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Der CHILL-Space in einem Pizzakarton
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Modelle der 9. Klassen
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Spielmöglichkeiten für die Kleinen, entworfen von 5.Klässlern
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Die Zaunnische - eine Zaunverschönerung und zugleich -vergrößerung
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Eine Jury informiert sich über die einzelnen Modelle
"Wir machen uns den Hof"
Schule:
Helene-Lange-Schule Hannover
Hohe Straße 24
30989 Hannover
(+49 511) 168 43658
(+49 511) 168 41299
www.hlshannover.de

Gymnasium / Gebundener Halbtag
 
Kooperationspartner:
Dipl.-Ing. Anke Schmidt, Architektin
Dipl.-Ing. Börries von Detten, Freiraumplaner
 
Beteiligte Schüler:
29 (9Fl2) + 27 (9Fl1) + ca. 30 (5 B)
Insgesamt waren 3 Klassen unserer Schule beteiligt. Die Auswahl fiel dabei auf 2 unterschiedliche Altersstufen.

Eine 5. Klasse wählten wir aus, weil durch sie die Perspektive der ehemaligen Orientierungsstufe, d.h. die Bedürfnisse unserer jüngsten Schüler berücksichtigt werden sollte. Dazu passend wählte unsere Kunstlehrerin Frau Schöttelndreier das Thema „Spielgeräte“ aus. Die Schülerinnen und Schüler der 5. Klasse besuchten zunächst Spielplätze ihrer Umgebung. Sie probierten Spielgeräte aus, machten Fotos und zeichneten Skizzen. In Gruppen wurde anschließend überlegt, wie man die durch eigene Ideen ergänzten Entwürfe in Form von Modellen umsetzen könnte. Als Material verwendeten die Schüler alte Verpackungen, die anschließend mir Pappmache und Farbe verkleidet wurden. So entstanden phantasievolle Spielgeräte, die die Bedürfnisse der „Jüngsten“ ausdrücken und durch ihre Vielseitigkeit an Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten zum Beispiel auch im Sportunterricht eingesetzt werden könnten.

Zum anderen entschieden wir uns für 2 Klassen aus der Klassenstufe 9, welche die Bedürfnisse der Älteren bezüglich des Schulhofes reflektieren und gestalterisch umsetzen sollten. Diese Klassenstufe wurde gewählt, um die Wünsche der oberen Klassen mit zu berücksichtigen. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich mit konkreten Problembereichen des Schulhofes und bauten Modelle für eine geeignete Umgestaltung. Dieser Altersgruppe war es vor allem wichtig, miteinander kommunizieren zu können, wofür die bisherigen Sitzgelegenheiten keine gute Vorlage bieten. Einige Schüler entwarfen dementsprechende Alternativentwürfe für das Sitzen, andere beschäftigten sich mit der Zaungestaltung oder dem Eingangsbereich.

Alle praktischen Arbeiten entstanden innerhalb des Unterrichts. Die beteiligten Schüler haben außerdem die Chance, ihre eigenen Entwürfe noch in ihrer Schulzeit realisiert zu sehen, was sich sehr motivierend auf diese Aufgabe ausgewirkt hat.

Da die Gestaltung der Lernumgebung ein fortlaufender Prozess ist, gibt es bereits weitere Klassen, die an bestimmten Einzelfragen weiterarbeiten. Zwei 11. Klassen haben eine neue Gestaltung des Glasganges durch farbige Folien entwickelt. Eine ausgewählte Schülerarbeit wird bereits im März 2009 realisiert. Weitere Klassen werden folgen.

 
Beteiligte Lehrkräfte:
In der Entwurfsphase unseres Projektes "Wir machen uns den Hof" arbeiteten 3 Klassen und 2 Lehrkräfte (Frau Schöttelndreier in der 5. Klasse und Frau Frauendorf in der 9.Klasse) im Fach Kunst zum Thema Schulhofgestaltung. Herr Dr. Kern stellte den Kontakt zum Freiraumplaner Börries von Detten und der Architektin Anke Schmidt her, die daraufhin diesen Prozess ein Schulhalbjahr lang unterrichtsbegleitend unterstützt haben und von denen wir als Kooperationspartner in allen Phasen professionelle Beratung und Unterstützung erhielten. Der Ehemaligen- und Förderverein der Schule unterstützt das Projekt. Ein Spendenaufruf an alle Eltern trug auch dazu bei, das Projekt publik zu machen und die Arbeit der Architekten zu honorieren.
 
