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Beethovens Aussehen – live
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Auf zum Maskenball im Schloss!
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Malen zur Pastorale
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Anstehen für die Bratsche
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Beethovens Flohlied „inszeniert”
Beethoven und sein Haus - mobil
Schule:
Beethoven-Haus Bonn
Bonngasse 24-26
53111 Bonn

Grundschule / Offener Ganztag
 
Kooperationspartner:
•Jahnschule, Herseler Straße 7, 53117 Bonn, T:0228 772102

• Max-und-Moritz-Grundschule, Siegstr. / Mittelstr. , St. Augustin Menden

• Katholische Grundschule Rubensstr. 2 a , 53757 Sankt Augustin-Meindorf

• Anne Frank Schule, Adlerstr. 13, 50997 Köln, T: 02233/99 44 55-0

• Till-Eulenspiegel-Schule, Renoisstraße 1A, 53129 Bonn, T: 0228 773606

• Gotenschule, Neckarstraße 39, 53175 Bonn, T: 0228 777580

• Kindertagesstätte Sonnenblume, Tannenstr. 44, 50169 Kerpen


 
Beteiligte Schüler:
655
•Jahnschule: Kl. 2b = 20, Kl. 3c = 19, Kl. 4c = 19
•Max-und-Moritz Schule: 2x Klasse 4 à 30 = 60
•KGS Rubensstr. St. Augustin-Meindorf: 2x Klasse 4 à 25 = 50
•Anne-Frank-Schule Köln-Rondorf: 3x Klasse 3 à 25+26+26 = 77; 3xKlasse 4 à 27 = 81
•Gotenschule: 2 erste à 27=54, 3 zweite à 22=66, 2 dritte à 20+17=37, 2 vierte à 22=44
•Till-Eulenspiegel-Schule: Klasse 2/3 = 24; Klasse 3/4 = 24
•Kindertagesstätte Sonnenblume: 4 Jahrgangsgruppen à 20=80
 
Beteiligte Lehrkräfte:
Die Klassenlehrerinnen der beteiligten Klassen, insgesamt 24 und 4 Erzieherinnen.Sie sind während der Beethovenstunden präsent und assistieren wo nötig; einige bereiten die Stunden auch nach.
 
Stundenvolumen:
wöchentlich je eine Unterrichtsstunde von jeder der sechs ”Beethoven-Lehrerinnen” über das Schuljahr 2010/2011
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
In der Stadt, in der eine der bekanntesten Komponisten der klassischen Musik geboren wurde, sollten möglichst viele Menschen von dieser Persönlichkeit und seiner Musik wissen.
Aber nur sehr wenigen Kindern wird heutzutage im Elternhaus noch ein Interesse an Kultur, an Musik vermittelt. Um auf diesem Gebiet wieder eine größere Breite zu erzielen, wird es zunehmend wichtiger, hin zu den Kindern, also in die Schulen zu gehen.
Eine besonders wichtige Zielgruppe sind die Grundschulkinder, denn sie sind noch offen, neugierig und aufnahmefähig. In diesem Alter kann man noch ein Sensorium für Kultur wecken und die Basis für ein Interesse, eine emtionale Involviertheit legen. (Über die Kinder erreicht man gleichzeitig auch deren Eltern.)
So entstand die Idee, für Beethovenstunden in verschiedene Grundschulen zu gehen.
Die Stundenpläne der Grundschulen sind glücklicherweise noch flexibel genug, um in regelmäßigen Abständen eine solche Beethovenstunde aufnehmen zu können. Der Rhythmus unseres Kommens wurde mit der Schule abgesprochen. Es gibt das Modell, während des gesamten Schuljahres 2, 3 oder 4 verschiedene Klassen, also jede Klasse alle 2-4 Wochen zu besuchen, oder eine Klasse im Block über 4-6 Wochen zu unterrichten und danach eine andere. In jedem Fall erreicht man eine große Anzahl Kinder aus einer Schule und entsprechend insgesamt.

Die Beethovenstunden bringen nicht nur Beethovens Lebensgeschichte in die Klassen, sondern auch Kulturgeschichte, Heimatkunde, Familiengeschichte, viele allgemeinbildende Inhalte und natürlich Musik. Sie ergänzen somit auch auf vielfältige Weise den Lehrplan, in den meisten Fällen ergänzen sie zudem das im Stundenplan sehr verwaiste Fach Musik. Sie sind eine breit angelegte Vorbereitung auf den Besuch des Museums, und sie legen eine Basis für eine Beziehung zu Beethovens (klassischer) Musik.

