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Die drei PR-Protagonisten vor St. Lamberti Münster
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Arbeit an den Ton-Modellen im Maßstab 1:10
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Viel Schleim und Papier an der lebensgroßen Plastik !
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Das Team des "König von Münster"
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Die Performance: Münster unter Beschuss!
Der König von Münster
Schule:
Kardinal-von-Galen-Gymnasium
Zum Rotenberge 25
48165 Münster
02501- 4451-0

http://www.kvg-gymnasium.de

Gymnasium / Gebundener Halbtag

 
Kooperationspartner:
Kulturstiftung der Provinzial
Herr Helmut Rudolph
- Vorsitzender -
Provinzialallee 1
48159 Münster
0251 - 219 0

http://www.provinzial-online.de/web/html/privat/ueber_uns/kulturstiftung

Galerie Schneeberger
Herr Dr. Bernhard Schneeberger
Drubbel 4
48143 Münster
0251 / 79 96 10
0251 / 79 95 19

Kulturabteilung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL)
Dezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale
Fürstenbergstr. 15
48133 Münster
0251 - 59101
http://www.lwl.org/LWL/Kultur/Kulturabteilung

Kulturdezernat der Bezirksregierung Münster
Dezernent: Hans-Peter Boer
Albrecht-Thaer-Str. 9
48147 Münster
0251 - 411-0

Sigrid Schnegelsiepen-Sengül, Opernsängerin
www.schnegelsiepen-senguel.de


 
Beteiligte Schüler:
161
Klasse 10b und 10c (Musik)
GK 11 Kunst
GK 12 Kunst
GK 12 Literatur
Geschichts-AG (Jgst. 11 und 12)
LK 12 Kunst
Foto-BOB (AG der Jgst. 10 - 13)
Video-BOB (Ag der Jgst. 11 und 12)
 
Beteiligte Lehrkräfte:
OStR Michael Rickert (Kunst, Erdkunde) StR Frank Bennemann (Musik, Kath. Religionslehre) L. i.A. Dr. Claudia Gremmler (Deutsch, Geschichte, Philosophie) OStR Dr. Anja Stiglic (Deutsch, Geschichte)
 
Stundenvolumen:
Die Stunden lassen sich im Detail für keinen der Kurse auflisten, bzw. generalisieren. Die folgenden Angaben sind daher Durchschnittswerte.

Beitrag des Kunst-LK 12: lebensgroße Plastiken: Hauptfiguren im Szenario der Installation; Haljahresthema im Curriculum 12: Skulptur und Plastik; über das Halbjahr mindestens 4 Stunden pro Woche.

Beitrag des Kunst-GK 12: lebensgroße Plastiken: Nebenfiguren im Szenario der Installation und Thronanlage; Halbjahresthema im Curriculum 12: Skulptur und Plastik; über das Halbjahr mindestens 2 Stunden pro Woche

Beitrag des Kunst-GK 11: lebensgroße Plastiken:
Nebenfiguren im Szenario der Installation; Halbjahresthema im Curriculum 11: Arbeiten in der dritten Dimension;
über das Halbjahr mindestens 2 Stunden pro Woche

Beitrag der 10er Klassen-Musik: Erarbeitung einer Tanzperformance sowie deren musikalische Begleitung im Stile der Renaissance; Quartalsthema: Aspekte europäischer Musikgeschichte - Renaissance; über das Quartal mindestens 2 Stunden pro Woche

Video- und Foto-BOB-AG: Projektdokumentation; über das Quartal mindestens 1 Zeitstunde pro Woche.

Literatur-Kurs 12: Konzeption und Inszenierung einer Performance; über das Quartal mindestens 3 Wochenstunden.

Geschichts-AG 11 und 12: Erarbeitung der historischen Zusammenhänge zur Geschichte der Wiedertäufer von Münster (Lokalgeschichte); über das Quartal mindestens 2 Wochenstunden.