Stundenvolumen:
3 Klassen arbeiteten über ein ganzes Schulhalbjahr (2. Halbjahr des Schuljahres 2007/08, Februar bis Juli) hinweg wöchentlich 2 Stunden. Das entspricht einem zeitlichen Aufwand von 114 Unterrichtsstunden plus diversen Absprachen mit den Architekten und der Schulleitung bzw. den Fachobleuten betroffener Fachgruppen (wie Sport).
Im ersten Halbjahr des Schuljahres 2008/09 arbeiteten zwei 11. Klassen an der Gestaltung des Glasganges durch farbige Folien. Demnächst arbeitet eine weitere 9. Klasse an Vorschlägen für die Aufstellung neuer Sitzgelegenheiten. Das Zeitvolumen des Projektes ist also nach oben hin offen. Sicherlich wird es Jahre dauern, bis alle Umgestaltungen realisiert sind. Uns ist wichtig, dass so viele Schüler wie möglich an diesem laufenden Prozess beteiligt werden.
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
„Wir machen uns den Hof“
Schule ist keine Lernfabrik, sondern ein Lebensraum. Lernerfolge hängen auch von der Lernumgebung ab. Deshalb ist auch der Schulhof ein wichtiger Ort für jede Schule: Schülerinnen und Schüler sollen sich dort erholen und entspannen, bewegen und unterhalten können. Der Schulhof ist das Zentrum der Schulgemeinschaft
und ein Aushängeschild jeder Schule.
Der Schulhof der Helene-Lange-Schule in Hannover-Linden muss dringend umgestaltet werden, weil er in seinem derzeitigen Zustand kein einladender Aufenthaltsort
ist. Insbesondere für die Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen, die seit der Abschaffung der Orientierungsstufe die Helene-Lange-Schule besuchen, fehlen altersangemessene Bewegungs- und Aufenthaltsbereiche. Darauf hat die Schülervertretung immer wieder hingewiesen. Auch die Schulinspektion bestätigte
in ihrem Bericht 2007 die mangelnde Attraktivität der Pausenbereiche.
Um dieser Situation abzuhelfen, hat die Helene-Lange-Schule auf Initiative der AG Motivierende Lernumgebung und des Ehemaligen- und Förderverein der Helene-Lange-Schule e.V. zum Halbjahreswechsel am 1.2.2008 das Projekt „Wir machen uns den Hof“ begonnen, im Rahmen dessen Schülerinnen und Schüler eigene Ideen für einen neuen Schulhof entwickelten. Im Fokus stand nicht nur ein schönerer und besser nutzbarer Schulhof mit reichhaltigen Spiel-, Erholungs- und Kommunikationsbereichen; das Projekt selbst bot bereits vielerlei Lernanlässe für Kreativität, Urteilskraft, Verantwortung für das eigene Umfeld und Teamfähigkeit. Am 4. Juli 2008 wurden die Entwürfe schulöffentlich ausgestellt und von einer unabhängigen Jury prämiert. Für ihre Arbeiten erhielten insgesamt sechs Schülergruppen Preise. Ihre Entwürfe, aber auch die Arbeiten, die keine Auszeichnung erhielten, wurden in den Sommermonaten von den Fachplanern auf Umsetzbarkeit überprüft, professionalisiert und zu einem Gesamtkonzept verbunden. Nach weiterer Abstimmung und Entscheidungsfindung mit allen Beteiligten, den Schüler/innen, dem Lehrerkollegium, den Nachbarn der Helene-Lange-Schule und nicht zuletzt dem Schulträger, der Landeshauptstadt Hannover, wird ausgehend von vielen guten Ideen der Schüler/innen unser Schulhof an Attraktivität gewinnen. Es gilt aus den vielen Ideen eine Auswahl zu treffen, welche die verschiedenen Interessenslagen sowie die finanzielle Realisierbarkeit berücksichtigt und sich zu einem stimmigen Gesamtkonzept verbindet. Kleine, mit geringen Aufwand umsetzbare Maßnahmen sollen rasch erste Zeichen der Veränderung setzen.