Das Museum mit seinen vielen Exponaten begleitet somit auch die meisten der Beethovenstunden. Jede Klasse erhielt in der ersten Stunde ein Papiermodell des Beethoven-Hauses. Auf einen Etagenplan des Museums im Klassenzimmer werden parallel zu den Themen der einzelnen Stunden regelmäßig kleine Bilder der verschiedenen Exponate aufgeklebt, so dass die Kinder das Museum (und dessen Besuch) immer „im Blick” haben.

Die Stunden über Beethovens Familie, seine Kindheit, sein Aussehen, seine Freunde, seine Instrumente und einige zentrale Werke enthielten immer aktive Elemente. So wurde Beethovens Aussehen nicht nur beschrieben und verglichen, sondern selbst „ausprobiert” – zumindest hinsichtlich der Kleidung. Beethovens Familie – in verschiendenen Generationen – lernten die Kinder über ein Stammbaum-Rollenspiel kennen, und auch gegen die Namen von Beethovens Freunden, Schülern und Gönnern tauschten sie ihre eigenen Namen ein.
Ob Beethoven mit einem Hörrohr besser hören konnte, konnten sie selbst mithilfe einer Replik des Originals testen. Und eine Bratsche – dieses Instrument spielte Beethoven im Hoforchester – konnten sie selbst einmal ausprobieren und mit einer Geige vergleichen.

Die Musik ist natürlich ein wesentlicher Bestandteil jeder Beethovenstunde. Sie lädt zum Tanzen ein, zum Beispiel in Anlehnung an das große Bild im Museum vom Maskenball im Bonner Schloss und zu Auszügen aus Beehovens Musik zu einem Ritterballett, geschrieben für einen vergleichbaren Anlass. Schon die Vorbereitung der Kinder auf einen solchen „Ball” vermittelt ein wenig Kulturgeschichte: wie waren die Menschen damals gekleidet, wie haben sie sich benommen (die Herren waren z.B. sehr galant zu den Damen). Aber auch das konzentrierte (angeleitete) Hören kleiner Musikabschnitte und das Erfühlen und Beschreiben der Stimmung, des Charakters ist eine wichtige sensorische Schulung. Sie funktioniert unterschiedlich gut bei den Kindern. Für einige Kinder ist diese Art der Konzentration auf Musik ungewohnt, andere lassen sich mitnehmen, geben dem Gehörten durch Musiziergesten Ausdruck. Wenn man auf diese Art die verschiedenen musikalischen Teile des berühmten Klavierstücks „Für Elise” anhört – den bekannten Anfang zunächst einmal ausgenommen –, ihren Ausdruck beschreibt, zum Teil auch die Bewegunsgrichtung der Musik, und dies jeweils mit einem „Icon” symbolisiert, erzählt das Klavierstück einem am Ende eine kleine Geschichte.
Umgekehrt kann erzählende Musik wie die von Beethovens Pastoralsymphonie dazu anregen, die unterschiedlichen Stimmungen der einzelnen Sätze in abstrakte Bilder farblich umzusetzen, der Musik so über ein andereres künstlerisches Medium kreativ Ausdruck zu verleihen. Dies ermöglicht andererseits auch eine besonders konzentrierte Beschäftigung mit Beethovens Musik. Den Ausdrucksgehalt von Musik zu erfassen und ihn in Worten, Körperbewegung oder Farben auszudrücken ist eine (wichtige) Sinnesschulung und schafft eine (persönliche) Brücke für die Aufnahme von klassischer Musik.
Mit Begeisterung sind die Kinder dabei, wenn sie - ausgestattet mit kleinen Requsiten – selbst etwas darstellen dürfen, etwa Beethovens Flohlied oder die Oper Fidelio.

Natürlich „musizieren” die Kinder soweit es geht auch selbst. Lieder, (freche) Kanons von Beethoven oder Singgeschichten über seine Lausbubenstreiche machen ihnen immer Freude. Aber auch die großen Werke „spielen” sie selbst: zum Beispiel den Gewittersatz aus der Pastorale – nur mit Finger(spitzen)n, Händen und Füssen – oder die ersten 24 Takte von Beethovens Fünfter mit gleichen Mitteln als „Rhythmusorchester”.

Es macht uns allen viel Freude, unsere Vermittlungsmethoden aus der Arbeit im Museum zu erweitern und immer wieder den anderen Gegebenheiten und den gemachten Erfahrungen anzupassen. Eine kreative Arbeit mit viel Gewinn auf beiden Seiten! Und auch die Lehrerinnen sehen die Beethovenstunden als eine vielfältige Ergänzung und Bereicherung des Unterrichts an, die sie selbst so nicht hätten bieten können.