 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Projektdaten:
21.06.2010 - "Die Täufer in Münster"; historische Einführung durch Prof. DDr. Lutterbach sowie musikalische Einstimmung mit deutscher Orgelmusik der Täuferzeit und inszenierender Begleitung durch Schülerinnen und Schüler der Stufe 12 in original Renaissance-Kleidung in der Dominikaner-Kirche in Münster.
25.06.2010 - "Der König von Münster"; Installation und Performance auf dem Lamberti-Kirchplatz unter den Wiedertäufer-Käfigen in Münster
29.06.2010 - Ausstellung in der Galerie Schneeberger mit Vortrag von Frau Dr. Rüschoff-Thale, Kulturdezernentin des LWL und Dr. Bockow, Publizist; Thema der Ausstellung: Vorbereitungsarbeit und Dokumentation der Performance
05.10.2010 - Installation und Performance "Der König von Münster - final" in der Kulturstiftung der Provinzial-Versicherung (Direktionsgebäude); Laudatio durch H.-P. Boer (Kulturdezernent der Bezirksregierung Münster)
 
Projektauslöser/Idee:
Eine Idee entwickelt sich
Wie das Projekt "Der König von Münster" entstand
Dass Idee und Kunst etwas miteinander zu tun haben, ist eine Binsenweisheit, schließlich gibt es keine Kunst ohne eine vorherige Idee. Aber wie ist es anders herum?
Gibt es eine Idee ohne Kunst?

Die Schwierigkeit beginnt da, wo man sich fragen muss: Was ist Kunst, was bedeutet überhaupt Idee? Ein ungeheures Dilemma: Es gibt wenig Begriffe, die derart komplex
diskutiert werden.

Es gibt unzählige Versuche, Kunst zu definieren; einer stammt von Friedrich Schiller: "Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst." Wenn man denn unter heiter lebensbejahend
und fröhlich verstehen will, trifft dieser Versuch einer Erklärung auf dieses Projekt schon zu. Und sie betrifft zugleich ein wesentliches Anliegen in Schillers OEuvre, in dem er über das menschliche Glück nachdenkt.

Friedrich Schiller hat mit der Ästhetischen Erziehung einen großen Beitrag zum Humanismus geleistet, ohne den die modernen Gesellschaften wie unsere nicht konfliktfrei existieren könnten. Darin stellt er den Begriff vom individuellen, menschlichen Glück als entscheidendes Moment für ein Gelingen menschlicher Gesellschaften heraus.

Eine Voraussetzung von Glück ist eine Lebensgestaltung, in die bewusste Wahrnehmung und die Entwicklung von kreativen Ideen für sich und die Welt einen Platz haben. Erkenntnis ist der auslösende Faktor, dass der Mensch sein Glück in der
Wahrnehmung von sich in der Welt erfährt.

Der Begriff "Idee" stammt aus dem Griechischen. "Idein" bedeutet: sehen, wahrnehmen, erkennen. Damit sind wir in der Ästhetik, einer philosophischen Disziplin. Unterstellt
wird dem Vorgang des Sehens, dass in der Wahrnehmung ein Erkenntnisgewinn liegt.

Ohne eine Fortentwicklung der Kunst in ständig neuen Ideen gäbe es sicherlich diesen hohen Stellenwert von Kunst in unserer Gesellschaft nicht. Ohne sie gäbe es für den
Menschen wenig Anreiz, sich über die Kunst mit der Welt und den Möglichkeiten der Phantasie auseinanderzusetzen.

Insofern ist die Frage, wie ich als bildender Künstler und hauptberuflicher Kunsterzieher zu dieser Idee komme, eigentlich ein bisschen seltsam: Es ist ja schließlich mein Beruf, so etwas zu machen. Meine Aufgabe ist es Ideen zu entwickeln!

Eine Idee ist immer individuell. Eine Idee entwickelt sich immer, sie hat also immer einen Anfang. Nicht unbedingt aber ein Ende! Der Anfang einer Idee liegt immer in der
individuellen Erfahrung, was heißt: in dem ungeheuren Bilderspeicher eines Lebens, den man als Mensch mit seiner Geburt anlegt, um das zu werden, was man schließlich
ist: man selbst.

An der Hand meiner Mutter besuchte ich 1957 Münster. Abgesehen von den noch deutlich erkennbaren Kriegszerstörungen brannten sich in mir zwei Bilder ein:
einmal der Eulenkäfig im alten Zoo, dann die Käfige am Turm von St. Lamberti. Sie ließen mich nicht mehr los.