 
Projektauslöser/Idee:
Im Rahmen der eigenverantwortlichen Schule wurde eine AG "Motivierende Lernumgebung" gegründet - nicht zuletzt ausgelöst durch den Bericht der Schulinspektion, der gerade den Pausenbereichen mangelnde Attraktivität bescheinigte. Auch die Schülervertretung hatte sich Veränderungen gewünscht. Da ein einladender Schulhof zu einem angenehmen Lernklima dazugehört und sich positiv auf die Außenwirkung der Schule auswirkt, beschlossen wir - Herr Dr. Kern und Frau Frauendorf mit Zustimmung der Schulleitung - eine Kooperation mit (Landschafts-)Architekten, die gemeinsam mit den Schülern Ideen für unseren Schulhof entwickeln sollten. Sehr schnell war auch eine weitere Kollegin aus der Kunstfachgruppe –Frau Schöttelndreier – für dieses Projekt zu begeistern.
Obwohl wir den Blick auch auf die Gestaltung der Pausenbereiche in der Schule hatten, beschlossen wir mit dem äußeren Erscheinungsbild der Schule, dem Schulhof anzufangen.
Die Probleme des Schulhofes lassen sich auf ein paar Aspekte zusammenfassen:
Bei Interviews, die Schüler im Umfeld der Schule und auch mit Schülern in der Hofpause durchführten und bei einem Rundgang, der positive und negative Aspekte und Wünsche berücksichtigen sollte, stellten die Schüler folgendes fest:
1) der Schulhof ist für die große Schülermenge zu klein Ü bessere Platzausnutzung
2) Generell wird der Schulhof als grau und trist empfunden Ü mehr Farbe, Wandbemalungen
3) die Schule wird durch den hohen Zaun kaum wahrgenommen, einige Passanten vermuteten dahinter ein Gefängnis – hier muss dringend etwas für die Außendarstellung getan werden Ü Problemzone Zaungestaltung
4) Es gibt auf dem Hof Zonen, auf denen sich die Schüler bewegen und andere Zonen, die gänzlich ungenutzt sind
5) Gründe dafür sind: diese Zonen sind wenig einladend, es gibt dort weder Sitzmöglichkeiten, noch sonst irgendwelche Beschäftigungsmöglichkeiten ÜNutzbarmachung der „Dunklen Ecke“, Verbesserung der Nutzungsmöglichkeiten auf dem Basketballfeld, Sitzmöglichkeiten mit Regenschutz im Eingangsbereich schaffen,
6) Es würde im Sommer die räumliche Situation der Schule entlasten, wenn man auf ein „Klassenzimmer im Freien“ ausweichen könnte
7) Für Schulfeste u.a. Festivitäten sollte eine Bühne, ein Podest geschaffen werden
8) Es gilt, auf wenig Raum viele Nutzungsmöglichkeiten zu vereinen, die sich ergänzen und möglichst nicht behindern.
9) Es gilt, den Bewegungsdrang der Jüngeren zu befriedigen, aber auch den Älteren Entspannungsräume zu bieten Ü „Chill-Ecken“ und Spielecken schaffen
10) Die Fahrradständer sind alt und kaputt und reichen nicht aus
11) Die Tartanbahn ist sanierungsbedürftig
Dieser Problemaufriss ist zugleich das Resultat des ersten Arbeitsschrittes des Projekts. Nach dieser Analyse des IST-ZUSTANDES gingen die Schüler daran, zu überlegen, wie er künftig aussehen SOLL.
 
Projektentwicklung:
Nach den ersten Rundgängen sollten die Schüler überlegen, was einen Ort kennzeichnet, an dem sie entspannen können, der für sie ein Wohlfühlort ist. Sie visualisierten ihre Ideen eines „CHILL-SPACES“ in einem Pizzakarton. Danach folgte die gedankliche Übertragung auf den Schulhof. Was könnte dazu beitragen, dass ich mich künftig wohler auf diesem Schulhof fühle? Wahrnehmungsrundgänge, auf denen a) das Material, b) die Lichtsituation c) die Bewegung der Schüler auf dem Schulhof und c) das Umfeld, die Wirkung der Schule nach außen untersucht werden sollten, führten zu ersten Erkenntnissen und einem ersten Problemaufriss (s.o.).
Wir unterteilten nun den Hof in verschiedene (Problem-)Zonen, mit denen sich die Schüler mehrere Wochen lang intensiv beschäftigten. Sie zeichneten, recherchierten, visualisierten ihre Ideen in Form von Modellen und fertigten eine Mappe an, in der sie den Prozess reflektierten und dokumentierten. Parallel dazu mussten Sponsoren gefunden werden, die diese erste Phase finanziell unterstützten. An dieser Stelle wendeten wir uns auch an die Öffentlichkeit, um dieses Projekt publik zu machen. Hierzu ein Beispiel:

