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Im Regieraum während der Aufnahme
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Unser Kooperationspartner Herr Martin Sponticcia am Pult
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Die Technik im Regieraum ist faszinierend!
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Konzentration im Aufnahmeraum
"Wirbel um den Donnerwald" Hörspiel
Schule:
Grundschule Strenge
Strenge 5
22391 Hamburg


Grundschule / Gebundener Halbtag
 
Kooperationspartner:
Martin Sponticcia, Komposition, Sounddesign, Musikproduktion, Hamburg
www.sponticcia.de
 
Beteiligte Schüler:
15 Schülerinnen, 13 Schüler
Klasse 3a (nun 4a)der Grundschule Strenge in einem fächerübergreifenden Projekt
 
Beteiligte Lehrkräfte:
Dagmar Gleßmer: Deutsch, SachunterrichtBrigitte Otto-Neumann: Deutsch
 
Stundenvolumen:
Zeitvolumen (für die Kinder): insgesamt etwa ein Vierteljahr
o Themenfindung: ca. 4 Wochen á 3 WStd. im Fach Deutsch
o Texterstellung: ca. 4 Wochen á 4 WStd. Deutsch und 4 WStd. Sachunterricht, sowie nachmittägliches Abschreiben und Redigieren
o Sprechübung: 1 Woche á 4 WStd. Deutsch, 4 WStd. Sachunterricht und ein Projekttag
o Textaufnahme: ein Projekttag im Tonstudio
o Geräusche: 3 Std. Vorüberlegungen, 3 Std. Aufnahme der Geräusche in der Schule
o Feierliche Uraufführung


Zeitvolumen (für den Projektpartner)insgesamt mehrere Arbeitstage für:
o Div. Rücksprachen zur Zielabklärung und zur Klärung des Prozedere
o Vorbereitung des Studios für 30 Besucher
o Aufnahmetag
o Schnitt der Aufnahmen
o Geräuschaufnahmen
o Auswahl der Geräusche, Schnitt
o Produktion
o CD-Erstellung
o feierliche Uraufführung

 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
In Zusammenarbeit einer dritten (nun vierten) Klasse mit einem Vater der Klasse, der ein Tonstudio betreibt und der selbst Komponist, Sounddesigner und Musikproduzent ist, entsteht ein Hörspiel.

Grundlage des Hörspieltextes wird das Buch "Jakobus Nimmersatt - Pfoten weg vom Donnerwald" von Boy Lornsen. Der Inhalt dieses Buches sowie anfangs auch der Text einer Schauspielfassung werden von den Kindern zunächst teilweise übernommen. Da aber alle Kinder, und zwar möglichst gleichgewichtig, zum Sprechen kommen sollen, wird der Kreis der handelnden Personen im entstehenden Hörspiel immer mehr erweitert. Zu den Handelnden im Buch - Tiere und Männer - kommen engagiert agierende Kinder und Frauen. Diese neu dazu erdachten Handelnden bewirken eine inhaltliche Veränderung der Geschichte: wo bisher die Problemlösung fast ausschließlich durch lustiges, vermenschlichtes Handeln der Tiere bewirkt wird, erfolgt in der Hörspielfassung eine argumentative Auseinandersetzung mit dem Problem unter allen Dorfbewohnern, d.h. Tieren, Kindern, Frauen und Männern.

Der Sprechtext des Hörspiels wird von den Kindern selbst in Gruppenarbeit erstellt und in sehr, sehr vielen Bearbeitungsschritten schließlich als "fertig" akzeptiert.
Unser Profi-Partner lädt die Klassenlehrerin zu einer Besichtigung des Studios ein, um gemeinsam ein Procedere für den Aufnahmetag zu überlegen.
So kann bei super Organisation im Studio und äußerst konzentriert und motiviert agierender Kinder die Sprachaufnahme an einem Tag erfolgen!

Da die Kinder inzwischen eine sehr genaue Vorstellung im Kopf haben, welche inneren Bilder ihnen beim Hören des Textes kommen und was sie innerlich außer ihren Stimmen noch hören, überlegen wir uns, welche Geräusche unterstützend zum Sprechtext dazu kommen könnten, um den künftigen Hörerinnen und Hörern auch dieses Erlebnis zu ermöglichen. Diese Geräusche produzieren wir in der Schule selbst, unser Profi-Partner nimmt sie auf.

Beides - Sprachaufnahme und Geräusche - werden von ihm zum nun vorliegenden Hörspiel zusammengeschnitten und gefügt. Als alles fertig ist, erfolgt eine "Uraufführung" in der Aula unserer Schule. Jedes Kind erhält von unserem Profi-Partner eine CD mit unserem Hörspiel - wir sind stolz auf unser Hörspiel und sehr froh, diese Möglichkeit der Kooperation gehabt zu haben!

 
Projektauslöser/Idee:
Zu Grunde lag die Idee des Vaters eines Jungen der Klasse, die Kinderstimmen einer dritten Grundschulklasse in professionaler Qualität zu dokumentieren. Dieser Vater wurde damit zum Projektpartner. Da wir einen Sprechanlass für die Sprachaufnahme brauchten, entstand bei der Klassenlehrerin die Idee, als "Sprechanlass" mit den Kindern der Klasse ein Hörspiel zu erarbeiten.
 