Als ich im vergangenen Jahr die Zeitschrift ART durchblätterte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Dort wurde von einer Ausstellung in der Schirmhalle in Frankfurt/M. berichtet, wo eine vielköpfige Schar lebensgroßer Skulpturen aus dem Rot-China der sechziger Jahre zu sehen war. Diese Skulpturen zeigten eine Szene, wo ein Großgrundbesitzer mit seinen Schergen die von ihm abhängigen Bauern presste und schikanierte. Ein ungeheuer dramatisches und lebendiges Ensemble.

Dieses Werk bot in seiner Besonderheit den Anlass, über seine Umsetzung in der Schule nachzudenken: Viele individuelle Künstler müssen daran mitwirken. Jeder dieser
Künstler erzählt individuell über seine Figur eine Geschichte. Diese steht immer im Zusammenhang mit den anderen Figuren. Und alle zusammen erzählen eine
gemeinsame Geschichte. Wie gemacht für Schule!

Schulunterricht organisiert sich immer in Gruppen, in Klassen und Kursen. Gemeinsames Lernen und Arbeiten ist das Grundprinzip. Sich im sozialen Kontext ein eigenes Ziel zu setzen und es im sozialen Kontext zu erreichen, hat den höchsten Stellenwert in der Hierarchie unserer Lernziele.

Für die zweiten Halbjahre der Stufen 11 und 12 sieht unser Fachcurriculum Kunst die Beschäftigung mit der Dreidimensionalität vor, allerdings unter unterschiedlichen
Aspekten. Ich unterrichte einen Grundkurs 11 und einen Grund- und einen Leistungskurs in der Stufe 12. Und so bin ich auf die Idee vom König von Münster
gekommen.


Michael Rickert

 
Projektentwicklung:
Es erscheint hier nicht möglich und wenig sinnvoll, alle Etappen des Großprojekts neu formuliert vorstellen zu wollen, dazu sind sie zu vielfältig und in den einzelnen Kursen und Arbeitsgemeinschaften zu unterschiedlich.

Vielmehr sei auf die Seite www.der-koenig-von-muenster.de verwiesen.

Hier sind alle Hintergrundinformationen festgehalten.

 
Besonderheiten:
das Besondere in aller Kürze:
- vier Fächer
- vier Jahrgangsstufen
- mehr als 160 Schülerinnen und Schüler im Team
- vier Kolleginnen und Kollegen im Team
- viel lokale, westfälische Geschichte mit Weltgeltung
- wunderschönes, authentisches Location
- viel Unterstützung vieler Kulturschaffenden unter Federführung der Kulturstiftung der Provinzial
- viele Zuschauer
- viel Medienresonanz

Wir möchten an dieser Stelle erneut auf unsere Homepage verweisen (s.o.).

 
Probleme und Lösungen:
Schwierigkeiten in einem solchen Projekt sind normal. Generell ist eine Organisation mit 161 Schülerinnen und Schülern aus vier Jahrgangsstufen und vier Fächern, dazu noch stufenübergreifende Arbeitsgemeinschaften, die von vier Lehrerinnen und Lehrern betreut werden, eine Herausforderung sondergleichen.
Besonders deutlich zeigte sich dies darin, dass es für den Termin am 25.6.2010 keine Generalprobe aller Beteiligten zuvor geben konnte, wir also darauf vertrauen mussten, dass die Kunstform "Performance" eine ist, in der Alles wie von selbst gelingt.
Und so war es auch.
Alles Weitere findet sich in den Texten auf der Homepage!
 
Anekdotisches:
Der nachfolgende Aufsatz wurde von Anne Stock, Schülerin des 12.Jahrgangs, zum Ende des vergangenen Schuljahres geschrieben. (Es finden sich weitere Anekdoten von Schülerinnen und Schülern auf der Seite:
www.der-koenig-von-muenster.de

Schule macht glücklich
Kardinal-von-Galen Gymnasium präsentiert die Installation „Der König von Münster“

Die Installation aus lebensgroßen Figuren vor der Lambertikirche in Münster ist nur ein Teil des Schulprojekts „Der König von Münster“ unter der Leitung von Künstler und Lehrer Michael Rickert. Das KvG Gymnasium möchte an die Schreckensherrschaft der Wiedertäufer erinnern und ein Beispiel für die innovative Schule von morgen setzen. Münster ist bereits im Königsfieber, nun bewirbt die Schule sich um den Preis „Kinder zum Olymp“ aus den Händen des Bundespräsidenten.