Das besondere Schulprojekt
von Manuela Sender, Samstag, 9. August 2008
Schüler der Helene-Lange-Schule entwickelten Ideen zur Verschönerung ihrer
Lehreinrichtung: “Wir machen uns den Hof”

Je angenehmer die Atmosphäre, desto besser die Leistung – was am Arbeitsplatz zunehmend im Rahmen einer hübschen Umgestaltung berücksichtigt wird, wird in Schulen nur allzu gerne ebenso hübsch unter den Tisch gekehrt. Dabei ist auch schulisches Leisten unmittelbar mit Wohlbefinden verknüpft. Die Helene-Lange-Schule (HLS) in Linden ist gerade fleißig dabei, ihre Hausaufgaben nachzuholen und ein (lern-)motivierendes Ambiente zu schaffen.
In Gruppenarbeit stellten die Schüler ihre Modelle her Ausschlaggebend war eine Schulinspektion vor anderthalb Jahren, bei der das Gymnasium zwar insgesamt gut abschnitt, der Schulhof jedoch als verbesserungsfähig eingestuft wurde. Für Schulinterne keine große Überraschung. Spätestens nach Auflösung der Orientierungsstufe wurde klar: Hier herrscht Handlungsbedarf, denn “10- bis 12-Jährige haben nun einmal andere Beschäftigungsbedürfnisse als ältere Schüler”, so Stefan Helge Kern, Lehrer an der HLS und
Mitinitiator des Projekts. Bedürfnisse, die man den Schülern durchaus gewähren wollte. Vor
Jahren schon wurde die Landeshauptstadt dahingehend angeschrieben. Bislang ohne Erfolg. Nun galt es selbst tätig zu werden, getreu dem Motto “Wir machen, was wir wollen”. In diesem Fall eben den Hof.
Gerne schließt die HLS sich dabei dem momentanen Trend an, die Nutzer selbst in
architektonische Planungsprojekte mit einzubetten, auch wenn oder gerade weil diese Nutzer
noch im schulpflichtigen Alter sind. “Schüler haben Potenzial, die wissen genau, was sie
brauchen”, weiß Kern. Da im Kunstunterricht der Jahrgangsstufe 9 ohnehin eine
Auseinandersetzung mit Architektur und Raumgestaltung vorgesehen ist, wurden zwei dieser
Klassen mit der Entwurfsgestaltung „beauftragt“, eine 5. Klasse zudem als Expertenteam zum
Thema “Spielen und Bewegung” hinzugezogen. Professionelle Unterstützung erhielten die Schüler
mit Anke Schmidt und Börries von Detten. “Die Baupiloten” – eine Gruppe Berliner
Architekturstudenten, die gemeinsam mit den Kindern und rein nach deren Vorstellung eine
gesamte Grundschule umgestaltete – zum Vorbild, begleiteten die Architektin und der
Freiraumplaner von Anfang das Schulhof-Projekt der HLS und standen den Schülern in jeder
zweiten Kunststunde vor Ort zur Seite. Dank zahlreicher Eltern und namhafter Sponsoren, die
nicht davor zurückschreckten, knapp 4.000 Euro “in einen Haufen Pappe” zu investieren, fiel am 1. Februar 2008 der Startschuss.

