Projekt zur Fluthilfe "Aber die Hilfe stiftet Hoffnung"
Schule:
Realschule Kleve-Kellen
Lindenstraße 3a
47533 Kleve
Tel.02821/78123
Fax.02821/781242


Realschule
 
Kooperationspartner:
Soundbox Studio
Tim Verfondern
Regenbogen 16

47533 Kleve

 
Beteiligte Schüler:
26 SchülerInnen
Die Klasse 7d der Realschule Kleve-Kellen
 
Beteiligte Lehrkräfte:
Frank Hendricks (Musiklehrer)Arrangement, Einstudierung und AufnahmeSascha Litjens (Deutschlehrer)Übungen mit der SprecherinHubert Wanders (Rektor)Erstellung des Covers als Datei
 
Stundenvolumen:
2 Wochenstunden über 6 Wochen
für die Proben und Produktion

unzählige Freizeitstunden der Schüler
über 3 Wochen für das Fertigen der Plakate, Verkauf der Cd´s, etc.

 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Das Projekt "Aber die Hilfe stiftet Hoffnung" ist nur eines von vielen bereits durchgeführten Projekten. Alle musikalischen Projekte sind so angelegt, dass sie ineinander greifen.

Die Grundprojekte sind das Klassenmusizieren und die BlasmusikAG. Während beim Klassenmusizieren jede Schulklasse als Band ausgebildet wird, erhalten die Schüler der BlasmusikAG regelrechten Einzelunterricht auf ihrem Instrument. Es kommen an drei Unterrichtstagen vier professionelle Instrumentalpädagogen in die Schule. Die Instrumente werden geleast. Nach nur vier Jahren Aufbauzeit entstand aus dem Nichts ein Vororchester mit 10 Mitgliedern und ein Hauptorchester mit 35 Mitgliedern.

Die Klassenorchester werden durch die in der Blasmusik AG erlernten Instrumente von Jahr zu Jahr mehr aufgewertet. Die beiden Schulbands ließen sich durch die mittlerweile große Anzahl musizierender Schüler schnell bilden.

Herauszustellen ist, dass die Schüler durch Einnahmen von Konzerten und durch mehrere professionell produzierte CD´s eine komplette PA mit E-Drums etc. anschaffen konnten. Diese Instrumente und Technik bilden den Grundstock für bessere Produktionen und Projekte.

Wie kam es zu dem Projekt "Aber die Hilfe stiftet Hoffnung"?

Der Schulbeginn nach den Weihnachtsferien im Januar 2005 wurde von der Flutkatastrophe in Asien überschattet. Die große Betroffenheit zeigte sich auch in der Hilflosigkeit zu helfen. Da wurde vom Kollegium beschlossen, dass jeder Schüler einen Euro mitbringt und diesen spendet. Die Summe sollte dann einer Hilfsorganisation zur Verfügung gestellt werden. Als dieser Beschluss in der Schule durchgesagt wurde, hatte ich gerade Musikunterricht in der 7d. Die Schüler hörten sich die Durchsage an. Dann kam eine Meldung und eine Schülerin bemerkte, dass sie es nicht gut fände, wenn die Schüler einen Euro von ihren Eltern mitbringen und diesen dann einfach nur weitergeben. Man sollte doch lieber selbst etwas machen. Der Vorschlag wurde sofort von der gesamten Klasse unterstützt. Was aber sollte man nur machen?
Nach einer kurzen Diskussion besannen wir uns auf unsere Möglichkeiten und waren der Meinung, wenn wir für das Schulinstrumentarium Geld verdienen konnten, dann muss das doch auch für die Flutopfer möglich sein.

Die erste Idee war, mit dem Kanon von Pachelbel eine Hintergrundmusik zu vertonen (wir hatten vor den Weihnachtsferien ein Schattentheater aufgeführt und mit diesem Kanon selbst vertont). Über diese Musik musste jetzt noch ein Text gesprochen werden. Das Gespräch mit unserem Schulleiter brachte schnell das Ergebnis. Es wurde das Gedicht "Johanna Sebus" von Goethe ausgewählt. Es handelt sich dabei ebenfalls um eine Flutkatastrophe und dann auch noch um eine aus unserer Heimat (Deichbruch am Niederrhein).

Nun ging es darum Partner zu finden, die unser Vorhaben unterstützen. Durch die schon lange bestehende Zusammenarbeit mit dem Soundbox Tonstudio haben wir in Tim Verfondern einen kompetenten Partner gefunden, der sich sofort bereit erklärte unsere Produktion zu den Materialkosten (CD´s, Jewelcases und Bookelets) herzustellen. Unterstützt durch eine Werbekampagne der Presse (Heiner Frost) konnten wir nach Abzug der Materialkosten einen Spendenbetrag von 360,00 EURO erwirtschaften. Für diesen Betrag wurde ein Fischerboot gebaut, welches heute zwei Familien ernährt. Eine liebevoll angefertigte Collage mit Zeitungsausschnitten und dem Foto des Bootes ziert heute unseren Verwaltungsgang.

