 Das Aufrechte einer Stele nachempfunden
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 Das Auge als besonderes Merkmal der Sehbehindertenschule
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 Erfühlen und Erleben der Keramikstele am Landratsamt in Freiburg
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 Thema Sinne: Hören
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 Waffelstand in Waldkirch für das Kunstprojekt
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Kunstprojekt Schulstele " ZEICHEN - SETZEN"
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Schule:
Staatliche Heimsonderschule für Sehbehinderte St. Michael Wisserswandstrasse 50 79813 Waldkirch 07681/2005-0www.sehbehindertenschule-waldkirch.de
Förderschule/Sonderschule / Gebundener Ganztag
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Kooperationspartner:
Ulrike Schräder, Keramikerin, Künstlerin, Simonswald
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Beteiligte Schüler:
15 Schüler
Schüler der Berufsschulstufe der Mehrfachbehindertenabteilung Außerdem beteiligen sich 3 Klassen der Hauptstufe der Mehrfachbehindertenabteilung an dem Projekt.
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Beteiligte Lehrkräfte:
Anja Vogler Rüdiger Jobst-Schräder Roswitha Hechinger Christine Tränkle Stefanie Nadler
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Stundenvolumen:
10 h pro Monat über einen Zeitraum von 6 Monaten
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Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Zeichen - Setzen Eine Schulstele von Schülern Ein Kunstprojekt an der staatl.Schule für Sehbehinderte St. Michael in Waldkirch__________________________________________________________ Anlässlich der Verabschiedung des Begründers und langjährigen Leiters der Abteilung für Mehrfachbehinderte entstand die Idee, sein 25 jähriges Schaffen und Wirken und damit die Geschichte der Abteilung und ein gutes Stück auch die Geschichte der Schule künstlerisch zu fassen. Was ist das Profil dieser Abteilung, welche Ereignisse verbinden sich mit der Geschichte, was macht die Schule aus, mit welchen Wünschen und Hoffnungen gehen die Schüler nach der Schulzeit ins Leben? Wie können diese Fragen von Schülern mit mehreren Behinderungen zum Ausdruck gebracht werden? Mittelpunkt und Wahrzeichen der Schule ist die Kapelle St. Michael, ein sechseckiger Bau mit schlanker, hoher Turmspitze. Davon inspiriert und von dem Gedanken geleitet, etwas schaffen zu wollen, was auch einen Nutzen hat, entwickelten die 15 Schüler der Berufsschulstufe, die zwischen 16 und 22 Jahren alt sind, die Idee einer sechseckigen Sitzbank mit einer Mittelsäule; eine Stele, die Zeichen setzt und sitzen lässt, die befühlbar ist und gebaut wird aus Materialien, die für die Schüler handhabbar sind wie Mauersteine, Beton und darin eingelassen selbstgefertigte Keramikteile. Die fertige Stele soll mit den Augen erlesbar und mit den Händen erfühlbar und ertastbar sein. Sie soll etwas erzählen über die Besonderheiten der Schule, ihre Geschichte und ganz besonders über die Abteilung der Mehrfachbehinderten. Sie soll etwas erzählen über den Lebensalltag der Schüler. Sie soll ein Zeichen sein von den Schülern, ein Zeichen setzen im Schulalltag. Solch ein Vorhaben braucht eine künstlerische Leitung. Hierfür konnte die Keramikerin und Künstlerin Ulrike Schräder gewonnen werden.
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Projektauslöser/Idee:
Hans Krüger, der Begründer und Leiter der Mehrfachbehindertenabteilung an der Sehbehindertenschule St. Michael in Waldkirch scheidet zum kommenden Schuljahr 2010 aus. Da er mit viel Engagement vor über 25 Jahren (1983) diese Abteilung gründete, entstand in der Berufsschulstufe mit den Lehrern Rüdiger Jobst und Anja Vogler die Idee, etwas besonderes zum Abschied zu machen. Eine Stele, vielleicht aus Ton, zur Schulgeschichte, eine "Geschichtssäule", die dann enthüllt werden könnte. Die Schüler wollten in Ton darstellen, was ihnen die Schule bedeutet. Seit Frühjahr 2009 wird ein Teil der Gebäude der Sehbehindertenschule umgebaut, um rollstuhlgerechte Räumlichkeiten für die Mehrfachbehindertenabteilung zu schaffen. Vor diesem Gebäude wird die Stele ihren Platz finden. Somit ist sie Zeichen für die Geschichte und Zeichen für die Zukunft der Schule.