Eine Reportage von Anne Stock

Idee (griechisch „Ideîn“ : sehen, wahrnehmen, erkennen)
Am Anfang steht die Idee. Die Idee, eine neue Art der Wahrnehmung zu schaffen in einer Welt, die sich zunehmend zweidimensional vor dem PC, Laptop oder wahlweise dem Fernseher abspielt. Kunsterzieher Michael Rickert nimmt seinen aussterbenden Beruf wörtlich. Er möchte nicht nur lehren, sondern erziehen, erziehen zu „sehen“. Kunst solle auch für die junge Generation greifbar sein, anregen, verwirren. Wird er nach der Idee für sein Projekt gefragt, heißt es: „Es ist schließlich mein Beruf Ideen zu entwickeln.“ Es ist eine Berufung.
Inspiration für den selbst wirkenden Künstler hat die historische Altstadt der lebenswertesten Stadt der Welt Münster en masse zu bieten. Seiner Phantasie freien Lauf lassen, kann man jedoch vor allem beim Anblick der drei Eisenkäfige an der Lambertikirche. Grausige Phantasien sind das. Ein Zeitsprung von 475 Jahren führt in das noch weitgehend mittelalterliche Münster, welches von der Reformation gespalten ist und in der Wiedertäuferbewegung neuen Glauben findet. An der Spitze der radikalen Reformer stand Jan van Leiden, ein nicht geringer Weiberheld mit polygynem Harem, der die Münsteraner auf das kommende Ende der Welt und die Erscheinung Jesu Christi vorbereitete. Indem er sie taufte, „wiedertaufte“. Es sollte eine heilige, gleichgestellte Gemeinschaft entstehen - es kam aber zu Brutalität, Hungersnötigen und Vielweiberei. Der selbstgekrönte „König von Münster“ Jan van Leiden wurde nach Zerschlagung des Täuferreichs am 25. Juni 1535 umgebracht und zur Abschreckung in einem Käfig an die Lambertikirche gehängt.
Nun wurde der „König von Münster“ am 25. Juni 2010, genau 475 Jahre nach der Vertreibung der Täufer wieder zum Leben erweckt.
„Arbeit macht glücklich“ (philosophische Überlegung)
Wenn Arbeit wirklich glücklich macht, dann ist es kein Wunder, dass die 160 mitwirkenden Schüler/Innen des KvGs aus Münster mit der Sonne um die Wette strahlten, als am 25. Juni die große Installation und Performance in der Münsteraner Innenstadt mit Applaus zu Ende ging. Vier Monate lang hatten sie Überstunden gemacht, Freistunden genutzt und Nachmittage geopfert, bis das Projekt auf der Bühne stand. Der Werbefilm zum Projekt beginnt mit den Worten: „Tief unten in den Kellern tut sich was…“. Der Betrachter wird eingesogen in ein Horrorszenario. Ein weißer Flur, nur knapp beleuchtet, die Wände gesäumt von lebensechten Drahtmenschen mit Gesichtern und Grimassen. Die Gipsmasken haben die Schüler von sich selbst abgenommen und schaffen somit eine nicht zu leugnende Verbindung zwischen den historischen Personen und der heutigen Generation.