 
Projektauslöser/Idee:
Seit mehr als 10 Jahren bietet das Beethoven-Haus Workshops, Musik- udn Museumsnachmittage für Kinder aller Altersgruppen zu Beethovens Leben, seiner Musik und seiner Zeit an. Die Angebote finden alle im Bereich des Beethoven-Hauses (Museum oder Kammermusiksaal) statt, die Kinder kommen in unser Haus. Dies sind überwiegend Kinder, in deren Elternhaus die Kultur, die klassische Musik, Beethoven eine Rolle spielen, sonst hätten diese Kinder nicht zum Besuch animiert werden können. Wir wollen aber auch mehr und mehr jene Kinder erreichen, deren Elternhäuser nicht solche Voraussetzungen bieten. Der beste Weg dazu scheint uns, zu den Kindern zu kommen, also in ihre Schulen, und sie dort für Beethoven und seine Musik zu begeistern – und sie damit für Kultur und Musik überhaupt zu sensibilisieren. Um dies mit möglichst überschaubarem Aufwand bei möglichst vielen Kinder zu erreichen, entstand die Idee der wöchentlichen Beethoven-Stunden in solchen Schulen, die jeder Kollegin von uns örtlich und ggf. durch bereits bestehende Kontakte nahe stehen, wodurch sich auch ein bunter sozialer „Schul-Mix” ergab: Schulen mit einem hohen Anteil an Migranten in sozialen Brennpunkten und einem hohen Förderbedarf sind ebenso vertreten wie solche mit mittelständischer und bildungsinteressierter Elternschaft.
 
Projektentwicklung:
Zunächst haben wir, die sechs Beethoven-Lehrerinen, gemeinsam ein Papier zum „warum, wozu, wer, wann” des Projekts entwickelt. Hiermit ist jede von uns an eine Schule ihrer Wahl (nah am Wohnort, bereits bestehende Kontakte) gegangen, um für das Projekt zu werben. Es gab dann ein „Starterpaket” für jede, enthaltend das Beethoven-Haus als Papiermodell, den Etagenplan und die Miniaturfotos sowie für jedes Kind eine „Beethoven-Mappe“ für unser Material. Von da an lag der weitere Verlauf in der Hand einer jeden einzelnen. Auf der Basis unserer zahlreichen Aktionen mit Kindern im Beethoven-Haus und dem daraus erwachsenen Praxisbuch „QuerBeethoven” und abhängig von der Anzahl der zu gebenden Beethovenstunden sowie der Klassenstufe wurden die Stundenverläufe erarbeitet. Ein regelmäßiger Austausch der Erfahrungen – auch mit den Lehrern – und der methodischen Ideen war immer wieder anregend.
Jede Klasse besucht im Laufe (meist gegen Ende) des Pojekts das Beehoven-Haus. Als kleine Beethoven-Experten übernehmen sie dabei oft selbst die Führung und erzählen über ihre Lieblingsobjekte.
In vielen Schulen sind außerdem Abschlussprojekte geplant, die der restlichen Schulgemeinde mit Bildern, Musik, Tanz und anderen Ergebnissen das Projekt bekannt und Lust auf Beethoven machen sollen.
 
Besonderheiten:
Das Besondere an diesem Projekt scheint uns zu sein, dass mit relativ einfachen Mitteln sehr viele Kinder für klassische Musik, Kultur und eine Künstlerpersönlichkeit wie Beethoven interessiert und sensibilisiert werden, gleichzeitig aber auch ein kultur-historisches Bewußtsein aufbauen.
Jede Kollegin des Pädagogik-Teams investiert, neben der Vorbereitungszeit, jede Woche eine Stunde. Durch die Staffelung – an jeder Schule werden mindestens zwei verschiedene Klassen, meistens jedoch mehr, im Wechsel besucht – kann unser Team im Laufe eines Schuljahres viele Kinder erreichen.
Der ”fremde Besuch” ist für die Kinder etwas Besonderes, wodurch auch die Inhalte unserer regelmäßigen Besuche besondere Spuren hinterlassen.
Durch die Erzählungen der Kinder, aber auch durch besondere Aktionen innerhalb des Projekts (Konzertbesuch, leicht kostümierter Maskenball etc.) kommen auch die Eltern der Kinder immer wieder mit dem Projekt in Berührung.
 