Entwurfsphase und Realisierung

Hofnutzung, Lichteinfall, Materialien: Wie war der Ist-Zustand, was die Wünsche der Mitschüler?
Fachmännisch wurde der Schulhof begangen, beobachtet, Bilanz gezogen – und so manche
Problemzone entlarvt: die zu wenigen Sitzgelegenheiten in noch dazu dunklen Ecken, der
ausbesserungswürdige Sportplatz in der prallen Sonne, der Mangel an einem die Schule mehr
zum Stadtteil hin öffnenden Eingangs- und Zaunbereich, an Spielelementen, Grünflächen und
Farbe. Nach Erfassung aller “Daten” auf riesigen Papptafeln, wurden nun in Kleingruppen erste Zeichnungen, komplette Mappen samt Skizze und Projektbeschreibung und schließlich sogar richtige Modelle angefertigt, hatten die kleinen Architekten doch von den großen erfahren, wie wichtig dreidimensionales Arbeiten ist.
Prämiert wurde unter anderem der Entwurf eines farbenfrohen Basketballplatzes
Anfang Juli wurden alle Modelle der Öffentlichkeit präsentiert, sieben davon – ausgewählt von einer unter anderem aus dem Schulleiter, Schülervertretern sowie Bezirksbürgermeisterin
Barbara Knoke bestehenden Jury – abschließend prämiert. Den ersten Platz sicherte sich der
farbenfrohe Entwurf eines Basketballplatzes, der besonders funktional in den Schulhof integriert wurde. Insgesamt wurde ein Drittel der teilnehmenden Schüler ausgezeichnet und durfte sich über kleine Preise freuen. Noch größer dürfte jedoch die Freude darüber sein, dass Anke Schmidt und Börries von Detten gerade dabei sind, die prämierten Entwürfe in einen realisierbaren Entwurf umzuarbeiten. Ab Herbst sollen einzelne Teilprojekte Schritt für Schritt in die Tat umgesetzt werden, je nach Geldfluss eben. In diesem Punkt will man sich übrigens auch in der Umsetzungsphase nicht unbedingt auf den Schulträger verlassen müssen…
URL zum Artikel: http://www.langeleine.de/?p=4253

Dieser Artikel beschreibt die erste Phase unseres Projektes, die Ideenfindung und Entwurfsphase bis hin zur Veröffentlichung vor der Schulöffentlichkeit. Seit Herbst liegt nun ein ausgefeilter Katalog vor, der Einzelmaßnahmen ausführlich beschreibt. Daraufhin überlegten wir uns eine Prioritätenliste: Womit beginnen wir? Was ist mit geringem finanziellen Aufwand umzusetzen? Wo muss der Schulträger unterstützend einspringen? Was bringt eine schnelle Verbesserung der Nutzungsbedingungen (Fahrradständer reichen nicht aus, sind zum Teil kaputt, die Tartanbahn ist dringend erneuerungswürdig, die Schüler benötigen mehr Sitzmöglichkeiten, die Jüngeren etwas, das ihrem Bewegungsdrang entgegenkommt). Seitdem gab es etliche Treffen mit dem Schulträger, den Architekten und mit anderen Schulen, die sich durch innovative Projekte auszeichneten und von denen wir uns Anregungen holten (wie z. B. die Fridtjof-Nansen-Schule Hannover, die Hangelstrecken für ihre Schule einrichtete und damit sehr gute Erfahrungen gesammelt hat).

Mittlerweile sind wir mitten in der Realisierungsphase. Bei jedem Schritt möchten wir die Schüler direkt einbeziehen. Das ist unser wichtigstes Anliegen. Ein recht schnell zu realisierendes Einzelprojekt ist dabei die Gestaltung des Glasganges der Schule. Schüler der 11. Klasse zeichneten zentralperspektivisch den Innenraum des Glasganges und einen Aufriss von außen. Dabei stellten wir fest, dass eine Asymmetrie vorherrscht und dass die Fenster im Inneren in einem bestimmten Rhythmus durch verstärkende Pfeiler aufgeteilt sind. Wir beschäftigten uns mit Farbwirkungen und Farbsymbolik. Daraufhin legten die Schüler in ihren Zeichnungen fest, in welche Fensterflächen welche Farbe geklebt werden sollte, sodass man sich die Wirkung im Inneren und nach außen gut vorstellen konnte. Jeder Schüler schrieb eine Reflexion und begründete seinen Entwurf. Eine Jury wählte einen Entwurf aus, der mit den Farben Orange und Blau die Farben aufgriff, die in der Architektur der Schule selbst vorkommen: Orange orientiert sich am Klinkerfarbton der Schule und das Blau an den Türen, den Säulen und Geländern im Inneren. Diese Dezenz des Entwurfes gefiel uns, da er den Altbaucharakter unseres Schulgebäudes durch die Farbigkeit mit berücksichtigte. Es geht darum, Neues zu schaffen, aber auch das Gegebene zu berücksichtigen und dabei eine einheitliche „Sprache“ der Gestaltung zu finden, eine Art corporate design. Eine hannoveraner Firma ist mit der Umsetzung bereits beauftragt. Wir warten lediglich auf gutes Wetter und entsprechende Temperaturen, damit die Folien auch auf den Glasflächen halten. Mit dieser Gestaltung versprechen wir uns eine Verbesserung der Außenwirkung. Im Inneren erzeugt das farbige Licht eine angenehme Atmosphäre.