Mit liebevollem Fingerspitzengefühl werden Finger aus Gummihandschuhen und Kleider aus Klopapier geformt. Mit viel Kleister hält alles, vorausgesetzt die Statik stimmt. Die Figuren seien authentisch, so Rickert, in Größe, Kleidung und Verhalten abgestimmt auf das 16. Jahrhundert. Was bringt die Schüler dazu, so viel Zeit und Aufwand in die Figuren zu stecken, abgesehen von guten Noten? Wo liegt das Geheimrezept für jeden Lehrer? Es sei der Spaß, so Rickert, Pläne, die erst nur als Idee, später auf Papier existieren, zu verwirklichen. Spaß sei in diesem Fall gleichzusetzen mit dem Erleben von Glück. „Dies ist eine Methode glücklich zu sein.“, sagt Rickert selbstbewusst.
„In dem Moment, wenn wir zusammenarbeiten, haben wir das, was wir eigentlich wollen, nämlich Qualität.“ (Rickert)
GEMEINSCHAFT wir großgeschrieben am KvG. Dies wird auch in dem Projekt sichtbar, welches sich von einem Kunstprojekt zu einem Schulprojekt entwickelt hat. Neben den Kunstkursen der ehemaligen 11. Und 12. Jahrgangstufen nehmen auch Musik-, Literatur- und Geschichtskurse teil, die eine Performance erarbeitet haben. In zeitgenössischer Kleidung wird die Installation in Szene gesetzt. Van Leiden thront vor der Lambertikirche, umgeben von seinen Anhängern und dem Volk. Von den Ideen der Wiedertäufer über die Belagerung bis zum Sturz des „Königs“ erfahren die Zuschauer einen Crashkurs in Münsteraner Geschichte. Tanz, Gesang und bunte Gewänder stehen in einem animierenden Kontrast zu den starren, weißen Figuren aus Pappmaché.
Stellenanzeigen suchen heute den teamfähigen Individualisten. Eine Mischung, die gefördert werden muss, wie zum Beispiel am KvG. Eine Parallele: Jede historische Figur in diesem Projekt ist einzigartig, erzählt ihre individuelle Geschichte, und doch steht sie mit anderen im Zusammenhang. Gemeinsam erzählen sie die Geschichte von Münster.
Nach der erfolgreichen Performance vor der Ludgerikirche folgte eine Ausstellung der vorherigen Skizzen und Tonfiguren in der Galerie Schneeberger in Münster, wo das Zusammenspiel von „Lehren und Erfahrung, Aktion und Emotion“ des Projektes von der Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale und Dr. Jörg Bockow gewürdigt wurde. Als Nächstes geht die Installation am 5. Oktober 2010 in die Kulturstiftung der Westfälischen Provinzial Versicherungen in Münster, und danach geht die Reise der Figuren hoffentlich weiter bis nach Berlin.
Lexikon „Atmosphäre“: gleichbedeutend mit „Stimmung“ oder „Aura“
Was ist das Besondere am KvG? Die meisten Besucher sagen, es sei die besondere Atmosphäre an der Schule. Dies mag daran liegen, dass es sich um ein privates bischöfliches Gymnasium handelt, wo Religion bis zur 12. Stufe Pflichtfach ist. Vielleicht liegt es auch an den engagierten Lehrern, einen davon, ein „Urgestein“, haben sie in dem Artikel bereits kennengelernt. Oder liegt es an besonderen Projekten, wie dem „König von Münster“, die das Denken und die Gemeinschaft der Schule prägen? Projekte, welche das Lernen hier zu einem Erlebnis und Schule zu einem Ort werden lassen, der glücklich macht. Die Erkenntnis bleibt:
„Wir sind etwas Besonderes und ich hoffe, dass wir es bleiben.“ (Rickert)
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Aus der Schülerzeitung: „KvG-Total“ 1/2010
Redakteur: Steffen Lechtermann
Ein würdiger Abschluss

