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KLANGKÖRPER-KÖRPERKLANG, Realität und Projektion
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KLANGKÖRPER-KÖRPERKLANG, Generalprobe in der Schule
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KLANGKÖRPER-KÖRPERKLANG auf dem 3.Ganztagsschulkongress
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KLANGKÖRPER-KÖRPERKLANG auf dem 3. Ganztagsschulkongress
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KLANGKÖRPER-KÖRPERKLANG, Probe für den Ganztagsschulkongress
Klangkörper-Körperklang
Schule:
Immanuel-Kant-Schule
Flensburger Straße 10
27570 Bremerhaven
Ganztags-/Sekundarschule
Leiter:Herr Willy Müller, Direktor
Internet: http://iks-medien.de


Sonstige
 
Kooperationspartner:

Tanzpädagogisches Projekt Schultanz (TAPST) des Arbeitsförderungs-Zentrum (afz) Bremerhaven
Claudia Hanfgarn
c/o ACL
Hafenstr. 151
27576 Bremerhaven
Tel:04713098933

www.hanfgarn.de

 
Beteiligte Schüler:
Ihr Eintrag Anzahl der beteiligten Schüler 26 SchülerInnen, ca. 20 Personen auf der Bühne, 6 Personen an zwei Kameras, einem Mischpult, einem Keyboard als Trigger für Video- und Lichteffekte
Ihr Eintrag

26 SchülerInnen der Klasse R9b;
offene Arbeitsgemeinschaften

 
Beteiligte Lehrkräfte:
Ihr EintragFach Musik: Jens CarstensenFach Deutsch: Marion DenzingerOffene Angebote Tanz: Karolina Kaas, Mohamed Kavsin Mediengestaltung: Hinz&KunST, Martin Kemner
 
Stundenvolumen:
Ihr Eintrag


12 Projekttage, dazu eine Doppelstunde (Musik) wöchentlich

 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Ihr Eintrag

Der Tanz macht die Musik macht den Tanz macht die Musik!
KLANGKÖRPER-KÖRPERKLANG stellt gewohnte Musik- und Tanzstereotypen in Frage. Klänge, Geräusche, bei Tanzimprovisationen aufgenommen und elektronisch aufbereitet, waren der Soundtrack für die Performance, resultierend aus den Fragen:

Welche Klänge gehören zu unserem Körper?
Welche Klänge können und wollen wir selbst erzeugen?
Was bewegt uns - wie bewegen wir uns zu diesen Klängen?

Die Klänge dabei selber zu produzieren und aufzunehmen war genauso wichtig, wie sie selbständig am Computer zu verfremden.
Gleichzeitig erstellten die Schüler im Deutschunterricht eigene Texte und Satzfragmente, die neu zusammengesetzt zu wandelbaren Arrangements ungewöhnlicher Wortkombinationen mit poetischer Schönheit wurden. Auch aus übersetzten Texten „ihrer Songs“ wurden durch diese Technik neue Wort- und Gedankengebilde. Diese verschiedenen Kompositionsmöglichkeiten verstärkten und unterstützten sich durch die Einbindung in Bewegungsvorgaben. Einige der Schüler sprachen „ihre“ Sätze nur bei einer bestimmten Berührung und Bewegungsfolge aus. Die daraufhin entstehenden Texte klangen jedes Mal anders. „Sprecher“ und „Berührer“ waren bei unterschiedlichem Bewegungsvokabular miteinander in Kontakt.
In der fertigen Choreographie wechselten sich, die von den Schülern erarbeiteten Szenen mit solchen ab, in denen alle gemeinsam an einem Bild beteiligt waren oder es eine gemeinsame Bewegungsfolge gab. Der große Anteil, der eigenständig und als Gruppen immer wieder unterschiedlich zusammenarbeitender Schüler, zeugte von der gewachsenen Teamfähigkeit. Es gab in der entstehenden Choreographie wenig komplett festgelegte Anteile. Die Schüler hatten ein Geflecht aus Absprachen und Verantwortlichkeiten und mussten im Verlauf ständig untereinander kommunizieren. Der Tanz wurde also nicht aus vorgefertigtem Schrittmaterial und vorgegebenem Rhythmus entwickelt, sondern entwickelte sich aus emotionalen Vorgaben aus der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen. Getanzt und improvisiert wurde zu den Geräuschen, die aus den vorherigen Sessions stammten, von den „Ton-Schülern“ elektronisch aufbereitet und bei jeder Vorstellung in Reaktion auf die TänzerInnen. Mehr und mehr reagierten sie auf das, was im Moment entstand. Auf dieser Basis wurden die Tanz- Sprech-, Improvisations- und Geräuschsequenzen nach dramaturgischen Gesichtspunkten locker festgelegt und geordnet, an einer Stelle mit Musik im herkömmlichen Sinn „unterfüttert“.
Die choreografischen Sequenzen und Bilder wurden außerdem von Schülern mit Digitalkamera und Video festgehalten und anschließend digital bearbeitet. Diese Bilder wurden, gemischt mit Live-Einspielungen, wieder auf die TänzerInnen projiziert und diese korrespondierten wiederum mit ihrem virtuellen Alter Ego. Die beteiligten Schüler lernten unter Anleitung eines Mediengestalters Bildgestaltung/Aufnahmetechnik, nonlinearen Videoschnitt und bewährten sich als Video-Jockeys. So entstand in der Summe ein spannendes Vexierspiel von hoher ästhetischer Qualität, welches wiederum mit einer Videokamera dokumentiert wurde und somit auch von den agierenden Schüler betrachtet werden konnte, die ehrlich von sich selbst beeindruckt waren.

