertrauen etc. führte schließlich zum Abbau der alterstypischen Vorbehalte gegenüber dem anderen Geschlecht, was sich wiederum überaus positiv im Schulalltag auswirkt bis hin zur Arbeit in Gruppen oder der Sitzordnung.

Jungen, die Tanzen als „Mädchensache“ ansahen und aufgrund des Ganztagsangebots am Tanzunterricht teilnehmen mussten, machten sehr schnell die Erfahrung, dass es sich um ein Fach mit besonderen sportlichen Herausforderungen handelt. Umgekehrt mussten Mädchen feststellen, dass es Jungen mit deutlich höherer tänzerischer Begabung gibt.

Das Unterrichtsfach fördert in überraschendem Maße die Integration: Gerade einige Jungen türkischer Herkunft hatten zu Beginn des Unterrichts große Schwierigkeiten damit, die oben beschriebenen Vorstellung von ‚Tanz’ mit ihrem Selbstbild in Einklang zu bringen. Bis auf eine Ausnahme haben sich diese Probleme nach kurzer Zeit, nicht ohne sichtbaren Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung dieser Schüler, aufgelöst.

Die spürbar gefestigte Gruppenstruktur der Tanzklassen und die unaufgeregte Selbstverständlichkeit im Umgang miteinander, führen auch zu einem spannungsfreien, offenen Verhältnis zu den unterrichtenden Lehrern. Auffällig wird dieses Phänomen immer im Vertretungsunterricht: Ausnahmslos alle Kollegen, die als den Kindern unbekannte Lehrpersonen Unterricht erteilen mussten, zeigten sich verblüfft und erstaunt über die ungewöhnlich friedliche, kooperative, gelassene Grundhaltung der Klassen.

Bereits nach der Erfahrung mit drei Jahrgängen konnten die Lehrerkollegen folgende Aspekte benennen, in denen sich die Tanzklassen signifikant von ihren Parallelklassen unterscheiden (Auszug aus der Lehrerkonferenz Januar 2009):
- Dialogfähigkeit
- Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein
- Körperhaltung und Ausstrahlung zeigen Selbstsicherheit und Souveränität
- Akzeptanz von Regeln und Einsicht in die Notwendigkeit (Disziplin) sind gekoppelt mit
- hoher Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung
- Kooperationsfähigkeit und Konfliktlösungsfähigkeit sind außergewöhnlich entwickelt, Zusagen untereinander werden eingehalten
- ausgeprägte Frustrationstoleranz

Da das Konzept der Profilklasse Tanz die beteiligten Eltern überzeugt, wirken diese im Stadtteil als Multiplikatoren, was sich u.a. in den Anmeldezahlen für die kommenden Tanz-Jahrgänge zeigt: Bereits nach 2 Tagen war die Fortführung der Profilklasse Tanz gesichert. Dazu beigetragen haben sicher auch Besuche von Grundschulklassen aus dem Stadtteil und die Möglichkeit der Teilnahme am Tanzunterricht einerseits und Aufführungen im größeren Rahmen, z.B. an der Sporthochschule Köln, andererseits. Dennoch bleibt eine stärkere Kooperation mit im Stadtteil verorteten Ansprechpartnern eine Herausforderung, der wir uns aufgrund der beschriebenen Ergebnisse stellen können.

 
Besonderheiten:
Tanz bildet für das Genoveva-Gymnasium das Profil der Schule und findet somit eingebunden in den Schulalltag statt.

Tanz hat für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund eine besondere Bedeutung, da unterschiedliche kulturelle Ausprägungen hier in besonderer Weise integriert und genutzt werden können. Tanz überschreitet Sprachbarrieren und lässt Kommunikation, Verständnis und Respekt zwischen den Menschen unterschiedlichster Herkunft entstehen. Mit der Einführung der Tanzklasse im Genovevagymnasium bot sich dem nrw landesbuero tanz ein neuer Weg, Kindern und Jugendlichen, unabhängig von der sozialen Stellung der Eltern, zugänglich zu machen. Mittels dieses Angebotes gibt es die Chance, das Bildungsspektrum unter dem Dach der Schule stark zu erweitern. Vor allem die verstärkte Einbindung künstlerisch-kultureller und ganzheitlicher Erziehungsaspekte wird dadurch ermöglicht.

Unsere Nachbarländer, vor allem Großbritannien und die Niederlande, sind uns in dieser Hinsicht um Jahre voraus. Das Genoveva Gymnasium kann dem nrw landesbuero tanz bei der Verankerung dieser Bildungsaspekte im deutschen Schulwesen als Vorbild dienen.

 
Probleme und Lösungen:
"Wenn ich mich an die Einführung dieses tänzerischen Schulprofils zurückerinnere, denke ich an das große Engagement aller Beteiligten. Zunächst musste viel Überzeugungsarbeit geleistet werden und gemeinsam mit der Schulleitung, dem Lehrerkollegium und dem Tänzerinnenteam mussten wir einige Strategien und neue Lösungsmöglichkeiten entwickeln und durchsetzen.
Heute blicke ich stolz auf die Entwicklung an dieser Schule zurück und freue mich über einen solch kompetenten Kooperationspartner."
(Linda Müller, Leiterin Fachbereich tanz in schulen des nrw landesbuero tanz)

Da ein Gymnasium keinerlei finanzielle Unterstützung zur Einrichtung eines Ganztagsangebots erhält, tragen die Eltern und der Förderverein der Schule die Kosten sowohl für die Tanzpädagogin als auch die für den Ganztag.

 
Anekdotisches:
"Als Begleiter zu unserem Gastauftritt in der Tuchfabrik in Trier konnte ich spüren wie stolz unsere Schülerinnen und Schüler der 8.Profilklasse auf ihre tänzerische Leistung waren und wie gut ihnen die Anerkennung und der Auswärts-Beifall taten." (Bernd Knorreck, Schulleitung)

"Bei einem Aufnahmegespräch eines Viertklässlers sagte ein türkischer Junge: >>Tanzen kommt für mich nicht in Frage, ich ziehe kein weißes Röckchen an!<<
Wir konnten das Missverständnis ausräumen. Dieser Junge ist nun ein begeisterter Teilnehmer der Profilklasse Tanz." (Bernd Knorreck, Schulleitung)