„Der König lebt!“, dass waren Herrn Rickerts Worte als er am 25.06.2010 erstmals sein „größtes Projekt überhaupt“ auf dem Lambertikirchplatz in Münster mit rund 130 engagierten Schülerinnen und Schülern vorführte. Mit eben diesen Worten begann auch der Vertreter der Provinzial- Versicherung, Herr Boer, seine Rede zum Rückblick auf „Der König von Münster“.

Es war am Dienstag, dem 05.10.2010 als rund 50 Schülerinnen und Schüler um 13:45 Uhr zum letzten Mal ihre Skulpturen in einen der Stadtwerke-Busse verfrachteten um die Reise zur Vollendung Ihres Projektes anzutreten. Als schließlich auch der Initiator dieses Projekts Herr Rickert nach hektischem Beginn in Ruhe seinen Platz im Bus suchte, war klar dass die Fahrt zum Provinzial-Versicherungsgebäude in Münster-Nord beginnen konnte. Vor Ort angekommen, dauerte es schließlich noch ungefähr 45 Minuten, bis jede Skulptur zentimetergenau an seinem Platz stand, die Licht- und Tontechnik perfekt eingestellt waren und das dreiköpfige Kamerateam bereit war zu filmen. Rickert versuchte perfektionistisch zu arbeiten um den Sponsor möglichst zufrieden zu stellen. Kurz darauf füllte sich die geschmückte Eingangshalle der Provinzial prompt. Zu diesem Zeitpunkt liefen hinter den Kulissen noch die letzten Vorbereitungen. Unter enormen Zeitdruck gelang es den Akteuren dennoch pünktlich um 16:00 Uhr die Aufführung zu starten. Mit einem imposanten Kanonendonner sowie hellem Blitzlicht begann die Choreographie. Nach einer kurzen Begrüßung ertönten die traditionellen Fanfaren aus einem der oberen Stockwerke. Diese eröffneten den Auftritt der Protagonisten. Nachdem die Krönung des Königs simuliert wurde, rief gregorianische Musik zum Schreittanz auf. Nun war es soweit, in einer packenden Rede blickte Rickert mit ein wenig Wehmut auf seine lange Laufbahn als Kunsterzieher aber auch auf seinen wohl vorletzten Kunst-Lk zurück. Ein besonderer Dank galt auch Florian Jungermann, der mit Leib und Seele seine Sommerferien opferte um den Film „Der König von Münster“ zu schneiden. Dies war der perfekte Übergang zur abschließenden Filmvorführung der Best of – CD. Zum Abschluss der Vorführung brach die gut gefüllte Halle in tosendem Applaus aus. Die drei kreativen Köpfe, bestehend aus Frau Dr. Gremmler, Herrn Rickert und Herrn Bennemann waren höchst zufrieden. Die Skulpturen blieben bis zum 21.10.2010 in der Provinzial stehen. Das Projekt lebt nun zwar nicht mehr, jedoch wurden die Wiedertäufer für einige Monaten wieder lebendig gemacht. Somit kann man sagen, dass das Projekt nicht nur seinen Sinn erfüllt hat sondern ein voller Erfolg für Herrn Rickert und insbesondere für die Schule war.


Stimmen und Meinungen aus den Kunstkursen (geschrieben am 29.7.2010)

„Das Einladen in die Busse war für uns alle mit viel Aufregung verbunden. Ich habe jedoch erlebt, dass wir stufenübergreifend füreinander da waren und uns gegenseitig geholfen haben.“

„Nun wurden die Passanten natürlich neugierig. [...] Ich hatte den Eindruck, dass das Interesse wirklich groß war, und unsere Installation großen Anklang fand.“

„So kam ich ins Gespräch mit einem älteren Mann, der sehr begeistert war und es toll fand, wie sehr wir uns außerschulisch engagieren. Gerade in diesem Projekt würde man sehen, wie großartig das Miteinander an manchen Schulen wäre, und wie sich die „heutige Jugend“ für Kunst und Kultur interessieren würde.“

„Ich habe nie gewusst, wie viele einzelne Rädchen in diesem großen Projekt nötig sind, um das Ganze ins Rollen zu bringen.“

„Ich war von unserer eigenen Leistung beeindruckt und bin wirklich stolz auf mich.“

„Und je mehr Fragen [der Zuschauer] man beantworten konnte, desto mehr fühlte man sich wie ein kleiner Künstler. Ich hoffe, dass ich noch einmal die Gelegenheit bekommen werde, an so einer Kunstform mitzuwirken.“

„Viele Leute waren sehr begeistert von dem Projekt und hatten auch viele Fragen zu der Herstellung der Figuren.“

„Ich stand also während der Vorführungen am Rand und habe das Flatterband gehalten. Dort habe ich die Reaktion der Leute mitbekommen, die neben mir standen, und diese waren sehr erfreut von der Vorführung.“

„Nachdem ich selber nun an so einem Projekt teilgenommen habe, weiß ich, wie viel Arbeit wirklich dahintersteckt, und weiß nun auch die Arbeit der Anderen mehr zu schätzen.“

„Auch meine Eltern, und wie ich mitbekommen habe, viele Eltern, sind sehr stolz und freuen sich, dass wir ein solches Projekt mitgestaltet haben, denn sowas kommt nicht alle Tage, und es ist wirklich eine tolle Erfahrung, selber sowas mitgestaltet zu haben.“