 
Projektauslöser/Idee:
Ihr Eintrag

Tanzen ist seit vielen Jahren ein wichtiger Angebotsbereich in der Immanuel-Kantschule. Gruppentänze im Unterricht, Tanzarbeitsgemeinschaften betreut von professionellen Tänzerinnen, Street Dance und Breakdance waren bisher Angebote, die von SchülerInnenseite immer wieder angefordert wurden. Inzwischen betreuen Schülerinnen unserer Schule den Nachwuchs und es entwickelten sich Strukturen der Selbstorganisation. Es war jedoch festzustellen, dass sich all diese Angebote in erster Linie nachahmend gestalteten, was nicht grundsätzlich verkehrt, aber doch ausbaufähig ist.
Der Umgang mit den Themen „Körper“ und „Klang“ sollte in KLANGKÖRPER-KÖRPERKLANG eine lebendige und authentische Qualität gewinnen, die wir mit diesem Tanzprojekt sozusagen selbstrefenzieren, selbst thematisieren wollten:

Bewegung als
- persönliche körperliche Erfahrung
- kommunikatives Handeln
- gestalterische Aktion
zu begreifen.

Das Tanzpädagogische Projekt Schultanz (TAPST) wurde von Claudia Hanfgarn im Jahre 2000 in Zusammenarbeit mit der Stadt Bremerhaven gegründet. Seit 2002 ist TAPST ein Projekt des Arbeitsförderungs-Zentrums (afz). Das grundsätzliche Ziel des afz ist die Verbesserung der Arbeitsmarktsituation in Bremerhaven. Dabei geht das afz verschiedene Wege. Neben Beratung von Unternehmen, Arbeitnehmern und Behörden, initiiert und unterstützt das afz ungewöhnliche Projekte (Schule für Eltern, Kinder finden Natur in Lehe) und innovative Wege, um mittel- und langfristig die Verbesserung der Lebensqualität der Bewohner und deren Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt zu verbessern.
Die Kernidee von TAPST ist, künstlerische Gestaltungsprozesse für alle Schüler erlebbar zu machen und die Vermittlung von tänzerischen und theatralischen Fähigkeiten durch professionelle Bühnenkünstler im Schulalltag zu verankern. Aus diesem Grunde ist TAPST sowohl ein pädagogisches, als auch ein künstlerisches Projekt. Die Produktionen und Projekte werden vom Kulturamt Bremerhaven gefördert.