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Projektentwicklung:
Die Schüler wollten ihrem Abteilungsleiter zu seinem Abschied ein Geschenk machen. Ein Geschenk, das über ihn etwas erzählt. Etwas, was alle sehen können! Aber fühlen muss man es auch können! Und es soll eine zeitlang halten! Kann es auch ganz praktisch zu etwas Nutze sein? Ein Zeichen auf dem Schulgelände! Die Idee einer geschichtenerzählenden Säule war geboren. Wie sollte sie aussehen? Mit Blöcken und Skizzenblätter wurde das Gelände erkundet.Und immer wieder tauchte die Kirche als Wahrzeichen auf, mit ihrem hohen schlanken Turm. Ja, eine Sitzbank in Form der Kiche können sich die Schüler gut vorstellen. Mit einer Lehne in der Mitte, die bis in den Himmel ragt. In die Mittelsäule sollten Ereignisse und Symbole eingeritzt sein, die für den Schulalltag wichtig sind. Worauf kann man ritzen? In Ton. Also wurde die Keramikerin Ulrike Schräder gewonnen.Sie erzählte einiges über die Geschichte von Säulen und Stelen, bestärkte die Schüler in ihrem Vorhaben,indem sie mit ihnen einen Ausflug nach Freiburg unternahm, um dort eine gebäudehohe Stele aus vielen Einzelelementen des Keramikforums in Freiburg zu besichtigten und das Probesitzen auf einer Bank, die die Künstlerin mit Schülern einer Geistigbehindertenschule bei Emmendingen geschaffen hatte. Praktisch wurde die Arbeit dann mit der Aufgabe,viele Keramikteile zu gestalten, zu brennen und glasieren, die später in die Betonbank eingelassen werden sollen.Das Thema dieser Keramikteile mußte nicht lang gesucht werden: es sollte sehen, fühlen, hören, schmecken und riechen ausdrücken. Die fünf Sinne, die für Sehbehinderte einen großen Stellenwert haben.Wahrnehmung mit allen Sinnen ist an einer Schule für Sehbehinderte von besonderer Bedeutung. Skizzen entstanden mit Grafitstiften, mit Acrylfarben. Es folgten Tonarbeiten: So entstanden Augen(Ideen sie später mit Edelsteinen oder echten Glasaugen zu verzieren), Ohren, Münder, Nasen und Hände. Aber auch Brillen, Blumen, Pferdeäpfel, Sonne Schneekristalle und vieles mehr. Durch eine Menschenskulptur, die die Schüler bildeten, wurde eine Säule nachgebildet und so begreifbar, was da später aus vielen Teilen zusammengefügt wird. Und dann entstanden natürlich Dinge und Symbole, die die Schüler mit dem Abteilungsleiter in Verbindung bringen: Musik: Gitarre, Klaviertasten, Noten, Lieder, Laternenumzüge, Band-Auftritte... Kunst: Pinsel, Farben und Formen... Gemeinschaft: ein Ring von Schülern aus Ton um die Säule, Hände, die sich halten... Mit der Schulleitung wird ein Platz für die Stele auf dem Gelände ausgesucht. Ein Waffelstand wurde organisiert, um die finanzielle Seite des Projektes anzugehen, die Deutsche Bank gibt eine Spende zur Anschubfinanzierung. Es werden Grundformen erstellt, um den Schülern das Erstellen von großen Keramikteilen zu erleichtern. Andere Klassen melden sich und wollen durch ihre Arbeit auch zum Gelingen des Projektes beizutragen. Neue Ideen zur Gestaltung bringen die Vielfalt des Schulalltags zum Ausdruck. Und immer wieder die Frage: "Was macht unsere Schule aus?" "Was macht eine Sehbehindertenschule besonders aus?" "An welche wichtigen Ereignisse erinnern sich die Schüler aus ihrer eigenen Schulzeit? Was fanden sie sehr eindrücklich, herausragend?" Die Schüler versuchten sich dazu im freien Tonen von Symbolen, Zeichen und Szenen - jeder Schüler mit seinen individuellen Möglichkeiten und unterstützt durch Lehrer und Hilfsmittel (z.B. Gegenstände in den Ton drücken, Handabdrücke). Im Laufe der Zeit wurden auch größere keramische Formen und Teile hergestellt. Ausblick: - Einbezug aller Schüler der Mehrfachbehindertenabteilung: Aufgabe ebenfalls Keramikteile herzustellen, die in die Stele mit eingearbeitet werden können - Glasieren aller Teile mit frostsicherer Glasur und Brennen der Teile - Fundament aus Beton vorbereiten, evtl. Betonsockel, kleine Keramikteilen aus den ersten Unterrichtsstunden in Beton einarbeiten und ausfugen - Über einen Stab aus Metall die einzelnen Teile auffädeln und mit Beton oder einer anderen Masse ausgießen - Enthüllen und Einweihen, Öffentlichkeitsarbeit
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Besonderheiten:
- Die Projektgruppe besteht aus Schüler im Alter zwischen 16 und 22 Jahren. Von ihren Voraussetzungen her, wird die Gruppe von einer sehr heterogenen Schülerschaft gebildet, in der Schüler mit einer leichten geistigen Behinderung bis hin zu Schülern mit einer schweren mehrfachen Behinderung gemeinsam arbeiten. Zudem haben alle Schüler Probleme mit der visuellen Wahrnehmung in sehr unterschiedlichen Ausprägungen. Das Projekt bietet jedem Schüler die Chance seine individuellen Fähigkeiten einzubringen und auf seine Weise mit dem vorgegebenen Material, dem Ton zu arbeiten. Aus den vielen verschiedenen Teilen, die die Schüler, jeder mit seinen individuellen Möglichkeiten erstellt hat, wird dann ein gemeinsames Werk: "Die SCHUL-STELE". Auch sehr einfache Gestatungen können durch besonderen Anordnungen und Reihungen einen ästhetischen Reiz verströmen. Durch die Masse und Vielfalt der Teile wird die Stele zu etwas ganz besonderem und doch ist jedes einzelne Teil ganz besondern wichtig.- Eine weitere Besonderheit ist die Zusammenarbeit mit zwei Mitarbeitern der Deutschen Bank. Sie kommen regelmäßig in den Unterricht, um in einem sozialen Projekt mitzuarbeiten. Sie unterstützen einzelne Schüler bei ihrer Arbeit und/oder helfen einzelne Arbeitsschritte umzusetzen. Diese Besuche ermöglichen ganz besondere Begegnungen zwischen den Mitarbeitern und unseren Schülern.