„Die Performance hat unsere Figuren super zum Vorschein gebracht, zwischen den eigentlich“toten“ Figuren herrschte so viel Leben, dass wirklich der Eindruck vermittelt wurde, dass sie zum Leben erweckt wurden.“

„Für mich hatte die Teilnahme an einer solchen Kunstform eine große Wirkung; schon während der Busfahrt bekam ich den einen oder anderen Schauder, als Passanten neugierig in die Busse starrten und mit den Fingern auf uns wiesen.“

„Es war der erste Moment, in dem ich ein Gefühl dafür bekam, was für eine Größe das Projekt hatte, und ich war ein kleines bisschen stolz, dass unsere Schule die Blicke der Leute auf sich ziehen würde.“

„In späteren Gesprächen erfuhr ich, dass die Busse stark ausgesehen haben müssen mit all´ den schwarz gekleideten Schülern und den weißen Figuren.“

„Die Figuren hätten einfach nur da stehen können, sie hätten für sich gesprochen. Die aufwändige Performance hat das Ganze besonders deutlich gemacht. Man musste sich die Performance anschauen und verstand, worum es ging.“

„Als Beobachterin der Performance und aufgrund der Reaktionen der Zuschauer kann ich nur sagen, dass sich die ganze Arbeit gelohnt hat.“

„Somit war das Projekt: Der König von Münster ein voller Erfolg.“

„Es war schön zu sehen, dass die Leute ein ehrliches Interesse für unsere Arbeit zeigten.“

„Am Schluss der Aufführung kam meine Schwester vorbei und war beeindruckt, wie wir das Alles gemeistert haben. [...] Ich hätte niemals gedacht, dass das Projekt eine solche Größe annimmt, und ich war begeistert und stolz, Teil eines solchen Projektes gewesen zu sein.“

„Eine Rolle spielten dabei die einheitlichen T-Shirts der Schüler. Diue Schüler waren verpflichtet, diese Shirts zu tragen, und repräsentierten damit das Projekt und die Gemeinschaft der Teilnehmer.“

„Die Figur, die man selbst in monatelanger Arbeit angefertigt hatte (nicht nur während der Kunst-Stunden, sondern auch an Nachmittagen und in Freistunden), dann vor solch einem großen Publikum zu präsentieren, erfüllte einen schon mit Stolz, Stolz über die Reaktionen der Zuschauer.“

„Mit einem so großen Interesse an uns Schülern hätte ich vorher nicht gerechnet.“

„Ein weiterer Punkt war die unglaubliche Verbindung, die die Figuren zu den Geschehnissen damals in Münster herstellten.“

„Das Publikum war vom Alter her völlig gemischt und unterschiedlich. Von den Großeltern bis zu Kleinkindern: Alles war vorhanden.“

„Einmal fragte mich sogar eine Frau, ob man die Figuren auch käuflich erwerben könnte, da sie fand, dass die Figuren gut in ihr Wohnzimmer passen würden.“

„Dies gibt einem selber auch ein besseres Gefühl, dass sich die ganze Anstrengung und der Aufwand gelohnt haben.“

„Das Zusammenspiel von wirklichen Menschen und unseren eigenen Figuren war sehr beeindruckend. Man hat sich in das Wiedertäuferreich zurückversetzt gefühlt.“

„Die einzelnen Anordnungen der Figuren fand ich sehr gut gelungen, alles war auf den König Jan van Leiden ausgerichtet.“

„Von Vielen habe ich mitbekommen, dass die Leute die einzelnen Vorstellungen sehr spektakulär fanden und vor allem großen Respekt vor der ganzen Arbeit der einzelnen Beteiligten hatten.“

„Als wir in der Schule an den Figuren gearbeitet haben, hätte ich nie gedacht, dass es hinterher eine so große Installation werden wird.“

„Außerdem fand ich es gut, dass die Zuschauer zwischen den Figuren herumgehen konnten und sie so von allen Seiten betrachten konnten. Bei normalen Kunstausstellungen muss man immer Abstand halten.“

„Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass mir diese Kunstform sehr gefällt und den meisten Zuschauern auch.“