Projektentwicklung:
Alle Arbeiten der Ideenfindung, Textentwicklung, Rollenverteilung und Einstudierung fanden im Rahmen von Deutschunterricht und Sachunterricht in enger Kooperation zwischen Kindern und Klassenlehrerin statt, zwischendurch auch in Rahmen von Teilungsstunden mit einer weiteren Deutschlehrerin, teils im Rahmen von Klassenunterricht, weitgehend jedoch in Partner- und Gruppenarbeit.
o Ideenfindung: Für die Klasse: nachdem die Idee „Hörspiel“ geboren war, begann zunächst eine lockere Phase, in der wir verschiedene kurze Texte, die Grundlage für Stegreifspiele waren, gemeinsam lasen und spielten. Dabei stellten wir eine Besonderheit eines „Hörspiels“ fest: der gesprochene Text muss Zusammenhänge verstehbar machen, ohne dass er durch Mimik, Gestik oder Kulissen erläutert wird. In dieser Zeit stellten wir fest, dass wir einen eigenen Text erstellen wollten, der für jeden ausreichend Gelegenheit zum Sprechen bietet.
Kinder der Klasse schlugen als Grundlage ein der Klasse bekanntes Buch („Hände weg vom Donnerwald“, Boy Lornsen, Stuttgart 1987 in der Ausgabe des Hase und Igel Verlag GmbH München 2008), vor, zu dem sich ein Theaterstück gleichen Namens fand.
o Textentwicklung: die Klasse bearbeitete im Deutschunterricht zunächst gemeinsam die erste Szene des gleichnamigen Theaterstückes und erprobte die Wirkung. Es stellte sich nun aber heraus, dass das Buch für unser Vorhaben viel zu wenig handelnde Personen hatte, außerdem neben Tierrollen nur weitgehend Männerrollen, keine Kinder als handelnde Personen, und dass sich der Konflikt Mensch/Geld contra Natur nur auf märchenhafte Weise und fast gar nicht argumentativ auflöst! Das sollte sich nach dem Wunsch der Klasse ändern!
Gemeinsam legten wir das Ziel des Geschehens, den Verlauf der Handlung und die Optionen fest und teilten das Geschehen in Szenen. Mit gezielten Arbeitsaufträgen („…und die Vögel verteilten die Briefe an die Poggenbüttler.“ Aufgabe: 1) Überlegt euch nun: wer findet den Brief? Wo findet er ihn? Wer öffnet den Brief? Was sagt er beim Lesen? Wer darf den Brief lesen oder wer soll ihn nicht lesen? Macht euch dazu Stichworte! 2) Schreibt jetzt zu zweit eine Hörspielszene dazu! Denkt daran, dass mindestens die Männer sich nicht von den Tieren warnen lassen wollen. 3) Spielt die Szene!“) entwickelten die Kinder selbst die Hörspieltexte und legten vor allem auch die handelnden Personen fest. Da die Gruppen arbeitsgleich arbeiteten, kamen im jeweils ersten Durchgang 14 Versionen einer Szene zustande, die die Kinder wiederum sich gegenseitig vorlasen und aus mehreren Versionen die jeweils „besten“ Teile „zusammenkomponierten“. Die Endredaktion, d.h. den Zusammenbau aus mehreren Versionen, nahm die Deutschlehrerin vor; deren Vorschlag durchlief aber selbstverständlich noch einer kritischen Prüfung durch die Klasse, die durchaus noch Änderungen bewirkte.

o Festlegung der Rollenverteilung, Sprechproben: Zunächst bewarben die Kinder sich für bestimmte Rollen und lasen selbstgewählte Textstellen vor. Gemeinsam und einvernehmlich legten wir fest, welche Stimmen für welche Rollen besonders geeignet erschienen (z.B sehr helle Mädchenstimme für die Maus), die endgültige Zuordnung der Sprecher auf die Rollen nahm die Klassenlehrerin vor, weil dabei auch noch die möglichst gleichgewichtige Verteilung der Textmenge auf die 28 Sprecherinnen und Sprecher beachtet werden sollte. Als die Rollenverteilung fest lag, erfolgte eifriges Üben, teilweise in Gruppen, teilweise vor der Klasse.
o Aufnahme: die Aufnahme erfolgte als Projekttag im Tonstudio des Projektpartners
o Schnitt des aufgenommenen Materials durch den Projektpartner
o Geräusche: Vorüberlegungen, welche Geräusche gebraucht und wie die hergestellt werden könnten, führten die Kinder im Unterricht durch. Die Aufnahme der Geräusche erfolgte durch den Projektpartner
o Komposition des Hörspiels erfolgte durch den Projektpartner