 
Projektauslöser/Idee:
siehe Kurzbeschreibung des Projektes
 
Projektentwicklung:
Vor den Weihnachtsferien hatten wir den Pachelbelkanon mit eigenen Motiven als Begleitmusik für ein Schattentheater eingesetzt. Diese eigenen Melodien sollten Stimmungen in einzelnen Szenen des Stückes vertonen.

Am Beginn des Projektes "Aber die Hilfe stiftet Hoffnung" stand die Idee diese Musik, bzw. Teile dieser Musik kompositorisch mit einzubeziehen.

Hier die Schritte:

- Ein passender Text musste gefunden werden. (Ergebnis: "Johanna Sebus" von Goethe)

- Das Gedicht wurde in zu vertonende Abschnitte eingeteilt.

- Es wurde entschieden, welche Melodien vom Schattentheater übernommen werden konnten und welche Abschnitte des Gedichtes mit neuen Melodien vertont werden mußten.

- Nach dem Erstellen der neuen Melodien wurde gepobt.

- Die Sprecherin probte mit ihrem Deutschlehrer.
- Dann erfolgte die Aufnahme mit der schuleigenen Technik (Instrumente, Micros, Mixer, etc.) Das Aufnahmegerät brachte der Lehrer mit.

- Der Schulleiter(Fachkollege Kunst) entwarf das Cover.

- Nun war das Tonstudio gefragt. Tim Verfondern ließ sich nicht lange überreden, an diesem Projekt teilzunehmen. Er nahm die Master CD und die Dateien für das Cover und zauberte unsere CD´s.

- Nun war die Presse gefragt. Zufälligerweise gehörte der Redakteur der lokalen Presse einer Hilfsorganisation an, die vor Ort Hilfe leistete und die im März des Jahres in das Katastrophengebiet geflogen sind. Die Unterstützung seiner Organisation brachte zwei Vorteile: 1) Das Geld wurde vor Ort eingesetzt, um den Menschen das zu kaufen, was sie am dringendsten benötigten. 2)Wir erhielten eine erstklassige Berichterstattung über unser Projekt auf den Titelseiten. Diese Aufmerksamkeit für unsere Idee verhalf uns zu einem hohen Absatz unserer CD´s.

- Plakate wurde gemalt und CD´s an mehreren Stellen ausgelegt.

- Das Geld musste regelmäßig bei den Stellen eingesammtelt werden und am Ende des Projektes mussten die überzähligen CD´s wieder eingesammelt werden.

- Die nicht verkauften CD´s wurden nun bei Verwandten, Nachbarn und Freunde verkauft, damit sich kein "totes" Kapital bilden konnte.

- Das Geld wurde gezählt und offiziell überreicht (natürlich mit einem Pressetermin).


 
Besonderheiten:
Die Schüler haben sich ohne Eigennutz für diese Sache eingesetzt. Sie versuchten sich ohne Druck zu perfektionieren, um das Optimale zu erreichen.

Als sie dann die Wahl hatten, ob für das Geld ein Boot (sehr werbeträchtig, da der Name der Klasse auf diesem Boote stehen würde) oder Fischernetze gekauft werden sollten, haben sie sich für die Netze entschieden, da sie der Meinung waren, damit mehr Menschen helfen zu können. Dass es doch ein Boot wurde war die Entscheidung der Organisation, weil vor Ort bereits genügend Netze eingetroffen waren.

 
Probleme und Lösungen:
Zum Glück gab es keine großen Schwierigkeiten.
 
Anekdotisches:
Ein Mitglied der Hilfsorganisation hielt nach Abschluss des Projektes einen Vortrag in der Schule. Es wurde die Arbeit der Organisation vorgestellt und eine Lagebeschreibung des Katastrophengebietes mit reichlich Bildmaterial gegeben. Zunächst gingen alle euphorisch in diesen Vortrag und waren stolz auf ihre durch das Projekt erworbene Popularität. Ein Boot mit der Aufschrift ihrer Klasse erschien ihnen als werbewirksam und damit als Krönung des Gesamtprojektes.

Nach dem Vortrag und den Bildern wurde es ruhig in der Klasse.
Nun kam die Frage, wie sich die Schüler vorstellen könnten, dass ihr Geld eingesetzt werden soll.

Es gab einige Minuten betretenes Schweigen in der Klasse. Dann stimmten alle Schüler einstimmig der "unpopulärsten" Verwendung des Geldes zu. Es sollten Fischernetze gekauft werden.
Da die dort verwendeten Netze sehr günstig sind, ist mehr Menschen damit geholfen als mit einem Boot. Die fehlende Aufschrift auf dem Boot war für die Schüler plötzlich völlig nebensächlich.

Es ist zwar doch ein Boot mit Aufschrift der Klasse 7d von dieser Spende gebaut worden, dies war jedoch eine Entscheidung der Hilfsorganisation vor Ort, da mittlerweile bereits zu viele Fischernetze in den Ort gelangt waren und die Hilfe in Bezug auf die Netze überflüssig gewesen wäre.

Die Kernaussage der Klasse war letztendlich, dass es viel mehr Spass gemacht hat etwas für andere zu tun als für sich selbst. Eine wichtige Erfahrung im Leben eines jungen Menschen.