Bis zum Sommer wollen wir folgende weitere Maßnahmen realisiert haben:
Für die Jüngeren wollen wir eine Torwand aufstellen und für das Fußballfeld eine Markierung des Tores, was bis jetzt fehlt. Im Moment dienen abgestellte Schulrucksäcke der Markierung.
Wir möchten außerdem unsere Sitzflächen erneuern. Diese sollen bestimmte Kriterien erfüllen. Die Schüler möchten nicht nur nebeneinander sitzen, sondern sich auch anschauen können. Die neuen Sitze sollen um die Bäume auf unserem Schulhof herum gruppiert werden und eine elliptische bzw. geschwungene Form besitzen.
Wir möchten bis zu unserem 125-jährigen Schuljubiläum im Herbst 2009 eine Bühne errichten, die sowohl als Bühne, als auch als Klassenzimmer im Freien fungieren kann. Damit würden wir eine bislang ungenutzte Fläche polyfunktional umgestalten und Platz gewinnen.

 
Besonderheiten:
Das Besondere des Projektes besteht in der direkten Einbeziehung der Schüler in Gestaltungsaufgaben, die normalerweise Profis übernehmen würden. Wir möchten so die Eigenverantwortung der Schüler stärken und ihnen das Bewusstsein mit auf den Weg geben, dass sich Engagement sichtbar lohnt.
Durch die Mithilfe der Architekten in etlichen Kunststunden hatten die Schüler Gelegenheit, neue Techniken kennen zu lernen und auszuprobieren, wie z.B. ein maßstabgerechtes Schulhofmodell aus Styrodur zu bauen. Sie lernten mit einer speziellen Schneidemaschine umzugehen, die das Styrodur mittels eines heißen Drahtes leicht in jede gewünschte Form bringen konnte. Auf diese Weise konnten sie Einblicke gewinnen, wie Architekten vorgehen, um ein bauliches Ensemble zu veranschaulichen.
Das Besondere besteht also in einer Symbiose des gegenseitigen Gebens und Nehmens beider Gruppen, der der Schüler und der der Architekten. Die Schüler lernten Architektur aus neuen Blickwinkeln und Fragestellungen kennen und die Architekten machten aus den Ideen der Schüler realisierbare Projekte, welche im Katalog aufgeführt wurden. Die Atmosphäre im Unterricht war kooperativ und offen. Die Schüler freuten sich, dass ihre Arbeiten von richtigen Profis gewürdigt wurden. Das machte sie stolz und führte dazu, dass die meisten Schüler sich auch in besonderem Maße anstrengten.
Der praktische Prozess wurde permanent durch eine Öffnung hin zur Schulöffentlichkeit (Elternbriefe, Veröffentlichung der Fotos der Modelle im Lehrerzimmer u.a.) und lokale Berichterstattung begleitet. Durch eine schulinterne Ausstellung und Jurierung der Arbeiten und nicht zuletzt durch einen Artikel in der HAZ, im Hannovermagazin „Stadtkind“ und die Berichterstattung des Lokalsenders „Radio Flora“ über dieses Projekt (s.o.) wurde durch diese besondere Form der Würdigung auch das Selbstbewusstsein der Schüler gestärkt.
 
Probleme und Lösungen:
Nachdem wir erfolgreich den Kontakt zu den beiden Architekten hergestellt hatten, galt es diese für ihre Arbeit auch entsprechend zu entlohnen. Insgesamt mussten 4000€ aufgebracht werden, die in die Planung bis hin zu einem fertigen Konzept für die Gesamtgestaltung flossen. Ergebnis dieses Prozesses ist ein farbiger Katalog mit entsprechend aufgeführten Einzelmaßnahmen. Herr Dr. Kern betreute das Sponsoring. Er warb an verschiedenen Stellen für unser Projekt (z.B. Klosterkammer, Sparkasse, Deutsche Bank, Volksbank Hannover u.a. ...).
In einem Elternbrief wurden alle Eltern über unser Vorhaben informiert und gebeten, dieses Projekt zu unterstützen, was auch auf Resonanz stieß.
Nicht zuletzt gab uns der Ehemaligen- und Förderverein der Helene-Lange-Schule e.V. seinen finanziellen Segen.

 
Anekdotisches:
Eine Schülerin aus der 10. Klasse hatte von dem Projekt erfahren und kam freiwillig in ihren Freistunden, um auch ein Modell für ein Freiluftklassenzimmer zu entwerfen. Promt gewann sie in unserer schulinternen Wettbewerb einen Preis.