 
Besonderheiten:
o Die Idee eines Vaters der Klasse (des Projektpartners), die Kinderstimmen zu dokumentieren, wird in gemeinsamer Überlegung zwischen ihm, der Klassenlehrerin und in etwas späterem Stadium auch der Klasse, zum „Projekt Hörspiel“.
o Die Kinder sind an der Auswahl für die Textgrundlage beteiligt.
o Der Text des Hörspiels wird ausgehend von einem Buch von den Kindern selbst erarbeitet. Die inhaltliche Veränderung gegenüber dem Buch wird, ebenso wie die zunehmende Rollenvielfalt, von den Kindern beim Schreiben bewusst diskutiert und selbst betrieben.
o Die Rollenverteilung wird weitgehend von den Kindern selbst vorgenommen.
o Die Kinder lernen ein echtes Tonstudio kennen und erleben die Arbeit in einem Tonstudio.
o Das Hörspiel wird in einem „echten“ Tonstudio aufgenommen und professionell geschnitten
o Die Kinder lernen die Arbeitsweise von Geräuschemachern kennen und erarbeiten die Geräusche, die das Hörspiel farbig machen.
o Die Geräusche zum Hörspiel werden von den Kindern selbst hergestellt und vom Partner professionell aufgenommen.
o Der Partner erstellt für die Klasse ein Hörspiel aus dem aufgenommenen Material.
o Das Hörspiel wird schulöffentlich uraufgeführt.
o Das Hörspiel steht nun der Schule und insbesondere den nachfolgenden Lesern des Buches „Hände weg vom Donnerwald!“ zur Verfügung. Damit besteht nun die Möglichkeit, Buchfassung, Schauspielfassung und von uns erarbeitete Hörspielfassung sowohl hinsichtlich der verschiedenen Medien als auch hinsichtlich der Aussage zu vergleichen und damit einen Beitrag zur Förderung der Medienkompetenz zu leisten.
 
Probleme und Lösungen:
o Problem 1: Im zugrunde liegenden Buch gibt es für die 28-Kinder-Klasse zu wenig Rollen!
 Lösung 1: Die Kinder finden Ansatzpunkte im Buch, in denen sich Szenen mit vielen Beteiligten neu einfügen lassen.
o Problem 2: Die Problemlösung im Buch wird von den Kindern zwar als lustig und packend, teilweise aber auch als zu unrealistisch und märchenhaft empfunden.
 Lösung 2: Die Kinder erarbeiten im Sachunterricht sachliche Grundlagen, weshalb Wald wichtig ist, und arbeiten diesen mehr argumentativen Ansatz zusätzlich in das Hörspiel ein.
o Problem 3: Unser Bemühen, möglichst viele verschiedene Sprecher einzubauen, bringt bei der Aufnahme die Schwierigkeit, dass viele Kinder mit jeweils nur kurzen Auftritten schnell nacheinander bereit sein müssen.
 Lösung 3: Eine Schülerin übernimmt im Aufnahmeraum die Aufgabe, die jeweils Sprechenden aus der Gruppe der an jeweils einer Textseite beteiligten und im Aufnahmeraum anwesenden Kinder zu "aktivieren".
o Problem 4: Wie geht man in einem gepflegten Privathaus und Tonstudio mit 30 Paaren nasser Schuhe und 30 triefenden Regenjacken um?
 Lösung 4: Man bereitet alles grandios vor mit Kästen für die Schuhe und Wäscheständern und Bügeln für die Jacken!
 
Anekdotisches:
o Bei den vorbereitenden Überlegungen, was schöner wäre: selbst hergestellte Geräusche oder „Geräusche aus der Konserve“ stellten wir uns die Hörspielsituation „Baumfällen“ und unsere Geräuschherstellungsidee, Stammteile auf einander fallen zu lassen bzw. zu werfen, in ihrem Erinnerungswert für uns vor: „Dann können wir uns beim Geräusch des Baumfallens daran erinnern: `ach, das war die Situation am Teich, als Lukas der Stammklotz auf den Fuß fiel…`“. Als dann beim Geräusche-Aufnehmen ein Stammklotz tatsächlich abrutschte, und zwar nicht Lukas, aber dafür Julius auf den Fuß fiel, gab es entsprechend Gelächter…
o Ein besonders eindrucksvoll-zickig gesprochener Hörspielsatz der Eule: „Das ist ja schrecklich, uhuu, fürchterlich, uhuu…“ gehört mittlerweile zum Repertoire, wenn im Klassenrat Probleme überdramatisiert werden und führen in aller Regel zur angemesseneren Behandlung des Problems.
o Bei der Erarbeitung des Textes einer Szene, in der einige Hörspiel-Kinder über die Rolle des Geldes diskutieren, schlägt ein Mädchen vor: „Meine Schwester will unbedingt, dass der Wald gefällt wird, sie will sich vom Geld nämlich ein Scheiß-Pferd kaufen!“ Über diesen Satz wird hitzig debattiert: darf man so was in einem Hörspiel sagen? Verletzt man mit diesem negativen Attribut zu Pferd nicht vielleicht pferdefreundliche Zuhörer? Wie steht es mit dem Wort „Scheiß“ in einem Hörspiel? Das Mädchen besteht aber auf ihrer Formulierung, es soll deftig klingen. Die von allen akzeptierte Einigung lautet schließlich „…sie will sich vom Geld nämlich ein scheiß-teures Pferd kaufen!“