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Probleme und Lösungen:
- Einigen Schülern war die Arbeit mit dem Material "Ton" von Anfang an bekannt und sie hatten wenig Probleme den Ton zu gestalten und zu Formen und zu Symbolen zu verarbeiten. Für andere Schüler stand zuerst einmal die Auseinandersetzung mit dem kalten und nassen Ton im Vordergrund. Sie brauchten und bekamen ihre Zeit, um sich langsam an das Berühren und Verändern des Tons zu gewöhnen. Den schwächeren Schülern steht im Laufe des Projektes immer wieder besondere personelle Unterstützung zur Verfügung, aber auch kreative Lösungen, um die Verarbeitung des Tons zu ermöglichen. -Die Ideenvielfalt der Schüler ist groß und sie haben Freude an der Arbeit. Allerdings fällt es ihnen schwer, die gegebenen Aufgaben motorisch, vor allem feinmotorisch umzusetzen. Dafür wird immer wieder viel Zeit und Geduld benötigt und die Aufgabenstellung wenn nötig handwerklich vereinfacht. Dazu sind immer wieder Gespräche und Absprachen zwischen der Künstlerin und den mitarbeitetenden Lehrern nötig. -Auch die Umsetzung von Erlebnissen, auch Emotionen und Gedanken zur Schule in eine konkrete keramische Form, fällt vielen der Schüler schwer. Ein kleinschrittiges Vorgehen wurde dabei notwendig. -Eine weitere Schwierigkeit bietet der große zeitliche Bogen und der langsame Aufbau des Projektes. Den Schülern fällt es schwer, einen Zusammenhang zwischen ihren aktuell entstehenden Kleinteilen und der später zu entstehenden Stele herzustellen. Immer wieder brachten wir dabei die Fotos der besichtigten Stele ein oder ließen die Schüler sich als "Gruppenbild" wie eine Stele hinstellen. Besonders anschaulich wurde das Projekt für die Schüler durch den Bau eines Modells im Maßstab 1:2. -begrenzte finanzielle Mittel erforderten Hilfe von außen und verstärktes Engament der Lehrer: Kontakte mit der deutschen Bank sorgten für eine finanzielle Anschubfinanzierung, Waffelstand mit Infos auf Wochenmarkt als Öffentlichkeitsarbeit Übernahme vieler Extrastunden (praktische Arbeit mit Schüler, Modellbau, etc.)
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Anekdotisches:
Beim Besuch der Keramikstele vor dem Landratsamt in Freiburg frage ich die Schüler : "Was macht man denn im Landratsamt?" Die prompte Antwort eines Schülers: "Sich gut benehmen!"Bei der Waffelstandaktion hat die Künstlerin vergessen, dass Anika nur mit ja und nein antworten kann. Auf meine Frage, wie ihr Heimatort heisst, verschwindet die Mitschülerin Tina und fragt einen Klassenkameraden nach dem Ort. Sie kommt sofort wieder zurück und gibt mir die Antwort.(Sehr berührend und ich denke: Der Blinde führt den Lahmen oder hier: Die Sprechende setzt sich für die Nichtsprechende ein. Die Schüler untereinander haben ein sehr sensibles Gespür für die Nöte der anderen und kennen sich mit ihren Stärken und Schwächen.) Immer wenn Projekttag war und wir mit den Keramikteilen beschäftigt waren, kam der Leiter der Abteilung zufällig in den Werkraum und war jedesmal von neuem überrascht,dass hier etwas geschieht, wovon er nichts weiß. Die Schüler reagierten besonders darauf: "Sie dürfen nicht gucken.Das ist ein Geheimnis für Sie".Und so bildete sich kichernd eine verschworene Gemeinschaft. Und in jeder Projektstunde wird schon erwartet, dass die Tür aufgeht und der Abteilungsleiter hereinkommt.
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