Probleme und Lösungen:
In einigen Schulen ist der Anteil der muslimischen bzw. nicht-christlichen Kinder sehr hoch, so dass es schwierig ist, ihnen bestimmte christliche Sachverhalte (Taufe Beethovens, Messkomposition, Adventslied) zu vermitteln.

Auch sind Wortschatz und Erfahrungshorizont in Klassen in sozial schwächeren Gebieten eher klein. Da für solche Kinder Neugierde, etwas zu wissen, keine von Haus aus geförderten Kategorien sind, wird einiges des Vermittelten auch schnell wieder vergessen, aber wir finden immer ”Brücken”, bereits Erwähntes in anderen Zusammenhängen noch einmal aufzunehmen.

Die emotionale Erfahrung der gehörten (klassischen/Beethoven) Musik und die Tatsache, dass regelmäßig jemand in ihre Schule kommt und ihnen (auch „Privates“ und Lustiges) von Beethoven erzählt und sie in diesem Zusammenhang zum Tanzen, Malen, Singen etc. animiert hat, wird aber bei sicher allen Kindern als besondere Erinnerung bleiben.

 
Anekdotisches:
Natürlich sollten die Kinder auch das berühmte Klavierstück „Für Elise” etwas besser kennen lernen. Dazu hörten wir die musikalischen Teile 2-5 einzeln, beschrieben deren Charakter und fanden ein kurzes graphisches Symbol dafür. Schließlich kam es zum Anfangsteil. Offensichtlich kannten ihn alle, viele wollten ihre Erkenntnis schon während des Hörens loswerden und zeigten heftigst auf. Schließlich fragte ich, wer diese Musik denn nicht kennen würde – und kein Finger hob sich. „Dann wisst ihr wahrscheinlich auch, wie dieses Musikstück heißt”. Und wie aus einem Munde kam es: „Eismann” – denn in dem Viertel, in dem die Kinder wohnen, fährt in der warmen Jahreszeit ein Eisverkäuer durch die Straßen und macht mit dieser Melodie, dem Anfangsteil aus Beethovens „Für Elise”, auf sich aufmerksam. Natürlich war das Symbol für diesen Teil jetzt klar: ein Eishörnchen.

Eine ähnliche Reaktion stellte sich ein, als die Kinder über den 3. Satz von Beethovens Fünfter, in dem das TaTaTaTaaaa-Motiv ebenfalls deutlich hörbar auftritt, zum berühmten und bekannten Anfang der Sinfonie geführt wurden: alle kannten es, denn es war – Mr. Bean (eine Zeichentrick-Serie aus dem Fernsehen, bei der eine Folge mit Beethovens Fünfter unterlegt ist).

Auch ein Maskenball im Bonner Schloss, in dem Beethovens Familie als Musiker angestellt war, war Bestandteil der Schulstunden. Der Maskenball wurde den Eltern schriftlich angekündigt mit der Bitte, dass die Kinder gerne wenn möglich ein wenig entsprechend kostümiert kommen dürften. Über die Kleidung hatten wir gesprochen. Stolz und voller Vorfreude kamen die Kinder an diesem Tag in die Schule, die Mädchen mit Festtagskleidern wie viele muslimische Kinder sie besitzen, die Jungen mit Hemd und Krawatte. Eine türkische Mutter hatte für ihre Tochter eigens für diesen Anlass ein hübsches Kleid genäht!

In Vorbereitung auf den Ball erfuhren die Kinder auch, wie man sich damals benahm, und dass die Herren bei Tänzen am Hof immer wieder vor den Damen eine Verbeugung (Reverenz) machten, was auch wir üben würden. Das beunruhigte einige Jungen sehr… Nach einem Zwischen-Feedback auf die Beethovenstunden gefragt, äußerte einer von ihnen dann auch: „Ich fand es nicht so gut, dass ich mich bei dem Tanz auf dem Ball vor den Mädchen bücken musste.”

Das Avertissement – der Handzettel zu Beethovens erstem öffentlichen Auftritt – wird mit den Kindern besprochen.
Gemeinsam entdecken wir die Schwindelei des Vaters, mit der er versucht, sein Kind jünger zu machen und es als Wunderkind besser zu vermarkten.
Die Kinder erfahren, dass dieser kleine „Pfusch“ Folgen hat – auch in frühen Drucken und Berichten wurde er immer wieder etwas jünger geschwindelt – so dass Beethoven womöglich gar nicht wusste, wie alt er wirklich war, was ein Kind zu der Äußerung hinriss: „Aber der war ja dumm! Er hätte doch nur mal die Geburtstagskerzen auf seinem Geburtstagskuchen zählen müssen!“