 
Projektentwicklung:
Ihr Eintrag

Alle Schüler sollten die Chance haben sich im Projekt auch als „Tänzer“ zu beteiligen, daher waren die ersten Projekt-Tanz-Tage für alle Schüler verpflichtend. Der männliche Anteil fast aller Klassen würde sich auf freiwilliger Basis spontan gegen das Tanzen entscheiden. Durch die verpflichtende Teilnahme aller Schüler an den ersten Tanzeinheiten - genau wie normalerweise Mathematikunterricht oder Englisch - haben die Jungen in der Klasse die Möglichkeit ihr Gesicht zu wahren. Nach den eigenen Erfahrungen in den Projekt-Tanz-Tagen änderte ein Teil der Jungen ihre Meinung und nahmen die Gestaltung der Choreographie gern aktiv in die eigenen Hände. Die Begründungen: „Hier tanzen wir ja anders.“ oder „Das ist mehr so Bewegung!“ bedurften dann keiner weiteren Erklärung mehr.
Bei der Arbeit an Bewegungsaufgaben, die viel Körperkontakt verlangten, entstanden fast ausnahmslos gleichgeschlechtliche Arbeitsgruppen. Es war dabei wichtig den Jungen ihre Kraft und ihre Risikofreude im Tanz nicht zu nehmen. Ihre eigenständig erarbeiteten Bewegungsaufgaben zeigten ein dynamischeres und unabgestimmteres Bild als das der Mädchen. In der Zusammenarbeit macht genau diese Spannung den Reiz und die Frische aus. Die Mädchen haben vermutlich eindeutigere Vorbilder und Muster im Kopf, die ohne die schnellen Schnitte und Lichteffekte des TV Konsumenten eher langweilig und betulich wirkten. Ihre Gestaltungen waren in der Feinabstimmung untereinander unschlagbar und präzise eingespielt. An exakten Wiederholungen arbeiteten sie selbstverständlich. Die Gestaltung der Jungen lehnte sich an nichts an, sie probierten wild , unkonventionell und mit hohem Kraftaufwand. Die Wiederholbarkeit herzustellen war oft das größte Problem. Sie waren überrascht von den vielversprechenden Ergebnissen und der Aussagekraft der Körper - genau wie die Mädchen. Beide Gruppen lernten in den kommenden Wochen sehr viel voneinander.
Diese Situation mischte die ursprüngliche Aufteilung des Kurses Musik neu. Von 26 Schülern entschieden sich 20 auf der Bühne zu stehen, der Rest arbeitete hinter der Bühne am Projekt mit: dokumentierte das Projekt für die Internetseite (http://iks-medien.de/?page_id=152 ) vervollständigte die Soundmischungen, machte Fotos und Filme für die Live-Einspielungen der Vorstellungen oder hängte schwarze Bühnenvorhänge auf.
Die Choreographie entstand auf diese Weise in enger Zusammenarbeit mit den Schülern.

 
Besonderheiten:
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Im Allgemeinen tanzen Jugendliche, wenn überhaupt, zu „ihrer“ Musik. Zu welcher Musik man tanzt ist für Jugendliche dabei von großer Wichtigkeit und Bedeutung und entscheidet oft über „dazu gehören“ oder nicht. Dieser Umstand beengt und beeinflusst die Erlebniswelt in hohem Maße. Wir wollten die Jugendlichen mit anderen, für sie neuen Klängen in Kontakt bringen und ihnen einen Zugang zu Tanz und Bewegung abseits der klischeehaften Vorstellung (Ballett oder Clipdance auf MTV) ermöglichen.
Weg vom reinen Konsum perfekter Sounds und Bilder, hin zu eigenständigem, kreativem Umgang mit den persönlichen Möglichkeiten
KLANGKÖRPER-KÖRPERKLANG ist durch das Ineinandergreifen der verschiedenen Bereiche (Arbeit an und mit Texten, Tanz und Improvisation, Herstellen von Musik, Filmaufnahmen und Filmbearbeitung, Licht und Videoinstallation, Live –Einspielungen usw.) fächer- und (Kunst) spartenübergreifend. Die Erarbeitung der technischen Fähigkeiten in allen Bereichen wurde sowohl von Lehrern als auch von professionellen Künstlern begleitet und angeleitet.
Für die Jugendlichen wurde so spür- und greifbar, dass sie aus der von ihnen geschätzten Retortenästhetik von MTV&Co. etwas Eigenes gestalten können, dass sie dem etwas entgegen zu setzen haben. Aus diesem Erfahrungen, zu denen häufige Aufführungen an verschiedenen Orten erheblich beitrugen, gingen alle gestärkt und selbstbewusst hervor.

 
Probleme und Lösungen:
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Im gemeinsamen Training vor den Proben waren die Schüler oft unkonzentriert. Die ersten Projekttage waren so positiv verlaufen, dass das schnelle Voranschreiten und Entwickeln ihrer Ideen im Vordergrund ihres Interesses stand. Der Moment des immer wieder Einlassens auf das Gemeinsame, die Körperlichkeit und Nähe, das Miteinander, das Wortlose und gleichzeitig Energiegeladene war, aus dem normalen Schulalltag kommend sehr schwer. Die Arbeit war um ein vielfaches spannender, leichter und befriedigender, wenn die Gruppe diese Hürde genommen hatte. In den ersten Tagen war dieser Zauber, ohne von ihnen wirklich bemerkt worden zu sein, wie aus dem Nichts über sie gekommen. Dort immer wieder einzutreffen entzog sich ihrem Willen und ihren Möglichkeiten. Sie wollten gerne aber wir schafften es trotzdem nicht. Es hat eine ganze Weile gedauert bis wir uns an den Rausch der ersten Tage wieder herantasten konnten.

 
Anekdotisches:
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Kommentare nach den ersten Projekt-Tanz-Tagen:
Viktoria: - Es ist anstrengend sich 6 Stunden lang nur zu bewegen. Ich fand es schön zu
sehen, was für gute Ideen die Jungs hatten.

Zlatko: - Das Tanzprojekt hat mir gefallen obwohl ich nicht ganz klar kam mit den Bewegungen. Mir haben die Bewegungsaufgaben gefallen. Zum Schluss zeigen alle Gruppen ihre Aufgaben vor. Meine Mitschüler hatten
super Ideen.

Daniela: - An vier Projekttagen hatte unsere Klasse Besuch von Frau Hanfgarn. Sie hat
uns einige Tanzschritte beigebracht. Dafür haben wir uns in zwei Gruppen aufgeteilt und verschiedene Sachen geübt.

Sandra: - Wir haben uns zuerst in einen Kreis gesetzt und uns besprochen. Eine der
beiden Gruppen hat Fotos gemacht.

Kommentare nach den ersten Präsentationen:
Nesibe: - Man musste sich erst dran gewöhnen!
Elif: - Wir haben uns in der Klasse viel besser kennen gelernt. Früher gab es viel
mehr Streit, jetzt wollen wir mehr zusammen machen.
Lydia: - Am sichersten haben wir uns vor Erwachsenen gefühlt, die respektieren uns.

Die erste Präsentationen der Arbeit fand schon nach vier Projekttagen anlässlich der ersten Bremerhavener Bildungsbörse statt. Zur Auftaktveranstaltung am Abend war Enja Riegel als Referentin eingeladen und die Aula des Geschwister-Scholl-Schul-Zentrums war gefüllt mit künstlerisch interessierten Eltern und Lehrern. Nach dem Blick auf den gefüllten Saal wollten die Schüler zunächst gar nicht auf die Bühne. Nur durch minutenlanges, gutes Zureden und der Zusage die Präsentation ausdrücklich als „work in progress“ anzukündigen, traten sie schließlich auf. Die Stille, die bei ihrem Auftritt einsetzte und der lange Applaus zum Abschluss, versetzte die Schüler in ungläubiges Staunen. So viel konzentrierte Aufmerksamkeit und Interesse waren sie nicht gewöhnt. Es muss einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Der nächste Auftritt ein paar Monate später fand während des nachmittäglichen Sommerfestes zum fünfzigsten Geburtstag der Immanuel-Kantschule statt. Zum Einen funktionierten, in dem nicht vollständig abdunkelbaren Raum, die Projektionen nicht gut, zum Anderen war es der erste absolut sonnige Tag des Jahres und die Schüler, Lehrer und Eltern strömten unablässig und auch während der Vorstellung von KLANGKÖRPER-KÖRPERKLANG vom Schulhof in die Aula und umgekehrt. Die Türen waren durch die plötzliche Hitze weit geöffnet, die Vorhänge flatterten geräuschvoll. Alle am Projekt beteiligten Lehrer und Künstler hielten den Atem an. Wir waren verunsichert und litten mit den Tänzern auf der Bühne. Würden die Gruppe durchhalten und unter diesen Umständen zu ihrer Arbeit stehen können? Zwischen Hip-Hop und Chor der Schule wirkte die Arbeit zu leise und detailfreudig, in einem solchen Rahmen schlecht platziert. Aber - die Schüler selber haben die gesamte Präsentation mit einer unglaublichen Konzentration durchgehalten. Wir waren sprachlos und begeistert. Nach ihrem Auftritt berichteten sie, dass sie sich einfach ihre erste Präsentation vor Augen geführt hätten. Dieses gemeinsame Eintauchen in die Imagination, das Einlassen auf die Bewegung und Nähe von der wir wochenlang gesprochen hatten, da war sie im richtigen Moment von den Schülern hergestellt worden. Der Auftritt zum Schulfestakt einen Tag später und die Präsentation auf dem 3. Ganztagsschulkongress in Berlin fügten zwei weitere wichtige Erfahrungen in punkto sich präsentieren und gemeinsam Ängste überwinden hinzu. Mit jedem Auftritt haben sich die Schüler einen Schritt weiterentwickelt. Aber die unterschiedlichen Bedingungen der ersten beiden Auftritte haben sich bei allen im Gedächtnis eingebrannt.